
„Und wie heißt du richtig?“, diese Frage hat Kitty, Jahrgang 1978, in ihrem Leben schon unzählige Male gehört. „Manchmal sage ich beim Kennenlernen deshalb gleich: Ich heiße Kitty, und das ist keine Abkürzung.“

„Und wie heißt du richtig?“, diese Frage hat Kitty, Jahrgang 1978, in ihrem Leben schon unzählige Male gehört. „Manchmal sage ich beim Kennenlernen deshalb gleich: Ich heiße Kitty, und das ist keine Abkürzung.“

Der Name Nikodem war 2024 in Polen sehr populär. Bei uns hat er es (noch?) nicht in die Top 500 geschafft und dürfte außerhalb polnischer Familien ein ziemlicher Hingucker sein. Mir gefällt Nikodem, nicht zuletzt, weil er mir aus meinem früheren Leben als Magd auf mittelalterlichen Märkten geläufig ist (in der zweiten Hälfte der 90er Jahre). Da gab es einen Gaukler, der sich Nikodemus nannte. Einen positiv besetzten, weisen Nicodemus kenne ich außerdem aus dem von mir als Kind geliebten Zeichentrickfilm „Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH“ (1982).

Erdrauch, Tussilago, Wiedehopf – wer außer mir kennt diese Namen? Ja gut, ich löse gleich mal auf, Menschennamen sind es nicht (das wären schon eher Erdmann, Thusnelda oder Widukind). Die Namen sind mir neulich bei einem Spaziergang in den Sinn gekommen oder genauer: Mir ist aufgefallen, wie sehr ich es mag, dass ich bei vielen „Blümchen am Wegesrand“, Vögeln oder anderem Kleingetier weiß, wie sie heißen.

Sie singt, er spielt Cello: Ein Geschwisterpaar aus Wien wird Deutschland am 17. Mai beim Eurovision Song Contest vertreten. Für mich geht diese nicht unumstrittene Entscheidung, einem Mix aus dem Urteil einer Jury um Stefan Raab und einem Publikumsvoting, völlig klar: Weil mir der Wettbewerbsbeitrag von Abor und Tynna („Baller“) gleich im Ohr geblieben ist, Bruder und Schwester sympathisch wirken und ehrlich gesagt auch – wen wundert‘s –, weil ich ihre Vornamen spannend finde.

Sie sorgen alljährlich für medialen Wirbel, obwohl sie sich nur in Nuancen verändern: Knud Bielefelds Listen der 1.000 beliebtesten Babynamen. Doch was ein richtiger Fan ist, der geht die frisch veröffentlichten Charts, für die „Deutschlands einziger Vornamen-Influencer“ 2024 insgesamt etwa 36 Prozent aller Geburten erfasst hat, auch auf der Suche nach den besagten Nuancen gespannt durch. Noch wichtiger: Es gibt immer Menschen, die sich das allererste Mal damit beschäftigen, wie Kinder heute heißen. Und die dringend herausfinden wollen, ob die Namen, die sie für eigenen Nachwuchs favorisieren, eher „Sammelbegriffe“ oder (zu?) individuell sind.
In unserem schon traditionellen Interview spricht Knud Bielefeld über Spitzenreiter, Namen im Trend und über Phänomene, die selbst ihn, der das Thema Babynamen seit 2005 systematisch untersucht, verblüfft haben.