Babynamen der Woche 20/2019

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Babynamen der Woche 20_2019

Erst der Kater, dann das Kind?

Fellnase (Symbolbild)
Fellnase. Bild von Dim Hou auf Pixabay

Baby Sussex und kein Ende – auch wenn ich gern versprechen würde, dass dies mein letzter von Archie Harrison inspirierter Beitrag ist: Die Theorien, die zum wenig royalen (oder „unwürdigen“?) Namen von Meghans und Harrys Söhnchen kursieren, sind einfach zu spannend. Von einer Comicfigur war zuerst die Rede. Dann wurde gemutmaßt, es handele sich um eine Reminiszenz an Harrys Mutter, weil im Stammbaum der einstigen „Lady Di“ tatsächlich – oh Wunder! – ein Earl namens Archibald ausfindig gemacht wurde. Im 17. Jahrhundert. Zuletzt haben nun findige Twitterer herausgefunden, dass „Archie“ fast ein Anagramm von Meghans bürgerlichem Erstnamen Rachel ist, zufällig auch ihr Rollenname in „Suits“. Tja, aus dem L wurde ein I, doch das stört große Geister wenig.

Zum Nachdenken gebracht hat mich die Behauptung einer „guten Freundin“, Meghan habe als Kind einen Kater namens Archie besessen (benannt nach Comic-Archie?) und liebe den Namen seither. Ob wahr oder nicht – hier steckt eine grundsätzliche Frage, die in Zeiten, in denen Tiere sehr oft Menschennamen bekommen, viele betreffen dürfte: Ist ein Name „verbrannt“, also nicht mehr vergebbar, wenn das eigene Haustier so hieß oder gar noch heißt? „Darf“ man sein Kind quasi nach einem Vierbeiner benennen?

Natürlich kann es auf diese Frage nur individuelle Antworten geben. Auf der Pro-Seite steht, dass, wenn ein Name einem vor Jahren schon der liebste war, dies wohl wirklich ein Herzensname ist. Warum darauf verzichten, nur weil Hund/Katze/Maus schon so hießen?! Für manchen mag es eine Rolle spielen, seit wann er das Tier nicht mehr hat und wie lange und eng es mit ihm lebte. Die Spanne zwischen Laubfrosch und Reitpferd ist enorm.

Ich finde ja: Zu viele Ausschlusskriterien halten Eltern nicht selten ohne Not von eigentlich passenden Namen fern. So hört und liest man öfter:

  • „Den Namen gibt es in unserer Familie schon, leider …“
  • „Schade, aber das Kind unserer Nachbarn heißt schon so.“
  • „Ich möchte meinem Kollegen/Chef nichts nachmachen.“
  • „Meine Schwester/Freundin/Kollegin, die noch nicht schwanger ist, hat diesen Namen für sich geblockt.“

Natürlich kann das für Sie persönlich ins Gewicht fallen, muss es aber nicht. Die Namenswahl ist kein Kreativitäts-Wettbewerb, und Namen „gehören“ niemandem. Die meisten Nachbarskinder dürften eine Übereinstimmung eher witzig finden. Und was wäre schon dabei, wenn Sussex-Archie eines Tages in Meghans Fotoalbum entdecken sollte, dass da vor vielen Jahren eine Fellnase ebenso hieß wie er?

Mohammed beliebtester Vorname – oder nicht?

„Mohammed beliebtester Vorname in Berlin“: Diese Schlagzeile wurde in den letzten Tagen international verbreitet und diskutiert. Dabei ist das nicht einmal ein neues Phänomen, schon 2017 führte Mohammed die entsprechende Rangliste an. Es hat aber kurioserweise niemanden interessiert. Jetzt hat die AfD die Meldung gar als Beweis für die Islamisierung Deutschlands angeführt. Ist da was dran?

Die Schlagzeile hätte auch „Nur 1,2 Prozent aller Berliner Kinder heißen Mohammed“ lauten können oder „Vorname Mohammed in der Hauptstadt weniger als 300-mal vergeben“. Tatsächlich reichen so wenige Babys, um einen Vornamen auf den ersten Platz zu bringen. Die Sache ist also längst nicht so spektakulär, wie es zunächst scheint, und die These der AfD wird damit schon gar nicht untermauert.

Mohammed beliebtester Vorname

Ob Mohammed wirklich Berlins beliebtester Vorname ist? Das kommt darauf an. Auf Wortklauberei verzichte ich hier und gehe davon aus, dass die beliebtesten Vornamen diejenigen sind, die am häufigsten vergeben wurden. Trotzdem ist es kompliziert, weil es verschiedene Methoden gibt, die beliebtesten Vornamen auszuwerten. Je nach Auswertungsmethode kann ein anderer Name auf Platz eins stehen. Diese Aspekte gilt es zu beachten:

Varianten zusammenfassen

Viele Vornamen unterscheiden sich nicht in der Aussprache, sondern nur in der Schreibweise wie zum Beispiel Lucas und Lukas oder Hanna und Hannah. Von arabischen Vornamen gibt es überdurchschnittlich viele Schreibweisen, weil keine verlässlichen Regeln existieren, wie die arabische Schrift in die in Deutschland gebräuchliche lateinische Schrift zu übertragen ist. Daher besteht zwischen Mohammed, Muhammad und den zahlreichen weiteren Namensformen im Arabischen kein Unterschied, sie werden dort exakt gleich geschrieben. Die führenden deutschen Vornamenhitlistenhersteller (außer mir ist das noch die Gesellschaft für deutsche Sprache) fassen für ihre Vornamenstatistiken gleichklingende Varianten zusammen. Ohne diese Zusammenfassung würden Lukas, Hannah und Mohammed in den Ranglisten weiter unten landen. Mit dieser Zusammenfassung kann Mohammed unter Umständen (siehe später in diesem Text) der beliebteste Vorname sein.

Überraschenderweise kommt der ARD-Faktenfinder der Tagesschau zu einem anderen Schluss:

Selbst wenn man nur bei Mohammed die unterschiedlichen Varianten zusammenzählt, ist der Name insgesamt bei Weitem nicht der häufigste in Berlin, so wie es unter anderem die AfD behauptet.

Der Kniff: Die ARD hat nicht nur phonetisch gleiche Vornamen zusammengefasst, sondern auch etymologisch gleiche Vornamen. Weil die Varianten der sehr beliebten Jungennamen Lukas und Luca zusammen häufiger vorkommen als die Varianten von Mohammed, stehen sie nach dieser Methode auf dem ersten Platz. Das kann man zwar so machen, es ist aber ungewöhnlich und umstritten und sicher nicht, wie behauptet, der Weisheit letzter Schluss.

Einzel- und Folgenamen

Ein weiterer Aspekt bei der Auswertung von Vornamen liegt darin, welche Namen man überhaupt berücksichtigt. Während es die Gesellschaft für deutsche Sprache bevorzugt, alle Vornamen der Kinder, also die ersten, zweiten und weiteren Folgenamen, gemeinsam auszuwerten, zähle ich für meine wichtigste Statistik nur die Erstnamen. Die Ergebnisse unterscheiden sich signifikant. Beispielsweise kommen die Mädchennamen Sophie und Marie relativ häufig als Zweitnamen vor. Im Fall Mohammed hat sich gezeigt, dass dieser Name deutlich häufiger an erster Stelle vergeben wird. In der Spitzengruppe der Hitliste, die auch die Folgenamen berücksichtigt, sucht man darum Mohammed vergeblich. In der Hitliste der beliebtesten ersten Vornamen steht er dagegen weiter vorn.

Fazit

Unter der Voraussetzung, dass phonetisch gleiche Namensvarianten zusammengefasst und nur die Erstnamen gezählt wurden, ist die Schlagzeile „Mohammed beliebtester Vorname in Berlin“ korrekt. Der Anteil der Babys, die Mohammed genannt wurden, beträgt aber nur 1,2 Prozent.

Nichtsdestotrotz hat der Name Mohammed in den letzten Jahren in Deutschland einen Aufschwung erlebt. Das liegt daran, dass in der Vergangenheit die meisten Muslime in Deutschland türkischer Herkunft waren und unter Türken dieser Vorname nicht so gebräuchlich ist. In letzter Zeit hat aber der Anteil der Muslime aus anderen Ländern, zum Beispiel Syrien und Afghanistan, zugenommen. In diesen Ländern wird traditionell mindestens der erstgeborene Sohn Mohammed genannt, oft sind es sogar alle Söhne. Dabei wird Mohammed typischerweise als Erstname eingetragen, als Rufname dient jedoch ein Folgename. Dass Mohammed in den Geburtsurkunden häufiger vorkommt, wirkt sich deshalb nicht weiter auf den Alltag aus.

Huch, meine Eltern sind Fans

Auch die Herzogin und der Herzog von Sussex, besser bekannt als Meghan und Harry, sollen dazu zählen: zu Eltern, die ihr Kind nach einer Figur aus der Popkultur oder einem Star nennen. Ob wir wohl noch erfahren werden, ob bei Klein-Archie wirklich der amerikanische Comic-Held Archie Andrews Pate stand, ein tollpatschiger Highschool-Boy mit Sommersprossen und roten Haaren?

Man begegnet diesem Phänomen immer wieder. So habe ich mal einen Frodo getroffen, kenne eine Nena und eine Scarlett (noch nach O’Hara, nicht Johansson). Freundinnen von mir haben die Namen Anne Shirley nach der TV-Serie „Anne auf Green Gables“ und Loreley gewählt, letztere frei nach den „Gilmore Girls“. Der Sohn eines Kollegen heißt Bono. Einige „Game of Thrones“-Namen haben es in die Hitlisten geschafft, und kürzlich hörte ich gar von einem kleinen Blixa – ob das stimmen kann?!

Um dem großen Aufstöhnen vorzubeugen: Das Gros der Kinder trägt natürlich Namen ohne derartige Bezüge. Paul, Max, Mila und Leni prägen ihre Generation weit stärker als kleine Aryas, bei denen man sich schon an der Wiege fragt, wann wohl Zeit für erste Lektionen mit dem Schwert ist. Außerdem gibt es Kindernamen, deren Karriere als Fanartikel begann, bereits sehr lange. Man könnte schon Heiligennamen, die aufgrund einer bestimmten Legende vergeben wurden, dazuzählen. Namen von Shakespeare- oder Wagner-Figuren. Und ganz sicher beispielsweise Vanessa, eine Erfindung von Jonathan Swift, und Smilla (Peter Høeg) sowie Namen, die es zwar schon gab, die durch eine Figur/einen Promi aber gehörig gepusht wurden. Wer will da entscheiden, wo die vertretbaren Namensvorbilder „mit Niveau“ anfangen und wo sie aufhören? Ich nicht, so viel ist mal sicher.

Trotzdem noch ein paar Gedanken für alle, die erwägen, ihr Kind nach ihrem Lieblingshelden zu benennen:

Je ausgefallener der Name, desto eher werden Sie und Ihr Kind mit dem Vorbild in Verbindung gebracht. Wer seine Tochter dagegen nach der Turner Tina genannt hat oder sich 2010 im ESC-Taumel für Lena entschied, konnte dies in diesem Sinne ganz „gefahrlos“ tun.

Je bekannter die Serie/der Film/der Promi, desto mehr Menschen erkennen die Anspielung, klar. Wenn Sie das nicht wollen, könnten Namen von Nebenfiguren eine sicherere Bank sein, weil die bloß von anderen Fans erkannt werden – und die finden’s ja vermutlich selbst ganz gut.

Ist der Name schon eine Weile geläufig, löst er sich von seinem Vorbild. Wenn Sie Ihre Tochter heute Smilla taufen, haben Sie das vermutlich bei einem Kind oder einer jungen Frau aufgeschnappt oder in irgendeiner Liste gelesen. Davon, dass Sie die 90er-Jahre-Bestseller-Heldin toll finden, dürfte niemand mehr ausgehen. Der Name wird diffus in die skandinavische Ecke gepackt, und gut ist.

Man kann über den Trend zum Zweitnamen denken, wie man möchte. Doch für ausgefallenere Mitgebsel, bei denen es eventuell sogar mehr um Stärken des Vorbilds geht als um den Klang, ist die Position nach dem Rufnamen wie geschaffen. Bahn frei für Victor Lincoln (ich kenne wirklich einen)!

Wer auf Nummer sicher gehen will, vergibt einen von Fantum inspirierten Namen erst, wenn die Geschichte der (Serien-)Figur auserzählt ist bzw. wenn der reale Träger nicht mehr lebt. Gerade Drehbuchschreiber kommen gern mit Wendungen oder Zuspitzungen um die Ecke. Vielleicht nicht gerade bei einer Sitcom wie „Friends“, der sicher einige Kinder (und Katzen) der 90er den Namen Phoebe (mitunter auch „Fibi“) verdanken. Doch es ist ja auch härterer Stoff im Umlauf, mit allerhand Sex and Crime, die man lieber nicht mit seinem Kind assoziiert wissen, sondern im Reich der Fiktion belassen möchte. Oder?

Der entscheidende Rufname fehlt

Hallo,
in wenigen Wochen erwarten wir unseren Sohn und die Namensfindung ist wirklich nicht leicht. Aus diesem Grund möchten wir uns an euch wenden und hoffen auf konstruktive Kritik.

Fragende Mutter © Miyuki Omori - fotolia.com
Illustration © Miyuki Omori – fotolia.com

Die Familientradition macht drei Vornamen notwendig. Der zweite Vorname stammt von Vorfahren, der dritte Vorname soll eine gute Gesundheit vermitteln, auch wenn er hier vermutlich als „Weichteilname“ eingestuft wird. Nun fehlt der entscheidende Rufname!

____________ Richard Valentin
Unser Nachname ist zweisilbig und beginnt mit Al…

Auf unserer Liste für den Rufnamen stehen noch:

Wir wohnen in der Nähe von Hamburg, haben keinen starken Bezug zu einer Religion und hoffen auf tolle Tipps von euch.

Herzlichen Dank,
Juni-Eltern

Babynamen der Woche 19/2019

Paulina Alea * Jonas Frederik * Liv-Lotta * Marilena Paula Editha * Felix Jonas * Theodor * Linnea Ilvie * Johann Lasse * Joni * Medina * Elias Paul * Cleo * Susanne * Ida-Sofie * Leif Ole * Martha * Helene Nica * Leo Franz * Rosalie Ursula * Oskar Pepe * Lucia Pauline Maria * Jonte * Ben Luca * Virsavia * Jonas Eduardo * Willem Karl * Emmanuelle Timothea * Arya * Leni Katharina * Bruno Bernard

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Promibaby Archie Harrison

Der kleine Prinz ist gar kein Prinz – gerade habe ich herausgefunden, dass Archie Harrison, der jüngste Urenkel von Queen Elizabeth, den Prinzentitel erst führen dürfte, wenn sein Großvater Charles König würde.

Den Eltern Harry und Meghan ist das wohl ganz recht so, denn auch mit der Vornamenswahl haben sie ein deutliches Signal in Richtung Unauffälligkeit gesetzt: Archie ist zur Zeit einer der beliebtesten Babynamen im Vereinigten Königreich und steht auf den vorderen Plätzen der Vornamenhitlisten.

Der zweite Vorname dagegen ist richtig witzig, denn Harrison bedeutet „Harrys Sohn“. Eigentlich sind patronymische Namen ja gar nicht witzig, sondern haben eine lange Tradition. In England allerdings gibt es diese Tradition nicht und außerdem sind patronymische Namen ursprünglich gar keine Vornamen. Was für ein Baby aus Island ganz normal wäre finde ich für ein englisches Baby albern. Ich mag weder witzige noch alberne Vornamen. Nebenbei, weil es anderswo auftauchte, süße Vornamen mag ich auch nicht. Ehrlich, wer möchte mit einem witzigen oder süßen Vornamen durchs Leben gehen?

Noch ein Männername: Leonidas

Leonidas ist auch so ein richtiger Name für Kerle, ähnlich wie der hier schon erörterte Ragnar und gemäß dem Diktum mancher (nicht aller!) Eltern, nach dem „aus Jungs ja mal Männer werden“ sollen. Ergänzt wird dies gelegentlich durch den mütterlichen Nachsatz, dass man sich prima „einen süßen Spitznamen ausdenken“ könne.

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