Ach du Schreck, ein Jack!

Es war einmal eine werdende Mama, die suchte in einem Namensforum nach einem schönen Zweitnamen für ihr erwartetes Söhnchen. Der Erstname war schon fix: Jack. Ihren Nachnamen verriet sie auch; dreisilbig, mit einem Umlaut, deutsch. Der erste Kommentar kam prompt: „Das arme Kind.“ Die zweite Kommentatorin versuchte sich dann tatsächlich an konstruktiven Vorschlägen. Die nächste schrieb „Sparrow“ (haha) und Nummer vier: „Warum warum warum“.

Ich muss zugeben, dass ich mich mit dem Namen Jack (zuletzt immerhin auf Platz 205) hierzulande auch etwas schwer tue – auch wenn ich natürlich weder Kommentatorin eins noch drei oder vier war. Das ist ganz ähnlich wie bei Kate oder Luke: Mir kommt beim Lesen immer die deutsche Aussprache und das dazugehörige Wort, das mit dem Namen natürlich genau null zu tun hat, in die Quere. Also die Jack[e], die windschiefe alte Kate, in der Katenschinken von der Decke baumeln, und die Dachluke. Und kennt noch jemand den (plattdeutschen?) Ausdruck „einen Jack voll kriegen“, im Sinne von „geprügelt werden“?

Kürbisse mit geschnitzter Fratze, dieser Tage wieder oft zu sehen, heißen auch Jack O'Lantern.
Kürbisse mit geschnitzter Fratze, dieser Tage wieder oft zu sehen, heißen auch Jack O’Lantern. (Bild von Michael Bußmann auf Pixabay)

Auch an ein Gespräch auf der Geburtsstation erinnere ich mich, das bislang einzige Mal, dass ich persönlich Jack-Eltern begegnet bin. Der Name wurde mir damals fröhlich erläutert als „Jack, wie dieser coole Pirat, Jack the Ripper und so“. Oh ha.

Nun lässt sich natürlich einwenden, dass Jack ein so geläufiger englischer Name ist, dass wohl jeder die Aussprache auf Anhieb hinbekommen wird, das Problemchen mit dem in meinem Kopf aufploppenden Kleidungsstück also zu vernachlässigen ist. Neben Jack Sparrow sind zum Beispiel auch die Schauspieler Jack Nicholson und Jack Black (eigentlich Thomas Jacob Black) bekannt. Und nicht zuletzt das Getränk mit Nachnamen Daniel‘s. Warum also eigentlich nicht Jack + dreisilbiger deutscher Nachname mit Umlaut?!

Der Schauspieler Johnny Weissmüller fällt mir noch ein, den ich als Kind als „Tarzan“ so gern mochte. Bei ihm „vertrug“ sich der Sprachmix doch auch irgendwie. (Übrigens wechselte der Gute seinen Vornamen mehrfach: von János zu Johann zu John.) Und um es mit den Rheinländern zu sagen: Jede Jack es anders – oder so.

Plädoyer für englische Namen

1000 Dank auch für den Gegenwind


Verdorbene Vornamen

Es gibt Namen, die mal ganz normal und unverfänglich waren und dann aufgrund gesellschaftlicher Ereignisse in Verruf geraten sind und so für die Eltern verdorben wurden. Alexa ist so ein Name, der erst vor wenigen Jahren in unseren Modenamenkreislauf eingestiegen ist und immer häufiger vergeben wurde. Seitdem Amazon einen digitalen Sprachassistenten so nannte, klagen Alexas über Hänseleien und folglich wird der ehemals beliebte Vorname kaum noch vergeben. In meiner Stichprobe von diesem Jahr ist Alexa erst zwei Mal aufgetaucht und kurz davor, ganz auszusterben.

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Mitreißende Mafalda

Was habe ich gelacht über das Finale der achten Staffel der Comedy-Serie Pastewka! Weniger wegen der absurden Situation, in der Bastian Pastewka ausgerechnet gemeinsam mit der Bruck auf einem fahrenden Autotransporter festsitzt und seiner verhassten und hochschwangeren Schwägerin notgedrungen bei der Geburt des Kindes hilft. Nein, gelacht habe ich darüber, dass das Baby Mafalda heißt. Den Namen fand ich so lustig, dass ich ihn seitdem als Wildcard für einen albernen und lächerlichen Mädchennamen benutzt habe. Ich wusste ja nicht, dass es bei Harry Potter eine Hexe namens Mafalda Hopfkirch gibt. Auch die argentinische Comicfigur Mafalda kannte ich noch nicht. Von Prinzessin Mafalda von Hessen ganz zu schweigen.

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Verliebt in den Namen Cajus

Ein eigentlich sehr klassischer Name, der doch sehr exotisch und auffällig ist – Anne-Sophie aus Hannover hat sich in den Namen Cajus verliebt und versteht nicht, warum sie durchweg schlechte Reaktionen bekommt, wenn sie davon erzählt. Schließlich sind Justus und Julius ja auch akzeptierte Vornamen.

Cajus

Tatsächlich ist Cajus kein gewöhnlicher Vorname, sondern eher selten. Seit 2010 wurde er in Deutschland ungefähr hundert Mal vergeben. Anders als Magnus, Julius, Markus und weitere Vornamen, deren Ursprung im alten Rom liegt, hat sich Cajus nie etabliert und wirkt darum exotisch. So richtig deplatziert wirkt der Name aber gar nicht in unserer modernen Vornamenlandschaft, finde ich. Was meint Ihr?


Das Emilien-Dilemma

Damals vor unendlich langer Zeit, als ich meine erste Vornamenhitliste erstellt hatte, da hatte ich mich dafür entschieden, Emilie und Emily als Formen desselben Namens zu betrachten und zusammen auszuwerten. Diese Entscheidung ist zu Recht umstritten, denn nicht alle Mädchen namens Emilie werden so wie Emily ausgesprochen. Anfang des 20. Jahrhunderts war es üblich, Emilie wie Familie auszusprechen, aber da war Emily in Deutschland noch gar nicht verbreitet, so dass es für diese Jahrgänge gar keine Rolle spielt, ob die Namensformen zusammengefasst werden oder nicht.

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