Gassenhauer-Gaby

Gaby

Ich hätte ja vermutet, dass sie es mal bis an die Spitze der deutschen Namens-Charts geschafft hätte. Aber: Fehlanzeige. In den 50ern und 60ern war Gabriele zwar äußerst beliebt, konnte Namen wie Angelika oder Sabine jedoch nie das Wasser reichen. Trotzdem zählen Gabriele und die seltenere Gabriela, kurz: die Gabys (oder Gabis), zu jenen Namen, die fest mit einer bestimmten Altersgruppe verbunden sind. Ob sich das demnächst ändert? Heimlich, still und leise hat sich Gabriela 2017 in die Charts geschlichen: Platz 499! Auch in unseren „Babynamen der Woche“ sind immer mal wieder Zweit-, Erst- und Einzelnamen-Gabrieles, –Gabrielas sowie –Gabriellas dabei. Wer sich durchklickt, sieht, welche Namenskombinationen die „neuen“ Gaby-Eltern wählen – von Amber Diamond Gabriele bis Viktoria Gabriela – und wie das bei unseren kommentierfreudigen Lesern abschneidet.

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Mordsnamen aus dem Norden

Mordsnamen

Was bist du groß geworden, kleiner Kalle! Und mit was für Abgründen du dich herumschlagen musst! Dabei erschien uns deine Welt einmal so idyllisch, voller Walderdbeeren, rot gestrichener Holzhäuser und Elche. Doch damit war es in den 90ern vorbei, zumindest für Erwachsene, als mit Henning Mankell der Boom skandinavischer Krimis und Thriller einsetzte. Natürlich brachten die blutrünstigen Schmöker Namen mit, von denen sich mancher – trotz der meist gebrochenen Charaktere – in den Köpfen festsetzte. Ihre Nachbarn haben ein Kind mit einem seltsamen nordischen Namen? Dann blättern Sie doch mal bei Jussi Adler-Olsen (Dänemark), Unni Lindell (Norwegen) oder Håkan Nesser (Schweden) nach! Jedenfalls sofern es sich bei Ihren Nachbarn nicht bloß um begeisterte Wintersport-Gucker oder Fjord-Touristen handelt.

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Mein seltener Name und ich: Solvie

Aufgepasst, liebe Eltern: Hier kommt Solvie! Ich finde – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen –, dass dieser Name das Potenzial zum Geheimtipp für kleine Mädchen von heute hat. Schließlich erinnert er nicht nur vage an die (etwas abgenudelten) Zweitnamens-Klassiker Sophie und Marie, sondern auch an Ylvie, Mavie und Solène. Diese Namen hört und liest man zwar eher selten, aber doch immer mal wieder in Namensdiskussionen, und zwar nicht nur in der Kategorie „Als Erstname trauen wir uns das nicht, aber …“. Ylvie kam 2017 bereits auf Platz 142, Tendenz steigend. Mavie schrammte bei der Auswertung der 2010er Jahre knapp an der Top-1000 vorbei, und Solène wurde von Maite Kelly ins Gespräch gebracht, als sie 2014 ihre jüngste Tochter so nannte.

Woher der Name Solvie kommt, hat mir meine 1972 geborene Interviewpartnerin aus Uetersen (Schleswig-Holstein) erzählt: „Als ich nach drei Brüdern – Marc, Holger und Norman – auf die Welt kam, sollte ich einen besonderen nordischen Namen bekommen: Solveig. Den kannten damals allerdings nicht viele, der Standesbeamte auch nicht. Auf Solvie hat er sich dann komischerweise eingelassen, unter der Bedingung, dass meine Eltern noch einen bekannten Namen mit Bindestrich anhängen.“ Sie heißt mit vollständigem Namen Solvie-Kathrin; die in der Amtsstube ganz spontan gewählte Kathrin/Katrin stand 1972 auf Platz 7 der Mädchennamen. Solvie hat die Kombination oder den Zweitnamen nie genutzt und wurde, anders als meine Interviewpartnerin Marle, auch nicht dazu genötigt. „Nur wenige wissen überhaupt von meinem Zweitnamen. Er steht halt im Ausweis.“

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Gute Frage 13: Ist Oskar für die Tonne?

Die „Sesamstraße“ war in den 70er und 80er Jahren ein echter Straßenfeger für Vor- und Grundschulkinder. Jedenfalls für alle, die nicht im Sendegebiet des Bayerischen Rundfunks lebten; dieser boykottierte die Sendung, auch noch nach Einführung der deutschen Rahmenhandlung. Grund für die Eindeutschung waren unter anderem Proteste von Eltern, die sich an Oscar stießen, einem in einer Mülltonne lebenden muffeligen Wuschel mit Monobraue. Muss man das verstehen?! Ich fand Oscar toll und habe mich wie er eigentlich nie pauschal vor (Sperr-)Müll und Gebrauchtem geekelt. Im Grunde war der grüne Griesgram doch Verfechter des Recyclinggedankens.

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Mein seltener Name und ich: Juls

Vor 66 Jahren waren die Möglichkeiten, sich über Namen schlau zu machen, verglichen mit heute extrem überschaubar. Juls’ Eltern hatten deshalb wenig Chancen, die Geschichte zu überprüfen, die ihr Vater beziehungsweise Schwiegervater ihnen auftischte: Er schlug Juls vor, das sei ein skandinavischer Name. Der Klang gefiel, der Name war gekauft. Tatsächlich erinnert Juls an jul, das schwedische, dänische und norwegische Wort für Weihnachten. Aber ein Name?!

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Gute Frage 12: Heißen alle Lavinias Wollny?

Lavinia

„Wie findet Ihr den Namen Lavinia?“ Auf ihre arglose Frage wird der werdenden Mutter vor allem eines um die Ohren geballert: der Nachname Wollny. „Finde ich furchtbar“, lautet etwa ein Kommentar, Lavinia sei „durch die Wollnys einfach vorbelastet“. Gemeint ist jene vielköpfige Familie aus Neuss, der RTL II seit 2011 eine Pseudo-Doku widmet und deren Mitglieder zuletzt wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt kamen. Um die Wollnys zu kennen, reicht es bereits, „TV Total“ geguckt zu haben: Stefan Raab spielte gern Mutter Silvia ein, wie sie ihre bunt benamste Sippe zum Essen ruft („Sylvana, Sarafina, Jeremy-Pascal, Sarah-Jane, Lavinia, Calantha, Estefania, Loredana!“).

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Nee zu Marlené

Marlene

Dieser Text beginnt mit langen Beinen und langen blonden Haaren … einer Erinnerung an meine Jugend in den 70ern zuliebe. Damals kannte jedes Kind die Entertainerin Marlène Charell. Aus Winsen an der Luhe stammend, hätte „Miss Longlegs“ die Welt mit ihrem Geburtsnamen Angela Miebs wohl kaum beeindruckt. So entschied sie sich bei ihrem Karrierestart in Paris in Anlehnung an, na klar, Marlene Dietrich für ihr Pseudonym.

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Die neuen Indianernamen

Die neuen Indianernamen

Die Bedeutung von Namen – „die Weisheit“, „der Ruhebringer“ und so weiter – ist für die meisten Eltern heute höchstens drittrangig, so jedenfalls mein Eindruck (dazu gibt es auch Studien). Eine Ausnahme, nach der in Foren mit schöner Regelmäßigkeit gesucht wird, bilden nur jene Namen, die „Geschenk“ bedeuten wie Theodor, sowie solche, die in Richtung „Kämpfer“/“Kämpferin“, „Kraft“ oder „Leben“ gehen (Mathilda, Ava, Zoe). Mitunter erfährt man auch das Motiv der Eltern: eine lange Kinderwunschzeit, eine komplizierte Schwangerschaft oder Frühgeburt. Dieser Erfahrung soll offenbar ein Denkmal gesetzt oder das Kind mit einer Art von positivem Aberglauben gestärkt werden.

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