Ich heiß’ Kevin – na und?!

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Film über einen kecken kleinen Jungen Menschen im gebärfähigen Alter in Verzückung versetzte. So sehr, dass sein Name im Jahr 1991 – der Film war bei uns im Januar in die Kinos gekommen – als der Deutschen liebster Jungenname abschloss: Platz eins für Kevin! Aus dem Nichts kam diese Entwicklung aber nicht, siehe Knuds „Aufstieg und Fall eines Modenamens“. Kevin hatte 1990 schon Platz zwölf erobert.

Es ist aber doch der zu Hause vergessene Weihnachtsbengel, dem mein Interviewpartner seinen Namen verdankt: „Mein Vater war Fan von ‘Kevin – Allein zu Haus’“, weiß Kevin aus Kiel. Im Jahr seiner Geburt, 1994, stand sein Name nicht mehr in den Top Ten, sondern wieder auf Platz zwölf. Kevin wuchs mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder auf, Laura und Gabriel, und – falls sich das jemand gefragt haben sollte – schloss die Schule mit dem Fachabitur ab.

Kevinometer

Kevin hatte nie Zweifel an seinem Namen: „Ich mochte ihn immer.“ Die „Kevin“-Filmreihe mit Macaulay Culkin findet er sehr lustig. Abgesehen davon, dass irgendwann mal jemand gefragt hat, ob man ihn mit w schreibe, gab es nie Probleme mit der Schreibweise oder Aussprache. Dass das Phänomen „Kevinismus“ so betitelt und sein Name zum Label für die Problembären unter Kindern wurde („kein Name, sondern eine Diagnose“), berührte ihn damals wenig. Nach seinem Empfinden wurde der Name erst so richtig „durch den Dreck gezogen“, als er mit der Schule fertig war. „Für Jüngere und Leute, die nicht so selbstbewusst sind, war das sicher schwerer.“ Vermutlich war es auch von Vorteil, dass der altirische Name in seiner Generation kein Hingucker ist: „Allein in meiner Handballmannschaft sind wir zwei Kevins.“

In seiner Zeit bei der Bundeswehr gab es dann schon ein paar Scherze. Kevin sah das gelassen: „Da habe ich mitgewitzelt. Es ist nie in Mobbing ausgeartet.“ Ähnlich wie der Film-Kevin, der den dummdreisten Einbrechern weit überlegen ist, weiß sich der Norddeutsche zu helfen: „Ich hab immer einen Spruch parat.“ In den letzten ein, zwei Jahren werde er seltener aufgezogen. Gibt es irgendwelche Kommentare, wenn er sich Leuten neu vorstellt? „’Hey, ein sozialer Kevin’, so was höre ich manchmal, als Gegensatz zu dem asozialen Klischee-Typen aus schlechten Verhältnissen und ohne Job. Damit ist das Thema dann meist durch.“

Ach ja: „Kevin – Allein zu Haus“ gehört auch 2017 zum Weihnachtsprogramm (Sat.1, 23.12., 20.15 Uhr, 24.12., 22.50 Uhr, und 26.12., 15 Uhr).

Und außerdem …

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