Grobe soziale Schichtendifferenzierung

Leider gibt es nur wenige Datensammlungen, die Rückschlüsse auf die Eltern geben, die die Babynamen ausgewählt haben. Ich wüsste zu gern, wie alt die Eltern sind, welchen Beruf sie ausüben, welche Ausbildung sie genossen haben und welche Religion und Nationalität sie haben.

Statistiker der Stadt München haben im vorigen Jahrtausend versucht, eine grobe soziale Schichtendifferenzierung vorzunehmen. Damals wurde in der Geburtsmeldung der Beruf „wenigstens einen Elternteils“ vermerkt – ob Vater oder Mutter ist mir nicht bekannt. Aus den Münchner Geburtsmeldungen für den Jahrgang 1974 haben die Statistiker die Berufe der Eltern den vier Oberbegriffen Arbeiter, Angestellte, Beamte und Selbständige zugeordnet und schichtenspezifische Häufigkeiten ermittelt. Dazu wurde gezählt, wie oft die insgesamt zwanzig häufigsten Jungennamen und zwanzig häufigsten Mädchennamen je Schicht vergeben wurden. Hier die ermittelten Ranglisten:

Arbeiter

Mädchen Jungen
  1. Sabine
  2. Claudia
  3. Alexandra
  4. Daniela
  5. Andrea
  6. Michaela
  7. Nicola & Nicole
  8. Sandra
  9. Stefanie
  10. Tanja
  11. Christine
  12. Petra
  13. Karin
  14. Maria
  15. Martina
  16. Susanne
  17. Barbara
  18. Anna & Anne
  19. Katrin
  1. Thomas
  2. Markus
  3. Michael
  4. Christian
  5. Andreas
  6. Stefan
  7. Alexander
  8. Robert
  9. Jürgen & Jörg
  10. Peter
  11. Bernhard & Bernd
  12. Martin
  13. Oliver
  14. Christoph
  15. Florian
  16. Franz
  17. Tobias
  18. Matthias
  19. Sebastian
  20. Philipp

Angestellte

Mädchen Jungen
  1. Christine
  2. Stefanie
  3. Sabine
  4. Claudia
  5. Katrin
  6. Alexandra
  7. Andrea
  8. Sandra
  9. Daniela
  10. Michaela
  11. Susanne
  12. Tanja
  13. Julia
  14. Nicola & Nicole
  15. Anna & Anne
  16. Petra
  17. Karin
  18. Barbara
  19. Martina
  20. Maria
  1. Christian
  2. Andreas
  3. Markus
  4. Michael
  5. Thomas
  6. Alexander
  7. Stefan
  8. Florian
  9. Matthias
  10. Robert
  11. Oliver
  12. Martin
  13. Philipp
  14. Tobias
  15. Franz
  16. Bernhard & Bernd
  17. Peter
  18. Sebastian
  19. Christoph
  20. Jürgen & Jörg

Beamte

Mädchen Jungen
  1. Andrea
  2. Susanne
  3. Christine
  4. Katrin
  5. Sabine
  6. Claudia
  7. Julia
  8. Martina
  9. Barbara
  10. Nicola & Nicole
  11. Sandra
  12. Petra
  13. Stefanie
  14. Anna & Anne
  15. Karin
  16. Michaela
  17. Daniela
  18. Maria
  19. Tanja
  20. Alexandra
  1. Markus
  2. Stefan
  3. Christian
  4. Andreas
  5. Michael
  6. Florian
  7. Martin
  8. Tobias
  9. Alexander
  10. Matthias
  11. Thomas
  12. Peter
  13. Robert
  14. Christoph
  15. Bernhard & Bernd
  16. Jürgen & Jörg
  17. Oliver
  18. Philipp
  19. Sebastian
  20. Franz

Selbständige

Mädchen Jungen
  1. Julia
  2. Maria
  3. Christine
  4. Stefanie
  5. Alexandra
  6. Anna & Anne
  7. Barbara
  8. Sabine
  9. Andrea
  10. Daniela
  11. Katrin
  12. Petra
  13. Sandra
  14. Susanne
  15. Nicola & Nicole
  16. Claudia
  17. Martina
  18. Tanja
  1. Christian
  2. Florian
  3. Stefan
  4. Alexander
  5. Andreas
  6. Thomas
  7. Michael
  8. Christoph
  9. Markus
  10. Martin
  11. Matthias
  12. Philipp
  13. Sebastian
  14. Peter
  15. Tobias
  16. Bernhard & Bernd
  17. Franz
  18. Oliver
  19. Robert

Quelle: Zur Vornamensgebung in München (pdf)

Die häufigsten Babynamen der 2010er Jahre [2010 – 2018]

Zum letzen Mal habe ich einen vorläufigen Stand der Hitliste der häufigsten Babynamen der 2010er Jahre ausgewertet – mit dem Jahrgang 2019 wird endlich das Endergebnis feststehen.

Hier die Top 30 der 2010er Jahre (Stand Ende 2018), an anderer Stelle habe ich die jeweils 1.500 beliebtesten Jungen- und Mädchenvornamen der 2010er Jahre veröffentlicht. Grundlage dieser Hitliste sind die Vornamen von mehr als 1,6 Millionen Kindern, die in den Jahren 2010 bis 2018 in Deutschland zur Welt gekommen sind.

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Großstadtnamen / Kleinstadtnamen

Manchmal kommt man beim Herumstöbern ja auf verrückte Ideen, und was bei dieser herausgekommen ist, hat mich selbst verblüfft. Irgendwie – fragt mich nicht wie – bin ich auf die Idee zu kommen, die Einwohnerzahl der Vornamen auszuwerten. Konkret habe ich mir jeweils die Top 200 der beliebtesten Jungen- und Mädchennamen des Geburtsjahrgangs 2018 vorgenommen und ausgerechnet, wie hoch die durchschnittliche Zahl der Einwohner des Geburtsorts der Babys mit dem jeweiligen Vornamen ist.

Großstadt auf Tablet © SasinParaksa - fotolia.com
Großstadt auf Tablet © SasinParaksa – fotolia.com

Ich hatte vor der Auswertung nicht damit gerechnet (als Wissenschaftler würde ich das jetzt These nennen), dass es überhaupt signifikante Unterschiede gibt. Tatsächlich liegen zwar nicht gerade Welten, aber immerhin die Einwohnerzahl einer Großstadt wie Hannover zwischen dem am meisten großstädtischen Vornamen Ava (durchschnittliche Einwohnerzahl ungefähr 660.000) und dem am meisten kleinstädtischen Vornamen Anni (durchschnittliche Einwohnerzahl ungefähr 120.000).

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Die Dritten sind etwas Besonderes

Die beliebtesten dritten Vornamen
Mohammed steht bei den häufigsten dritten Vornamen auf Platz 17 – bei den Mädchennamen! Auch sonst bin ich überrascht, wie besonders die Hitliste der beliebtesten Drittnamen im Vergleich mit der Erst- und Zweitnamenliste ist. Maria auf Platz 22 bei den Jungennamen ist ja nicht so ungewöhnlich, schließlich ist das der einzige weibliche Vorname, der Jungen als zusätzlicher Vorname gegeben werden darf. Bemerkenswerter finde ich Platz 39: Junior. Anh ist bei Jungen und Mädchen ein häufiger dritter Vorname; da wird es sich wohl um Familien mit vietnamesischer Herkunft handeln.

Was auffällt: Es gibt fast keine Namen mit dem Anfangsbuchstaben L, der bei den Erstnamen einer der häufigsten Anfangsbuchstaben ist.

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Update: Vornamen der 2010er Jahre [2010 – 2017]

Ich habe gerade ein Update veröffentlicht für die Hitliste der häufigsten Vornamen der 2010er Jahre. Neu dazugekommen sind die Babynamen der Jahrgangs 2017. Mittlerweile umfasst meine Sammlung aus diesem Jahrzehnt die ersten Vornamen von mehr als 1,4 Millionen Kindern (die zweiten und weitere Vornamen habe ich für diese Auswertung nicht mitgezählt).

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So viele Thomasse, so wenig Bens …

Mit den Thomassen des Geburtsjahrgangs 1964 könnte man ein Fußballstadion füllen, doch für die Bens von 2014 reicht ein Stadttheater. Dabei sind beides die jeweils häufigsten Jungennamen des Jahrgangs. Aber: 1964 war der geburtenstärkste Jahrgang seit Menschengedenken, damals sind 1.357.304 Kinder in Deutschland (Ost & West zusammen) zur Welt gekommen. 2014 sind nur 714.927 Kinder geboren, das ist nur ungefähr die Hälfte!

Das ist aber nicht der einzige Grund. 1964 wurden mehr als vier Prozent der Jungen Thomas genannt. Heutzutage sind die Topnamen viel seltener– nur ungefähr zwei Prozent der Baby-Jungen von heute heißen Ben. Vor hundert Jahren lag dieser Prozentwert sogar bei über sechs Prozent.

Anteil männlicher Vornamen 1917 bis-2017

Wer genau hinsieht (hier die ausführliche Darstellung), dem fällt auf, dass es zur Jahrtausendwende eine Trendwende gab. Seitdem werden die häufigsten Vornamen nicht mehr seltener, der Trend zur Individualisierung scheint gebrochen. Ob das an den anderen Erfahrungen der Eltern von heute liegt? Die Zeiten der Sammelbegriffs-Vornamen („Bei uns in der Klasse heißen alle Thomas, außer Michael, der heißt Stefan“) sind ja offensichtlich vorbei und so auch die Erlebnisse mit allgegenwärtigen Namensvettern. Ohne diese Erlebnisse fehlt der Anreiz, für den Nachwuchs einen möglichst einzigartigen Vornamen zu finden.

Wer weiß, vielleicht gibt es bald wieder ganz viele kleine Thomasse …