Namensrückblick 2023: Emma rappt wie Eminem

Namensrückblick 2023

„Krisenmodus“ ist das von der Gesellschaft für deutsche Sprache auserkorene Wort des Jahres und leider passt das auch zu meinem privaten 2023, das von Trauerfeiern und Pflegethemen geprägt wurde. Nichtsdestotrotz darf meine traditionelle Stöbertour durch Namen, die mir aus verschiedenen Gründen besonders aufgefallen sind, natürlich nicht fehlen. Voilà:


Januar: Gigi, Gina und Javelin

Es ist Dschungelcamp-Zeit: In der unterhaltsamen 16. Staffel von „Ich bin ein Star …“ schafft es „Reality-Star“ Gigi Birofio, der eigentlich Luigi heißt, immerhin auf Platz zwei – die Visagistin Djamila Rowe, früheres „Botschaftsluder“, läuft ihm den Rang ab. Zu den Verstorbenen des Monats gehört eine Namensvetterin von Gigi: Schauspielerin Gina Lollobrigida, geboren als Luigia.

Rosi Mittermaier und Lisa Marie Presley – letztere sicher Vorbild für unzählige Trägerinnen dieser Namenskombination – sind auch tot. Skirennläuferin Mittermaier, die mir noch aus „Dalli Dalli“ im Gedächtnis ist, war auf die Namen Rosa Anna Katharina getauft. Sie hatte einen nach der Geburt verstorbenen Zwilling, Helene, sowie zwei weitere Schwestern, Heidi und Evi.

Außerdem fällt mir in diesem Monat eine Meldung zu einem Vornamenstrend in der Ukraine ins Auge: Die 2022 (angeblich?) häufiger vergebenen Namen Javelin und Javelina gehen auf eine Luftabwehrrakete zurück, mit dem kleinen Umweg über die im Internet populäre fiktive Heilige St. Javelin, eine Art Madonna mit Waffe. Laut der Website „Nancy‘s Baby Names“ ist Javelin ein Jungenname.

Februar: Ali und Sascha

In der Aachener Karnevalsbütt schießt die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit einem nicht nur für Vornamensinteressierte bemerkenswerten Reim gegen CDU-Chef Friedrich Merz: „Heißt ein Junge Ali und nicht Sascha, beschimpft er ihn als Grundschulpascha.“ Sie bezieht sich damit auf Bemerkungen von Merz in der Debatte um Ausschreitungen an Silvester. Die Berliner CDU hatte nach den Vornamen der Tatverdächtigen mit deutscher Staatsangehörigkeit gefragt. (Dass Sascha nicht „deutsch“ ist – geschenkt!)

März: Jamie und Stormy

Jamie Lee Curtis erhält einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Ihre geschlechtsneutrale Namenskombination ist mir hierzulande schon öfter begegnet, zum Beispiel 2016 bei „unserer“ glücklosen ESC-Teilnehmerin Jamie-Lee Kriewitz.

Auch im März: Ein Geschworenengericht in Manhattan klagt Donald Trump im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels an. Daniels bürgerlicher Vorname ist übrigens Stephanie.

April: Harry und Anne

Nein, nicht um Prinz Harry soll es hier gehen: Der amerikanische Sänger, Schauspieler und Bürgerrechtler Harry Belafonte, geboren als Harold George Bellanfanti Jr., stirbt im April im Alter von 96. Ebenfalls verstorben: Die britische Schriftstellerin Anne Perry (84), die einst Juliet Marion Hulme hieß und als Jugendliche gemeinsam mit einer Freundin deren Mutter ermordete; der Fall kam 1994 als „Heavenly Creatures“ in die Kinos.

Mai: Ellice, Eywa und Shelby

Bei „The Voice Kids“ fallen mir diesmal – neben der sich souverän zum Sieg rappenden Emma aus Wien – die Namen der Finalistinnen Ellice (Elli trifft Alice?) und Eywa auf. Doch auch die 11-jährige Fia (Sofia minus So-?) aus Berlin, die ihre Performance mit Gebärdensprache begleitet, könnte Spuren in den kommenden Babygalerien hinterlassen – zumal das männliche Gegenstück Fio im Dezember auch noch Knuds Vorname des Jahres wird.

Was passiert sonst? Die Welt muss sich von Tina Turner verabschieden. Ihre richtigen Vornamen waren Anna Mae, ihr damaliger Mann soll ihren Künstlernamen in Anlehnung an eine Filmfigur, „Dschungelkönigin“ Sheena, festgelegt haben. Und eine junge Frau namens Shelby Lynn bringt den Me-Too-Skandal um Rammstein-Sänger Till Lindemann ins Rollen. Ob‘s der relativen Beliebtheit des Namens Till (2022 auf Platz 65) wohl schadet?

Juni: Lesly, Soleiny, Tien und Cristin

Tauchboot-Pilot Paul-Henri Nargolet und seine Passagiere verunglücken auf einer Fahrt zum Wrack der „Titanic“ tödlich; vor der traurigen Gewissheit hält die Suchaktion die Welt tagelang in Atem. Paul-Henri oder Paul Henry – beides wären typische Kombinationen für 2023 geborene Jungs. Glücklicherweise unversehrt geborgen werden dagegen vier Geschwister aus Kolumbien, zwischen elf Monaten und 13 Jahre jung, nach einem Flugzeugabsturz und 40 Tagen im Regenwald. Ihre Namen: Lesly (f), Soleiny (f), Tien Noriel (m) und Cristin (f).

Juli: Elon und X

Der Mikrobloggingdienst Twitter heißt jetzt X. Sein Besitzer Elon Musk hat offenkundig eine Schwäche für den drittletzten Buchstaben des Alphabets, siehe SpaceX oder Tesla Model X, und verewigte ihn auch im Namen eines seiner Kinder: X AE A-XII.

August: Luis, Jennifer und Khanun

Dem Vornamen Luis könnte nach der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen zumindest zeitweise ein etwas unschöner Geschmack anhaften: weil der spanische Verbandschef Luis Rubiales der Spielerin Jennifer „Jenni“ Hermoso bei der Medaillenvergabe einen Kuss auf den Mund aufzwingt – ein Eklat, der zur Suspendierung des Uneinsichtigen führt.

Mich beschäftigt im August außerdem der Taifun Khanun, der zur vorzeitigen Räumung des Pfadfinderlagers meiner Tochter in Südkorea führt. Wikipedia zufolge gab es bereits mehrere Stürme, die so hießen, abgeleitet vom thailändischen Namen für die Jackfrucht.

September: Julian

Julian Nagelsmann wird neuer Bundestrainer und durchbricht damit die schöne Hansi-Jogi-Klinsi-Rudi-Reihe. Allerdings soll Nagelsmann lange auf den von selbst zubereitetem Hackbraten abgeleiteten Spitznamen Hacki gehört haben. Auf einer Pressekonferenz im Frühjahr 2022, bei der er sich zum Vegetarismus bekannte, hatte er als Alternativen „Vegan-Hacki“ oder „Erbsi“ ins Spiel gebracht.

Oktober: Boris und Matthew (Chandler)

Die CDU gewinnt mit Ministerpräsident Boris Rhein die Landtagswahl in Hessen – und mir fällt erst zu diesem Anlass auf, dass man Boris Becker hierzulande längst nicht mehr als einzigen Namensträger im Ohr hat. Boris Pistorius, seit Januar deutscher Verteidigungsminister, ist da ja auch noch. Und Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen.

Einen traurigen Abschied gibt es von „Chandler“ aus „Friends“: Schauspieler Matthew Perry stirbt am 28. Oktober mit nur 54 Jahren.

November: Gil und Greta

Peinlich: Gil Ofarim muss vor Gericht einräumen, dass seine Antisemitismus-Vorwürfe an einen Hotelangestellten nicht zutreffen. Der unter anderem friesisch herleitbare Vorname des Musikers könnte trotzdem Fans ultrakurzer Vornamen ansprechen – wer sich eine Einschränkung auf zwei bis drei Buchstaben auferlegt (alles schon dagewesen), hat nicht so eine große Auswahl. Interessant auch Ofarims zweiter Vorname: Doron.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg steht wegen ihrer Position in der Debatte um den Gaza-Krieg massiv in der Kritik.

Dezember: Donald und Taylor

Donald Tusk wird polnischer Ministerpräsident, nach Trump noch ein Donald T. in der Politik. Donald Trump ist 1946 geboren, Tusk 1957 – da wüsste ich gern, ob und wie die Figur eines bekannten, in den 30er Jahren geschlüpften Entenhausener Erpels bei der Namenswahl berücksichtigt wurde. „Persönlichkeit des Jahres“ wird aber jemand ganz anderes: Das Time-Magazin erwählt Sängerin Taylor Swift für diesen Titel und schwärmt, sie sei eine „Quelle des Lichts“.

In unserer Nachbarschaft und im Kollegenkreis gab es 2023 wieder Nachwuchs: Linda, Luna, Leonardo und Paul. Die einen kommen, die anderen müssen gehen: Wir hatten vier Trauerfälle in der Familie – Werner, Karin, Hans-Gerd und Reinhard. Und wen habt ihr willkommen geheißen bzw. verabschiedet?

21 Gedanken zu „Namensrückblick 2023: Emma rappt wie Eminem“

  1. Liebe Annemarie,
    es tut mir sehr leid, dass 2023 für dich und deine Familie ein Jahr war, das von Trauerfällen geprägt war. Ich wünsche dir viel Kraft, alles Gute und, dass 2024 viel Positives für uns alle bereithält!

    2023 wurden in meinem erweiterten Umfeld geboren:
    Marie
    Han.na Li.a Fe.li.ci.tas
    Simon
    Leo.nie Ma.ria
    Mar.tha Aure.lia
    Da.le Theo.dor
    Leonie (nach Lu.ca Eli.as, Em.ma und So.phia)
    Leon.hard An.dreas
    Markus
    Flo.rian Mar.tin

    An Holz-Störchen auf dem Land gelesen:
    Veronika
    Julian
    Helene
    Maya
    Maximilian

    Verabschieden mussten wir Wolfgang.

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    • Vielen Dank, liebe Sabrina!

      Gerade gestern, kurz nach dem Schreiben meines Rückblicks, kam noch ein Baby aus meinem weiteren Umfeld zur Welt: Tino. Lustigerweise schon der 2. Tino U6, den ich „kenne“ – ein kleiner Trend?

  2. Wieder ein sehr schöner Artikel, liebe Annemarie. Ich hoffe auch, dass dein nächstes Jahr nur von schönem Willkommen-Heißen geprägt ist

    Im Familien und Freundeskreis wurden geboren:

    Eliah
    Lion

    Kollegen, Bekannten:

    Lena
    Filius
    Anton
    Maya Sophie
    Carlos

    In der entfernten Familie viel zu früh verstorben: Vicky (allerdings bin ich mir bei der Schreibweise nicht sicher, ihre Eltern wollte ich das auf der Goldhochzeit meiner Großeltern auch nicht fragen).

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  3. Eine Freundin ist Mutter eines Jorin geworden.
    Der Name steht in der Tradition der väterlichen Familie: Der Vater selbst heißt Jo.chen, dessen erwachsener Sohn aus einer früheren Verbindung Jo.nah (ich glaube, so geschrieben), der dreijährige Sohn der beiden Jo.seph.
    Muss immer überlegen, ob der Kleine nun Jorin oder Joris heißt.

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    • Die Eltern des Jungen stehen offenbar auf argentinischen Fußball. Wenn man die Assoziation ausblendet, passen die Namen gut zusammen und sind in Deutschland unkompliziert.

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