Mein seltener Name und ich: Eilika

Es gibt ein paar Dinge, die Menschen mit sehr seltenen Namen früh in Fleisch und Blut übergehen. Die sehr deutliche Aussprache, wenn man sich vorstellt, zum Beispiel und das Buchstabieren. Die 1984 geborene Eilika, die ich zu ihrem Namen befragen durfte, wird aber trotz aller Bemühungen sehr häufig Annika oder Erika genannt. „Als Kind hat es mich genervt, dass niemand meinen Namen direkt richtig verstanden hat und ich ihn ausnahmslos immer buchstabieren musste.“ Mittlerweile hat sie längst ihren Frieden damit geschlossen: „Ich buchstabiere meist schon automatisch, wenn ich jemanden kennenlerne. Es ist einfach normal geworden.“

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Virtuelle Stippvisite im alten Friesland

Als Kind bin ich öfter über einen Ostsee-Friedhof spaziert und mochte das eigentlich ganz gern – den besonderen Geruch, das Taubengegurr, das Kriegerdenkmal, all die Namen und Daten. Meine Eltern haben in der Zeit das Grab meiner Oma gepflegt, um die ich, weil ich sie nie kennenlernen konnte, eher abstrakt getrauert habe. In späteren Jahren bin auch mal nur so über Friedhöfe geschlendert; noch ein Vierteljahrhundert später erinnere ich mich an einen Namensfund in Rastede im nordwestlichen Niedersachsen: „Sieben Dirk“ plus ein Nachname stand da auf einem Grabstein. Eine Zahl als Vorname?!

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Annemarie, der Quallenkönig und was Finn an der Nordsee macht

Wenningstedt auf Sylt
Wenningstedt auf Sylt. Bild von Detmold auf Pixabay

Wer wie ich einen – zumindest in seiner Generation – seltenen Namen hat, versteht vielleicht, weshalb ich mich der ZDF-Weihnachtsserie „Nesthäkchen“ von 1983 so verbunden fühle: Es macht etwas mit einem, wenn man den eigenen Namen so gehäuft und dazu fast nur positiv besetzt hören darf („Ein sehr mutiges und tüchtiges Mädchen, unsere Annemarie!“). Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass damals so manche Annemarie nach dem aus dem Fernsehen bekannten blondhaarigen Töchterchen aus gutem Hause benannt wurde: Zwischen 1984 und den frühen 90ern war mein Vorname deutlich beliebter als in den Jahrzehnten davor und danach.

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Die Mutter der Mutter meiner Mutter

Marie Luise mit Carl, Annemarie, Liselotte und Marie Luise
Marie Luise mit Carl, Annemarie, Liselotte und Marie Luise

Die eine hat vielleicht eine angefangene Doktorarbeit in der Schublade, die jetzt im Lockdown endlich fertiggestellt werden könnte. Der andere entrümpelt seinen Dachboden oder guckt sich sämtliche Folgen von „Eine schrecklich nette Familie“ an – im Original. Nichts gegen Al Bundy, aber ich habe ein pandemietaugliches Hobby gefunden, das mir mehr Spaß macht: Ahnenforschung, ganz modern unterstützt von digitalen Datenbanken.

Auch namensmäßig ist das ergiebig. Beim Verfolgen der Verzweigungen, die teilweise bis ins 17. Jahrhundert reichen, sind mir einige Punkte aufgefallen. Natürlich ohne Anspruch auf Repräsentativität!

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Das Hitlisten-Interview: „Ich staune über Kinder, die Knut heißen“

Knud Bielefeld im Dezember 2020

Im Corona-Jahr war es lange fraglich, ob es überhaupt klappen würde. Dann konnte Vornamenexperte Knud Bielefeld aus Ahrensburg aber doch wie gewohnt zum Jahresende die 1.000 beliebtesten Babyvornamen des Jahres liefern – und dabei sogar zwei neue Spitzenreiter verkünden. Bielefelds repräsentative Stichprobe umfasst die Vornamen von knapp 180.000 Babys aus 465 Städten. Das sind ungefähr 23 Prozent aller 2020 in Deutschland geborenen Kinder.

AL: Machen sich im Corona-Jahr bei beliebte-vornamen.de Einflüsse der Pandemie bemerkbar?

KB: Ja, tatsächlich, allerdings anders, als man vielleicht meinen würde. Besondere Effekte auf den Namensgeschmack konnte ich nicht beobachten. Das in Indien geborene Zwillingspaar namens Corona und Covid, das im Frühjahr durch die Medien ging, bleibt eine Kuriosität – glücklicherweise. Es hat sich aber gleich im März schlagartig bemerkbar gemacht, dass sich die Kliniken abgeschottet haben und auf Geburtsstationen keine Babyfotografen mehr unterwegs waren. Die Babygalerien der Krankenhäuser, die für meine Arbeit eine wichtige Quelle sind, fielen über etliche Wochen aus. Ab November wiederholte sich das Ganze.

AL: Wie bist du damit umgegangen?

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