Was Kindern gefällt

Kinder lieben Diminutive, Verniedlichungen. Jedenfalls Mädchen im Kindergartenalter. Meine Tochter nennt ihre Freundinnen Sarah, Maja, Paula und Ida folglich Sari, Maji, Pauli und Idachen. Was lieb und süß klingt, schmeckt dem Mädchenohr offenbar genauso gut wie das Mädchenauge wohlgefällig auf rosaroten, glitzernden und großäugigen Figuren à la Lillifee und Hello Kitty ruht.

Kinder lieben Bekanntes. Meine Tochter verkündete mit knapp 4, dass sie einmal eine Tochter namens Sarah haben wolle (siehe oben). Neue Stofftiere oder Puppen nennt sie zur Zeit gern und immer wieder – Namensdopplungen hin oder her – Lotta, Lotte und Greta, nach weiteren Mädchen aus ihrem Umfeld. Aktuelle Namensmoden spielen für sie trotzdem keine Rolle: Eine Puppe mit langem Blondhaar heißt Ilona. Wie die langhaarige Ilona aus der Igelgruppe, deren Name in ihrem Geburtsjahrgang (2006) nicht mal in die Top 500 kam.

Nun noch eine Mini-Sammlung von Namen, die bei Kindern sehr gut ankommen dürften. Zunächst die Jungen:

  1. Dino – in Italien gebräuchlich. Junge Saurier-Fans müssten diesen Namen lieben.
  2. Bob wie der Baumeister („Yo, wir schaffen das!“) und der knallgelbe Schwammkopf.
  3. Findus. Habe ich neulich in einer Familienanzeige gelesen, die Brüder hießen Lasse und Bjarne. Klein-Findus heißt nach einem Kater (Bilderbuchheld in grüner Latzhose) – und nach Gemüse. Kater Findus verdankt seinen Namen nämlich einem Karton mit der Aufschrift „Findus grüne Erbsen“, in dem er zu seinem Menschen kam.

Wie Findus zu Pettersson kam

Und was gefällt wohl den Mädchen?

  1. Lilli und
  2. Fee, letzeres als Kurzform von Felicitas ein regulärer Name. Lillifee lässt grüßen.
  3. Rosa – Lieblingsfarbe, auf die sich (fast) alle kleinen Mädchen einigen können.
  4. Maja. Diese Biene, die ich meine.
  5. Wolke – könnte ich mir auch gut vorstellen, wenn ich so an die in den 80ern unter uns Mädels gehypten Wölkchenmuster auf blassblauem oder rosafarbenem Grund denke.
  6. Madita, sobald diese Figur Astrid Lindgrens bekannt ist. Was sicher nicht alle wissen, die mit diesem Namen, derzeit immerhin auf Platz 208, liebäugeln: Es handelt sich nicht um einen echten Namen aus Ikea-Land, sondern um eine Erfindung der Übersetzer. In Schweden heißt Madita „Madicken“.

Von meinen Vorschlägen für Jungs befindet sich keiner in den Top 500. Lilli thront dagegen auf Platz 13, Maja auf 21. Rosa hält Platz 238. Fee und Wolke kommen wohl eher als „mutige Zweitnamen“ vor; Fee schaffte es in den letzten Zweitnamen-Charts auf Platz 60, gefolgt wieder von Rosa und Lilli (Platz 61 und 62). Natürlich ist die Frage, wie glücklich Trägerinnen und Träger dieser Namen etwa im Teenageralter oder später als Erwachsene darüber sind. Für einen Vorschüler, den ich vom Hörensagen kenne, dürfte die ganz große Stunde aber wohl erst noch schlagen: Der Knabe heißt Harley.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

28 Kommentare zu "Was Kindern gefällt"

  1. sanne sagt:

    Hihi 🙂 http://www.findus.fi/findus/

    Bei uns heissen die Puppen u.a. Emma, Ida, Kukka (Blume), Ina, Bamse, Peppi…

  2. Hannah sagt:

    Bei uns wird jeder Name von den Kindern vernidlicht. Aus Ida wird so Idi, schrecklich! Die Puppen heißen Sarah, Carlotta Sophia, Erna, Paulina, Zora…

  3. Kati sagt:

    Meine Nichte Fiona Maria nennt ihre Freundinen eigentlich alle so,wie deren Eltern sie rufen. Friederike heisst dann Rike, Alessandra Lessa und Gregor wird zu „Gräg“ Greg. Was mir autgefallen ist, sie hat ihre Puppen alle ganz klassisch genannt, zumindest die Barbiepuppen. Die heissen bei ihr Charlotte, Luise, Marianne, Elvira und nach ihrer Mutter Isabella. Nur die Babypuppen haben eine merkwürdige Mischung abbekommen: Maggie und Ole.
    Und ausser Isabella kommen in ihrer Umgebung keine der Namen vor, weder in der Schulklasse, noch im Hort.

  4. Lydia sagt:

    „Rosa – Lieblingsfarbe, auf die sich (fast) alle kleinen Mädchen einigen können.“
    Ach was! Das ist ja hochinteressant! Früher (vor hundert Jahren) war rosa die Farbe die Jungen zugeordnet wurde, weil „so kräftig“. Damals war blau die Mädchenfarbe (Ironie!) – Ich selbst kann mich übrigens an kein einziges Spielzeug au meiner eigenen Kindheit (die in mancher Hinsicht vielleicht progressiveren 70er) erinnern, das rosa/pink gewesen wäre (außer vielleicht ein Buntstift oder ein Plüschschwein?). Noch kann ich sagen, dasss ich diese Farbe in irgendwie vermisst hätte oder je irgendetwas in pink wollte )Warum zum Teufel auch?!). Vorsicht also vor auf konventionellen Festlegungen und Werbebeinflussung basierenden Klischees bzgl. was kleine Mädchen angeblich „von Natur aus“ so furchtbar mögen!

    • annemarie sagt:

      Dass die Mädchen Rosa „von Natur aus“ so sehr mögen, glaube ich auch nicht recht. Aber ich kenne ja nun reichlich kleine Mädchen – derzeit sind Rosa, Pink, Lila einfach enorm beliebt (kann natürlich auch von den sie umgebenden Farbwelten kommen – Henne und Ei … ;-)), auch in Abgrenzung zu „Jungsfarben“ und „Jungssachen“. Bei meiner Tochter ging es mit 3 los, und ich hatte sie vorher bewusst nicht rosa gewandet.

      In den 70ern sah das wirklich ganz anders aus 🙂 Meine Lieblingsfarbe als Kind war Grün. Die ersten rosa-pastelligen Klamotten kamen in den 80ern, als auch bei Barbie plötzlich alles in Pink erstrahlte. Mein erstes Barbie-Wohnmobil war aber noch Orange.

    • annemarie sagt:

      Eine Lieblingsnamenliste für Kinder der 70er würde vermutlich ziemlich anders aussehen – Bob 1 und 2 gab es noch nicht, Findus auch nicht, auch nicht Lillifee. Aber Maja! Und Heidi. Da fällt mir ein, ich wollte meine Tochter damals Leona oder Kitty nennen, nach Schwester und Freundin von „Kimba, der weiße Löwe“ 😉

    • Andrea sagt:

      Also ich bin Jahrgang 85 und mochte Rosa auch nicht. Leider wird ja wahnsinnig viel rosa Spielzeug produziert, da werden Kinder schnell „infiziert“ ;).

    • Lena sagt:

      Meine Cousine (3) hat keinen ‚Rosa-Tick‘. Ihre Lieblingsfarbe ist 100% Grün. Türkis/Blau gefällt ihr auch, aber grün ist immer top 😉

    • Anonymous sagt:

      Rosa ist Plastik.
      nicht-plastik-Spielzeuge sind meistens nicht rosa.
      Massenproduktion billigion.
      so siehst du ob du in einem Industrieland wohnst.

      Nie im Leben würde ich einen Vornamen vergeben der das ganze Leben niedlich und nach billigem Plastik-Schnickschnack klingt.
      Das Kind wird sich bestimmt nicht darüber aufregen, dass der Name zu wenig niedlich ist, denn als Kind hat man da nur wenig Vergleich und keine Übersicht.
      (Mit Abkürzungen etc kann man sich immer noch behelfen.)

  5. Lydia sagt:

    Also, diese Vorliebe hängt doch wirklich massiv von Werbemanipulation ab. Habe heute übrigens zu diesem Thema auf Twitter diesen Link zu einem Artikel im Daily Telegraph (eine britische KONSERVATIVE Zeitung wohlgemerkt!) gefunden in dem die Pinkifizierung ebenfalls heftig kritisiert wird:

    http://blogs.telegraph.co.uk/news/jakewallissimons/100210036/pink-lego-is-an-abomination-end-this-gender-fascism/

    Wenn man sich vorstellt auf welche extrem einschränkenden Rollenmodelle kleine Mädchen da reduziert werden, wird mir echt schlecht. ‚Gender fascism‘ trifft es ganz genau, meiner Meinung nach.

    • Miez sagt:

      Hi,

      ich möchte einmal etwas zu diesem „Gender fascism“ sagen:
      ich (ein Neunzigerkind) mochte schon als kleines Mädchen rosa und lila (mag ich heute auch noch ^^). Meine Eltern hat mich nie in diese „rosa, rüschenhafte Glitterwelt“ gedrängt, mir hat das einfach gefallen. Das hat mich aber nicht davon abgehalten eine emanzipierte Frau zu werden und meine eigene Meinung zu vertreten. Ich mochte Puppen und Barbies (und damals wusste ich schon, dass die Barbie eine sehr unnatürliche Figur hat, aber so ist die Barbie nun mal, deshalb wollte ich später nicht die gleiche Figur haben, nur mal so am Rande.)
      Ich bin mit meinem Bruder aber auch gerne geklettert, habe im Matsch gespielt und mit Legos gebaut und war immer ganz traurig, dass es in der Legowelt alles nur für Jungs gab. Heute ist das zum Glück anders. Klar, einige werden sagen, dass die Mädchenlego – Baukästen typisch in lila, rosa und weiß gehalten werden. Aber viele kleine Mädchen mögen diese Farben und einige Jungs auch. Das ist okay. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn sie das nicht mögen.
      Man sollte die Kinder einfach aussuchen lassen, mit was sie spiele möchten und welche Farbe das Spielzeug haben soll. Ich bekomme auch die Krise, wenn alles rosa ist, ein bisschen rosa ist aber schön. Mädchen fühlen sich nicht in eine klischeehafte Ecke gedrängt, Jungs übrigens auch nicht. Allgemein denken Kinder nicht so viel über „typisch Mädchen“ oder „typisch Junge“ nach, wenn man sie nicht so erzieht und wenn einem der ganze rosa Kram nicht passt, dann muss man dies den Kindern nicht kaufen. Kinder haben sowieso eine eigene Meinung und Lieblingsfarbe, die meiner kleinen Schwester (7) ist übrigens blau und grün und gelb und manchmal türkis.

    • Jan sagt:

      Hö. Im Milieu meiner Kindheit (ländliches Niedersachsen der 70er Jahre) hat man die Farbe Rosa mit Schweinen in Zusammenhang gebracht und nicht mit Mädchen… Rosa, das war immer die Schweinchenfarbe.

      Oh ja, es gab geschlechtstypisches Spielzeug: Barbie-Puppen für die Mädchen, „Action Team“ für uns. Und für uns natürlich auch noch fröhlich allerlei anderes Kriegsspielzeug, das Mädchen nie angefaßt hätten. Aber die grundsätzliche Assoziation „rosa/pink = Mädchen“, die gab es nach meiner Erinnerung nicht oder jedenfalls keineswegs in dem Maße wie heute.

      Andererseits z.B. wurden in den KZs der Nazifaschisten homosexuelle Häftlinge bekanntlich mit einem rosa Winkel gekennzeichnet. Die Assoziation der Farbe mit weiblich oder „weibisch“ muß also doch älter sein. Und die kleine Nichte einer ollen Bekannten wollte schon mit drei Jahren nichts anderes als rosa Klamotten; das war/ist in den 2010er Jahren.

      Ich frage mich also bis heute, inwiefern da mögliche genetische Dispositionen und Erziehung bzw. Mode in Zusammenhang stehen.

      „Käsekuchen! Käsekuchen! Käsekuchen!“ „Hierher, Pinky!“ 😉

    • Maria Th. sagt:

      Nun, vor dem 20.Jh. wurden Buben häufig in Rosa gekleidet, wie man auf einschlägigen Malereien fürstlicher Kinder oft sehen kann. Rot und das „kleine Rot“, also Rosa wurden mit Stärke, Kampf und Blut assoziiert, deshalb eine „männliche“Farbe. Blau war der Hl.Maria zugeordnet und galt deshalb als sanft und weiblich. So ändern sich die Zeiten!
      Ich kenne nur die heutzutage übliche rosa/hellblau-Verteilung, aber ich habe eine Verwandte aus dem Rheinland, die hat ebenfalls erzählt, dass in ihrer Kindheit auch noch Jungs in rosa und Mädchen in hellblau gekleidet wurden.
      Es gibt ein ganz interessantes Buch von Eva Heller zu diesem Themenbereich: „Wie Farben wirken – Farbpsychologie, Farbsymbolik, Kreative Farbgestaltung“, da ist das u.a. thematisiert.

    • Jan sagt:

      wie man auf einschlägigen Malereien fürstlicher Kinder oft sehen kann.

      Die da zum Beispiel wären? Mir wäre keines bekannt, in dem Mädchen in Bleu und Jungs in Rosa gekleidet wären.

      Ich weiß natürlich auch, daß die Wikipipi-Spastis diese „Rosa-Himmelblau-Umkehrung“ unterstellen – aber wenn man auch nur in die Nachweise schaut, drängt sich schon der Verdacht auf, daß da in der Regel keine Historiker oder auch nur Kunstgeschichtler angeführt werden, sondern irgendwelche obskuren „Gender Studies“-Tanten oder „Journalistinnen“ bzw. „Publizistinnen“.

    • Maria Th. sagt:

      Touchée, Jan, natürlich weiß ich jetzt aus dem Stand auch kein konkretes Gemälde bzw. einen Standort; ich versichere aber, dass ich bei touristischen Schloßbesichtigungen solche Bilder schon gesehen habe und diese These bestätigt fand. Allerdings fiel mir das zugegebenermaßen erst auf, nachdem ich das in dem erwähnten Buch gelesen hatte, vorher hatte ich nie auf sowas geachtet.
      Wie gesagt, meine Verwandte hat dies aus eigener früherer Erfahrung auch bestätigt, das ist bestimmt keine Gender-Studies-Tante o.ä.

      Die Autorin Eva Heller studierte jedenfalls in Berlin Soziologie und Psychologie und hatte Abschlüsse als staatlich geprüfte Werbewirtin (Hochschule der Künste Berlin, 1973), Diplom-Soziologin (Freie Universität Berlin, 1978) und Dr. phil. (Universität Frankfurt, 1982). Ihre Dissertation Wie Werbung wirkt. Theorien und Tatsachen erschien als Taschenbuch. 1985/1986 übernahm sie für ein Jahr eine Professurvertretung an der Technischen Hochschule Darmstadt, sie lehrte dort Werbepsychologie und Farbpsychologie. Ich weiß nicht, ob das deinen Ansprüchen an Expertise und/oder universitärer Bildung genügt.

      So, jetzt hab ich mein Buch doch noch gefunden und ich zitiere mal (in Ausschnitten, S. 116/117 der Sonderausgabe von 2002, rororo Sachbuch):
      „Deshalb trägt das Jesuskind (…) ein rosarotes Kleid , von Giottos berühmter Ognissanti-Madonna von 1365 bis zu Murillos Darstellung der Heiligen Familie von 1681. (…)zeigt den kleinen Sophn eines englischen Barons im Jahre 1640. Er trägt einen rosaroten Seidenanzug (Bildquelle: Cornelius Johnson, Die Familie von Baron Arthur Capel, National Portrait Gallery. London) (…) Nicht nur zur Zeit des Rokoko trugen sogar ältere Männer rosarote Anzüge (Antoine Watteau, Die Tonleiter der Liebe, Wallace Collections Trustees London). (…) einem Gemälde von Franz Winterhalter zu erkennen, das Königin Victoria 1846 mit ihren fünf Kindern zeigt (…)

      Der Abschnitt 3. Der Wandel vom männlichen zum weiblichen Rosa des Kapitels ROSA geht über zweieinhalb Seiten und führt diese Gedanken ausführlich weiter.
      Durchaus interessant zu lesen.

    • Jan sagt:

      Nein, Maria Th., die Hypothesen einer feministischen Brigitte- und Bestseller-Autorin, die mal irgendwo Psychologie studiert und des weiteren viele Vorträge gehalten und Karikaturen gezeichnet hat, reichen meines Erachtens in der Tat nicht, um diese Frage abschließend zu klären. Ich würde mir von Erich von Dänicken auch nichts über die Geschichte der Maya erzählen lassen.

      Immerhin scheint nun klar zu sein, wo die Wikipedia-Typen diese „Rosa-Himmelblau-Umkehrungs-These“ her haben – das war mir zuvor ganz unbekannt.

      Daß ich mir hinsichtlich der Frage „Ist Rosa eine Mädchen-Farbe?“ unsicher bin, hatte ich gestern abend schon ausgeführt. Ich werde mir die Antwort aber mit Sicherheit auch nicht von so unzuständiger Seite erklären lassen.

      Und das Thema Farbsymbolik ist äußerst windig. Die Engländer tragen bei Waterloo rote Röcke, die Franzosen blaue und die Preußen schwarze. Bei Kunersdorf sind Fritzens Söldener blau gekleidet, die von Laudon hingegen weiß. Die meisten Matrosenjacken heute sind blau, die russischen hingegen (meistens) schwarz. Was soll uns das nun sagen?

      Der Hinweis auf das Winterhalter-Gemälde ist immerhin interessant, insofern Viktoria und Albert die ersten europäischen Monarchen gewesen sind, die ihr Familienleben systematisch öffentlich inszeniert haben, die also das rüberwachsen zu lassen versucht haben, was heute alle „Royals“ von sich behaupten: „Wir sind eine ganz normale Familie!“ Übrigens sehe ich auf dem Bild weder Rosa noch Himmelblau, sondern nur ein rote Tunika (oder so…), die „Bertie“, also der spätere Eduard VII., trägt.

      Meine Güte, das erste, was man früher in einem anständigen Proseminar gelernt hat, war, daß man Enzyklopädien nicht trauen kann! Und damals waren das noch halbwegs solide Werke und eben keine Wikis. Ich ärgere mich also einfach nur über die Sicherheit, mit der hier eine Wahrheit/Tatsache unterstellt wird, eine Sicherheit, die es hier nicht geben kann.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Interessanterweise ist ja zumindest ab einem Alter (hell)blau auch bei Mädchen nicht ungewöhnlich, während rosa und lila immer nach (kleinem) Mädchen aussieht, andere Rottöne werden aber durchaus unisex verwendet.
      Meine Lieblingsfarbe war als Kind übrigens eine ganze Zeit lang schwarz, irgendwann hat das dann, unter anderem durch Lillifee, zu den typischen Mädchenfarben gewechselt.
      Die Lieblingsfarbe meiner achtjährigen Schwester ist blau, rosa ist aber auch nicht schlecht.

    • Jan sagt:

      Interessanterweise ist ja zumindest ab einem Alter (hell)blau auch bei Mädchen nicht ungewöhnlich, während rosa und lila immer nach (kleinem) Mädchen aussieht, andere Rottöne werden aber durchaus unisex verwendet.

      Und interessanterweise geht es bei diesen ganze feuilletonistischen Auseinandersetzungen ja auch fast nur um eine angebliche oder tatsächliche „Pinkifizierung“ kindlicher (also mädchen-hafter) Lebenswelten, kaum je hingegen um eine „Himmelblauisierung“ von Jungs-Spielzeug, Jungens-Klamotten und derlei. Rosa bzw. Pink* ist viel deutlicher mit Mädchen verbunden, als es Hellblau mit Jungen ist.

      Lila hingegen würde ich nicht mit einem (kleinen) Mädchen in Zusammenhang bringen, sondern mit 80er-Jahre-Emanzen und ihren Latzhosen und Halstüchern. 😉 Vielleicht ist es dieser nostalgischen Erinnerung zu verdanken, daß ich die Farbe Lila heute gerne mag. 🙂

      *) Über die Abgrenzung von Rosa und Pink könnte man sich auch mal Gedanken machen, die über das de-Wikipedia-Gestammel hinausgehen…

    • Anonymous sagt:

      ich habe so den Eindruck(also vollkommen haltlos)
      dass die Farbe pink erst mit der fortgeschrittenen Plastikproduktion so richtig bekannt wurde. vorher gab es das wohl auch aber nichtso massenverbreitet. darauf brachte mich der Kommentar von Annemarie zu einem orangefarbenen Barbie-Wohnmobil, s. o.
      man sollte demnach schauen ab wann es diese Kunststoffe gab die nicht so spröde waren. glaube das sind die Polypropylene. Ich erinnere mich an Shampooflaschen. aus dem alten Plastik zerbrachen sie schnell, das Material war spröde, also wenig flexibel, aus dem neuen(Polypropylene?) halten sie deutlich mehr aus. So. und da denke ich kam das mit den Polypropylenen auf dass man die Kunststoffe pink einfärbte. ob Barbie aber der Alleininitioatorero ist wissen wir nicht.
      mgl

    • Jan sagt:

      @mgl 🙂

      In den späten 70ern gab es diese Modemasche mit den giftgrünen (oder eben Granny-Smith-grünen) Shampoos mit Apfel-Geruch. Vielleicht war das so zeittypisch wie das von Annemerie erwähnte orangene Spielzeug-Wohnmobil. Orange und Hellgrün waren in den bunten 70ern eben angesagt. Jungs hatte damals eigentlich überhaupt keine expliziten Lieblingsfarben, das wäre uns mädchenhaft vorgekommen – aber vielleicht ein gewisse Präferenz für Olivgrün, wegen der damals allgegenwärtigen „Nato-Parkas“ oder weil es allgemein mit Militär in Verbindung gebracht wurde. Ich mochte damals Marineblau sehr gerne. Weiches Plastik gab es seinerzeit aber schon…

      Bei meiner Tochter ging es mit 3 los, und ich hatte sie vorher bewusst nicht rosa gewandet.

      In den 70ern sah das wirklich ganz anders aus Meine Lieblingsfarbe als Kind war Grün. Die ersten rosa-pastelligen Klamotten kamen in den 80ern, als auch bei Barbie plötzlich alles in Pink erstrahlte. Mein erstes Barbie-Wohnmobil war aber noch Orange.

      Das deckt sich mit meinen bescheidenen Beobachtungen. Der Rosa-Fimmel der Nichte meiner Bekannten hat wohl auch erst angefangen, als sie in den Hort gekommen ist. (Im Osten heute immer noch mit 2.)

      Und was diese (meines Erachtens wie gesagt unhaltbare) feministische Eva-Heller-These („Rosa war früher mal Jungsfarbe!“) angeht, so bestand eben auch erst seit den mittleren 80ern überhaupt Bedarf für sie. Vorher gab es diese strikte Kopplung „Mädchen = Pink/Rosa“ einfach nicht. Rosa galt als Schweinchenfarbe oder vielleicht noch als schwul, aber eben nicht als die Mädchenfarbe schlechthin.

  6. Jan sagt:

    Zur Systematisierung des Fragenkomplexes gestatte man mir bitte noch folgende Überlegungen.

    Daß ich diese Rosa-Umkehr-These von Eva Heller für nicht haltbar halte, habe ich nun schon zur Genüge betont – vielleicht mal wieder zu grob im Tonfall, um Pardon, Maria Th., wirklich! 🙂

    Es scheint mir eine Sache, ein bestimmtes, allgemein akzeptiertes Farbschema zur Kennzeichnung von Geschlechtern auf Infographiken, Hinweisschildern, Klos etc. zu verwenden: Blau für Jungs bzw. männlich, Rosa für Mädchen bzw. weiblich.

    Es ist aber eine andere Sache, wenn die komplette Lebenswelt eines der beiden Geschlechter in die zugehörige Farbe getaucht wird, wenn also alles oder zumindest sehr viel, was für Mädchen gewebt, gestrickt, genäht, gegossen, gespreßt, gedruckt oder geschnitzt wird, auf einmal pink ist.

    Beides setzt eine funktionierende (Massen)medienöffentlichkeit voraus. Die gibt es in Kerneuropa und in den USA seit etwa 1850, d.h. mit der massenhaften Verbreitung von Zeitungen.*

    Letzteres setzt zusätzlich eine entwickelte Industriegesellschaft voraus, in der ein bestimmtes Segment der Industrie speziell für Kinder massenhaft produziert. Das gibt es seit etwa 1900, stark verstärkt sicher seit 1945.

    Warum die Pink-Welle dann erst so richtig in den 1980ern in Schwung kommt, ist mir auch nicht klar. Vielleicht wirklich als „volkstümliche“ Gegenbewegung zu den geschlechts-egalisierenden Bestrebungen der 1970er Jahre oder „der 68er“.

    *) Und der Hinweis auf das Winterhalter-Gemälde scheint mir eben deshalb so ungewollt interessant, weil Viktoria einer der erste Monarchen ist, die einigermaßen systematisch Massenmedien-Politik betreibt – und die damit vermutlich die englische Monarchie gerettet hat.

    • Maria Th. sagt:

      mal wieder zu grob im Tonfall,

      Ja, stimmt; da hab ich dann keine Lust, drauf einzugehen bzw. zu antworten.

      wenn die komplette Lebenswelt eines der beiden Geschlechter in die zugehörige Farbe getaucht wird,

      da kann ich voll zustimmen, das find ich auch furchtbar und das habe ich bei meiner Tochter zum Glück auch erfolgreich vermeiden können. Sie hatte ein paar rosa Sachen, aber nicht als Haupt-Kleidungsfarbe, ein rosa/pink gestrichenes Zimmer (was viele ihrer Freundinnen noch im Teenageralter hatten) hätte ich nicht zugelassen, das wäre nicht in Frage gekommen. (In Gefängnissen gibt es teilweise komplett rosa gestrichene Zellen, wo randalierende Insassen von selbst wieder ruhig werden). Man kann den Rosa-Fimmel kleiner Mädchen doch ganz gut kanalisieren mit einigen wenigen Accessoires, wie Kissen oder Vorhänge statt des pinken Overkills; das gleiche gilt bei der Kleidung. Ein teilweises Eingehen auf solche Vorlieben finde ich o.k., aber Geschmack muss ja auch erst allmählich herangebildet werden bei einem Kind. Und man kann auch einem kleinen Kind gut erklären, dass alles in einer Farbe langweilig bzw. zuviel des Guten wird.

      Warum die Pink-Welle dann erst so richtig in den 1980ern in Schwung kommt, ist mir auch nicht klar.

      Das könnte meiner Meinung nach daran liegen, dass zu dieser Zeit die Leute im Durchschnitt genug Geld hatten, die Erwachsenen-Bedürfnisse mit Markenkleidung und „Designer“möbeln zufriedengestellt wurden – das mit den Labeln kam ja damals auch erst richtig in Schwung, in den 70ern genügte es noch, eine Levi’s zu haben, woher das T-Shirt und die Turnschuhe waren, war völlig egal). Damals in den 80ern wurde „das Kind“ als neue Konsummacht bzw. Konsumziel entdeckt. Die Kinder durften mehr als früher sich selbst aussuchen, was sie gern anziehen würden/welches Spielzeug sie möchten etc. und die kleinen Mädchen griffen dann prompt zu dem rosa Kram, der dann auch (sicher aufgrund eingehender Marktanalysen) in entsprechenden Mengen auf den Markt kam. Pink sells! Dass es eine Gegenbewegung zu den Strömungen der 1970er Jahre war, kann durchaus noch dazu beigetragen haben.

    • Maria Th. sagt:

      Es geht mir jetzt nicht um Rechthaberei, aber ich hab gerade gesehen (und neulich übersehen) was weiter oben

      Lydia sagt:
      1. April 2013 um 21:32

      „Rosa – Lieblingsfarbe, auf die sich (fast) alle kleinen Mädchen einigen können.“
      Ach was! Das ist ja hochinteressant! Früher (vor hundert Jahren) war rosa die Farbe die Jungen zugeordnet wurde, weil „so kräftig“. Damals war blau die Mädchenfarbe

      Das stützt ja meine These bzw. was meine Verwandte sagte. Eva-Heller-Fan bin ich im übrigen auch nicht (ich hab mal einen ihrer Frauenromane geschenkt bekommen, nicht mein Fall), aber das Buch über die Farben ist, wie gesagt, doch ganz interessant. Lesen, erst dann ggf. verreißen.

    • Jan sagt:

      Das stützt ja meine These bzw. was meine Verwandte sagte.

      Halten zu Gnaden, Maria Th… Beim besten Willen und meinerseits im Bewußtsein der Gefahr, mal wieder rechthaberisch zu werden: Das stützt erst mal wenig. Lydia nennt keine Quellen, und man kann mit 95%iger davon ausgehen, daß sie das aus Wikipedia hat. Und die betreffenden Passagen zumindest im Artikel „Rosa“ berufen sich auf völlig obskure Quellen (Postillen, Seminararbeiten), die ihrerseits natürlich wiederum auf Eva Hermann zurückgehen! Siehe auch die dortige Diskussionsseite.

      Ich bin ja gar kein Wiki-Hasser! Nur bei Themengebieten, die

      einerseits

      zwangsläufig der natur- oder ingenieurswissenschaftlichen Exaktheit entbehren und die

      andererseits

      auf ein breites und sehr engagiertes Interesse größerer Bevölkerungsgruppen stoßen, ist Wikipedia einfach nicht autoritativ und oft äußerst obskur. Das betrifft z.B. Teilgebiete der Geschichte, Religionskunde, Kochkust und Ernährungslehre und eben auch alles, was mit „Gender“ zu tun hat. Da kann man einfach nicht sagen: „Guck mal bei Wiki nach, so und so war oder ist das!“ Als Historiker ist man es von jeher gewohnt, immer wieder mit Scharlatanen und Bestsellerautoren zu tun zu haben, die ein öffentliches Echo finden – und deren Kuckuckseier sich dann heute in der Wikipedia wiederfinden und dadurch in den Augen der breiteren Öffentlichkeit für „die Wahrheit“ gehalten werden. Gerade bei Artikel, die nicht im engeren Sinne mit Geschichte zu tun haben, wie hier eben einer zur Farbenlehre. Daher der gewiß nicht zu überhörende Unmut in einigen meiner Äußerungen hier.

    • Jan sagt:

      Gna, Eva Heller sollte das heißen nicht Eva Hermann. Das war jetzt wohl wirklich mal eine Freudsche Fehlleistung… (Eine Eva Hesse gab’s auch noch. Kluge Frau – in möglichem Gegensatz zu den beiden anderen. 😉 )

      Und das „einerseits-andererseits“ hätte kursiv werden sollen, kein Zitat.

      Zu Deinen Ausführungen von heute, 10:45, antworte ich Dir noch, sobald der Baldriantee zu wirken begonnen hat.

    • Jan sagt:

      (In Gefängnissen gibt es teilweise komplett rosa gestrichene Zellen, wo randalierende Insassen von selbst wieder ruhig werden).

      Na, vermutlich, weil sie von der Farbe Magenkrämpfe kriegen, kotzen müssen und damit erstmal sediert sind. 😀

      Deine Überlegungen zur in den 80ern nochmals immens gesteigerten Konsum- und Markenorientiertheit, die sich von da an auch verstärkt auf die noch nicht pubertierenden Kinder auswirkt, tragen sicher erheblich zur Klärung der Frage „Woher kommt die Pinkifizierung?“ bei.

      Andererseits waren wir als Kinder schon in den 70er Jahren durchaus auch Ziel von Werbekampagnen der Industrie. Wir haben eben auch gequengelt, bis wir das neue, teure, im Fernsehen beworbene Playmobil-Piratenschiff zumindest zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. (Um nur ein Beispiel zu nennen.) Als 13-jährige Teenies mußten es dann auch schon Adidas-Turnschuhe sein, nicht hingegen Levis-Jeans. Und die Marke der Entenschuhe, die man mit 16 getragen hat, war auch wiederum egal. Aber es stimmt, es war alles eine große Nummer kleiner. Nur ganz zureichend erklären kann man das Phänomen damit wohl nicht.

      Ich bin mir sicher, daß auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben: eben die Abkehr von den Post-68er-Gebräuchen der 70er Jahre, die Zeitstimmung in der beginnenden Kohl-Ära und ähnliches.

      Heute mittag ist mir noch folgendes eingefallen: In den frühen 80ern ist eine Jungendkultur aufgetaucht, die zum erstenmal wieder auf „edel“ und „Wir sind was Besseres, weil wir Geld haben“ gemacht hat: die bei allen anderen allseits beliebten „Popper“. Unter uns Dorf-Ökos hätten die kaum eine Überlebens-Chance gehabt 😉 , in Hannover aber gab es sie durchaus. In Hildesheim hingegen haben sie mal ein paar von denen am hellichten Tag auf dem Marktplatz in den Brunnen geschmissen. Da waren dann die Schmacht-Tollen erstmal hin und die Klötten auch. 😀 Diese Popper fingen damit an, teure Klamotten zutragen, etwa Kaschmir-Zeugs – und oft in Pastelltönen, unter anderem eben auch Rosa. Die ersten Mädchen, die wirklich rosa Pullis getragen haben, die ich gesehen habe, waren in Hannover Teenie-Zicken aus diesem Dunstkreis. Das dürfte irgendwie ein Teil des Puzzles sein.

      (Für Männer gab es kurze Zeit später eine Weile lang die gefürchteten Oberhemden in „Pflaumen-Pfarbe“. 😉 )

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