Jahresrückblick 2017: Hier kommt Alexa

Mal wieder eine wilde Mischung: Aus den vergangenen zwölf Monaten habe ich ein paar Namen herausgepickt. Vielleicht hat der eine oder andere 2017er Babyeltern ja besonders gefallen?!

Hier kommt Alexa

Januar

Youtuberin Shirin David (bürgerlich Barbara Shirin Davidavicius) ist neu in der DSDS-Jury und bleibt vielleicht nicht nur wegen ihrer Perücken, sondern auch wegen ihres Namens im Gedächtnis, der englischen Form der persischen Schirin („süß, bezaubernd, angenehm“).

Februar

Levina (Isabella Levina Lueen) gewinnt den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (das war’s auch schon mit dem Gewinnen). Die Amazon-Sprachassistentin Alexa ist frei erhältlich – finden echte Alexas vermutlich nicht so witzig. Der vierte „Bibi und Tina“-Kinofilm macht uns mit dem albanischen Mädchennamen Adea bekannt, und „La La Land“ – Hauptfiguren: die süße Mia und der smarte Sebastian – heimst sechs Oscars ein.

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Ich heiß’ Kevin – na und?!

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Film über einen kecken kleinen Jungen Menschen im gebärfähigen Alter in Verzückung versetzte. So sehr, dass sein Name im Jahr 1991 – der Film war bei uns im Januar in die Kinos gekommen – als der Deutschen liebster Jungenname abschloss: Platz eins für Kevin! Aus dem Nichts kam diese Entwicklung aber nicht, siehe Knuds „Aufstieg und Fall eines Modenamens“. Kevin hatte 1990 schon Platz zwölf erobert.

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Gute Frage 11: Sollte Noras Bruder Aron heißen?

In letzter Zeit sind mir geballt einige Sprachspielereien im Zusammenhang mit Namenssuchen aufgefallen. Da ist zum Beispiel die Schwangere, die einen Namen für ihren kleinen Jungen sucht und den Namen der werdenden großen Schwester verrät: Nora. Es dauert gar nicht lange, bis in der um Rat gefragten Community der Vorschlag Aron (oder Aaron) aufkommt: „Nora rückwärts gelesen, find ich klasse.“ Weitere Schreiberinnen stimmen zu: „Geile Idee“ und „Würde ich definitiv machen, wenn ich eine Nora hätte“.

NORA ARON

Fall 2: Eine gewisse Sonja ist schwanger, ihr erster Sohn heißt Jonas. Sie schreibt: „Bekannte von uns meinten, dass unser zweites Kind, wenn es ein Junge wird, am besten Lukas heißen solle, weil mein Mann Klaus heißt – Anagramme. Was würdet ihr von der Idee halten?“ Von einer unqualifizierten Antwort abgesehen („Was ist ein Anagramm?“) findet das Buchstabenspiel viel Zustimmung, sicher auch, weil Jonas und Lukas ohnehin recht gut zusammenpassen. Finde ich ja auch – doch sollte man sich wirklich von dem Zufall, dass sich aus beiden Elternnamen gängige Kindernamen basteln lassen, abhängig machen? Verdient es Kind 2 nicht auch, dass die Eltern bei der Wahl mehr „aus dem Vollen schöpfen“ auf der Suche nach dem allerschönsten Namen? Und wie hieße ein mögliches drittes Kind? O-Ton Sonja: „Wir hatten bei Jonas bemerkt, dass sein Name aus denselben Buchstaben besteht wie meiner, aber es hat uns weder gestört noch fanden wir es super genial. Für ein drittes Kind könnten wir noch den zweiten Namen meines Mannes nehmen. Aber was kann man schon aus Martin machen?“

Fall 3: Eine weitere werdende Mutter sucht kurze Namen für Zwillinge. Prompt schlägt eine Kommentatorin Leon und Noel vor, garniert mit einem stolz grinsenden Smiley: „Wenn du Leon rückwärts liest, heißt es Noel, und wenn du Noel rückwärts liest, Leon.“ Übrigens werden Noel und Leon auch gern als Erst- und Zweitnamen kombiniert.

Originell, vorhersehbar oder … – wie finden Sie derartige Spielereien? Und trägt hier vielleicht selbst jemand einen nach einem solchen Schema gewählten Namen?

Kommt eine Wiebke nach München …

Dass jemand sein ganzes Leben in dem Landstrich verbringt, in dem er aufgewachsen ist, von Urlauben vielleicht abgesehen – das ist im 21. Jahrhundert extrem selten. Viele Eltern denken deshalb darüber nach, ob ihr Spross mit seinem Namen gut durch die Welt kommt. Dennoch greifen nicht alle zu stromlinienförmigen, am besten noch „international funktionierenden“ Modenamen: Die Statistiken von beliebte-vornamen.de belegen, dass beispielsweise traditionelle norddeutsche Namen durchaus vergeben werden – oft aber wirklich häufiger im Norden.

Kann ein Name „zu norddeutsch“ sein? Dafür ist die Geschichte von Wiebke ein schönes Beispiel: Die Hamburgerin verbrachte für ein Praktikum einige Zeit in München. Als sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz vorstellte, wurde sie gefragt: „Und wie ist Ihr Vorname?“ In Wiebkes Gesicht erschien ein Fragezeichen, schließlich hatte sie Vor- und Nachnamen genannt. Dann fiel der Groschen: „Die dachten, ‘Wiebke’ sei der erste Teil eines Doppelnachnamens.“

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Mein seltener Name und ich: Kea

Heute starten wir mal in dem bekannten schwedischen Möbelhaus, das uns über die Jahre so manchen Mitbewohner beschert hat. Billy natürlich oder den friedliebenden, vor allem aber geräumigen Pax. Immer was zu lachen gab es mit Gesellen wie Syltkaka, dem Topfhandschuh, oder Schuhablage Lustifik. Tatsächlich liegt diesen Namen ein eigenes Regelwerk zugrunde, demzufolge Eltern auf Namenssuche am ehesten bei Stoffen und Gardinen fündig werden – für Mädchen – oder als „Team blau“ bei Stühlen und Schreibtischen. Doch das nur am Rande.

Nur eins noch: Bereits seit 1996 wollen uns die Möbelschweden weismachen, in ihrer Heimat ginge es am 13. Januar nur um einen gewissen Knut und dass alle Weihnachtsbäume an diesem Tag neuem Mobiliar weichen müssten. Ist natürlich Quatsch, obwohl zum St.-Knut-Tag in Skandinavien wirklich spezielles Brauchtum nachweisbar ist, etwa der „Knutsbock“ als nachweihnachtlicher Restevernichter.

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Mein seltener Name und ich: Yola

Man musste kein Hellseher sein, um etwa 2007 zu erahnen, dass der Name Kevin möglicherweise eine nicht ganz so glückliche Wahl sein könnte – oder 2017, dass es sich bei einer Mia Rose keinesfalls um ein Unikat handeln kann. Dass der Name ihrer Tochter einmal haarscharf an einem Schlagwort der Jugendkultur vorbeischrammen würde, konnten die Eltern meiner Interviewpartnerin im Jahr 2000 aber wirklich nicht ahnen: Yola. Eine der kleinen Überraschungen, die im Zusammenhang mit Namen immer wieder auftreten. Wikipedia zufolge lässt sich YOLO („you only live once“) zuerst 2004 nachweisen; seit etwa sechs Jahren gehört das Akronym nahezu weltweit fest zur Jugendsprache. Yola muss sich schon einige Zeit Anspielungen darauf anhören, findet das aber nicht weiter schlimm: „Ist doch eigentlich ein schönes Lebensmotto.“

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Ritterschlag für Trenk und Tiuri

Der kleine Ritter Trenk hat Schuld. Ohne ihn hätte es eine meiner ausgedehntesten Recherchen für dieses Blog, die mich mit drei Größen der Vornamenswelt und einer Autorin zusammenbrachte, nie gegeben. Wer, was, Trenk?! So heißt eine Kinderbuchfigur der Hamburger Autorin Kirsten Boie aus dem Jahr 2006. Die Abenteuer des Trenk Tausendschlag, der vom Bauernjungen zum Ritter wird, liefen ab 2011 auf KIKA und schafften es vor zwei Jahren auch in die Kinos.

Trenk, ist das eigentlich ein richtiger Name? Halb rechnete ich damit, dass es sich um eine friesische oder niederländische Kurzform handeln könnte wie Henk (von Heinrich) oder Hark. Dem scheint aber nicht so zu sein. Stattdessen stieß ich auf eine FAZ-Meldung, wie der erste „Trenk“-Band von 2006, die diesen Namen lapidar als „nicht zugelassen“ auflistete. Da war also jemand ganz schnell – und erfolglos.

Ritterschlag

Eine Mail an Kirsten Boie war rasch verfasst. Bloß leider weiß die Autorin selbst nicht mehr so recht, wie und warum ihr kleiner Held zu seinem Namen kam. Dessen Seltenheit sei aber keineswegs ein Zufall. Ob sich das Blatt für Trenk seit 2006 wohl gewendet hat? Um das herauszubekommen, holte ich zum großen Rundumschlag unter Namensexperten aus. Zunächst trug ich jedoch weitere Namen von Ritterjungen und -mädchen aus Kindermedien zusammen – die Sache sollte sich schließlich lohnen. Hier meine Listen:

Artus – Tafelrunde und so, Kindern vielleicht eher bekannt aus „Shrek der Dritte“
Balduin – muss auf die Liste, weil das bekannte Schlossgespenst Hui Buh einst so hieß
Edwinem* – aus „Der Brief für den König“ von Tonke Dragt
Kuno – „Kuno Kettenstrumpf“ ist ein Kinderbuch von Oliver Pötzsch
Lanzelino* – gibt’s in „Die Ritter von Rasselstein“ von Thomas Brezina
Merlin – darf hier nicht fehlen, die Älteren kennen vielleicht Disneys „Die Hexe und der Zauberer“
Mike – ja, tatsächlich. „Mike der Ritter“, im Original „Mike the Knight“, ist eine kanadisch-britische Trickfilmserie
Robin – ist nicht nur in Sherwood unterwegs, sondern auch in Büchlein wie „Ritter Robin“ oder „Robin und die wilden Ritter“
Tiuri* – wieder aus „Der Brief für den König“
Trenk* – von Frau Boie
Vincelot* – aus den Bilderbüchern von Ellen Alpsten

Floretta* – nach „Floretta Ritterkind“ von Matthias Morgenroth
Gwendolina – Schwester von Lanzelino, s.o.
Igraine – nach „Igraine Ohnefurcht“ von Cornelia Funke
Lanzelotta* – „Lanzelotta Rittertochter“ ist eine Buchserie von Ursel Scheffler
Lavinia – „Der Brief für den König“
Thekla – Rittertochter und Freundin von Trenk

Besonders interessierte mich die Einschätzung der Experten zu den Namen mit *, klar. Zunächst schaute Knud für mich in seine Datenbank ab 2005 und fand als Spitzenreiter 2.788 Erstnamen-Robins (überwiegend männlich) und unter anderem 40 Kunos, neun Artusse und eine Igraine (Zweitname Nimue). Was die fantasievollen Exoten unter den Ritterkindernamen betrifft, sind sich Knud, Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache und Gabriele Rodríguez vom Namenkundlichen Zentrum der Uni Leipzig auf meine Anfrage hin grundsätzlich einig: Es kommt ganz darauf an. Nämlich darauf, wie liberal das jeweilige Standesamt ist. Ein gewöhnlicherer Zweitname könne hier unter Umständen für Milde sorgen. Auch eine familiäre Herleitung (Rüdebusch: „Wenn der Großvater Lancelot hieß und die Enkelin nach ihm benannt werden soll“) macht sich sicher gut.

Frauke Rüdebusch äußert sich insgesamt eher zurückhaltend: Viele der von mir benannten *-Namen seien „Erweiterungen und durch das dadurch entstehende Bedeutungsspektrum sehr ungewöhnlich. Auf jeden Fall würden wir jeden dieser Namen einer gründlichen Prüfung unterziehen, bevor wir ihn bestätigen.“ Am wenigsten Bedenken hat sie bei Tiuri, auch wegen der Nähe zu Tjure. Tatsächlich sei Tiuri in den vergangenen Jahren mehrfach standesamtlich beurkundet worden. Auch einen Edwinem konnte die Expertin ausfindig machen – und zwei Trenks!

Gabriele Rodríguez hat bereits einmal ein Gutachten für Tiuri erstellt, das diesen auf eine germanische Gottesbezeichnung, „übrigens etymologisch verwandt mit Zeus“, zurückführt. Der Name läge aber den meisten Standesämtern noch nicht vor. Anders übrigens als Floretta – hier dürfte es also keine Probleme geben, zumal Floreta auch albanisch sein könne. Doch auch für meine restlichen Kandidaten sieht Rodríguez gute Chancen: „Neubildungen sind in der Regel erlaubt“. Nur geht es vermutlich oft nicht ohne ein positives Gutachten. Die Mail der Expertin stimmt mich da aber zuversichtlich. Hier noch ein Auszug:

„Der Name Lanzelino ist als ein männlicher Vorname erkennbar. In Deutschland wurde er noch nicht eingetragen. Er hat Vornamencharakter, wäre also möglich. Den Standesämtern liegen die ähnlichen männlichen Vornamen Lanz, Lanze, Lanzo, Lanzelot, Lanzarote, Lans, Landelino, Lino, Lance, Lancelin, Lancellotto, Lancellottus, Lancelot, Lancelote, Lanceloto, Lancillotto und Lanciotto vor. Man kann somit Lanze und Lino zu Lanze Lino, Lanze-Lino und Lanzelino verbinden.“

Herzlichen Dank noch mal an Frauke Rüdebusch und Gabriele Rodríguez!

Wie man Promikids erkennt

Nicht Silas, nicht Jack und auch nicht Anna – nein, Sienna-Amelie heißt der Nachwuchs von Patrick Bach. Über den Achtziger-Jahre-Kinderstar und seine bezopfte Tochter (12) bin ich in der neuen RTL-Show „Comeback oder weg?“ (sonntags, 19.05 Uhr) gestolpert.

Wie Bach, Verona Pooth oder Hugo Egon Balder ihre Teenager mit Relikten aus den „crazy 70er, den fetzigen 80er und den schrillen 90er Jahren“ konfrontierten, vom quietschegrünen Eis am Stiel über den Starschnitt bis zum Gleitschuh – hm, ich fand’s ein bisschen langatmig. Zwischendurch gab es possierliche Einspieler namenloser Grundschüler (nicht so gut wie in „Dingsda“) sowie Guildo Horn und „die Lochis“ auf einem Fake-Dachboden. Aber egal, ich hab mir das Ganze sowieso nur wegen der Promikindernamen angesehen.

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