Auf der Suche nach Trends – und dem neuen Kevin

Wie stellt man sich einen Vornamensexperten vor? Mit einem Stall voller Kinder mit seltsamen Namen doch sicher? Knud Bielefeld (48) aus Ahrensburg bei Hamburg ist Vornamenexperte, das wird heute am 30. Dezember durch diverse Nennungen in den Medien wieder besonders deutlich. Sein neunjähriger Sohn hört allerdings auf den unaufgeregten Namen Erik.

Bielefelds Zugang zum Thema ist eher sachlich-mathematisch als versponnen: Der Mathe-LK-Absolvent („recht erfolgreich“) und studierte Wirtschaftsinformatiker, der im Hauptberuf Datenbanken gestaltet, kam über Statistik zu den Vornamen. Einen Tag vor Silvester veröffentlicht er – 2015 zum zehnten Mal in Folge – seine Liste der häufigsten Babynamen Deutschlands. Der Hobby-Namensforscher schließt damit eine Lücke: Es gibt nämlich keine amtliche deutsche Vornamensstatistik. 2015 wertete Bielefeld für seine Hitliste 183.396 Geburtsmeldungen aus ganz Deutschland aus. Das sind etwa 26 Prozent aller in diesem Jahr in Deutschland geborenen Babys.

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Jahresrückblick 2015: Ein bisschen Charlie

Da war doch noch was?! Genau, der Jahresrückblick, den wollte ich ja noch liefern. Also bitte: im Schweinsgalopp durchs Jahr 2015 und eine bunte Riege von Namen!

Jahresrückblick 2015

Januar

Charlie – das ist der Name Nummer eins im Januar. Die Parole „Je suis Charlie“, ausgegeben nach dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo, steht für die Freiheit zu spotten. Bisher ist Charlie, zuletzt auf Platz 201 mit Tendenz nach oben, für mich wahlweise durch den Chef dreier Engel oder einen Schimpansen besetzt, nun erhält er eine neue Note. Außerdem fällt mir in diesem Monat noch der Name des Dschungelcamp-Teilnehmers Aurelio Savina auf. Allerdings bekleckert sich der Ex-Bachelorette-Kandidat nicht eben mit Ruhm.

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Aurelia, Breien und Ceddie

In der Adventszeit mag ich es klassisch. Weniger in Bezug auf Musik oder Mode – Letzteres dürfte jedem beim Blick auf meine ganzjährig gewagt-bunten Socken schnell klar sein. Aber unbedingt bei Filmen und Büchern! Deshalb gibt es heute mal Namen aus meinen liebsten Weihnachtsklassikern. Wer möchte, darf gern ergänzen.

Gewagt-bunte Socken (Symbolbild) © AlexMaster - fotolia.com
Gewagt-bunte Socken (Symbolbild) © AlexMaster – fotolia.com

Aurelia: Bei diesem Namen höre ich immer, wie Colin Firth alias Jamie in „Tatsächlich … Liebe“ seiner niedlichen portugiesischen Haushälterin am Heiligabend einen öffentlichen Antrag macht: „Bonita Aurélia …“. Hach!

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Jungs auf -o

Madonna hat einen. Verona Pooth hat sogar zwei: Söhne, deren Vornamen auf -o enden. Als ich neulich mal über den für mich recht wohlklingenden Namen des spanischen Ministerpräsidenten – Mariano – nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass ich über diese Namenssparte hier noch nie ein Wort verloren habe. Aber jetzt!

Wer deutsche (oftmals eher: deutsch klingende) Namen so gar nicht schick findet, hat die verschiedensten Ausweichmöglichkeiten. Er könnte etwas Skandinavisches bis Lindgrenmäßiges wählen (Bjarne, Kjell, Lasse) oder was Französisches (Noel, Marcel, Pascal). Dass gerade sehr junge Eltern sich gern von US-amerikanischen TV-Serien inspirieren lassen, war hier schon häufiger Thema. Doch auch mit dem Buchstaben O endende Jungennamen aus Italien oder Spanien haben viele Freunde, fügen sich unserer Zunge oft leichter als Ami-Namen und verleihen statt eines „internationalen“ ein Flair, das an Ferien im sonnigen Süden erinnert. Oder so.

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Rockstar und Bundespräsident

„Ein guter Name ist, wenn man damit Rockstar und Bundespräsident werden kann.“

So konstatierte es, ohne große Vor- oder Nachrede, kürzlich ein Vater bei Facebook. Markig gesprochen, nur was soll man damit anfangen?

Bundespräsident wird man frühestens mit 40. Wie soll man heute wissen, welche Namen 2055 für einen integren Staatsmann oder eine integre Staatsmännin/Staatsfrau als passend empfunden werden? Zahnärztinnen, die Elsa Fiona heißen, Staatsanwälte, die auf Flynn-Leon hören, oder auch bloß die Tatsache, dass Jonah Amadeo selbst Auto fährt – all das scheint kaum vorstellbar, und doch wird es so kommen. Theoretisch könnte bereits ab 2031 ein Bundespräsident Kevin heißen. Immerhin war Kevin mal auf breiter Front beliebt und 1991 der Shootingstar (Platz 1!) der deutschen Namenscharts. Oder würde ein Aufstieg zum Staatsoberhaupt eben durch die spätere Schubladisierung von Kevin boykottiert?

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Daymien, Draculaura und Dennis

Juchhu, es ist wieder Halloween! Vor drei Jahren habe ich hier schon mal über Namen zum Gruseln geschrieben, höchste Zeit für ein Update.

Zuerst Damian: Dieser Name geistert seit 2010 in den Top-100 herum (zuletzt Platz 73), Tendenz steigend. Ich kann die Begeisterung nicht so recht nachvollziehen. Damian ist vokalreich und weich im Klang, das muss man ihm lassen (wenn man so was mag). Vermutlich ist er durch den 2006 geborenen Spross von Rafael van der Vaart – quasi nonstop in der Regenbogenpresse – präsenter geworden, so wie Elias und Noah durch Bobbeles Söhne. Allerdings weiß ich bei einem Damian nie, wie ich ihn sprechen soll: deutsch oder englisch? Für mein Empfinden hält sich das hierzulande die Waage. Und neben Problemen sprachlicher Art ist da eben noch „Das Omen“. Obwohl ich diesen Film nie gesehen habe, muss ich bei Damian und Damien unweigerlich an Dämonen und Teufelskinder denken. Da es sich bei den vielen Damian-Eltern aber sicherlich nicht um Satans-Fans (eher um solche von „Rafa“ und Sylvie Meis?!) handelt, ist diese Assoziation offenbar nicht so dominant wie ich dachte.

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Mein seltener Name und ich: Jemima

Ihr Name hätte auch Jennifer lauten können, in ihrem Geburtsjahr 1990 auf Platz 3, Jessica (Platz 7) oder Janina (Platz 14). Derartiger Mainstream lag ihren Eltern allerdings fern: Sie tauften ihr erstes Kind auf den Namen Jemima.

Wie, was, Jemima? Ich muss zugeben, dass mir dieser Name lange nur aus der Klatschpresse bekannt war, von der britischen Societygröße Jemima Khan, die vor einigen Jahren mit Schauspieler Hugh Grant liiert war. Deshalb fällt es mir auch erst mal schwer, mich an die deutsche Aussprache zu gewöhnen. Die gebürtige Hamburgerin Jemima weiß, dass ihr Name im englischsprachigen Raum tatsächlich viel bekannter ist. Laut dem Duden-Vornamenlexikon ist er dort seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich.

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Hallo, Zukunft!

Wer bei McFly an Softeisbecher aus dem Schnellimbiss denkt und bei Biff an Reinigungsmittel für Bad und WC, ja, der könnte meinen heutigen Text etwas rätselhaft finden. Allen anderen sei gesagt: Es ist soweit – wir schreiben den 21. Oktober 2015. Also genau den Tag, an dem der zeitreisende Schüler Marty McFly (Michael J. Fox) in „Zurück in die Zukunft II“ mit einem fliegenden DeLorean in der Zukunft landete. Wenn das kein Grund ist, sich heute mal mächtig futuristisch zu fühlen (auch ohne fliegende Autos)!

Was bei Lünings heute im Fernsehen läuft, dürfte klar sein, oder?
Was bei Lünings heute im Fernsehen läuft, dürfte klar sein, oder?

Für mich ist das Datum außerdem ein Grund, Namen aus der grandiosen „Zurück in die Zukunft“-Trilogie unter die Lupe zu nehmen. Leider kann ich nicht einordnen, welche Wirkung die Namen in den USA der 80er Jahre hatten und wie sie dort heute dastehen. Auf ihre Tauglichkeit für unsere Breiten lassen sie sich aber trotzdem prüfen. Anschnallen, festhalten, es geht los!

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