Regional

Kommt eine Wiebke nach München …

Dass jemand sein ganzes Leben in dem Landstrich verbringt, in dem er aufgewachsen ist, von Urlauben vielleicht abgesehen – das ist im 21. Jahrhundert extrem selten. Viele Eltern denken deshalb darüber nach, ob ihr Spross mit seinem Namen gut durch die Welt kommt. Dennoch greifen nicht alle zu stromlinienförmigen, am besten noch „international funktionierenden“ Modenamen: Die Statistiken von beliebte-vornamen.de belegen, dass beispielsweise traditionelle norddeutsche Namen durchaus vergeben werden – oft aber wirklich häufiger im Norden.

Kann ein Name „zu norddeutsch“ sein? Dafür ist die Geschichte von Wiebke ein schönes Beispiel: Die Hamburgerin verbrachte für ein Praktikum einige Zeit in München. Als sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz vorstellte, wurde sie gefragt: „Und wie ist Ihr Vorname?“ In Wiebkes Gesicht erschien ein Fragezeichen, schließlich hatte sie Vor- und Nachnamen genannt. Dann fiel der Groschen: „Die dachten, ‚Wiebke‘ sei der erste Teil eines Doppelnachnamens.“

„Wiiieee heißt die?“ Auf derartige Reaktionen sollte man gefasst sein. Schon ein auf Nordlichter so alltäglich wirkender Kindername wie Merle kann in einem fränkischen Dorf für Irritation sorgen. Sie meinen vielleicht, angesichts von Multikulti-Einflüssen hätten Eltern heute Narrenfreiheit. Einerseits stimmt das auch. Auf der anderen Seite aber äußern viele ihr Befremden über ungewohnte Klänge. Das gilt zwar ebenso für die längst nicht mehr raren englischen Namen. Im Vergleich zu niederdeutschen haben diese aber den Vorteil, dass wir mehr englische Filme und Serien konsumieren als skandinavische und in der Schule Englisch gelernt haben, nicht Plattdeutsch oder Schwedisch.

Westerhever Leuchtturm © Marco2811 – fotolia.com

Westerhever Leuchtturm © Marco2811 – fotolia.com

Ein Hingucker sind viele Nord-Namen im Süden allemal. Ob einem die Aufmerksamkeit und die Assoziationen dazu gefallen, kann nur jeder für sich entscheiden. So berichtet Kathrin aus Bayern von einer Familie aus ihrem Umfeld mit fünf Söhnen, „die haben alle nordische Namen, OleEmil, Mattis … Dabei sind die Eltern von hier. Aber das passt zu dieser Familie, die sind ‚anders‘, aber nicht im negativen Sinne.“

Hier noch ein paar Tipps für alle, die mit Nord-Namen liebäugeln, obwohl sie südlich von Bremen leben 😉 :

  • Je höher in der bundesweiten Hitliste der Name Ihres Herzens steht, desto weniger dürfte er die Menschen irritieren.
  • Wenn skandinavische Bestseller Namen populär gemacht haben, ecken sie tendenziell weniger an. Allerdings gibt es Unterschiede: Ida oder Madita sind unkomplizierter als Lasse oder Pelle.
  • Ist ein Name eher selten, werden Vorbilder stärker mit ihm verbunden, zum Beispiel Lisbeth Salander (aus der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson) beim Namen Lisbeth.
  • Namen, bei denen nur Insider erkennen, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt, beispielsweise Heinke, haben ihre Tücken.
  • Vorsicht bei ungewohnten Konsonantenclustern wie Tj-, Bj- oder Kj- – hier werden viele bei der Aussprache ihre liebe Not haben.
  • Gibt es einen bekannten Namen, der Ihrem seltenen Favoriten ähnelt? Dann werden Sie und Ihr Kind den öfter zu hören bekommen, zum Beispiel Silke statt Hilke.
  • Gibt es Reime („Inken-Schinken“) oder Wortspiele („Olé, Olé, Olé!“, „Wurst-Pelle“, „Leif is life, nanaaananana …“), die sich aufdrängen? Achtung: Vor solchen Witzchen sind Sie auch im Norden nicht gefeit.
  • Wo verlebt Ihr Kind die Jahre, in denen Kinder gern hänseln? Während ein kleiner Thore in Bremerhaven unbehelligt bleibt und sein erwachsener Namensvetter sowieso überall klarkommt, kennt Klein-Thore im Südbadischen alle, wirklich alle Witze zum Thema Fußball.

Dieser Beitrag stammt aus unserem Buch „Von Finn und Finja, Freya und Fritz. Die beliebtesten Vornamen der Norddeutschen“.

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Novesia und Quirinus

Einen einzigen Eintrag des Vornamens Quirinus habe ich in meiner Babynamensammlung mit immerhin 1,7 Millionen Datensätzen gefunden. Der Junge mit dem zweiten Vornamen Quirinus wurde in Neuss am Rhein geboren, wo ein heiliger Quirinus als Stadtpatron verehrt wird. Fast hätte es dieses Jahr einen zweiten Quirinus in der sogenannten Quirinus-Stadt gegeben: Wäre das Baby ein Junge geworden, dann wollten die Eltern ihm diesen Vornamen geben.

Es wurde zwar ein Mädchen, die Namenswahl fiel aber nicht weniger lokalpatriotisch aus: Sie heißt Novesia – nach „Novaesium“, dem lateinischen Namen der Stadt Neuss. Im Standesamt war man zunächst nicht davon überzeugt, dass dieser im wahrsten Sinne des Wortes neue Vorname eingetragen werden kann. Mit einem positiven Gutachten der Leipziger Namensberatungsstelle konnten die Eltern sich aber durchsetzten und ihre Tochter Leandra Novesia nennen.

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Mia fährt Bus & Bahn in Bremen

Neulich war ich mal wieder in Bremen, wo ich meine Zwanziger verlebt habe, und traf gleich am Bahnhof auf MIA. Nein, keine alte Bekannte, sondern ein Angebot der Bremer Straßenbahn AG, kurz für „Mobil Im Abo“, das es laut meiner Recherche seit 2013 gibt. Ob sich Bremer Fans des Namens Mia darüber ärgern? Oder könnte der Ticket-Name sogar Eltern inspirieren? Bei einem solchen Top-Namen – in der Hansestadt seit Jahren im Wechsel mit Emma an der Spitze – ist das kaum feststellbar.

Trotzdem eine interessante Frage: Haben Namen aus Stadtbild oder -historie Einfluss auf die elterliche Wahl? Kommen Schwangere ins Schwärmen, wenn sie in verschnörkelten Lettern den (Familien-)Namen Jonas an der Front eines Tabakladens lesen? Könnte ein griechisches Lokal namens Eliá schon Nachahmer ins Standesamt getrieben haben, von denkbaren, womöglich unbewussten Vorlieben für Becky und Jacob (nach heimischer Genussmittelindustrie) gar nicht zu reden?

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Wie auch immer, ich habe ein bisschen gegraben und kann noch einige Bremensien präsentieren, die auch für Nicht-Bremer anregend sein könnten:

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Ausgerechnet Oskar mögen Ossis gern

Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit bekam ich mal wieder eine Presseanfrage zu den Vornamen in Ost und West. „Die Listen unterscheiden sich ja kaum, haben Sie das Richtige geschickt?“, so die Rückfrage aus der Redaktion. Ich hatte die richtigen Listen geschickt, in Sachen Lieblingsvornamen sind sich die Deutschen sehr einig:

Mädchennamen 2013

Ost West
  1. Mia
  2. Emma
  3. Hannah / Hanna
  4. Lilli / Lilly
  5. Lea / Leah
  6. Lina
  7. Nele / Neele
  8. Pia
  9. Anna
  10. Charlotte
  1. Mia
  2. Emma
  3. Hannah / Hanna
  4. Sophia / Sofia
  5. Anna
  6. Emilia
  7. Lea / Leah
  8. Lena
  9. Marie
  10. Leonie

Jungennamen 2013

Ost West
  1. Ben
  2. Finn / Fynn
  3. Paul
  4. Oskar / Oscar
  5. Luca / Luka
  6. Max
  7. Luis / Louis
  8. Leon
  9. Jonas
  10. Lucas/ Lukas
  1. Ben
  2. Luca / Luka
  3. Maximilian
  4. Jonas
  5. Paul
  6. Leon
  7. Lucas / Lukas
  8. Luis / Louis
  9. Noah
  10. Felix

Flagge am Reichstagsgebäude

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Warum Freiburg meine Lieblingsstadt ist

Die Stadt Freiburg im Breisgau ist ja bekannt dafür, dass das Wetter dort im Schnitt schöner ist als im übrigen Deutschland. Das ist aber nicht der Grund, warum Freiburg meine Lieblingsstadt ist. Ich mag Freiburg so gern wegen offiziellen Liste der beliebtesten Vornamen des Jahres 2013 (Quelle: Standesamt Freiburg, in Klammern die Anzahl der Kinder mit diesem Vornamen):

Mädchen Jungen
  • 1. Emma (39)
  • 1. Mia (39)
  • 3. Emilia (36)
  • 4. Hanna / Hannah (33)
  • 5. Lina (31)
  • 6. Johanna (29)
  • 7. Matilda / Mathilda (27)
  • 8. Sophia/Sofia (25)
  • 8. Anna/Ana (25)
  • 10. Luisa/Louisa (23)
  • 11. Lea / Leah (22)
  • 11. Marie (22)
  • 12. Maja/Maya (21)
  • 12. Sophie/Sofie (21)
  • 1. Ben (47)
  • 1. Jakob/Jacob (47)
  • 3. David (40)
  • 4. Emil (36)
  • 4. Noah (36)
  • 4. Paul (36)
  • 7. Louis / Luis (33)
  • 8. Jonathan (32)
  • 8. Samuel (32)
  • 10. Felix (31)
  • 11. Henri / Henry (30)
  • 11. Luca / Luka (30)
  • 13. Elias (29)
  • 13. Leon (29)
  • 13. Lukas/Lucas (29)
  • 16. Julian (28)
  • 17. Moritz (25)
  • 17. Anton (25)

Dem Kenner fällt sofort auf, dass das Freiburger Standesamt nur die Erstnamen ausgewertet hat. Fast alle Standesämter in Deutschland zählen auch die weiteren Vornamen mit. Das führt dazu, dass häufige Zweitvornamen wie Sophie, Marie und Maria immer wieder die Spitzenplätze belegen. In Freiburg hat man sich für die Methode entschieden, die auch meinen Auswertungen zugrunde liegt, weil „der Erstname der Vorname ist, der im Alltag auch wirklich benutzt wird“. Daran sollten sich die anderen Standesämter ein Beispiel nehmen!

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Erschreckend! 150 Kinder pro Schulklasse in Bayern

Wenn Baby Maximilian in sechs Jahren eingeschult wird, dann wird er in seiner Klasse gleich auf mehrere Namensvetter treffen.

Das berichtete die Augsburger Allgemeine vor kurzem anlässlich der Vorstellung der beliebtesten Vornamen Augsburgs. Die genaue Zahl der Maximilians wurde leider nicht gemeldet. In ganz Bayern haben im Geburtsjahrgang 2013 2 Prozent aller Kinder Maximilian als ersten oder zweiten Vornamen bekommen. Durchschnittlich betrachtet kommen demnach ungefähr 2 Maximilians auf 100 Kinder. Mehrere Namensvetter in einer Klasse, das bedeutet darum mindestens drei Kinder mit dem gleichen Namen. Statistisch betrachtet ist das wahrscheinlich bei einer Klassenstärke von ungefähr 150 Kindern.

Wenn die Augsburger Allgemeine eine verlässliche Quelle ist, dann herrschen in Bayern erschreckende Zustände: 150 Kinder pro Schulklasse! Kein Wunder, dass die Schulen Bayerns so einen schlechten Ruf haben.

Augsburg © SeanPavonePhoto - Fotolia.com

Augsburg © SeanPavonePhoto – Fotolia.com

Bayern … irgendwie anders

Alles blickt nach Bayern dieser Tage. Alles? Na ja. Auf jeden Fall beschert uns das Münchner Oktoberfest (heute gestartet!) wieder bunte Bilder von Dirndl- und Lederhosenträgern, die mächtige Krüge stemmen. Und einem umso exotischer vorkommen, je weiter weg man lebt. Die Exotik des Freistaats hat viele Facetten, auch das Thema Namen. So finden sich in keinem anderen Bundesland die aktuellen bayrischen Spitzenreiter, Anna und Maximilian, auf Platz 1. Dafür teilen alle anderen Länder mindestens einen ihrer Lieblingsnamen (oft sind es ja Mia und Ben) mit weiteren Ländern.

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Loki, Michel und Sylta: Hamburger Namen

Kleine Kinder zaubern ungerührt die erstaunlichsten Namenskreationen aus dem Hut. Als meine Tochter knapp drei war, erzählte sie einige Zeit Geschichten von einem Jungen namens „Batsiloke“. Jetzt ist sie gerade fünf geworden und verblüffte mich neulich mit der Überlegung, ein neues Stofftier „Loki“ nennen zu wollen (nicht verwandt oder verschwägert mit dem von ihr längst vergessenen Batsiloke).

Von nordischer Mythologie hat ihr nie jemand etwas erzählt. Also war mein erster Gedanke, sie könne irgendwie etwas von Loki Schmidt, im Hamburger Raum noch recht präsent, aufgeschnappt haben. Zweiter Gedanke: Für mutige Mädchen-Eltern könnte Loki eigentlich ein interessanter Name sein. Niedlich wie die modische Leni und dazu mit Lokalkolorit. Dritter Gedanke: Solche Namensideen für Lokalpatrioten müsste man sammeln. Vorläufig holte mein Kind mich aber wieder runter von meiner Gedankenwolke: Es kannte den Namen Loki von einem „Filly“-Pferdchen. Wie schnöde.

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