Plädoyer für englische Namen

Diesen Text schreibe ich aus einem Gefühl heraus, das wohl in etwa dem entspricht, was unser Stammkommentator Jan W.  gerade mit „Bockigkeit“ umschrieben hat: „Alle finden das schlecht, also muss ich es – zumindest versuchsweise – mal gut finden.“ Es geht mal wieder um englische oder amerikanische Namen, zu denen man auch hier öfter Anmerkungen liest wie „Mit entsprechendem Hintergrund okay“, „Hoffentlich passt der Nachname“ – oder, wenn es dicker kommt, auch „O Graus – Hartz IV!“.

Eigentlich mag ich Namen, die nach englischem Reglement gesprochen werden, zu deutschen Nachnamen nicht so gern, eben wegen des Bruchs in der Aussprache: Jamie Jensen, Haylie Schröder und so weiter. Das ermüdende Herumreiten auf Studien einerseits, wie schlecht es Kevins und Chantals doch hätten, und die unbeeindruckt davon geliebten Favoriten etlicher Eltern andererseits bringen mich aber zum Nachdenken.

Gab es eigentlich vergleichbare Vorbehalte, als Ende der 60er die ersten Nicoles, Yvonnes und Marcels in deutschen Geburtsregistern auftauchten? Waren „Ni-Kohle“, „Ih-fonne“ und „Markel“, die sich auch nicht gerade besser mit Müller-Meier-Schulze vertragen, damals echte Aufreger – und zwar auch für Altersgenossen der frankophilen Jungeltern? Und was sind eigentlich die viel beschworenen „urdeutschen“ Vornamen, die so viel besser fürs Kind sein sollen als Fabienne, Emilio oder Anthony? Paul (altrömisch), Peter oder Philipp (zweimal griechisch) jedenfalls nicht. Eltern eines Eberhard oder einer Hildegund würden heute auch mindestens hochgezogene Brauen ernten.

Choix d'un prnom d'enfant © graphlight - fotolia.com
Illustration © graphlight – fotolia.com

Natürlich wäre es das Optimum, einen Namen zu vergeben, den das Kind zeitlebens gern trägt und mit dem es in seinem Umfeld bestens zurechtkommt. In die Zukunft sehen können wir aber alle nicht – einen Namen zu wählen, der in mir als Mutter oder Vater etwas berührt und zu dem ich gute Gedanken habe, ist da bestimmt nicht das Schlechteste. Dann sind es eben US-Stars oder -Serienfiguren, die ich bewundere und von denen ich meinem Kind etwas mitgeben möchte, oder der „Way of Life“ generell – na und? Muss ich wirklich Abstriche machen, nur weil ich dieselbe Wahlfreiheit beim Nachnamen nicht habe?

Fans englischer Namen führen gern an, dass der komplette Name ohnehin selten genannt werde („Unter Freunden ist er Sheldon und offiziell dann Herr Müller“). Und dass das Kind sich ja mal einen englischen, italienischen, französischen … Nachnamen erheiraten könne. Auch wenn Letzteres eher als Argument dafür genutzt wird, den Nachnamen zu vernachlässigen, und arabische oder afrikanische Nachnamen in derlei Auflistungen stets fehlen – die darin ausgedrückte Offenheit für Multikulti-Schwiegerkinder wäre doch mal was!

Nebenbei bemerkt nutzen wir alle ständig englische Wörter. Keiner findet etwas dabei, von seinem „Baby“ zu reden statt von seinem „Säugling“ (aber „Bebi“ gesprochen). Wer englische Namen nicht mag – kein Ding! Mehr Toleranz gegenüber „gemischten“ Namenskombis wäre aber doch nett, im Gegensatz zu einem verbissenen Perfektionismus, bei dem alles und jedes bedacht sein will, der Nachname, die Geschwisternamen und selbst solche Zufälle wie die medizinische Bedeutung des Wortes Amelie.

PS: Am schwersten fällt es mir nach wie vor, gegenüber geläufigen fremdsprachigen Namen tolerant zu bleiben, an denen herumgewerkelt wurde. Zumal eine Jülie („Jühli“, „Schüli“, „Dschüli“ …?!?) keineswegs leichter durchs Leben kommt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Und außerdem …

22 Gedanken zu “Plädoyer für englische Namen

  1. Ich finde, man kann Jamie oder Haylie nicht mit Peter oder Paul vergleichen. Letztere sind wie Fenster oder Nase längst eingedeutscht und werden nicht als Fremdwörter wahrgenommen. Bei Namen wie Philipp oder Sophie ist die fremde Herkunft offensichtlicher (wäre Philipp im Zuge der Zweiten Lautverschiebung nicht zu Philipf geworden?), aber Wörter wie Philosophie stören den Sprachfluss ja auch nicht gerade.

    Jamie hingegen enthält einen Diphthong, der gerne zu “e” eingedeutscht wird, wie in “Baby” oder “okay”. Manche englische und französische Namen enthalten Laute, die für deutsche Zungen schwer zu formen sind, v.a. wenn sie mitten im deutschen Sprachfluss auftauchen. Ich habe hier schon den Vorschlag gelesen, sie einfach einzudeutschen. Dem stimme ich bedingt zu. Man kann meinetwegen Amelie und Caroline im Deutschen auf der ersten Silbe betonen. Aber es gibt Namen, die durch eine eingedeutschte Aussprache ihren Reiz verlieren.

    Als Kind, bevor ich Französisch lernte, kannte ich mal eine “Oschelick” (Betonung auf der ersten Silbe). Ich wunderte mich immer über diesen Namen und fand ihn alles andere als melodisch. Erst später wurde mir klar, dass es sich um eine Angélique handelte. Im Französischen klingt dieser Name vielleicht engelsgleich, aber im Deutschen geht dieser Effekt völlig verloren.

    Letztendlich kann ich das Klischee, dass englische und französische Namen eher von ungebildeten oder sozial schwachen Eltern vergeben werden, nicht immer bestätigen. Ich kenne Ausnahmen in beide Richtungen. Vermutlich wird der Kevinismus-Effekts-Effekt oft übertrieben dargestellt. Wirklich problematisch wird es m.E. dann, wenn die Eltern keine Ahnung haben, wie man den gewählten Namen richtig schreibt oder ausspricht. So kenne ich einen Dylan, der Düläin gerufen wird (Betonung auf der zweiten Silbe), und einen Isen, den die Eltern eigentlich Ethan nennen wollten.

    Ähnlich zuwider ist es mir jedoch, wenn Eltern bei der Namensvergabe lediglich die gewünschte berufliche Karriere ihres Babys im Kopf haben oder ihren Sohn Theo nennen, um ihren vermeintlich hohen Bildungsstand zu präsentieren, sich aber Herkunft und Bedeutung des Namens gar nicht herleiten können. Auch wenn mir englische Namen nicht zusagen, finde ich „so heißt ein US-amerikanischer Schauspieler” als Begründung für die Namensvergabe nicht unbedingt schlimmer als „damit kann man nichts falsch machen”. Am häufigsten höre ich übrigens, unabhängig vom Bildungsstand, die Begründung „klingt halt gut”.

    • Natürlich ist es ein Diphthong, nämlich [eɪ]. Im Deutschen wird es meist als Vokal gesprochen, vielleicht meinst du das.

  2. „Hoffentlich passt der Nachname“- das ist mein pet peeve, um mal beim Englischen zu bleiben. Als ob der Nachname alles über den Familienhintergrund einer Person erraten liess…

    • Nein, aber eben einiges. Natürlich ist es etwas anderes, ob da ein Fräulein Meyer („Meyer mit Ypsilon“ 😉 ) vor einem steht oder ein Fräulein von Lenbach oder von Auersperg.

      Meine Mutter hat immer mal wieder gerne erzählt, sie habe meinen Vater vor allem deshalb geheiratet, um den Namen Müller loszuwerden. Zu einem „von“ hat es nicht gereicht, aber der (und damit mein) Nachname ist schon ganz okeh.

  3. Ich finde, es gibt eine komplexe historische Schichtung importierter Namen.
    Paul und Elisabeth sind seit vielen Jahrhunderten in Deutschland verbreitet und Teil des christlich-abendländischen Erbes. Namen wie Johannes/Hans sind dann auch von ihrer Form her gründlich “eingedeutscht.” Niemand würde auf die Idee kommen, jemand darauf hinzuweisen, dass die deutsche Aussprache von Johannes aber nicht dem hebräischen Original entspricht.

    Dann gibt es Namen, die sich erst so im 18. Jahrhundert eingebürgert haben und bei denen die Fremdherkunft noch sehr viel deutlicher ist. Das Paradebeispiel ist Charlotte, das ja auch noch französisch geschrieben wird. Der Name ist von der Aussprache und von der volkstümlichen Kurzform Lotte her eingedeutscht worden und durch vielfältige kulturelle Assoziationen (Werthers Lotte, etc.) ein fester, etablierter Bestandteil der deutschen Namenskultur geworden–aber die Verankerung ist tatsächlich schwächer als bei wirklich “alteingeführten” Namen wie eben Johannes, Thomas, Maria, Martha, Katharina, usw. Namen wie Eduard gehören in die gleiche Kategorie wie Charlotte; auch Wilhelmine, dessen Endung nach französischem Vorbild gebildet wurde, ist eine Kreation des 18. Jahrhunderts.

    Dann kommt eine weitere Schicht: die Modenamen des 19. Jahrhunderts. Namen wie Edgar, Alfred, Oskar oder auch Jenny (siehe Jenny von Westphalen). Diese Namen werden zwar als etabliert deutsch empfunden, aber sie stehen noch etwas hinter Charlotte und Wilhelmine zurück in ihrer kulturellen Verwurzelung in Deutschland.

    Dann kommen die ganzen Modewellen des 20. Jahrhunderts, von denen die Modenamen bis einschließlich der 1970er inzwischen auch irgendwie “etabliert” sind: zunächst Namen wie Karin und Thorsten, dann Marcel, Sven, Tanja, Katja, Kerstin, Lars, Marco, usw.

    Schließlich kommen dann die wirklich erst in den letzten dreißig Jahren oder so angekommenen Namen. Hier gibt es Namen, die es eigentlich schon im Deutschen gab, die aber nie verbreitet waren (siehe Noah, Elias, Sarah, Rebekka) und eben auch Namen, die es nie zuvor in Deutschland in nennenswerter Anzahl gegeben hat: alles von Kjell über Kevin bis Julien, Luca, Mika, Lynn, Taylor und Jamie und dem englisch ausgesprochenen Justin.

    Was die germanischen Namen und die alteingeführten christlichen Namen angeht, so unterscheiden sie sich grundlegend von den späteren Namensschichten, weil sie sich in einer Zeit heranbildeten, in denen andere Faktoren als einfach Modewellen die Namenskultur prägten.

    Die Modewellen des 17. und 18. Jahrhunderts waren noch von klassischer Bildung und von dem Nachbarland Frankreich geprägt, und es entstanden viele Eindeutschungen.

    Im 19. Jahrhundert griff die Mode zwar viel Englisches auf, aber es lag noch im Rahmen von recht natürlich auf Deutsch auszusprechenden Namen, wie eben Edgar und Alfred.

    Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Globalisierung deutlich zu–die ganze europäische Namenslandschaft wurde zum Namensbüffet. Die rasante Überhandname neu-importierter Namensformen untergrub den allmählicheren Assimilierungseffekt, der die Importe des 19. Jahrhunderts noch als eher organisch eingegliederte Namen erscheinen ließ. Allerdings waren die Modenamen bis in die 1970er noch eher solche, die eine natürliche deutsche Aussprache zuließen. Die Pluralisierung nahm dann ab etwa den 1980er/90er Jahren dann noch eine weitere Dimension an, indem auch schwerer in die deutsche Aussprache einzufügende Namen Gang und Gäbe wurden und indem die Vielfalt der Namensimporte noch einmal rasant anstieg.

    Ich empfinde es so, dass da ein natürlicher kultureller Rhythmus verloren gegangen ist. Die Schnelligkeit, die der ganzen Globalisierung unserer Tage zugrunde liegt, führt zu Entwurzelung–die Seele des Menschen geht eben zu Fuß….

    Es ist verständlich, dass Menschen aus allen möglichen Gründen auch Namen wählen, die in Deutschland keine lange Tradition haben. Auf der einen Seite verurteile ich das nicht und bin auch nicht abwertend (in meinen Kommentaren kommt Hartz IV auch nie vor); auf der anderen Seite finde ich, dass Traditions- und Verwurzelungspflege in unseren für die menschliche Seele doch viel zu rasanten Zeiten einen sehr positiven Wert darstellt.

    Meine Frau und ich haben rumänische Namen an unsere Kinder vergeben, um ihnen eine persönliche Identifizierung mit ihrem rumänischen Erbe leichter möglich zu machen. Wir sind also auch global. Aber ich hätte unseren Kindern niemals französische oder italienische Namen gegeben, die nichts mit ihrer rumänisch-deutsch-amerikanischen Herkunft zu tun haben.

    • Das ist eine sehr umfassende Beschreibung der deutschen Vornamensgeschichte. Dem ist nichts hinzuzufügen.

      Auch von mir ein Dankeschön dafür, Mark!

    • Von mir auch vielen Dank, Mark, ein toller Überblick!

      Der Knackpunkt ist wohl, dass Tradition und auch “natürlich auf Deutsch auszusprechen” vielen Eltern heute nicht wichtig ist. Was das über diese Eltern aussagt, sei mal dahingestellt. Ich kann mich da nicht ausnehmen, da ich ja selbst aus dem globalisierten Vollen geschöpft und eben ohne entsprechende Wurzeln einen rumänischen Namen ausgesucht habe, der nur – da recht einfach zu sprechen und v.a. nicht englisch/amerikanisch – unter dem Radar vieler Kritiker fliegt. Die Tradition kommt in unserem Fall durch den Zweitnamen (von der Uroma) dazu.

    • Es hat aber eben immer auch Gegenbewegungen gegen die „ausländischen“ Vornamen gegeben.

      Vielleicht (!) beginnt das schon im 17. Jahrhundert mit dem allmählichen Verschwinden der humanistischen, also latinisierenden oder gräzisierenden, Namen wie Hektor und Achilles oder von Nachnamen à la Agricola oder Melanchthon usw. Die christlich grundierten Vornamen, also aus dem NT oder nach Heiligen, sind etwas anderes!

      Ganz deutlich wird das dann im Hochnationalismus etwa ab dem Ende der Napoleonischen Kriege bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (Romantik, Historismus) – eben durch das Ausmotten angeblicher oder tatsächlicher „altdeutscher“ bzw. germanischer Namen. Sozusagen die Siegfried-Elfriede-Gudrun-Epoche. Ja, es stimmt, diese Epoche überlagert sich wiederum mit der Industrialisierung, in der der auch mal ein paar englische Namen modern werden: Alfred und Edgar, John und Henry in den Hansestädten – aber das scheint mir nicht der Hauptzug dieser Zeit gewesen zu sein.

      Man könnte sich auch fragen, ob nicht die heutige Aversion der Mittelschicht gegen englische Vornamen ein Nachklapp dieser Germanisierungswelle ist. Richtig in Schwung gekommen ist die Philipp-Alexander-Charlotte-Welle wohl nach der „Wende“ 1989 ff. Ausgerechnet im SpOn hieß es schon vor ca. 15 Jahren mal sehr schön, daß hier „die zwei rechtsradikalen Reflexe des deutschen Linksliberalismus“ zusammenkämen, nämlich Antiamerikanismus und Ossi-Feindlichkeit; also wegen der ganzen Maiks, Doreens und Mendys aussem Osten. Natürlich durften und dürfen diese Bionade-Namen um Gottes Willen nicht „deutschtümelnd“ wirken – also suchte und sucht man nach „traditionellen“ oder „klassischen“ Vornamen. Und der Protestantismus bedient sich wohlig aus dem Alten Testament, der Linksliberalimus bei den ach so wunderbar liberalen Schwedenvölkern.

      Dabei fehlt aber eines: Latein und später Französisch waren eindeutig Oberschichtensprachen – die Sprachen der Geistlichen und Gelehrten, der Diplomaten und der hohen Militärs. (Auch wenn die unteren Schichten natürlich gelegentlich versucht haben, sich einzuklinken: „Schang!“ für „Jean!“) Und bei den Alfred-John-Namen hat immerhin die englische Gentry als industriell führende und vorbildliche Nation in Europa den Ton angegeben.

      Durch die globale Dominanz der englischsprachigen Pop-Kultur sieht es mit englischen Vornamen heute aber anders aus – sie haben eben einen Drall ins Unterschichtige. Probleme mit ganz krassen Fehlaussprachen (wie das berühmte „Üffes“ für Yves) gibt es heute durch die elektronischen, audiovisuellen Medien nicht mehr. Wenn dann mal ein Diphthong abgeschliffen wird – na und? (Ich mache das oft absichtlich, um nicht wie ein bildungsbeflissener Kleinbürger dazustehen, sage zum Beispiel immer „Behbi“ statt „Bäjibi“.)

      Und ich halte Josie weiterhin für einen hübschen Vornamen. Und die hübsche Tochter einer lieben Klassenschwester von mir heißt Pearl, gen. „Pörli“. Darüber würde ich niemals Hohn auskippen.

      Dieser Hohn über „Hartz-IV-Namen“ scheint mir vom Gift des Neoliberalismus durchtränkt. Und Hohn gegen Schwächere ist immer und überall das Kennzeichen von Vulgarität schlechthin. Herren kloppen sich unter sich oder rebellieren gegen die Obrigkeit, aber sie treten nicht nach unten.

      (Wunderbarer Satz von Mark: „die Seele des Menschen geht eben zu Fuß“. Exakt. Übrigens sind die Dominikaner auch grundsätzlich zu Fuß gegangen. Ganz wörtlich. Die hl. Inquisition kam immer zu Fuß.)

  4. also manche Namen wirken dann anders.
    eine Lily in England, da stelle ich mir so eine alte intelligente Dame vor die mit dem Fahrrad durch den Park zum Kaffeetrinken mit den anderen alten Damen fährt.
    in Deutschland schreibt man dann Lilli und das soll ein lebhaftes Mädchen sein.
    Eberhard finde ich klingt wie Leberwurst. warum muss man sich so auffällig nach einem Eber benennen? auf Englisch dann wieder Evert oder so. das klingt dann im Jugendalter cool und später anständig. so wie Kurt “Kört”. weil der Eber versteckt wurde.

  5. Ich habe gerade mal darüber nachgedacht, was mich an englischen Vornamen stört (der Kommentar “zu englisch” ist von mir auch schon häufiger gekommen.) Tatsächlich sind es nicht alle englischen Namen, denen ich eher ablehnend gegenüberstehe – ein Name wie Emily z.B. ist schon so bekannt, dass ich kaum noch darüber nachdenke, dass er englisch ist – und außerdem ist er für Deutsche einfach zu sprechen, weil er keine unbekannten Laute enthält. Ein Name wie Anthony etwa ist wegen des th für Deutsche einfach schwieriger auszusprechen. Ich oute mich an dieser Stelle mal als jemand, der das th nicht hundertprozentig korrekt aussprechen kann – das führt einfach dazu, dass ich mich, wenn ich einen Anthony beim Namen nennen müsste, immer eine Spur inkompetent fühlen würde. Da werde ich sicher nicht die Einzige sein – und das würde ich den Mitmenschen und dem Namensträger selbst ersparen wollen. Vom Kevinismus halte ich nichts, aber es lässt mich an Bildungsferne denken, wenn sogar die Eltern des Sprösslings dessen Namen nicht korrekt aussprechen können. Und zudem empfinde ich einen englischen Namen zu einem typisch deutschen Nachnamen einfach als unpassend, das stört mein ästhetisches Stilgefühl. “Anthony Müller” passt für mich nicht. “Emily Müller” hingegen finde ich völlig in Ordnung, eben wegen der Passung von “Emily” ins deutsche Lautbild. Anders sieht es aus, wenn der Nachname ein englischer ist (dann passt es gut zusammen) oder wenn ein entsprechender Hintergrund vorhanden ist (dann wird die Familie den Namen vermutlich korrekt aussprechen und evtl. geht das Kind einmsl ins englischsprachige Ausland, wo der Name dann sowieso hinpasst).

    Dieselben Gedankengänge habe ich auch bei anderen fremdländischen Vornamen. “Nadine” z.B. ist zwar französisch, aber für Deutsche ja ganz unkompliziert auszusprechen (da müssen nur evtl. manche Leute drauf hingewiesen werden, dass man das e nicht mitspricht). Die erwähnte Angélique hingegen finde ich wieder schwierig und diesen Namen würde ich in Deutschland so nicht vergeben.

    • Hö, nur ganz kurz dazwischengehustet: Meines Wissens (und dieses Wissen ist beschränkt) wird Anthony zumindest im Standard-Englischen gar nicht mit „Ti-Äitsch“ (also einem „Thorn“) ausgesprochen, sondern mit einem Standard-t. Wüßte jemand näheres?

      Ansonsten weitgehend Zustimmung…

      Aber Nadine und Nicole sind schon in meiner Generation Standard-Namen – da hat niemand Nie-Kohle oder Na-Diene gesagt… Obwohl wir wirklich aus bildungsfernen Schichten kamen. Das mag aber in dialektaleren Regionen aber anders gewesen sein oder noch sein.

      Ja, ich habe mit dem Thorn-Laut (also dem „englischen th“) auch so meine Schwierigkeiten, mag auch daran liegen, daß ich leicht lispele.

    • Laut Cambridge Dictionary: Im britischen Englisch wird ein normales t gesprochen, im amerikanischen Englisch ein th. Der Name leitet sich ja von dem römischen Gentilnamen der Antonier ab, wo auch kein h enthalten war. Wikipedia zufolge gelangte das h erst im 16. Jahrhundert in den Namen, als ein englischer Historiker den Namen auf eine griechische Wurzel zurückführen wollte.

    • So, danke für Eure Recherchen zur „Anthony-Frage“! 🙂

      Um es klarzustellen: Ich bin eigentlich auch gegen englische Vornamen und habe das hier vieldutzendfach gesagt. Die Dominanz des Englischen auf fast allen Gebieten – von der Hochkultur, der Wirtschaft und der Politik bis hinab zur Populärkultur (Musik, Film, Sport etc.) ist so groß und für unsere kulturelle Identität so bedrohlich, daß man sich einfach dagegen wehren muß. (Ich selbst bin Mitglied im „Verein Deutsche Sprache“, dessen Anliegen genau das ist.)

      Nur: Was mich stört, ist der giftige Haß, der oft bei Tritten gegen die englischen oder englisch inspirierten „Hartz-IV-Namen“ durchkommt. (Nein, nicht bei Dir, Talea! Es ist wohl klar, wen ich so meine.)

      Leonard und Vincent sind (in dieser Schreibung) auch Anglizismen – so wie früher Alfred. Und die ganzen neumodischen alttestamentarischen Namen à la Jonathan, Daniel und Benjamin sind es zumindest in kultureller Hinsicht ebenfalls. Sie ziehen aber nie den Hohn auf sich, den Jamie, Haylie, Kevin, Pearl usw. abbekommen. Und das finde ich unritterlich.

      Französisch wirkt nun einmal bis heute feiner und nobler, auch schneidiger als Englisch; das ist halt so.

      Angélique hingegen war in meiner Generation durch diese Angélique-Romane und ihre softpornographischen Verfilmungen einigermaßen diskreditiert.

    • Ach, das wusste ich gar nicht, Danke für die Infos! In meinem Kopf war der Name mit th, wobei ich kurz geschwankt habe, ob das überhaupt stimmt – das erklärt sich dann jetzt! Aber man kann ihn natürlich, um den Sachverhalt zu erklären, durch einen anderen Namen ersetzen, der sicher ein th hat, Mathew z.B.

      Englische Namen (bzw. Namen überhaupt!) In die Hartz IV-Schublade zu stecken, widerstrebt mir auch sehr!!! Z.B. bekomme ich mit, dass manche den Namen Nadine inzwischen dort einsortieren – in meiner Generation ein häufiger und total normaler Name!

  6. Emily – gehört zu den englischen Namen, die ich gern mag. Wie schon Talea geschrieben hat, ist Emily einfach in der Aussprache und passt zu den meisten Nachnamen. Allerdings läßt die Schreibweise Emely/Emelie erkennen, dass nicht jeder weiß, wie man Emily richtig schreibt.

  7. Ich bin bei dem Thema irgendwie zwiegespalten.
    Einerseits bin auch ich mit Klassenkameraden namens Mike, Patrick und Julian aufgewachsen, die englisch ausgesprochen wurden und reguläre deutsche Nachnamen hatten, ohne darüber auch nur zweimal nachzudenken.
    Andererseits finde ich es heute irgendwie albern und ja, “unterschichtig” wenn Kinder hierzulande typische Vornamen aus dem englischsprachigen Raum bekommen – die ich mich aber seltsamerweise überhaupt nicht stören würden, wenn ich wüsste, dass ich ein englisches/amerikanisches/australisches/… Kind vor mir hätte. (Beispiel: Summer Rose Parker -> Hübsch. Summer Rose Koch -> Argh!)
    Und das geht mir nicht nur mit englischen Namen so. Eine Joëlle Désirée Delacour wäre kein Problem, eine Joëlle Désirée Engelbrecht würde ich mitleidig angucken.
    Wie kommt das? Es ärgert mich selbst, weil es zeigt, dass irgendwo im Unterbewusstsein doch immer noch ein festgefahrenes Schubladensystem existiert, in das Dinge und Personen einsortiert werden, auch wenn man es eigentlich gar nicht will.
    Also guter Vorsatz von jetzt an: Nur den eigentlichen Namen begutachten, und bei korrekter Schreibweise* keine Rückschlüsse mehr auf Bildungsstand oder Einkommen der Eltern mehr ziehen.
    Einfach so handhaben wie nordische Namen. Bei denen ist es mir nämlich witzigerweise tatsächlich egal, ob der Träger mit Nachnamen Rasmussen oder Horstmann heißt…

    * Die Ausnahme erlaube ich mir: Bei völlig eigenwilligen Schreibweisen oder definitiv falsch gesetzten Akzenten hört meine Neutralität auf. Ihr hattet 9 Monate Zeit, Euch zu informieren, wie man den Namen schreibt, liebe Eltern. Da lasse ich keine Entschuldigung gelten.

  8. Rassismus und Verbreitung von Falschinformationen in widerlichster Reinkultur durch den immer wieder auffälligen Jan Wilhelms…..

    …”im Zusammenhang mit dem Beginn der schwarzafrikanischen Masseneinwanderung im Spätsommer 2015″…ist schon rein sachlich falsch. Lege er korrekte Zahlen der verschiedenen Herkunftsländer vor….Aber wir wissen ja: rassistischer Dreck ist im Internet schnell “rausgeblasen”…………….peinlich.

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