Bayern … irgendwie anders

Alles blickt nach Bayern dieser Tage. Alles? Na ja. Auf jeden Fall beschert uns das Münchner Oktoberfest (heute gestartet!) wieder bunte Bilder von Dirndl- und Lederhosenträgern, die mächtige Krüge stemmen. Und einem umso exotischer vorkommen, je weiter weg man lebt. Die Exotik des Freistaats hat viele Facetten, auch das Thema Namen. So finden sich in keinem anderen Bundesland die aktuellen bayrischen Spitzenreiter, Anna und Maximilian, auf Platz 1. Dafür teilen alle anderen Länder mindestens einen ihrer Lieblingsnamen (oft sind es ja Mia und Ben) mit weiteren Ländern.

Besonders frappierend ist der eigene Geschmack der Bayern bei Franziska, Johannes, Magdalena und Sebastian: Diese Namen liegen bis zu 50 (Franziska), mindestens aber 29 (Johannes) Plätze weiter vorn als im Bundesdurchschnitt. Vielsilbig und traditionell – das scheint typisch Bayern zu sein. Aber auch Felix und Jakob sind etwas häufiger als andernorts.

Um den bayrischen Vorlieben näher auf den Pelz zu rücken, habe ich eine gebürtige Münchnerin mit zwei Söhnen befragt: Susi (eigentlich Susanne) aus Freising. Und als erstes eine kleine Überraschung erlebt. Ihr fallen nämlich durchaus norddeutsche Namen ein, die sie mag: Fiete, Sören und Svenja. Von denen, die sie als „typisch bayrisch“ einstuft, findet sie Quirin, Korbinian, Katharina und Konstantin besonders schön. Ihre eigenen Jungs tragen aber doch eher „überregionale“ Namen: Luca (15 Jahre) und Vincent (3 Jahre). Eine Tochter hätte sie gern Frida oder Freda Emilie genannt.

Die häufigsten Kinder- bzw. Jugendlichennamen in Susis Umfeld geben, mit Ausnahme von Maximilian, ein von der Hitliste abweichendes Bild ab: Luzia, Sven, Sören, Melanie, Tobias und Lisa – also eher ein Schlag ins Norddeutsche oder in die 90er. Ist wohl doch nicht so einfach mit der Bayern-Schublade. Ich habe Susi gebeten, aus den Hitlisten Schleswig-Holsteins und Bayerns ihre „Antinamen“ herauszusuchen. Im Norden missfielen ihr am meisten Jonna („Da fehlt was“), Zoe („Schwer, den schön auszusprechen, da wird schnell ein Zeh draus“) und Lasse („Da schüttelt es mich“). Im Süden kritisierte sie Leonie („Zu viele Vokale“), Maximilian („Daraus wird doch sowieso ein Max“) und Finn/Fynn („Englisch für ‚Flosse‘, was soll das bedeuten?“).

Traditionelle Vornamen aus der Familie mag Susi sehr gern. Sie selbst heißt Maria mit zweitem Namen wie Tante und Oma. Auch die Emilie für eine mögliche Tochter wäre von der Oma entliehen. Apropos „die Emilie“: Der bestimmte Artikel vor Vornamen ist in ihrem Umfeld absolut üblich. Längere Namen würden im Alltag eher abgekürzt, was manchmal „richtig doof“ klinge. Mir fällt da der alte Witz vom „Jo-Kurt“ ein: „Ich heiße Hannes.“ – „Das heißt Johannes“ … Nachname vor Vorname („der Huber Sepp“), so sprechen Susi und ihre Bekannten aber keineswegs: „Das gibt es nur noch in sehr ländlichen Gegenden und stirbt wohl allmählich aus.“

Thema: Regional

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

8 Kommentare zu "Bayern … irgendwie anders"

  1. Mark sagt:

    Es überrascht mich nicht, wenn die Bayernschublade nicht richtig die bairische Wirklichkeit reflektiert…. Heutzutage ist es ja wirklich rar, wenn es noch so richtig Regionalkultur gibt. Subtile Regionaltendenzen gibt es sicher, aber so richtig gravierende kulturelle Unterschiede erlebt man, glaube ich, immer seltener. Das ist in den USA auch so–z.B., die Südstaaten sind nicht mehr so „südstaatlich“ wie einst…. Auch hier gab es früher sehr verschiedene Namenskulturen, aber jetzt sind die Trends eher national und sogar international (z.B. Mia wird hier auch immer beliebter). Schade-denn ich liebe die Regionalkulturen.

    In meinem hessischen Heimatdorf hieß schon die in den 1940ern geborene Generation (also die Generation meiner Eltern) nicht mehr typisch hessisch-regional, sondern da gab es allerlei Modenamen aus anderen Regionen (v.a. Norddeutschland), wie z.B. Elke, Silke und Jürgen.

  2. Knud Bielefeld sagt:

    Ob die Namen in Bayern mehrsilbiger sind als in anderen Regionen kann ich leider nicht analysieren. Ich habe aber herausgefunden, dass die Bayern zu längeren Vornamen tendieren: Durchschnittlich waren die ersten Vornamen in Deutschland 5,33 Zeichen lang. Die Vornamen der Bayern sind mit 5,65 Zeichen deutlich länger. Die kürzesten Vornamen vergeben die Schleswig-Holsteiner mit im Schnitt 5,17 Zeichen.

  3. Doro sagt:

    Man darf natürlich Namen in Bayern mit bayerischen Namen und Namen von Kindern von ECHTEN Bayern nicht vergleichen. Wenn wir nun als „Bayern“ nicht die Menschen bezeichnen, die in Bayern leben, sondern, die, die des bayerischen Dialektes mächtig sind, so würde sich sicher nochmals ein anderes Bild der belibtesten Namen zeichnen:

    Bei den Mädchen sind es die vielsilbigen stimmigen Namen – Franziska, Katharina, Sophia, Patricia, Johanna, Antonia
    die man wunderbar hinter den Nachnamen stellen kann – am besten abgekürzt – de Huaba Franzi (Franziska Huber), de Meia Kathl (Katharina Meier) etc.

    Bei den Jungs ist tatsächlich Maximilian und Luis (Luois) sowie Paul vorherrschend. Und natürlich – passend zum Dialekt – alle krichlichen Namen – Bayern ist doch noch sehr katholisch – daher Johannes, Jakob, Simon.
    Auch hier – Da Huaba Hansi (Johannes), da Meia Simmerl (Simon.

    Betrachtet man also den „echten“ Bayern, der Dialekt spricht und in die Kirche geht, so lebt der seine Tradition auch im Namen – Kilian, Quirin und Xaver ebenso wie Magdalena und Josephine – und wie a Maß auf der Wiesn.

    • Susi sagt:

      Ein Wort der Interviewten:
      Ich betrachte mich durchaus als „echte“ Bayerin, nämlich in München geboren mit Passauer Wurzeln, mich absolut daheim fühlend im Voralpenland, ich tobe mit meinen Kindern gerne auf der Kampenwand herum, wo auch unsere Hütte steht. Ich spreche Dialekt – münchnerisch zwar, aber ich verstehe niederbairisch und ‚fränggisch‘, ich esse Weißwürscht, verzichte aber auf den sonntäglichen Kirchenbesuch, weil das für mich schon immer heuchlerisch war.
      Bin ich in Deinen Augen weniger „echt“ nur weil ich nicht in die Kirche gehe? Im Übrigen stemme ich gerne die eine oder andere (Radler)Mass – bitte nicht mit ß!!! auf der Wies’n.
      Und Kilian und Quirin standen bei unserem 2. Sohn ganz oben auf der Namensliste!

  4. Manuela sagt:

    Da wir gerade auf der Suche nach einem Namen für unser zweites Kind sind, habe ich den Artikel mit Interesse gelesen. Wir gehören tatsächlich zu den, wie von Doro beschrieben Bayern, die Dialekt sprechen und die Tradition auch unseren Kindern erleben lassen wollen. Deshalb kommt für uns auch nichts anderes als ein bayrischer Name in Frage.
    Wir haben bereits eine Theresa, die allerdings auch so gerufen wird, nicht wie evtl. vermutet „Resi“.
    Unsere derzeitigen Favoriten sind Quirin, Kilian, Ludwig oder Korbinian sowie Sophie, Franziska, Josephine oder Anna.

  5. Martina sagt:

    Ich weiß nicht wie man Leonie kritisieren kann zuviele Vokale, aber Emilie geht. Gleiche länge und gleich viele Vokale.

    • Annemarie sagt:

      Na ja, aber Leonie enthält auf recht kurzem Raum drei verschiedene Vokale, darunter e und o direkt aneinander „klebend“, Emilie nur zwei.

    • Maria Th. sagt:

      Leonie hat halt bei uns auch eine fatale Aussprache-Ähnlichkeit mit der beim Metzger erhältlichen Leoni (= Lyoner, Fleischwurst). 😀 Sicher auch von daher hat sich der Name in Bayern nie so stark durchgesetzt.

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