Mein seltener Name und ich: Yola

Man musste kein Hellseher sein, um etwa 2007 zu erahnen, dass der Name Kevin möglicherweise eine nicht ganz so glückliche Wahl sein könnte – oder 2017, dass es sich bei einer Mia Rose keinesfalls um ein Unikat handeln kann. Dass der Name ihrer Tochter einmal haarscharf an einem Schlagwort der Jugendkultur vorbeischrammen würde, konnten die Eltern meiner Interviewpartnerin im Jahr 2000 aber wirklich nicht ahnen: Yola. Eine der kleinen Überraschungen, die im Zusammenhang mit Namen immer wieder auftreten. Wikipedia zufolge lässt sich YOLO („you only live once“) zuerst 2004 nachweisen; seit etwa sechs Jahren gehört das Akronym nahezu weltweit fest zur Jugendsprache. Yola muss sich schon einige Zeit Anspielungen darauf anhören, findet das aber nicht weiter schlimm: „Ist doch eigentlich ein schönes Lebensmotto.“

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Ritterschlag für Trenk und Tiuri

Der kleine Ritter Trenk hat Schuld. Ohne ihn hätte es eine meiner ausgedehntesten Recherchen für dieses Blog, die mich mit drei Größen der Vornamenswelt und einer Autorin zusammenbrachte, nie gegeben. Wer, was, Trenk?! So heißt eine Kinderbuchfigur der Hamburger Autorin Kirsten Boie aus dem Jahr 2006. Die Abenteuer des Trenk Tausendschlag, der vom Bauernjungen zum Ritter wird, liefen ab 2011 auf KIKA und schafften es vor zwei Jahren auch in die Kinos.

Trenk, ist das eigentlich ein richtiger Name? Halb rechnete ich damit, dass es sich um eine friesische oder niederländische Kurzform handeln könnte wie Henk (von Heinrich) oder Hark. Dem scheint aber nicht so zu sein. Stattdessen stieß ich auf eine FAZ-Meldung, wie der erste „Trenk“-Band von 2006, die diesen Namen lapidar als „nicht zugelassen“ auflistete. Da war also jemand ganz schnell – und erfolglos.

Ritterschlag

Eine Mail an Kirsten Boie war rasch verfasst. Bloß leider weiß die Autorin selbst nicht mehr so recht, wie und warum ihr kleiner Held zu seinem Namen kam. Dessen Seltenheit sei aber keineswegs ein Zufall. Ob sich das Blatt für Trenk seit 2006 wohl gewendet hat? Um das herauszubekommen, holte ich zum großen Rundumschlag unter Namensexperten aus. Zunächst trug ich jedoch weitere Namen von Ritterjungen und -mädchen aus Kindermedien zusammen – die Sache sollte sich schließlich lohnen. Hier meine Listen:

Artus – Tafelrunde und so, Kindern vielleicht eher bekannt aus „Shrek der Dritte“
Balduin – muss auf die Liste, weil das bekannte Schlossgespenst Hui Buh einst so hieß
Edwinem* – aus „Der Brief für den König“ von Tonke Dragt
Kuno – „Kuno Kettenstrumpf“ ist ein Kinderbuch von Oliver Pötzsch
Lanzelino* – gibt’s in „Die Ritter von Rasselstein“ von Thomas Brezina
Merlin – darf hier nicht fehlen, die Älteren kennen vielleicht Disneys „Die Hexe und der Zauberer“
Mike – ja, tatsächlich. „Mike der Ritter“, im Original „Mike the Knight“, ist eine kanadisch-britische Trickfilmserie
Robin – ist nicht nur in Sherwood unterwegs, sondern auch in Büchlein wie „Ritter Robin“ oder „Robin und die wilden Ritter“
Tiuri* – wieder aus „Der Brief für den König“
Trenk* – von Frau Boie
Vincelot* – aus den Bilderbüchern von Ellen Alpsten

Floretta* – nach „Floretta Ritterkind“ von Matthias Morgenroth
Gwendolina – Schwester von Lanzelino, s.o.
Igraine – nach „Igraine Ohnefurcht“ von Cornelia Funke
Lanzelotta* – „Lanzelotta Rittertochter“ ist eine Buchserie von Ursel Scheffler
Lavinia – „Der Brief für den König“
Thekla – Rittertochter und Freundin von Trenk

Besonders interessierte mich die Einschätzung der Experten zu den Namen mit *, klar. Zunächst schaute Knud für mich in seine Datenbank ab 2005 und fand als Spitzenreiter 2.788 Erstnamen-Robins (überwiegend männlich) und unter anderem 40 Kunos, neun Artusse und eine Igraine (Zweitname Nimue). Was die fantasievollen Exoten unter den Ritterkindernamen betrifft, sind sich Knud, Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache und Gabriele Rodríguez vom Namenkundlichen Zentrum der Uni Leipzig auf meine Anfrage hin grundsätzlich einig: Es kommt ganz darauf an. Nämlich darauf, wie liberal das jeweilige Standesamt ist. Ein gewöhnlicherer Zweitname könne hier unter Umständen für Milde sorgen. Auch eine familiäre Herleitung (Rüdebusch: „Wenn der Großvater Lancelot hieß und die Enkelin nach ihm benannt werden soll“) macht sich sicher gut.

Frauke Rüdebusch äußert sich insgesamt eher zurückhaltend: Viele der von mir benannten *-Namen seien „Erweiterungen und durch das dadurch entstehende Bedeutungsspektrum sehr ungewöhnlich. Auf jeden Fall würden wir jeden dieser Namen einer gründlichen Prüfung unterziehen, bevor wir ihn bestätigen.“ Am wenigsten Bedenken hat sie bei Tiuri, auch wegen der Nähe zu Tjure. Tatsächlich sei Tiuri in den vergangenen Jahren mehrfach standesamtlich beurkundet worden. Auch einen Edwinem konnte die Expertin ausfindig machen – und zwei Trenks!

Gabriele Rodríguez hat bereits einmal ein Gutachten für Tiuri erstellt, das diesen auf eine germanische Gottesbezeichnung, „übrigens etymologisch verwandt mit Zeus“, zurückführt. Der Name läge aber den meisten Standesämtern noch nicht vor. Anders übrigens als Floretta – hier dürfte es also keine Probleme geben, zumal Floreta auch albanisch sein könne. Doch auch für meine restlichen Kandidaten sieht Rodríguez gute Chancen: „Neubildungen sind in der Regel erlaubt“. Nur geht es vermutlich oft nicht ohne ein positives Gutachten. Die Mail der Expertin stimmt mich da aber zuversichtlich. Hier noch ein Auszug:

„Der Name Lanzelino ist als ein männlicher Vorname erkennbar. In Deutschland wurde er noch nicht eingetragen. Er hat Vornamencharakter, wäre also möglich. Den Standesämtern liegen die ähnlichen männlichen Vornamen Lanz, Lanze, Lanzo, Lanzelot, Lanzarote, Lans, Landelino, Lino, Lance, Lancelin, Lancellotto, Lancellottus, Lancelot, Lancelote, Lanceloto, Lancillotto und Lanciotto vor. Man kann somit Lanze und Lino zu Lanze Lino, Lanze-Lino und Lanzelino verbinden.“

Herzlichen Dank noch mal an Frauke Rüdebusch und Gabriele Rodríguez!

Wie man Promikids erkennt

Nicht Silas, nicht Jack und auch nicht Anna – nein, Sienna-Amelie heißt der Nachwuchs von Patrick Bach. Über den Achtziger-Jahre-Kinderstar und seine bezopfte Tochter (12) bin ich in der neuen RTL-Show „Comeback oder weg?“ (sonntags, 19.05 Uhr) gestolpert.

Wie Bach, Verona Pooth oder Hugo Egon Balder ihre Teenager mit Relikten aus den „crazy 70er, den fetzigen 80er und den schrillen 90er Jahren“ konfrontierten, vom quietschegrünen Eis am Stiel über den Starschnitt bis zum Gleitschuh – hm, ich fand’s ein bisschen langatmig. Zwischendurch gab es possierliche Einspieler namenloser Grundschüler (nicht so gut wie in „Dingsda“) sowie Guildo Horn und „die Lochis“ auf einem Fake-Dachboden. Aber egal, ich hab mir das Ganze sowieso nur wegen der Promikindernamen angesehen.

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Luc, Leeloo und Laureline

Ich bin keine große Kennerin der Filme von Luc Besson, aber als ich neulich in „Valérian“ war, drängte sich mir die Frage auf, ob der französische Regisseur nicht doch einigen Einfluss auf Namenstrends gehabt hat und speziell 2017 wieder haben dürfte. Der Name des schnieken Titelhelden wird in dem Science-Fiction-Streifen jedenfalls so oft genannt und gerufen, dass man ihn kaum mehr aus dem Kopf bekommt. Zur aktuellen Namensmode – weich, viele und hell klingende Vokale – passt Valérian perfekt. Deutsche Eltern dürfen meinetwegen sehr gern den accent aigu weglassen. 2016 wurde der Name ohne Filmvorbild einige Male vergeben, wenn auch bei weitem nicht so oft wie der klanglich verwandte Valentin (Platz 59), dessen Italo-Variante Valentino (287) oder die weiblichen Formen Valeria (224) und Valerie (242). Ich bin gespannt, ob Valerian jetzt einen Raketenstart hinlegt.

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Ist das überhaupt ein Name?!

Man muss nicht besonders tief graben, um auf einen Namen zu stoßen, über den manche Leute sich so richtig, richtig echauffieren können: Auf Platz 109 der beliebtesten Jungennamen wird man fündig – bei Fritz. Über Fritzchen-Hasser habe ich hier früher schon mal geschrieben.

Doch es geht noch ärger, nämlich wenn ein zwar weder ausgedachter noch kevinistischer, dafür aber sehr alter und seltener Name ins Rennen geworfen wird. Ein Name wie Habakuk oder Prosper. In beiden Fällen konnte ich beobachten, wie in Namens-Foren die Wellen hoch schlugen, weitaus höher vermutlich, als die nach Meinungen fragenden Eltern gedacht hatten: „Furchtbar, einfach furchtbar … damit tust du deinem Kind nix Gutes … Kinder mit solchen Namen haben ab dem Kindergarten nur Probleme, von Bewerbungen will ich gar nicht erst reden … ich glaub, das Kind würde später gehänselt werden, auch wenn es nur der Zweitname ist.“ Gerade bei Prosper lief die Assoziationsmaschinerie förmlich über, vom Medikament (Prospan) über „Kloreiniger“/Meister Propper bis zum Vulkanischen Gruß (Star Trek, „Live long and prosper“) war alles dabei. Dazu wurde der Schwangeren, die nach Kombinationsideen gefragt hatte, der konstruktive Vorschlag „Adolf Prosper“ gemacht. Eine andere Schreiberin schlug immerhin wohlmeinend vor, an erster Stelle „was Süßes wie Elias, David oder Matteo“ zu nehmen (zwischen den Zeilen: als Ausgleich für die Katastrophe von einem Zweitnamen).

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Jescika – mal was anderes

Wirklich, ich kann es verstehen, wenn man sich einen seltenen Namen für sein Kind wünscht. Allerdings sollte das, je „besonderer“ der Wunschname ist, gut überlegt sein. Da ist zum Beispiel das beliebte Konzept „Man nehme einen gängigen Namen und motze die Schreibweise tüchtig auf“. Was ist damit gewonnen? Ich finde jedenfalls, dass etwa die Eltern des kleinen Luckas (wie Luckas der Lockomotivführer oder wie?!) arg übers Ziel hinausgeschossen sind. Als in einer Online-Diskussion der Name Sophiya ehrlichen Beifall fand („So wird nicht jeder geschrieben, das finde ich gut“), konnte ich auch nur noch Bauklötze staunen.

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Ein neuer Name ist wie ein neues Leben

Namen sind wie Kleidungsstücke mit Elasthan: ziemlich elastisch. Man wächst rein, liebt sie vielleicht nicht, aber nimmt sie an. One size fits all?! Dass so selten was kneift oder schlackert, liegt natürlich auch daran, dass die Mehrzahl der Eltern nicht allzu risikofreudig ist: Noch heute bekommt jedes zweite in Deutschland geborene Kind einen Namen aus den Top-60. Erweitert man auf die Top-500, sind über 80 Prozent aller Kinder abgedeckt. Trotzdem gibt es Fälle, wo es gehörig in den Nähten kracht. Bei meiner heutigen Interviewpartnerin war das so. In ihrem Geburtsjahr 1975 endete der Vietnamkrieg, Freddy Mercury schrieb „Bohemian Rhapsody“ und das erste Yps-Heft lag an den Kiosken. Ihre Eltern suchten für sie damals einen ganz besonderen Namen aus: Zuleyka. Wenn das kein Hingucker ist!

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Stinktier, Paukerschreck und Nazi-Frosch

„Wenn mein Mann nicht sein Veto eingelegt hätte, hieße unser Sohn heute Pepe“, erzählt mir eine Bekannte (die dann einen Moritz bekam). Immer mal wieder ist diese spanische Koseform von José bzw. Josef, die sich in den letzten Jahren auf Platz 92 der deutschen Charts vorgearbeitet hat, auch in unseren „Babynamen der Woche“ zu Gast. Auffällig häufig war Pepe zuletzt in Brandenburg: Platz 15!

Was mag dahinterstecken? Wenn ich nach „Pepe“ und „DDR“ googele, erscheint ein Fußballer, Markus „Pepe“ Petsch, sowie ein Textauszug aus einem Ost-Lesebuch von 1988. Demnach lebt „der kleine Pepe“ in einem warmen und sonnigen Land, in dem Apfelsinen wachsen. Er hat oft Hunger und lernt nicht lesen und schreiben. Hm.

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