Mia fährt Bus & Bahn in Bremen

Neulich war ich mal wieder in Bremen, wo ich meine Zwanziger verlebt habe, und traf gleich am Bahnhof auf MIA. Nein, keine alte Bekannte, sondern ein Angebot der Bremer Straßenbahn AG, kurz für „Mobil Im Abo“, das es laut meiner Recherche seit 2013 gibt. Ob sich Bremer Fans des Namens Mia darüber ärgern? Oder könnte der Ticket-Name sogar Eltern inspirieren? Bei einem solchen Top-Namen – in der Hansestadt seit Jahren im Wechsel mit Emma an der Spitze – ist das kaum feststellbar.

Trotzdem eine interessante Frage: Haben Namen aus Stadtbild oder -historie Einfluss auf die elterliche Wahl? Kommen Schwangere ins Schwärmen, wenn sie in verschnörkelten Lettern den (Familien-)Namen Jonas an der Front eines Tabakladens lesen? Könnte ein griechisches Lokal namens Eliá schon Nachahmer ins Standesamt getrieben haben, von denkbaren, womöglich unbewussten Vorlieben für Becky und Jacob (nach heimischer Genussmittelindustrie) gar nicht zu reden?

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com
Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Wie auch immer, ich habe ein bisschen gegraben und kann noch einige Bremensien präsentieren, die auch für Nicht-Bremer anregend sein könnten:

Alexander (D: Platz 26, HB: 24)  – „Sail away“ unter grünen Segeln: Die Bark „Alexander von Humboldt“, benannt nach dem Naturforscher, liegt als Gastronomieschiff an der Weserpromenade vor Anker.

Cato – Der Name der Bremer Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Cato Bontjes van Beek (1920–1943) ist eine niederländische Kurzform von Katharina. Geht auch für Jungs.

Emma (D: Platz 2, HB: 1) – Gräfin Emma von Lesum (um 975/980–1038) ist die erste namentlich nachweisbare Bremerin. Nach ihrem Tod wurde sie als Heilige verehrt.

Finn (D: Platz 6, HB: 2) – Ob es im Bremer Stadtteil Findorff, benannt nach „dem Vater aller Moorbauern“ Jürgen Christian Findorff, wohl mehr Jungen namens Finn gibt als anderswo?

Friedo – Der in Bremen geborene Schriftsteller Friedo Lampe (1899–1945, eigentlich Moritz Christian Friedrich) wurde lange Zeit verkannt.

Gesche – Diese niederdeutsch-friesische Gertrud-Variante ist für Bremer ein rotes Tuch, wegen Gesche Gottfried, die im 19. Jahrhundert im Lauf etlicher Jahre 15 Menschen, die eigenen Kinder, Verwandte und Freunde, vergiftete.

Heini – „Heini Holtenbeen“ (Jürgen Heinrich Keberle) wurde durch seine wunderliche Art und plattdeutsche Sprüche zum Stadtoriginal.

Lale – Die Bremerhavenerin Lale Andersen, eigentlich Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, kam durch das Lied „Lili Marleen“ zu Weltruhm. Die Namen Lale und Lili wurden 2013 und 2015 im Bremerhavener „Zoo am Meer“ an Eisbärinnen vergeben.

Paula (D: Platz 37) – Paula (Becker-Modersohn), Clara (Westhoff), Fritz (Mackensen, Overbeck), Hermine (Overbeck-Rohte) … etliche der Namen, die in der Künstlerkolonie Worpswede vertreten waren, sind heute wieder sehr beliebt.

Roland – Der Name des Riesen auf dem Bremer Marktplatz darf hier nicht fehlen.

Tami – Der Spitzname von Reformpädagogin Maria Wilhelmine „Tami“ Oelfken (1888–1957) soll von Schülern aus „Tante Mieze“ gebildet worden sein. Es gibt Tami auch im Hebräischen, in Japan sowie als finnischen Männernamen.

Vesa – Eine denkbare Reminiszenz an die Weser wäre Vesa, ein albanischer Mädchen- und finnischer Jungenname. Auch die Schreibweise Wesa scheint möglich. Auch schön: der hebräische Name Jawesa („die Göttliche“).

Und außerdem …

14 Gedanken zu “Mia fährt Bus & Bahn in Bremen

  1. (Top-)Namen scheinen bei Verkehrsbetrieben wohl beliebt zu sein. In Regensburg fährt seit kurzem Emil durch die Gegend, ein Elektrobus. Und vor einigen Jahren hat der RVV eine Reihe Videos mit dem Busfahrer Kurt veröffentlich – der Name ist bis heute für Busfahrer geblieben.

  2. Roland kann ich bestätigen.
    Mein Cousin, der in Bremen geboren wurde und dort auch immer noch wohnt, wurde explizit nach dem Bremer Roland benannt.

    Ansonsten erinnere ich mich, dass die Verkehrsbetriebe in Bremen vorher mal eine Abokarte namens BOB im Umlauf hatten. (Keine Ahnung ob die durch MIA abgelöst wurde oder jetzt beide parallel existieren.)

    • Wir fahren MIA und BOB 🙂

      MIA ist das Monatsabo, während BOB quasi ein Sammelticket ist. Man bucht am Automaten ein Einzelticket. Am Monatsende wird dann ausgerechnet, wieviele Fahrten am Tag waren und es wird zum Beispiel das Tagesticket abgerechnet, weil das in der Zusammenfassung günstiger ist.BOB ist in dem Sinne ein Abo, weil am Monatsende der günstigste Preis für alle Fahrten im Moant abgebucht werden.

  3. Übrigens finde/fände ich Roland als Vornamen auch erstklassig. Das fällt in die gleiche Kategorie wie der m.E. noch hübschere (freilich auch etwas süddeutsche) Rupert: knurrig, männlich, traditionell. (Ein guter Freund von mir hat das Privileg, diesen Namen zu tragen.)

    Oder gar Roald? Da ist sogar noch ein Hiatus drin, sozusagen als Kompromiß zu der Lues-Masche! 😀 Vor allem aber natürlich: der große norwegische Polarforscher Roald Amundsen, Bezwinger beider Pole, ein Held und Vorbild für jeden Jungen und Mann.

  4. In Bayern fährt seit langem neben den Zügen der deutschen Bahn der ALEX, der ursprünglich als ALlgäu-EXpress lief, dann als Kürzel für Arriva-Länderbahn-Express firmierte.
    Und BOB ist die Bayerische Oberland-Bahn von München nach Lenggries oder Tegernsee.

    • Maria Th., 🙂 (Nett, wieder von Dir zu lesen!)

      die Königlich-Württembergische Eisnnebahn-Gesellschaft beschließt hiermit, ihre Hoch-Geschwindigkeits-Züge zwischen Stuttgart und Villingen-Schwennigen in TIM TOM umzubennenen:

      Trans International Merchandising – Tibet-Ostindien-Monopol

    • Danke, Jan 🙂 ich bin derzeit ziemlich weit weg und die Internet-Verbindung war nicht immer so, wie ich es gern gehabt hätte.

      Auch wenns ein bißchen vom konkreten Thema hier abschweift – die zahlreichen Namen der diversen (IC)-Züge wären doch auch mal ein netter Diskussionsstoff für zwischendurch (oder gab’s das hier schon mal?)

    • Auch in Essen fährt ein Name ‘rum, allerdings mit Anhängsel durch ein G: EVA G (Essener Verkehrs…aktiengesellschaft)

    • Auch wenns ein bißchen vom konkreten Thema hier abschweift – die zahlreichen Namen der diversen (IC)-Züge wären doch auch mal ein netter Diskussionsstoff für zwischendurch (oder gab’s das hier schon mal?)

      Oder eben wirklich mal die Namen der jeweiligen ÖPNVs, die ja die Lebenswirklichkeit von Millionen Deutschen täglich prägen…

      Colonia Agrippina:

      Mir jon zum FC Kölle, und mir jon zum KEC,
      Mir trinke jern e Kölsch und mir fahre KVB.

      Hier:

      Üstra. Die Abkürzung stammt wirklich schon/noch aus den 1920ern. „Überlandwerke und Straßenbahnen Hannover AG“

    • In der Kleinstadt, aus der ich gebürtig komme, gibt es zwei kleine Touristenbahnen, die Emil und Minna heißen. Emil steht für elektrische Mobilität. Wofür Minna steht, habe ich leider noch nicht herausgefunden.

    • Gibt’s in der Essener GRUGA eigentlich immer noch die Kleinbahnen ZORNIGE AMEISE und SCHWARZE HELENE?
      Bei letzterer musste ich immer an die fromme Helene von Busch denken. Und ich habe als Kind darüber gegrübelt, was es mit der zornigen Ameise auf sich hat…

  5. Ich denke bei MIA immer an die Band. Die Buchstaben sollen für “Musik ist alles” stehen. Wie lange gibt es die schon – wohl 15 Jahre, der Name war damals bereits beliebt. Ob es da gegenseitige Beeinflussungen gab?

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