Vorname des Jahres 2021: Rosenrot

Vorname des Jahres 2021 Rosenrot

Johanna und Alec „Boss Burns“ Völkel haben es richtig gemacht. Schon vor der Geburt ihrer Tochter ließen sie prüfen, ob ihr ungewöhnlicher Namenswunsch eintragungsfähig ist. So schlau sind längst nicht alle Eltern, denn alle paar Monate ruft mich eine frischgebackene Mutter an (es sind immer die Mütter, nie die Väter); Aufgelöst und panisch, weil das Standesamt die Eintragung des Babynamens verweigert. Und das wissen wohl alle, die schon Kinder haben: In den ersten Tagen nach der Geburt hat man wirklich keine Zeit und Kraft, um sich mit Behörden rumzuärgern. Darum rate ich allen werdenden Eltern, die mit einem sehr außergewöhnlichen Babynamen liebäugeln: Erkundigt euch schon rechtzeitig vor der Geburt beim zuständigen Standesamt (das ist das Standesamt des Geburtsorts), ob es dort Bedenken gibt, euren Wunschnamen in die Geburtsurkunde einzutragen. Um auf Nummer sicher zu gehen, könnt ihr auch ein fundiertes Gutachten erstellen lassen, entweder bei der Gesellschaft für deutsche Sprache oder bei der Namenberatungsstelle der Uni Leipzig.

Ach ja, Familie Völkel hat ihre Tochter Rosenrot genannt und ich habe diesen Namen als Vornamen des Jahres 2021 ausgewählt!

Weit bekannt …

Vermutlich wurde dieses Jahr wirklich zum ersten Mal ein Kind Rosenrot genannt. Dabei ist der Name weit bekannt durch das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ und sogar Schneewittchen ist zumindest theoretisch ein anerkannter Vorname. Und seitdem Himmelblau als Vorname anerkannt wurde, sind auch besondere Farben nichts Besonderes mehr in Deutschlands Namensvorrat.

… aber einzigartig

Einzigartige Vornamen gibt es reichlich – in meiner Vornamensammlung sind mehr als 40.000 Vornamen, für die ich nur einen Eintrag habe und jedes Jahr kommen tausende neuer Babynamen dazu! Im Großen und Ganzen teilen sich diese Vornamen in zwei Gruppen: Zur ersten Gruppe gehören vertraute und weit verbreitete Namen, die durch eine ungewöhnliche Rechtschreibung oder durch Ergänzung diakritischer Sonderzeichen zu einem einzygartigèn Vornamen gemacht wurden. Zur zweiten Gruppe gehören Namen, die in anderen Ländern und Sprachen ihren Ursprung haben. Alle diese Vornamen haben gemeinsam, dass sie im deutschsprachigen Umfeld auffallen. Rosenrot dagegen wirkt sehr vertraut und unauffällig und sticht aus der Menge der außergewöhnlichen Namen heraus. Ich kann mir gut vorstellen, dass in nächster Zeit viele weitere Kinder Rosenrot genannt werden. Darum ist Rosenrot der Vorname des Jahres 2021!

Über den Vornamen des Jahres

Den „Vornamen des Jahres“ habe ich, Knud Bielefeld, ganz allein, völlig undemokratisch und subjektiv ausgewählt. Objektive Kriterien gibt es nicht. Die bisherigen Vornamen des Jahres: Hailey, Greta, Horst, Vaiana, Elphi, Samu, Neymar und Kathalea


23 Gedanken zu „Vorname des Jahres 2021: Rosenrot“

  1. Rosenrot als Vorname des Jahres finde ich toll.
    Ich mag den Namen, durch das Märchen ist er vertraut und mit Rose, Rosa und Rosie gibt es schöne Abkürzungen. Ich persönlich würde noch einen bodenständigen Zweitnamen empfehlen 🙂
    Weil der Name für reale Mädchen und Frauen (durch das Märchen und „Rose“ sehe ich den Namen nicht als Jungennamen) doch noch neu ist, könnte ich mir vorstellen, dass er erst als Zweitname beliebt wird.

    Wie ist das eigentlich, wenn man sein Kind so einen Namen geben möchte und das Standesamt zickt. Kann man dann sagen, dass es bereits eine kleine Rosenrot/Himmelblau/November/Schneewittchen gibt oder muss man den Namen auch begutachten lassen (oder reicht es, wenn einmal die Vergebbarkeit des Namens bescheinigt wurde?)

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    • Ich bin zwar kein Jurist, aber einfach zu sagen, dass es den Namen gibt, reicht wohl selten. Ein Zeitungsausschnitt als Beleg oder eine andere Quelle hilft schon weiter. Mit ist ein Fall bekannt, wo ein Mädchen den Namen Karja bekommen hat und der Vater mit dem entsprechenden Karl-May-Band in der Aktentasche zum Standesamt gegagen ist und die passende Buchseite aufgeschlagen hat.

    • @elbowin
      Ich habe mich da ein wenig missverständlich ausgedrückt. Mit dem Sagen war ein „Beweis“ in Form eines Artikel etc. verbunden gewesen 🙂

    • Man kann immer versuchen zu überzeugen, wenn das Standesamt zickt. Da arbeiten ja auch nur normale Menschen, die grundsätzlich verhandlungsbereit sind. Wie fundiert der Nachweis eines Vornamens sein muss ist dabei allerdings sehr unterschiedlich.

      Ich hatte mal ein Gespräch mit einer Mutter, die den Namen Kathalea (Vorname des Jahres 2013) hier im Blog entdeckt hatte und beim Standesamt damit abgeblitzt ist. Mein Blog-Beitrag reichte als Nachweis nicht aus, es musste was Gedrucktes sein. Ich hatte dann darauf hingewiesen, dass derselbe Text auch in unserem Buch „Elsa ist keine Kuh“ erschienen ist und daraufhin durfte das Mädchen Kathalea heißen.

  2. Das Wort „Rosenrot“ mag ja sehr romantisch und schön klingen. Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte mich bei meinen vielen Umzügen in der Kindheit vor die neue Klasse stellen und als Rosenrot vorstellen müssen – Ach nee!

    Genauso ätzend stelle ich es mir vor, wenn sich Staatsanwalt Dr. Pumuckl Irgendwas vorstellt und hofft, dass ihn noch irgendein Mensch ernst nimmt. (Ich kann mich an Zeitungsartikel über Eltern erinnern, die diesen Namen einklagen wollten.)

    Hiess es in Namensratgebern früher nicht immer, man solle keine Namen in Betracht ziehen, die das Kindeswohl gefährden könnten? Vielleicht ist es nur Gedankenlosigkeit, aber bei manchen „Kreationen“ werde ich den Verdacht nicht los, dass Eltern ihre Kinder nicht ausstehen können. Oder dass sie sich nur selbst inszenieren wollen. Beides stimmt eher traurig.

    Als Vornamen finde ich sowohl Rosenrot als auch Himmelblau einfach nur daneben. Und dass es bei Abertausenden von eindeutig als Vornamen zu erkennenden keine Alternative geben soll, kann ich nicht glauben.

    Ansonsten werden wir demnächst wohl auch Rostrots und Kackbrauns im Kindergarten begrüssen dürfen?

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    • Auch wenn es nur eine rhetorische Frage war, gibt es zwischen Rostrot, Kackbraun und Rosenrot und Himmelblau meilenweite Unterschiede.
      Rosenrot hat eine Märchenfigur zum Vorbild. Ein fiktives Mädchen trägt den Namen, der den realen Namen „Rose“ enthält. Wie bei „Rose“ assoziiert man mit „Himmel“ nur Positives. In meinem ersten Farbartikel habe ich mich mit Himmelblau beschäftigt. Der Name wurde mit der Begründung zugelassen, dass Rosa auch ginge. Obwohl Rosa von dem lateinischen Wort für Rose kommt.
      Mir persönlich sagt Himmelblau nicht zu, es klingt zu sehr nach der der Farbe, vielleicht auch, weil es anders als Rosenrot kein fiktives Vorbild gibt.

      Rostrot und Kackbraun sind negative Assoziationen, die man nicht mit seinem Kind verbinden möchte.
      Veilchenlila könnte ich mir theoretisch als Name vorstellen, wenn es nicht schon Violetta etc. geben würde.

      Liebe Grüße
      Vivi alias Miez

    • Von allen neuen Vornamen ist Rosenrot derjenige, bei dem ich die wenigste Angst hätte, mich vor der neuen Klasse zu blamieren. Aufmerksamkeit erregen wohl alle ungewöhnlichen Vornamen genauso wie alles, was ungewöhnlich ist. Aber wenn alle Eltern immer nur etablierte Namen vergeben hätten, dann hätte ich dieses Blog längst wegen Langeweile eingestellt. Über den ursprünglichen Vorrat alter zweigliedriger germanischer Namen wären wir hierzulande nicht herausgekommen, denn auch die Vornamen hebräischer, lateinischer und griechischer Herkunft waren irgendwann mal neu. Vor diesem Hintergrund finde ich Rosenrot eine Bereicherung meiner Namenssammlung!

    • Ich find’s eher gut, „schöne Wörter“ wie Rosenrot als Namen zu etablieren. Wenn man in Amerika Herbst, Januar, Fluss oder Weide heißen darf, in Korea Weltraum, Baum oder Schmetterling, denk ich eher, ganz schön beschränkt, was in Deutschland alles nicht geht. Das mit dem Kindeswohl ist doch eine gute Richtlinie, die meiner Meinung nach von Rosenrot nicht verletzt wurde.

      Ein paar Namen gibt es ja: Rose, Heide, Falk, Wolf… Die finde ich sehr schön.

    • Vielen Dank Ruth.
      Dem möchte ich mich gerne anschliessen. Hier im Blog werden Namen wegen ihrer Bedeutung gefeiert, für die man Latein-, (Alt-)Griechisch-, Hebräisch- etc. -Kenntnisse haben muss, was natürlich alles auch sehr schön sein kann. Aber das ist doch kein Vergleich damit, wenn diese Sprachbarierre gar nicht erst auftreten würde und man im Deutschen einen direkten Zugang zur Bedeutung erhält.
      Diese ungeschriebene Regel, dass man die Bedeutung deutscher Namen nur durch die Blume mitteilt, empfinde ich als beschränkte Möglichkeiten. Die Ausnahmen dieser Regel feiere ich hingegen sehr und beneide das Ausland um ihren Namensreichtum.

      Alles unter der Einhaltung des Kindeswohls, versteht sich. Die Ausreisser, die in den USA möglich sind, gehen mir oft auch zu weit.
      Im Islam heisst es in etwa sinngemäss, dass jedes schöne Wort auch ein Name sein kann. Das ist für mich eine sehr schöne Haltung gegenüber der Namensvergabe.

      Gibt es hier schon einen Beitrag, den ich noch nicht kenne, in dem Namen, die auch Echtwörter sein könnten, thematisiert oder aufgelistet werden?
      Stichwort: Blumen, Farben, „Nature Names“ wie Mark einmal schrieb…

    • Ich stimme Ruth und Tameri zu. Die positiven Assoziationen gefährden das Kindeswohl nicht und die Bedeutung ist sofort erschließbar. Wobei ich glaube, dass die Menschen außerhalb des Blockes weniger wert auf die Bedeutung legen. Es geht vor allem um den Klang. Tristan bedeutet „Waffebgeklirr“, darüber regt sich aber niemand auf, anders als bei Jihad, ein Name der von Terroristen missbraucht wurde und in seiner ursprünglichen Bedeutung „Anstrengung/ Kampf“ heißt (die türkische Varianten wird mit ch geschrieben, wenn ich mich nicht irre).
      Die recht beliebte Enna heißt noch konkreter als Kamof und Waffengeräusche „Schrecken“.
      Ich finde Tristan und Enna klanglich hübsch, aber über die Bedeutungen komme ich fast nicht hinweg.

      Rosenrot ist da eindeutig und hat eine schöne Bedeutung. So rot wie die Rosen 🙂

  3. Also ich persönlich finde Rosenrot richtig unheimlich – eben weil man den Namen nur aus dem Märchen kennt und auch diesen meinen Assoziationen nach etwas Gruseliges anhaftet. Bei dem Namen „Rosenrot“ denke ich erstmal nicht an Rosen, sondern sehe eine Szene vor mir, in der im Wald ein Mädchen läuft und eine Hexe mit unheimlicher Stimme den Namen ruft… Dazu kommt, dass mir auch der Klang mit dem doppelten „ro“ überhaupt nicht gefällt. Für mich alles andere als eine schöne Wahl für ein Kind – dieses wird übrigens wohl Rosie gerufen, was ich als offiziellen Namen viel besser gefunden hätte.

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    • Witzig, wie die Assoziationen sich verselbständigen 🙂 Im Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot kommt meines Wissens nicht mal eine Hexe vor, bloß ein böser Zwerg und ein Bär, der eigentlich ein Prinz ist.

      Ich finde den Namen spannend, auch klanglich und mit der Märchenassoziation. Gewählt oder empfohlen hätte ich ihn allerdings auch wieder nicht, ich wäre doch eher konventionell für Rosemarie oder (obwohl der nichts mit Rosen zu tun hat) Roswitha.

      Bei der Kurzform Rosie mit ie frage ich mich übrigens immer, ob man die englisch sprechen soll (was mir laut Mark – wo steckt der eigentlich?! – wohl nur so semi gelingen würde). Rosi wäre dagegen klar deutsch zu sprechen.

  4. @Annemarie:

    Ja, das dachte ich mir auch beim Schreiben, dass das Märchen eigentlich gar nichts mit Hexen zu tun hat – wirklich bemerkenswert, was das Gehirn manchmal macht… 😉

    Ich fände Rosalie sehr schön, oder auch Rosa (mein Zweitname). Rosie würde ich Englisch sprechen – an sich finde ich es hübsch, aber im Alltag tatsächlich umständlich auszusprechen; da Rosenrots Bruder aber Charlie heißt und ihr Zweitname Malou ist, denke ich, dass die Eltern eher moderne Namen bevorzugen und tatsächlich Rosie konsequent Englisch sprechen.

    Eine Bekannte von mir hat übrigens eine Tochter namens Julie, was ich intuitiv Englisch oder Französisch sprechen würde (wegen des ies) – sie spricht den Namen allerdings wie den Monat.

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    • @elbowin

      Im Zug der Ahnenforschung habe ich herausgefunden, dass meine Urgroßtante Luzie (von der ich dachte, sie hieße in Wirklichkeit Luzia) Luzie Julie hieß. Ich frage mich seitdem wie Julie ausgesprochen wurde. Da sie in den 1910ern geboren wurde, denke ich auch, dass es Julije war. Eine heute geborene Julie würde ich auch englisch aussprechen, eine 100 Jahre alte Julie immer mit j.

  5. @Miez:

    Bei mir ist es ebenso – eine heute geborene Julie würde ich Englisch oder evtl. Französisch, eine 100-jährige Julie wie Julia mit e sprechen. Wüsste ich allerdings, dass die heute geborene Julie Geschwister namens Margarete und Anton hat, würde ich vielleicht eher Julje sprechen. Aber generell ist Julie Englisch gesprochen wohl am häufigsten, würd ich einfach mal behaupten, @elbowin

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  6. Meine Katze heißt Rosie und ich spreche sie ganz normal Rosi aus. Ich schreibe sie Rosie, weil mir das Schriftbild (warum auch immer) besser gefällt und ich einen Klatsch in Sachen Namen habe. Was ich damit sagen will, ich denke den Völkels gefällt die internationale Schreibweise einfach besser.

    Und wenn wir schon mal bei Farben sind, ich kannte mal eine Lila. Sie wird Lila gesprochen, zuerst fand ich es etwas befremdlich, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Vergeben würde ich weder Lila noch Rosenrot.

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  7. Süßer Katzenname! Bei der Juli gesprochenen Julie gefiel den Eltern auch einfach das Schriftbild besser. Bei Bruder Charlie und in Kombi mit Malou tippe ich bei unserer Rosie hier aber schon auf die englische Version. Wobei ich Rosie Malou ganz süß finde.

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