Team Wikinger oder Team Weichbrötchen?

Ragnar

Ich habe mal wieder in Online-Namensforen gespickt und bin auf Ragnar gestoßen, einen erstklassigen Zankapfel: Die einen sind „auf Anhieb verliebt“, die anderen finden diesen Namen „einfach nur schrecklich“. Die Anti-Ragnar-Fraktion schreibt sich im virtuellen Disput regelrecht in Rage: „Ruf den mal ganz laut und überlege, was du deinem Kind damit antust“ heißt es da und von einer anderen Schreiberin: „Stellt euch vor, ihr seid verliebt und fragt nach dem Namen und euer Gegenüber sagt ‘Ragnar’ …“ Und weiter: „Selbst für einen Erwachsenen finde ich den Namen schlimm. Ob euer Sohn damit glücklich sein wird?!“

Das ist natürlich immer die große Frage. Ragnar kam jedenfalls zuletzt auf Platz 281 der deutschen Jungennamen-Charts. Direkt oder indirekt dürften Ragnar-Eltern durch die kanadisch-irische Fernsehserie „Vikings“ beeinflusst sein, deren Held so heißt (weitere Namen aus der Serie sind etwa Lagertha und Jarl). „Wenn mein Kleiner später mal so aussehen würde, wäre ich mehr als stolz“, gibt die werdende Mutter, die die oben angerissene Diskussion ausgelöst hat, zu. So wie sie ihren Partner beschreibt („lange Haare, Biker, Wikinger-Bart“), passt zumindest Papa schon mal ins Schema. Da kann man Klein-Ragnar nur wünschen, dass er kein metrosexueller Softie wird.

„Vikings“ läuft seit 2013, Ragnar stieg 2015 in die Namens-Hitliste ein, zuerst auf Platz 383. Er gefällt auch klanglich als kantiger, kraftvoller Name: „Schließlich werden aus Jungs Männer. Aus den süßen Babynamen wie Finn, Linus oder Emil wachsen sie viel zu schnell raus.“ Die einsame Assoziation „Könnte auch ein Mädchen sein“ (wohl auch wegen des – sehr seltenen – Namens Ragna) löst bei seinen Fans nur ein amüsiert-fassungsloses „Das hat bis jetzt noch keiner gesagt!“ aus.

Das Tolle an Namensforen ist, dass sich nur ein, zwei Threads weiter das komplette Gegen-(Heer-)Lager breitmachen darf: Der kleine Lino soll noch einen Zweitnamen bekommen, „wir dachten an Noah. Was meint Ihr dazu?“ – „Total schön! Wir haben einen Noah Liam.“ Noch einen Strang weiter werden munter (unter anderem) butterweiche Kombi-Namen rund um Noah vorgeschlagen: Noah Noel, Noah Emilian, Noah Lui … Puh. Da muss ich reflexartig an feinpürierten Babybrei denken und mag Ragnar auf einmal viel lieber. Oder Noah Ragnar? Sollte ich mal vorschlagen.

Wie sieht’s hier in der Runde aus: Männlich oder niedlich – zu welchem Lager schlagen Sie sich? Mann oder Maus, Wikinger oder Weichbrötchen? Ich bin gespannt!

Wenn drei einen Hundenamen suchen

Hundemädchen Elly
Hundemädchen Elly (Foto: Annemarie Lüning)

Wenn einer einen kleinen Hund bekommt, dann kann er was erleben. Das geht bei der Namenssuche los – gerade als Vornamensbloggerin! Mir schwebte als Name für unseren Welpen eigentlich Margo vor, nach der niedlichen Brillenträgerin aus „Ich – Einfach unverbesserlich“. Immerhin mögen wir, Vater, Mutter, Kind, diese Filme alle gern. Es kam aber anders.

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Bingo und der Junge Leni

Bingo © Sherry - fotolia.com
Bingo © Sherry – fotolia.com

Ein paar Jahre sind es mittlerweile schon, die ich Namensdiskussionen im Netz teilnehmend beobachte. Mit der Zeit habe ich angefangen, Bingo zu spielen. Auf Normalo-Plattformen (die von Nischen-Foren mit eingeschworenen Onomastikern zu unterscheiden sind) dauert es nämlich bei lebhaftem Austausch nie besonders lange, bis man Häkchen hinter mehrere der folgenden Wendungen machen kann:

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Gassenhauer-Gaby

Gaby

Ich hätte ja vermutet, dass sie es mal bis an die Spitze der deutschen Namens-Charts geschafft hätte. Aber: Fehlanzeige. In den 50ern und 60ern war Gabriele zwar äußerst beliebt, konnte Namen wie Angelika oder Sabine jedoch nie das Wasser reichen. Trotzdem zählen Gabriele und die seltenere Gabriela, kurz: die Gabys (oder Gabis), zu jenen Namen, die fest mit einer bestimmten Altersgruppe verbunden sind. Ob sich das demnächst ändert? Heimlich, still und leise hat sich Gabriela 2017 in die Charts geschlichen: Platz 499! Auch in unseren „Babynamen der Woche“ sind immer mal wieder Zweit-, Erst- und Einzelnamen-Gabrieles, –Gabrielas sowie –Gabriellas dabei. Wer sich durchklickt, sieht, welche Namenskombinationen die „neuen“ Gaby-Eltern wählen – von Amber Diamond Gabriele bis Viktoria Gabriela – und wie das bei unseren kommentierfreudigen Lesern abschneidet.

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Bindestrich-Inferno

Bis vor kurzem dachte ich wirklich, dass bei der Vornamensvergabe in Deutschland höchstens ein Bindestrich zulässig sei. Beim Stöbern in amtlichen Vornamenverzeichnissen sind mir aber einige Dreierkombinationen aufgefallen, also drei Namen mit zwei Bindestrichen. Ich habe nachgefragt und herausgefunden, dass es entgegen der Gerüchte keine Vorschrift gibt, die mehrere Bindestriche verbietet. Theoretisch darf man seinem Kind Vornamen mit beliebig vielen Bindestrichen geben. Meiner Meinung nach sollte man überhaupt keine Bindestrichnamen vergeben, aber es gibt durchaus auch Argumente, die für Bindestriche sprechen.

Bindestrich-Vornamen sind relativ selten, aber trotzdem konnte ich eine kleine Hitliste erstellen. Auswertungsgrundlage sind die vollständigen Namenslisten der Geburtsmeldungen des Jahres 2017 einiger Standesämter. Hier die beliebtesten Mädchen-Bindestrich-Vornamen:

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Gute Frage 13: Ist Oskar für die Tonne?

Die „Sesamstraße“ war in den 70er und 80er Jahren ein echter Straßenfeger für Vor- und Grundschulkinder. Jedenfalls für alle, die nicht im Sendegebiet des Bayerischen Rundfunks lebten; dieser boykottierte die Sendung, auch noch nach Einführung der deutschen Rahmenhandlung. Grund für die Eindeutschung waren unter anderem Proteste von Eltern, die sich an Oscar stießen, einem in einer Mülltonne lebenden muffeligen Wuschel mit Monobraue. Muss man das verstehen?! Ich fand Oscar toll und habe mich wie er eigentlich nie pauschal vor (Sperr-)Müll und Gebrauchtem geekelt. Im Grunde war der grüne Griesgram doch Verfechter des Recyclinggedankens.

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