Unterschätzter Punkt bei der Namenssuche: Die Schreibarkeit

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einer Freundin über Namen. Sie macht gerade ihr Referendariat und erzählte mir von einem Kind, das alle Lehrer in den Wahnsinn treibt: „und dann kann man den Namen nicht mal gescheit schreien.“, endete ihr Bericht. Das ist mir bei den Namen meiner Nachhilfeschüler auch schon aufgefallen, es gibt Namen, die sich perfekt laut rufen lassen und andere gar nicht. (Denken Sie jetzt bitte nicht, dass alle (Nachhilfe)lehrer den ganzen Tag damit verbringen, Kinder anzuschreien. Aber manchmal erweist es sich als sehr sinnvoll den Namen eines Kindes, das sich selbst oder andere ablenkt in einem lauten und bestimmten Ton zu rufen und dabei streng zu gucken).

Zweisilber, die auf einen Vokal oder s enden

Die Ruf- oder Schreibarkeit eines Namens ist dabei ein, wie ich finde, zu unterschätzter Punkt bei der Namenswahl, denn es wird viele Situationen geben, in denen man den Namen rufen muss, sei es auf dem Spielplatz, um die Kleinen zum Aufräumen zu bewegen, wenn die bewerte „Ich zähl jetzt bis drei, sonst …“-Methode zu versagen droht. Zweisilber, die auf einen Vokal oder s enden, eignen sich besonders gut, zum Rufen (nicht umsonst wird Hunde- und Katzenbesitzer empfohlen, sich Zweisilber auszusuchen). Das Rufen funktioniert daher sowohl prima bei Katzen: „LILY, lass den Goldfisch in Ruhe!“ als auch bei Kindern: „JONAS! Eis gibt es erst nach dem Essen!“- „NINA, wag es nicht ins Tischtuch zu schneiden!“

Einsilber

Einsilber sind nicht lang genug zum Schreien. Um sie weniger abgehackt klingen zu lassen, werden sie daher häufig in die Länge gezogen und ein H oder mehrere Hs eingebaut, das verfälscht irgendwie die Dringlichkeit des Tons: „TIIIHIM, räum dein Zimmer auf!“- „GWEEEHEN, steh jetzt auf!“

Dreisilber

Bei dreisilbigen Namen ist das so eine Sache: „E-LE-NA sei jetzt still!“ finde ich noch ganz okay, bei „NI-CO-LAS! Komm jetzt runter!“ gerate ich schon etwas ins Holpern.
Besonders mehrsilbige Namen (ab vier Silben) sind nicht unbedingt gut schreibar. Da sie so lang sind, verfallen die Leute dann häufig in einen Singsang: „MA-XI-MI-LI-AN Telefon!“- „E-LI-SA-BETH, es gibt Essen!“

Was tun?

Nun stellt sich die Frage, was tun? Da gäbe es die Möglichkeit die Kinder zu so lieben Engelchen zu erziehen und das Haus überall mit Gegensprechanlagen auszustatten, dass Schreien nie nötig sein wird oder man wählt nur zweisilbige Namen mit Vokal oder S am Ende aus 😉. Bei kurzen Namen empfehlt sich ein Zweitname, den man immer mit ruft: „TIM CA-SI-MIR komm sofort her!“ „LYNN E-LAINE das Päckchen ist da!“, um bei Langformen nicht in den Singsang zu verfallen, wie wäre es mit dem altbewerten „JUNGES FRÄULEIN“ oder „JUNGER MANN“ oder aber man verzichtet ganz auf die Anrede und fängt schon mal an zu zählen: „EINS, ZWEI, ZWEIEINHALB …“

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12 Gedanken zu „Unterschätzter Punkt bei der Namenssuche: Die Schreibarkeit“

  1. Schreib-barkeit. In der Überschrift hatte ich ein B vermisst, bis ich den Artikel las.

    Ich denke auch, dass man die Namen vor der Auswahl wirklich einmal laut sprechen sollte und das dann in verschiedenen Stimmungen probiert (wütend, tröstend, fröhlich, gib mir mal bitte die Butter-artig, wie klingt der Name im Geburtstagslied? Das geht nämlich auch nicht mit allen). Das kann die Wirkung eines Namens enorm verändern.

    Mein Haustier heisst wie gesagt Gloria und der Name wird beim rufen/schimpfen auf zwei Silben gestaucht oder auf vier verlängert.
    2 Silben: Paukenschlag auf Glo, das -ria kommt dann rasch in einem Ruck hinten dran, ist aber als solches vermutlich kaum noch identifizierbar.
    4 Silben: Gloriana, sprich Glorijanna.
    Hier gibt es einen dramatischen Aufbau auf den ersten beiden Silben Glo-ri- und der Paukenschlag folgt dann auf -jan-, die letzte Silbe -na wird wieder ruckartig nachgezogen.
    Beides kann gleichermassen wütend sein.
    Die freundliche Variante ist Glorianchen. Das klingt nicht schön, aber sie freut sich trotzdem.

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    • Mir ist beim Schreiben gar nicht aufgefallen, dass die beiden Wörter so ähnlich klingen ^^

    • Mein erster Gedanke beim Lesen: Wieso wird die Schreib-barkeit unterschätzt? Da reite ich doch schon seit Jahren intensiv drauf rum. Umso besser, wenn der Gag gar keine Absicht war 🙂

  2. Vielleicht sollte man diese veraltete „ich zähle bis drei“ Methode einfach mal sein lassen und nicht auch noch in einem aktuellen Artikel nutzen? Wie kann man es noch immer gut finden, die Kinder mit Angst machen und Druck zu etwas zu bringen?

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    • Allgemein sollte man Namen vielleicht nicht danach auswählen, ob man sein Kind damit m gut anbrüllen kann. Absoluter Fail, dieser Artikel.

    • Liebe Mia,

      da hast du leider die Ironie nicht herausgehört.
      Beim nächsten Mal schreibe ich dann „Kann Spuren von Ironie enthalten“ (Achtung! Das war Ironie)

    • Auch wenn es Ironie ist, miss ich es nicht witzig finden. Ich finds bescheuert. Bleibe dabei.

      Ob man einen Namen gut rufen kann, ist ja eine gute Idee für einen Artikel. Das interessiert mich auch.

      Aber so ein Blödsinn eben nicht.

  3. Man kann auch Rufbarkeit sagen. Das ist ja in Familien alltäglich. Ich rufe die Kinder, wenn sie losfahren müssen, sei es zur Schule oder zu einem Termin. Das hat dann nichts mit schimpfen zu tun.

    Was mir dabei auffällt, ist, dass einsilbige Namen gerne verlängert werden. Aus Tim wird Timmy. Aus Max wird Maxe (Ich kenne einen Max, der in seiner Familie Maxe gerufen wird.)

    Lange Namen werden häufig abgekürzt, aus Katharina wird dann Kathi und aus Alexander wird Alex. Ich selbst würde aber lieber einen langen Namen vergeben anstatt einen einsilbigen.

    Bei dreisilbigen Namen funktioniert das Rufen noch ganz gut. „Ni-co-las, beeil dich jetzt mal, du musst los!“ rufe ich oft, weil mein Sohn (10. Klasse) immer alle Zeit der Welt hat …

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  4. Ich habe zuerst auch Schreib-barkeit gelesen, das fehlende b ist mir gar nicht aufgefallen.
    „Schreibarkeit“/“Rufbarkeit“ ist für mich jetzt kein bewusstes Hauptkriterium, aber wenn ich’s mir recht überlege, mag ich Namen, die einem beim Rufen gut über die Zunge gehen und dabei prägnant und melodisch klingen, 2-, 3- oder 4-Silber mit Betonung auf der vorletzten oder drittletzten Silbe, Auslaut auf einen Vokal oder auf n, l, s oder m.
    Ein Grund, warum mir Einsilber nicht so gefallen ist tatsächlich, dass das Dehnen auf zweisilbiges Rufen – „Ru-hut“, „Ti-him“, „Je-hens“, „Li-hinn“ in meinen Ohren ziemlich schrecklich klingt.
    Gut rufbare Namen sind z.B.
    Antonia, Katharina, Sebastian, Mario …

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  5. Ich habe mal eine Mutter getroffen, die mir ebenfalls einen längeren Schwank zum Thema Schreibarkeit als Namenskriterium gehalten hat. Auf die Rückfrage, wie ihre Tochter denn hieße, meinte sie „Kim“. Das hat mich ein wenig verwirrt zurückgelassen 😀

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