Ein kleiner Jorah

Jorah

Heute geht es noch mal nach Westeros, in das fiktive Reich der Erfolgsserie „Game of Thrones“, die mancher ja vielleicht auch dieser Tage (wieder?) inhaliert (ich kann auch die Romanvorlagen von George R. R. Martin empfehlen: sehr spannend!). Und zwar besuchen wir Ser Jorah Mormont von der Bäreninsel – „Ser“ ist in der Serie der Titel für Ritter. Der gute Jorah ist ziemlich verlottert, ja sogar geächtet, als er auf Daenerys Targaryen trifft. Er verliebt sich in die viel jüngere Frau, die ihre Haarfarbe mit der „Eiskönigin“ teilt und ein ausgesprochenes Faible für Drachen hat. Die Liebe bleibt zwar unerfüllt, trotzdem steht er ihr in den Kämpfen um den Thron treu zur Seite.

Ob es den Vornamen Jorah vor der Serie wirklich schon gab, kann ich nicht mit Sicherheit beantworten. George R. R. Martin hat etliche Namen vergeben, die nur knapp an Einträgen im Vornamensduden vorbeischrammen und die deshalb viel alltagstauglicher wirken als etwa Daenerys. Jedenfalls gibt es Websites, die Jorah als männlichen und auch als Unisexnamen führen. Da heißt es unter anderem, Jorah für Mädchen sei „biblisch“ und bedeute „Herbstregen“, für Jungen sei der Name „indianisch“, Bedeutung: „Bär“. Hm. In Deutschland hat vor allem der Mädchenname Arya. vom Hype um „Game of Thrones“ profitiert (Platz 129). Mir persönlich ist allerdings noch keine kleine Arya untergekommen – aber ein kleiner Jorah! Seine Mutter war so lieb, mir für diesen Beitrag viele Fragen zu beantworten (vielen Dank noch mal!).

Also: Klein-Jorah wurde 2017 geboren. Seine Mama heißt Christina und ist Jahrgang 1983, Papa Martin wurde 1969 geboren. Die Familie, zu der auch Jorahs großer Bruder Till gehört, lebt im Ruhrgebiet. Gesprochen wird Jorahs Name übrigens – wie in der Serie – mit deutschem „J“ wie bei Johannes. Er hat einen Zweitnamen, Dorian, allerdings ganz freiwillig und nicht etwa, um das Geschlecht festzuschreiben: „Wir haben alle Zweitnamen, deshalb war klar, dass er auch einen bekommt. Die Standesbeamtin fand den Namen Jorah ganz toll und wollte auch wissen, woher er kommt und warum wir ihn gewählt haben.“ Zu Missverständnissen und Verwechslungen mit Mädchennamen wie Norah oder Dora sei es bislang nie gekommen.

Jorahs Eltern haben sich ganz bewusst einen Namen aus dem „Game of Thrones“-Universum ausgesucht. Anfangs war nur Martin von GoT infiziert. „Ich hab mich relativ lange geweigert, die Serie überhaupt zu schauen“, erinnert sich Christina, „weil ich dachte, das ist nur irgendwas mit Krieg und Mord und Totschlag.“ Schließlich funkte es aber doch bei ihr – und wie! In der Schwangerschaft klopfte das Paar diverse GoT-Namen auf ihre Tauglichkeit ab: „Wir wollten unseren Sohn nicht nach einem Zwerg, Mörder oder Eunuchen benennen, um ihm später keine Probleme zu bereiten. Daher fiel eine Menge möglicher Namen schon raus.“ Die Figur des Jorah Mormont schien in dieser Hinsicht keine Probleme zu bereiten: „Er ist loyal, stark und auch ein hübscher Kerl – finde ich zumindest, mein Mann hat dazu keine Meinung“, sagt Christina und lacht.

Die beiden fanden den Klang des Namens zu ihrem „typisch deutschen“ Nachnamen passend, und auch das „Bärige“ sprach sie an: „Der Bär signalisiert Stärke, aber auch Ruhe und Gelassenheit. Alles Eigenschaften, die man sich für ein Kind wünschen würde. Und es hat sich tatsächlich bewahrheitet: Unser Jorah hat Ruhe wie ein Bär, ist eher kräftig und kann auch mal ‚den Bären rauslassen‘”. Da GoT bei der Geburt ihres Sohnes noch nicht abgeschlossen war, bestand das Risiko, dass sich die Figur negativ entwickelt. „Das kam uns aber sehr unwahrscheinlich vor. Und ich denke, am Ende hat er ganz gut abgeschnitten.“ Auch über die Möglichkeit, dass „ihr“ Jorah einmal mit der Herkunft seines Namens hadern könnte, hat das Paar sich Gedanken gemacht. „Da die Serie erst ab 18 ist, kann man ihm eigentlich lange genug einreden, dass es eine coole Serie ist, die zur Zeit seiner Geburt eigentlich fast jeder gut fand – zumindest sehr viele Leute.“ Zur Not könne er auf seinen Zweitnamen zurückgreifen, „das hoffen wir aber natürlich nicht.“

Wie waren die Reaktionen nach Jorahs Geburt? „Durchweg positiv“, berichtet Christina. „Von der älteren Generation kann aber niemand was mit ‚Game of Thrones‘ anfangen. Bei denen reicht ‚Indianisch für Bär‘ völlig aus.“ Erkannt werde der Name selten und nur von Jüngeren: „Ein Pfleger im Krankenhaus sagte, dass er seinen Sohn auch gern so nennen würde, seine Frau das aber nicht zulassen würde.“ Der mit Abstand häufigste Kommentar sei einfach: „Oh, ein ungewöhnlicher Name, woher kommt der denn?“ Die Aussprache bekämen die meisten auf Anhieb hin. „Einige sagen erst Jurah oder Jona.“ Die korrekte Schreibweise zu treffen sei da schon etwas schwieriger. Die Kinder in der Kita kämen mit dem Namen prima klar. Und Jorah selbst? „Er hat sich zuerst Joga genannt“, schmunzelt Christina. Sie und ihr Mann hoffen noch auf ein Schwesterchen für Jorah. Der Name steht diesmal schon mit ziemlicher Sicherheit fest: natürlich Arya.

8 Gedanken zu „Ein kleiner Jorah“

  1. Der Name Jorah kommt in der Bibel genau einmal vor (in einer langen Namensaufzählung bei Esra) und wird dort von einem Mann getragen. Was die Bedeutung angeht, sind die verschiedenen Bibelwörterbücher erstaunlich uneinig, obendrein besteht die Möglichkeit, dass der Name durch die Überlieferung entstellt worden ist – eine Parallelstelle bei Nehemia hat den Namen Harif. “Herbstregen” ist dennoch eine plausible Deutung des Namens.

    Antworten
  2. Hm, der Name klingt biblisch und Namen mit Jo- gefallen mir meistens.
    Störend finde ich die Geschlechtsuneindeutigkeit – Würde ich den Namen z.B. auf einer Klassenliste lesen, wüsste ich nicht, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt. Offenbar kann er ja tatsächlich auch ein weiblicher Vorname sein.
    Für Kinder kann das, denke ich, unangenehm sein, wenn ein Junge wegen seines Namens häufig für ein Mädchen gehalten wird oder umgekehrt.
    Etwas störend finde ich auch, dass der Name leicht mit geläufigeren im Klang oder Schriftbild ähnlichen Namen verwechselt werden kann: Jonah, Joran, Nora, Jara.
    Die indianische Herkunft und Bedeutung Bär finde ich sympathisch.
    Die Serie Games of Thrones kenne ich nicht und kann von daher nichts damit anfangen.
    Fazit: ein ungewöhnlicher Vorname mit angenehmem Klang und netter Bedeutung – kann man machen.

    Arya ist mir noch nie begegnet. Bei Arya stört mich, dass ich nicht weiß, wie er korrekt ausgesprochen wird, und der Anklang an “Arier”.
    Ein Name, von dem ich eher abraten würde.

    Antworten
  3. Ich finde den Namen gut und hätte ihn als eindeutig männlich identifiziert. Vermutlich wegen der Ähnkichkeit zu Jonah. Ich kenne die Bücher, hätte aber gedacht, dass es den Namen auch schon vorher gab. Ist also für mich kein absoluter Fanname.

    Ansonsten gefällt mir aber, dass die Eltern dazu stehen, dass sie Fans sind. Anders als die Eltern der kleinen Arwen, die ich einmal kennenlernte. Sie meinten, der Name ihrer Tochter habe rein gar nichts mit dem Herrn der Ringe zu tun. Stimmt zwar, dass es den Namen schon länger gab, aber sich dieser Assoziation so völlig zu verweigern, finde ich irgendwie naiv.

    Antworten
  4. Na ja, dass die Namenswahl nichts mit dem Herrn der Ringe zu tun hat, kann doch schon sein.
    Ich hätte jetzt auch nicht gewusst, dass der Name Arwen in Herr der Ringe vorkommt, weil ich weder das Buch gelesen noch den Film gesehen habe. Genausowenig hätte ich Jorah Games of Thrones zuordnen können.
    Eltern, die ihre Tochter Hermine oder ihren Sohn Harry oder Ronald nennen, sind ja auch nicht zwangsläufig Harry-Potter-Fans.

    Und wenn die Aussage “hat nichts mit Herr der Ringe zu tun” sich auf die Herkunft des Namens bezieht, trifft das ja auch zu.

    Wenn die Eltern allerdings behaupten, der Name habe rein gar nichts mit Herr der Ringe zu tun, trifft das selbstverständlich nicht zu, wenn der Name in Herr der Ringe vorkommt.
    Aber deshalb müssen die Arwen-Eltern ja nicht zwangsläufig Fans sein.

    Es gibt bestimmt auch Ronja-Eltern, die keine Astrid Lindgren -Fans sind und vermutlich haufenweise Jason-Eltern, die noch nie etwas von der Argonautensage gehört haben.

    Antworten
  5. Bei Jorah habe ich angefangen Jaron gelesen.

    Ich habe die GoT-Bücher nie gelesen und vielleicht fünf Folgen der ersten Staffel gesehen, ich liebe Fantasy, aber die Serie hat mich einfach nicht gekriegt. Da eine Freudin von mir ein großer Fan ist, habe ich dann aber doch ein ganze Menge über die Serie und die Charaktare erfahren. Über Jorah hat sie allerdings nicht erzählt.
    Der Name hat etwas an sich, ich hätte den Namen aber spontan als Mädchenname verorter ( siehe Nora, Cora, Liora)

    Denn Namen Arya kannte ich als Aria vor Arya Stark. Eine der Protagonisten in „Pretty Little Liars“ heißt so.
    In der Schreibweise Arya kenne ich den Namen auch als Jungennamen.

    @chiocciola
    Zu Jason- ich musste ein wenig schmunzeln, denn meine Nachhilfeschüler sprechen den antiken Iason nicht mit deutschem J aus, sondern englisch „Dschäjsen“.
    Antigone wird da auch gerne zu „Äntigooon“.
    Ich stimme dir zu, dass nicht alle Eltern die bekannten literarischen Vorbilder zu den Namen kennen, die es schon vor den Büchern gab.
    Anders sieht es natürlich bei Madita und Co.

    Antworten
  6. Fast unglaublich, aber wahr: In der Krippengruppe meiner Tochter heißen tatsächlich zwei Mädchen sehr nach Game of Thrones – nämlich die kleine Sansa, die eindeutig danach benannt wurde, und Meera, die soweit ich weiß aber einen anderen Urpsrung bzw anderen Einfluss hatte.

    Antworten
    • Das ist ja ein Ding! Wird Sansa eher ßanßa gesprochen oder mit demselben (stimmhaften?) S wie bei (deutsch gespr.) Selma oder Senta? Und Meera wie das Meer oder wie Mira? Mir gefallen beide Namen gut, einmal klanglich und durchaus auch wegen der GoT-Figuren dahinter, die sehr stark, dabei aber nicht ganz so krass unterwegs sind wie Arya …

Schreibe einen Kommentar