Artikel von: Annemarie Lüning

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

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Gute Frage 9: Ist Ihnen Leona wurst?

Der allererste Name, den ich für eine potenzielle Tochter ausgesucht habe, war Leona – nach der Schwester von „Kimba, der weiße Löwe“. Nebenbei belegt das aufs Schönste die These, dass sich vor allem sehr junge Menschen ihre Lieblingsnamen bei Filmen und Serien ausleihen: Ich war damals sechs.

Leona erreichte in Deutschland bislang nur einmal die Top 100, im Jahr 1999. Heute steht der Name relativ abgeschlagen auf Platz 215, Leonie (Platz 12) und auch Newcomerin Luana (101) sind sehr viel hippere „Löwenmädchen“. Bei den Jungs ist Leon sogar auf Platz 5, Luan auf 157 (ob der trottelige Luan aus „Bibi & Tina 4“ daran etwas ändert?). Leonas Problem, wenn man so will, könnte Fleischwurst sein. Verstehen Sie jetzt Bahnhof, oder wissen Sie gleich, wovon ich rede? Ich gehörte zu ersterer Gruppe, als ich im Netz zuerst auf dieses Phänomen stieß: „Leona geht einfach nicht, wegen der Lyoner Wurst.“ Weder kannte ich Aufschnitt dieses Namens noch hätte ich diesen ausgesprochen wie Leona.

Fleischwurst (in gewissen Kreisen auch als Lyoner bekannt) © womue - Fotolia.com

Fleischwurst (in gewissen Kreisen auch als Lyoner bekannt) © womue – Fotolia.com

Da mir das Wurst-Argument jedoch immer mal wieder begegnet, frage ich in die Runde: Wer denkt bei Leona an Wurst? Wichtig: Bitte Bundesland oder Region dazuschreiben! Ich vermute ja, dass Wurstware und Mädchenname sich vor allem im mir fernen Süden aneinander annähern; meine Recherche ergab, dass Lyoner als saarländische Spezialität gilt. Vielleicht melden sich ja sogar (leidgeprüfte?!) Leonas? „Leonas“ ist dabei als Plural gemeint, nicht als Jungenname, welcher allerdings auch nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte, schließlich geht die Gleichung „Mädchenname im Genitiv“ plus „weicher Klang“ schon bei Lias gut auf. Na, ist mir auch wurst.

Fallen Ihnen mehr Namen ein, bei denen übermächtige Lebensmittel-Assoziationen zum Problem werden könnten? Ich lege mal vor mit Mattis/Mattes („Matjes“, fällt mir aber nicht zuerst ein und würde mich auch nicht stören). Beim Lindgren-Namen Tjorven dagegen kommt mir die Bedeutung schon etwas quer: „kleines dickes Würstchen“.

Thema: Namensgebung

Zehn Namen – ein Buch

Heute mal ein kleines Spiel: Ich stelle zehn Namen vor, und dann darf geraten werden, in welchem Buch ich sie allesamt gefunden habe. Es handelt sich eher um Nebenfiguren, sonst wäre es ja zu einfach.

1. Paula: Paula hat lateinische Wurzeln und eine Bedeutung, auf die man vom bloßen Hören nie kommen würde: „die Kleine“. Schon seit Mitte der 90er ist Paula kein Name für alte Tanten mehr, 1998 erreichte er sogar Platz 19. Aktuell zählt Paula noch immer zu den 40 beliebtesten Mädchennamen Deutschlands.

2. Matthias: In den 60er und 70er Jahren zu Tode geritten – einen Matthias hatten wohl viele in ihrer Klasse –, ist dieser Name doch eigentlich sehr schön und hat eine gute Bedeutung: „Gabe des Herren“. In den Charts findet man ihn derzeit auf Platz 130. Eher nach Kind, da viel unverbrauchter, klingen heute nordische Kurzformen: Mattis/Mathis (bundesweit Platz 61, im Norden 26) und Mattes (Platz 205, im Norden 97).

3. Joshua: Dieser moderne Jungenname (Platz 56) kam zuletzt durch die überraschende Art, wie Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich ihn ausgesprochen haben möchte, ins Gespräch.

4. Karl-Eduard: Der Name Karl gefällt Eltern von heute gut (Platz 33), sein Bindestrichpartner Eduard hat es schwerer, aber immerhin: Platz 350. Interessant: Der altväterische Eduard liegt bei uns wieder hundert Plätze vor seiner englischen Grundform Edward, die kurzzeitig durch die „Twilight“-Vampirsaga gepusht wurde. Zum Doppelnamen dürfte vielen der bei der DDR-Bevölkerung verhasste Journalist Karl-Eduard „Sudel-Ede“ von Schnitzler einfallen.

5. Fridolin: Fridolin hört man selten, warum eigentlich? Wenn Friedrich (Platz 136) und Ferdinand (Platz 141) gehen und Valentin sogar regelrecht häufig ist (Platz 59), wo bleibt dann – der übrigens von Friedrich abgeleitete – Fridolin?!

10 Namen ein Buch

6. Zacharias: Den Namen Zacharias braucht man vor allem beim Buchstabieren („Z wie Zacharias“) und beim Stadt-Land-Fluss-Spielen. Im Dritten Reich buchstabierte man übrigens statt mit dem hebräischen Namen „Z wie Zeppelin“. Wer einen seltenen Anfangsbuchstaben für sein Kind möchte – warum nicht Zacharias?

7. Polly: „Und dann kam Polly“ heißt eine Filmkomödie mit Jennifer Aniston aus dem Jahr 2004. Auf das Auftauchen der niedlichen Polly als Lilly-Alternative in der deutschen Hitliste warte ich noch, Polly-Pocket-Püppchen hin oder her. Immerhin könnte man Polly als Kürzel des Heiligennamens Apollonia oder als Hommage an Brechts „Dreigroschenoper“ verstehen. Im angelsächsischen Raum ist Polly, was bei uns eher Lora ist: ein typischer Papageienname.

8. Lilofee: Durch die Figur der Prinzessin Lillifee haftet diesem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Namen noch mehr Süße an als Polly. Von Knud Bielefeld wurde der Mix aus Lilo (Liselotte) und Fee (Felicia) schon vor zwei Jahren als Geheimtipp gehandelt – und das ist er bis dato auch geblieben. Am nächsten kommt ihm noch Lilou (Platz 470).

9. Annarita: Noch zwei zusammengebackene Mädchennamen. In dem Buch, das ich immer noch suche, ist ihre Trägerin längst nicht so schön wie das Ergebnis der Summe von Anna und der Margarethe-Kurzform Rita … Jedenfalls: eine individuelle Art, Dauerbrenner Anna (derzeit auf Platz 6) zu umgehen, mit einer hübschen Bedeutung, wenn man so will: „Die anmutige Perle“.

10. Boy: Mögen Sie Dreibuchstabennamen? Friesen-Flair? Namen, die international verstanden werden? Ach, oder schwärmen Sie für alte Tarzan-Filme? In allen vier Fällen kann die Antwort kurz und bündig nur lauten: Boy.

Na, hat es geklingelt? Und wenn ja, bei welchem Namen?

Michelle und der Sprach-Clash

Als ich sie kennenlernte – Ende der 80er, wir waren knapp volljährig –, fiel mir gleich ihr Name auf: Michelle. Das klang nach Austauschschülerin und Eiffelturm, den Beatles und einfach viel spannender als Tanja, Claudia, Sabine und wie man damals sonst so hieß. Dass sie einen normalen deutschen Nachnamen hatte, tat dem keinen Abbruch.

Seither sind viele Jahre vergangen. Aus Michelle wurde eine Ärztin und aus mir ein Namensfreak. In dieser Eigenschaft rate ich gern, einen zum Nachnamen stimmigen Vornamen zu wählen. Überhaupt sind Namen aus anderen Sprachen, deren Aussprache stärker von ihrer Schreibweise abweicht, hm … nicht gerade meine Lieblinge. Lerne ich jetzt eine neue Michelle kennen, sei sie nun 8 oder 18, ist mein erster Gedanke nicht mehr: Oh, cool. Eher so: Na ja …

Mia fährt Bus & Bahn in Bremen

Neulich war ich mal wieder in Bremen, wo ich meine Zwanziger verlebt habe, und traf gleich am Bahnhof auf MIA. Nein, keine alte Bekannte, sondern ein Angebot der Bremer Straßenbahn AG, kurz für „Mobil Im Abo“, das es laut meiner Recherche seit 2013 gibt. Ob sich Bremer Fans des Namens Mia darüber ärgern? Oder könnte der Ticket-Name sogar Eltern inspirieren? Bei einem solchen Top-Namen – in der Hansestadt seit Jahren im Wechsel mit Emma an der Spitze – ist das kaum feststellbar.

Trotzdem eine interessante Frage: Haben Namen aus Stadtbild oder -historie Einfluss auf die elterliche Wahl? Kommen Schwangere ins Schwärmen, wenn sie in verschnörkelten Lettern den (Familien-)Namen Jonas an der Front eines Tabakladens lesen? Könnte ein griechisches Lokal namens Eliá schon Nachahmer ins Standesamt getrieben haben, von denkbaren, womöglich unbewussten Vorlieben für Becky und Jacob (nach heimischer Genussmittelindustrie) gar nicht zu reden?

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Wie auch immer, ich habe ein bisschen gegraben und kann noch einige Bremensien präsentieren, die auch für Nicht-Bremer anregend sein könnten:

Thema: Regional

Die liebe (Not mit der) Aussprache

„Wie heißt du denn?“ – „Sophie.“

Dieser Minidialog, den ich neulich mit einer etwa elfjährigen Hamburg-Touristin führen durfte, hat mich zum Nachdenken gebracht. Ihre Sophie klang nämlich nicht wie meine (auf der zweiten Silbe betont), sondern eher wie ein verniedlichtes Polstermöbel: SOfi.

Irgendwie hatte ich bislang gedacht, der Erfolg von Sophie rühre daher, dass die Aussprache dieses Namens so eindeutig ist und er sich just wegen seiner Betonung so gut als „middle name“ macht. Dass aus Sophie irgendwo angeblich Soffi wird (?!) und dass die Tante meines Mannes ihren Drittnamen Sofi-e spricht mit separatem e (wenn sie ihn denn überhaupt spricht), hatte ich als bloße Kuriositäten abgetan. Aber so einfach ist es wohl doch nicht.

Trotzdem stachelt es mich zum Widerspruch an, wenn ich von Eltern höre oder lese, die Namen mit schwieriger Aussprache favorisieren mit der Begründung, man könne sowieso bei keinem Namen sicher sein, dass der richtig gesprochen werde. Ah ja? Tim, Tom, Anna, Lena … mir scheint es viele narrensichere Namen zu geben. Und vor allem: nicht nur Schwarz und Weiß, sondern jede Menge Graustufen. Sprich: Namen, die hierzulande mit höherer Wahrscheinlichkeit falsch gesprochen werden als andere. Regionale Besonderheiten lasse ich dabei mal außen vor. Dass Eltern mit ihrem Lieblingsnamen kaum durch die Republik tingeln können, um abzuklären, ob dieser irgendwo komisch ausgesprochen werden könnte, ist klar. Sollte es Klein-Astrid doch mal ins Schwäbische verschlagen, ist das einfach Pech. Über offensichtlichere Fallstricke sollte man aber zumindest mal nachdenken.

„Ich kann mein Kind unbesorgt Miguel/Kjetil/Päivi nennen – unser Umfeld wird schnell wissen, wie wir das ausgesprochen haben wollen, und das ist doch die Hauptsache.“ – Wirklich? Ich frage mich immer, ob diese Leute daran denken, dass ihr Kind auch mit Menschen zu tun haben wird, die es noch nicht kennen. In Behörden, im Job, bei jedem Päckchen, das der DHL-Bote ihnen reicht: „Post für Migu-el Meier, sind Sie das?“ Ob man den Sprecher nun korrigiert oder nicht – so was nervt doch, oder?

Paketbote © detailblick-foto - fotolia.com

Paketbote. Foto © detailblick-foto – fotolia.com

Hinzu kommt, dass viele Menschen wenig Gespür für sprachliche Nuancen haben. Dass ihr neuer Großneffe, der kleine Liam, nicht Lai-äm, sondern Li-äm (oder doch deutsch Li-am?) gesprochen werden soll, bekommen sie nach erster Fehlinterpretation der Geburtsanzeige vielleicht noch hin. Aber Cousine Kathleen aus Leipzig sagt Onkel Gerhard nun schon seit über dreißig Jahren, dass sie ihren Namen auf der ersten Silbe betont (KATT-lehn statt Kat-LEHN) grauenvoll findet – keine Chance. Dabei möchte er sie gar nicht ärgern, wirklich nicht. Er hat nur einfach kein Ohr für den Unterschied.

Mehr Modenamen mit Aussprache-Hürden (meist: deutsch oder englisch?): Jonah, Damian, Milo, Lionel, Patrick und Annie, Josephine, Joleen, Jolina/Joelina.

Thema: Namensgebung

Cheerio, Miss Sophia! Knud Bielefeld im Interview

Silvesterbabys sind keine dabei, Christkinder aber schon: Für seine Top 500 der beliebtesten Vornamen Deutschlands hat Knud Bielefeld die Namen von insgesamt 196.158 Kindern, die 2016 bis einschließlich 28. Dezember geboren wurden, gesammelt und akribisch ausgewertet. Schließlich hat Bielefeld den Tag vor Silvester als Festtag für alle Namensinteressierten geprägt, ebenso wie seine Bezeichnung als „Hobby-Namensforscher“. Auch in diesem Jahr erfasst der 49-jährige Wirtschaftsinformatiker aus Ahrensburg in dieser Funktion wieder etwa 26 Prozent der hierzulande geborenen Babys. Eine amtliche deutsche Vornamensstatistik gibt es nicht.

Annemarie Lüning: Wie ist das nun mit den Silvesterbabys – würde es etwas ändern, wenn sie mit in deine Auswertung eingehen würden?

Knud Bielefeld: Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Stichprobe vom 31.12. untersucht, das waren ganz normale Namen. Es müssten sich schon extrem viele Eltern auf einen speziellen Namen einschießen, damit das etwas in der Hitliste ändern würde, seien es nun Silvester oder – nach den „Dinner for One“-Darstellern – Freddie und May.

AL: Mia und Ben sind wieder Spitzenreiter, im Fall von Ben schon im sechsten Jahr in Folge. Waren die beiden 2016 in Gefahr, von ihrem Thron gestoßen zu werden?

KB: Nein, beide haben einen deutlichen Vorsprung, es war schon lange klar, dass sie das Rennen machen würden. Immerhin hätte es bei den Mädchen um ein Haar einen Wechsel auf Platz 2 gegeben: Sophia hat stark zugelegt. Viel mehr als die Siegernamen fasziniert mich aber, was neu auf die Liste kommt und wie sich Trends entwickeln. Zum Beispiel Fiete: Er ist mir zuerst in Mecklenburg-Vorpommern aufgefallen. Mittlerweile breitet er sich immer weiter aus und ist auch etwa in Nordrhein-Westfalen beliebt.

AL: Welche Namen sind denn bundesweit am stärksten im Aufwind?

KB: Die stärksten Aufsteiger sind 2016 ganz klar Milan, Oskar und Theo sowie Sophia, Mila und Alessia. Zu Milan ist mir sogar mehrfach, wenn auch sehr selten, eine Neubildung aufgefallen: Janmilan.

Aufsteiger 2016

AL: Wenn dir jemand erzählt, dass er sein Baby Mila Sophie nennen möchte, vielleicht noch mit dem Zusatz „Wir haben uns da was Besonderes überlegt“, sagst du da etwas?

KB: Wenn meine Meinung gefragt ist oder ich merke, dass die Eltern etwas Besonderes möchten, sage ich schon, dass es sich um eine sehr häufige und damit leider recht langweilige Kombination handelt. Immerhin sind solche Namen aber besser als total exotische Sachen, die keiner richtig schreiben oder aussprechen kann, oder auch als Namen, zu denen sich üble Assoziationen aufdrängen. Wenn ich einen Namen nur nicht schön finde, sage ich eher nichts. Wenn die Eltern aber offensichtlich auf dem Holzweg sind und einen Namen beispielsweise als „schön schwedisch“ anpreisen, wo ich genau weiß, das stimmt nicht – ja, dann bringe ich mich schon ein.

AL: Wollen Eltern denn heute eher ausgefallene Namen oder doch eher solche, mit denen man nicht groß aneckt?

KB: Jedes zweite Kind bekommt einen Namen aus den Top 60 – zu ungewöhnlich soll es für die meisten also doch nicht sein, auch wenn sich natürlich nicht jeder über die Platzierung seines Lieblingsnamens im Klaren ist.

AL: Mir ist aufgefallen, dass der bisherige Hamburger Lieblingsname Henry in der Hansestadt mehrere Plätze verloren hat und dort nun Finn an der Spitze steht. Wie kommt’s? Zeigt sich hier etwa doch ein Einfluss der neuen Star-Wars-Figur Finn?

KB: Eher nicht. Die Platzierung von Finn hat sich bundesweit ja kaum verändert. Der Effekt dürfte eher daran liegen, dass in den Listen der Stadtstaaten und des Saarlands wegen der geringeren Geburtenzahl mehr Bewegung ist. Natürlich kann es auch sein, dass die Schlagzeile vom letzten Jahr, „Henry ist der häufigste Name in Hamburg“, einige Eltern dazu gebracht hat, sich anders zu entscheiden.

AL: Was waren deine persönlichen Highlights bei beliebte-Vornamen im Jahr 2016, und welche Pläne hast du für 2017?

KB: Erst mal waren natürlich unsere Buchveröffentlichungen Highlights, erstmals in Zusammenarbeit mit einem Verlag, und das Kevinometer. Für diese App plane ich Erweiterungen, zu denen ich allerdings noch nichts verraten möchte. Außerdem konnte ich 2016 die Liste der Namen, für die man sich die Regionalverteilung anzeigen lassen kann, stark aufstocken. Auch hier bleibe ich weiter am Ball.

Thema: Interview

Zu viel des Guten?

„Zu viele Vornamen fürs Kind sind einfach nur peinlich und unterschichtig.“
„Wieso? Die Kinder in den Königshäusern haben doch auch immer viele Namen.“
„Eben.“
„???“

So oder ähnlich läuft er ab, der typische Dialog zwischen Ein- und Vielnamenbefürwortern, die niemals auf einen Nenner kommen. Wie viele Namen sind wirklich zu viel – drei, vier, fünf? Fällt es ins Gewicht, wenn mit Familientradition bzw. Bezügen auf Oma, Opa, Patentante argumentiert werden kann? Irgendwo, irgendwie passt dieser Klassiker der Vornamensfragen ganz gut in die Weihnachtszeit, in der viele von uns allzu viel haben, seien es Plätzchen, Gänsebraten oder Geschenke für die Kinder. Vor einem Jahr habe ich über Namen aus meinen liebsten Weihnachtsbüchern und -filmen geschrieben, an denen ich mich auch 2016 wieder erfreut habe. Dabei bin ich in „Hilfe, die Herdmanns kommen “ auf eine schöne Passage gestoßen, in der die unterschichtigen Herdmann-Kinder die Weihnachtsgeschichte hören und sich darüber wundern, dass Maria nicht den Namen für ihr Baby aussuchen durfte („Eugenia: ‚Ich hätte ihn Willi genannt.’“):

„Was hat denn der Engel gemacht? Ist der einfach gekommen und hat gesagt: ‚Nenne ihn Jesus‘?“
„Ja“, sagte Mutter, weil sie schnell fertig wollte.
Aber Alice Wendlaken musste ihren vorlauten Mund aufmachen. „Ich weiß, was der Engel gesagt hat“, flötete sie. „Er sagte: ‚Sein Name wird sein Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst.’“
Ich hätte sie erschlagen können.
„Mein Gott“, sagte Eugenia. „Der wäre nie über die erste Klasse hinausgekommen, wenn er das alles hätte schreiben müssen!“

Ob die Namen Jesu nun ein Argument für oder gegen x Vornamen sind? Das dürfen Sie gerne selbst entscheiden. Mir bleibt an dieser Stelle nur, allen Blog-Lesern – um mit dem „Kleinen Lord“ zu sprechen – ein frohes, gesegnetes Fest zu wünschen!

Thema: Namensgebung

Jahresrückblick 2016: Aufschlag Angelique

Wie immer wild gemischt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Wir blicken zurück auf zwölf Monate und ihre Namen.

Januar

Ob dieser Tage wohl mehr Davids geboren werden, dem verstorbenen Mr. Bowie zu Ehren? Im Sportbereich punktet der Name Angelique, nachdem er bislang eher mit 70er-Jahre-Bestsellern verbandelt war („Unbezähmbare A.“): durch Angelique Kerbers Triumph bei den Australian Open. Gründlich in Verruf bringen dagegen Beatrix von Storch (weitere Vornamen: Amelie Ehrengard Eilika), die gegenüber Flüchtlingen Waffen zücken will, sowie ihre AfD-Genossin Frauke Petry ihre Namen. Und dann fällt mir noch der neue Hamburger Innen- und Sportsenator Andy Grote auf. Der gebürtige Niedersachse ist der Beweis dafür, dass man es auch mit einem kecken Kurznamen zu Amt und Würden bringen kann.