Die 9 Anti-Kevin-Regeln

Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass Namen wie Sebastian oder Juliane auch in zwanzig Jahren nicht das Schicksal von Kevin erleiden werden. Doch was, wenn Sie sich bei Ihrem Favoriten nicht sicher sind? Vielleicht, weil er selten, im Gegenteil besonders trendy oder (ui!) englisch ist?

Dazu ein Exkurs: Was ist der „Kevin-Effekt“ überhaupt? Geht es darum, dass sich alle, vom Schulkind bis zum Comedian, auf einen bestimmten Namen einschießen? Das Risiko, dass unser Freund mit K., Chantal und „Schakkeline“ als Zielscheibe in nächster Zeit abgelöst werden, scheint mir gering. Die gefürchtete Schublade mit der Aufschrift „Kevinismus“ wird trotzdem laufend voller – weil nämlich nicht nur populäre Einzelnamen hineinpassen, sondern auch seltene Namensgebilde, die gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen.

Anti-Kevin

 

Hier also meine 9 Tipps, mit denen Sie Ihren Lieblingsnamen auf Herz und Nieren (bzw. seine Kevinwahrscheinlichkeit) prüfen können:

1. Getunt, frisiert und aufgemotzt

Sie liebäugeln mit einem Namen, dessen gängige Schreibweise Ihnen nicht „besonders“ oder nicht logisch genug erscheint? Sie finden den Namen vom Kind Ihres Chefs toll, „aber nachgemacht soll es auch nicht aussehen“? Wie groß die Versuchung, einen Namen zu „frisieren“, auch sein mag: Lassen Sie es lieber. Grace wird als Grayce nicht toller.

2. Achtung, Akzente

Sofern keine räumliche oder familiäre Nähe zu Frankreich besteht, können Akzente auf Namen (Amélie) oft einfach entfallen. „Schubladig“ wirken sie aber auch nicht – wenn sie korrekt sind. Also gründlich recherchieren! Wer meint, die gewünschte Aussprache ließe sich nur mit (Fantasie-)Akzent sicherstellen, sollte lieber einen anderen Namen suchen.

3. Bindestrich-Alarm

Sie möchten mehr als einen Namen vergeben? Na klar, gerne! Davor, Namen mit Bindestrichen zusammenzukleben, sei jedoch gewarnt. Der Bindestrich ist gewissermaßen einer der Softmarker für kevinistische Namen. In den meisten Fällen wirkt es besser und ist auch im Alltag praktischer, Erst-, Zweit- und mögliche weitere (?!) Namen unverbunden hintereinanderzusetzen.

4. Sprechen Sie babylonisch?

Noch ein Tipp für Zweitnamensfans: Obacht beim Mixen verschiedener Sprachen! Wenn einer der Namen erkennbar englischer (französischer, italienischer …) Herkunft ist, sollte zumindest der Rest deutschen Ausspracheregeln folgen und hier schon eine Weile gebräuchlich sein. Jamie Matteo und Finn Luca gehen diesbezüglich in die falsche Richtung. Wobei letzterer so verbreitet ist, dass man den Sprachmix schon fast wieder übersieht.

5. Lieber etwas schlichter

Den Namen im Zweifel lieber etwas schlichter zu halten ist nicht die schlechteste Idee. Das Gesamtwerk wirkt selten vorteilhafter, wenn Sie meinen, alle Ihre Lieblingsnamen plus die Ihres Partners bei einem einzigen Kind unterbringen zu müssen. Polly Schmitz klingt süß, Polly Mathilda Schmitz wäre eine solide Kombination, Polly Amberly-Lynn Schmitz hingegen eindeutig zu viel des Guten, ein ganzer Süßwarenladen.

6. Für Namenserfinder

Wenn Sie einen neuen Namen kreieren, der kaum Ähnlichkeit mit Bekanntem aufweist, bleiben Sie konsequent. Ein Jogin, bei dem sich herausstellt, dass er wie der französische Eugène gesprochen werden soll, wäre keine Glanzleistung. Dasselbe gilt für Chethrin aka Catherine.

7. Holen Sie sich Feedback

Elterliche Geheimniskrämerei in allen Ehren – aber wenn Sie bezüglich der Einordnung eines Namens Befürchtungen hegen, sollten Sie sich umhören. Zum Beispiel bei jungen Eltern Ihres Umfelds, deren Namensgeschmack Sie schätzen (mehr Tipps dazu hier). Oder online (Tipps dazu hier und hier), vielleicht sogar direkt hier?!

8. Unbestechlich: das Kevinometer

Ein praktisches Tool fürs Smartphone, das Ihre Bedenken mit einer in Zahlen gefassten Kevinwahrscheinlichkeit untermauern oder zerstreuen könnte, ist das Kevinometer von beliebte-vornamen.de. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

9. So what?!

Auch die sorgfältigste und dem Kevinismus völlig entgegengesetzte Namenswahl kann für Reue sorgen. So geschehen etwa bei einigen Elternpaaren, die ihre Töchter auf den hübschen Namen Alexa tauften … Gerade deshalb: Entspannen Sie sich! Sie können nicht alles bedenken und ausschließen, aber Sie können einen tollen Namen für Ihr Kind finden. Ganz bestimmt!

Kevin Aufstieg

Kevin Fall

Und außerdem …

6 Gedanken zu “Die 9 Anti-Kevin-Regeln”

  1. Eigentlich empfinde ich Kevin nach dieser Definition überhaupt nicht als “kevinistisch”: Er lässt sich relativ eindeutig aussprechen und schreiben, lässt sich eindeutig einer Herkunftssprache und einem Geschlecht zuordnen. Es ist ein geläufiger, vollständiger, unfrisierter Name. Es gibt sogar einen Namenspatron im katholischen Heiligenverzeichnis. Er enthält kein y, keine Sonderzeichen und keine Bindestriche.
    Ich würde mein Kind nicht Kevin nennen, weil es nach meinem Empfinden einfach schönere Namen gibt, aber ich finde, für Eltern, denen der Name gut gefällt, ist Kevin normaler, bedenkenlos zu vergebender Name.
    Viele Grüße

    In die ” Kevin-Schublade” fallen für mich Namen wie, Jason, Justin, Janina (“Schanina”), Emely, Kimberly, Shawn, Liam, …

    Viele Grüße

    • Da stimme ich dir zu – vor Kevin warnt in diesem Sinne nur Regel Nummer 8 🙂 Und das Phänomen hätte gut auch “Dschastinismus” heißen können. Mir geht es hier mehr um nicht so eindeutige Grenzfälle.

    • Ich empfinde Kevin -im Gegensatz zu vielen anderen englischen Namen- auch als absolut geeignet für einen deutschen Nachnamen.
      Er hatte wohl einfach Pech.

      Janina ist ein typischer Modename meiner Generation. Ich kenne diesen Namen aber nur in deutscher Aussprache. Ich nehme diesen Namen inklusive seiner Trägerinnen als ganz normal wahr.
      Janine hingegen wird als “Dschanin” ausgesprochen; ist also ein gutes Beispiel für “Kevinismus”.

  2. Janina in deutscher Aussprache empfinde ich auch als ” normalen ” Namen. Ich habe aber auch schon Schanina und Dschanina gehört. Diese Aussprache stört mich. Ich weiß auch nicht, welche Sprache das sein soll oder hat irgendjemand irgendwann beschlossen, dass ihm der Name so besser gefällt? Janine geht für mich so halbwegs als aus dem Französischen entlehnt durch, dann aber bitte “Schanin” und nicht “Dschanin”.

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