Vorschlag: alle 10 Jahre den Namen ändern

Knud Kevin Adolf

Das deutsche Namensrecht ist zu kompliziert, zu unübersichtlich und in Teilen sogar in sich widersprüchlich. Zu diesem Schluss ist eine Arbeitsgruppe mit Expertinnen und Experten gekommen, die das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eingesetzt hat. In den kürzlich veröffentlichten Eckpunkten zur Reform des Namensrechts empfiehlt die Arbeitsgruppe, alle namensrechtlichen Regelungen zu bereinigen und in einem einzigen Gesetz innerhalb des Allgemeinen Teils des Bürgerlichen Gesetzbuchs zusammenzufassen.

Insbesondere Namensänderungen sollen erleichtert werden. Die meisten Eckpunkte betreffen die Familiennamen, aber ein Vorschlag berührt auch die Vornamen: Die „anlasslose Namensänderung“ soll eingeführt werden. Jede Person dürfte alle zehn Jahre ihren Vornamen und Familiennamen ändern, einfach so, weil sie es will. Der Vorschlag im Wortlaut:

Als anerkennenswerter Grund für eine Namensänderung sollte auch allein der Wunsch des Namensträgers angesehen werden. Eine solche Namensänderung sollte nur einmal binnen zehn Jahren möglich sein und voraussetzen, dass die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat und das öffentliche Interesse an der Beibehaltung des bisherigen Namens nicht höher zu gewichten ist als das Interesse des Erklärenden an der Änderung des Namens. Das Interesse an der Beibehaltung des Namens ist beispielsweise höher zu gewichten, wenn der Betreffende im Schuldnerverzeichnis eingetragen ist.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Diese Reformvorschläge sind weit davon entfernt, von der Regierung umgesetzt zu werden. Es steht keineswegs fest, dass so ein Gesetz beschlossen wird.

Meine Meinung zur Namensrechtsreform

Seit der Reform des Namensrechts im Jahre 1938 war es in Deutschland sehr schwierig, seinen Namen zu ändern. Darum fand ich schon die Einführung des §45a des Personenstandsgesetzes im Jahre 2018 sensationell – der Paragraph regelt, dass Personen mit mehreren Vornamen die Reihenfolge ihrer Vornamen offiziell ändern können. Im Vergleich damit stellen die neuen Vorschläge alles auf den Kopf.

Segensreich wäre die Neuregelung für alle, die einen belasteten Vornamen (zum Beispiel Alexa oder Corona) haben. Sofern der Wunsch besteht, sucht man sich einen neuen Vornamen aus und alle Hänseleien sind vorbei – allenfalls den 16. Geburtstag muss man sehnlichst abwarten. Und Personen mit einem Namen, der einen Migrationshintergrund vermuten lässt, hätten es endlich in der Hand, vorurteilsbedingte Nachteile bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Wohnung abzuwenden.

Für Namenkundler würde sich ein neues Forschungsgebiet erschließen: Welche Namen am häufigsten abgelegt werden und welche die beliebtesten selbstgewählten Namen sind. Ein offener Punkt ist, wie es sich mit der Nachvollziehbarkeit verhält. Darf es Verzeichnisse geben mit der Namenshistorie der Personen? Oder gibt es ein Recht auf Vergessen der ehemaligen Namen? Angenommen ich würde mir neue Vornamen geben – dürfte jemand berichten „Kevin Adolf Bielefeld, früher bekannt als Knud Bielefeld, erstellt Listen der beliebtesten Vornamen“?

Eine große Last würde werdenden Eltern genommen, denn die Verantwortung bei der Auswahl des Babynamens wäre viel kleiner als jetzt. Man könnte ohne Bedenken einen niedlichen Vornamen wählen, denn der Sprössling könnte sich ja mit 16 Jahren einen anderen, erwachsenentauglichen Namen aussuchen.

Ich würde eine Lockerung der Namensänderungsbestimmungen grundsätzlich begrüßen. Über diese weitreichenden Vorschläge bin ich aber erstmal erschrocken und kann mich noch nicht mit dieser großen Freiheit anfreunden, denn die identitätsstiftende Funktion des Namens würde durch diese Reform sehr weit zurückgedrängt.

Quelle: Eckpunkte zur Reform des Namensrechts (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat)

Babynamen der Woche 13/2020

Jan Johannes * Emily Emilia * Mercedes-Acelya Menekse * Success * Clara Isabella Aurelia Fleur * Dalijah-Yael * Yancho * Sarah Elena Helma * Evandro * Karma Kamilla * Alexius Daniel * Zena * Edith Meta * Paco Juan * Lynnea * Josias * Daria-Medeia * Dorisa * Connor-Maddox * Liwia * Amber Olivia * Maily * Keynan * Hilda Marie * Lio-Mateo * Ajla * Milina * Eleana * Torvi * Myra Sophie

Biernamen – nicht immer nur Corona

Biernamen – nicht immer nur Corona …

Der Bruder einer Freundin des Schwagers einer Kollegin wird Vater einer Tochter. Und er trinkt gern Bier. Darum soll das Mädchen als Vornamen den Namen einer Biermarke bekommen. Corona (ja, das ist wirklich ein Vorname – aus Italien und Spanien bekannt, stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Kranz“ oder „Krone“) kommt aus unerfindlichen Gründen nicht in Frage. Dann soll es wohl etwas aus dieser erlesenen Selektion aus aller Welt sein:

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Babynamen der Woche 11/2020

Jasper * Hannes King-Louie * Orlando Lex * Alice Sophie Ann * Juna Malien * Mio Mattheo * Jaika * Lounis Benjamin * Ares Joannis * Juliet * Virgine Maria * Karina Emilia * Norik * Lora * Alois Johann Claudius * George Collin * Abby-Grace * Hanni Erna * John Lucien * Aaron Arno * Bahar * Arel * Rizwana * Platon * Nelly * Maileen * Dustin Kevin * Kimberly Shirin * Luani Lou * Bellvie Brigitte * Jante * Leyan * Frida Flora * Bella Marie