Artikel von: Annemarie Lüning

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 8-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

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Mia fährt Bus & Bahn in Bremen

Neulich war ich mal wieder in Bremen, wo ich meine Zwanziger verlebt habe, und traf gleich am Bahnhof auf MIA. Nein, keine alte Bekannte, sondern ein Angebot der Bremer Straßenbahn AG, kurz für „Mobil Im Abo“, das es laut meiner Recherche seit 2013 gibt. Ob sich Bremer Fans des Namens Mia darüber ärgern? Oder könnte der Ticket-Name sogar Eltern inspirieren? Bei einem solchen Top-Namen – in der Hansestadt seit Jahren im Wechsel mit Emma an der Spitze – ist das kaum feststellbar.

Trotzdem eine interessante Frage: Haben Namen aus Stadtbild oder -historie Einfluss auf die elterliche Wahl? Kommen Schwangere ins Schwärmen, wenn sie in verschnörkelten Lettern den (Familien-)Namen Jonas an der Front eines Tabakladens lesen? Könnte ein griechisches Lokal namens Eliá schon Nachahmer ins Standesamt getrieben haben, von denkbaren, womöglich unbewussten Vorlieben für Becky und Jacob (nach heimischer Genussmittelindustrie) gar nicht zu reden?

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Wie auch immer, ich habe ein bisschen gegraben und kann noch einige Bremensien präsentieren, die auch für Nicht-Bremer anregend sein könnten:

Alexander (D: Platz 26, HB: 24)  – „Sail away“ unter grünen Segeln: Die Bark „Alexander von Humboldt“, benannt nach dem Naturforscher, liegt als Gastronomieschiff an der Weserpromenade vor Anker.

Cato – Der Name der Bremer Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Cato Bontjes van Beek (1920–1943) ist eine niederländische Kurzform von Katharina. Geht auch für Jungs.

Emma (D: Platz 2, HB: 1) – Gräfin Emma von Lesum (um 975/980–1038) ist die erste namentlich nachweisbare Bremerin. Nach ihrem Tod wurde sie als Heilige verehrt.

Finn (D: Platz 6, HB: 2) – Ob es im Bremer Stadtteil Findorff, benannt nach „dem Vater aller Moorbauern“ Jürgen Christian Findorff, wohl mehr Jungen namens Finn gibt als anderswo?

Friedo – Der in Bremen geborene Schriftsteller Friedo Lampe (1899–1945, eigentlich Moritz Christian Friedrich) wurde lange Zeit verkannt.

Gesche – Diese niederdeutsch-friesische Gertrud-Variante ist für Bremer ein rotes Tuch, wegen Gesche Gottfried, die im 19. Jahrhundert im Lauf etlicher Jahre 15 Menschen, die eigenen Kinder, Verwandte und Freunde, vergiftete.

Heini – „Heini Holtenbeen“ (Jürgen Heinrich Keberle) wurde durch seine wunderliche Art und plattdeutsche Sprüche zum Stadtoriginal.

Lale – Die Bremerhavenerin Lale Andersen, eigentlich Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, kam durch das Lied „Lili Marleen“ zu Weltruhm. Die Namen Lale und Lili wurden 2013 und 2015 im Bremerhavener „Zoo am Meer“ an Eisbärinnen vergeben.

Paula (D: Platz 37) – Paula (Becker-Modersohn), Clara (Westhoff), Fritz (Mackensen, Overbeck), Hermine (Overbeck-Rohte) … etliche der Namen, die in der Künstlerkolonie Worpswede vertreten waren, sind heute wieder sehr beliebt.

Roland – Der Name des Riesen auf dem Bremer Marktplatz darf hier nicht fehlen.

Tami – Der Spitzname von Reformpädagogin Maria Wilhelmine „Tami“ Oelfken (1888–1957) soll von Schülern aus „Tante Mieze“ gebildet worden sein. Es gibt Tami auch im Hebräischen, in Japan sowie als finnischen Männernamen.

Vesa – Eine denkbare Reminiszenz an die Weser wäre Vesa, ein albanischer Mädchen- und finnischer Jungenname. Auch die Schreibweise Wesa scheint möglich. Auch schön: der hebräische Name Jawesa („die Göttliche“).

Thema: Regional

Die liebe (Not mit der) Aussprache

„Wie heißt du denn?“ – „Sophie.“

Dieser Minidialog, den ich neulich mit einer etwa elfjährigen Hamburg-Touristin führen durfte, hat mich zum Nachdenken gebracht. Ihre Sophie klang nämlich nicht wie meine (auf der zweiten Silbe betont), sondern eher wie ein verniedlichtes Polstermöbel: SOfi.

Irgendwie hatte ich bislang gedacht, der Erfolg von Sophie rühre daher, dass die Aussprache dieses Namens so eindeutig ist und er sich just wegen seiner Betonung so gut als „middle name“ macht. Dass aus Sophie irgendwo angeblich Soffi wird (?!) und dass die Tante meines Mannes ihren Drittnamen Sofi-e spricht mit separatem e (wenn sie ihn denn überhaupt spricht), hatte ich als bloße Kuriositäten abgetan. Aber so einfach ist es wohl doch nicht.

Trotzdem stachelt es mich zum Widerspruch an, wenn ich von Eltern höre oder lese, die Namen mit schwieriger Aussprache favorisieren mit der Begründung, man könne sowieso bei keinem Namen sicher sein, dass der richtig gesprochen werde. Ah ja? Tim, Tom, Anna, Lena … mir scheint es viele narrensichere Namen zu geben. Und vor allem: nicht nur Schwarz und Weiß, sondern jede Menge Graustufen. Sprich: Namen, die hierzulande mit höherer Wahrscheinlichkeit falsch gesprochen werden als andere. Regionale Besonderheiten lasse ich dabei mal außen vor. Dass Eltern mit ihrem Lieblingsnamen kaum durch die Republik tingeln können, um abzuklären, ob dieser irgendwo komisch ausgesprochen werden könnte, ist klar. Sollte es Klein-Astrid doch mal ins Schwäbische verschlagen, ist das einfach Pech. Über offensichtlichere Fallstricke sollte man aber zumindest mal nachdenken.

„Ich kann mein Kind unbesorgt Miguel/Kjetil/Päivi nennen – unser Umfeld wird schnell wissen, wie wir das ausgesprochen haben wollen, und das ist doch die Hauptsache.“ – Wirklich? Ich frage mich immer, ob diese Leute daran denken, dass ihr Kind auch mit Menschen zu tun haben wird, die es noch nicht kennen. In Behörden, im Job, bei jedem Päckchen, das der DHL-Bote ihnen reicht: „Post für Migu-el Meier, sind Sie das?“ Ob man den Sprecher nun korrigiert oder nicht – so was nervt doch, oder?

Paketbote © detailblick-foto - fotolia.com

Paketbote. Foto © detailblick-foto – fotolia.com

Hinzu kommt, dass viele Menschen wenig Gespür für sprachliche Nuancen haben. Dass ihr neuer Großneffe, der kleine Liam, nicht Lai-äm, sondern Li-äm (oder doch deutsch Li-am?) gesprochen werden soll, bekommen sie nach erster Fehlinterpretation der Geburtsanzeige vielleicht noch hin. Aber Cousine Kathleen aus Leipzig sagt Onkel Gerhard nun schon seit über dreißig Jahren, dass sie ihren Namen auf der ersten Silbe betont (KATT-lehn statt Kat-LEHN) grauenvoll findet – keine Chance. Dabei möchte er sie gar nicht ärgern, wirklich nicht. Er hat nur einfach kein Ohr für den Unterschied.

Mehr Modenamen mit Aussprache-Hürden (meist: deutsch oder englisch?): Jonah, Damian, Milo, Lionel, Patrick und Annie, Josephine, Joleen, Jolina/Joelina.

Thema: Namensgebung

Cheerio, Miss Sophia! Knud Bielefeld im Interview

Silvesterbabys sind keine dabei, Christkinder aber schon: Für seine Top 500 der beliebtesten Vornamen Deutschlands hat Knud Bielefeld die Namen von insgesamt 196.158 Kindern, die 2016 bis einschließlich 28. Dezember geboren wurden, gesammelt und akribisch ausgewertet. Schließlich hat Bielefeld den Tag vor Silvester als Festtag für alle Namensinteressierten geprägt, ebenso wie seine Bezeichnung als „Hobby-Namensforscher“. Auch in diesem Jahr erfasst der 49-jährige Wirtschaftsinformatiker aus Ahrensburg in dieser Funktion wieder etwa 26 Prozent der hierzulande geborenen Babys. Eine amtliche deutsche Vornamensstatistik gibt es nicht.

Annemarie Lüning: Wie ist das nun mit den Silvesterbabys – würde es etwas ändern, wenn sie mit in deine Auswertung eingehen würden?

Knud Bielefeld: Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Stichprobe vom 31.12. untersucht, das waren ganz normale Namen. Es müssten sich schon extrem viele Eltern auf einen speziellen Namen einschießen, damit das etwas in der Hitliste ändern würde, seien es nun Silvester oder – nach den „Dinner for One“-Darstellern – Freddie und May.

AL: Mia und Ben sind wieder Spitzenreiter, im Fall von Ben schon im sechsten Jahr in Folge. Waren die beiden 2016 in Gefahr, von ihrem Thron gestoßen zu werden?

KB: Nein, beide haben einen deutlichen Vorsprung, es war schon lange klar, dass sie das Rennen machen würden. Immerhin hätte es bei den Mädchen um ein Haar einen Wechsel auf Platz 2 gegeben: Sophia hat stark zugelegt. Viel mehr als die Siegernamen fasziniert mich aber, was neu auf die Liste kommt und wie sich Trends entwickeln. Zum Beispiel Fiete: Er ist mir zuerst in Mecklenburg-Vorpommern aufgefallen. Mittlerweile breitet er sich immer weiter aus und ist auch etwa in Nordrhein-Westfalen beliebt.

AL: Welche Namen sind denn bundesweit am stärksten im Aufwind?

KB: Die stärksten Aufsteiger sind 2016 ganz klar Milan, Oskar und Theo sowie Sophia, Mila und Alessia. Zu Milan ist mir sogar mehrfach, wenn auch sehr selten, eine Neubildung aufgefallen: Janmilan.

Aufsteiger 2016

AL: Wenn dir jemand erzählt, dass er sein Baby Mila Sophie nennen möchte, vielleicht noch mit dem Zusatz „Wir haben uns da was Besonderes überlegt“, sagst du da etwas?

KB: Wenn meine Meinung gefragt ist oder ich merke, dass die Eltern etwas Besonderes möchten, sage ich schon, dass es sich um eine sehr häufige und damit leider recht langweilige Kombination handelt. Immerhin sind solche Namen aber besser als total exotische Sachen, die keiner richtig schreiben oder aussprechen kann, oder auch als Namen, zu denen sich üble Assoziationen aufdrängen. Wenn ich einen Namen nur nicht schön finde, sage ich eher nichts. Wenn die Eltern aber offensichtlich auf dem Holzweg sind und einen Namen beispielsweise als „schön schwedisch“ anpreisen, wo ich genau weiß, das stimmt nicht – ja, dann bringe ich mich schon ein.

AL: Wollen Eltern denn heute eher ausgefallene Namen oder doch eher solche, mit denen man nicht groß aneckt?

KB: Jedes zweite Kind bekommt einen Namen aus den Top 60 – zu ungewöhnlich soll es für die meisten also doch nicht sein, auch wenn sich natürlich nicht jeder über die Platzierung seines Lieblingsnamens im Klaren ist.

AL: Mir ist aufgefallen, dass der bisherige Hamburger Lieblingsname Henry in der Hansestadt mehrere Plätze verloren hat und dort nun Finn an der Spitze steht. Wie kommt’s? Zeigt sich hier etwa doch ein Einfluss der neuen Star-Wars-Figur Finn?

KB: Eher nicht. Die Platzierung von Finn hat sich bundesweit ja kaum verändert. Der Effekt dürfte eher daran liegen, dass in den Listen der Stadtstaaten und des Saarlands wegen der geringeren Geburtenzahl mehr Bewegung ist. Natürlich kann es auch sein, dass die Schlagzeile vom letzten Jahr, „Henry ist der häufigste Name in Hamburg“, einige Eltern dazu gebracht hat, sich anders zu entscheiden.

AL: Was waren deine persönlichen Highlights bei beliebte-Vornamen im Jahr 2016, und welche Pläne hast du für 2017?

KB: Erst mal waren natürlich unsere Buchveröffentlichungen Highlights, erstmals in Zusammenarbeit mit einem Verlag, und das Kevinometer. Für diese App plane ich Erweiterungen, zu denen ich allerdings noch nichts verraten möchte. Außerdem konnte ich 2016 die Liste der Namen, für die man sich die Regionalverteilung anzeigen lassen kann, stark aufstocken. Auch hier bleibe ich weiter am Ball.

Thema: Interview

Zu viel des Guten?

„Zu viele Vornamen fürs Kind sind einfach nur peinlich und unterschichtig.“
„Wieso? Die Kinder in den Königshäusern haben doch auch immer viele Namen.“
„Eben.“
„???“

So oder ähnlich läuft er ab, der typische Dialog zwischen Ein- und Vielnamenbefürwortern, die niemals auf einen Nenner kommen. Wie viele Namen sind wirklich zu viel – drei, vier, fünf? Fällt es ins Gewicht, wenn mit Familientradition bzw. Bezügen auf Oma, Opa, Patentante argumentiert werden kann? Irgendwo, irgendwie passt dieser Klassiker der Vornamensfragen ganz gut in die Weihnachtszeit, in der viele von uns allzu viel haben, seien es Plätzchen, Gänsebraten oder Geschenke für die Kinder. Vor einem Jahr habe ich über Namen aus meinen liebsten Weihnachtsbüchern und -filmen geschrieben, an denen ich mich auch 2016 wieder erfreut habe. Dabei bin ich in „Hilfe, die Herdmanns kommen “ auf eine schöne Passage gestoßen, in der die unterschichtigen Herdmann-Kinder die Weihnachtsgeschichte hören und sich darüber wundern, dass Maria nicht den Namen für ihr Baby aussuchen durfte („Eugenia: ‚Ich hätte ihn Willi genannt.’“):

„Was hat denn der Engel gemacht? Ist der einfach gekommen und hat gesagt: ‚Nenne ihn Jesus‘?“
„Ja“, sagte Mutter, weil sie schnell fertig wollte.
Aber Alice Wendlaken musste ihren vorlauten Mund aufmachen. „Ich weiß, was der Engel gesagt hat“, flötete sie. „Er sagte: ‚Sein Name wird sein Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst.’“
Ich hätte sie erschlagen können.
„Mein Gott“, sagte Eugenia. „Der wäre nie über die erste Klasse hinausgekommen, wenn er das alles hätte schreiben müssen!“

Ob die Namen Jesu nun ein Argument für oder gegen x Vornamen sind? Das dürfen Sie gerne selbst entscheiden. Mir bleibt an dieser Stelle nur, allen Blog-Lesern – um mit dem „Kleinen Lord“ zu sprechen – ein frohes, gesegnetes Fest zu wünschen!

Thema: Namensgebung

Jahresrückblick 2016: Aufschlag Angelique

Wie immer wild gemischt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Wir blicken zurück auf zwölf Monate und ihre Namen.

Januar

Ob dieser Tage wohl mehr Davids geboren werden, dem verstorbenen Mr. Bowie zu Ehren? Im Sportbereich punktet der Name Angelique, nachdem er bislang eher mit 70er-Jahre-Bestsellern verbandelt war („Unbezähmbare A.“): durch Angelique Kerbers Triumph bei den Australian Open. Gründlich in Verruf bringen dagegen Beatrix von Storch (weitere Vornamen: Amelie Ehrengard Eilika), die gegenüber Flüchtlingen Waffen zücken will, sowie ihre AfD-Genossin Frauke Petry ihre Namen. Und dann fällt mir noch der neue Hamburger Innen- und Sportsenator Andy Grote auf. Der gebürtige Niedersachse ist der Beweis dafür, dass man es auch mit einem kecken Kurznamen zu Amt und Würden bringen kann.

Februar

In der diesjährigen Ausgabe von „Germany’s Next Topmodel“ wimmelt es nur so vor Lauras, Laras und Elenas. Doch auch Exotischeres ist dabei, neben Luana insbesondere Yusra und Taynara. (Den Sieg heimst schließlich eine Trägerin des Unisex-Namens Kim ein.) Außerdem läuft ab Februar ein TV-Spot, in dem ein paarungswilliger Cabriofahrer damit konfrontiert wird, dass sein Date das gemeinsame Leben bereits durchgeplant hat, bis hin zu den Namen der Kinder: Bastian und Nora. Ob man so seine Lieblingsnamen durchkriegt …?!

2016 Jahresrückblick

März

Aus der klischeebehafteten Mandy wird eine edle Grace: So geschehen bei der deutsch-italienischen Sängerin Mandy Grace Capristo, die nun ihren Zweitnamen nutzt, um sich „von allem zu lösen“. Ein Zweitname, damit das Kind später die Wahl hat – hier hat das offenbar gepasst. Ende des Monats beginnt mit einer Satire, über die der türkische Staatspräsident nicht lachen kann, die Böhmermann-Affäre, Klassiker Jan ist Vorname der Stunde.

April

Der US-amerikanische Countrysänger Merle Haggard stirbt – ja, Merle kann männlich sein – und auch Ursula Bruns. Kennen Sie nicht? Bruns ist die Schöpferin von Dick (eigentlich Barbara) und Dalli (Brigitte), den „Mädels vom Immenhof“, deren Ponylieder so mancher noch im Ohr hat. Und ein Blick zu den Nachbarn: Pop-Quintett „Wanda“ wird bei der Wiener Amadeus-Verleihung unter anderem als Gewinner der Kategorie Pop & Rock ausgezeichnet. Die Gruppe hat sich nach Wanda Kuchwalek benannt, einer auch als „Wilde Wanda“ bekannten Zuhälterin.

Mai

Die junge Journalistin und Antifeministin Ronja von Rönne sorgt für Wirbel, als sie den Axel-Springer-Preis ablehnt – eine neue Facette für den Namen der ewigen Räubertochter. Übrigens tauchte von Rönne 2015 in einem Video der Gruppe Wanda auf. Auch keinen Preis gibt es für die 18-jährige Jamie-Lee Kriewitz: Die Gewinnerin von „The Voice of Germany“, die nach Jamie Lee Curtis („Ein Fisch namens Wanda“) benannt wurde, verliert beim Eurovision Song Contest.

Juni

Knud Bielefeld hat seine erste Million … Babynamen aus dem laufenden Jahrzehnt zusammen und erstellt daraus seine größte Vornamenrangliste aller Zeiten: die Top-1.200. Bei der Fußball-Europameisterschaft löst ein gewisser Sigthorsson einen Island-Boom aus. Haben Sie den Namensgenerator – Ihr Name in isländisch – schon ausprobiert?

Juli

In Brandenburg treibt ein auf den Namen Ronny getaufter „Problemstorch“ sein Unwesen, und für Ex-Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger und die serbische Tennisspielerin Ana Ivanović läuten die Hochzeitsglocken. Wer Dreibuchstabennamen liebt, sollte wissen: Ana ist auch als verharmlosender Spitzname für Magersucht gebräuchlich (und Mia für Bulimie). Im Juli startet außerdem das Trendspiel „Pokémon Go“. Aus den USA wird bald von ersten „armen Kindern“ berichtet, die nach den Fantasiewesen heißen. Ohne je gespielt zu haben, finde ich einige Namen nicht übel: Roselia, Felina (englisch Philena), Ivy, Abra, Enton, Flamara, Seemon …

August

Cora und Robert, Mary und Matthew, Edith und Marigold, Rose und Atticus, Isobel, Daisy, Gwen … ja, ich habe 2016 endlich „Downton Abbey“ für mich entdeckt, rechtzeitig zum Erscheinen der letzten Staffel. Leider klingen die meisten Namen im Deutschen anders, und die englische Aussprache wäre kaum durchzusetzen oder selten stimmig. Cora, Gwen und Daisy – mein Geheimtipp auch im Zusammenhang mit Star Wars – finde ich gut machbar. Auch im August bekommt die Hamburger Schauspielerin Gala Othero Winter den Boy-Gobert-Preis – das sind gleich drei seltene Vornamen in einer Meldung. Gala soll von Salvador Dalís Frau abgeleitet sein und Othero laut Winter von einer „spanischen Edelhure“. Boy ist ein friesischer Name.

September

Mutter Teresa wird heiliggesprochen. Ursprünglich lautete der Vorname der indischen Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft Gonxha, albanisch für „Blütenknospe“.

Oktober

Im Kino läuft „Trolls“ an, mit der niedlichen Hauptfigur Prinzessin Poppy. Ob dieser bei den Briten beliebte Name bei uns doch noch Potenzial haben könnte? Poppys Papa heißt im Film Peppy – könnte auch manchen Eltern gefallen, schon weil er ähnlich klingt wie Modename Pepe.

November

Juhu: Unser neues Jahrbuch sowie unser großes Werk über norddeutsche Vornamen stehen in den Buchhandlungen! In der ProSieben-Show „Deutschland tanzt“ bleibe ich bei zwei Teilnehmerinnen hängen: Avelina Boateng, Schwester des Nationalspielers, und Taynara Wolf, genau, der aus GNTM. Dass der Name Donald (vom keltischen Wort für „Weltherrscher“) durch die US-Präsidentenwahl populärer wird, kann ich kaum glauben – aber vielleicht profitieren ja Melania oder Ivanka?

Dezember

Vaiana heißt die Heldin des diesjährigen Disney-Weihnachtsfilm. Der Name müsste in Deutschland eigentlich sehr gut ankommen. Oder haben Sie gleich verfängliche Assoziationen …? So oder so, ich habe mich gewundert, als ich entdeckt habe, dass der Name im Original anders lautet. Was bitte stimmt denn nicht mit Moana?

Den Schluss machen auch in diesem Jahr wieder die Babys, die Freunde, Kollegen und Bekannte bekommen haben: Fritzi, Hanno, Liam, Lina, Merle (weiblich!), Nike, Ole, Theodor und Tom. Und bei Ihnen?

Mein seltener Name und ich: Gode

Ich hätte seinen Namen spontan als weiblich einsortiert (ähnlich wie bei Magne, wo ich völlig auf dem Holzweg war). Die friesischen Namen Godje sowie Göntje hatte ich schon mal gehört. Tatsächlich scheint es sich beim Namen Gode aber um ein Unisexmodell zu handeln: Eindeutig weiblich wären Goda und Godela, eindeutig männlich Godehard oder Godwin, als deren Kürzel Gode locker durchgeht. Godric Gryffindor aus „Harry Potter“ fällt mir ein und Gödeke Michels, ein Pirat aus Störtebekers Zeiten, zu dem auch der Name Gottfried Michaelis kursiert.

Ja, die Silbe „God-“ kommt vom althochdeutschen Wort für Gott. Friese oder gar Pirat ist mein Interviewpartner nicht, ich bezweifle auch, dass seine Eltern den Namen gewählt haben, weil sie ihr Kind mehr als üblich vergötterten (ist bei Theo-Eltern ja auch eher nicht der Fall). Als Gode Ende der 80er Jahre geboren wurde, nannte man kleine Jungs gern Jan, Daniel oder Florian. In Godes im Hamburger Umland lebende Familie hätte Derartiges kaum gepasst: Seine älteren Brüder heißen Bela und Elmo. Bela, Elmo und Gode – das nenne ich mal eine eigenwillige Geschwisterkombination! Besonders für die Zeit von vor dreißig Jahren, als die Individualität bei der Namensgebung noch nicht solche Blüten trieb wie heute. Obwohl die Namen von unterschiedlicher Herkunft sind, haben sie Gemeinsamkeiten: Sie sind zweisilbig, eher weich im Klang, enthalten jeweils ein e und einen zweiten Vokal und enden mit einem Vokal. Wie seine Eltern auf seinen Namen gekommen sind, findet Gode vergleichsweise langweilig: „Ein Freund aus dem Sportverein hieß so.“ Einen Normalo-Vornamen bekam er obendrein: Lennart.

Mein seltener Name und ich

Gode ist mit seinem seltenen Namen im Reinen und mag ihn gern. Das war nicht immer so: „Als Kind hätte ich manchmal gern einen Allerweltsnamen gehabt, Christian oder Sebastian zum Beispiel. Nicht weil mein Name oft verulkt worden wäre, dazu gab er nicht viel her. Aber es ist nicht so leicht, ihn zu erklären, wenn die Leute nachfragen – und das tun sie ständig. Es gibt kaum ähnliche Wörter oder Namen, die Band ‚Godewind‘ ist bei weitem nicht so bekannt wie einige glauben.“ Dafür sei der Name aber „schön kurz, das ist schnell buchstabiert“. Er mag es, dass sich fast jeder an seinen „nahezu einzigartigen“ Namen erinnert, wenn er ihn erst einmal verstanden hat. Manchmal sei die Einprägsamkeit aber auch von Nachteil, „wenn damit negative Erinnerungen verbunden werden.“

Eine Anekdote aus der Schulzeit fällt ihm ein: „Ich hatte in der Schule Mist gebaut, und eine Lehrerin wollte meinen Namen wissen. Sie wurde richtig sauer, weil sie dachte, ich würde sie veräppeln: ‚Gode? So heißt doch kein Mensch!‘ Kurz bevor ich zur Schulleitung musste, haben Klassenkameraden interveniert und die Dame aufgeklärt. Meine ursprüngliche Missetat geriet dabei zum Glück im Vergessenheit.“

Gode hat keinen von seinem Namen abgeleiteten Spitznamen und ist noch nie einem anderen (oder einer anderen?!) Gode begegnet. „Ich weiß nur von dem besagten Bekannten meiner Eltern sowie von einem Gode, der mal in einem Zeitungsartikel erwähnt wurde.“ Bei flüchtigen Kontakten wird sein Vorname manchmal als Nachname interpretiert. Falsche Schreibweisen gibt es keine, falsche Ansprachen äußerst selten, „allenfalls habe ich etwas wie Gordon zu hören bekommen“. Wird er öfter mal als Frau angeschrieben? Überraschung – Gode verneint: „So etwas passiert eher meinen Brüdern.“

Roswitha reitet

Meine Tochter reitet jetzt einmal die Woche („… und Reiter werden ja immer gebraucht“). Das und die Tatsache, dass der Sohn meiner Cousine Philipp heißt, hat mich zu meinem heutigen Beitrag inspiriert: einer Namenssammlung für Pferdemädchen und -jungs und allen, die es werden sollen. Tatsächlich passt Philipps Name ziemlich gut, bedeutet er doch – vom griechischen „philos“ und „hippos“ – „Pferdefreund“, weshalb, nebenbei bemerkt, die in Deutschland mit 70 Prozent am häufigsten anzutreffende Schreibweise mit einem l und doppeltem p naheliegend ist. Pferde spielten für die Familie meiner Cousine eine wichtige Rolle. Philipp zog allerdings Fußball vor.

Das weibliche Gegenstück zu Philipp, Pferdefreundin Philippa, verdankt seine relative Popularität – ein Platz in den Top 500 seit 2011 – womöglich weniger seiner Bedeutung als vielmehr Philippa „Pippa“ Middleton, die ihre Kehrseite just in jenem Jahr bei der Hochzeit des britischen Thronfolgers ins beste Licht setzte. Auch der Name Pippa ist mir seither ein paarmal begegnet.

Thema: Namensgebung

Gute Frage 8: Stört bei Theo die Bedeutung?

Ein neuer kleiner Theo(-dor) in meinem Umfeld ist schuld daran, dass sich mein heutiger Text um eben diese Namen dreht: Theo und Theodor. Zwei wieder ziemlich angesagte Vertreter (Platz 27 bzw. 95), die in den einschlägigen Online-Diskussionen immer wieder mit bestimmten Fragen verknüpft werden: Kann man einen Namen wie Theodor, der – von „theos“ für Gott und „doron“ für Geschenk – „Geschenk Gottes“ bedeutet, vergeben, wenn man mit Gott nichts am Hut hat? Ist es überzogen oder nur konsequent, wenn Atheisten diesen Namen ähnlich wie aus der Bibel Stammendes für sich ausschließen?

Nach meinem Empfinden kommt gerade die Bedeutung „Geschenk“ gut an, und das beileibe nicht nur bei Kirchgängern (was ja auch völlig in Ordnung ist). Immer mal wieder treffe ich auf Eltern, die gezielt nach dieser Bedeutung suchen. Auch Jonathan, Jesse, Dorothee, Matthias und dessen moderne Kürzel wie Mattis sowie viele andere zählen dazu.

Theo

Doch nun kommt Theo: Zum aktuellen Kurznamentrend passend, ist er deutlich beliebter als seine gesetzter wirkende Vollform. Nicht jedoch bei jenen, die es mit dem Übersetzen der Bedeutung ganz genau nehmen: „Den Namen Theo hätte ich so nie vergeben, weil er eben nicht ‚Geschenk Gottes‘ bedeutet, sondern nur ‚Gott’“, so habe ich es von einer Theodor-Mutti gehört, die ihren Sohn dessen ungeachtet meist mit der Kurzform ruft und vorstellt. Würde Sie die Bedeutungsfrage hier stören? Oder finden Sie, dass man die Bedeutung der Langform auf das Kürzel übertragen kann? Dass alle Theo-Eltern ihre Söhne als kleine Götter installieren wollen, ist wohl eher nicht anzunehmen.

Ein Hintertürchen für atheistische Liebhaber der Kurzform findet sich auch: Theo könnte auch als Kurzform von Theobald oder Theoderich verstanden werden. In diesen latinisierten Varianten der Namen Dietbald und Dietrich steht die erste Silbe für „Volk“. Theo – der legitime Nachfolger von Dieter oder Volker?!

Wie sehen Sie das? Spielt die Bedeutung für Sie überhaupt eine nennenswerte Rolle? Hier gibt es in der Welt der Babynamenssucher auch manches Extrem zu entdecken, etwa die freie Übersetzung zusammengewürfelter Namenskombinationen (Beispiel: Aurelia Jocelyn, „die einzig wahre Goldglänzende“). Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Thema: Namensgebung