Greta – ein Name als Statement

Jahrelang war Greta einfach ein solider Retro-Vorname. Vielleicht eine Erinnerung an (Ur-)Oma Greta oder Margareta, vielleicht lagen auch die Garbo oder Schweden vage in der Luft. Als strittig wurde höchstens der vergleichsweise härtere Klang empfunden – oder die Nähe zum Wörtchen (Fisch-)Gräte. Spätestens seit diesem Jahr ist es mit derlei Harmlosigkeit jedoch vorbei. Das wurde mir so richtig klar, als ich in einem Namensforum die süffisant-rhetorische Frage las, warum man neuerdings so selten vom Namen Greta als Elternfavoriten lese. „Den fanden doch sonst immer alle so toll …?!“

Greta
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Mal abgesehen davon, dass ich diese Wahrnehmung nicht teile und Greta auch in der hiesigen Namenssuche-Rubrik ein ums andere Mal vorn mit dabei war, ist so eine Äußerung eigentlich sehr praktisch: Man weiß gleich, wes Geistes Kind der Verfasser ist (sofern es sich nicht bloß um einen „Troll“ handelt, der die Gruppe aufmischen möchte). Angespielt wird natürlich auf die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, von der „Bild“ auch „Klima-Greta“ genannt.

Nennen Thunberg-Hasser bzw. Menschen, die die Botschaften ablehnen, für die sie zum Symbol geworden ist, ihre Töchter jetzt wirklich nicht mehr Greta? Möglicherweise. Von allem Wirbel um die bezopfte Schülerin nichts mitzubekommen ist jedenfalls so gut wie ausgeschlossen. Umgekehrt kann ich mir auch gut vorstellen, dass der Name mit dem zumindest dieser Tage daran hängenden Vorbild Greta Thunberg für manche Eltern noch attraktiver wird. Ein deutlicher Zugewinn für Greta bei den Erst- oder Zweitnamen: Das wäre mal ein Statement junger Eltern, über das ich mich freuen würde!

Ein Zeichen, wenn auch auf einem ganz anderen Feld, können im Jahr 2019 auch Eltern setzen, die ihren Sohn Vincent nennen. Hier kursiert nämlich aufgrund des Songs „Vincent“ von Sarah Connor die Befürchtung, ein kleiner Vincent könne später mal als schwul verunglimpft werden („Vincent kriegt keinen …, wenn er an Mädchen denkt“). Wieder so eine Angst, die in erster Linie viel über die Ängstlichen selbst aussagt.

Mein seltener Name und ich: Laurian

Als Kind dachte ich eine Zeitlang (vielleicht waren es auch nur ein paar Tage?), ich hätte den Spruch „Angeschmiert, mit Butter lackiert!“ erfunden. Ich weiß noch, wie stolz und zugleich verwundert ich war, als meine coole Cousine aus der Stadt diese Wendung ebenfalls nutzte, – und wie seltsam berührt, als mir klar wurde, dass ich wohl doch nicht so kreativ und schon gar nicht so einflussreich gewesen war wie vermutet.

Ähnlich gemischte Gefühle hatten vielleicht auch die Eltern von Laurian. Ihnen erging es wie vielen der Paare, die auf beliebte-Vornamen.de unterwegs sind: Sie konnten sich nicht auf einen Namen einigen. „Letztlich waren noch Laurenz und Florian in der engeren Auswahl“, erzählt Laurian. „Das haben sie dann einfach gemixt.“ Der 1997 geborene Niedersachse wuchs im zwischen Bremen und Hamburg gelegenen Scheeßel auf und ist zufällig derselbe Jahrgang wie die allererste Ausgabe des dort beheimateten Hurricane Festivals. Womöglich bildeten die (aus der Ferne hörbaren?) Klänge von INXS, Rammstein oder Bad Religion ja sogar den Soundtrack zu Laurians Namensfindung?

Mein seltener Name und ich

Die werdenden Eltern fanden nach kurzer Recherche noch vor der Geburt heraus, dass es ihre Kreation in Frankreich bereits als Namen gab. Sie freuten sich sehr darüber: „Damit war die Entscheidung endgültig gefallen.“ Einen nie dagewesenen Namen zu vergeben war ohnehin nicht ihre Absicht gewesen. Übrigens scheint Laurian im Süden Deutschlands gar nicht mal so selten (?) zu sein; eine Mitte der 90er Jahre geborene Münchnerin, mit der ich gestern gesprochen habe, meinte spontan, bei ihr an der Schule habe es mehrere Jungen dieses Namens gegeben. Aha?!

Laurian mag seinen Namen und ausdrücklich auch dessen Seltenheit. Er hat noch nie einen Namensvetter getroffen oder auch nur von einem gehört. „Wenn ich mich vorstelle, habe ich immer gleich ein erstes Gesprächsthema. Meistens sage ich: ‘Wenn ihr euch meinen Namen einmal gemerkt habt, vergesst ihr ihn nicht’, und so ist es dann auch oft.“ Ein Zusammentreffen mit einem Chefarzt im Fahrstuhl fällt ihm da beispielsweise ein; Laurian engagiert sich bei der Initiative „HerzCaspar“ ehrenamtlich für schwerkranke Jugendliche. Der Smalltalk im Lift führte dazu, dass der Arzt sich seinen Namen aufschrieb und Laurian danach immer gleich wiedererkannte.

Laurians Geschwister heißen Valentin und Emilia, woran man die Vorliebe seiner Eltern für die Buchstaben l, a und i erkennt. Den Wunsch, anders zu heißen, hatte er nie. Als kleines Manko nennt er die weiblichen Spitznamen, mit denen er manchmal aufgezogen wird. „Durch die Nähe zum Namen Laura kommt das immer mal wieder vor.“ Spitznamen, auf die er viel lieber hört, sind in der Familie Lauli – eine Schöpfung seiner Schwester –, Lauti und Lauri. Daran, dass viele seinen Namen erst mal als weiblich einsortieren, hat sich Laurian längst gewöhnt. Verwechslungen mit den ursprünglichen Favoriten seiner Eltern, Laurenz und Florian, kommen ebenfalls öfter vor. „Auf diese Namen höre ich mittlerweile auch“, sagt er und lacht. Im englischsprachigen Ausland nennt Laurian sich wegen durchaus vorhandener Ausspracheprobleme meist Lauti. Seinen zweiten Vornamen – Tom – setzt er auch bei diesen Gelegenheiten eher nicht ein.

Gott wird 80

„Ich heiße Theo, deshalb bin ich Gott.“ Der Erstklässler, den ich gestern auf einer Feier getroffen habe, sagt es ganz selbstverständlich. Er hat diesen Gag offensichtlich schon öfter gebracht und freut sich immer noch darüber. Tja, liebe Eltern, so kann’s auch gehen, wenn man seinem Kind die Bedeutung seines Namens erläutert: Es entwickelt in aller Unschuld Allmachtsphantasien.

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Die 9 Anti-Kevin-Regeln

Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass Namen wie Sebastian oder Juliane auch in zwanzig Jahren nicht das Schicksal von Kevin erleiden werden. Doch was, wenn Sie sich bei Ihrem Favoriten nicht sicher sind? Vielleicht, weil er selten, im Gegenteil besonders trendy oder (ui!) englisch ist?

Dazu ein Exkurs: Was ist der „Kevin-Effekt“ überhaupt? Geht es darum, dass sich alle, vom Schulkind bis zum Comedian, auf einen bestimmten Namen einschießen? Das Risiko, dass unser Freund mit K., Chantal und „Schakkeline“ als Zielscheibe in nächster Zeit abgelöst werden, scheint mir gering. Die gefürchtete Schublade mit der Aufschrift „Kevinismus“ wird trotzdem laufend voller – weil nämlich nicht nur populäre Einzelnamen hineinpassen, sondern auch seltene Namensgebilde, die gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen.

Anti-Kevin

 

Hier also meine 9 Tipps, mit denen Sie Ihren Lieblingsnamen auf Herz und Nieren (bzw. seine Kevinwahrscheinlichkeit) prüfen können:

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Erst der Kater, dann das Kind?

Fellnase (Symbolbild)
Fellnase. Bild von Dim Hou auf Pixabay

Baby Sussex und kein Ende – auch wenn ich gern versprechen würde, dass dies mein letzter von Archie Harrison inspirierter Beitrag ist: Die Theorien, die zum wenig royalen (oder „unwürdigen“?) Namen von Meghans und Harrys Söhnchen kursieren, sind einfach zu spannend. Von einer Comicfigur war zuerst die Rede. Dann wurde gemutmaßt, es handele sich um eine Reminiszenz an Harrys Mutter, weil im Stammbaum der einstigen „Lady Di“ tatsächlich – oh Wunder! – ein Earl namens Archibald ausfindig gemacht wurde. Im 17. Jahrhundert. Zuletzt haben nun findige Twitterer herausgefunden, dass „Archie“ fast ein Anagramm von Meghans bürgerlichem Erstnamen Rachel ist, zufällig auch ihr Rollenname in „Suits“. Tja, aus dem L wurde ein I, doch das stört große Geister wenig.

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Huch, meine Eltern sind Fans

Auch die Herzogin und der Herzog von Sussex, besser bekannt als Meghan und Harry, sollen dazu zählen: zu Eltern, die ihr Kind nach einer Figur aus der Popkultur oder einem Star nennen. Ob wir wohl noch erfahren werden, ob bei Klein-Archie wirklich der amerikanische Comic-Held Archie Andrews Pate stand, ein tollpatschiger Highschool-Boy mit Sommersprossen und roten Haaren?

Man begegnet diesem Phänomen immer wieder. So habe ich mal einen Frodo getroffen, kenne eine Nena und eine Scarlett (noch nach O’Hara, nicht Johansson). Freundinnen von mir haben die Namen Anne Shirley nach der TV-Serie „Anne auf Green Gables“ und Loreley gewählt, letztere frei nach den „Gilmore Girls“. Der Sohn eines Kollegen heißt Bono. Einige „Game of Thrones“-Namen haben es in die Hitlisten geschafft, und kürzlich hörte ich gar von einem kleinen Blixa – ob das stimmen kann?!

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Noch ein Männername: Leonidas

Leonidas ist auch so ein richtiger Name für Kerle, ähnlich wie der hier schon erörterte Ragnar und gemäß dem Diktum mancher (nicht aller!) Eltern, nach dem „aus Jungs ja mal Männer werden“ sollen. Ergänzt wird dies gelegentlich durch den mütterlichen Nachsatz, dass man sich prima „einen süßen Spitznamen ausdenken“ könne.

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