Mein seltener Name und ich: Eilika

Es gibt ein paar Dinge, die Menschen mit sehr seltenen Namen früh in Fleisch und Blut übergehen. Die sehr deutliche Aussprache, wenn man sich vorstellt, zum Beispiel und das Buchstabieren. Die 1984 geborene Eilika, die ich zu ihrem Namen befragen durfte, wird aber trotz aller Bemühungen sehr häufig Annika oder Erika genannt. „Als Kind hat es mich genervt, dass niemand meinen Namen direkt richtig verstanden hat und ich ihn ausnahmslos immer buchstabieren musste.“ Mittlerweile hat sie längst ihren Frieden damit geschlossen: „Ich buchstabiere meist schon automatisch, wenn ich jemanden kennenlerne. Es ist einfach normal geworden.“

Mein Vornamens-Duden kennt Eilika als „alten deutschen weiblichen Vornamen, verselbstständigte niederdeutsch-friesische Koseform von Namen, die mit ‚Eil-‘ gebildet sind.“ Diese Namen gehen unter anderem auf das germanische „agi-“ zurück, das „Schrecken“ bedeutet. Huch! Auch die heute im Norden wieder recht geläufige Enna und das männliche Pendant Enno basieren auf diesem Wortstamm. Im Netz finden sich außer einer 1968 geborenen Biochemikerin namens Eilika vor allem adlige Vertreterinnen. Die um das Jahr 1081 geborene Eilika von Sachsen etwa, „nach ihrer Heirat Gräfin von Ballenstedt“, und Eilika Helene Jutta Clementine, Herzogin von Oldenburg, Jahrgang 1972. Auch dass Beatrix von Storch, ebenfalls aus dem Haus Oldenburg, Eilika als (allerdings nur vierten) Vornamen trägt, muss hier wohl erwähnt werden.

Mein seltener Name und ich

Meine Interviewpartnerin kürzt die Erklärung gern etwas ab. Auf die – recht häufige – Frage, woher ihr Name denn komme, ist „Das ist ein altdeutscher Name aus dem Norden“ ihre Antwort. Und wie kam sie nun dazu? Ein Bezug zum Niederdeutsch-Friesischen besteht schon mal nicht. Eilika wuchs im Ruhrgebiet auf, in Castrop-Rauxel. Ihre Eltern bedienten sich auch nicht in irgendwelchen Ahnentafeln. Hinter der seltenen Wahl steckt vielmehr das hier schon früher behandelte „Pädagogen-Problem“: Als Lehrerin bzw. Lehrer war es den beiden wichtig, bei der Benennung der eigenen Kinder nicht an Schülerinnen erinnert zu werden. Bei Eilikas zwei Jahre älterer Schwester fiel die Wahl auf Mareike. Den Namen Eilika entdeckte das Paar dann in einem Namensbuch.

Eilika betont ihren Namen auf der ersten Silbe. „Witzigerweise betonen Menschen, die meinen Namen zum ersten Mal lesen, beim Arzt oder so, immer erst mal die zweite Silbe.“ Von guten Freunden und in der Familie lässt sie sich den Spitznamen Eili gern gefallen. Überhaupt mag sie ihren Namen. Der Klang gefällt ihr. Und: „So heißt nicht jeder, das finde ich gut.“ Sie wollte auch noch nie anders heißen: „Mein Name gehört einfach zu mir.“ Allerdings, so räumt sie ein, musste sie in jungen Jahren ab und zu Wortspielchen über sich ergehen lassen, von der „eiligen Eilika“ – und Witzeleien rund um Eierlikör. „Das fand ich als Kind schon ziemlich blöd. Jetzt kann ich darüber lachen.“ Auch zu Missverständnissen und falschen Schreibweisen ist ihr Verhältnis sehr entspannt: „In Situationen, wo es nicht weiter drauf ankommt, übergehe ich den Fehler einfach und lasse das so im Raum stehen.“

Wenn sie mal im Ausland unterwegs ist, gefällt es ihr aber doch ganz gut, zur Abwechslung nicht als „die mit dem seltenen Namen“ aufzufallen. „Da ist Eilika ‚normaler‘, weil dort viele deutsche Namen unbekannt sind.“ Eine Namensvetterin hat sie noch nie getroffen. „Ich hab nur mal ein Buch gelesen, in dem der Name vorkam. Das fand ich schon irgendwie merkwürdig.“ Für ihre Söhne hat Eilika bewusst auch nach Namen gesucht, die in ihrer Umgebung eher selten sind. Nur Namen, „die immer buchstabiert werden müssen“, schieden aus. Die Wahl fiel auf Jasper und Lasse.

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5 Gedanken zu „Mein seltener Name und ich: Eilika“

  1. Ein neuer Artikel, wie schön! Ich mag die Reihe sehr gerne.
    Eilika habe ich tatsächlich auch erst auf der zweiten Silbe betont. Er klingt durch die Nähe von Annika, Erika und Marika vertrauter als andere Namen in dieser Reihe. Die Abkürzung Eili finde ich niedlich.

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  2. Eilika kannte ich noch nicht, nur Eika (gleicher Wortstamm). Eilika klingt in meinen Ohren etwas verspielter bzw. filigraner, Eika etwas vertrauter und bodenständiger. Vlt. auch eine gute Alternative für Eltern, denen Eike zu unisex/männlich ist?

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  3. Mir ist eine neugeborene Eilika über zwei, drei Ecken bekannt und ein erster Kommentar zum Namen war: „I lick a… what?“ Wenn man sich etwas Mühe gibt, klingt es auf englisch wie „ich lecke eine(n)…“
    Das könnte hier natürlich zum Weiterspinnen einladen. Allerdings nur bei Betonung auf der 2. Silbe, was bei besagter Eilika der Fall war.
    Ich wäre darauf selbst nie gekommen, aber das ist nun meine einzige Verbindung zum Namen Eilika.
    Auf der ersten Silbe betont verschwindet diese Assoziation völlig und der Name wirkt ganz neu und schön verspielt.

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  4. Eilika finde ich sehr hübsch.

    Ein alter deutscher Name, den kaum jemand kennt, und der von Form und Klang her interessant und ungewöhnlich ist.

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