Die 10 schlimmsten Unisex-Namen

Ein Gesetz, das geschlechtseindeutige Vornamen vorschreibt, gibt es in Deutschland nicht. Es gab aber eine Dienstanweisung für die Standesämter, nach der geschlechtsneutrale Vornamen nur gemeinsam mit einem weiteren geschlechtseindeutigen Vornamen erlaubt waren. Diese Praxis wurde 2008 durch das sogenannte Kiran-Urteil für ungültig erklärt. Das Gericht erlaubte einer Familie, ihrer Tochter den aus Indien stammenden Unisex-Namen Kiran als alleinigen Vornamen zu geben. Seit diesem Urteil darf jeder Unisex-Vorname ohne zweiten Vornamen vergeben werden. Gegengeschlechtliche Namenvergaben sind weiterhin verboten, Mädchen dürfen also nicht Kevin heißen und Jungen nicht Jacqueline.

Geschlechtsneutrale Vornamen lassen „keine Beeinträchtigung des Kindeswohls sowie der Entfaltung der kindlichen Identität und Individualität“ erkennen, so die Urteilsbegründung. Trotzdem sind sie unpraktisch und stiften Verwirrung. Für intersexuelle Menschen sind Unisex-Namen ein Segen (demnächst wird divers als drittes Geschlecht offiziell eingeführt), für eindeutig weibliche oder männliche Menschen dagegen eine Last.

Unisex © blende11.photo - fotolia.com
Unisex © blende11.photo – fotolia.com

Glücklicherweise werden Unisexnamen in Deutschland nur selten vergeben. Hier meine persönliche Liste der schlimmsten Unisex-Vornamen:

  1. Andrea
    In Italien ist Andrea ein männlicher Vorname, im Rest der Welt ein weiblicher. Egal ob Mädchen oder Jungen – das Namensvorbild ist immer der biblische Andreas. Wahrscheinlich waren die Italiener die ersten, die ihre Kinder Andrea nannten, trotzdem wird außerhalb Italiens hinter diesem Vornamen eher ein Mädchen vermutet. Das ging sogar soweit, dass dieser Name in Deutschland von einigen Behörden als Jungenname abgelehnt wurde.
  2. Simone
    Mit dem Vornamen Simone verhält es sich genauso wie mit Andrea: in Deutschland heißen Mädchen so und in Italien Jungen. Genau genommen heißen Frauen Simone (und Andrea), denn diese Vornamen waren in den 1960er und 1970er Jahren angesagt.
  3. Nicola
    Auch Nicola ist ein italienischer Jungenname, den in Deutschland auch Mädchen bekommen. Dieser Name kommt nicht so häufig vor. Trotzdem ist er einer der schlimmsten geschlechtsneutralen Vornamen, die wir kennen, denn es heißen ungefähr gleich viele Frauen wie Männer so. Es gibt aber eine Hilfe bei der Geschlechtertrennung: Nicola (mit c) sind überwiegend Frauen und Nikola (mit k) überwiegend Männer.
  4. Luca
    Noch ein italienischer Jungenname mit der Endung -a. Luca kam aber erst viel später in Deutschland in Mode als Andrea und Nicola und hat sich (vielleicht deshalb) auch hierzulande als männlicher Vorname durchgesetzt. Es gibt auch zahlreiche Mädchen namens Luca, aber die sind deutlich in der Minderheit. Tatsächlich gibt es diesen Namen in Ungarn auch als weiblichen Vornamen. Die korrekte Aussprache wäre dann aber „lutsa“ und das habe ich in Deutschland so noch nicht gehört.
  5. Nikita
    Zwei Ereignisse haben dazu beigetragen, dass der russische Männername Nikita bei uns auch als Mädchenname etabliert wurde. Zum einen Elton Johns Hit Nikita aus dem Jahr 1985 beziehungsweise das Musikvideo des Titels, in dem Nikita als weibliche Soldatin dargestellt wurde. Zum anderen ist die Hauptfigur des französischen Action-Films Nikita aus dem Jahre 1990 eine Frau namens Nikita.
  6. Robin
    [Klischeemodus an] Robin Hood, der Rächer der Enterbten – Namensvorbild für viele heldenhafte Jungen namens Robin. Das englische Wort für Rotkehlchen – Namensvorbild für viele niedliche Mädchen namens Robin [Klischeemodus aus].
  7. Eike
    Ich habe früher viel über den Fußballtorwart Eike Immel (Nationalspieler von 1980 bis 1988) gelacht, weil der einen Mädchennamen hat. Bis heute sind alle Menschen namens Eike, die ich persönlich kennengelernt habe, weiblichen Geschlechts. Inzwischen habe ich aber auch viele Menschen kennengelernt, die Eike nur als männlichen Vornamen kennen. Vielleicht eine Frage der Region?
  8. Kim
    Das musste ja schiefgehen. Einerseits ist Kim eine skandinavische Kurzform von Joachim und klingt ja auch so ähnlich wie die Männernamen Tim, Jim und Wim: eindeutig männlich. Andererseits ist Kim eine englische Kurzform von Kimberly: eindeutig weiblich. In Deutschland sind die meisten Kims weiblich, vermutlich dominiert der Einfluss aus der amerikanischen Popkultur mit den vielen Frauen namens Kim.
  9. Charlie
    Ich bin seit 1981 Fan der Rolling Stones mit ihrem Schlagzeuger Charlie Watts und darum seitdem der Meinung, dass Charlie (als Koseform von Charles) nur ein männlicher Vorname sein kann. Neuerdings heißen auch viele Mädchen Charlie. Ob die Disney-Serie Meine Schwester Charlie daran Schuld hat?
  10. Noa
    Es ist eine riesengroße Besonderheit, wenn ein Mädchen seinen Vornamen Noah schreibt. Dieser Name ist zur Zeit einer der häufigsten Jungennamen und kommt nur ausnahmsweise bei Mädchen vor. Die Schreibweise Noa ist viel seltener und wird bei beiden Gechlechtern fast gleich häufig vergeben.

Und außerdem …

44 Gedanken zu “Die 10 schlimmsten Unisex-Namen

  1. Neben Andrea, Simone, Luca und Nicola kann sich noch Gabriele einreihen, ebenfalls ein italienischer Männername.
    In Italien gibt es mittlerweile auch so einige Frauen/Mädchen mit dem Namen Andreea (so geschrieben), die aus Rumänien eingewandert sind.

  2. Ist nicht eigentlich Noah nur männlich und Noa nur weiblich und alles andere falsch (aber eben leider akzeptiert)? Oder verwechsel ich das gerade? Die Bedeutung ist ja auch eine andere.

    • Ja, sehe ich genauso. Die Bedeutungen sind ja sogar komplett gegensetzlich. Noah (von Noach, hebräisch der Ruhige) eindeutug männlich, Noa (hebräisch, die Bewegende) eideutig weiblich.

      Das ist wie Jona (von Jonah, hebräisch= Taube) & Jonna (nordische Kurzvorm von Johanna), … .

    • Nur dass sich Jonna und Jona in der Aussprache unterscheiden. Noa und Noah würde ich gleich aussprechen, oder?

    • Nicht ganz…

      Der Männername Noah endet auf den Buchstaben Chet, wird als auf hebräisch also eigentlich „Noach“ ausgesprochen.

      Der Mädchenname Noa hingegen endet auf die typische Feminin-Endung, dem stummen He mit einem gesprochenen Vokal a davor. Also „Noa“.

      Auf deutsch klingt beides gleich, klar. Wer einen Noah in Deutschland als „Noach“ ausspricht, macht sich als tumber Evangelikaler oder Judaisierer lächerlich.

      Hab übrigens noch nie einen Israeli getroffen, der Noah geheißen hätte. Der Name ist eher was für Amis und amerikanisierte Deutsche.

      Noa als Mächennamen hingegen hört man hingegen ab und zu, und sei es als Künstlernamen der Sängerin Achinoam Nini, einer jemenitsch-stämmigen Israelin.

    • Im deutschen ist die Aussprache gleich, in anderen Sprachen nicht- mein Cousin wurde in Israel als deutsch ausgesprochener Noah für ein Mädchen gehalten. Noah (m) spricht man dort Noach und Noa (w) eben Noa

  3. Zu Andrea : Weiß jemand, ob die Geschichte stimmt, dass der Name Andrea in De als Mädchenname Einzug hielt, nachdem das Schiff “Andrea Doria” in den Schlagzeilen war und der Name für weiblich gehalten wurde, wahrscheinlich, weil Schiffsnamen mit dem weiblichen Artikel benannt werden, also: “die Andrea Doria”.
    In Knuds Top500 Listen sind mir noch folgende Namen aufgefallen, die in den Mädchenlisten und den Jungenlisten aufgeführt sind:
    Jona
    Janne
    Jamie
    Mika
    Arda
    Ecrin

    Ansonsten fallen mir noch ein:
    Kersten
    Jasmin
    Kay
    Jo(o) ke
    Chris
    Helge
    Hanna
    Isa
    Dominique

    Viele Grüße

    • Chiocciola,

      zu Andrea Doria siehe bitte oben (leider noch[?] nicht freigeschaltet). Kann tatsächlich sein, daß das Schiff zur außer-italienischen Popularisierung und „Geschlechts-Umdeutung“ des Namens beigetragen hat. Der Pott ist 1956 gesunken, das käme zeitlich hin – und es war auch ohne Zweifel ein sehr schönes Schiff… Wie soll man’s klären? Jedenfalls gibt es in meiner Generation (1967) Andreas in großer Zahl, siehe bitte wiederum oben.

      Helge hingegen ist für mich auch eindeutig männlich. (Während halt Helga oder Elke eindeutig weiblich – und völlig aus der Mode – sind.)

      Eine weibliche Kai habe ich erst als 14jähriger hier in Hannover kennen (und hassen) gelernt. In der Tiefebene ist der Name viel eindeutiger männlich. Knut und Kai – so hieß ein Brüderpaar in meiner Grundschule und dann auf dem Gymnasium. Daß es Kai auch für Mädchen gibt, war mir in meiner alten Heimat (südlich von Bremen) ganz unbekannt.

      Aber Hanna, Jasmin oder Isa als Männernamen?! Nie gehört. Ich war mal mit einer Hanna und ganz kurz mit einer Isa(bel) zusammen, und eine liebe und hübsche Ex-Kollegin von mir heißt Jasmin. Ich weigere mich, diese Namen als unisex zu sehen/hören! 🙂

      (Zur Duftpflanze Jasmin gab es vor einigen Wochen auf Bayern 2 eine schöne und lehrreiche Radio-Sendung, 20 min. Ich habe daraus zum Beispiel gelernt, daß das, was hier so gelegentlich in Parks und Gärten als Jasmin rumsteht, eben kein echter Jasmin ist, sondern „Bauernjasmin“.)

      Kersten ist aber wirklich kaum zuzuordnen. (Für mich klingt das im Zweifelsfall eher männlich, das mag aber wiederum mit meiner Herkunft zu tun haben.) Dominique eh nicht. Das wird wohl kaum an Dominique Strauss-Kahn liegen – vielleicht aber daran, daß der hl. Dominikus so viele weibliche Fans hatte.

      Gruß zurück!

    • Isa heißt meines Wissens Jesus im Islam. Letztendlich wird man vielleicht zu jedem kurzen, hier gängigen Namen irgendwo auf der Welt eine Gegend finden, wo er dem jeweils anderen Geschlecht zugeordnet wird. Deshalb würde ich einen Namen hier nicht als Unisexnamen einstufen. Aber da ein Zweitname dazu nicht verpflichtend ist, hat es ja keine besondere Relevanz.

      Ich kenne nur einen (männlichen) Eike. Zu norddeutschen Namen fehlt mir meist der Bezug, daher habe ich mich nie darüber gewundert. Nikita als Frauenname finde ich auch schlimm, das passt in die Liste. Ich kenne eine weibliche Noa. Mir gefällt Noa(h) weder für Frauen noch für Männer. Charlie kenne ich als Spitznamen für eine Charlotte, das fand ich auch erst befremdlich.

    • Der islamische Issa wird aber üblicherweise mit Doppel-s umschrieben und auch so ausgesprochen – und nicht wie Isa als Kurzform von Isabel(la|le). Einer der bekannteren Namensträger dürfte der sowjetische Reitergeneral Issa Alexandrowitsch Pliew sein – ethnischer Ossete*, zweifacher Held der Sowjetunion. In der Stadt Wladikawkas gibt es ein bombastisches Denkmal für ihn.

      *) Osseten: Iranischsprachiges und sehr rußlandfreundliches Völkchen im zentralen Nordkausus. Mehrheitich christlich. Die Osseten sind sehr stolz darauf, im Zweiten Weltkrieg den prozentual höchsten Anteil von „Helden des SU“ unter allen sowjetischen Ethnien gehabt zu haben. Sie selbst führen sich auf die Alanen der Völkerwanderungszeit zurück – weshalb dort der Männer-Vorname Alan einer der beliebtesten ist. Ich hab 1999 ’ne Weile in Wladikawkas (unter dem gewaltigen Berg Kasbek!) gelebt und hab dort gleich mehrere Alans kennengelernt. Die Todfeinde der Osseten sind die antirussischen Inguschen und die Tschetschenen östlich von ihnen. Damals war der Krieg gegen die Inguschen 1992 immer noch allgegenwärtiges Thema. Ich sehe mich noch durch die Ruinen einer von den Osseten gesprengten Inguschen-Moschee stiefeln… Es gibt übrigens einen Roman von John le Carré zu diesem Krieg. Und Rußland hat seinen Krieg von 2008 gegen Georgien vor allem zur Befreiung der Süd-Osseten jenseits des Kazbek geführt.

    • Traut man Wikipedia, ist Isa die arabische Variante. Männliche Namensträger sind dort aus der heutigen Zeit nur zwei aufgelistet. Unter Issa findet man neben dem von dir genannten Osseten lauter Afrikaner. Ihr kenne übrigens eine weibliche Issa aus Lateinamerika. Das ist wohl in diesem Falle als Kurzform von Namen wie Clarissa, Melissa etc. aufzufassen.

  4. Sascha gehört auch noch in die Liste.
    Interessant fand ich die Erläuterung zu Robin. Ich wusste, dass der Name auch als Mädchenname vergeben wird, aber nicht die Bedeutung dazu. Ich dachte, Robin ist von Robert abgeleitet.
    Viele Grüße

    • Meines Empfindens fällt Sascha aber eher in die Kategorie „ärgerliche Unisex-Vornamen“ – weil da, ähnlich wie bei Nikita, ein russischer Männername umgedeutet wird. Sascha ist die russische Standard-Koseform (bzw. vielleicht besser: Anredeform beim Duzen) für einen Aleksandr.

      Bekanntlich schwelgen die Slawen in (Namens-)Diminutiven, so daß man kaum noch von Koseformen reden kann. Es sind eben die Standard-Anredeformen, wenn man sich duzt: Wanja für einen Iwan, Grischa für einen Grigori, Kolja für einen Nikolai etc. etc. Bei den Polen ist es ähnlich: ein Przemyslaw wird sofort zu einem Przemek, sobald ein etwas weniger informelles Verhältnis hergestellt ist.

      Allerdings ist man zumindest im Russischen erheblich zurückhaltender als im Deutschen, was das „Du“ („tyj“) angeht. Nur nebenbei: Es hat bis vor gar nicht sooo vielen Jahren in Deutschland auch noch konservative Milieus gegeben, in denen gar die Kinder ihre Eltern gesiezt haben.

      Und ach, es ist ein Kreuz mit Rußland! Wer sich einmal in dieses Land verliebt hat, kommt nicht mehr davon los. Weiß auch nicht warum – zu beklagen gibt es dorten weiß Gott genug. Aber Rußland vergißt man nicht mehr… Es ist fast wie Heimweh…

    • Ist Sascha im Russischen nicht ebenso Kurzform für Alexandra?
      Und war Andrea nicht ebenso ursprünglich ein umgedeuteter Männername?
      Musste bei Andrea, Simone, Nicola etc. eigentlich in Deutschland ein gesclechtseindeutiger Zweitname hinzugefügt werden?

    • Zu Sascha. Ich bin mir nicht ganz sicher… Kenne das halt nur als Anrede-Form für einen Aleksandr. Und immerhin gab es in Rußland im 19. Jahrhundert drei Zaren dieses Vornamens – der charismatische Alexander I., Mit-Sieger über Napoleon, um den sich viele Mythen ranken; der „Zar-Befreier“ Alexander II.; und schließlich der vorletzte Zar, der arg prollige Alexander III.

      Der Name ist zumindest in meiner Generation in Rußland immer noch häufig. Weibliche Alexandras hingegen kenne ich in Rußland kaum oder gar nicht.

      Mit noch größerem Irrtums-Vorbehalt als sonst… Und Grüßen zurück

  5. Als 16jährige war ich mit einem blonden Mädchenschwarm namens Jasko zusammen. Er war Bosnier. Als ich ihn eines Tages besuchte, lag in seinem Zimmer ein amtlicher Brief, der an “Jasmin” adressiert war. Ich fragte ihn wer das sei und er wurde ganz verlegen und gab keine Antwort. Tja, Jasko hieß offiziell Jasmin. Das fand ich süss.

    • Interessante Geschichte! Jasmin/Yasmin/Yasmine/Yasemin war für mich bisher eindeutig weiblich und türkisch, hebräisch oder arabisch – oder eben deutsch.

    • Finde die Geschichte auch hochinteressant! Daß diese balkanischen Namen auf -ko in der Regel Kosenamen für Jungs sind, ist bekannt – aber daß es Jasmin als Männernamen gibt, hatte ich noch nie gehört. Thanks for sharing! 🙂

      Für mich bleibt das aber trotzdem ein Mädchenname – und zwar ein sehr schöner.

      Borges schreibt in seinem wunderbaren „Weiteren Gedicht von den Gaben“, in dem er sich bei Gott für alles mögliche bedankt:

      „Für die Nacht, ihr Dunkel und ihre Astronomie,
      Für den Mut und das Glück der anderen.
      Für das Vaterland, gespürt im Jasmin oder in einem alten Degen“.

      Ich finde die Gegenüberstellung zwischen dem weiblichen Jasmin und dem männlichen Degen sehr, sehr schön. Dazu das mystische Dunkel der Nacht (eher weiblich) und das harte „Vaterland“ (eindeutig männlich, auch wenn es im Deutschen grammatisch ein Neutrum, im Spanischen gar weiblich ist). Dazu die treurige Abgeklärtheit des „Muts und des Glücks der anderen“. Das ist hinreißend.

    • Klingt wie “A boy named Sue” von Johnny Cash. Jaskos Reaktion zeigt aber wohl, dass er mit seinem Namen auch nicht glücklich war/ist, oder?

  6. Mir sind schon zwei männliche Jasmins begegnet. Der eine ist auch Bosnier, soweit ich mich erinnere. Beim anderen weiß ich den Familienhintergrund nicht.
    Hanna ist ein häufiger Männername bei Assyrern.
    Kersten habe ich das erste Mal in einem Namensbuch gelesen, da wurde angegeben, dass der Name sowohl männlich als auch weiblich sein kann. Vor einiger Zeit ist mir mal eine weibliche Kersten begegnet. Dominique kenne ich mämnliche und weibliche.
    Viele Grüße

  7. Der Name Mark ist so was von eindeutig männlich, Leute…. Der Name ist total markig und markant und in keiner Sprache weiblich einzuordnen. Allerdings gab es ja früher “die Mark”…. Nun gut, aber die ist jetzt passé…

    Übrigens fanden die Amerikaner es immer lustig, dass ich in Deutschland einen Cousin namens Jan habe, der männlich ist. Denn Jan ist in den USA die Kurzform von Janet (sehr häufig in der Generation, die in den 1950ern und 1960ern geboren wurde).

    • Aber es hat doch auch niemand gesagt, daß Mark irgendwie unisex klingen würde, oder? Natürlich ist das ein schöner, männlicher Vornamen, obwohl es im Deutschen neben der weiblichen „D-Mark“ auch noch das Neutrum Mark wie in „durch Mark und Bein“ oder „Markklößchen“ gibt, eben das Knochenmark – aber das sind nun mal keine Namen.

      Natürlich ist der Vorname Mark in allen mir bekannten Sprachen exklusiv männlich. Eben markig. Außerdem stammt das älteste und literarisch schönste Evangelium der Überlieferung nach vom hl. Markus. Kannste stolz drauf sein, wirklich!

      Oder denk an den alten Schlachtruf der Venezianer: „San Marco! San Marco!“ Der hat schon 1515 bei Marignano den Schweizern den Hals gebrochen und ist 1571 bei Lepanto gegen die Türken, an der die venezianischen Schiffe einen sehr wichtigen Anteil hatten, erschollen.

      Ich meinerseits freue mich ein bißchen, daß Jan (also real mein Nachbenennugsname) im Deutschen und erst recht im Plattdeutschen fast so wie Jeanne klingt. Eben wie die große Jeanne d’Arc. Die wurde zwar von den Burgundern aus machtpolitischen Gründen eingelocht und an ihre englischen Henker ausgeliefert – sie bleibt aber ein unerreichtes und unerreichbares Manieren-Vorbild. (Habe endlos überlegt, ob der Untergang Burgunds als Staat im Jahr 1477 nicht die Strafe Gottes für die Verhaftung der Jeanne d’Arc im Jahre 1430 gewesen sein könnte.)

      Jeanne ist erst 1920 offiziell heiliggesprochen worden, aber doch neben der Mutter Maria so ein bißchen eine Schutzheilige für mich – das Bauernmädchen aus Lothringen, das zu einem weiblichen Lohengrin wird (um Asfa-Wossens Formulierung aufzugreifen) und dann mit 21 Lebensjahren verbrannt wird.

      Von wegen: Maria als Zweitname wurde hier noch nicht erwähnt.

      Das mit Jan von Janet wußte ich nicht, danke für den Hinweis! Janet ist ja auch nur die anglisierte Form des französischen Diminutivs Jeanette, seinerseits abgeleitet von Jeanne. (Bzw. in mittelfranzösischer Schreibung Jehanne.)

      Ha! Ich habe sozusagen einen Unisex-Vornamen! 😉 War mir nie so bewußt geworden.

  8. Andere Länder – andere Sitten (so könnte man das Thema auch nennen).

    Andrea und Simone sind in Deutschland eindeutig weiblich und in Italien eindeutig männlich. In meiner Generation sind beide recht häufig.

    Nicola gab es gelegentlich neben Nicole. In meinem Umfeld ist Nicola eine Frau. Ich kenne aber nur eine “Nico” (das ist ihr Rufname unter Freunden). Dafür kenne ich unzählige Nicoles, der Name ist eindeutig häufiger.

    Luca könnte der Sohn von Andrea oder Simone sein. Luca gehört zu einer anderen Generation. Luca ist in den meisten Fällen ein Junge. (In Deutschland und in Italien sowieso.)

    Die meisten Unisex-Namen sind in ihrem Ursprungsland eindeutig männlich oder weiblich. Nikita ist in Rußland männlich. Robin war zumindest früher mal in England die Kurzform von Robert und damit auch männlich. (Früher, d. h. Mittelalter, zu der Zeit als der heldenhaften Robin Hood gelebt haben soll.)

    Jona – da ist einmal Jona und der Wal aus dem AT. Und Jona ist eine isländische Kurzform von Johanna, dann ist Jona weiblich.

    Janne – in Finnland männlich, aber in Norddeutschland weiblich (oder beides).

    Marlin – im englischen männlich. In Deutschland eher weiblich, eine eingedeutschte Schreibweise von Malin.

    Durch die Globalisierung ist inzwischen vieles möglich, auch im Bereich der Vornamen.

  9. Mareike,

    Mark hatte hier mal vor Jahr und Tag einen sehr klugen Artikel verlinkt. Thema: „Wie läuft es in den USA mit Unisex-Namen?“ Nämlich meistens so: Ein männlicher Vorname wird zunächst unisex. (Vielleicht, weil die Linksliberalen gerne „starke Frauen“ als Töchter wollen.) Mit dem Ergebnis, daß kein normaler (also nicht-linksliberaler) Mensch den Namen mehr an Jungs vergibt. Männliche Namen werden auf diese Weise weiblich.

    Bei dem/der angloamerikanischen Robin kommt das mit dem hübschen Vogel hinzu… Also gleichzeitig Bogenschütze/Freiheitsheld und Rotkehlchen – wie schön. Das Herz der linksliberalen Mami schlägt höher, Papi freut sich auch und macht sowieso, was Mami will.

    Einfache sprachliche Mißverständnisse wie bei Nikita, wohl auch bei Andrea oder Lu(c|k)a, sind etwas anderes.

    Andrea und Simone sind in Deutschland eindeutig weiblich und in Italien eindeutig männlich. In meiner Generation sind beide recht häufig.

    Weiß Gott! 🙂

    • Jan
      Ich erinnere mich, dass Mark über die Unisex-Namen in den USA berichtet hat. Das Rotkehlchen läßt den Namen ja auch weiblich erscheinen. Aber du mußt bedenken, dass die Leute hier im Blog sich gut mit Namen auskennen. Der Otto-Normalbürger in OWL wird Robin für einen Jungen (oder jungen Mann) halten.

      Sascha – ist in meiner Generation männlich, damit meine ich einen deutschen Sascha. (Ich wußte als Kind gar nicht, dass Sascha etwas mit Alexander zu tun hat.)
      In Russland kann Sascha auch eine Koseform für Alexandra sein. Die jüngere Tochter von Barack Obama heißt Sasha. Schon möglich, dass es dadurch auch in Deutschland mehr weibliche Saschas gibt.

      Mika – wandelt sich gerade vom Jungen-Namen (Mika Häkkinen) zum Mädchen-Namen. Wegen den Ostwind-Filmen. Wer ein rebellisches Mädchen möchte und vielleicht auch noch Pferde mag, der nennt es Mika.

      Ich selbst würde aber geschlechtseindeutige Namen bevorzugen, das macht es einfacher.

    • Ich hatte mal eine nette Bekannte, die war Auto-Renn-Fahr-Fan. (Für mich ist das so wenig ein Sport wie Golf oder Billard.) Die hat ihren Sohn vor so ca. 15 Jahren tatsächlich nach dem Namens-Vorbild Mika Häkkinen benannt…

      Das mit der weiblichen Film-Mika war mir mal wieder neu – danke für den Hinweis, Deine Erklärung überzeugt.

      Sascha ist spätestens seit den 80ern durch den Schauspieler Sascha Hehn bekannt – der freilich mit Vollnamen auch Alexander heißt. Aber der Name wird (wie Tanja, Tatjana oder Anja in meiner Generation) sicher nicht mehr als russisch wahrgenommen. Und da in der BRD kaum jemand Russisch gelernt hat, hat man diesen Konnex zwischen Alexander und Sascha eben auch nicht gekannt. Wie auch? Der Vorname Sascha für Mädchen wäre vielleicht ein weiteres Beispiel für diese „akustischen Mißverständnisse“, in denen die im Russischen de facto geschlechterübergreifende Endung auf -a als weiblich wahrgenommen wird.

      Ja, ich meine auch, daß die allermeisten Leute hierzulande Robin weiterhin als männlich hören. Das mit dem Vogel weiß hier ja kaum ein Mensch. (Ich auch nur, weil ich als junger Mann unbedingt wissen wollte, was die Formulierung „bluer than robin’s eggs“ in dem schönen Lied „Diamonds an Rust“ von Joan Baez bedeutet. Hatte ich hier schonmal erzählt…) Vielleicht spricht sich freilich noch rum, daß Robin in den USA heute ein De-facto-Mädchenname ist – die USA sind nun einmal das alltagskulturell einflußreichste Land der Welt.

      Die historistische Gestalt des Robin Hood ist übrigens auch interessant: Der sympathische und tapfere Angelsachse (= „Engländer“) kämpft gegen den verschlagen und fiesen Normannen (also „Franzosen“), den Sheriff von Nottingham. Ausgeformt wurde der Mythos im 19. Jahrhundert, als sich Engländer und Franzosen sogar noch feindlicher gegenüber standen, als sie das heute immer noch tun. Dieser Hintergrund ist aber in D auch kaum jemandem bekannt, obwohl jeder Robin Hood kennt.

      Und wir sind uns einig: Geschlechtseindeutige Vornamen sind zu bevorzugen.

  10. Mir fallen spontan noch ein:

    – Felice (auf französisch weiblich, auf italienisch männlich)
    – Laurence (auf französisch weiblich, als englische Variante männlich)
    Bei beiden ist zwar die Aussprache jeweils unterschiedlich, aber sie werden halt gleich geschrieben.

    Ich persönlich kenne gleich zwei weibliche Kais (beide ursprünglich ohne zweiten Vornamen, und beide haben sich einen eindeutigen Zweitnamen dazu eintragen lassen) und eine weibliche Sasha.
    Eike habe ich als Jungennamen kennengelernt.

    Zu Robin: Kannte ich auch erst als Männernamen, halt von Robin Hood und dem Batman-Sidekick (Wobei es im Comic auch mal einen weiblichen Robin gab…). Dann kam “How I met your Mother”, wo eine weibliche Hauptfigur Robin heißt. Seitdem finde ich Robin als Frauennamen sogar irgendwie schöner und stilvoller.

  11. Der verrückteste Unisexname ist für mich Anne. Existiert in den Niederlanden tatsächlich als Männername! Bekannt durch den Schriftsteller Anne de Vries.

    • Das ist ja mal ein Knüller! Von Anne de Vries war meine Kinderbibel, ich hab mich seinerzeit ein bisschen mit der (vermeintlichen) Schriftstellerin verbunden gefühlt (wie auch mit Prinzessin Anne und Anne von den 5 Freunden ;-)), weil ich auch Anne gerufen wurde …

  12. Stimmt,
    Anne als niederländischer Männername ist mir auch schon begegnet.
    In den Mädchenromanen von Berte Bratt, die in Norwegen spielen kommen ein männlicher Inge und eine weibliche Gerd vor.

    • Waas, Momo für einen Jungen?! Ogottogott. So niedlich, schön und klug das Buch von Michael Ende*) ist: Momo ist schon für Mädchen ein Spitzname, und für Jungen ist es gar keiner! Grauselig.

      Bo ist auch keine Name, sondern der Künstlername einer US-amerikanischen T*tt*n-Schauspielerin aus den 80ern.

      Oder gibt es den Namen Bo vielleicht in einer asiatischen Sprache? Einer der größten Soldaten des 20. Jahrhunderts (gest. 2013 im hübschen Alter von 102 Jahren) hieß mit persönlichem Namen Vo Nguyen – der große vietnamesische General Giap, Sieger über die Franzosen und danach über die Amerikaner. Und Bo und Vo sind nun phonetisch nicht sooo weit voneinander entfernt. Ich kann allerdings keine asiatische Tonsprache, ist also nur ein Verdacht…

      Lee ist ja auch asiatisch in englischer Umschrift, man denke an Lee Kuan Yu von Singapur, einer der wichtigsten Begründer des „Asiatismus“. (Da ist Lee freilich der Familienname und eben chinesisch…) Lee hieß übrigens in seiner Studienzeit in England noch Harry Lee.

      *) Ich habe dieses wunderbare Buch nicht schon in den 70ern oder 80ern gelesen, sondern erst vor ein paar Jahren auf Befehl meiner damaligen Freundin. Wir hatten festgestellt, daß wir beide an der gleichen Krankheit leiden, die wir dann halb aus Jux „Momo-Syndrom“ genannt hatten: Weil wir beide sehr gut zuhören konnten und etwas exzentrisch waren, auch noch ehrlich wirkten (oder so), haben uns fremde Leute permanent Sachen erzählt, die sie normalerweise nicht erzählt haben. Das kannten wir beide seit unserer Jugend und zumindest ich bis heute: Leute brachen gleichsam aus sich heraus, wenn sie mit uns redeten. Und das, obwohl wir beide emotional ganz anders funktionierten: Ich sehr extrovertiert (das sieht man ja hier…), sie sehr introvertiert. (Daß wir bei was auf dem Kasten hatten/haben, brauche ich wohl nicht zu betonen.) Es geht um die Momo-Fähigkeit des Zuhörens – ob das nun eine Stärke oder eine Schwäche ist, sei mal dahingestellt.

  13. Ich habe mal einen Mann namens Lilian kennengelernt. Da musste ich dann doch zweimal nachfragen.

    Übrigens habe ich bisher ausschließlich männliche Eikes getroffen. Ich wusste gar nicht, dass der Name auch für Frauen vergebbar ist.

    Insgesamt bin ich aber keine große Gegnerin von Unisexnamen. Ich persönlich würde auch immer einen eindeutigen Zweitnamen vergeben, aber so richtig dramatisch finde ich eine falsche Anrede dann auch wieder nicht. Das passiert ja auch Menschen mit sehr seltenen oder ausländischen Vornamen.

    PS: Mir fällt gerade auf – Jantje ist ja auch ein Unisexname. Allerdings heiße ich gar nicht so, ist nur ein Online-Nickname.

  14. Inge ist meines Wissens in Skandinavien eine männliche Kurzform für mit Ing- gebildete Namen (Ingmar, Ingvar u.ä.).
    Wäre hierzulande wohl eher eine Lachnummer, falls überhaupt noch jemand den Namen kennt. Scheint mir inzwischen je eher ausgestorben.

  15. Eike und Helge sind mir auch schon weiblich begegnet.
    Bo taucht männlich in Knuds Top500-Listen auf. Als weiblicher amerikanischer Vorname ist er mir auch schon außer der Schauspielerin begegnet, allerdings in einem Buch, nicht persönlich.

    Evelyn und Ashley fallen mir noch ein.

    • Eine alte englische Freundin von mir hieß/heißt Lesley. Sie hat mir erzählt, das eine Lesley weiblich sei und ein Leslie männlich. Besonders hell in der Birne war die aber nicht – das kann auch falsch sein, oder ich hab’s mir falsch herum gemerkt… (Mit meinem Englisch ist es nicht so weit her…)

      Der bekannteste Evelyn dürfte der Schriftsteller Evelyn Waugh sein – einer der ungezählten prominenten Konvertiten zum Katholizismus aus der Zwischenkriegszeit. Aber jeder in D kennt bis heute Evelyn Hamann, „die Frau von Loriot“.

      Eike und Helge hört man als Norddeutscher aber wirklich ganz eindeutig männlich… Kann sein, daß diese Namen anderswo in Deutschland falsch (bzw. anders) verstanden wurden/werden.

  16. In den USA und übrigens in anderen Ländern herrscht da ein ganz anderes Verhältnis:

    Da gibt es keine “männlichen” oder “weiblichen” Namen, weil man, zumindest bei der Namenswahl nicht diesen Zwang hat alles gleich zu gendern.

    Grundsätzlich ist jeder Name relativ neutral und kann an beide Geschlechter vergeben werden.

    Natürlich gibt es viele Namen, die als eher weiblich oder eher männlich angesehen werden.

    Aber grundsätzlich sind Namen neutral.
    Habe da schon lustige Dialoge gesehen, von Leuten in Amerika, die nur den Vornamen der Vorgesetzten oder der Geschäftsführerin hören und sofort denken es sei ein Mann, obwohl der Name neutral ist.
    Nach dem Motto: Warum gehen Menschen sofort von einem Mann aus?

    Außerdem sind in vielen Teilen sowohl Fotos als auch eine Geschlechtsangabe oder Angabe der ethnischen Herkunft auf Bewerbungen verboten.
    Da werden natürlich gerne geschlechtsneutrale Namen genommen, die auf keine Herkunft schließen, damit die Person mehr Chancen hat.

    Namen wie “Sam” und “Alex” könnten sowohl auf Samuel und Alexander, aber auch auf Samantha und Alexandra schließen.

    Auch “Max” kann von Maximilian oder von Maxine kommen.

    Auch das hier eher männlich empfundene “Sasha” ist in den USA neutral bishin zu eher weiblich besetzt (Man denke da an “Schauspielerinnen”^^).

    Auch “Jessie” oder “Jess” kann beides sein.

    Dann viele Namen wie Ray, Raven, Jaden, Taylor…alle unisex.

    Viele Trendnamen momentan sind in den USA unisex.

    Da ist man vielleicht weiter und will Babys nicht schon ein Geschlecht aufzwingen, sondern es später selbst entscheiden lassen^^

    • Erstens verwechselst Du die Einfälle der Eliten an den amerikanischen Küsten mit den USA insgesamt, mit dem Herzland der USA. Viele Amis regen sich auch über derlei auf: gewählter Präsident der USA ist daher Donald Trump und nicht irgendein Intersex-Wesen oder eine Hillary.

      Zweitens kommst Du hinsichtlich der Bedeutung des Begriffes „gendern“ durcheinander. Es geht dabei eben nicht um die Schaffung von Geschlechtergrenzen (die hat es immer und überall gegeben und wird es immer geben), sondern um ihre permanente Betonung auf Kosten gewachsener Kultursprachen. Es wird damit einfach die Unterwerfung unter die eigenen Ideen gefordert.

      Drittens würde ich gerne einmal erfahren, wo denn diese „anderen Länder“ und die „weiten Teile der Welt“ zu finden sind. In Neuseeland oder in Skandinavien? In Rußland, China oder der islamischen Welt jedenfalls nicht. In der Hispanidad oder der Frankophonie auch nicht, und im subsaharischen Afrika wohl auch kaum.

      Viertens machst Du den Fehler, angelsächsische Namens-Kurzformen gleichsam „für voll zu nehmen.“

      Fünftens spielst Du in Deinem letzten Satz mit der deutschen Urangst, daß andere (etwa eine – wie gesagt inkompetent falsch verstandene – USA, Holland, Schwedenvölker, Neuseeland etc.) „schon weiter“ sein könnten. Diese rhetorische Figur kannst Du in D in jeder Lokalzeitung mindesten dreimal pro Woche finden. Wie originell.

      Sechstens schließlich ist die Vorstellung, sich sein Geschlecht selbst aussuchen zu können, zwar im Moment in der BRD in den herrschenden Klassen beliebt („drittes Geschlecht“), aber auch hierzulande im Grunde und zu Recht verpönt. Es mag Zwitter geben, aber das sind halt ein paar wenige bedauerliche Mißgeburten, denen nun alle medizinische Hilfe verweigert werden soll.

  17. Warum wurde dieser Kommentar freigeschaltet?
    Hier werden Menschen, deren Geschlecht nicht eindeutig zuzuordnen ist, als “Missgeburten” verunglimpft. Da ist eine Grenze überschritten.

    • Schau mal:

      Erstens findet es im Moment alle Welt todschick, „transgender“ zu sein – so wie es schon in meiner Studienzeit in bestimmten Schichten schick war und noch ist, schwul oder lesbisch zu sein oder zumindest so zu tun. Aber „transgender“ ist im Moment geradezu noch schicker. Gesetzesänderungen zum Thema „Drittes Geschlecht“ werden im öffentlichen Diskurs praktisch nur bejubelt so wie etwa auch die Homo-Ehe. Es ist gleichsam ein Nicht-Diskurs. Und bei so etwa mache ich nicht mit, ich halte dagegen.

      Zweitens mag ich eine harte, klare direkte, auch grobe Sprache. Das ist auch eine Frage der Manieren: man redet eben oft und gern mal grobianistisch, um sich von den Geziertheiten, Korrektheiten und Betroffenheiten der Mittelschicht abzugrenzen.

      Drittens schließlich, es sei zugegeben, tut man in dieser Hinsicht aber auch leicht zuviel des Guten. Ich hätte hier vielleicht besser „bedauerliche Wesen“ oder sowas gesagt.

  18. Wäre auch nicht viel besser. Ich denke dabei auch weniger an “Transgender” – da kenne ich auch keinen persönlich (meines Wissens), sondern nur aus den Medien, sondern an intersexuelle Menschen bzw. Menschen, die biologisch nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können.

    • Ich gedenke keinesfalls, hübsch brav die modernen Unterscheidungen zwischen „transsexuell“, „transgender“, „intersexuell“ etc. pp. blablabla auswendig zu lernen. Die Menschheit sollte aus Männern und Frauen bestehen – und basta.

      Bin auch strikt gegen jede noch weitere Aufweichung der Geschlechterunterschiede: Frauen und Männer kleiden sich anders, haben andere Berufe, haben andere Geschmäcker, sprechen anders (benutzen also immer ein etwas anderes Vokabular, wenn auch nicht überall so kraß wie z.B. im Japanischen). So war es immer, ist es und wird es immer bleiben.

      Es mag dieses bedauernswerten Zwitterwesen geben, aber man darf ihnen zumindest medizinische Hilfe nicht verwehren. Und es verstößt gegen ihre Menschenwürde, ihr Leiden gar öffentlich zu machen. (Was im Rotlichtmilieu von Bangkok abgeht, ist dann wieder eine andere Frage.)

      Und daher halte ich auch Unisex-Namen – da facto also fast immer die Umpolung von männlichen zu weiblichen Vornamen – für pervers.

      Ferner bin ich ein Linker und halte es als solcher für einen fatalen Fehler der westlichen Linken, sich vom Klassenfeind von dem eigentlichen linken Kernthema – dem nationalen und internationalen Klassenkampf – auf abseitige Wohlstandsbürgerthemen wie Unisex-Toiletten, Frauenquoten und LBGT-Dinges-Quatsch festnageln lassen zu haben. In der DDR hatten Frauen ganz selbstverständlich oft Männerberufe. Gut so! Aber dennoch wurden die Geschlechtergrenzen nie aufgeweicht. Noch besser!

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