Vornamen-Interview mit Tina Schreiner: „Ein eher leichtes Gepäck für meine Kinder.“

Heute geht es mal nach Österreich: Tina Schreiner aus Graz hat nicht nur für ihren Sohn, ihre Tochter sowie für einen Mops Namen ausgesucht, sondern auch für ihr eigenes Geschäft. In dem kleinen Laden gibt es alles rund um den Basteltrend Plotten, etwa für selbst gestaltete Bügelbilder. Warum sie trotz ihrer Liebe zu alten Namen keine Nachbenennungen wollte, erzählt die 1974 geborene Kreativ-Expertin in unserem Vornamen-Interview.

Tina Schreiner
Franzl-Rocket und Tina Schreiner

Wie lautet Ihr vollständiger Vorname?

Tina Maria.

Wie werden Sie genannt?

Mama oder Tina.

Mögen Sie Ihren Vornamen?

Er ist okay. Ich find ihn etwas platt und einfallslos, aber es hätte schlimmer kommen können.

War er in Ihrer Region und Generation gängig?

Jein. Es gab immer zig Christinas, Bettinas und Martinas. Aber keine Tina. Von daher war er doch etwas Besonderes. Ich musste ihn früher auch immer erklären („Nein, keine Bettina. Nur Tina!“). Inzwischen nicht mehr, offensichtlich sind solche Abkürzungen als vollwertige Namen etabliert.

Wie würden Sie lieber heißen?

Beate. Nein, war nur ein Scherz! Über diese Frage hab ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Wissen Sie, warum Ihre Eltern Sie so genannt haben?

Offiziell nach Tina Turner. Inoffiziell hab ich da eine Vermutung. Meine Brüder heißen nach Onkels. Und es gibt eine Tante Christina. Also ich glaube ja, meine Eltern hatten nicht wirklich viele eigene Ideen. Die Turner mag ich aber voll gern. Eine Powerfrau und ihre Musik ist auch super!

Sie möchten die Namen Ihrer Kinder im Internet nicht nennen – aber in welche Richtung geht es?

Beide Namen sind eher alt und in der jeweils andersgeschlechtlichen Version viel üblicher.

Wie sind Sie auf die Namen gekommen?

Mir ist die Bedeutung extrem wichtig. Es hätte nie ein Tristan oder eine Dolores sein können! Ich weiß nicht, wie viele Eltern von Claudia sich bewusst waren, was sie da tun … Außerdem müssen Vornamen für mich schön klingen und zum Nachnamen passen. Ein No-Go wäre die Kevinismus-Schublade gewesen. Und ich wollte keine Top-Ten-Namen. Weiters war mir wichtig, dass sie jeweils der erste in unseren Familien mit ihren Namen sind. So schön es ist, Namen weiterzugeben, meine Kinder dürfen mit ihren Namen selber ein leeres Blatt beschreiben. Letztendlich gibt man mit einem bereits vorhandenen Namen einen Rucksack mit. Und wer weiß, vielleicht bevorzugen meine Kinder eher leichtes Gepäck?

Eine kleine Rolle spielte auch die Typographie. Ich wollte, dass die Namen geschrieben schön aussehen. Aber das war Luxus und hat die Entscheidung nicht wirklich beeinflusst. Ach ja, was noch wichtig war: Man muss die Namen gut brüllen können. Dieses Kriterium wird zu wenig beachtet, finde ich. Jetzt im Ernst, auch beim normalen Rufen klingen manche Namen einfach seltsam. Carl fiel deshalb raus. Tut mir immer noch ein bisserl leid.

Wann haben Sie sich für die Namen entschieden?

Beim ersten Kind (Bub) recht früh, muss so im vierten Monat gewesen sein. Bei der Tochter war es schwerer, weil wir uns überraschen haben lassen und so zwei Namen gebraucht wurden. Außerdem gefiel meinem Mann nichts von meinen Vorschlägen. Meine eigentlichen Favoriten waren Melchior und Adele – ich lieb sie noch immer …

Wie reagieren andere auf die Namen Ihrer Kinder?

Vom Namen des Sohnes wollten mich viele abbringen, weil sie fanden, ich nenne das arme Kind wie einen Opa. Tatsächlich kenne ich nur noch einen Jungen mit seinem Namen, der nach meinem Sohn benannt wurde. Ansonsten sind die Leute, die die Namen vielleicht furchtbar finden, höflich und still. Wir hören stattdessen oft, dass es sehr schöne Namen sind. Besonders der von der Tochter.

Wie heißt Ihr Hund?

Franzl-Rocket, wir sagen aber Franzl zu ihm. Ich wollt Franzl, mein Sohn Rocket. Na ja, mit dem Hund kann man’s ja machen …

Wie kam es zum Namen Ihres Geschäfts, „Ernas Enkelin“?

Mein Oma war immer mein Anker und mein Leuchtturm. Ich hab ihr viel zu verdanken und der Name war einfach da. Er hätte mir auch für ein Kind gefallen, wenn nicht die blöden Erna-Witze wären und der Name nicht schon vergeben wäre. Wobei Erna die Abkürzung ist, mit der meine Oma angeredet wurde. Sie hieß Ernestine. Das gefällt mir weniger, weil es zu nah am eher negativ besetzten „ernst“ ist.

 

2 Gedanken zu “Vornamen-Interview mit Tina Schreiner: „Ein eher leichtes Gepäck für meine Kinder.“”

  1. „Eine kleine Rolle spielte auch die Typographie. Ich wollte, dass die Namen geschrieben schön aussehen.”

    Das ist interessant! Daß sich jemand (auch) um die typographische bzw. kalligraphische Anmutung eines Namens Gedanken macht, hört mal fast nie – während „der Klang“ wohl bei den meisten Leuten das wichtigste Kriterium sein dürfte. Na, „Kreative“ halt. 🙂 Da ich mich für Typographie und Kalligraphie interessiere, finde ich das sympathisch. Aber es gibt so viele Schriftschnitte und erst recht Handschriften, daß das immer ein sehr vages Kriterium bleiben muß. Allein in der BRD werden ja schon je nach Bundesland in den Grundschulen vier verschiedene Ausgangsschriften gelehrt… Obwohl es sicher ein legitimes Anliegen einer optisch gepolten Mutter ist, daß die Namen ihres Kindes in ihrer eigenen Handschrift gut aussehen.

    Übrigens hat eine in den 90ern populäre, nun ja, Unterhaltungskünstlerin ihren eigentlich geplanten Künstler-Vornamen Tina in Gina geändert, weil sie selbst (!) das G auf Autogrammkarten schwungvoller schreiben konnte als das T. Bei mir wäre es umgekehrt. Aber ich bin auch noch nicht in die Verlegenheit gekommen, Autogramme geben zu müssen. Und mein eigenes K- kann ich sehr furios schreiben.

    Vor Jahr und Tag hat die Zeitschrift „Titanic“ mal ein signiertes Foto von Ernst Jünger in Zweiter-Weltkriegs-Hauptmanns-Uniform veröffentlicht, entstanden vermutlich in Paris. (Ernst Jünger hatte eine sehr schöne Unterschrift.) Rubrikentitel der Reproduktion in der „Titanic“ war: „Unverlangt eingesandte Autogrammkarten“. 😀

    Übrigens sind für mich in unseren Zeiten der nervtötende Lächelkultur die Namen Ernst und Ernestine keineswegs negativ besetzt. Gerade eine schöne Frau sollte auf im weitesten Sinne formelleren Fotos das penetrante Lächeln eher vermeiden. Ich weiß, jeder Provinz-Photograph, bei dem man Bewerbungsfotos machen läßt, sagt einem das Gegenteil. Mir wurde mal von einem Photographen gesagt, ich solle „lächeln und nicht schief grinsen“. Es darf ein mokant-ironisches, hochmütiges und angedeutetes Lächeln sein, aber eben nicht dieses penetrante US-amerikanische „Cheese!“. So etwas machen Herrschaften nicht.

    Ein spanischer Aristokrat des Goldenen Zeitalters gar hat nie gelächelt. Da galt es als schick, sich besonders hochmütig und schroff zu geben. Das ist ein außerordentlich kompliziertes Thema, eines der schwierigsten der Manieren überhaupt.

    Einerseits gibt es nichts Wunderbareres, als eine schöne Frau lachen zu sehen oder auch nur am Telefon zu hören! Dann kann auch ein strahlendes Lachen hinreißend schön sein, gerade wenn es mit einer Andeutung von Schüchternheit verbunden ist. Andererseits ist es entsetzlich, wenn ein aufgesetztes, grobes Ami-Grinsen in sich zusammenbricht, weil es irgendwann nicht mehr durchhaltbar ist. Jedenfalls: Wenn Lachen zur Pflicht wird, ist das übler, als wenn der Ernst zur Pflicht wird. Es hängt mit der von Asfa-Wossen zu Recht kritisierten „Freundlichkeits-Überschwemmung“ zusammen. Das Lachen muß einem halt zu Gesicht stehen. Ein rechter Kommilitone von mir, ein echter „Eisenfresser“, schon reifer an Jahren, hatte ein wunderschönes, jungenhaftes Lachen. Es ist sooo schwierig…

    Ernst und Ernestine klingen aber schon ziemlich anders… Ernst konnte früher wirklich jeder heißen: Einer meiner ungezählten bäurischen Großonkels, Ernst von Salomon, Ernst Niekisch, Ernst Thälmann, Ernst Jünger – und natürlich (wo kämen wir da hin, wenn ich sie nicht erwähnte?) die Ernst Auguste von Hannover. Und, und, und. Ernestine hingegen ist viel gravitätischer.

    Claudia war in meiner Generation einer der wichtigsten Modenamen. Kein (!) Mensch kannte die ursprüngliche philologische Ableitung („hinkend“). Eine meiner prolligen Cousinen heißt so. Bin froh, wenn die weiß (was ich bezweifle), daß der Name „irgendwas mit den Römern“ zu tun hat.

  2. Mir ist das Schriftbild auch sehr wichtig. Bei den meisten Namen, die ich zwar mag, aber wohl eher nicht würde, ist das Schriftbild der ausschlaggebende Grund.
    Ich habe auch einige Buchstabenkombinationen, die mir schriftübegreifend nicht gefallen. Gewisse Form-Parameter sind ja in allen Schriftarten gleich, z.B. Oberlängen, Unterlängen, Punzen (also die Hohlräume von Buchstaben).

    Ich mag zum Beispiel Unterlängen optisch nicht so gerne, also Buchstaben wie p oder g. Am liebsten ist es mir, wenn in der Mitte des Namens nur mittellange Buchstaben vorkommen und der letzte Buchstabe mit einer Oberlänge abschließt (zum Beispiel Merlind oder Muriel).

    Die Buchstabenverbindung Il finde ich zum Beispiel ganz unschön. Vor allem in einer serifenlosen Schrift, aber auch in Schnörkelschreibschrift, wo sich ein I etwas mehr von einem L unterscheidet, finde ich es unschön. Die Namen Iliana und Jilian finde ich an sich total in Ordnung, aber beim Schriftbild schaudert mich ein bisschen 😉

    Auf der anderen Seite gefallen mir das P und das V als Großbuchstabe optisch sehr gut, aber bei Namen mit diesen Anfangsbuchstaben hat es noch nie Klick gemacht, offenbar gefällt mir der Klang also doch gut genug.

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