Mein seltener Name und ich: Cleo

Mein seltener Name und ich

Kurz und prägnant, dazu die schon bei Namen wie Leonie, Leon, Leo und Leonard erfolgreiche, ebenso melodische wie löwengleiche Buchstabenfolge „leo“: Ja, Cleo hat im Jahr 2022 eindeutig Modenamenpotenzial. Tatsächlich schneidet Cleo in der aktuellen Hitliste sogar noch besser ab als ich erwartet hätte: Platz 145 – mit klarer Tendenz nach oben. Besonders in Hamburg und Berlin leben bereits viele kleine Cleos. Bei noch im 20. Jahrhundert geborenen Menschen war das aber ganz anders, weshalb für mich der Fall klar war: In diese Reihe gehört auch ein Interview mit einer Cleo.

Natürlich ist von allen, die heute vor der Namensentscheidung stehen, zu bedenken, dass eine Baby-Cleo in den 2020er Jahren ganz anders eingebettet ist als etwa in den 1980ern. Ihr Name wird nicht wie einst Mitschüler*innen mit Massenphänomenen als Vornamen (Nicole, Michael o.ä.) zum Kopfschütteln bringen, sondern reiht sich relativ unauffällig neben Matteo, Theo oder Neo ein, wobei immer noch die für Mädchen untypische Endung hervorsticht.

Die Eltern mochten Cleo Kretschmer

Aber wie auch immer: Hier kommen die Namenserfahrungen der 1981 geborenen Cleo. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Stuttgart. Von ihrer Patentante hat sie einen zweiten Vornamen geerbt, den sie hier nicht verraten möchte und auch nicht nutzt. Ihre beiden Geschwister tragen „keine ausgefallenen Namen“. Dass sie selbst einen solchen erhalten hat, liegt an einer Schauspielerin: „Meine Eltern mochten Cleo Kretschmer.“

An dieser Stelle war meinerseits ein Ausflug zu Wikipedia fällig, obwohl ich den Namen schon mal gehört hatte. Witzig: Die 1951 in Niederbayern geborene Mimin heißt nur mit Künstlernamen Cleo, getauft wurde sie weit weniger glamourös Ingeborg Maria. Wann und wie sie sich umbenannt hat, konnte ich nicht herausbekommen. In der Besetzungsliste ihres Debüts, Teil fünf des „Schulmädchen-Reports“ („Was Eltern wirklich wissen sollten“), 1973 in den Kinos, wird sie schon als Cleo geführt. Gerechterweise muss hinzugefügt werden, dass Kretschmers eigentlicher schauspielerischer Durchbruch zwei Jahre später folgte, in schrägen Komödien mit Impro-Dialogen. In den 1980ern war sie bekanntes Mitglied der Münchner Promipartyszene.

Keine Spitznamen

Was bei Eltern von heute gut ankommen dürfte: Es existiert kein naheliegender Spitzname. Jedenfalls kann meine Interviewpartnerin auf die Frage danach nur den Kopf schütteln. Regelrecht typisch ist ihre Antwort auf mein Nachforschen, ob sie ihren Namen denn mag: „Mittlerweile schon“ – das habe ich so oder ähnlich schon von vielen Menschen mit seltenem Namen gehört. „Früher hat mich genervt, dass alle immer wissen wollten, ob mein Name eine Abkürzung wäre“, so Cleo weiter. „Von was, habe ich mich da gefragt. Ganz sicher haben mich meine Eltern nicht Cleopatra genannt!“ Ärgerlich findet sie auch, dass Cleo mitunter für männlich gehalten wird. „Dann bekomme ich Briefe an ‚Herrn Cleo …“. In solchen Situationen wäre ihr ein Name „wie Lea oder etwas in der Art“ lieber gewesen. Und was gefällt ihr an ihrem Namen? „Dass nicht jeder so heißt. Ich mag auch das Schriftbild gern.“

Probleme mit einer falschen Aussprache oder Schreibweise ihres Namens hat sie nicht. „Höchstens mit Chloe kommt es mal zu Verwechslungen.“ Cleo hat zwei Töchter, fünf und acht Jahre alt. „Der Name der Großen ist eher ausgefallen, der Name der Kleinen mittlerweile leider sehr verbreitet.“

Glamour und Nostalgie

Bei einem weiteren Ausflug zu Wikipedia konnte ich schließlich noch klären, weshalb der Name Cleo für mich so mit Glamour und Nostalgie verbunden ist. Es ist nicht die Bedeutung – aus dem Griechischen: Ruhm oder Ehre – und auch eher weniger die wohl doch untrennbar mit ihm verbundene Pharaonin, die „als Inbegriff der Schönheit und Verführungskunst“ galt. Und schon gar nicht Cleo de Nile (sprich: „Klio de Nail“), eine ägyptisch angehauchte Schöne aus dem „Monster High“-Puppenarsenal meiner Tochter. Nein, es ist Cléo de Mérode (1875–1966).

In einem Allgemeinbildungs-Schmöker aus den 50ern, in dem ich bei meinen Großeltern öfter geblättert habe (Titel: „Ich sag dir alles“), war ein – natürlich schwarzweißes – Foto von ihr, das mir sehr gefallen hat. Ihr vollständiger Vorname war, so lerne ich jetzt, Cléopatre-Diane. Die französische Ballerina und Varieté-Tänzerin muss zu ihrer Zeit eine Art Mix aus Dita von Teese und Lady Di gewesen sein. Jedenfalls kam sie als illegitimes Kind einer österreichischen Baronin zur Welt und war in ihren großen Jahren zumindest nach eigener Aussage „die meistfotografierte Frau der Welt“. Sie lancierte Modetrends, etwa eine Frisur mit Stirnband, und hielt die Welt nicht zuletzt mit Affären in Atem. So hatte der belgische König Leopold II. einer mutmaßlichen Liebschaft mit ihr den Spottnamen Cléopold zu verdanken.


12 Gedanken zu „Mein seltener Name und ich: Cleo“

  1. Cleo – hat was, gefällt mir sehr!

    Neulich bin ich in einer Kurzgeschichte über den Männernamen Cleon gestolpert. Und obwohl der Namensträger in der Geschichte nicht allzu positiv rüberkam, hat mich der Name selbst sofort überzeugt. Ist irgendwie markanter als der übliche, weiche Leon.

    Ebenfalls einen schönen Namen habe ich in einem Roman um den Bergsturz von Elm entdeckt: Kleophea. Diese war leider genauso unter den Opfern wie die Namensgeberin im kürzlich veröffentlichten Beitrag „Warum Carita ihren Namen einer Katastrophe verdankt“. Das hätte mich jetzt aber auch nicht davon abgehalten, den Namen ggf. zu vergeben.

    Wobei Kleophea schon etwas gehoben/geschwollen klingt. Wahrscheinlich würde ich dann doch eher zum „einfacheren“, „leichteren“ bzw. „frischeren“ Cleo greifen.

    Namenstechnisch interessant ist der vorgenannte Bergsturz von Elm (1881 im Schweizer Kanton Glarus) insofern, dass viele der Opfer den gleichen Namen trugen (Nachbenennung der Kinder nach Eltern, Großeltern, etc.) und unter den rund 115 Todesopfern 5 oder 6 Männer/Buben mit identischen Vor- und Nachnamen sind (und viele andere Kombinationen in doppelter und dreifacher Ausführung).

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    • Cleon gefällt mir auch, ich muss an Theon aus „Game of Thrones“ denken, der Name wird ja – trotz schwieriger Figur – auch ab und zu vergeben.

      Vom Schriftbild her besteht allerdings eine gewisse Nähe zu Clon und Clown.

    • K/Cleophea wäre mir insgesamt too much, too much Vokale, too much Unruhe, too much ausgefallen, too much zu buchstabieren, too much „Cleo- wie??“

  2. Cleo gefällt mir als Mädchennamen, Clea aber noch mehr.
    Ich glaube der Goldfisch von Gipetto aus „Pinocchio“ heißt Cleo. Es gibt eine Szene (die einzige, die ich kenne) in der ein kleiner schwarzes Kater diesen fangen will.

    Und dann wurde mir kürzlich auf Netflix die deutsche Serie „Kleo“ rund um eine Stasi-Agentin vorgeschlagen.

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    • Bei Clea bin ich direkt bei der Kläranlage. Diese Assoziation habe ich nicht bei Claire. Letzteres wäre für mich auch die ansprechendere/ richtigere Schreibweise.

    • Ich spreche Claire und Clea aber anders aus. Claire „Klär“ und Clea wie l nur mit k-Laut davor Cle-a. Claire mag ich aber auch gerne.

    • Ja, ich spreche die Namen auch dezent unterschiedlich. Claire hat bei mir nur eine Silbe, Clea hat zwei und ein hörbares E.
      Das mit der Assoziation kam mir zwar trotzdem, aber diesen Kommentar würde ich gerne wieder zurückziehen, weil man mit solchen Hinweisen erst derart unpassende Bilder in anderen weckt. Und das finde ich eigentlich ziemlich doof, da es diesen unbedeutenden Gedanken zusätzlich noch unnötig manifestiert.

  3. Meine Assoziationen sind auch Cleo Kretschmer und Cleopatra.
    Mir ist mal eine in den 80er Jahren geborene Cleo begegnet.

    Ich finde auch, Cleo „hat was“, vergeben würde ich diesen Namen aber sicher nicht.

    Wenn ich mich recht erinnere, kommt „Das Tagebuch von Jane Somers“ von Doris Lessing ein männlicher Cleo vor.

    Während mir viele Namen der Reihe „Mein seltener Vorname“ tatsächlich noch nie vorher oder höchstens in Namensbüchern begegnet sind, würde ich die letzten 3 – Gesine, Salome und Cleo in die Kategorie „kommt gelegentlich vor“ einordnen.

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