Vorname des Jahres 2018: Horst

Der bemerkenswerteste Vorname des Jahres 2018 ist Horst.

Seltener geht‘s kaum – ich habe dieses Jahr überhaupt nur ein Kind registriert, das mit erstem Vornamen Horst genannt wurde. Der Junge wurde in Bayern geboren; außerdem gibt es in meiner repräsentativen Stichprobe zwölf Jungen mit Horst als Zweitnamen. Auch in der nahen Zukunft wird es keine Horst-Welle geben, Horst ist alles andere als ein Kandidat für ein Comeback. Schon allein wegen des Konsonantenclusters rst und des Vokals o ist Horst unmodern.

Trotzdem ist Horst der Vorname des Jahres 2018. Wie ist es dazu gekommen? Ich habe mich für Horst entschieden, weil über diesen Vornamen dieses Jahr sehr viel gesprochen und noch mehr gelacht wurde. Die Redensart „sich zum Horst machen“ – also „sich lächerlich machen“ – gibt es schon länger; auch das Schimpfwort Vollhorst (Idiot) ist nicht neu. 2018 sind aber ganz viele kreative Verballhorstungen dazu gekommen: Da droht ein Horst Case Szenario, jemand fordert die Abhorstung, anderswo wird Exhorstzismus praktiziert.

Horst Vorname des Jahres 2018

Ein bisschen Schuld am Horst-Bashing hat Horst Lichter, der mit seiner ZDF-Show Bares für Rares dieses Jahr sogar mehr Sendezeit hatte als alle Wiederholungen von Big Bang Theory auf Pro7 zusammen. Viel häufiger zielt der Spott aber auf Horst Seehofer, der im März 2018 Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat geworden ist. Gut für Seehofer: Er hat noch einen zweiten Vornamen, nämlich Lorenz. Und seit November dieses Jahres darf man ja die Reihenfolge seiner Vornamen in Deutschland offiziell tauschen. Da bietet sich doch ein Neustart als Lorenz Seehofer mit neuem witzefreien Image an. Oder kennt jemand einen Lorenz-Scherz?

30 Gedanken zu “Vorname des Jahres 2018: Horst”

  1. Es tut mir wirklich leid, hier so viel und schnell zu kommentieren… 🙁 Aber bei Horst habe ich alles Recht der Welt dazu. 🙂

    Horst hieß mein Vater, den ich nie kennengelernt habe. Das hatte ich wohl schonmal gesagt. Das war ein charmanter Hallodri, Kettenraucher, Angeber, Säufer und Hurenbock – aber immerhin mit Anfang zwanzig Dachdeckermeister. Er ist lange schon tot, kein Wunder bei seinem Lebensstil. Von ihm habe ich meinen zigeunerischen Blutsanteil.

    „Den Marsch, von Horst Bähre begonnen,
    Im schwarzen Dachdecker-Gewand,
    Vollenden die Weißen Kolonnen.
    Die Assoziationen sind zur Hand!“

    😉

    Ist die Erinnerung an das Horst-Wessel-Lied und an das darauf anspielende Lied des Rußland-Feldzuges („Von Finnland bis zum Schwarzen Meer“) heute eigentlich noch präsent? Ich weiß es nicht.

    Später dann hieß mein Französisch-Lehrer auf der Lutherschule Horst mit Vornamen. Natürlich wurde das immer wieder zu „Horchst“ (also im hannöverschen Proleten-Dialekt) oder zu Hotte veralbert, das war aber nett und respektvoll gemeint. Es war ein exzellenter und allgemein beliebter Lehrer.

    Und natürlich: „Hotte im Paradies“, immer noch mein absoluter Lieblingsfilm.

    Horst Mahler, Horst Hrubesch, Horst Tappert – und Horst Schimanski.

    Für mich ist und bleibt Horst ein Revival-Kandidat, obwohl es vielleicht etwas früh dafür ist. Der Name klingt auch sehr schön, konsonantenreich und männlich – das genaue Gegenteil zu den Weichteilnamen à la Liam und Lias.

    Horst als Vorname des Jahres ist jedenfalls eine sehr charmante und amüsante Wahl.

    • Na Mensch, wenn ein Nazi den Namen Horst toll findet, muss der ja super sein. Vollpfosten.
      – Passt aber ja zu Seehofer

      (Das Horst Wessel Lied war u.A. Lied der SA und Hymne der NSDAP)
      (Horst Mahler ist inzwischen und seit längerem auch ein Nazi)

    • „Das Horst Wessel Lied war u.A. Lied der SA und Hymne der NSDAP“

      Na, das sind ja mal wirkliche Erkenntnisse und Geheimwissen, die uns „No Borders“, garniert mit „Deppen Leer Zeichen“, hier auftut. 😉 Jetzt wissen wir also, daß das Horst-Wessel-Lied ein Nazi-Lied war. Wer hätte das gedacht?

      Ich habe in den letzten zehn Jahren wirklich redlich versucht, ein Linker zu sein – aber die Linken sind einfach zu blöd. Leute, mit denen man nicht an einem Tisch sitzt. Inkommensurables Geschmeiß. Irgendwie eine niedrigere Form menschlicher Existenz. Schon wegen solcher Typen bin ich für Abschaffung des allgemeinen Wahlrechtes ohne vorherigen Test auf geistige Zurechnungsfähigkeit. Vielleicht ist der Islam doch *die* Alternative.

      Ich hatte nie die Ehre, Horst Mahler persönlich kennenzulernen, kenne aber natürlich Leute, die ihn kennen. (Hingegen hatte ich mal die große Ehre und Freude, Bernd Rabehl persönlich kennenzulernen.)

      Ich hatte übrigens nur gesagt, daß mein Vater Horst geheißen hat. Dafür kann ich nichts, und dafür konnte er auch nichts. Vornamen sortieren die Eltern ein, nicht die Kinder.

      No Borders, Du bist ein denunziatorischer, kleiner Arschkeks.

      Und es lebe Sparta

      Jan

    • Jan,

      Du setzt Dich ja im Moment stark mit dem Islam auseinander. Dahinter scheint eine Desillusionierung mit unserer chaotischen westlichen Konsumgesellschaft zu stehen. Du scheinst am Islam die Aura der Stärke und Autorität zu schätzen. Wie Du weißt, kann es heftige Konsequenzen haben, wenn man den Islam öffentlich kritisch reflektiert. Das kann sich kaum jemand leisten–auch ich nicht.

      Nur zu gerne würde ich darauf eingehen. Aber, ich sage einfach: Christus am Kreuz, das ist eine Art von Stärke, die in eine nicht-nietzscheanische Richtung geht. Eine christliche Gesellschaft wäre auch etwas total anderes, als das, was die heutige westliche Gesellschaft ist. Allerdings bedeutet Christ zu sein auch: man ist kein totalitärer Weltverbesserer, der das Paradies auf Erden schaffen will. “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” Dieses Bibelzitat passt wohl kaum zum Islam. Mehr zu sagen, erlaube ich mir nicht.

      Was den Namen Horst angeht: ich finde, der Name ist häufig genug (auch ich kenne einige Horsts), so dass der Name nicht Horst Wessel gehören muss, auch wenn Horst Wessel auch heute noch vielen als der Dichter des infamen Liedes bekannt sein dürfte.

      Ich mag den Namen, weil er für mich norddeutsch-herb klingt und auch nach Natur klingt (Adlerhorst, etc.). Der Name hat was Edles. Wie konnte daraus nur Vollhorst werden?

    • danke Mark für die Erinnerung was den christlichen Glauben ausmacht. Friede Freude und Gerechtigkeit werden sein.

      vielleicht war Horst irgendwann zu verbreitet und man hat damit ein Vorurteil verbunden? so wie heute Kevin etc.
      Horst finde ich nicht schlecht aber der Buchstabe H am Anfang stört mich. bei Heinrich oder Hermann geht es, aber wenn ein o darauf folgt nicht. wer kennt noch einen Namen der mit H-o beginnt? Homann zb klingt auch nichtgut.

    • Mark,

      es immer wieder spannend, Deine Meinung zu religiösen Fragen zu lesen. Du hast mir wirklich geholfen, meine aus Studientagen durchgeschleppte Aversion gegen die Evangelikalen zu überwinden. (Hinter dieser Aversion stehen/standen vor allem persönliche Gründe. Eine Exfreundin von mir war eine Evangelikale – es ist ihr nicht gut bekommen.)

      Ich komme ganz gut damit klar, politisch zwischen allen Stühlen zu sitzen. (Und wenn ich wiedermal von einem linken Lumpenhund als „Nazi“ beschimpft werde, gleich noch viel besser.)

      Nur: Ein Herr sollte zumindest pro forma eine Religion haben – und die habe ich nicht. 🙁

      Judentum, Orthodoxie (griechisch, russisch oder äthiopisch), hinduistische Religionen und Anglikanismus (in den USA halt Episkopalismus) scheiden als de-facto-Nationalreligionen aus. Das gilt für mich im erweiterten Sinne auch für die diversen Evangelikalismen – es sind eben (trotz der schwäbischen Pietisten und der Mennoniten) angelsächsische Religionen. Ich bin Deutscher mit Haut und Haaren.

      Mark, Du hast eine gespaltene nationale Identität, aber eine gefestigte religiöse. Bei mir ist es genau umgekehrt. 🙂

      Darüber, daß die heutigen linksliberalen Evangelisch-lutherischen Landeskirchen (also die Bischöfin-Käsemann-Kirchen) lächerlich sind, sind wir uns vermutlich einig.

      Der Islam ist eine außerordentlich einfach zu kapierende Religion. Das ist eine Stärke, zieht aber auch viele Vollidioten („Salafisten“ u.ä.) an.

      Und die (ja von Dir beklagte) Tabuisierung der Kritik am Islam durch die (noch) allmächtigen Linksliberalen lehne ich entschieden ab – freilich aber auch die stumpfsinnige rechte „Islamkritik“ im Internet. Die Muslime müssen Selbstkritik lernen und sich z.B. mal fragen, warum sie grundsätzlich nur die „Quoten-Nobelpreise“ (also Literatur und Frieden) kriegen. Es läuft viel falsch in der islamischen Welt.

      Ja, das ist wohl der Kerngegensatz: Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt – Muhammad hingegen ist vor allem auch ein Heerführer und Politiker.

      Für mich bleiben die Alternativen: Islam oder Katholizismus. Als Ausweichmöglichkeit böte sich noch der Konfuzianismus in seiner merkwürdig schillernden Mischung zwischen konservativer politischer Philosophie, Morallehre und Religion an.

      Ich finde es aber eben auch charmant und männlich, weibliche Gottheiten zu verehren. Wie im Katholizismus de facto die Gottesmutter oder im Hinduismus die Große Kali.

      Irgendwie bewundere ich die Japaner, bei denen es sozusagen normal ist, drei Religionen gleichzeitig zu haben und das alles nicht so ernst zu nehmen: Buddhismus, Shintoismus, Konfuzianismus. Und geheiratet wird nach westlich-christlichen Riten. „Japaner sind Spielkälber“, wie meine verehrte Japanisch-Lehrerin an der Uni immer gesagt hat. Aber das geht im Abendland halt nicht.

      Das Listigste wäre, mir ein hübsches katholisches oder islamisches Mädchen zu angeln und dann pro forma zu deren Religion überzutreten. Aber dafür bin ich fast schon zu alt.

      Was soll ich tun? Mag Er, der Einer ist, mir helfen.

    • mgl, my honey,

      mir fiele noch Holger ein. Das ist aber ein typischer Langweiler-Name meiner Generation. Ein Onkel von mir hieß so – ein guter Kerl und sympathischer Mann, aber eben eine niedersächsische Schnarchnase. Ein eher schlichtgestrickter Mitschüler in der Grundschule hieß ebenfalls Holger.

      Für einen homme de lettres taugt der Name nicht.

      Ho Tschi Minh.
      Horatius. (Wie H. Cocles, Horaz oder wie Nelson!)
      Homophobius. 😀

      Zu Horaz dichtet Heinrich Heine:

      Zu Horaz: https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=2611&url_tabelle=tab_quelle

      Es gibt die Philosophie des Holismus, mitgegründet und benannt von dem südafrikanischen General Jan Christiaan Smuts. 😉 Smuts ist eine ganz faszinierende Figur – das Musterbild des Miles doctus.

      Im Zweiten Afghanistankrieg nach dem 9/11 soll mal ein hoher französischer Offizier bretonischer Herkunft „hommard“ – also „Hummer“ – als Codewort verwendet haben. Die Amis haben das in der Funke in den falschen Hals gekriegt, weil sie es als den islamischen Vorname Omar mißverstanden haben. 😀

      Omar ist übrigens auch ein interessanter Vorname. Man weiß sofort: Man hat es mit einem Sunniten zu tun. Die Schiiten hassen den Kalifen Omar.

      Horray!

      Horstsohn

    • Jan,

      Mag der, der Drei in Einem ist, Dir helfen.

      Kernunterschied zwischen Christentum und Islam: die Dreieinigkeit ist von ewig her Beziehung und Liebe, Viele werden Eins, ohne dass dadurch das Viele/Persönliche aufgehoben wird (wie in der Ehe die Individuen auch nicht aufgehoben werden). Der Gott der Einer ist soll ja auch nach islamischer Lehre Quell der Liebe sein. Aber wenn man mal theologisch ausspinnt, was der Unterschied zwischen einem dreieinen Gott und einem monolithischen Gott bedeutet, es sind Welten von Unterschied….

      Jetzt habe wir uns natürlich vom Namensthema sehr weit entfernt. Ich verspreche: mein letzter Post hier zu diesem Thema. Aber dem Gott, der Einer ist, wollte ich Dich doch irgendwie nicht anvertraut lassen.

    • Mark,

      Du bringst es als kluger Mann natürlich auf den Punkt. Der Kernunterschied zwischen dem Islam und dem Christentum ist natürlich das islamische Tahid (die Einheit Gottes), die gerade im wahabitischen Islam eine so große Rolle spielt, und der Dreifaltigkeit der Christen.

      Er, der einer ist (und eben wohl nicht drei), wird zu richten wissen. Und Er ist fast so weitherzig wie Walt Whitman oder Goethe. Er wird seine Diener erkennen und gegenüber den Zweiflern und Heiden milde sein.

      So, jetzt haben wir Knud und die anderen hier aber wirklich genug mit theologischen Fragen genervt.

    • Mark

      Deine Darlegungen bzgl. des Christentums sind genau auf den Punkt gebracht. Das hätte ein katholischer Theologe nicht anders oder besser erklärt. Ich finde sowieso, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes zwischen den christlichen Konfessionen gibt.
      Ich teile auch deine Meinung über den Islam.
      ____

      nochmal zu Horst
      Ich kenne kaum jemanden, der Horst heißt. Der Name war in Ostwestfalen eher selten. Ich denke deshalb eher an Horst Tappert (Derrick) oder Horst Schimanski (Tatort).

      Zu “Vollhorst”
      Vielleicht hat Hape Kerkeling mit der Figur “Horst Schlämmer” seinen Teil dazu beigetragen, dass der Begriff “Vollhorst” entstanden ist.

    • Mareike, Mark und die anderen,

      manchmal ist es wirklich grandios hier: Katholiken, Evangelikale und religiös-politische Flipperkugeln mit Sympathien für den Islam können auf der Grundlage gegenseitiger Achtung miteinander reden! Wo gibt es das schon im deutschen Internet? (Und zwar ohne Staatsknete für irgendwelche albernen „interkonfessionellen Gottesdienste“ oder schmierigen „interreligiösen Dialog“.)

      Wenn jetzt noch jeweils ein oder zwei fromme Moslems und Juden dazustößen, am besten noch ein Hindu (jeweils m/w 😉 ), hätten wir Lessings „Nathan den Weisen“ überrundet. 😀

      Ich halte die christlichen Forderungen nach Liebe zu Gott und zur Nächstenliebe einfach für unerfüllbar und in gewisser Weise für unmenschlich. Die islamischen Forderungen (Morgengebet, Fasten im Ramadan, Verzicht auf Alkohol etc.) hingegen sind schwierig, aber nicht unmöglich zu erfüllen. Man soll den Höchsten verehren, kann ihn aber nicht lieben. Auf der anderen Seite ist der Katholizismus im Alltag flexibler – er verzeiht leichter als der Islam. Alte katholische Priester-Weisheit: „Sei streng in der Predigt und milde in der Beichte!“

      Und auch der Islam hat viele strukturelle Probleme: Die geistige Stagnation seit etwa 1400, obwohl er um das Jahr 1000 herum dem Abendland haushoch kulturell überlegen war. (Bassam Tibi aus Damaskus hat in den 1990ern viel darüber geschrieben.) Mackertum und Weinerlichkeit. Seine Anziehungskraft auf Schwachköpfe. Häßliche Gummilatschen als Fußbekleidung für Männer, das ist das Allerschlimmste. 🙁

      Nebenbei: Ich finde es immer wieder hübsch, daß es in Frankreich immerhin noch die informelle Todesstrafe gibt. Haben wir nun gerade mal wieder in Straßburg gesehen. Offiziell wurde sie anfang der 80er unter Mitterand abgeschafft. Aber es ist völlig klar: Wenn in Frankreich einer Wehrlose umbringt oder gar Kinder als Geiseln nimmt, gibt es für ihn nur noch einen Weg. Nämlich den nach ganz unten, in die Hölle. Das könnten wir von den Franzosen, den Russen und sogar auch den Israelis lernen.

      Mag Er, der Einer oder drei in Einem oder gar viele ist, uns alle beschützen.

  2. Horst war in meiner Schulzeit gängig, wie Helmut, Hartmut, Ulrich, Erich, Richard, die Mädchen hießen Gudrun, Gertrud, Hildegard.
    Vermutlich kommt Horst bei den Urenkeln wieder, wenn Horst Seehofer in die Geschichtsbücher eingegangen sein wird. Dann wird auch niemand mehr vom Vollhorst sprechen.

  3. Horst hieß einer meiner Großonkel (mütterlicherseits). Im Kindergartenalter fand ich den Namen so befremdlich, dass ich ihn stets Onkel Wurst genannt habe.

    Seine älteren Brüder hießen Emil, Heinrich und Alwin, die jüngere Schwester Waltraud. Alwin, mein Opa, hieß mit ZN Hilmar: Alwin Hilmar.

    Einer meiner Cousins (väterlicherseits) hat seinen jüngeren Bruder eine Zeit lang Horst-Kevin genannt, um sich über ihn lustig zu machen.

    Abgesehen vom Hänselpotential finde ich den Namen ok – allein schon durch Horst Schimanski. 🙂

  4. Horst ist ein Name, den ich allerhöchstens als Nachbenennung vergeben würde – hätte mein Opa so geheißen, so könnte ich dem Namen möglicherweise mehr abgewinnen. Die Schwaben sagen “Horschd”, was mir irgendwie etwas besser gefällt als die standarddeutsche Aussprache, aber letztendlich klingt beides in meinen Ohren ein bisschen lächerlich, da die Assoziation zum Vollhorst zu stark ist. Ich denke bei dem Namen außerdem immer an einen Adlerhorst.

  5. Der Adler ist natürlich eine positive Assoziation. Aber ich würde dann eher einen Namen vergeben, der nur an einen Adler erinnert, nicht an dessen Nest, denn das finde ich eher unpassend für eine Person. Zudem klingt mir Horst zu sehr nach 2. Person Singular (du hörst, du horchst).

    • @ mgl

      Nochmals zu Deinen wie immer interessanten Assoziationen.

      Gerst kenne ich nur als Nachnamen – natürlich unseren Astronauten Alexander Gerst, noch paar Tage lang Kommandant der ISS.

      Wißt ihr das? Man kann die Internationale Raumstation ab und zu mit bloßem Auge sehen. Meistens im Frühling oder im Herbst. Die Sonne muß unter dem Horizont stehen, aber nicht zu tief, damit sie die ISS in 400 km Höhe noch beleuchten kann. Und dann ist die ISS heller als jeder Planet oder Stern. 🙂 Kann man auch in jeder lichtdurchfluteten Großstadt beobachten. Es ist ein grandioser Anblick! Wer es ausprobieren will: Nicht vergessen zu winken, die Kosmonauten und Astronauten freuen sich darüber! 🙂

      https://www.deutschlandfunk.de/iss-ueber-deutschland-sichtbar-alexander-gerst-winkt-vom.732.de.html

      Ich habe mal versucht, ein Mädchen mit diesem Wissen zu beeindrucken. („Hast Du schonmal ein fliegendes Raumschiff gesehen?“) Das hat aber leider nicht geklappt bzw. nicht zu dem erhofften Ergebnis geführt. War wohl auch zu plump. Die hat mich für einen Spinner gehalten – womit sie ja auch nicht ganz unrecht gehabt hat.

      Übrigens steht jetzt am frühen Morgen so gegen 7:00 die Venus großartig am östlichen Himmel! Im Sternbild Jungfrau. 🙂 Heute morgen gesehen – hinreißend schön!

      In Hannover gibt es das Gersterbrot, in dem aber keine Gerste ist.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Gersterbrot

      Und natürlich: der „Gerstensaft“, das Bier, unser Nationalgetränk. (Das ich persönlich gar nicht so besonders gerne mag. Bevorzuge kratzig-billigen, trockenen französischen Rotwein aus dem Midi. Das Zeux, das schon die französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg bekommen haben.)

      Karst hingegen ist für mich die jugoslawische Landschaftsform.

      Zu Gorst hatte ich weiter oben schon was gesagt.

      Von Torst hingegen bin als Niedersachse sofort bei Torf. Ob das so toll ist? Thorsten und Karsten hingegen sind in meiner Generation 08/15-Vornamen.

      Ich weiß, ich strapaziere Euer aller und besonders Knuds Nerven. Seid milde. Es ist ja die Milde, die Nachsicht und Freigebigkeit, eine schöne, ritterliche Tugend. 🙂

      https://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit

      Vive la mort, vive la guerre!

      Jan

    • Verena, das mit dem Gegensatz Adler und Horst (also zwischen dem prächtigen Tier und seinem Nest) stimmt natürlich. Aber es ist doch auch immer so, daß eine Eheschließung bzw. in den heutigen informelleren Zeiten eine „Partnerschaft“ mit dem Nestbautrieb der Eltern verbunden ist. Kind ist unterwegs, Nest wird gebaut.

      Eine meiner onomastischen Lieblings-Thesen ist ja, daß Namen immer von den Müttern ausgesucht werden.

      Vielleicht hat Horst in früheren Zeiten (als die Leute überhaupt noch gewußt haben, was ein Adlerhorst ist) so eine Mischung zwischen Männlichkeit (Adler) und Heimeligkeit (Nest) abgegeben? Bin mir fast sicher, daß es so war, kann es aber natürlich wieder mal nicht belegen.

      Empfehle übrigens sehr den Film „Die Freiheit des Adlers“ über unseren deutschen* Nationalhelden Andreas Hofer.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Hofer_%E2%80%93_Die_Freiheit_des_Adlers

      *) Als ich vor der Großen Linksdrift ab ca. 2008 noch bei der Neuen Rechten war, haben wir uns immer einen Jux daraus gemacht, Nachrichten aus Österreich und Südtirol grundsätzlich unter „Inlandsnachrichten“ einzuordnen. 😀 Waren viele Ösis dabei.

      https://www.youtube.com/watch?v=koD8ARIWgUg

      Über diesen Sketch könnte man einen ganzen Aufsatz schreiben, aber das gehört nicht hierhin.

    • Vielleicht hat Horst in früheren Zeiten (als die Leute überhaupt noch gewußt haben, was ein Adlerhorst ist) so eine Mischung zwischen Männlichkeit (Adler) und Heimeligkeit (Nest) abgegeben?

      Auch das Storchennest wird Horst genannt. Vielleicht glaubten die Horst-Eltern ja, dass ihr Kind vom Storch gebracht wurde? 😉

    • Ein uralter Statistiker-Witz zum Thema „falsche Korrelationen“. Knud kennt ihn höchstwahrscheinlich.

      „1920 gab es in Deutschland viel mehr Störche als heute, und es wurden mehr Kinder geboren. Also liegt es klar zutage, daß die Kinder von Störchen gebracht werden.“

      Ähnlicher Quatsch findet sich heute aber geradezu täglich in der Boulevard-Presse von Bildzeitung bis Welt, von FAZ.ner bis zum SpOn. „Eine neue Studie von Experten zeigt, daß [blablabla]“.

      („Studie“ und „Experte“ sind so ziemlich *die* Horror-Wörter des deutschen Internet und der BRD-Presse. Als der Amerikaner nach dem 9/11 Afghanistan angegriffen hat, hat es in der BRD sofort „Afghanistan-Experten“ vom Himmel geregnet, die vor irgendwas gewarnt haben.)

      Daß auch das Nest von Störchen Horst genannt wird, war mir neu… Interessant.

      Vor einigen Monaten auf „Hallo Niedersachsen“ vom NDR gehört: Eine Hausfrau ruft besorgt bei einer Vogelschutzwarte an, weil da bei ihr in der Gegend ein Storch nur ein Bein habe. 😀

  6. glaube Horst ist deswegen unmodern weil das Schriftbild am Anfang wie Hose aussieht.
    hieße es Gerst, Torst oder Karst wäre es moderner.
    auch Herst ginge noch oder Gorst.
    das ist jetzt aber nur Silbenherumprobieren und ein Kalkgestein.

    • Ich musste gerade lachen über diese Kreationen. An Hose musste ich bei Horst noch nie denken. Bei Gerst ist Gerste naheliegend. Da Gerd noch auf seine Wiederentdeckung wartet, sehe ich auch in Gerst wenig Potential. Torsten und Karsten müssen meinetwegen nicht wiederkommen, ob mit oder ohne -en. Bei Herst stört das fehlende b, ist nicht meine Jahreszeit. Auch Gorst fände sicherlich wenig Anklang, ist das G doch ein besonders unbeliebter Anfangsbuchstabe.

    • Gorst wäre die russische Umschrift von Horst, weil es im Russischen keinen h-Laut gibt. 🙂 Meistens wird das westlich h zu einem g, seltener zu ch.

      Ich wäre also Klaas Gorstowitsch Bärje. 🙂 Vgl. Genrich für Heinrich oder German für Hermann.

      Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit, weil er uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnert, uns aber auch eine Perspektive auf Neues gibt.

      Mein Privatfeiertag ist der 32. August, also der 1. September. (Das kommt aus einem schönen und klugen frankokanadischen Spielfilm mit der hinreißenden Pascale Bussières (Un 32 août sur terre).

      Mein Lieblingsschriftsteller Werner Bergengruen unterscheidet zwischen dem Goldenen Herbst der Ernte und dem schwarzen Herbst des Novembers. Man kann das aber m.E. nicht sauber trennen. In Zeiten des Klimawandels schon mal gar nicht. 😀

  7. Mit Horst wird es irgendwann sein, wie mit Emma. Da gab es den „Tante Emma Laden“, damals hätte niemand seine Tochter Emma genannt, oder die Fernsehserie mit „Ekel Alfred“… dem Spießer par excellence. Mein Vater hieß Alfred, ein herzlicher, tüchtiger und weitsichtiger Mensch, weswegen ich das Wiederaufleben dieses Namens dann und wann schön finde.

    • Das Thema Alfred hatten wir hier schon mindestens einmal. Ein interessanter Name! Es ist sozusagen ein Uralt-Anglizismus, der um 1840 aufgekommen ist. Der alte Krupp hat sich von Alfried in Alfred umbenannt, weil das englischer und damit damals moderner klang. Er wollte ja in Stahlindustrie machen, was ihm bekanntlich auch recht gut gelungen ist. Mir läuft bis heute ein Schauer dn Rücken hinunter, wenn ich die „Drei Ringe“ sehe.

      Es war genau die Zeit, in der die Deutschen systematisch das betrieben haben, was man heute Industriespionage und Produktpiraterie nennen würde. So fängt Industrialisierung immer an! 🙂

      (So, als wenn ich mich heute von Jan in John umbenennen würde, um einen auf international und und digitalisierten Weltbürger zu machen.)

      Das hört man heute aber überhaupt nicht mehr – der Name wurde sozusagen in den deutschen Namensschatz eingegliedert. So sehr, daß er dann in den frühen 1970ern als karikaturhafter Name für für einen rechtsdrehenden deutschen Spießer, eben das Ekel Alfred Tetzlaff, taugte.

      Schon Krupps Urenkel hieß dann wieder Alfried, weil Alfred angefangen hatte, piesenhaft zu klingen. In voller Pracht: Alfried Felix Alwyn Krupp von Bohlen und Halbach.

      Es gibt auch die andere Richtung: Der langjährige Machthaber von Singapur, einer der Begründer des Asiatismus, hat sich von Harry Lee in Lee Kuan Yew umbenannt. Ich habe als Student seine Äußerungen mit größtem Interesse studiert. Er hat unter anderem in „Foreign Affairs“, der 1A-Zeitschrift der Politikwissenschaften, geschrieben.

      Ach, Nostalgie! Die BRD-deutsche „Historische Zeitschrift“ und die US-amerikanische „Foreign Affairs“. Die „Annales“ aus Frankreich und die „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ aus der DDR. Wie hat man immer auf die nächste Nummer gelauert. 🙂 Täglich die alte FAZ vor ihrer Boulevardisierung! Verglichen damit ist heute das komplette Internet aufgequollenes Arschwischpapier.

  8. Eigentlich wollte ich das Thema Alfred nicht wiederbeleben, mein Vater wurde nach seinem Großvater Alfred v.T. benannt, aus Riga stammend 1839. Mein Vater, geboren 1924, da war der Name nicht exotisch und auch in meiner Schulzeit kam er noch vor. Als dann Alfred Tetzlaff aufkam, mussten manche Alfreds Sticheleien hinnehmen. Aber nun ist Tetzlaff verschwunden.

  9. https://blog.beliebte-vornamen.de/2014/08/mein-allerliebstes-pixibuch/comment-page-1/#comment-97115

    (@ Wimu und die anderen)

    Ich meine einfach, daß der Zusammenhang „Horst = Naziname“, wie ihn etwa Michael Wolffsohn in „Die Deutschen und ihre Vornamen“ (1999) hergestellt hat, falsch ist. Sozusagen auch eine „falsche Korrelation“ wie das mit den Störchen und den Kindern. Michael Wolffsohn ist einer der klügsten Köpfe Deutschlands und ein sympathischer Mann, aber manchmal auch ein bißchen ein Quartals-Irrer. In dieser Hinsicht ähnelt er Peter Scholl-Latour.

    Meines Erachtens war Horst einfach ein Modename in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In meiner Generation (Jg. 1967, Abi 1987) gab es keine Horsts mehr. Der Name wurde einfach als onkel- oder papihaft empfunden – aber eben nicht als nazistisch.

    Der absolut einzige Name, bei dem der Konnex zu den Nazis klar zutage lag, waren Adolfs, die so etwa „in den zwölf Jahren“ geboren wurden.

    Klar, jeder in der Nazizeit kannte das Horst-Wessel-Lied und aus den Wochenschauen im Kino das darauf anspielende Lied des Rußland-Feldzugs. (Das ich im ersten Kommentar in diesem Thema gequält zu parodieren versucht hatte.) Aber schon das Gesicht Horst Wessels kannte eigentlich niemand. Und die SA wurde schon 1934 in der „Nacht der langen Messer“ politisch entmachtet. (In dieser unseligen Nacht wurden auch unser General Kurt von Schleicher – zusammen mit seiner Frau! – und Gregor Strasser umgebracht.)

    Hermann (=Göring), Heinrich (=Himmler), Joseph (=Goebbels) wurden ja auch niemals als „Nazinamen“ empfunden. Und deren Gesichter kannte man. Und gerade Goebbels mit seiner mickrigen Figur, seinem Hinkefuß und seinem manchmal etwas eigenwilligen Lebensstil hätte sich auch kaum als Namenspatron angeboten. Hier ein hübscher Berliner Witz aus der Spätphase des Zweiten Weltkrieges:

    „Warum dürfen junge Mädchen und Frauen jetzt ab Einbruch der Dunkelheit nicht mehr allein auf die Straße?
    Joseph ist als Nachtjäger eingesetzt!“

    Das schreibe ich jetzt alles garantiert nicht, um meine eigene Sippschaft zu entnazifizieren. Da hätte ich wirklich anderswo anzufangen 😀

    Bin mal unter Kommilitonen folgendermaßen vorgestellt worden: „Das ist Klaas. Ist ein Nazi, Strasser-Flügel.“ 😀

    • Ich meine einfach, daß der Zusammenhang „Horst = Naziname“, wie ihn etwa Michael Wolffsohn in „Die Deutschen und ihre Vornamen“ (1999) hergestellt hat, falsch ist.

      Da sind wir ausnahmsweise mal einer Meinung. Ich hatte das ja auch mal geschrieben, siehe Die beliebtesten Nazi-Namen.

    • Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Knud und ich sind mal fast einer Meinung! 😀

      Als nazistisch empfinde ich eher diese altdeutschen oder pseudo-altdeutschen Vornamen: Ragnhild, Gertrud, Irmgard, Roderich, Heidrun. (Mark, der ja altdeutsche Namen mag, wird das nicht gerne hören, aber es war halt so…) Aber auch bei diesen Namen geht dann irgendwann nach dem Krieg der Zusammenhang zum Nazismus verloren – sie klingen einfach nur noch altmodisch. (Es gab hier mal einen interessanten Artikel von Annemarie dazu, daß die Nazis explizit skandinavische Namen à la Björn auch nicht gerne gesehen haben.)

      Der klassische Historismus-Vorname Siegfried hingegen war schon in der Nazizeit praktisch erledigt, weil so viele anpassungswillige Juden ihre Söhne Siegfried genannt hatten.

      Es ist ein Kreuz mit den Deutschen, echt! :-/

  10. Ist der Vokal “o” wirklich unmodern?

    Ich habe eigentlich das Gefühl, dass bei Vornamen in dieser Reihenfolge im Moment gerade “a”, “i” und “o” in sind. Eher weniger modern erscheint mir “e”.

    Wenn ich bei Wikipedia die Buchstabenhäufigkeiten in deutschen Texten nachsehe, dann kommt das “E” etwa sieben Mal so häufig vor wie das “O”. Es wäre interessant zu wissen, wie das Verhältnis in der Namensstichprobe, die Knud zur Verfügung hat, ist. In meinem – natürlich überhaupt nicht repräsentativen – Umfeld kommt “E” definitiv nicht sieben Mal so oft vor wie “O”. Auch interessant wäre es, die Mädchennamen nochmal ohne den Endbuchstaben zu betrachten.

    Oder gibt es vielleicht noch andere persönliche Eindrücke zu beliebten Vokalen? Sicher ist das sehr orts- und milieuabhängig.

    • Ja, das wäre interessant. Da muss ich aber erstmal herausfinden, wie ich die Buchstabenhäufigkeit in meiner Sammlung ermitteln kann.

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