Namen im Duell: Roland vs. Ronald

Anja oder Tanja, Edwin oder Erwin – schon ein einziger Buchstabe erzeugt einen völlig anderen Beigeschmack. Bei mir: Mein Verhältnis zu Anjas war manchmal schwierig. Edwin finde ich cool, während Erwin für mich noch lange nicht revivalreif ist. Wenn es zu einem Namen einen minimal variierten Zwilling gibt, womöglich sogar noch ähnlich häufig, muss man oft mit einer falschen Ansprache rechnen. Ich habe mit einem Roland und einem Ronald über ihre Erfahrungen gesprochen.

Runde 1: Historie

Roland wurde 1957 geboren, seine Schwester heißt Brigitte. Sein Name war damals recht beliebt: 1959 erreichte er die Top 30. Als zu häufig empfand Roland seinen Namen aber nie: „Wenn Thomas gerufen wird, melden sich gleich zehn. Roland war immer nur ich.“ Der Name kommt aus dem Althochdeutschen und leitet sich von Begriffen für „Ruhm”, „wagemutig, kühn” oder auch „Land” ab. Bekannt wurde er durch ein Heldenepos, das Rolandslied, über die ruhmreiche Niederlage – ja, das gab’s – eines Paladins von Kaiser Karl dem Großen.

Ronald ist Jahrgang 1964 und hat einen Bruder namens Ralf. Sein Name erreichte die höchste Platzierung (Rang 40) etwa 1960. Nach seinem Empfinden wuchs er inmitten „einer überwältigenden Mehrheit von Rolands“ auf. (Interessanterweise äußert Roland den Eindruck, Ronald sei häufiger.) Der Name Ronald stammt aus Schottland und geht auf den weit weniger flüssig über die Lippen gehenden Rögnvaldr zurück. Dieser wiederum ist verwandt mit Reinhold, der aus dem Altgermanischen für „weiser Rat“ und „walten, gebieten“ gebildet wurde. Zudem hieß ein enger Vertrauter von Kaiser Barbarossa Rainald. „Der Berater des Herrschers, das ist doch eine positive Identifikationsfigur“, findet Ronald.

Roland in Bremen © Ottonera - Fotolia.com

Roland in Bremen © Ottonera – Fotolia.com

Runde 2: Spitznamen und Hänseleien

Seine Familie nennt Roland gelegentlich „Roli“. Trotz des stehenden Begriffs vom „Rasenden Roland“ – zugleich Figur eines Epos und der Name einer Kleinbahn auf Rügen – hatte er nie unter Namenswitzen zu leiden. Nur Anspielungen auf die Bremer Rolandssäule mag er nicht so, „schließlich bin ich Hamburger!“. Ronald wird von Freunden manchmal „Ronnie“ genannt. Sein Name bot mehr Angriffsfläche: „Ronald Reagan, Ronald McDonald, Ronny’s Pop Show“, zählt er auf (zur Erinnerung: „Ronny“ war ein von Otto Waalkes synchronisierter Schimpanse, der in den 80ern Videoclips präsentierte). Schließlich kam noch Ronny als Klischee-Ossi-Vorname hinzu. Ronald konnte drüber lachen: „Da war ich ja schon etwas älter.“ Und ja: Roland wird gelegentlich als Ronald angesprochen, Ronald immer mal wieder als Roland.

Runde 3: Und heute?

Weder Roland noch Ronald finden sich heute in den Top 500. Beide Namen sind so eindeutig Menschen zuzuordnen, die in ihrem fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt stehen, dass die Assoziationen dazu, von der Onomastik-Website in Online-Umfragen ermittelt, wenig schmeichelhaft ausfallen: Sowohl Roland als auch Ronald gelten demnach als eher unattraktiv. Kleiner Vorteil für Roland: Mit ihm wird auch Zuverlässigkeit assoziiert. Auf Ronald dürfte das üble Image von Ronny etwas abfärben. Aber: Auf Platz 453 der 2013er-Hitliste steht der Name Ron – Harry Potters bester Freund Ronald Weasley lässt grüßen. Und auch für Roland gibt es ein Hintertürchen: In Italien und Spanien heißt er nämlich Orlando – ein Name mit Potenzial.

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

13 Kommentare zu "Namen im Duell: Roland vs. Ronald"

  1. Mark sagt:

    Finde Ronald im Englischen toll (obwohl hier auch sehr altmodisch); die Abkuerzung „Ron“ ist auch im Englischen schoen. Im deutschen wuerde ich tatsaechlich Reinhold oder Rainald bevorzugen (auch wenn unheimlich altmodisch–aber altmodisch stoert mich nicht).

    Den Namen Roland finde ich wiederum im Deutschen sehr schoen, im Englischen aber nicht so toll. Muss dabei an das Rolandslied denken.

  2. Schtroumpfette sagt:

    Dass es Ronald und Roland gibt bzw. sich die Namen zum Verwechseln ähnlich sind, ist mir tatsächlich erst vor kurzem aufgefallen. Beide Namen sind mir im alltäglichen Leben fast noch nie begegnet. In der Grundschule gab es einen Ronald in meiner Parallelklasse, aber sonst…. Ronald ist mir daher und auch durch bekannte Namensträger wie Ronald Reagan oder Ron Wood, der ja eigentlich Ronald mit Erstnamen heißt, oder auch Fußballer namens Ronaldo doch ein klein wenig vertrauter als Roland. Letzteren verbinde ich wirklich nur mit dem Rolandslied – und mein Vater hatte, glaube ich, mal einen Kollegen dieses Namens.

    Ich finde diese Gegenüberstellung jedenfalls sehr interessant, da es um zwei Namen geht, die mich noch nie dazu gereizt haben mal weiter nachzuforschen. Beide haben doch eine ähnliche Wirkung auf mich; wobei ich Ronald doch als „jünger“ einstufe.
    Gut zu wissen, dass Orlando eine italienische und spanische Form von Roland ist! Orlando klingt wirklich viel moderner: vokalig, weich, rund, melodisch, und Orlando Bloom ist für den einen oder anderen sicher ein attraktives Namensvorbild.

  3. elbowin sagt:

    Ich kenne einen Roland und finde den Namen sehr schön.

    Ronald MacDonald (als Kinderclown in der Kindheit viel zu präsent) ist allein schon ein absoluter Namenskiller. Dazu kommt noch der „Richter Gnadenlos“ und Hamburger Politiker Ronald Barnabas Schill, der schon wegen seines Namens nicht so leicht in Vergessenheit gerät. Und L. Ron Hubbard, Science-Fiction Autor und Gründer von Scientology (voller Vorname: Lafayette Ronald).

  4. elbowin sagt:

    Nachtrag

    … aber mit einem o am Ende klingt Ronald gleich ganz anders : Ronaldo oder Ronaldinho klingen sehr nach Fußballstar.

    Gibt es auch die Entsprechung zu Orlando, also Ornaldo? — ich hätte diese Form noch nie gesehen.

    • Schtroumpfette sagt:

      Und hier der Fußballstar ohne o am Ende: Ronald de Boer! 😉

      Eigentlich heißt dieser ehemalige niederländische Fußballer jedoch Ronaldus – wirkt noch mal anders. Sein Zwillingsbruder heißt Frank. Sowohl die Eltern der wohl berühmtesten Fußballtwins als auch die Eltern von Ronald und Ralf sowie die von Roland und Brigitte scheinen eine gewisse Vorliebe für das R zu haben….

      Ornaldo ist mir auch noch nie untergekommen. Den Namen gibt es aber, denn ich bin bei meinen Recherchen auf einen kolumbianischen Fußballspieler namens Ornaldo Torres sowie auf einen Chilenen namens Ornaldo Villablanca Venegas gestoßen.

    • Schtroumpfette sagt:

      Kleiner Nachtrag: Frank de Boer heißt eigentlich Franciscus de Boer.

    • elbowin sagt:

      @stroumpfette

      Bei Fußballzwillingen denke ich zuerst an die Kremers-Zwillinge (Helmut uund Erwin) und dann aktuell an die Brüder Hamit und Halil Altintop. Die de Boers habe ich gar nicht auf dem Plan (OK, die haben auch nur für Holland und holländische Vereine gespielt …)

    • elbowin sagt:

      … gerade vergessen: Lars und Sven Bender sind auch Zwillinge.

  5. elbowin sagt:

    Orlando ist ein sehr spannender Name für mutige Eltern …

    mit fiel als erstes der Renaissance-Komponist Orlando di Lasso ein.

    Suchmaschinen (man muss sie zähmen, sonst kriegt man nur Hotels in Orlando, Florida) liefern einen Roman von Virginia Woolf und dessen Verfilmung, eine Oper von Händel und schließlich Orlando Furioso (das italienische Original zum „rasenden Roland“).

    • Kati sagt:

      Und Legolas, bzw. Orlando Bloom, der den Legolas spielt.
      er hat den Namen tatsächlich nach der Romanfigur von Virginia Woolf erhalten.

      Aber ich muss sagen, ich finde Orlando und Ronaldo oder Rolando viel schöner, als Ronald und Roland. Irgendetwas stört mich an den Namen, ich kann aber nicht sagen, was. Klanglich sind sie nicht wirklich mein Fall.

  6. Cassis sagt:

    Ich habe mit „Orlando“ zunächst nur den Roman von Virginia Woolf assoziiert, dann den Renaissancekomponisten und schließlich eine Oper von Händel. Inzwischen kenne ich auch einen Typen Ende 20, der so heißt. Roland hieß ein Dozent von mir mit Vornamen, der müsste inzwischen mindestens 40 sein.

  7. Mark sagt:

    Was Assoziationen angeht, habe ich bei Ronald die Assoziation mit dem grossen Filmstar der 1930er/40er Jahre, Ronald Colman.

    Der ist ein ziemlich toller Schauspieler–das waere schon eine positive Assoziation.

    Habe vor, unsern kleinen Sohn mit alten Filmen aufwachsen zu lassen–er wird der einzige in seiner Klasse sein, der Ronald Colman, Bette Davis, George Brent, und Olivia de Havilland kennt.

  8. Maria Th. sagt:

    Wer sich zwischen Roland und Orlando nicht entscheiden können sollte: es gibt als Namensvorbild auch noch den mexikanischen Tenor Rolando Villazon. Goldener Mittelweg! 🙂

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