Greta – ein Name als Statement

Jahrelang war Greta einfach ein solider Retro-Vorname. Vielleicht eine Erinnerung an (Ur-)Oma Greta oder Margareta, vielleicht lagen auch die Garbo oder Schweden vage in der Luft. Als strittig wurde höchstens der vergleichsweise härtere Klang empfunden – oder die Nähe zum Wörtchen (Fisch-)Gräte. Spätestens seit diesem Jahr ist es mit derlei Harmlosigkeit jedoch vorbei. Das wurde mir so richtig klar, als ich in einem Namensforum die süffisant-rhetorische Frage las, warum man neuerdings so selten vom Namen Greta als Elternfavoriten lese. „Den fanden doch sonst immer alle so toll …?!“

Greta
Foto © muggel1504 – fotolia.com

Mal abgesehen davon, dass ich diese Wahrnehmung nicht teile und Greta auch in der hiesigen Namenssuche-Rubrik ein ums andere Mal vorn mit dabei war, ist so eine Äußerung eigentlich sehr praktisch: Man weiß gleich, wes Geistes Kind der Verfasser ist (sofern es sich nicht bloß um einen „Troll“ handelt, der die Gruppe aufmischen möchte). Angespielt wird natürlich auf die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, von der „Bild“ auch „Klima-Greta“ genannt.

Nennen Thunberg-Hasser bzw. Menschen, die die Botschaften ablehnen, für die sie zum Symbol geworden ist, ihre Töchter jetzt wirklich nicht mehr Greta? Möglicherweise. Von allem Wirbel um die bezopfte Schülerin nichts mitzubekommen ist jedenfalls so gut wie ausgeschlossen. Umgekehrt kann ich mir auch gut vorstellen, dass der Name mit dem zumindest dieser Tage daran hängenden Vorbild Greta Thunberg für manche Eltern noch attraktiver wird. Ein deutlicher Zugewinn für Greta bei den Erst- oder Zweitnamen: Das wäre mal ein Statement junger Eltern, über das ich mich freuen würde!

Ein Zeichen, wenn auch auf einem ganz anderen Feld, können im Jahr 2019 auch Eltern setzen, die ihren Sohn Vincent nennen. Hier kursiert nämlich aufgrund des Songs „Vincent“ von Sarah Connor die Befürchtung, ein kleiner Vincent könne später mal als schwul verunglimpft werden („Vincent kriegt keinen …, wenn er an Mädchen denkt“). Wieder so eine Angst, die in erster Linie viel über die Ängstlichen selbst aussagt.

Vornamen in Songtiteln

Greta ist der Vorname des Jahres 2019

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1 Gedanke zu „Greta – ein Name als Statement“

  1. Das erfreuliche Statement blieb aus, im Gegenteil: 2020 stürzte Greta auf Platz 130 der beliebtesten Mädchennamen ab, nachdem der Name sich jahrelang ungefähr auf Rang 30 gehalten hatte. Auch Vincent ist 2020 deutlich in der Gunst der Eltern gesunken und befindet sich nur noch auf Rang 64 – in den Vorjahren gab es immer eine Platzierung in den Top 50 der beliebtesten Jungennamen.

    Sehr interessant finde ich, dass diese signifikanten Abstürze erst 2020 auftraten und nicht schon 2019, als diese Vornamen besonders im Gespräch waren. Offenbar ist die Namensfindung in den meisten Familien ein eher mittelfristiger Prozess.

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