Namensgebung

Klingt gut: Leonore Lilian Maria

Die Tochter der schwedischen Prinzessin Madeleine heißt Leonore Lilian Maria. Die Eltern des königlichen Babys haben sich für den Namen Leonore entschieden, weil er ihnen gefällt und sich in an den Lebensmittelpunkten der Familie – New York und Stockholm – gut aussprechen lässt, so die überraschende Erklärung der Namensfindung. In adligen Familien steht sonst die Nachbennung nach anderen Familienmitgliedern im Vordergrund.

Dass der Vorname gut klingt ist das wichtigste Kriterium der deutschen Eltern bei der Namensfindung, so das vorhersehbare Ergebnis einer Umfrage durch das Institut für Demoskopie Allensbach. Diese Umfrage wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache beauftragt und vom Bundesministerium für Kultur und Medien finanziell unterstützt. Ausgewertet wurden die Antworten von 244 Eltern, deren ältestes Kind noch keine 18 Jahre alt ist.

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Vorsicht, Ypsilonitis!

Keine Bange: Ich hole nicht etwa die SPD-Politikerin Ypsilanti aus der Versenkung. Ypsilonitis, das ist eine schon seit einigen Jahren kursierende abwertende Bezeichnung für den Hang mancher Eltern zu Namen mit Y. Wobei der wünschelrutenförmige Trendbuchstabe auch gern dort zum Einsatz kommt, wo eine andere Schreibweise weit geläufiger ist (Yana, Daymien).

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Kirby und die Mexikaner oder: Was dürfen Eltern?

Schon länger liegt hier ein Zeitungsausriss aus dem Lokalblättchen. Eine sympathische junge Frau mit großen Creolen in den Ohren und dickem Blumenstrauß im Arm ist darauf zu sehen: eine für ihre Leistungen ausgezeichnete Auszubildende. Und natürlich ist es ihr Vorname, der mir aufgefallen ist. Kirby. Dazu wird noch ihr Zweitname genannt, sehr geläufig und in ihrem von mir angenommenen Geburtsjahr in den Top 40.

Kirby, sprich Körby – bei wem klingelt es da? Ich bekenne es gern: Ich war in den 80ern dem „Denver-Clan“ verfallen. Kirby, das war die süße Tochter des getreuen Carrington-Butlers. Eine junge Frau mit großen Augen und tollen langen Haaren, von den Drehbuchautoren ziemlich gebeutelt. Es kann kaum anders sein: Auf die Eltern der ausgezeichneten Azubine muss die Figur noch weit mehr Eindruck gemacht haben. Oder vielleicht war es nur der exotische Klang ihres Namens? Die Butlerstochter flimmerte bei uns ab 1984 über die Bildschirme – passt. Und sie blieb eine Randfigur, die wohl nur Fans bekannt war. Hätte der gewählte Name Alexis gelautet, das von Joan Collins verkörperte „Biest“ der Serie, die Assoziation wäre weit mächtiger.

„Mexikaner dürfen nicht Rambo heißen“ – so titelt heute die Tagespresse. Eine in meinen Augen kuriose Meldung. Demnach seien im mexikanischen Staat Sonora künftig 61 Namen, die sich bereits in den Melderegistern befinden, zum Wohl der Kinder strikt verboten, so die dortige Behördenleiterin (Vorname: Christina). Auf der „Giftliste“ stehen außer Rambo etwa Madonna, Michael Jackson, Shakira, Neil Armstrong und Pythagoras (!). Da frage ich mich ja: Was geschieht dort mit den Kindern, die bereits so heißen? Muss Klein-Pythagoras, dessen Eltern echte Mathefreaks sein müssen, sich umbenennen lassen?

Und dann: Wer entscheidet, welche Namen gar nicht gehen? Ist Shakira – deren Namen es schon lange vor ihr gab – wieder zulässig, wenn es um die Sängerin ruhiger wird? Haben Nebenfiguren (wie Kirby) bessere Chancen als Titelhelden? Vielleicht naiv, aber: Ich gehe erst mal davon aus, dass Eltern ihrem Kind mit der Namenswahl keinen Schaden zufügen möchten. (Ausnahmen bestätigen die Regel: Auf der „Giftliste“ findet sich auch „Facebook“). Sie suchen einen Klang oder eine Assoziation, die sie so schön finden, dass sie es dem Liebsten, was sie haben, mitgeben möchten. Früher waren es vielleicht Namen von Schriftstellern, Komponisten, Romanfiguren und heute eben Serienfiguren und Sänger. Meine Freundin Gwen hat sich bei der Benennung ihrer Tochter von den „Gilmore Girls“ inspirieren lassen. Ich weiß auch von einem Jarod, dessen Name aus der Serie „Pretender“ stammt. Ja und? Übrigens kannte ich beide Serien nicht mal. Ist ja heute auch kaum mehr möglich, anders als zu Zeiten von „Dallas“ und „Denver“.

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Amon und Ariel – Assoziations-Alarm?

Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
Es steht auf Platz 14 der Spiegel-Bestsellerliste: ein Buch, dessen Obertitel nur aus vier Buchstaben besteht, einem hebräischen Vornamen. Amon. Viel mehr braucht es nicht, um zu wissen, um was und wen es geht. Verfasserin Jennifer Teege ist die Enkelin des brutalen KZ-Kommandanten Amon Göth, den man auch aus „Schindlers Liste“ kennt, und schreibt über ihre Familiengeschichte: „Mein Großvater hätte mich erschossen“ – Teeges Vater ist Nigerianer. Auch Göths Vater und Großvater hießen schon Amon, der Name taucht nicht nur in der Bibel auf, sondern bezeichnet auch den Sonnengott im alten Ägypten. Und er ist einer jener Namen, die mir gefallen, wo ich mich aber frage: Kann man den noch (oder wieder?) vergeben?

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Henry oder Henri: Kleiner Prinz auf der Überholspur

Zwar heißen kleine Prinzen seit Neuestem eher George. Trotzdem: Henry und dem etwas selteneren Henri, beide für mich männlich und niedlich zugleich, haftet etwas Royales an. Vielleicht sorgt auch der Rummel um den britischen Prinzen Harry – eigentlich Henry –, der 1984 geboren wurde, mit dafür, dass der Name so gut ankommt? Jedenfalls steht Henry an der Spitze jener Namen, die 2013 am meisten an Beliebtheit zugelegt haben. Bundesweit erklomm Henry/Henri Platz 17, in Hamburg und Niedersachsen sogar Platz 5. Ich habe mit zwei Henry-Müttern und einem Henri-Papa gesprochen.

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Familie König ist fein raus

Finn Herzog. Emma König. Diese Namen las ich vor einiger Zeit im Impressum eines Magazins und stutzte prompt, wie wohl jeder Stammleser dieser Website stutzen würde: So jung und schon professioneller Schreiberling?! Finn ist erst seit den späten 90ern so richtig angesagt. Ganz ähnlich Emma: Zwischen 1970 und 1995 wurde dieser Name kaum vergeben. Natürlich hätte es sich bei Emma um ein (ganz) altes Semester handeln können oder um ein Kind von Eltern, die ihrer Zeit voraus (oder hinterher) waren. Allerdings fand meine innere Miss Marple das Zusammentreffen von Emma und Finn im Verein mit den so ähnlich gestrickten Nachnamen verdächtig.

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Aussprache schlägt Schreibweise?

Von Leuten, die ihren Kindern bewusst einen Namen in „kreativer“ Schreibweise verpassen (etwa: Leny), will ich hier gar nicht groß reden. Vielleicht ist es diesen Zeitgenossen wirklich egal, wenn der Name ihres Lieblings alle naselang falsch geschrieben wird, sie eigentlich ständig buchstabieren müssten. Vielleicht haben sie auch überschätzt, was andere sich einzuprägen bereit und fähig sind („Tante Hilde müsste doch langsam wissen, wie wir Madliene schreiben“).

Stattdessen geht es mir heute um Filipa, Jannick, Collin und Til. Von der Mutter einer kleinen Filipa weiß ich, dass diese in Portugal beliebte Form von Philippa eigentlich gewählt wurde, um den Namen möglichst einfach zu halten – „keine überflüssigen Buchstaben“. Dass fast jeder unwillkürlich Philippa (derzeit auf Platz 478) verstehen und schreiben würde, war nicht vorgesehen.

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Gib mir Tiernamen!

Lese ich auf einem Türschild etwas wie „Hier leben Annette, Sven und Tobias“, klingt das für mich erstmal nach einer Dreier-WG. Obwohl es natürlich genauso sein kann, dass Mama Annette und Papa Sven bei Namen, die schon in ihrer Generation angesagt waren, keine Berührungsängste haben. Doch da kann man sagen was man will: Ein eindeutig heutiger Kindername, zum Beispiel Finn, ermöglicht eine schnellere Orientierung.

Höre ich dagegen etwa in einer Grünanlage jemanden „Emma!“ oder „Pa-aul!“ rufen, ist es wieder nicht ganz so eindeutig: Vielleicht hört ein junger Mensch in Gummistiefeln und mit Buddelschäufelchen auf den Ruf, vielleicht aber auch ein Vierbeiner mit Stöckchen im Maul. Ich denke sogar, dass es so angefangen haben könnte mit der Rückkehr der alten Namen: Zuerst hießen Hunde Lilly und Kater Karl-Otto („Witzig – genau wie Oma/Opa!“), dann die Kinder. Tiernamen als Vorreiter – weil es weniger Mut braucht, seinem Tier einen „verrückten“ Namen zu geben?

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