Babynamen der Woche 03/2019

Cattleya * Helin * Kijan * Maddox Kylian * Noah Miran * Linea-Marie * Elijah Atreyu * Elias Ivano * Leonard Zak * Malea Eleni * Hanifa * Jonathan Franz Otto * Iva * Linus Matthias * Margarethe Phönix * Sky Harry Helmut * Saly * Jamie Clyde * Dragos-Ionel * Elias Iuliano * Dawina * Eyyub-Falk * Helga Margarethe * Alice-Jade * Ari * Yekta * Mares * Aegisa Ilma * Thees Fritz * Emma Csilla

Babynamen 2019 03

Vornamen-Interview mit Tina Schreiner: „Ein eher leichtes Gepäck für meine Kinder.“

Heute geht es mal nach Österreich: Tina Schreiner aus Graz hat nicht nur für ihren Sohn, ihre Tochter sowie für einen Mops Namen ausgesucht, sondern auch für ihr eigenes Geschäft. In dem kleinen Laden gibt es alles rund um den Basteltrend Plotten, etwa für selbst gestaltete Bügelbilder. Warum sie trotz ihrer Liebe zu alten Namen keine Nachbenennungen wollte, erzählt die 1974 geborene Kreativ-Expertin in unserem Vornamen-Interview.

Tina Schreiner
Franzl-Rocket und Tina Schreiner

Wie lautet Ihr vollständiger Vorname?

Tina Maria.

Wie werden Sie genannt?

Mama oder Tina.

Mögen Sie Ihren Vornamen?

Er ist okay. Ich find ihn etwas platt und einfallslos, aber es hätte schlimmer kommen können.

War er in Ihrer Region und Generation gängig?

Jein. Es gab immer zig Christinas, Bettinas und Martinas. Aber keine Tina. Von daher war er doch etwas Besonderes. Ich musste ihn früher auch immer erklären („Nein, keine Bettina. Nur Tina!“). Inzwischen nicht mehr, offensichtlich sind solche Abkürzungen als vollwertige Namen etabliert.

Wie würden Sie lieber heißen?

Beate. Nein, war nur ein Scherz! Über diese Frage hab ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Wissen Sie, warum Ihre Eltern Sie so genannt haben?

Offiziell nach Tina Turner. Inoffiziell hab ich da eine Vermutung. Meine Brüder heißen nach Onkels. Und es gibt eine Tante Christina. Also ich glaube ja, meine Eltern hatten nicht wirklich viele eigene Ideen. Die Turner mag ich aber voll gern. Eine Powerfrau und ihre Musik ist auch super!

Sie möchten die Namen Ihrer Kinder im Internet nicht nennen – aber in welche Richtung geht es?

Beide Namen sind eher alt und in der jeweils andersgeschlechtlichen Version viel üblicher.

Wie sind Sie auf die Namen gekommen?

Mir ist die Bedeutung extrem wichtig. Es hätte nie ein Tristan oder eine Dolores sein können! Ich weiß nicht, wie viele Eltern von Claudia sich bewusst waren, was sie da tun … Außerdem müssen Vornamen für mich schön klingen und zum Nachnamen passen. Ein No-Go wäre die Kevinismus-Schublade gewesen. Und ich wollte keine Top-Ten-Namen. Weiters war mir wichtig, dass sie jeweils der erste in unseren Familien mit ihren Namen sind. So schön es ist, Namen weiterzugeben, meine Kinder dürfen mit ihren Namen selber ein leeres Blatt beschreiben. Letztendlich gibt man mit einem bereits vorhandenen Namen einen Rucksack mit. Und wer weiß, vielleicht bevorzugen meine Kinder eher leichtes Gepäck?

Eine kleine Rolle spielte auch die Typographie. Ich wollte, dass die Namen geschrieben schön aussehen. Aber das war Luxus und hat die Entscheidung nicht wirklich beeinflusst. Ach ja, was noch wichtig war: Man muss die Namen gut brüllen können. Dieses Kriterium wird zu wenig beachtet, finde ich. Jetzt im Ernst, auch beim normalen Rufen klingen manche Namen einfach seltsam. Carl fiel deshalb raus. Tut mir immer noch ein bisserl leid.

Wann haben Sie sich für die Namen entschieden?

Beim ersten Kind (Bub) recht früh, muss so im vierten Monat gewesen sein. Bei der Tochter war es schwerer, weil wir uns überraschen haben lassen und so zwei Namen gebraucht wurden. Außerdem gefiel meinem Mann nichts von meinen Vorschlägen. Meine eigentlichen Favoriten waren Melchior und Adele – ich lieb sie noch immer …

Wie reagieren andere auf die Namen Ihrer Kinder?

Vom Namen des Sohnes wollten mich viele abbringen, weil sie fanden, ich nenne das arme Kind wie einen Opa. Tatsächlich kenne ich nur noch einen Jungen mit seinem Namen, der nach meinem Sohn benannt wurde. Ansonsten sind die Leute, die die Namen vielleicht furchtbar finden, höflich und still. Wir hören stattdessen oft, dass es sehr schöne Namen sind. Besonders der von der Tochter.

Wie heißt Ihr Hund?

Franzl-Rocket, wir sagen aber Franzl zu ihm. Ich wollt Franzl, mein Sohn Rocket. Na ja, mit dem Hund kann man’s ja machen …

Wie kam es zum Namen Ihres Geschäfts, „Ernas Enkelin“?

Mein Oma war immer mein Anker und mein Leuchtturm. Ich hab ihr viel zu verdanken und der Name war einfach da. Er hätte mir auch für ein Kind gefallen, wenn nicht die blöden Erna-Witze wären und der Name nicht schon vergeben wäre. Wobei Erna die Abkürzung ist, mit der meine Oma angeredet wurde. Sie hieß Ernestine. Das gefällt mir weniger, weil es zu nah am eher negativ besetzten „ernst“ ist.

 

Die beliebtesten Jungennamen auf -o

Buchstabe O © hobbitfoot - fotolia.com
Grafik © hobbitfoot – fotolia.com

Ich habe ermittelt, welches die häufigsten Jungennamen mit der Endung -o sind:

  1. Theo
  2. Matteo / Mateo / Matheo
  3. Leo
  4. Nico / Niko
  5. Timo
  6. Lio
  7. Bruno
  8. Milo / Milow
  9. Emilio
  10. Alessio
  11. Carlo / Karlo
  12. Thilo / Tilo
  13. Leandro
  14. Hugo
  15. Neo
  16. Enno
  17. Benno
  18. Leonardo
  19. Fabio
  20. Mailo
  21. Marco / Marko
  22. Diego
  23. Lino
  24. Tiago / Thiago
  25. Antonio
  26. Leano
  27. Nino
  28. Dario
  29. Otto
  30. Nevio
  31. Mio
  32. Alessandro
  33. Jano
  34. Tammo
  35. Hanno
  36. Valentino
  37. Tino
  38. Marlo
  39. Jaro
  40. Ricardo / Riccardo
  41. Romeo
  42. Mario
  43. Keno
  44. Vito
  45. Giuliano
  46. Tamino
  47. Jarno
  48. Aurelio
  49. Francesco
  50. Nelio
  51. Danilo
  52. Angelo
  53. Miko
  54. Eliano
  55. Pablo
  56. Miro
  57. Santiago
  58. Arno
  59. Sandro
  60. Rocco
  61. Adriano
  62. Bo
  63. Lorenzo
  64. Enrico
  65. Enzo
  66. Christiano / Cristiano
  67. Vincenzo
  68. Kuno
  69. Mirco / Mirko
  70. Rico
  71. Janno
  72. Mino
  73. Paolo
  74. Fernando
  75. Ivo
  76. Luciano
  77. Giulio
  78. Nilo
  79. Santino
  80. Gino
  81. Gero
  82. Elio
  83. Leno
  84. Massimo
  85. Paco
  86. Alejandro
  87. Damiano
  88. Kiano
  89. Domenico
  90. Nero
  91. Remo
  92. Malo
  93. Pino
  94. Valerio
  95. Tayo
  96. Cosmo
  97. Joko
  98. Levio
  99. Frido
  100. Ivano
  101. Milano
  102. Nio
  103. Pedro
  104. Pietro
  105. Tamo
  106. Falco / Falko
  107. Jamiro
  108. Jesko
  109. Liano
  110. Maiko / Meiko
  111. Taro
  112. Armando
  113. Juliano
  114. Rio
  115. Amaro
  116. Emiliano
  117. Filippo
  118. Ludo
  119. Marino
  120. Meo
  121. Mikko
  122. Onno
  123. Paulo
  124. Giorgio
  125. Luano
  126. Meilo
  127. Sergio
  128. Alvaro
  129. Eduardo
  130. Fabrizio
  131. Federico
  132. Flavio
  133. Janko
  134. Janto
  135. Niilo
  136. Fenno
  137. Keano
  138. Lucio
  139. Nuno
  140. Roberto
  141. Benito
  142. Hajo
  143. Jelto
  144. Jo
  145. Marcello
  146. Alexandro
  147. Bero
  148. Fabiano
  149. Taio
  150. Tiziano
  151. Bernardo
  152. Ennio
  153. Gennaro
  154. Lyo
  155. Maro
  156. Mathéo
  157. Nando
  158. Rodrigo
  159. Timeo
  160. Viggo
  161. Vigo
  162. Aleandro
  163. Ciro
  164. Heiko
  165. Nelo
  166. Bodo
  167. Enjo
  168. Fero
  169. Fio
  170. Francisco
  171. Moreno
  172. Pio
  173. Roko
  174. Sebastiano
  175. Vico
  176. Amando
  177. Anjo
  178. Dino
  179. Ihno
  180. Jesco
  181. Juno
  182. Lando
  183. Lenjo
  184. Lenyo
  185. Lisandro
  186. Livio
  187. Massimiliano
  188. Mihajlo
  189. Rosario
  190. Tamio
  191. Tido
  192. Wilko
  193. Antonino
  194. Caio
  195. Camilo
  196. Claudio
  197. Cosimo
  198. Darijo
  199. Diogo
  200. Gaetano
  201. Joao
  202. Leoandro
  203. Malio
  204. Manilo
  205. Marcelo
  206. Mariano
  207. Mato
  208. Mijo
  209. Nicolo
  210. Orlando
  211. Philo
  212. Santo
  213. Savio
  214. Stefano
  215. Tadeo
  216. Zeno
  217. Alerio
  218. Alesio
  219. Allessio
  220. Bao
  221. Calogero
  222. Darko
  223. Edoardo
  224. Enio
  225. Ernesto
  226. Fredo
  227. Friso
  228. Guiliano
  229. Harro
  230. Ilario
  231. Jago
  232. Julio
  233. Kenzo
  234. Laszlo
  235. Tajo
  236. Tommaso
  237. Amelio
  238. Benicio
  239. Carmelo
  240. Delano
  241. Elino
  242. Frieso
  243. Gustavo
  244. Jamilo
  245. Kaleo
  246. Lauro
  247. Maurizio
  248. Mihailo
  249. Neyo
  250. Niccolo
  251. Piero
  252. Reto
  253. Rino
  254. Romano
  255. Tamilo
  256. Udo
  257. Yaro

Die Auswertungsgrundlage ist eine Stichprobe von ungefähr 25 Prozent aller in den Jahren 2016 bis 2018 in Deutschland geborenen Jungen. Gleichlautende Vornamen habe ich zusammengefasst und gleich häufige Namen in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Babynamen der Woche 02/2019

Mayar (f) * Mhairi Ulrike * Nima Maxim * Sewerin-Emilian * Marlon * Matthea Christa * Julia Isabelle * Ferry (m) * Lotta * Luna * Christian Johann * Lukas Maximilian Sascha * Linda Charlotte * Milan Arda Levent * Oscar Karl Benjamin * Milan Mick Chris * Tiago Achilles * Percy Robert * Rana Amira * Lydia * Frieda Madita * Adelina * Rafael Anton * Valea * Joris Thibault * Linus-Sven * Freya Helene * Emil Jeppe * Till Erik * Sanna Merle * Pina Wilhelmine * Nele Celine * Filian * Najam (m) * Henri Nathanael * Marlene Thea Sofie * Rylee Harleen (f)

Babynamen der Woche

Zwillinge

Catharina und Milena
Layal (f) & Layla
Max & Lilly

Großstadtnamen / Kleinstadtnamen

Manchmal kommt man beim Herumstöbern ja auf verrückte Ideen, und was bei dieser herausgekommen ist, hat mich selbst verblüfft. Irgendwie – fragt mich nicht wie – bin ich auf die Idee zu kommen, die Einwohnerzahl der Vornamen auszuwerten. Konkret habe ich mir jeweils die Top 200 der beliebtesten Jungen- und Mädchennamen des Geburtsjahrgangs 2018 vorgenommen und ausgerechnet, wie hoch die durchschnittliche Zahl der Einwohner des Geburtsorts der Babys mit dem jeweiligen Vornamen ist.

Großstadt auf Tablet © SasinParaksa - fotolia.com
Großstadt auf Tablet © SasinParaksa – fotolia.com

Ich hatte vor der Auswertung nicht damit gerechnet (als Wissenschaftler würde ich das jetzt These nennen), dass es überhaupt signifikante Unterschiede gibt. Tatsächlich liegen zwar nicht gerade Welten, aber immerhin die Einwohnerzahl einer Großstadt wie Hannover zwischen dem am meisten großstädtischen Vornamen Ava (durchschnittliche Einwohnerzahl ungefähr 660.000) und dem am meisten kleinstädtischen Vornamen Anni (durchschnittliche Einwohnerzahl ungefähr 120.000).

Großstadtnamen

Die Vornamen mit der größten durchschnittlichen Einwohnerzahl

Mädchen Jungen
  1. Ava (660.000)
  2. Alicia (510.000)
  3. Elisabeth (490.000)
  4. Daria (470.000)
  5. Alma (460.000)
  6. Liya (450.000)
  7. Amina (450.000)
  8. Rosa (440.000)
  9. Lorena (440.000)
  10. Medina (440.000)
  1. Leonardo (580.000)
  2. Jasper (540.000)
  3. Theodor (540.000)
  4. Frederik (500.000)
  5. Dean (500.000)
  6. Kian (490.000)
  7. Ilyas (490.000)
  8. Amir (480.000)
  9. Mateo (470.000)
  10. Nicolas (470.000)

Kleinstadtnamen

Die Vornamen mit der kleinsten durchschnittlichen Einwohnerzahl

Mädchen Jungen
  1. Anni (120.000)
  2. Jule (140.000)
  3. Marleen (140.000)
  4. Franziska (180.000)
  5. Lenia (180.000)
  6. Ina (180.000)
  7. Annika (190.000)
  8. Celina (190.000)
  9. Neele (200.000)
  10. Emmi (200.000)
  1. Samu (120.000)
  2. Thomas (150.000)
  3. Franz (150.000)
  4. Colin (160.000)
  5. Andreas (160.000)
  6. Bastian (160.000)
  7. Matthias (160.000)
  8. Phil (170.000)
  9. Hannes (170.000)
  10. Kurt (180.000)

Männlich, alt, mit E – die Rückkehr

„Ich heiße Erwin und bin Rentner.“ Na, wer hat da gleich ein Bild vor Augen – von einem 66-jährigen Schnauzbartträger mit Nickelbrille? Vermutlich können gerade jüngere Menschen mit Erwin Lindemann aus dem Loriot-Sketch „Der Lottogewinner“ nichts mehr anfangen. Und selbst wenn: Das Szenario um den etwas verwirrten angehenden Besitzer einer „Herrenboutique in Wuppertal“ liegt ja gut ersichtlich viele Jahre zurück, Herr Lindemann würde jetzt bereits sein 109. Wiegenfest begehen. Gut für seinen Vornamen: Erwin erlebt gerade eine kleine Renaissance, die ihn zuletzt auf Platz 266 von Deutschlands beliebtesten Jungennamen trug. 2017 schloss Erwin gar auf Platz 244 ab, in den Top 300 ist er seit 2013.

Erwin Statistik
Ranglistenpositionen des Vornamens Erwin seit 2007

In unseren „Babynamen der Woche“ tauchte der besonders in den 1920er Jahren beliebte Name schon mehrfach als Zweit- oder Drittname auf, wohl als modern eingebettete Nachbenennung, etwa bei Elian Erwin, Janis Erwin oder Levin Tibet Erwin. Doch wenn Mama und Papa (Ur-)Opas Namen richtig schrecklich fänden, wäre er heute wohl auch an nachgerückter Stelle chancenlos. Einen kleinen Erwin Peter gibt es in der Sammlung auch schon.

Namen mit dem Anfangsbuchstaben E sind derzeit besonders bei Mädchen beliebt: Gleich drei – Emma, Emilia und Ella – finden sich in den Top Ten. Bei den Jungen gibt es immerhin Elias (seines Zeichens keine Neuauflage von vor hundert Jahren) sowie auf Platz 14 den schon in den 90ern wiederentdeckten Emil, nach dem sogar der Gegentrend zum sogenannten „Kevinismus“ getauft wurde: Emilismus. Ich tippe mal, dass der ebenfalls klassisch, aber noch bzw. wieder unverbraucht wirkende Erwin in der nächsten Dekade noch eine nette Karriere hinlegen wird. Ähnliches gilt für Egon, ein Name, dem ich noch vor vier, fünf Jahren ebenso wenig eine Chance auf Wiederentdeckung eingeräumt hätte wie Erwin. Egon landete zuletzt auf Platz 334.

Wenn man sich mal von Vorwissen über ältliche Onkel oder Nachbarn, Loriot-Lottogewinner oder SED-Politiker freimacht, erinnern Erwin und Egon klanglich durchaus an beliebte Namen wie Anton – oder Kevin (unerschütterlich auf Platz 294). Oder an Namen aus dem „Herrn der Ringe“ (Eowyn, Aragorn). Warum also sollten sie keine zweite Chance verdienen?

Noch mehr „Männlich, alt, mit E“ gefällig? Auch Edgar (Platz 225), Edwin (345) und Eduard (353) spielen in den Top 500 (wieder) eine Rolle. Ich warte noch auf Eckard, Edmund, Elmar, Erich und Eugen. Ob Ernst wohl auch zurückkehrt?!

Knud Bielefeld im Interview: „Ich kenne keinen Ben.“

WDR aktuell 2018-05-03
Schnappschuss aus der Sendung „WDR aktuell“

Pünktlich „zwischen den Jahren“ werfen Knud Bielefelds Top-Listen wieder ein Schlaglicht auf Deutschlands Babynamengeschmack: Der Vornamenanalytiker hat die 1.000 beliebtesten Vornamen – 500 Mädchen- und 500 Jungennamen – veröffentlicht. 206.336 Kinder des Jahrgangs 2018 hat er dazu in seiner Datenbank erfasst, das sind etwa 26 Prozent aller Neugeborenen, und ihre Namen nach Erst- und Zweitnamen getrennt ausgewertet.

Annemarie Lüning: Der Name Ben ist in diesem Jahr zum achten Mal in Folge auf Platz eins gelandet, Emma das zweite Mal. Komischerweise kenne ich, obwohl ich ja selbst ein Kind habe, in meinem weiteren Umfeld nur einen einzigen kleinen Ben, den etwa dreijährigen Sohn eines Kollegen. Emmas sind mir schon viel öfter begegnet.

Knud Bielefeld: Ich kenne auch keinen Ben. Das ist aber auch nicht so überraschend, weil selbst die häufigsten Namen schon länger nicht mehr so häufig sind. Früher war eben nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Thomas. Oder Sabine. Nur zwei Prozent aller männlichen Babys werden heute Ben genannt. Bei den Mädchen ist es mit Emma dasselbe.

AL: Deutet sich an, dass Emma und Ben von ihrem Thron gestoßen werden könnten?

KB: Nein, beide sind souveräne Spitzenreiter. Allerdings hatte Emmas Vorgängerin auf Platz 1, Mia, auch einen guten Vorsprung, bis sie 2017 abgelöst wurde. Es kann also auch mal schnell gehen.

AL: Was hat sich in den Top 10 im Vergleich zu 2017 geändert?

KB: Sehr wenig. Bei den Mädchen ist Ella neu hinzugekommen, dafür ist Marie jetzt raus. Und die Jungennamen auf Platz 2 bis 10 haben ihre Plätze durchgetauscht.

AL: Enttäuscht ein solches Ergebnis den Vornamenanalytiker?

KB: Nein. Dass Namensvorlieben lange konstant bleiben, ist schließlich auch eine Erkenntnis, die man ohne die Analyse nicht hätte. Ansonsten sorgen die Auf- und Absteiger in den Top 500 für genügend Spannung. Malia zum Beispiel, ein Name, zu dem ich keine einheitliche Aussprache mitliefern kann: Die einen sprechen ihn wie Maria mit l, andere vielleicht wie eine verkürzte Amalia. Mit ziemlicher Sicherheit wurde dieser Trend durch die Tochter von Ex-US-Präsident Obama ausgelöst. Oder Hailey: Dieser Name liegt in den USA und auch bei uns schon länger im Trend. In diesem Jahr könnte das durch Schlagzeilen über das Model Hailey Baldwin noch befeuert worden sein. Bei den männlichen Aufsteigern ist Fußballer Jann-Fiete Arp sicher nicht ganz unschuldig an der weiteren Verbreitung von Fiete.

AL: Du veröffentlichst außerdem immer ausgewählte Einsteiger …

KB: Das fällt eher unter „Kuriositätenkabinett“, weil solche bunten Beispiele immer von der Presse nachgefragt werden. Diese Namen rangieren jenseits der Top 500, sind aber alle 2018 mindestens zweimal in meiner Datenbank gelandet. Darauf lege ich Wert, schon damit nicht womöglich ein besonderes Kind hervorgezerrt wird. Außerdem sind die Einsteiger so auch eine Art Mini-Trendbarometer. Warum ist mindestens zwei Elternpaaren der Jungenname Bryson eingefallen?! Hier wäre ich für Hinweise dankbar. Beim Mädchennamen Tulip weiß ich es schon: So heißt eine Figur der Serie „Preacher“. Und bei Loras – männlich – stand mal wieder „Game of Thrones“ Pate.

AL: Weich oder kantig, kurz oder lang – was ist eher typisch für einem im Jahr 2018 vergebenen Babynamen?

KB: Die weicheren, kurzen Namen gefallen nach wie vor vielen Eltern besser. Gerade bei den Jungen fällt auf, dass die Namensmode hier vor fünfzig Jahren härter im Klang war. Als kleinen Trend könnte man auch – bei den Fans alter Namen – Kurznamen aus Uromas Zeiten ausmachen, die bislang nur selten vergeben wurden. Hedi oder Hilda zum Beispiel sind in diesem Jahr fünfzig bis sechzig Plätze weiter vorn gelandet, auf Platz 184 und 233, und unverbrauchte Alternativen zu Leni oder Greta.

AL: Zu welchem Thema wurdest du 2018 besonders oft angesprochen?

KB: Ganz klar zu der im November in Kraft getretenen Gesetzesänderung, die es Menschen mit mehreren Vornamen ermöglicht, deren Reihenfolge zu verändern. Nach meinem Empfinden bedeutet diese Änderung einigen Menschen sehr viel und bringt eigentlich für niemanden Nachteile mit sich, man muss ja nichts ändern, wenn man das nicht möchte. Möglicherweise wird sie auch von jungen Eltern begrüßt, die sich dadurch mit dem Festlegen einer Namenskombination weniger schwer tun – das Kind könnte sie ja später noch anpassen.

AL: Dein „Name des Jahres“, Horst, ist bei Eltern von heute chancenlos. Warum hast du ihn dennoch ausgewählt?

KB: Ich habe zwar schon neue Trendnamen zum „Namen des Jahres“ gekürt, als Geheimtipp für Eltern ist diese Kategorie aber gar nicht gedacht. Anders als bei meinen „Aufsteigern“ errechne ich den „Namen des Jahres“ auch nicht, sondern wähle nach meinem Gefühl. Horst war 2018 dermaßen im Gespräch und hat so viele Namenswitze auf sich vereint, dass für mich schon vor Monaten feststand, dass kein anderer in Frage kommt – nur Horst.