Alexa, mach das Licht an!

Besonders häufig war der Vorname Alexa in Deutschland noch nie. Im vorherigen Jahrtausend war der Name kaum gebräuchlich und seit der Jahrtausendwende wurden schätzungsweise 5.000 Mädchen in Deutschland Alexa genannt (das sind nicht besonders viele). Am beliebtesten war Alexa im Geburtsjahrgang 2002, damals reichte es ausnahmsweise für eine Platzierung in den Top 100 der am häufigsten vergebenen Mädchennamen.

Alexa Statistik

Seit 2014 wird dieser Vorname immer seltener vergeben – so selten, dass er 2018 beinahe schon aus den Top 500 gefallen wäre. Immer häufiger wird dagegen der digitale Sprachassistent des amerikanischen Unternehmens Amazon genutzt. Der wurde 2014 präsentiert und heißt auch Alexa. Ich bin sicher, dass der Niedergang des Vornamens Alexa am Erfolg von Amazons Alexa liegt. Der Bekanntheitsgrad des Sprachassistenten in Deutschland ist groß und überstrahlt inzwischen den Vornamen Alexa. Tatsächlich werden inzwischen Alexas wegen ihres Namens geärgert – „Alexa, mach das Licht an!“ gehört noch zu den harmlosen Hänseleien. Alexa ist leider kein ganz normaler Vorname mehr.

Kann man sein Kind überhaupt noch Alexa nennen? Kann man schon, sollte man aber nicht, so meine Meinung. Ich finde, dass der Produktname den Vornamen überholt hat und im Vordergrund steht. Aus demselben Grund rate ich auch von den Mädchennamen Mercedes und Melitta ab. Das waren auch mal Vornamen, die heutzutage eher als Markennamen bekannt sind.

Euch Frauen und Mädchen, die schon Alexa heißen, nützt mein gutgemeinter Rat natürlich nichts. Ich hoffe, dass die Hänseleien nicht überhand nehmen, so dass Ihr weiterhin gut mit Eurem Namen zurecht kommt. Schön, wenn Ihr zwei oder mehr Vornamen habt, denn dann könnt ihr einfach den Rufnamen ändern. Wenn nicht und Ihr sehr darunter leidet, Alexa zu heißen, – so sehr, dass Ihr davon krank geworden seid – dann hilft nur der Gang zum Amt. Mit einem psychatrischen Gutachten, das bestätigt, wie sehr ihr unter dem Vornamen leidet, ist es möglich, einen anderen Vornamen anzunehmen.

Und außerdem …

20 Gedanken zu “Alexa, mach das Licht an!”

  1. Ich kannte übrigens auch mal ein Mädchen, das Siri hieß. Damals fand ich den Namen ungewöhnlich, aber nicht schlimm, heute tut sie mir leid. (Habe allerdings den Kontakt verloren, daher leider keine Ahnung, wie sie jetzt damit klarkommt…)

  2. Die Tochter von Bekannten heißt Siri, ihre Cousine Alexa. Beide jeweils geboren bevor Apple bzw. Amazon ihre Erfindungen präsentierten.

    Heute sind das natürlich Vornamen, die ihre Prägung haben, vor 8 / 9 Jahren waren es Raritäten, die ihre Eltern aus den Gründen ausgewählt haben.

    Ich wünsche den beiden, dass sie für ihre Namen nicht gehänselt werden, aber verhindern kann man es vermutlich nicht.

  3. „Die Tochter von Bekannten heißt Siri, ihre Cousine Alexa.“

    Oh je, hartes Schicksal. :mrgreen:

    Und die Omma heißt dann Eliza, oder watt?

    Ich hatte beruflich mal mit der Anpassung von Sprachsoftware an die Bedürfnisse der Kunden unserer Agentur zu tun. Das war aber alles noch rein textbasiert. Also erstens das Abfangen möglichst aller Fragen der User durch pfiffig geschriebene Reguläre Ausdrücke (RegEx), zweitens möglichst präzise Antworten im Sinne der kaufinteressierten User – oder zumindest witzige Antworten für die Scherzkekse unter den Usern, die den Bot einfach abklopfen wollten. War fast eine sportliche Herausforderung und hat mir großen Spaß gemacht!

    Auch hatte ich die weibliche Demo/Standardversion des Software-Herstellers „auf Mann“ umzuschreiben. Die Visualisierung der Standardversion war so eine mit dem Programm Poser verfertigte Schönheit mit eher leichter Bekleidung und und üppiger Oberweite. Da kam von den Usern permanent die Jux-Frage „Was ist Deine Körbchengröße?“. Die Frage könnt Ihr ja mal Siri oder Alexa stellen. Aber Vorsicht: Bei solchen Juxen steht heute schnell die LGBT-Sitten- und Tugend-Polizei mit Kastrier-Messer in der Hand auf der Matte. 😀

    Wir hingegen hatten ein männliches Photomodell als Avatar. So etwa Ende dreißig, angepaßt an die angepeilte Kundengruppe. Da wurde andauernd gefragt: „Sind Deine Haare gefärbt?“ Seine (also meine) Antort war: „Ich bin nicht der Bundeskanzler!“. (Es war noch in der Ära Schröder. Verdammt lang her.)

    Ein großer Spaß bei der Sache war auch das Umstellen von Frauen- auf Männersprache. Im Japanischen gehört dieser Unterschied zur Grammatik*, aber die beiden Kategorien gibt es eben auch im Deutschen. Wenn ich höre/lese, daß Männchen ernsthaft „lecker Schoki“, „Hach!“, „Bierchen“, „Schnäpschen“ oder „Süppchen“ sagen, drehen sich mir die Klöten um, und er steht mir nach innen.

    Wohingegen grobe Männer-Sprache bei Frauen auch ein legitimes Stilmittel sein kann. Gerade in der Oberschicht wird es gerne benutzt, um sich von der verachteten Mittelschicht abzugrenzen: „Arschloch!“, „Scheiße!“, „Ey, Du Wichser!“ etc. sind in der Oberschicht auch für junge Damen vollkommen angängig – sie gehören in bestimmten Situationen fast zum guten Ton.

    Eine Exfreundin von mir (natürlich Akademikerin) hat mich gelegentlich zärtlich-ironisch „Arschloch“ genannt, wenn ich mal wieder einen liebevoll-höhnischen Witz über sie zu machen versucht hatte. Bin ich heute noch stolz drauf.

    Bekanntestes Beispiel: Das Wort für „Eßstäbchen“. Männer sagen „Hashi“ und Frauen züchtig-dezent „Oohashi“. Oo- ist ein ehrendes, demütiges Präfix.

  4. Ich finde weder Alexa, noch Siri, Melitta und Mercedes besonders problematisch.
    Schließlich waren diese Namen bereits vor dem Produkt da.
    Umgekehrt fände ich es weitaus alberner, ein Kind Nespresso, Samsung oder Balea zu nennen.

    Ich kenne eine Alexa, eine Siri und eine Mercedes, und im Kontext dieser Personen spielt die Marke für mich gar keine Rolle.

    Klar laden diese Namen zu Witzeleien ein, allerdings gibt es da weitaus problematischere Domainen als Kaffee, Auto und Sprachassistenten. Zumal gerade bei Technik die Halbwertzeit sehr groß ist und ich nicht sehe, dass Alexa sich über mehrere Jahrzehnte als dominante Sprachsteuerung etablieren wird.

    Mir gefällt Alexa weitaus besser als die sperrige Alexandra. Alternativ gibt es natürlich noch Alexia oder Alexis.

    • Mercedes. 😀

      Auf dem Gebiet der Manieren gibt es ein Phänomen, das ich aus dem Stehgreif mal als „Kleiner-Finger-Phänomen“ bezeichnen würde. Im Rokoko war es tatsächlich im Hochadel schick, beim Kaffeetrinken den Kleinen Finger abzuspreizen. Natürlich hat das die Mittelschicht dann nachgemacht – mit dem naheliegenden Ergebnis, daß der Adel den Brauch sofort aufgegeben hat und daß das Abspreizen des Kleinen Fingers (bis heute!) als Inbegriff der Piefigkeit und Lächerlichkeit gilt.

      Das ist so in etwa der Grund, weshalb ich meine, daß die Charlottes, Anna-Lenas, Konstantins und Hubertusse die Gabis und Bernds von morgen und die Kevins und Schäcklins von übermorgen sein werden. Verhaltenskodizes werden gleichsam von oben nach unten durchgereicht.

      (Natürlich ist mir klar, daß Gesellschaften niemals strikt vertikal stratifiziert sind – und heute erst recht nicht mehr. Ein gescheiterter Akademiker auf Hartz IV steht höher als ein Handwerksmeister mit zehn Gesellen und zwei Ferienhäusern. Ein armer Offizier war immer mehr als ein reicher Bankier. Ein Zuhälter mehr als ein Versicherungsfachangestellter.)

      Schon in meinen jüngeren Erwachsenen-Jahren (~2000) gab es für einen auberginefarbenen Mercedes (gerade aus der 190er-Reihe) die charmante Bezeichnung „Türkenkutsche“.

      Das hat alles überhaupt nichts mit der etymologischen Bedeutung des Wortes „Mercedes“ (=Gnade) zu tun. Das spanische Äquivalent zur deutschen Anrede mit „Sie“ ist übrigens „usted“ – abgeleitet von „vuestra merced“ = „Euer Gnaden“.

      Ich hatte mal überlegt: Die beste Partie des späten 19. Jahrhunderts war Consuelo Vanderbilt. Bildschön, blitzgescheit, charmant – und mit einer Mitgift von nach heutigem Geldwert schlappen vier Milliarden Dollar. (An so eine werden die meisten der männlichen Leser dieses Blogs und so auch der Verfasser dieser Zeilen kaum noch herankommen. 😀 ) Es war die Zeit, als der US-amerikanische Geldadel in den englischen Hochadel eingeheiratet hat. Der Deal war: Titel gegen Geld. Consuelo (das ist spanisch für „Trost“) wurde von ihrer Mutter gezielt in den englischen Adel verkuppelt. Sie wurde dann schließlich Herzogin von Marlborough und damit auch Verwandte und später auch Vertraute von Winston Churchill. John Singer Sargent, Giovanni Boldini und Paul César Helleu haben Consuelo gemalt!

      Heute kennt den Namen Consuelo in Deutschland kaum einer mehr. Nur: Was wäre geschehen, wenn jemand ein Auto, ein Papiertaschentuch, eine Kopfschmerztablette („Konsuelin“), einen Schnaps oder eine Praline nach ihr benannt hätte?

      Es wäre gewesen wie mit Nellie Melba – eine große Künstlerin und der erste „Popstar“ aus Australien. Aber heute denkt jeder sofort an Pfirsiche mit Vanille-Eis und Himbeersoße, Auguste Escoffier sei’s gedankt.

  5. Alexa ist tatsächlich eine ganz angenehme Kurzform von Alexandra. Insofern finde ich es um diesen Namen noch mehr schade als um Melitta, Mercedes, oder Siri, die ich jetzt im deutschen Kontext sowieso nicht so toll finde (obwohl Mercedes eigentlich sehr hübsch klingt und angenehmer wäre, als manche anderen Importnamen).

    Musste natürlich auch an den von mir neulich erwähnten Dagobert denken.

    Alexa–ja, das finde ich wirklich hübsch. Man darf sich aber tatsächlich nicht zu idealistisch gegen Assoziationen stemmen. Meistens gibt es ja noch andere Namen, die einem gefallen, und die unproblematisch sind.

    Wie viele wissen, neige ich zu sehr altmodischen Namen. Um ehrlich zu sein, eine Hildegard hat es möglicherweise noch wesentlich schwerer als eine Alexa. Ist es somit heuchlerisch, wenn ich sage, Alexa, nein, aber Hildegard, ja? Es fällt mir bei Namen, die ich ganz besonders liebe und auch als Teil unseres kulturellen Erbes betrachte eben noch wesentlich schwerer, sie aufzugeben, als bei Namen, die hübsch, mir aber nicht so wichtig sind….

    • Mark,

      mit Hildegard ist es ähnlich wie mit Martin: zumindest in meiner Generation ist der Name popkulturell besetzt. „Maddin“ durch den Song von Diether Krebs und Hildegard durch Loriots Nudel-Sketch. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich die beiden Namen von diesen Tiefschlägen erholt haben werden. Vielleicht muß erstmal meine Generation wegsterben. 😀

      Es ist etwa wie mit Alfred. (Wir wissen beide, daß das eigentlich ein englischer Vorname ist/war.) Er ist halt durch „Ein Herz und eine Seele“ toxifiziert worden. Popkultur ist heute halt wirkungsmächtiger als Tradition. Man mag das bedauern, kann es aber nicht ändern. Und gerade die Tatsache, daß die Serie aus dem Anfang der 70er heute noch gerne gesehen wird, macht sie fast schon wieder selbst zur Tradition.

      Im Studium hatte ich eine Hiwi-Jobs-Kollegin namens Hildegard. Und die hatte auch noch eine ausgeprochen albern klingende Mickey-Maus-Stimme. Beides war ihr bewußt, sie konnte das aber schon wegen ihres schönen Äußeren (die Studentin mit den schönsten Beinen, die ich je gesehen habe!) souverän wegstecken. Die konnte die Nase hoch tragen. Hat sie auch. Und niemand hätte die wegen ihres Vornamens aufgezogen. (Wäre dem_der Lästerer_in auch schlecht bekommen; Hildegard war echt ’nen Schrapnell.)

      Meine alte These: Vornamen sind nie der Grund für Mobbing oder Hänseleien, sondern maximal ihr Aufhänger.

  6. ALEXA heißt seit einiger Zeit auch der Sprachassistent von Amazon.

    EMMA ist auch eine Frauenzeitschrift als Wortspiel zu “Ema”nzipation.

    Mit LEON kann man auch fahren.

    FELIX findet man als Katzennahrung im Supermarkt.

    Die Liste lässt sich beliebig erweitern und in die Zukunft kaum prognostizieren. Das Beste wird wohl sein, dem Kind mindestens zehn Vornamen zu geben – oder damit zu leben, dass der Rufname in irgendeiner Weise eine weitere Assoziation hat oder haben kann.

    • CLAAS ist ein Mähdrescher! Und ich schör’s beim ewigen Gotte: Ich habe in einem guten halben Jahrhundert im Agrarland Niedersachse noch nie einen einzigen Witz darüber zu hören bekommen. Mit „Klaas Klever“ ist mir nur einmal (!) jemand gekommen, und das war mein liebster Kollege als Johanniter-Zivi, mit dem zusammen ich manchen Kaffee getrunken, machen Kuchen gegessen und manchem Kranken geholfen habe. Und es war absolut freundlich gemeint – es gibt eben auch Spitznamen/Codenamen, die als EHRE empfunden werden.

      Man denke an Che Guevara. „Che“ ist so etwa das argentinische Pendant zum süddeutschen „Gell“ (Oder zum brandenburgischen „wa?“ 😉 ) Ein Wort, das alles und nichts bedeuten kann. Man hat ihm das auf Kuba als Spitznamen angebebbert, weil er das als gebürtiger Argentinier immer gesagt hat. Er ist bis heute eine Ikone der Linken. Und niemand nennt ihn da Ernesto Guevara, wie er eigentlich geheißen hat.

      Gerade die Spitz-, Code- und Kurznamenskultur ist ein unglaublich subtiles und vielschichtiges Untergebiet der Onomastik!

      Noch ein Beispiel aus Spanien: Wenn jemand José Antonio Primo de Rivera einfach „José Antonio“ nennt, ist bis heute sofort klar: Der Sprecher ist ein Faschist/Falangist, zumindest ein Fan. Wenn man hingegen früher Francisco Franco als „Paco“ (Standardkosename für Francisco) bezeichnet hat, hat das zumindest eine, nun ja, gewisse Regimeferne ausgedrückt.

      Brauche wohl nicht zu sagen, daß ich selbst grundsätzlich nur „José Antonio“ sage, wa? Für José Antonio gab und gibt es noch den Codenamen „el ausente“ = der Abwesende (der aber eben bei uns ist). Sozusagen als Spiegelbild der Parole „José Antonio ¡Presente!“. Und diese wiederum hat einen Doppelsinn: „¡Presente!“ ist die militärische „Hier!“-Meldung, es heißt aber eben auch „José Antonio, ich bin mit Dir!“. Man kann sich sozusagen aussuchen, wer der Sprecher und wer der Angesprochene ist.

      „Wilhems!“ „Hier!“

    • Gerade die Verwendung des Vornamens für Personen des öffentlichen Lebens, die man persönlich nicht kennt, ist ein außerordentlich komplexes Thema.

      Sie kann außerordentliche, fast zärtliche Verehrung ausdrücken: José Antonio (Primo de Rivera), Willy (Brandt), Teddy (Thälmann), Teddy (Roosevelt), Karl (Liebknecht) und Rosa (Luxemburg).

      Sie kann aber auch Verachtung und Spott andeuten: Paco (für Francisco Franco), Adolf (Hitler). Wenn Du in der stalinistischen SU Lenin öffentlich als Wolodja bezeichnet hättest, hätte Dir das mindestens zehn Jahre Sibirien eingetragen.

      Und das wiederum überlagert sich mit sooo vielen onomastischen Ebenen:

      Der Vornameritis in der Popkultur. Ein Beatles-Fan sagt natürlich nur Ringo, wenn er Ringo Starr meint. Bei Abba haben es die Vornamen sogar in den Bandnamen geschafft. Wer weiß schon, wie Agneta mit Nachnamen heißt?

      Die Tatsache, das man sich etwa in den USA oder in Schweden viel schneller (praktisch als Standard) mit Vornamen anredet als in Deutschland.

      In den USA vielleicht zusätzlich dieses „Old XY“-Phänomen, das ja nun nicht von Karl May erfunden wurde. Man denke an „Old Hickory“ für Andrew Jackson oder an „Old Kinderhook“ für Martin van Buren. (Von Old Kinderhook soll sich angeblich das heute international allgegenwärtige „okay“ [OK] ableiten.)

      Die wohl ebenfalls aus den USA stammende Sitte, daß sich Ehepaare gegenseitig Spitznamen „für den internen Gebrauch“ geben. Hatte ja nun schon gesagt, wie stolz und gerührt ich immer war, wenn ich von einer Exfreundin zärtlich-ironisch als „Arschloch“ angesprochen wurde. Auch „Du Hure“ fand ich als Kosenamen für eine andere Exfreundin sehr niedlich. Aber natürlich nur in völlig unerotischen Alltagssituationen. (Letzteres war natürlich auch eine Parodie auf die „Kanaksprak“.) Während „Schatzi!“ oder „Spatzel!“ eben das letzte Warnsignal vor einem großen Knall, gar einer Messerstecherei waren/sind. Es galt halt, die süßlich-rührselige Alltags-Kultur der Mittelschicht auszukurven. So wie halt jeder, der einigermaßen bei Trost ist, den „Valentinstag“ und den „Muttertag“ der Mittelschicht ignoriert.

  7. Hier schreibt die Mama einer Alexa, die kurz vor dem “tollen” Amazon-Teil geboren wurde und heute fast 5 Jahre alt ist.

    Auch wenn uns der Name immer schon gefallen hat, hätten wir ihr den Namen 2014 nicht gegeben, wenn wir auch nur ansatzweise gewusst hätten, in welche Richtung sich der Name entwickelt.

    Die mittlerweile inflationäre Verwendung des Namens ist das Eine. Klar, kann der eigene Name auch mal für irgendwelche Marken verwendet werden, worauf man natürlich keinen Einfluss hat. Es gibt bei irgendeiner Modefirma mittlerweile eine Jeans, die Alexa heißt. Das ist mir völlig egal.

    Was mich allerdings nervt und aufregt ist die Tatsache, dass der Name unserer Tochter nur noch im Zusammenhang mit Amazon funktioniert. Und insbesondere der Name in Kombination mit einer Aufforderung irgendetwas zu tun (ohne “bitte” übrigens).

    Unsere Tochter wurde nun schon häufiger konfrontiert mit: wir haben zu Hause auch eine Alexa! Die sagt uns immer, wie das Wetter wird … etc…
    Häufig ist das noch nicht mal böse gemeint, aber es nervt jetzt schon. Wer weiß, wie das mal werden soll… mittlerweile bauen immer mehr Hersteller “Alexa” in ihre Lautsprecher ein und ein Ende ist nicht wirklich absehbar.

    Während ich noch vor einem Jahr gesagt habe, jemanden, der sich freiwillig ein Gerät mit zig Richtmikrofonen zu Hause aufstellt und blöde Sprüche zum Namen macht, nicht ernst nehmen zu können, bin ich mittlerweile der Meinung, dass wir unsere Tochter nicht unbeschadet mit diesem Namen durch die Schulzeit bringen, die ja erst noch bevorsteht. Dafür gibt es einfach zu viele Dummbratzen-Kinder!

    Wir werden wohl ihre Vornamen tauschen, zum Glück haben wir ihr einen zweiten gegeben.
    Mittlerweile sprechen wir sie zusätzlich mit ihrem zweiten Namen an, als hätte sie einen Doppelnamen. Auf ihren zweiten Vornamen reagiert sie mittlerweile auch.
    Wir wissen nur noch nicht, wann der richtige Zeitpunkt ist, das komplett im Freundeskreis/Familie/Kindergarten zu kommunizieren und umzusetzen/ändern.
    Leicht fällt uns diese Entscheidung jedenfalls nicht, aber wir denken nur zum besten unserer Tochter zu handeln.

    Wir kennen übrigens noch eine 3jährige Alexa, die keinen zweiten Namen hat…

    • Es besteht ja noch die Hoffnung, das der Hype um die Sprachassistenten mit der Zeit abebbt und Alexa als Vorname wieder etwas normaler wird. Die Alexa-Witze müssten sich ja auch irgendwann abnutzen. Obwohl: Bei „Bielefeld gibt’s ja gar nicht“ ist noch kein Ende abzusehen …

    • @Martina
      Euer Problem mit dem Namen Alexa kann ich verstehen. Verstehen kann ich aber den Hype wegen der Amazon-Alexa nicht. 9jährige Kinder haben so ein Gerät im Kinderzimmer stehen.

      Die Reihenfolge der Vornamen kann man ja inzwischen ändern. Ihr könnt den zweiten Namen an die erste Stelle setzen. Vielleicht könnt ihr sogar aus Alexa eine Alexia oder Alexandra machen. Ich weiß aber nicht inwieweit solche Änderungen möglich sind.

      Tja, wann wäre der richtige Zeitpunkt für die Änderung des Rufnamens? Zum neuen Kindergartenjahr? Zuhause geht das auch sofort bzw. wenn ihr dazu bereit seid.

  8. Leider befürchte ich, dass der Hype erstmal nicht abnimmt, auch wenn ich es mir wünschen würde. Immer mehr Firmen werben doch mit dem Alexa-Feature.
    Und ich weiß gar nicht, was ich schlimmer fände: Hype oder dass das Teil zur Gewohnheit wird und der Name einfach nur noch mit Erbringung einer Leistung verbunden ist.

    Die Tage konnte ich mich mit einer Schülerin (Abiturientin) unterhalten, die meinte, dass sie so aus dem Schulalltag heraus auch sagen würde, dass der Name mehr als problematisch ist. Jede Aufforderung an Alexa würde ihrer Meinung nach zu Gelächter führen.

    Ihren Namen geringfügig abzuändern hatten wir zeitweise auch überlegt. Ich befürchtete allerdings, dass das dann eine richtige Namensänderung darstellt, die nach meiner Recherche eher schwieriger durchzusetzen wäre. Und ob man dann weit genug von Alexa weg wäre, um die befürchteten Hänseleien abzuwenden, weiß man halt auch nicht.

    Da es wirklich eine große und nicht einfache Entscheidung ist, tun wir uns noch schwer, das 100% durchzuziehen. Allerdings muss man auch sagen, so schlimm das klingt, wir wollen draußen unsere Tochter schon gar nicht mehr Alexa rufen, sondern weichen jetzt schon auf Kosenamen aus…
    … und dabei haben wir ihr den Namen mal mit ganz viel Liebe ausgesucht und gegeben…

    • „Die Tage konnte ich mich mit einer Schülerin (Abiturientin) unterhalten, die meinte, dass sie so aus dem Schulalltag heraus auch sagen würde, dass der Name mehr als problematisch ist. Jede Aufforderung an Alexa würde ihrer Meinung nach zu Gelächter führen.“

      Wenn ich so etwas schon lese, kriege ich einen dicken Hals! Da machen Lehrkräfte und Schulleitung ihre Arbeit überhaupt nicht. Gibt es denn andere Schulen in Eurem Umfeld, die die Kinder noch mit erziehen? Unsere Kinder sind auf solche Schulen gewechselt, wo alles nicht erwünschte Verhalten konsequent besprochen und mit Maßnahmen versehen wird. Da könntet ihr den Namen getrost lassen. Ansonsten wünsche ich Euch, dass Eure Tochter mit ihrem Namen und in allen anderen Belangen möglichst wenig auffällt.

    • Schließe mich neuhier fast hundertprozentig an! Was die guten Wünsche angeht natürlich sowieso!

      Nur: Wenn man in einer ländlichen oder kleinstädtischen Umgebung wohnt, bestehen oft keine realistischen Perspektiven auf einen Schulwechsel. (Dafür sind die Schule auf dem Land wohl immer noch etwas weniger verkommen als in der Großstadt.) Und wenn es mit dem Familieneinkommen hapert, gestaltetet sich auch ein Wechsel auf eine Privatschule schwierig.

      Schlimm genug, daß es in Deutschland überhaupt Privatschulen und „Eliteschulen“ gibt. Ein netter Erfolg der sozialdemokratischen BRD-Schulpolitik seit einem halben Jahrhundert: Die Gymnasien und Universitäten werden mit Schülern bzw. Studenten geflutet, die darin eigentlich nicht das mindeste verloren hätten, außer vielleicht als Angehörige einer Putzkolonne oder als Hausmeister. Gerade die fähigsten Leute aus der Unterschicht werden dadurch an die Wand gedrückt, während sich die Reichen zu helfen wissen. In nuce wird das an dem berüchtigten „Schreiben nach Gehör“ deutlich: Die reichen grünen Muttis bringen dann ihren Kindern selbst das halbwegs richtige Scheiben bei, während den Armen und den Ausländern die Möglichkeiten und die Zeit dazu fehlen – deren Kinder werden dann eben Legastheniker. Linksliberale Bildungspolitik kommt menschenfreundlich daher, ist aber fast immer erbarmungslose Zementierung von Klassenunterschieden.

  9. Die Schülerin ist auf einer Walldorfschule.
    Sonstige alternative Schulen gibt es bei uns, glaube ich, eher nicht. Inwiefern die Lehrer da dumme Sprüche / Hänseleien immer abfangen könnten, weiß ich halt auch nicht…

    • Interessanter Artikel, “wir” sind auch betroffen. Von Amazons Alexa erfuhren wir, als unsere Tochter 2 Monate alt war. Ich habe mich sehr darüber geärgert. Auch wir hätten den Namen mit dem Wissen nicht vergeben.

      Mich wundern aber die Jahreszahlen: Nach Deutschland kam Amazons Alexa erst 2016, davor war sie hier so gut wie nicht bekannt. Der ganz starke Abfall bei der Vornamensvergabe kam sogar erst 2018. Vor 2017 halte ich es ehrlich gesagt für eine zufällige Schwankung.

      Traurig um die Schicksale gehänselter Kinder, manche können sehr grausam sein. Wieso sich der Konzern keinen komplett neuen Namen ausdenkt, sondern einen doch recht etablierten nimmt, lässt mich zweifeln. Auch ein künstlich erschaffener Name kann so gestaltet sein, dass er technisch gut erkennbar ist.

  10. Hallo Gast!

    Was ist euer Plan?

    Ich verstehe auch nicht, dass amazon einen Namen benutzt / benutzen darf, der doch zumindest im Stamm Alex- sehr häufig ist.
    Ist es nicht so, dass das Teil auch bei “Alex” aufwacht, dann aber nicht mehr weiter macht, weil es eben doch nicht der ganze Name war?

    Unschöne Geschichte, die wir erst kürzlich erlebt haben: wir waren zu Besuch bei einer älteren Dame (70), der der Sohn so ein Teil installiert hat, damit sie -alleinlebend- Hilfe rufen könnte. Natürlich sprang dieses Ding ständig an, wenn wir mit oder über unsere Tochter gesprochen haben. Da meinte die Dame dann, wir dürften jetzt nun eben den Namen nicht so häufig aussprechen, weil ja sonst das Ding ständig anginge…

    Andere haben immerhin den Anstand, das Ding aus zu machen, wenn wir zu Besuch sind.

    • Wie wär’s denn mit Alexa ’Ndrangheta als Kombi? 😀

      Diesen „häuslichen Notruf“ gab es übrigens schon in meiner Zivi-Dienstzeit bei den Johannitern Ende der 1980er. Ganz ohne Internet und Amazon. Eigentlich eine tolle Sache – so wie heute etwa die „Kurzzeitpflege“ für Alte, die gerade eine schwere OP hinter sich haben. Wer mal das Gesundheitswesen in anderen Ländern kennengelernt hat, ist froh, Deutscher zu sein.

      Nu, dieser Notruf wurde aber schon gelegentlich von einsamen und etwas verwirrten alten Damen mißbraucht, die da jeden Tag das Knöpfchen gedrückt haben.

      Nachtschicht. Wir hocken in unserer 01 (=Zentrale, Wache) zusammen. Ein Notruf von einer ganz bestimmten Omma geht ein. Alle fangen sofort an zu lachen. Der Zentrale-Zivi: „Psst, Leute, Maul halten!“ Dann nimmt er den Notruf an und muß sich dabei selbst das Lachen verbeißen, was ihm nur unvollständig gelingt: „N’Abend, Frau M.! Bitte sprechense doch mal nach dem Signalton.“

      Ach, die schöne Zivizeit bei den Johannitern – die glücklichste Zeit meines Lebens.

      Friedrich von Schillers Johanniter-Gedicht:

      „Herrlich kleidet sie euch, des Kreuzes furchtbare Rüstung,
      Wenn ihr, Löwen der Schlacht, Akkon und Rhodus beschützt,
      Durch die syrische Wüste den bangen Pilgrim geleitet
      Und mit der Cherubim Schwert steht vor dem heiligen Grab.
      Aber ein schönerer Schmuck umgibt euch, die Schürze des Wärters,
      Wenn ihr, Löwen der Schlacht, Söhne des edelsten Stamms,
      Dient an des Kranken Bett, dem Lechzenden Labung bereitet
      Und die niedrige Pflicht christlicher Milde vollbringt.
      Religion des Kreuzes, nur du verknüpfest in einem
      Kranze der Demuth und Kraft doppelte Palme zugleich!“

      Jehan

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