Ritterschlag für Trenk und Tiuri

Der kleine Ritter Trenk hat Schuld. Ohne ihn hätte es eine meiner ausgedehntesten Recherchen für dieses Blog, die mich mit drei Größen der Vornamenswelt und einer Autorin zusammenbrachte, nie gegeben. Wer, was, Trenk?! So heißt eine Kinderbuchfigur der Hamburger Autorin Kirsten Boie aus dem Jahr 2006. Die Abenteuer des Trenk Tausendschlag, der vom Bauernjungen zum Ritter wird, liefen ab 2011 auf KIKA und schafften es vor zwei Jahren auch in die Kinos.

Trenk, ist das eigentlich ein richtiger Name? Halb rechnete ich damit, dass es sich um eine friesische oder niederländische Kurzform handeln könnte wie Henk (von Heinrich) oder Hark. Dem scheint aber nicht so zu sein. Stattdessen stieß ich auf eine FAZ-Meldung, wie der erste „Trenk“-Band von 2006, die diesen Namen lapidar als „nicht zugelassen“ auflistete. Da war also jemand ganz schnell – und erfolglos.

Ritterschlag

Eine Mail an Kirsten Boie war rasch verfasst. Bloß leider weiß die Autorin selbst nicht mehr so recht, wie und warum ihr kleiner Held zu seinem Namen kam. Dessen Seltenheit sei aber keineswegs ein Zufall. Ob sich das Blatt für Trenk seit 2006 wohl gewendet hat? Um das herauszubekommen, holte ich zum großen Rundumschlag unter Namensexperten aus. Zunächst trug ich jedoch weitere Namen von Ritterjungen und -mädchen aus Kindermedien zusammen – die Sache sollte sich schließlich lohnen. Hier meine Listen:

Artus – Tafelrunde und so, Kindern vielleicht eher bekannt aus „Shrek der Dritte“
Balduin – muss auf die Liste, weil das bekannte Schlossgespenst Hui Buh einst so hieß
Edwinem* – aus „Der Brief für den König“ von Tonke Dragt
Kuno – „Kuno Kettenstrumpf“ ist ein Kinderbuch von Oliver Pötzsch
Lanzelino* – gibt’s in „Die Ritter von Rasselstein“ von Thomas Brezina
Merlin – darf hier nicht fehlen, die Älteren kennen vielleicht Disneys „Die Hexe und der Zauberer“
Mike – ja, tatsächlich. „Mike der Ritter“, im Original „Mike the Knight“, ist eine kanadisch-britische Trickfilmserie
Robin – ist nicht nur in Sherwood unterwegs, sondern auch in Büchlein wie „Ritter Robin“ oder „Robin und die wilden Ritter“
Tiuri* – wieder aus „Der Brief für den König“
Trenk* – von Frau Boie
Vincelot* – aus den Bilderbüchern von Ellen Alpsten

Floretta* – nach „Floretta Ritterkind“ von Matthias Morgenroth
Gwendolina – Schwester von Lanzelino, s.o.
Igraine – nach „Igraine Ohnefurcht“ von Cornelia Funke
Lanzelotta* – „Lanzelotta Rittertochter“ ist eine Buchserie von Ursel Scheffler
Lavinia – „Der Brief für den König“
Thekla – Rittertochter und Freundin von Trenk

Besonders interessierte mich die Einschätzung der Experten zu den Namen mit *, klar. Zunächst schaute Knud für mich in seine Datenbank ab 2005 und fand als Spitzenreiter 2.788 Erstnamen-Robins (überwiegend männlich) und unter anderem 40 Kunos, neun Artusse und eine Igraine (Zweitname Nimue). Was die fantasievollen Exoten unter den Ritterkindernamen betrifft, sind sich Knud, Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache und Gabriele Rodríguez vom Namenkundlichen Zentrum der Uni Leipzig auf meine Anfrage hin grundsätzlich einig: Es kommt ganz darauf an. Nämlich darauf, wie liberal das jeweilige Standesamt ist. Ein gewöhnlicherer Zweitname könne hier unter Umständen für Milde sorgen. Auch eine familiäre Herleitung (Rüdebusch: „Wenn der Großvater Lancelot hieß und die Enkelin nach ihm benannt werden soll“) macht sich sicher gut.

Frauke Rüdebusch äußert sich insgesamt eher zurückhaltend: Viele der von mir benannten *-Namen seien „Erweiterungen und durch das dadurch entstehende Bedeutungsspektrum sehr ungewöhnlich. Auf jeden Fall würden wir jeden dieser Namen einer gründlichen Prüfung unterziehen, bevor wir ihn bestätigen.“ Am wenigsten Bedenken hat sie bei Tiuri, auch wegen der Nähe zu Tjure. Tatsächlich sei Tiuri in den vergangenen Jahren mehrfach standesamtlich beurkundet worden. Auch einen Edwinem konnte die Expertin ausfindig machen – und zwei Trenks!

Gabriele Rodríguez hat bereits einmal ein Gutachten für Tiuri erstellt, das diesen auf eine germanische Gottesbezeichnung, „übrigens etymologisch verwandt mit Zeus“, zurückführt. Der Name läge aber den meisten Standesämtern noch nicht vor. Anders übrigens als Floretta – hier dürfte es also keine Probleme geben, zumal Floreta auch albanisch sein könne. Doch auch für meine restlichen Kandidaten sieht Rodríguez gute Chancen: „Neubildungen sind in der Regel erlaubt“. Nur geht es vermutlich oft nicht ohne ein positives Gutachten. Die Mail der Expertin stimmt mich da aber zuversichtlich. Hier noch ein Auszug:

„Der Name Lanzelino ist als ein männlicher Vorname erkennbar. In Deutschland wurde er noch nicht eingetragen. Er hat Vornamencharakter, wäre also möglich. Den Standesämtern liegen die ähnlichen männlichen Vornamen Lanz, Lanze, Lanzo, Lanzelot, Lanzarote, Lans, Landelino, Lino, Lance, Lancelin, Lancellotto, Lancellottus, Lancelot, Lancelote, Lanceloto, Lancillotto und Lanciotto vor. Man kann somit Lanze und Lino zu Lanze Lino, Lanze-Lino und Lanzelino verbinden.“

Herzlichen Dank noch mal an Frauke Rüdebusch und Gabriele Rodríguez!

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

19 Kommentare zu "Ritterschlag für Trenk und Tiuri"

  1. Jan sagt:

    Kann es sein, daß Trenk eine – und sei es halb- oder unbewußte – Zusammenziehung der mittelalterlichen Hofämter (Mund)schenk und Truchseß ist?

    Man denke auch an Claus Schenk Graf von Stauffenberg – Schenk ist kein Name, sondern ein Titel der Familie. Dessen Bruder (ebenfalls 1944 hingerichtet) hieß Berthold. Der Bösewicht in den Boie-Kinderbüchern, so entnehme ich es der Wikipedia, heißt Wertold. Und die Stauffenberg-Brüder sind wichtige Figuren im Selbstbild der BRD und in den Medien stark präsent. Vielleicht hat sich da irgendwas kurzgeschlossen? Auch das altertümliche bzw. altertümelnde Wort Trutz könnte mit hineingespielt haben.

    Igraine Ohnefurcht. Ohnefurcht war der Beiname des zweiten Großherzogs von Burgund (um den Dreh 1400): Johann Ohnefurcht – Jean sans peur. Der Sohn Philipps des Kühnen und Vater Philipps des Guten.

    • Maria Th. sagt:

      Jibt altes Adelsjeschlecht in Ostpreußen mit Namen Trenck
      https://de.wikipedia.org/wiki/Trenck_(Adelsgeschlecht)

      In Waldmünchen im Bayerischen Wald gibt es ein Historienspiel über Trenck den Panduren
      https://www.trenckfestspiele.de/festspiel/franziskus-freiherr-von-der-trenck.html
      Damit sind wir zwar nicht mehr ganz in der Ritterzeit 🙂 aber Trenk ist wohl auch wie ein Synonym für einen wilden, tapferen „Kerl“ als Name für den Ritter ausgewählt worden ?! Wobei es ja eigentlich der Nachname wäre…

    • Maria Th. sagt:

      Und der Name Igraine erinnert mich fatal an starke Kopfschmerzen: Migraine

    • Jan sagt:

      Gna, natürlich! Trenck der Pandur! Den hatte ich komplett vergessen! Danke, das ergänzt zu haben! (Soweit ich weiß, hat die Gestalt, bzw. hat ihr Bild auch im Dunstkreis Jugendbewegung/Wandervogel/Bündische Jugenden eine gewisse Rolle gespielt.)

      Ich wußte, das mir der Name irgendwie bekannt vorkam, aber ich wußte nicht, warum.

      Igraine ist in manchen Fassungen des Artus-Sagenkreises die Mutter von Artus. In den volkstümlichen Assoziationen dürfte sich das aber mit Morgaine le Fay (Fata Morgana) überschneiden…

      Vorschlag für den nächsten pädagogisch wertvollen Kinder-Ritter-Roman: MigrantIne.

    • Maria Th. sagt:

      Gestalt, bzw. hat ihr Bild auch im Dunstkreis Jugendbewegung/Wandervogel/Bündische Jugenden eine gewisse Rolle gespielt.

      keine Ahnung, damit habe ich mich nie befasst. Diese weltanschauliche Schiene ist nicht so meine Richtung.

    • Jan sagt:

      keine Ahnung, damit habe ich mich nie befasst. Diese weltanschauliche Schiene ist nicht so meine Richtung.

      Tja, wer sagt Dir denn, daß „die weltanschauliche Schiene“ meine Richtung sei? Viel wäre im Internet und in der Welt gewonnen, wenn man am besten schon in der Grundschule lernte, sauber zu unterscheiden, daß es nicht das gleiche ist zu sagen: „Es ist so.“ oder „Ich finde das gut.“ 🙄

      So. Und es gibt da in der Tat skurrile Querbindungen. Die linke BRD-Liedermacherszene (Mey, Wader, Degenhardt, Süverkrüp, Schober und Black, der hier von Dir selbst neulich verlinkte Roski etc. pp.) ist anfang der 60er auf der Burg Waldeck im Hunsrück entstanden – dem „Hauptquartier“ des Nerother Wandervogels. Als Bindeglied haben in gewisser Weise die Zwillinge Hein und Oss Kröher fungiert.

      Das läßt sich nicht mit einem simplizistischen „Diese weltanschauliche Schiene ist nicht so meine Richtung.“ wegwischen, nur weil man keine Ahnung hat.

    • Maria Th. sagt:

      Tja, wer sagt Dir denn, daß „die weltanschauliche Schiene“ meine Richtung sei?

      Das habe ich auch nicht behauptet. Meine Richtung ist es jedenfalls nicht, mehr wollte ich nicht sagen.

      Und ja, kann schon sein, dass die Liedermacherszene auf dieser Burg entstanden ist; ich habe ja kundgetan, dass ich keine Ahnung habe, ich habe mich mit diesem Thema nie befasst, sondern in meiner Jugend die Lieder gehört und „konsumiert“, wenn man so will, ohne den geistigen/kulturellen/weltanschaulichen Hintergrund näher zu betrachten. Genau deswegen habe ich gesagt, dass ich keine Ahnung von eben jedem Hintergrund habe.

      …wenn man am besten schon in der Grundschule lernte, sauber zu unterscheiden, daß es nicht das gleiche ist zu sagen: „Es ist so.“ oder „Ich finde das gut.“

      Dieses Kompliment kann ich zurückgeben. Vielen Dank!

    • Barbara sagt:

      Trenck ist für mich in erster Linie der preussische, Friedrich mit Vornamen, der ein bis zwei Augen auf des Königs (Friedrich II. von Preussen) Schwesterlein geworfen haben soll und deswegen lange Jahre prominentester Festungshäftling Preussens war. Vetter Franz, der Pandur, der in österreichischen Diensten stand, taucht in Roman (Bruno Frank: Trenck, Roman eines Günstlings) und Verfilmung nur als Nebenfigur auf.

    • elbowin sagt:

      Die Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck ist zwar aus dem Nerother Wandervogel hervorgegangen, aber mit den Festivals dort hatten die elitätern und frauenfeindlichen Nerother nichts mehr am Hut (sie haben aber der AG Burg Waldeck eine epische juristische Auseinandersetzung geliefert mit allen Kniffen und Tricken des Rechts, und sie haben auch Gebäude auf dem Gelände in Brand gesteckt).

      http://www.spurbuch.de/de/produktleser-pfadfinder-und-jugendbewegung/product/die-waldeck.html

      Prädikat: lesenswert

    • elbowin sagt:

      @Maria Th.

      Und der Name Igraine erinnert mich fatal an starke Kopfschmerzen: Migraine

      Meine Tochte hat das Hörbuch zu Igraine Ohnefurcht, das von der Autorin selbst gesprochen wird. Sie spricht Igraine ganz deutsch nach den Buchstaben aus: I-grei-ne. Das macht keine Migräne.

    • Annemarie sagt:

      Zur Igraine: Auf „I-greine“ wäre ich nicht gekommen, ich habe im Kopf immer Igra-ine gesagt. – Das Buch habe ich auch mal gelesen, es hat aber irgendwie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    • mgl sagt:

      Igraine kenne ich so gesprochen: langes i und dann wie englisch „grain“
      betont auf „grain“.
      soll von irgendeinem gälischen Namen Grainne abstammen, das soll „Grahnya“ gesprochen werden. aber wer weiß das schon so genau.

    • Jan sagt:

      Hö. Ich hätte Igraine sofort und ohne nachzudenken französisch ausgesprochen, also /iGRÄHN/ bzw. wie Ygrène und wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen, daß es da auch andere Varianten geben könnte…

      Ein Indiz vielleicht, daß der Namen im Deutschen und in Deutschland vielleicht doch nicht so toll ist. 😉

  2. elbowin sagt:

    Meine „Assoziationsmaschine“ wirft zu Trenk als erstes den Schauspieler Luis Trenker aus.

    Der Name der einen Autorin, Tonke Dragt fällt auch sofort ins Auge, Harry Potter Fans fühlen sich an Nymphadora Tonks erinnert.

  3. mgl sagt:

    ein ewiges Rätsel für mich: warum heißt der König in der deutschen Version Artus und im Englischen Arthur?
    Morgaine und Morgause sind hierzulande nicht vergeben, oder man weiß zumindest nichts davon, aber Morgana ist in den vereinigten Staaten glaube ich gelegentlich als Mittelname anzutreffen.
    Merlin ist irgendwie manchmal der Name des Zauberers und manchmal aber auch seine Position, der Merlin von Britannien, und da wird dann immer ein neuer ernannt wenn der alte stirbt.
    Gwenhwyfar ist sehr bekannt als „Jennifer“.
    Lanzelino finde ich grausig. das geht nicht einmal als Katzenname.
    Gunther Gernot, Giselher, Volker, Dankwart, Kevin.
    danke für die Liste und den Artikel/Gedanken.

  4. Annemarie sagt:

    Ich wollte noch ergänzen, dass ich „Der kleine Ritter Trenk“ sehr gern mit meiner Tochter gelesen habe. Auch das „Floretta“-Buch empfehle ich gern, und „Der Brief für den König“ für etwas Ältere und Große sowieso 🙂 Die Bücher um Lanzelotta, Lanzelino, Kuno, Vincelot und Robin kenne ich nicht näher.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Igraine Ohnefurcht mochte ich früher auch sehr gerne. Der Brief an den König auch, der Rest sagt mir spontan nichts.
      Aber ich wusste nach Jahren noch, dass Tiuri aus eben diesem Buch stammt, das hat mich gerade selbst überrascht.

    • Mareike sagt:

      Das Buch vom kleinen Ritter Trenk habe ich auch mit meiner Tochter gelesen. Sie mochte die Geschichte sehr und war enttäuscht als wir alle Trenk-Bücher durch hatten. Im Buch tauchen mehrere einsilbige Namen auf, vor allem Trenk und Zink (der echte Neffe), klingen schon sehr ähnlich und das sollten sie wohl auch.
      Aus Trenks Schwester Mia-Mina sind gleich zwei Modenamen geworden. Ich habe mich gefragt, ob Mia-Mina tatsächlich so heißt oder ob das nur ein Rufname für eine Maria oder so ist.

      Seeräuber-Moses (von Kirsten Boie) ist auch ein schönes Buch, auch für Mädchen. (Moses ist „eine kleine Dame“). Die Seeräuber hießen: Käpt’n Klaas, Haken-Fiete und Nadel-Mattes und dann gab es noch den Dohlen-Hannes. Fast jeder hatte einen Beinamen.

    • Annemarie sagt:

      Oh ja, die Bücher von Seeräuber-Moses haben uns auch sehr gut gefallen! Aber hey, die Namen sollten eigentlich in meinen Text zu Piratenkindernamen 😉

Kommentieren