Wie Hund und Katze

„Das ist doch ein Tiername!“ Mit dieser Bemerkung kann man Namenssucher, die ihren Favoriten preisgeben, so richtig schön ärgern. Dabei sind Halter von Hund, Katze und Co. ja komplett frei, ihre Tiere zu benennen. Klassiker wie Bello, Waldi, Rex oder Mieze haben in der Mehrzahl längst ausgedient („Muschi“ hieß zuletzt nur eine Politikergattin). Das belegt auch die Hitliste des Tierschutzvereins Tasso, die auf Grundlage der 2017 neu registrierten Tiere erstellt wurde.

Namen, auf die der destruktive Kommentar häufiger zutrifft als auf andere, gibt es aber schon, und überhaupt recht viele Menschennamen an Tieren – in den Top Ten der weiblichen Hunde sind es gar 100 Prozent. Ich habe die Tasso-Listen mit unseren abgeglichen und hinter den für Kinder gängigen Namen den Rang bei beliebte-vornamen.de ergänzt:

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Zehn Namen – ein Buch 2

Zehn Namen 2

Dieses Spiel habe ich hier früher schon mal gespielt: zehn Namen herausgepickt, die alle in ein und demselben Buch vorkommen, teilweise nur als beiläufige Erwähnungen. Den Titel des Werks verrate ich erst später – aber vielleicht kommen Sie ja drauf?

1. Faustina: Wer traut sich, sich mit Faustina anzulegen – oder diesen Namen zu vergeben? Es gäbe sogar eine passende Heilige und einen Namenstag (18. Januar). Geradezu bestechend die Herleitung aus dem Lateinischen: „faustus“ bedeutet „beglückend, Glück bringend“. Nicht so mutigen Eltern würde ich eher die ähnlich klingende Augustina (nicht im Buch) empfehlen.

2. Jordan: „By the rivers of babylon …“ Irrigerweise assoziiere ich mit diesem Unisexnamen den Song von Boney M.; dabei geht es in dem auf Psalm 137 zurückgehenden Text um den Euphrat und ein Gewässer namens Chabur. Egal. Jordan ist aktuell auf Platz 351 der deutschen Jungennamen-Hitliste. Kennt hier jemand eine(n) Jordan und kann berichten, ob er/sie englisch oder vielleicht doch deutsch ausgesprochen wird – und ob es viele Scherze der Marke „über den Jordan“ gibt?

3. Edgar: Platz 213 der Hitliste, und ich glaube, da geht noch was. Schließlich ist Edgar nicht so „zwielichtig“ wie Edward, der von 2010 bis 2012 und noch mal 2016 ein Gastspiel in den Top-500 gab, und lässt sich wie dieser cool mit Eddy abkürzen. Eine Kurzform übrigens, die als eigenständiger Name bundesweit auf Platz 151 thront und sich speziell in Sachsen großer Beliebtheit erfreut (Platz 30!), keine Ahnung, warum, haben Sie einen Tipp?

4. Tom: Noch ein Kurzform-Name, auf den sich richtig viele Eltern einigen können – Platz 34. Weniger bekannt ist die Bedeutung, „Zwilling“, außer vielleicht bei Toms selbst, die sich in der Kommentarspalte unseres Namenslexikons auch gern über Sternzeichen austauschen. Mein Favorit ist aber „Chantal“, die wörtlich schreibt: „Ich habe gelesen das fast alle Jungens die Tom heißen eine Freundin haben die Zwilling sind.“

5. Ardita: Ein Abstecher nach Albanien! Der Name bedeutet „goldener Tag“ und gefällt mir sehr gut. Allerdings wird eine Ardita sicher öfter mit der allseits bekannten Madita (Platz 232) verwechselt.

6. Nick: Kurz, knackig – Nick! Als alter Nick-Knatterton-Fan mag ich diesen Namen ganz gern. Harry Potters „fast kopfloser Nick“ („Nearly Headless Nick“) hat auch was. Wie Tom erfüllt dieser Name das Gebot etlicher Eltern, im englischsprachigen Ausland zu funktionieren. Da kommt er ja schließlich her. Platz 69 in Deutschland.

7. Asa: Noch ein Name, dem man das Geschlecht des Trägers (der Trägerin?!) nicht gleich ansieht. Obendrein ist die Aussprache kniffelig. Wie geschrieben wäre denkbar, weil Asa ein hebräischer Jungenname ist („Heiler“). Allerdings kommt er praktisch nur im englischsprachigen Raum vor, dort angeblich ähnlich gesprochen wie Arthur. Mit Sonderzeichen wird daraus ein skandinavischer Mädchenname: Åsa („kriegerisch, herrschend“), gesprochen etwa „Ohsa“.

8. Daisy: Ein zartrosa Blümchen von einem Namen – die Bedeutung von Daisy ist wirklich „Gänseblümchen“, auch wenn viele an eine Ente mit Schleife auf dem Haupt denken mögen. Aktuell bringt Schauspielerin Daisy Ridley („Star Wars“) den Namen ins Gespräch.

9. Sigourney: Ein seltener und eher sperriger Name, der (mittlerweile) von Frauen ebenso getragen werden kann wie von Männern. Ich muss an „attorney“ denken, den Rechtsanwalt, und an längst aus der Mode gekommene, ebenfalls mit „Siggi“ abkürzbare Namen wie Siegfried und Sigismund. Die Figur, die diesen Namen trägt – oder zu tragen scheint –, zählt nicht zu den handelnden Personen des gesuchten Buches, sie wird sogar nur ein einziges Mal erwähnt (das hätte ich nicht erwartet).

10. Jay: Jayden, Jayson, Jaymie, Jayce … es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Jay als Kurz- und quasi Grundform der Jungennamen mit englischem J es in die hiesigen Top-500 schafft. War ja schon bei J. R. Ewing cool. Tatsächlich ist mir in den Weiten des Netzes schon mal eine Mutter begegnet, die für ihre Tochter den Namen CJ, gesprochen „ßie-dschäj“, erstreiten wollte. Hm.

So, und aus welchem Buch stammen nun die zehn Namen? Was hat Sie auf die Spur gesetzt? Habe ich spannende Namen vergessen?

„Die Gewinnerin hat auch verloren“ – Bielefeld-Interview 2017

Es war eine freudige Überraschung für Namensfans: In diesem Jahr veröffentlichte Knud Bielefeld seine Top 500 der beliebtesten Vornamen Deutschlands zwei Tage früher als erwartet. „Das passte den Journalisten besser“, begründet der Namensforscher ganz pragmatisch. Im Wettlauf um die früheste Präsentation sei er dennoch hoffnungslos abgehängt worden. „Seit dem Frühjahr tauchten fast im Monatstakt irgendwelche Namenhitlisten auf.“ Der 50-jährige Wirtschaftsinformatiker aus Ahrensburg sieht das gelassen. Zu Recht: So wie er 27 Prozent aller 2017 in Deutschland geborenen Babys erfassen, repräsentativ über die Republik verteilt – das muss ihm erst mal jemand nachmachen.

Knud Bielefeld bei der Arbeit an der Vornamenhitliste
Knud Bielefeld bei der Arbeit an der Vornamenhitliste (Foto: NDR Fernsehen)

Annemarie Lüning: Wenn ständig neue Hitlisten in den Medien sind, wird es für die Öffentlichkeit so langsam wirklich richtig verwirrend. Wie erklärst du dir, dass es neben den „üblichen Verdächtigen“ jetzt noch weitere Listen gibt, und was ist deine Konsequenz daraus?

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Jahresrückblick 2017: Hier kommt Alexa

Mal wieder eine wilde Mischung: Aus den vergangenen zwölf Monaten habe ich ein paar Namen herausgepickt. Vielleicht hat der eine oder andere 2017er Babyeltern ja besonders gefallen?!

Hier kommt Alexa

Januar

Youtuberin Shirin David (bürgerlich Barbara Shirin Davidavicius) ist neu in der DSDS-Jury und bleibt vielleicht nicht nur wegen ihrer Perücken, sondern auch wegen ihres Namens im Gedächtnis, der englischen Form der persischen Schirin („süß, bezaubernd, angenehm“).

Februar

Levina (Isabella Levina Lueen) gewinnt den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (das war’s auch schon mit dem Gewinnen). Die Amazon-Sprachassistentin Alexa ist frei erhältlich – finden echte Alexas vermutlich nicht so witzig. Der vierte „Bibi und Tina“-Kinofilm macht uns mit dem albanischen Mädchennamen Adea bekannt, und „La La Land“ – Hauptfiguren: die süße Mia und der smarte Sebastian – heimst sechs Oscars ein.

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Ich heiß’ Kevin – na und?!

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Film über einen kecken kleinen Jungen Menschen im gebärfähigen Alter in Verzückung versetzte. So sehr, dass sein Name im Jahr 1991 – der Film war bei uns im Januar in die Kinos gekommen – als der Deutschen liebster Jungenname abschloss: Platz eins für Kevin! Aus dem Nichts kam diese Entwicklung aber nicht, siehe Knuds „Aufstieg und Fall eines Modenamens“. Kevin hatte 1990 schon Platz zwölf erobert.

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Gute Frage 11: Sollte Noras Bruder Aron heißen?

In letzter Zeit sind mir geballt einige Sprachspielereien im Zusammenhang mit Namenssuchen aufgefallen. Da ist zum Beispiel die Schwangere, die einen Namen für ihren kleinen Jungen sucht und den Namen der werdenden großen Schwester verrät: Nora. Es dauert gar nicht lange, bis in der um Rat gefragten Community der Vorschlag Aron (oder Aaron) aufkommt: „Nora rückwärts gelesen, find ich klasse.“ Weitere Schreiberinnen stimmen zu: „Geile Idee“ und „Würde ich definitiv machen, wenn ich eine Nora hätte“.

NORA ARON

Fall 2: Eine gewisse Sonja ist schwanger, ihr erster Sohn heißt Jonas. Sie schreibt: „Bekannte von uns meinten, dass unser zweites Kind, wenn es ein Junge wird, am besten Lukas heißen solle, weil mein Mann Klaus heißt – Anagramme. Was würdet ihr von der Idee halten?“ Von einer unqualifizierten Antwort abgesehen („Was ist ein Anagramm?“) findet das Buchstabenspiel viel Zustimmung, sicher auch, weil Jonas und Lukas ohnehin recht gut zusammenpassen. Finde ich ja auch – doch sollte man sich wirklich von dem Zufall, dass sich aus beiden Elternnamen gängige Kindernamen basteln lassen, abhängig machen? Verdient es Kind 2 nicht auch, dass die Eltern bei der Wahl mehr „aus dem Vollen schöpfen“ auf der Suche nach dem allerschönsten Namen? Und wie hieße ein mögliches drittes Kind? O-Ton Sonja: „Wir hatten bei Jonas bemerkt, dass sein Name aus denselben Buchstaben besteht wie meiner, aber es hat uns weder gestört noch fanden wir es super genial. Für ein drittes Kind könnten wir noch den zweiten Namen meines Mannes nehmen. Aber was kann man schon aus Martin machen?“

Fall 3: Eine weitere werdende Mutter sucht kurze Namen für Zwillinge. Prompt schlägt eine Kommentatorin Leon und Noel vor, garniert mit einem stolz grinsenden Smiley: „Wenn du Leon rückwärts liest, heißt es Noel, und wenn du Noel rückwärts liest, Leon.“ Übrigens werden Noel und Leon auch gern als Erst- und Zweitnamen kombiniert.

Originell, vorhersehbar oder … – wie finden Sie derartige Spielereien? Und trägt hier vielleicht selbst jemand einen nach einem solchen Schema gewählten Namen?

Kommt eine Wiebke nach München …

Dass jemand sein ganzes Leben in dem Landstrich verbringt, in dem er aufgewachsen ist, von Urlauben vielleicht abgesehen – das ist im 21. Jahrhundert extrem selten. Viele Eltern denken deshalb darüber nach, ob ihr Spross mit seinem Namen gut durch die Welt kommt. Dennoch greifen nicht alle zu stromlinienförmigen, am besten noch „international funktionierenden“ Modenamen: Die Statistiken von beliebte-vornamen.de belegen, dass beispielsweise traditionelle norddeutsche Namen durchaus vergeben werden – oft aber wirklich häufiger im Norden.

Kann ein Name „zu norddeutsch“ sein? Dafür ist die Geschichte von Wiebke ein schönes Beispiel: Die Hamburgerin verbrachte für ein Praktikum einige Zeit in München. Als sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz vorstellte, wurde sie gefragt: „Und wie ist Ihr Vorname?“ In Wiebkes Gesicht erschien ein Fragezeichen, schließlich hatte sie Vor- und Nachnamen genannt. Dann fiel der Groschen: „Die dachten, ‘Wiebke’ sei der erste Teil eines Doppelnachnamens.“

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Mein seltener Name und ich: Kea

Heute starten wir mal in dem bekannten schwedischen Möbelhaus, das uns über die Jahre so manchen Mitbewohner beschert hat. Billy natürlich oder den friedliebenden, vor allem aber geräumigen Pax. Immer was zu lachen gab es mit Gesellen wie Syltkaka, dem Topfhandschuh, oder Schuhablage Lustifik. Tatsächlich liegt diesen Namen ein eigenes Regelwerk zugrunde, demzufolge Eltern auf Namenssuche am ehesten bei Stoffen und Gardinen fündig werden – für Mädchen – oder als „Team blau“ bei Stühlen und Schreibtischen. Doch das nur am Rande.

Nur eins noch: Bereits seit 1996 wollen uns die Möbelschweden weismachen, in ihrer Heimat ginge es am 13. Januar nur um einen gewissen Knut und dass alle Weihnachtsbäume an diesem Tag neuem Mobiliar weichen müssten. Ist natürlich Quatsch, obwohl zum St.-Knut-Tag in Skandinavien wirklich spezielles Brauchtum nachweisbar ist, etwa der „Knutsbock“ als nachweihnachtlicher Restevernichter.

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