Der Friedhof, Namen und ich III

Der Friedhof, Namen und ich

In den Osterferien hatte ich endlich Zeit, den Friedhof meiner Stadt zu besuchen, juhu! Ich weiß, andere erkunden nach einem Umzug die Innenstadt, die Sehenswürdigkeiten oder das Nachtleben. Ich wollte mir aber unbedingt den Friedhof ansehen, seit ich das erste Mal daran vorbeigefahren bin. Stammleserinnen und Stammleser dieser Reihe wissen, ich liebe Friedhöfe. Die Ruhe, die verschlungenen Wege und die alten Gräber, neben Babygalerien und Klassenlisten die Quelle, um an Vornamen heranzukommen. Durch den Umzug und die Arbeit musste mein Friedhofsbesuch aber immer wieder verschoben werden, bis zum Beginn der Ferien. Mit meinem treuen Block und einem Stift bewaffnet machte ich mich also auf den Weg. Wie anders dieser Friedhof aussah. Die Anordnung der Gräber, der Stil der Grabsteine, die Vogelarten und sogar die Abfallbehälter waren anders (ich hatte ganz naiv angenommen, dass es genormte Mülleimer für Friedhöfe gibt, es gibt doch für alles eine DIN-Norm). Anstelle von puscheligen Eichhörnchen, die sich um die Bäume jagten, begegnete mir eine kleine Maus, nur die Blicke der anderen Besucher blieben gleich verwirrt-fragend, aber wieder hat sich niemand getraut, nachzuhaken, was ich denn da so mach. Na ja, ich hatte meinen Spaß und die alten, pompösen Gräber hatten so viele Namen zu bieten!

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Brauchen Jungen einen Vornamen?

Brauchen Jungen einen Vornamen?

Die ernstgemeinte Antwort vorweg: Natürlich brauchen Jungen einen Vornamen. Jeder Mensch braucht einen Namen, ob männlich, weiblich oder divers. Namen sind ein Teil von uns, machen uns zu denen, die wir sind. Unseren Vornamen behalten wir im besten Fall unser Leben lang. Daher wählen werdende Eltern den Namen ihres Babys sorgfältig aus, wälzen Vornamensbücher, Babynamenseiten, erstellen Namenslisten etc. Wenn ich allerdings die Gespräche meiner Schülerinnen und Schüler mitbekomme, könnte man sich die Mühe eigentlich sparen. Hier ein paar Beispiele (die Namen habe ich selbstverständlich geändert). Während meiner Pausenaufsicht liefen zwei Oberstufenschüler an mir vorbei, die sich aufgeregt über die Klassenfahrt unterhielten:

„Jo, Digga, schon gehört?“
„Ja, voll schlimm, Digga, dass Lino nicht mit kann.“
„Echt, Digga. Zum Glück ist es nicht uns passiert.“
„Ja, Digga. Ich freu mich voll.“
„Digga, das wird so krass.“

Abgesehen von dem armen Lino, der wohl krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, habe ich keine Ahnung wie die beiden Jungen heißen, wobei Jo-Digga ja eine hippe Variante von Johann-Dieter sein könnte 😉. Neben „Digga“ gibt es selbstverständlich auch die Bezeichnungen „Alter“ und „Mann“. Solche Gespräche kommen ganz ohne Namen aus. Natürlich reden nicht alle so. Dann gibt es noch die beinah klassische Variante, die seit Jahrzehnten in Klassenzimmern Gang und Gebe ist: die Anrede mit dem Nachnamen. Philipp Berger wird Berger gerufen, aus Christian Hohenstein wird Steini und Valentin Schönau ist eben der Schönau. So werden sie nicht nur von Freunden gerufen, sondern meistens von der ganzen Klasse. Das geht dann so weit, dass man manchmal vergisst, dass Brunni eigentlich Hanno Brunnbach heißt.

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Namen in Fantasybüchern – es ist kompliziert

Namen in Fantasy-Büchern

Ich liebe Fantasybücher (und -filme und -serien, aber um die geht es vielleicht ein anderes Mal). Magie, fremde Götter und Welten, die einem dem Atem rauben, all das finde ich faszinierend, auch die Namensvergabe. Ja, die finden mein namensverliebtes Gehirn und ich eigentlich immer und überall spannend, aber in Fantasybüchern sind sie doch etwas Besonderes. Denn dort dürfen die Namen ja ausgefallener sein, ohne dass eine komplizierte Erklärung erfolgen muss. Ich bin immer gespannt, ob sich die Autorinnen und Autoren an ihr eigenes Namenskonzept halten und welchen Regeln dieses unterliegt (nordisch, römisch, immer mit „ia“ etc.). Namen in Fantasybüchern sind ein weites, sehr faszinierendes Feld, das ich mir heute näher anschauen möchte.

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Meine Wohnung, Namen und ich

Eigentlich sollt an dieser Stelle ein Artikel über mein Leben in der Namensblase stehen, so hatte ich es ja in meinem letzten Artikel angekündigt (Memo an mich selbst, keine Artikel mehr ankündigen). Ich verspreche, dass er noch erscheinen wird, ich habe auch schon angefangen zu schreiben, aber irgendwie konnte ich mich nicht darauf konzentrieren, da ich viel lieber über meine Wohnung erzählen wollte. Keine Sorge, dies ist immer noch ein Namensblog und ich werde nun nicht zehn Tipps geben, wie ihr eure Wohnung optimal einrichten könnt. Halt, einen hätte ich doch, weil die Lesefüchsin in mir sonst einen Schreikrampf bekommt, ein Bücherregal ist für Bücher da und nicht, um die Hälfte der Regale mit Deko zu füllen (man sollte meinen, dass man das nicht extra erwähnen muss).

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Die Uni, Namen und ich

Dies ist mein zwanzigster Artikel, mein Porzellanblogeintrag sozusagen, perfekt um das Jahr zu beenden. Apropos beenden, ich habe meinen Uniabschluss. Juhu! Nach sieben Jahren bin ich endlich fertig. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr mich das freut. Bevor ich mein Staatsexamen ablegen konnte, musste ich aber noch einige Prüfungen machen. Da mein namensverliebtes Gehirn ja nie Pause macht, bin ich an ein paar Namen hängen geblieben. Ich beginne am Anfang des Jahres, da habe ich meine Mediävistik- Prüfung abgelegt. Dafür musste ich sieben Werke des Mittelalters lesen, wozu mir dann Fragen gestellt wurden. Eines der Werke war Kudrun. Die Geschichte um drei Generationen einer Herrscherfamilie wird häufig als Gegenentwurf zum Nibelungenlied gesehen, Kudrun ist dabei die freundliche Variante von Kriemhild. Kudrun – anfangs war es sehr ungewohnt den Namen zu lesen, einfach weil Gudrun viel geläufiger ist, aber ich bin so sehr in der Vornamensblase drin (Spoileralarm, darum geht es im nächsten Artikel), dass ich mir dachte, ja, warum nicht. Wenn man seine Kinder Tyll, Emylia und Mya nennen kann, warum nicht auch Kudrun? Vielleicht entwickelt sich das ja zu einem neuen Trend? Vergisst das Y, jetzt kommt das K: Kwen und Kray, auf die Namen müsst ihr dieses Jahr achten 😉. Aber Scherz beiseite, der Name ist auch vokaltechnisch gesehen sehr interessant, es taucht nämlich nur das U auf. Abgesehen von Lulu kenne ich keinen anderen Mädchenamen, der nur diesen Vokal besitz. Der Name stammt übrigens vom althochdeutsch gudr „Kampf“ und runa „Geheimnis“. Gerade Runa lese ich immer öfter.

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