Artikel von: Annemarie Lüning

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

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Gute Frage 1: Heißen Arzttöchter Amelie?

Natürlich weiß ich, dass in der Welt der Namen der Geschmack regiert und es somit keine vernünftige Erklärung dafür geben kann, weshalb – zum Beispiel – Geschwister Paul und Pauline oder Anton und Antonia heißen (am Wochenende in Familienanzeigen gelesen). Auch dass man darauf wetten könnte, dass die Schwester eines Mädchens, das mit Zweitnamen Marie heißt, ihrerseits eine Sophie angehängt bekommt (eben erst wieder gehört), wundert mich nicht mehr. Andere Dinge frage ich mich da schon eher. Etwa die Sache mit Amelie: Sobald im Netz jemand erwägt, seine Tochter so zu nennen, kommt früher oder später der Hinweis, Amelie sei kein Name, sondern eine Krankheit.

Tatsächlich ist Amelie auch die medizinische Bezeichnung dafür, wenn einem Kind bei der Geburt Gliedmaßen fehlen. Aber sollte dieser zufällige Teekesselchen-Charakter jene anfechten, die den Namen – der sich übrigens von einem ostgotischen Adelsgeschlecht ableitet – schön finden? Zumal der ärztliche Terminus im Alltag nie vorkommt. Gerne wüsste ich, wie medizinisch beschlagene Menschen zu dieser Frage stehen. Gibt es Arzttöchter namens Amelie? Bitte melden!

Thema: Namensgebung

Mein seltener Name und ich: Magne

Und wieder habe ich einen Namen aufgetan, bei dem ich zunächst ins Schwimmen gerate: männlich oder weiblich? Merke: Magne ist männlich, eine Variante von Magnus („Der Große“). Die weibliche Form wäre Magna. Der 1998 in Sachsen geborene Magne kennt die Unsicherheit, die sein Name auslöst, natürlich längst, von Arztbesuchen oder von an Frau Magne XY adressierter Sparkassenpost. „In der Schule kam es auch ein-, zweimal vor, dass ein neuer Lehrer gefragt hat: ‚Wo ist denn die Magne?‘.“

Mein seltener Name und ich: Berlind

„Wir haben noch keinen Namen, und ich bin schon vier Tage über ET“ – solchen Hilferufen begegne ich in den Weiten des Netzes immer mal wieder. Allzu sehr vor Kreativität überschlagen muss man sich dann allerdings nicht. In gefühlt 98 Prozent der Fälle verkünden die glücklichen Eltern schließlich doch einen Namen, an dem sie schon länger herumüberlegt haben. In letzter Minute etwas komplett Neues in sein Herz zu schließen wäre wohl auch etwas viel verlangt.

Ob es wohl früher mehr Eltern gab, die ohne fixen Favoriten in die Geburt gegangen sind? Bei den Eltern meiner heutigen Interviewpartnerin war es jedenfalls so. Sie kam 1977 in Nordhessen als Hausgeburt zur Welt. „Meine Mutter hatte zu Beginn der Wehen noch keinen Mädchennamen. Wäre ich ein Junge geworden, hätte ich Vasco geheißen. Sie blätterte also in den Wehen liegend im Namensbuch und ist nicht weiter als bis zum B gekommen, weil ich es dann wohl eilig hatte.“ And the winner was – Berlind.

Mein seltener Name und ich: Birka

Mit der Bedeutung von Namen habe ich es nicht so. Vor allem, wenn sie sich nicht intuitiv erschließt, sondern man beim ersten Hören an etwas anderes denkt. Bei Birka ist das so. Meine Assoziationen sind:

  • schlanke Laubbäume mit weißschwarzen Stämmen, Maigrün, Frühling
  • Birk, der beste Freund von Lindgrens „Ronja Räubertochter“

Tatsächlich handelt es sich bei dem Namen Birk, der in Skandinavien seit Beginn des 20. Jahrhunderts gebräuchlich ist (laut Vornamen-Duden), seinen Wurzeln nach wohl eher um eine alemannische Kurzform von Burkhard. In den 60er Jahren soll der Name über Skandinavien erneut nach Deutschland gelangt sein, also lange vor dem Erscheinen der „Räubertochter“ 1981. Birk wird allerdings auch mit dem isländischen und schwedischen Mädchennamen Björk in Verbindung gebracht und bedeutet dort und auch als Vokabel im Dänischen eben doch „Birke“. Birka und Birke sind die weiblichen Formen des Namens. Für Jungen gibt es auch noch Birko.

Die Macht ist mit Hans-Ole

So, jetzt habe ich endlich Star Wars VII gesehen. Ohne zu viel zu verraten kann ich sagen: Ich war verblüfft, als ich den eigentlichen Namen des Darth-Vader-Verschnitts Kylo Ren erfahren habe … Star Wars ist nicht jedermanns Sache, klar. Dieser Tage scheint die Welt regelrecht in Fans, Hasser und Gleichgültige zu zerfallen. So oder so denke ich, dass die Weltraum-Saga das Zeug dazu hat, Trends und Assoziationen zu prägen. Die Geschwisternamen Luke und Leia tauchen immer mal wieder zusammen auf, ebenso Anakin.

Wie steht es also mit Kylo (sprich Kailo): Hat er das Potenzial zum Hit? Klanglich ganz sicher, ähnelt er doch dem Aufsteiger Milo/Milow (2014 noch auf Platz 500, 2015 auf Platz 115), sofern dieser englisch gesprochen wird. Mailo geschrieben, verpasste der Name die aktuellen Top-200 nur knapp. Ein Y macht sich bekanntlich auch immer gut. Allerdings ist der Leumund von Kylo Ren so rabenschwarz wie seine Maske, und seine Zündschnur könnte kaum kürzer sein. Nennt man so sein Kind? Laufen nicht alle Pädagogen schreiend weg, wenn Klein-Kylo eingeschult wird?

Mein Modename und ich: Ben

Man kann es sich kaum mehr vorstellen, dass Ben mal ein echter Exot war: 2015 thront er schon wieder an der Spitze der beliebtesten Jungennamen Deutschlands, zum fünften Mal in Folge. Glückwunsch! Mir ist im Zuge des aktuellen Star-Wars-Booms bewusst geworden, dass auch ein Ben in der Saga vorkommt, der Jedi-Meister a.D. Ben Kenobi in Episode 4, die 1978 zuerst in deutschen Kinos zu sehen war.

Auf der Suche nach Trends – und dem neuen Kevin

Wie stellt man sich einen Vornamensexperten vor? Mit einem Stall voller Kinder mit seltsamen Namen doch sicher? Knud Bielefeld (48) aus Ahrensburg bei Hamburg ist Vornamenexperte, das wird heute am 30. Dezember durch diverse Nennungen in den Medien wieder besonders deutlich. Sein neunjähriger Sohn hört allerdings auf den unaufgeregten Namen Erik.

Bielefelds Zugang zum Thema ist eher sachlich-mathematisch als versponnen: Der Mathe-LK-Absolvent („recht erfolgreich“) und studierte Wirtschaftsinformatiker, der im Hauptberuf Datenbanken gestaltet, kam über Statistik zu den Vornamen. Einen Tag vor Silvester veröffentlicht er – 2015 zum zehnten Mal in Folge – seine Liste der häufigsten Babynamen Deutschlands. Der Hobby-Namensforscher schließt damit eine Lücke: Es gibt nämlich keine amtliche deutsche Vornamensstatistik. 2015 wertete Bielefeld für seine Hitliste 183.396 Geburtsmeldungen aus ganz Deutschland aus. Das sind etwa 26 Prozent aller in diesem Jahr in Deutschland geborenen Babys.

Thema: Interview

Jahresrückblick 2015: Ein bisschen Charlie

Da war doch noch was?! Genau, der Jahresrückblick, den wollte ich ja noch liefern. Also bitte: im Schweinsgalopp durchs Jahr 2015 und eine bunte Riege von Namen!

Jahresrückblick 2015

Januar

Charlie – das ist der Name Nummer eins im Januar. Die Parole „Je suis Charlie“, ausgegeben nach dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo, steht für die Freiheit zu spotten. Bisher ist Charlie, zuletzt auf Platz 201 mit Tendenz nach oben, für mich wahlweise durch den Chef dreier Engel oder einen Schimpansen besetzt, nun erhält er eine neue Note. Außerdem fällt mir in diesem Monat noch der Name des Dschungelcamp-Teilnehmers Aurelio Savina auf. Allerdings bekleckert sich der Ex-Bachelorette-Kandidat nicht eben mit Ruhm.