Huch, meine Eltern sind Fans

Auch die Herzogin und der Herzog von Sussex, besser bekannt als Meghan und Harry, sollen dazu zählen: zu Eltern, die ihr Kind nach einer Figur aus der Popkultur oder einem Star nennen. Ob wir wohl noch erfahren werden, ob bei Klein-Archie wirklich der amerikanische Comic-Held Archie Andrews Pate stand, ein tollpatschiger Highschool-Boy mit Sommersprossen und roten Haaren?

Man begegnet diesem Phänomen immer wieder. So habe ich mal einen Frodo getroffen, kenne eine Nena und eine Scarlett (noch nach O’Hara, nicht Johansson). Freundinnen von mir haben die Namen Anne Shirley nach der TV-Serie „Anne auf Green Gables“ und Loreley gewählt, letztere frei nach den „Gilmore Girls“. Der Sohn eines Kollegen heißt Bono. Einige „Game of Thrones“-Namen haben es in die Hitlisten geschafft, und kürzlich hörte ich gar von einem kleinen Blixa – ob das stimmen kann?!

Um dem großen Aufstöhnen vorzubeugen: Das Gros der Kinder trägt natürlich Namen ohne derartige Bezüge. Paul, Max, Mila und Leni prägen ihre Generation weit stärker als kleine Aryas, bei denen man sich schon an der Wiege fragt, wann wohl Zeit für erste Lektionen mit dem Schwert ist. Außerdem gibt es Kindernamen, deren Karriere als Fanartikel begann, bereits sehr lange. Man könnte schon Heiligennamen, die aufgrund einer bestimmten Legende vergeben wurden, dazuzählen. Namen von Shakespeare- oder Wagner-Figuren. Und ganz sicher beispielsweise Vanessa, eine Erfindung von Jonathan Swift, und Smilla (Peter Høeg) sowie Namen, die es zwar schon gab, die durch eine Figur/einen Promi aber gehörig gepusht wurden. Wer will da entscheiden, wo die vertretbaren Namensvorbilder „mit Niveau“ anfangen und wo sie aufhören? Ich nicht, so viel ist mal sicher.

Trotzdem noch ein paar Gedanken für alle, die erwägen, ihr Kind nach ihrem Lieblingshelden zu benennen:

Je ausgefallener der Name, desto eher werden Sie und Ihr Kind mit dem Vorbild in Verbindung gebracht. Wer seine Tochter dagegen nach der Turner Tina genannt hat oder sich 2010 im ESC-Taumel für Lena entschied, konnte dies in diesem Sinne ganz „gefahrlos“ tun.

Je bekannter die Serie/der Film/der Promi, desto mehr Menschen erkennen die Anspielung, klar. Wenn Sie das nicht wollen, könnten Namen von Nebenfiguren eine sicherere Bank sein, weil die bloß von anderen Fans erkannt werden – und die finden’s ja vermutlich selbst ganz gut.

Ist der Name schon eine Weile geläufig, löst er sich von seinem Vorbild. Wenn Sie Ihre Tochter heute Smilla taufen, haben Sie das vermutlich bei einem Kind oder einer jungen Frau aufgeschnappt oder in irgendeiner Liste gelesen. Davon, dass Sie die 90er-Jahre-Bestseller-Heldin toll finden, dürfte niemand mehr ausgehen. Der Name wird diffus in die skandinavische Ecke gepackt, und gut ist.

Man kann über den Trend zum Zweitnamen denken, wie man möchte. Doch für ausgefallenere Mitgebsel, bei denen es eventuell sogar mehr um Stärken des Vorbilds geht als um den Klang, ist die Position nach dem Rufnamen wie geschaffen. Bahn frei für Victor Lincoln (ich kenne wirklich einen)!

Wer auf Nummer sicher gehen will, vergibt einen von Fantum inspirierten Namen erst, wenn die Geschichte der (Serien-)Figur auserzählt ist bzw. wenn der reale Träger nicht mehr lebt. Gerade Drehbuchschreiber kommen gern mit Wendungen oder Zuspitzungen um die Ecke. Vielleicht nicht gerade bei einer Sitcom wie „Friends“, der sicher einige Kinder (und Katzen) der 90er den Namen Phoebe (mitunter auch „Fibi“) verdanken. Doch es ist ja auch härterer Stoff im Umlauf, mit allerhand Sex and Crime, die man lieber nicht mit seinem Kind assoziiert wissen, sondern im Reich der Fiktion belassen möchte. Oder?

Und außerdem …

10 Gedanken zu “Huch, meine Eltern sind Fans”

  1. Es gibt ja viele Fandoms, in denen die Personen herkömmliche Namen tragen. Ich liebe beispielsweise die Schattenjäger-Bücher von Cassandra Clare und Theresa, William, Magnus, Alexander, Clarissa, Jonathan Christopher, Simon, Isabelle, Emma oder Julian sind ja keine auffälligen Namen. Bei uns eben nur in deutscher Aussprache.

    Bei Harry Potter würde ich die Namen Ron, Hermine, Tina, Jacob, Luna, Lily, Kendra oder Ariana vergeben. Was haltet ihr von Severus oder Albus?

    • Stimmt, auch so kann man einen Bezug versteckt unterbringen und – stets das Wichtigste – sein Kind ganz unbelastet von einer Leidenschaft, die es vielleicht nicht teilt, durchs Leben gehen lassen.

      Ron, Severus und Albus sind aus meiner Sicht allerdings nicht “neutral”. Bei Hermine mag es sein, dass eine Uroma so hieß, trotzdem denken vermutlich die meisten noch an die schlaue Hexe. Anders als z.B. die Twilight-Serie denke ich auch, dass die Harry-Potter-Bücher und -Filme auch den nachwachsenden Generationen noch länger ein Begriff sein werden. Trotzdem verwäscht sich der Bezug natürlich etwas, wenn es bereits ein paar heranwachsende Hermines gibt.

    • Im deutschen Kontext würde ich immer [s​ɛ​’we​ʀ​​ʊ​s] sagen, also auf der zweiten Silbe betont – da wir es schließlich im Gegensatz zur englischsprachigen Welt bei griechischen und lateinischen Begriffen gewöhnlich (wenn auch nicht immer…) bei der Originalbetonung belassen.

      Severus Snape spreche ich aber englisch aus, also vorn betont und mit zwei kurzen, geschlossenen [ɛ]s. Charakternamen sollte man nicht eindeutschen, die Geschichte spielt ja nunmal in England, auch wenn man sie ins Deutsche übersetzt hat.

    • Das finde ich sehr schlüssig, es macht jedoch die Aussprache eines kleinen deutschen Severus, dessen Eltern sich auf Snape beziehen, schwierig … Na ja, wäre ja nicht der einzige seltene Name mit unklarer Betonung 😉

  2. Mila war für mich lange Zeit nur mit Mila Superstar verknüpft. Als Kinder gaben wir das alle geschaut, uns aber dennoch über die Serie lustig gemacht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an der Namen gewöhnt habe.

    Eine Katze namens Phoebe hatte ich tatsächlich auch einmal. Damals hatte ich jedoch eher an die Serie Charmed gedacht.

    • Ha, da ist mir schon ein Fan-Bezug durchgerutscht 😉 “Mila Superstar” kenne ich nicht, bin wohl zu alt dafür.

  3. Es gibt auch Popkultur-Namen, die sich über die Jahrzehnte etablieren. Ronja und Madita waren doch ursprünglich auch Lindgren-Eigenkreationen, wenn ich mich nich irre.

    Es kommt auch immer zum persönlichen Bezug zum Fandom an. Eine Grundschullehrerin, die gerade erst ihr Studium beendet hat und eine kleine Katniss in der Klasse hat, wird bei der Erinnerung an die Lieblingsbücher/-filme ihrer Teenie- und jungen Erwachsenenzeit schmunzeln, während ihr 50 Jahre alter Kollege vielleicht eher die Nase rümpft.

  4. Unheimlich!!!! Erst vor ein paar Tagen mit einer Nachbarin gesprochen, junge werdende Mutti, die eine Tochter erwartet. Auf die Namensfrage hat sie geantwortet sie hasst ausgelutschte Allerweltsnamen die jeder kennt; deswegen wird ihre Tochter Arya heißen, der Name kommt aus game of thrones. Sehr originell und einfallsreich…

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