Mein Modename und ich: Ben

Man kann es sich kaum mehr vorstellen, dass Ben mal ein echter Exot war: 2015 thront er schon wieder an der Spitze der beliebtesten Jungennamen Deutschlands, zum fünften Mal in Folge. Glückwunsch! Mir ist im Zuge des aktuellen Star-Wars-Booms bewusst geworden, dass auch ein Ben in der Saga vorkommt, der Jedi-Meister a.D. Ben Kenobi in Episode 4, die 1978 zuerst in deutschen Kinos zu sehen war.

Wie ist das, wenn der eigene Name plötzlich boomt? Der Ben, den ich dazu befragen durfte, kam acht Jahre vor „Krieg der Sterne“ auf die Welt. Damals gab es im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit nicht viel mehr als zwei Bens: einen dunkelhäutigen Herren, der dem Set von „Vom Winde verweht“ entsprungen schien und für locker-körnigen Reis warb, und den Karl-May-Helden Kara Ben Nemsi, den Lex (Alexander) Barker in Verfilmungen aus den 60ern verkörperte. Kleiner Exkurs: Den Namen Kara leitete May erst von seinem Vornamen Karl und später vom arabischen Wort für Schwarz ab, als Anspielung auf seine Bartfarbe. Ben Nemsi steht für „Sohn der Deutschen“.

Ben Logo

Der in Hamburg geborene Mittvierziger Ben dürfte einer der wenigen erwachsenen Bens hierzulande sein, die auch wirklich nur so heißen. Dagegen war Benjamin, hebräisch für „Glückssohn“, von dem sich der Name ableitet, in Deutschland schon in Bens Geburtsjahr populär und um 1980 herum mehrfach in den Top Ten anzutreffen. Ben kennt keinen anderen „echten“ Ben. „Ich war immer der Einzige. Einer unserer Nachbarn tut allerdings so, als hieße er so“, schmunzelt Ben. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem zehn Jahre Jüngeren natürlich um einen Benjamin.

Bens ältere Schwester heißt Illca, sein jüngerer Bruder Florian, beide damals gängiger (der Schwestername allerdings eher in der Scheibweise Ilka). Wieso Ben? Ben vermutet, dass die Namenswahl bei seinen Eltern mit religiösen Motiven zusammenhing, „weil es ein Name aus der Bibel ist“. Einen zweiten Vornamen hat Ben nicht. „Mein Vater hat aber wohl wirklich darüber nachgedacht, mich Ben Peter zu nennen – er selbst heißt Peter –, also ‚Sohn des Peter‘.“ Wurde er eigentlich jemals Benni gerufen? „Zum Glück nie!“

Ben gefällt an seinem Namen, dass er nicht häufig ist, „nicht in meiner Generation“. Ein bisschen schade findet er, dass Ben „nur ein einziger Laut“ ist. Mitmachlieder aus der Grundschulzeit fallen ihm ein. „Da ließ sich Ben nicht in die Länge ziehen wie etwa To-bi-as. Mein Name war immer gleich wieder zu Ende.“ Verwirrend sei auch gewesen, dass „-ben“ in so vielen anderen Wörtern steckt: „Wenn ich in der Schule mal nicht aufgepasst habe und die Lehrerin zum Beispiel was von Schreiben gesagt hat, bin ich aufgeschreckt, weil ich dachte, sie spricht mit mir.“ Witzeleien zum Namen Ben gab es kaum. Tatsächlich fällt Ben zu meiner Frage aber zuerst das „Uncle Ben’s“-Klischee ein, Ben als angeblich typischer Name für farbige Bedienstete. „So wie Tom von ‚Onkel Toms Hütte‘. Ich wurde auch schon mit ‚Betriebseigener Neger‘, B.E.N., aufgezogen.“ Älteren Semestern fällt zu seinem Namen der frühere israelische Premier David Ben-Gurion ein.

Dass er seinen eigenen Namen seit ein paar Jahren immer öfter „in der Nähe von Spielplätzen“ hört, hat Ben zunächst etwas irritiert, er findet es aber nicht weiter wild: „Der Abstand ist groß genug, ich kriege nichts von denen mit.“ Ein Paar in seinem Freundeskreis habe mit seinem Namen geliebäugelt – etwas, das wohl eher weniger Kindern der 70er und 80er passiert –, sich dann aber seinetwegen dagegen entschieden. Ben hat selbst drei Kinder, die Jüngste ist sechs Jahre alt, doch auch in deren Umfeld finden sich keine Bens. Hat sein Name ihn bei der Wahl für den eigenen Nachwuchs beeinflusst? „Jedenfalls wollte ich keine Trendnamen, aber auch nichts total Ausgefallenes.“ Inga, Thilo und Hanne heißen die drei, und ich finde, was Ben sich vorgenommen hat, ist ihm gut gelungen.

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 8-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

5 Kommentare zu "Mein Modename und ich: Ben"

  1. Mutter von Emma sagt:

    „Jedenfalls wollte ich keine Trendnamen, aber auch nichts total Ausgefallenes.“ Inga, Thilo und Hanne heißen die drei, und ich finde, was Ben sich vorgenommen hat, ist ihm gut gelungen.

    Da kommmt bei mir mal wieder die Frage auf, was ist eigentlich ein Trendname und was ist ein beliebter Name, sprich ist ein beliebter Name gleich ein Trendname und wo zieht man die Grenze zum klassischen Namen? Ich mag die drei Namen Inga, Thilo und Hanne sehr gerne, finde aber auch Hannah sehr schön. Nennt jemand sein Kind aber Hannah, wird er sofort wieder in die Kategorie der einfallslosen Eltern einsortiert, die jeden Trend mitmachen, obwohl Hannah eigentlich auch ein klassischer Name ist, jedenfalls meinem Empfinden nach. Ich kenne übrigens sechs Hannahs.
    Mit dem Namen meiner Tochter ist es auch so. Einmal heißt es, der Name Emma war eine ganze Zeit lang in Deutschland nicht mehr populär, fällt also ob seiner aktuellen erneuten Beliebtheit gleich in die Trendnamenecke. Schaut man sich dann aber über Deutschland hinaus um, etwa in Großbritannien, den USA oder in Skandinavien, so stellt man fest, dass der Name dort keineswegs nur bei Kindern anzutreffen ist, also dann doch eher in die Riege der klassischen Namen fällt. Sollte in einer gefühlt immer kleiner werdenden Welt, in der auch Namensgrenzen fließend sind, also nicht auch ein Name wie Emma unter „Klassiker“ einsortiert werden, ähnlich wie Anna, Maria, Philipp oder Paul?

    Zum Namen Ben: Ich kenne selbst einen Ben, der eigentlich Benjamin heißt, einen kleinen Ben und zwei Benjamins und drei Benedikts- vor dem Papst so benannt. Ich persönlich würde mein Kind eher Benjamin, Benedikt oder Bennet nennen und mit Ben nur abkürzen, da der Name mir so unvollständig erscheint.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Na ja, ich denke, ein Name kann auch beides sein. Klassisch weil es ihn schon lange gibt und er evtl. sogar immer ziemlich beliebt oder zumindest vielen bekannt war. Trendnamen sind für mich Namen, die viele haben. Und zwar alte Name, wie Anna oder in deinem Fall Hannah, wie ehemalige Spitznamen, die jetzt zu Vollnamen geworden sind, wie zum Beispiel Mia oder eben Ben, aber auch (bei uns) komplett neue Namen, wie zum Beispiel Chayenne, Jackeline oder auch Sky, Summer oder Paris.

  2. Annemarie sagt:

    Das wollte ich ja noch erwähnen: Ben Becker, Jahrgang ’64, ist offenbar auch ein echter Ben.

  3. mm& mm&mm&mm sagt:

    Hallo :0)

    am Freitag haben wir in stuttgart Wikipedia 15 Geburtstag gefeiert. Und ueber Artikel geredet.

    Nun ja unter anderem ueber „unisex namen“ .

    Die Frage die wir uns gestellt haben ist Ben vielleicht auch noch ein einer ?

    Hie in Stuttgart gibt es ein Mädchen namens Maximiliane Benjasmin.

    Genau so wie Benedikte müsste doch Ben als Abkürzung unisex dann sein ?

    Oder ist das dann wie fritzi und franzi – beni ?
    Lg

    • Knud sagt:

      Vermutlich würde man Ben mit der Argumentation „Kurzform von Benedikta / Benita / Benjasmin“ als Mädchenname durchsetzen können. Meiner Meinung nach ist das aber keine gute Idee, weil Ben als männlicher Vorname so sehr bekannt ist.

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