Namensgebung

Gute Frage 11: Sollte Noras Bruder Aron heißen?

In letzter Zeit sind mir geballt einige Sprachspielereien im Zusammenhang mit Namenssuchen aufgefallen. Da ist zum Beispiel die Schwangere, die einen Namen für ihren kleinen Jungen sucht und den Namen der werdenden großen Schwester verrät: Nora. Es dauert gar nicht lange, bis in der um Rat gefragten Community der Vorschlag Aron (oder Aaron) aufkommt: „Nora rückwärts gelesen, find ich klasse.“ Weitere Schreiberinnen stimmen zu: „Geile Idee“ und „Würde ich definitiv machen, wenn ich eine Nora hätte“.

NORA ARON

Fall 2: Eine gewisse Sonja ist schwanger, ihr erster Sohn heißt Jonas. Sie schreibt: „Bekannte von uns meinten, dass unser zweites Kind, wenn es ein Junge wird, am besten Lukas heißen solle, weil mein Mann Klaus heißt – Anagramme. Was würdet ihr von der Idee halten?“ Von einer unqualifizierten Antwort abgesehen („Was ist ein Anagramm?“) findet das Buchstabenspiel viel Zustimmung, sicher auch, weil Jonas und Lukas ohnehin recht gut zusammenpassen. Finde ich ja auch – doch sollte man sich wirklich von dem Zufall, dass sich aus beiden Elternnamen gängige Kindernamen basteln lassen, abhängig machen? Verdient es Kind 2 nicht auch, dass die Eltern bei der Wahl mehr „aus dem Vollen schöpfen“ auf der Suche nach dem allerschönsten Namen? Und wie hieße ein mögliches drittes Kind? O-Ton Sonja: „Wir hatten bei Jonas bemerkt, dass sein Name aus denselben Buchstaben besteht wie meiner, aber es hat uns weder gestört noch fanden wir es super genial. Für ein drittes Kind könnten wir noch den zweiten Namen meines Mannes nehmen. Aber was kann man schon aus Martin machen?“

Fall 3: Eine weitere werdende Mutter sucht kurze Namen für Zwillinge. Prompt schlägt eine Kommentatorin Leon und Noel vor, garniert mit einem stolz grinsenden Smiley: „Wenn du Leon rückwärts liest, heißt es Noel, und wenn du Noel rückwärts liest, Leon.“ Übrigens werden Noel und Leon auch gern als Erst- und Zweitnamen kombiniert.

Originell, vorhersehbar oder … – wie finden Sie derartige Spielereien? Und trägt hier vielleicht selbst jemand einen nach einem solchen Schema gewählten Namen?

Thema: Namensgebung

Hilfe, wie soll ich mein Baby nennen?

Hier ist Platz für alle Leute, die nicht wissen, wie sie ihr Baby nennen sollen und sich von den Experten und Besuchern von beliebte-Vornamen bei der Namensfindung helfen lassen wollen.

Thema: Namensgebung

Ist das überhaupt ein Name?!

Man muss nicht besonders tief graben, um auf einen Namen zu stoßen, über den manche Leute sich so richtig, richtig echauffieren können: Auf Platz 109 der beliebtesten Jungennamen wird man fündig – bei Fritz. Über Fritzchen-Hasser habe ich hier früher schon mal geschrieben.

Doch es geht noch ärger, nämlich wenn ein zwar weder ausgedachter noch kevinistischer, dafür aber sehr alter und seltener Name ins Rennen geworfen wird. Ein Name wie Habakuk oder Prosper. In beiden Fällen konnte ich beobachten, wie in Namens-Foren die Wellen hoch schlugen, weitaus höher vermutlich, als die nach Meinungen fragenden Eltern gedacht hatten: „Furchtbar, einfach furchtbar … damit tust du deinem Kind nix Gutes … Kinder mit solchen Namen haben ab dem Kindergarten nur Probleme, von Bewerbungen will ich gar nicht erst reden … ich glaub, das Kind würde später gehänselt werden, auch wenn es nur der Zweitname ist.“ Gerade bei Prosper lief die Assoziationsmaschinerie förmlich über, vom Medikament (Prospan) über „Kloreiniger“/Meister Propper bis zum Vulkanischen Gruß (Star Trek, „Live long and prosper“) war alles dabei. Dazu wurde der Schwangeren, die nach Kombinationsideen gefragt hatte, der konstruktive Vorschlag „Adolf Prosper“ gemacht. Eine andere Schreiberin schlug immerhin wohlmeinend vor, an erster Stelle „was Süßes wie Elias, David oder Matteo“ zu nehmen (zwischen den Zeilen: als Ausgleich für die Katastrophe von einem Zweitnamen).

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Stinktier, Paukerschreck und Nazi-Frosch

„Wenn mein Mann nicht sein Veto eingelegt hätte, hieße unser Sohn heute Pepe“, erzählt mir eine Bekannte (die dann einen Moritz bekam). Immer mal wieder ist diese spanische Koseform von José bzw. Josef, die sich in den letzten Jahren auf Platz 92 der deutschen Charts vorgearbeitet hat, auch in unseren „Babynamen der Woche“ zu Gast. Auffällig häufig war Pepe zuletzt in Brandenburg: Platz 15!

Was mag dahinterstecken? Wenn ich nach „Pepe“ und „DDR“ googele, erscheint ein Fußballer, Markus „Pepe“ Petsch, sowie ein Textauszug aus einem Ost-Lesebuch von 1988. Demnach lebt „der kleine Pepe“ in einem warmen und sonnigen Land, in dem Apfelsinen wachsen. Er hat oft Hunger und lernt nicht lesen und schreiben. Hm.

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Ich tu mich schwer mit Unisex

„Du kennst dich doch mit dem Thema aus“, sagt meine Kollegin vom Schreibtisch gegenüber und nennt einen Namen, vielleicht aus dem arabischen Raum, vielleicht aber auch nicht, den ich noch nie gehört habe: „Ist das ein Mann oder eine Frau?“ Ich muss passen, und wir versuchen unser Glück bei Google. Wäre ja schon ein bisschen blöd, eine Frau mit „Sehr geehrter Herr …“ anzuschreiben – oder umgekehrt.

Ein Drama wäre ein solcher Patzer natürlich auch wieder nicht. (Im 60er-Jahre-Mädchenroman „Liebe Inge!“ von Berte Bratt führt ein derartiges deutsch-norwegisches Missverständnis gar zu einer Liebesgeschichte.) Es gibt Namen wie Andrea oder Simone: in Deutschland weiblich, in Italien männlich. Und es gibt ganz viel Unisex, was – obwohl sich das Gerücht hartnäckig hält – bereits seit einigen Jahren auch ohne geschlechtseindeutigen Zweitnamen erlaubt ist.

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Von richtigen und rechten Namen

Im Jahr 1941 erstritt ein Hamburger Vater sich das Recht, seinen Wunschnamen zu vergeben: Sven. Sven?! Jawohl: Im Nationalsozialismus galt die Maxime: „Gute deutsche Vornamen für Kinder deutscher Volksgenossen“ – Namen wie Sven, Björn oder Ragnhild gehörten ausdrücklich nicht dazu.

„Vornamen, die ausgesprochenes Eigentum der nordgermanischen Völker – der Dänen, Schweden, Norweger usw. – sind, können nicht zu den deutschen Vornamen gezählt werden; sie sind nicht erwünschter als andere ausländische Vornamen“, so schrieb es damals ein Standesamtsdirektor. Dagegen warf der streitbare Vater, langjähriges NSDAP-Mitglied und Träger des goldenen Parteiabzeichens, in die Waagschale, dass er seinen Sohn nach einem Freund aus Schweden benennen wolle, der seine politische und antisemitische Haltung teile. Das zog.

Zwar trugen Kinder von Nazi-Größen teilweise nordische Namen: Edda Göring, Helga Goebbels, Gudrun Himmler. Allerdings hatten diese Namen in Deutschland Tradition. Ansonsten wählte man bevorzugt Althochdeutsch-Germanisches: Wolf Rüdiger Hess und bei den Himmlers HildegardHelmutHoldine, Hedwig und Heidrun. Wenn heute ein Kind einen der genannten Namen erhält, wird damit keine bestimmte politische Gesinnung assoziiert.

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Namensvorschläge von einem Bot

Neuralnames heißt ein Bot auf Twitter, der jede halbe Stunde einen „Namensvorschlag“ generiert. Aufreger sind garantiert, Einmaligkeit der Namen (meistens) auch …

Aktuelle Vorschläge: Ruigurd * Canina * Clasop * Jina * Windril

Die Vorschläge sind hier zu finden: https://twitter.com/neuralnames

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Emilie – es ist kompliziert

Ein niedliches Mädchen, die kleine Emily. Sie wohnt mit ihren Freunden im Erdbeerland. Ob es wohl zu ihrem Geburtstag auch Erdbeertorte gibt? Na, Spaß beiseite – die Freunde grübeln schon, womit sie die nette Kleine überraschen können, und fallen alle prompt auf den Betrüger Spekulantius rein …

So konnte man es 1983 in der „Hörzu“ lesen. Zur Figur Emily Erdbeer (im Original „Strawberry Shortcake“) gab es damals eine Zeichentrickserie im ZDF, außerdem nach Erdbeeren duftende Püppchen und jede Menge Schnickschnack. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dieses Franchise-Wunder der Glückwunschkartenfirma American Greetings mitverantwortlich dafür, dass in den 90ern der Aufstieg des Namens Emily begann.

Zeitgleich nahm ein namenstechnisches Dilemma seinen Anfang: In vielen Familien gab es Omas, Tanten, Uromas … namens Emilie. Die Endung dieses bis etwa 1930 in Deutschland sehr populären Namens sprach man in vielen Gegenden wie bei „Familie“ – Emili-je oder Emil-je. Wie es genau zuging, ist nicht nachvollziehbar, doch Fakt ist, dass Emilie aus der Versenkung auftauchte, häufig aber gesprochen wurde wie die englische Variante. Auch die französische Form, Émilie, könnte eine Rolle gespielt haben, da auch sie mit einem i-Laut endet. Wer heute „Emilie“ in einer Geburtsanzeige liest, kann nur raten, wie die Eltern es gern hätten: neudeutsch oder wie zu Omas Zeiten? Mit etwas Glück gibt es Geschwisternamen, Jamie und Lynn beispielsweise oder Friedrich und Luise, die etwas Licht ins Dunkel bringen.

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