Nicht extrem exotisch: Game of Thrones-Vornamen

Endlich geht es weiter mit Game of Thrones! Zum Start der achten und finalen Staffel der legendären Serie sind wir natürlich alle besonders gespannt darauf, welche neuen Vornamen in den letzten Folgen vorgestellt werden.

Vornamen aus Game of Thrones

Meine Meinung, warum gerade die Namen aus Game of Thrones so besonders interessant sind: Einerseits handelt es sich in der Serie fast ausschließlich um Neuschöpfungen – die Vornamen lassen sich somit direkt auf die Serie zurückführen, wenn ein Kind so genannt wurde. Andererseits ähneln die Game of Thrones-Namen unserem beziehungsweise dem englischsprachigen etablierten Namensvorrat und wirken darum nicht extrem exotisch. Die Namen sind also ungewöhnlich, aber sie fallen nicht zu sehr aus dem Rahmen.

Zu den beliebtesten Vornamen aus dieser Serie gehören Jon und Aryahier geht es zur ganzen Liste mit den beliebtesten Vornamen aus Game of Thrones.

Sehr interessant finde ich den Vornamen Khaleesi, denn eigentlich ist Khaleesi in Game of Thrones ja gar kein Vorname, sondern ein Titel. Trotzdem wurden in Deutschland Babys so genannt.

Zum Schluss ein Geständnis: Ich habe in den letzten Jahren zahlreiche Interviews zu den Vornamen aus GoT gegeben, ohne jemals eine Folge gesehen zu haben 🙂 Mittlerweile habe ich aber angefangen, die Serie zu gucken. Ich bin noch in der ersten Staffel, darum bitte nicht verraten, wie es weitergeht!

25 Gedanken zu “Nicht extrem exotisch: Game of Thrones-Vornamen”

  1. Ich muß zugeben, noch nie eine einzige Folge von „Game of Thrones“ gesehen zu haben. Gucke keine Serien.

    Aber bei Khaleesi als Herrscherinnen-Titel wäre ich mir fast sicher, daß das zumindest um ein oder zwei Ecken herum von der Hindu-Gottheit Kali inspiriert ist. Also die schreckenerrende Emanation der lieblichen und duldsamen Parvati, der Frau Schiwas und Mutter Ganeshas. Natürlich ist Kali (die nichts mit dem niedersächsischen Kalibergbau zu tun hat) bei europäischen Emanzen sehr beliebt – so auch bei meiner de facto zum Hinduismus konvertierten Exfreundin. Ist ja auch süß, so ein Halskettchen aus Totenschädeln und ein Röckchen aus abgeschlagenen Armen! 😀

    Aber die schreckenerregenden Gurkhas, strenggläubige Hindus aus Nepal, verehren Kali auch sehr. Ihr Schlachtruf ist: „Jai Maha Kali! Ayo Gorkhali!“ = „Ruhm der großen Kali! Hier kommen die Gurkhas!“ Wenn das im Ersten Weltkrieg ein deutscher Soldat gehört hat, konnte er verdammt froh sein, wenn er davon hinterher seiner Elsbeth zu Hause noch erzählen konnte.

    • In der (Buch-)Serie ist die “Khaleesi” die Frau des “Khal”, des Herrschers über die Dothraki-Horden (bzw. eine davon). Diese sind ein Äquivalent zu den irdischen Mongolen, die ja von einem “Khan” regiert wurden. Die Ähnlichkeit der Titel wird wohl kaum ein Zufall sein. 😉

  2. Mir gefällt ja Ellaria sehr gut, taucht in der verlinkten Liste gar nicht auf …? Da sehe ich durchaus Potenzial 🙂

    Ansonsten hat die starke Figur der Arya meine anfängliche Einschätzung zu ihrem Namen schon sehr verändert (wobei ich bei der Serie auch erst in der Mitte bin, bitte nicht spoilern). Ohne viel zu verraten kann man wohl sagen, dass Theon ein schwieriges Namensvorbild ist, obwohl der Name gut klingt. Sein Problem im Alltag dürfte außerdem die Häufigkeit von Theo und Leon sein.

  3. …wobei Tyrion so neu nicht ist, hat doch vor viiiiiiiiiiielen Jahren schon Peter Maffay in seinem Musical den Vater von Drache Tabaluga so genannt!

    • Na, es fällt aber schon auf, daß die GoT-Namen im Durchschnitt viel näher an realen Namen sind als etwa die Tolkien-Namen. (Daß Pop-Kultur-Namen dann umgekehrt wiederum zu realen Namen werden können, ist ein anderes Phänomen.)

      Tyrion –> Tyron – ursprünglich irisch, heute in den USA ein typischer Schwarzen-Name
      Jon –> John
      Sandor –> der ungarische Alexander /SCHANdor/
      Meera –> Mira, wie der „wunderbare“ Stern im Walfisch. Auf arabisch die „kleine Prinzessin“
      Catelyn –> „By the side of my Kathleen, my young wife then place me“
      Eddard & Trystan –> Wohl klar, wa?

      Ob meine Kali-Hypothese zutrifft, weiß ich natürlich nicht, aber die neo-westliche Esoterik-Szene bedient sich eben oft beim Hinduismus oder bei angeblich Keltischem. (Friesische Gottheiten wären mir nicht bekannt, ansonsten wäre ihre Namen sicher ein dicker Renner.)

      Sibel –> Dilara –> Sarah –> Shea 😀

  4. Und noch eine Sache habe ich bei „Khaleesi“ peinlicherweise total vergessen: den arabischen Namen Chalid. In verschiedenen Aussprache und Umschrift-Varianten: Khalid, Khaled etc. Der bekanteste dürfte Chalid Ibn al-Walid sein, ein Gefährte des Propheten. Ein Militär, wie er im Buche steht. Der Prophet selbst soll ihm den Beinamen „Saif Allah“ („Schwert Gottes“) gegeben haben. Gestorben 624 u.Z. in Homs im schönen Syrien.

  5. Ich habe die Serie auch noch nicht geschaut. Sie ist ja Top-Thema. Ich muss sie mir auch ganz bald mal ansehen – sonst wird´s zu ´ner Bildungslücke. 😉

    Der Namensphantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich mag:

    allen voran Margaery – erinnert mich an Marguerite (franz.).

    Aeron – ganz klar Aaron! Asha – Ashley; Asha gefällt mir sogar etwas besser.
    Und noch Yara, Jon, Theon, Lyanna, Khaleesi, Sharin, Dany, Bran.

  6. GoT hat übrigens auch eine Lösung für das (hier schon diskutierte) Problem mit dem Namen Amon: Aemon – ein Extravokal, und die Assoziation “A. Göth” ist überlagert. Ich finde, es funktioniert 🙂

  7. Sorry, bin absolut kein ‘Game of Thrones’- Fan, habe ein paar Folgen gesehen, finde nicht nur die Namen sondern auch den (pseudo-geschitlichen ) Hintergrund nicht gut. Einzig die Drachenkönigin könnte mich an der Serie begeistern.

    • ‘(C)Khaleesi’ klingt für mich eher Hebräisch-biblisch nach dem Namen ”(K)Chaled’.

  8. Viele der GoT Namen sind nun mal nicht sehr alltagstauglich, alleine von der Schreibweise her. Eine “Khaleesi” sicherlich oft erklären müssen, wie man das nun schreibt und ausspricht. Ebenso auch Daenerys, Cersei… Hoffentlich werden nicht all zu viele Hardcore Fans ihre Kinder so nennen, egal wie toll man die Serie nun findet, die Kinder müssen mit den Namen leben… ob das so toll ist mit GoT verbunden zu werden… obwohl vielleicht ist die Serie ja auch in 15 Jahren so in Vergessenheit geraten, dass es keinem mehr auffällt?!
    Dagegen sind zb Robert, Arya, Lyanna ja nicht soo ungewöhnlich und wäre auch relativ ok, da denkt man nicht zwangsläufig an die Serie.

  9. Und auf die Gefahr hin, daß das jetzt banal ist: Das Phänomen, daß pop- oder hochkulturäre (wer will das genau trennen?) literarische Werke die Vornamensgebung beeinflussen, ist je keineswegs neu.

    Siegfried, Hagen, Volker, Gunther, Gernot, Brunhilde, Krimhild, Dietrich – völlig normale Vornamen, heute mehrenteils veraltet, aber vielleicht Retrokandidaten. Aber diese Namen *gäbe* es gar nicht ohne die Wiederentdeckung des Nibelungenliedes anfangs des 19. Jahrhunderts.

    Besonders abenteuerlich scheint mit die Karriere des Namens Thorin. Er taucht zuerst im sog. Zwergenkatalog des gewaltigen ersten Liedes der Lieder-Edda auf – in der Völuspa, der „Seherin Gesicht“. Also im isländischen Hochmittelalter. Tolkien mopst sich diese Zwergennamen Mitte der 1930er für seinen „Hobbit“ – zu einer Zeit als sein Mittelerde-Kosmos erst in Ansätzen stand, und mußte sich dann später eine Erklärung dafür einfallen lassen, daß „seine“ Zwerge komischerweise Namen aus der Edda haben. Dann ab ca. 2000 die angelsächsischen Verfilmungen des „Herrn der Ringe“ und dann des „Hobbits“. Und heute sieht man hier ab und zu Thorin in den BdW.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dvergatal

    Mark hatte hier mal erwähnt, daß im Alten Süden der USA schwarzen Sklaven eigentlich ehrenvolle Namen aus der Antike als Sklavennamen angehängt wurden: Hector, Titus etc. Sollte ich mir nochmal einen Sklaven leisten können, nenne ich ihn Tacitus. 😀

  10. Eine spannende Frage ist hier meiner Meinung nach auch: Was “macht” es mit einem sehr seltenen bzw. für ein literarisches/filmisches Werk erfundenen, also eondeutig zuzuordnenden Namen, wenn der ursprüngliche fiktive Träger mordet, sich in Perversionen ergeht oder aber das Opfer von Folter, Mord und Missbrauch wird – oder wenn er sogar beides ist, Täter und Opfer? Hat der Name dann nicht einen Beigeschmack? Und kann es nicht sogar passieren, dass man einen Namen und die dazugehörige Figur in Staffel 1 oder 2 super findet, sein Kind so nennt – und dann entwickelt sich die Serie so, dass bei dem Namen grausame Assoziationen aufkommen – was dann?

    • Hm, gute Frage.

      Aber man kann es einfach nicht verhindern, daß auch die schlimmsten Verbrecher und Verbrechen irgendwann Teil der Lokal-, Regional- oder Nationalfolklore werden. Man mag das bedauerlich finden, aber er läßt sich einfach nicht vermeiden. Beispiele:

      – Fritz Haarmann in Hannover. 😀 Muß immer lachen, wenn ich hier in den BdW einen kleinen Fritz sehe.
      – Jack the Ripper in London.
      – Al Capone in Chicago, nachdem immerhin eine in Deutschland vertriebene Zigarillomarke heißt.
      – Jesse James im Süden der USA, über den es ein Heldenlied gibt, das ausgerechnet von den linken Pete Seeger und Bruce Springsteen eingespielt wurde.
      – Im Herrschaftsbereich Hamburgs ein Herr namens Klaas Störtebecker. 🙂
      – Der ganze Seeräuber-Kultus, der auch von den deutschen Linksliberalen (so z.B. vom FC St. Pauli) gepflegt wird.
      – Jean Bart aus Dünkirchen war eigentlich ein Pirat – heute heißt grundsätzlich ein wichtiges Kriegsschiff der französischen Marine nach ihm. (Ich warte nochmal darauf, daß ausgerechnet die heutige Jean Bart gegen die Piraten am Horn von Afrika eingesetzt wird.)
      – Ansatzweise heute schon die Idealisierung der RAF.
      – Bogdan Chmelitzki in der Ukraine.
      – Erik der Rote. 😀

      Verbrechen verschwinden nicht, aber sie werden Folklore. Es ist so eine Art wohliges Gruseln auf dem Sofa. Und daher glaube ich auch nicht, daß der Vorname Adolf in Deutschland auf immer und ewig erledigt ist.

    • Fritz, Erik, Jesse, Jean, Klaas etc. sind aber alles “normale”, verbreitete Namen, zu denen es viele mögliche Assoziationen gibt, nicht nur die eine zu einem historischen Bösewicht. Sogar bei Adolf kann man noch sagen, der Name habe in der eigenen Familie nun mal Tradition (es gab ja mal eine Interviewreihe, bei der Männer namens Adolf befragt wurden und die alle (?) den Namen vom Vater/Opa geerbt hatten). Bei Theon, Arya oder Ellaria sieht das schon anders aus, auch wenn das Namensvorbild immerhin nur eine Erfindung ist.

    • Ja, klar, Jeans, Jacks und Fritze gibt es wie Sand am Meer! Aber es ging mir einfach um das psychologische Prinzip, daß der vergangene Schrecken irgendwann seinen Schrecken verliert und zur Folklore wird – das sich daher auch kein Name wirklich dauerhaft „vergiften“ läßt.

      Meine Adolf-Vermutung war aber vielleicht wirklich ein bißchen kühn.

      Zu Jesse James. Ich mag dieses Volkslied wirklich sehr.

      https://www.youtube.com/watch?v=hX0xOgygfS4

      „He stole from the rich
      And he gave to the poor.
      He’d a hand and a heart and a brain.

      […]

      He was born one day in the county Clay
      And he came from a solitary race.“

      Meine gelegentlich schon erwähnte Exfreundin aus Köln, die neoliberal und islamkritisch getickt hat, konnte sich immer drüber aufregen, wenn ich das gedudelt oder gesummt habe. Und ich sei ja sowieso ein arrogantes sozialistisches Macho-Arschloch. 😀 Und sie selbst hat sich dann beim Karneval als Robin Hood verkleidet. (Weil sich das Kreuritter-Kostüm als zu teuer erwiesen hatte.) Überzeugend, wa?

    • Hagen ist zB auch eher ein dunkler Charakter in der Nibelungensage, aber er hatte auch gute Seiten, er war intelligent und vorausschauend, nicht so naiv. Manche sagen Hagen sei der eigentliche Held.
      Wenn jemand Hagen heißt denke ich an diese guten Eigenschaften und vermute die Eltern haben daran gedacht bei der Namenswahl.
      Bei der oben genannten Serie ist es vermutlich anders, weil man bildlich die Schandtaten einer Figur sieht, es ist nicht nur so eine ferne Erzählung wie bei den Nibelungen. Wenn die Figur als “nur böse” gezeichnet wird kann es den Namen schon sehr belasten weil eben genau diese Figur gemeint sein muss, weil es den Namen nur dort gibt. Lieber nicht vergeben, denn wir wissen nicht wie die Serie weitergehen wird.

    • „Hagen ist zB auch eher ein dunkler Charakter in der Nibelungensage, aber er hatte auch gute Seiten, er war intelligent und vorausschauend, nicht so naiv. Manche sagen Hagen sei der eigentliche Held.“

      Absolut und hundertprozenzig richtig, mgl! :-))

      Zumindest im zweiten Teil des Nibelungen-Liedes ist Hagen der eigentliche Held. Siegfried ist im Lied ein tumber Schlagetot, die drei Gs (Gunther, Gernot, Giselher) sind ohnehin Langweiler. Aber Hagen, das ist sozusagen Deutschland: Listig, gerissen, weise, brutal, zäh und treu bis in den Tod. Der Tapferste der Tapferen! Einer, der nie aufgibt. Hagen sieht haargenau, daß die Einladung von Krimhild an Etzels Hof eine Todesfalle ist – er warnt, aber reitet natürlich trotzdem mit. Er hat noch im Angesicht des Todes die Kraft, eine Freundschaft für’s Leben zu schließen, nämlich mit dem ewigen Spielmann Volker von Alzey.

      Ausländische Literaten haben den Deutschen gelegentlich die Langweiligkeit Siegfrieds vorgeworfen. Aber das ist ein Mißverständnis: Der eigentliche Held ist Hagen. Hagen ist Bismarck plus Moltke plus Stauffenberg.

    • In vielen modernen Serien, so auch bei GoT, gibt es vielschichtige Charaktere, die sind also nicht – jedenfalls nicht alle – “nur böse”, sondern haben auch nette Seiten. Man ertappt sich zum Teil bei Mitgefühl für das (ehemalige?!) Ekel, und eigentlich als “gut” gezeichnete Figuren kippen und werden zum brutalen Racheengel. So oder so brennen sich die Bilder von Gewalttaten, bei denen hier oft nicht wie früher taktvoll weggeschwenkt und lediglich Blutspritzer an der Wand gezeigt werden …, schon sehr nachdrücklich ein.

      Es wäre sehr spannend, was die Eltern von “Game of Thrones”-Babys dazu sagen, aber die haben wir hier wohl nicht.

    • Annemarie,

      das ist eine extrem spannende Frage. Ich meine geradezu, daß es ein Kriterium für große Literatur ist, daß es eben nicht nur nette Züge bei den Bösen und fiese Züge bei den Guten gibt. Oder daß eine Figur „umkippt“. Das ist banal. Der Reiz liegt eben in der inneren Komplexität.

      – Die Krimhild im Nibelungenlied läßt ihre komplette Familie ausrotten, weil Hagen ihren Siegfried umgebracht hat. Nicht nett, wa? Aber dahinter steht eben ihre große Liebe zu Siegfried.

      – Hagen handelt einerseits aus Eifersucht und Neid, andererseits aber auch als rücksichtsloser „Realpolitiker“. Der dann aber auch mit seinem dummen König in den Tod reitet.

      – Bismarck okkupiert Hannover, schmiedet aber mit List und Gewalt Deutschland zusammen. Auf seine alten Tage will er dann auf streikende Arbeiter in Schlesien schießen lassen – und wird im wesentlichen deshalb von Kaiser Wilhelm aufs Altenteil geschoben.

      – Kaiser Wilhelm II. seinerseits hatte ohne Zweifel eine Macke – war aber ungeheuer populär und ein großer Kommunikator.

      – War Hamlet gut oder böse?

      – War Don Quixote ein Irrer oder ein Held? War Sancho Pansa ein Prollo oder ein schlauer Kopf?

      Der Reiz liegt eben immer in der Zerrissenheit. Na, vielleicht ist das meinerseits auch etwas zu kompliziert und neurotisch gedacht… Denn:

      „und eigentlich als “gut” gezeichnete Figuren kippen und werden zum brutalen Racheengel.“

      Genau das trifft ja auf Krimhild zu: Am Anfang eine züchtige, blonde und gleichsam durchscheinend zu denkende Prinzessin – am Ende eine Rächerin, die ihre komplette Sippschaft ausrotten läßt.

    • “mgl
      18. April 2019 um 13:04

      Hagen ist zB auch eher ein dunkler Charakter in der Nibelungensage, aber er hatte auch gute Seiten, er war intelligent und vorausschauend, nicht so naiv. Manche sagen Hagen sei der eigentliche Held.”

      Um nicht zu sagen, Hagen ist der einzige mit Grips und ehrlichem Charakter. Wie man gerade Gunther und Siegfried zu Helden erklären kann, hat sich mir nie erschlossen. Beide sind unehrliche Betrüger – mindestens.

      (Und der Name Hagen macht sowieso mehr her als Gunther und Siegfried.)

    • „Um nicht zu sagen, Hagen ist der einzige mit Grips und ehrlichem Charakter.“

      Also: Grips – ja. Aber „ehrlicher Charakter“? Pfff… So ganz ehrlich war der Meuchelmord an Siegfried nun nicht, wa? Nachdem sich Hagen bei Krimhild mit List und Tücke das Wissen um die verwundbare Stelle Siegfrieds erschlichen hatte, vorgeblich, um Siegfried beschützen zu können.

      Und dann an Etzels Hof. Hagen weiß, daß es auf den Untergang hinauslaufen wird. Und er beginnt dann einfach mal den Tanz, indem er beim Gastmahl dem kleinen Sohn Krimhilds und Etzels (namens Ortlieb) ohne jede Warnung und vor aller Augen – den Kopf abschlägt. Glatter Kindermord. Das würde heute sogar in der BRD noch für lebenslänglich plus Sicherheitsverwahrung reichen. (Es sei denn, der Täter wäre ein M-kurdischer Intensivtäter und der_die Richter_in ein_e Grüne_r – dann wäre es mit drei Wochen Sozialarbeit im Tierheim getan.) Und in diversen anderen Gegenwarts-Staaten würde dafür die Rübe rollen. Wie dann ja auch gegen Ende des Liedes die von Hagen, der von Krimhild höchstselbst geköpft wird.

      „Wie man gerade Gunther und Siegfried zu Helden erklären kann, hat sich mir nie erschlossen. Beide sind unehrliche Betrüger – mindestens.“

      Auch diese Bemerkung will sich mir meinerseits nicht erschließen. Siegfried ist im Lied ein tumber, gutaussehender Rambo-Typ ohne jeden Tiefgang, Gunther ein Zauderer, Langweiler und Hahnrei. Aber „unehrliche Betrüger“? Ganz sicher nicht.

      Eine Bekannte von mir hat vor ca. 15 Jahren ihren Sohn Hagen [Zweitname] benannt. Hat mich sehr gefreut.

      Ja, Hagen ist der eigentliche Held des Nibelungenliedes.

  11. Eine weitere künstlerische Privatmythologie mit onomastischer Relevanz wurde hier noch nicht erwähnt: Der „Wagner-Kosmos“. Sei es der – eher vage – an das Nibelungen-Lied angelehnte „Ring“, seien es „Tristan und Isolde“, sei es der „Lohengrin“.

    Ich muß immer grinsen, wenn hier mal wieder in den BdW ein kleiner Tristan auftaucht. Undenkbar ohne Wagners „Vorarbeiten“. Leute aus meiner Alterskohorte werden sich an die amüsante und liebenswerte FS-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ („All Creatures Great and Small“) erinnern, entstanden nach den halbautobiographischen Romanen des englischen Tierarztes James Alfred Wight alias James Herriot. Da heißt der etwas muffelige und gestrenge Tierarzt Siegfried Farnon und sein hallodrihafter und charmanter Bruder Tristan Farnon – weil der Vater Wagner-Fan war. Und das spielt nicht in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, sondern in Yorkshire in Nordostengland. Wohlgemerkt: Es werden Serienfiguren nach Kunstfiguren benannt, nicht Kinder nach Serienfiguren.

    Meine liebste Wagner-Oper ist der „Lohengrin“. Ich könnte mir durchaus vorstellen, daß diese Oper (und sei es um drei Ecken herum) zur Popularität des Mädchennamens Elsa beigetragen hat. Die Urgroßmutter des kleinen Welf August von Hannover (*2019) hieß Ortrud – auch ein Lohengrin-Name, nämlich die Frau von Friedrich Telramund.

    Daß Alberich im „Ring“ einen Zwerg bezeichnet, hat sich vermutlich durch die volkspädagogischen Bemühungen der Münster-Tatorte bis in die niederen Stände herumgesprochen.

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