Von Nord und Süd, Ludolf und Barbara

Zwischen Nord und Süd gibt es so manchen Unterschied. Der weihnachtliche Gabenbringer zum Beispiel: Als Nordlicht war das für mich stets und unverrückbar der Weihnachtsmann. In Baden-Württemberg, Bayern, auch Österreich und der Schweiz tritt aber das Christkind auf, mysteriöserweise oft als Mädchen. Oder nehmen wir Vornamen: Bayern hat mit Anna und Maximilian andere Top-Favoriten als das restliche Deutschland (Mia und Ben). In der Schweiz leben Menschen namens Beat, Regula, Reto und Urs. Die in Deutschland so beliebten Namen von Urgroßeltern lösen hier eher Befremden aus.

Und dann sind da die Namenstage. Eine Art zweiten Geburtstag zu feiern an einem dem eigenen Namen zugeordneten Tag, dieses exotische Tun begegnete mir lediglich in Kinderbüchern von Christine Nöstlinger (Österreich!). Außerdem erinnere ich mich an Schülerkalender aus dem Schneider-Verlag (mit „Eumel“, wer kennt sie noch?), die ich in den frühen 80ern hatte und in denen bei jedem Tag einer oder mehrere Namen standen. Auch in unserer Tageszeitung gab es mal eine entsprechende Spalte. Ich dachte damals tatsächlich, das sei als Service für Einfallslose gedacht, die gerade Eltern geworden waren. Besonders ulkig fand ich den Namen, der bei meinem Geburtstag (29. März) stand: Ludolf.

Wikipedia weiß: So ganz falsch lag ich gar nicht. Im Mittelalter erhielten Täuflinge oft den Namen des „Heiligen des Tages“. Luther beispielsweise wurde am 11. November getauft – dem Martinstag. Mitte des 16. Jahrhunderts legte dann das Konzil von Trient im „Rituale Romanum“ fest:

Der Pfarrer möge dafür sorgen, dass den Kindern keine anstößigen oder lächerlichen Namen gegeben werden oder gar solche, die den Sagen entnommen wurden oder solche von Götzen oder Heiden. Stattdessen sind, soweit irgend möglich, die Namen von Heiligen vorzuziehen.

Wer mag, stöbert die bewussten Namen einfach mal durch. Von Arkadius und Asta bis Zita und Zeno, eine mögliche Inspirationsquelle sind sie allemal. Was ich jedoch gern wüsste: Wie lebt es sich in einer der entsprechenden Regionen, wenn man keinen Namenstag hat? Verdammt dann das Kind die Eltern?

Heute ist übrigens Barbara-Tag, der Tag, an dem man sich traditionell Zweige von Obstbäumen oder Forsythien ins Haus holt, die blühen sollen, wenn der Weihnachtsmann/das Christkind kommt, und für Glück im kommenden Jahr stehen. Schon daran gedacht?!

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

19 Kommentare zu "Von Nord und Süd, Ludolf und Barbara"

  1. ... sagt:

    Wir haben bei uns eigentlich auch immer den Namenstag gefeiert, aber nur sehr klein, es gab ein kleines Geschenk. Ich heiße Vanessa, da gibt es keinen Namenstag, daher habe ich immer am 2.3. Namenstag gefeiert, weil ich mit zweitem Namen Karolin heiße und da ist Karl. Eine Freundin hat mir aber irgendwann mal gesagt, ich sollte am 1.11., also an Allerheiligen feiern. Kann sein, dass da einfach alle feiern, wo es keine Heiligen gibt.

    • annemarie sagt:

      Das ist natürlich auch eine Lösung 🙂 In welcher Region ist das denn? Und feiert man den Namenstag auch noch als Erwachsene?

    • Leonie sagt:

      Meine Oma legt sehr hohen Wert auf die Feier ihres Namenstages. Ich glaube, wenn man als Kind Namenstag gefeiert hat, wird man es wahrscheinlich auch als Erwachsener noch tun. Eine wirkliche Feier ist aber eher unüblich, meist gratuliert man sich nur kurz.

      Zwei meiner Mitschülerinnen namens Barbara hatten gestern Namenstag, daher habe ich daran gedacht. Ich war auch schon mal bei Bekannten auf einer Barbara-Feier (=Feier zum Namenstag Barbara, d.h. wenn man Barbara heißt).

      Und ich glaube auch an das Christkind. Der Weihnachtsmann ist für mich Blödsinn 🙂

    • ... sagt:

      Rheinland 🙂 Aber wie gesagt, keine richtige Feier. Und wird auch weniger

  2. Schtroumpfette sagt:

    Das ist ja interessant. Ich wusste gar nicht, dass im Norden tatsächlich der Weihnachtsmann kommt und nicht das Christkind. Ich dachte immer, dass der Weihnachtsmann einzig für den Kommerz steht…
    In Nordrhein-Westfalen kommt jedenfalls das Christkind und tatsächlich glauben die meisten Kinder, dass es sich um ein Mädchen handelt, aber die Eltern (o.a.) klären dann darüber auf.
    Der Namenstag wird in NRW von den meisten Katholiken im kleinen Rahmen gefeiert.
    Vom Barbara-Tag hat mir meine Oma mal erzählt – hatte ich schon fast vergessen…

  3. Ayame sagt:

    Meine Mutter stammt aus Bayern und für sie ist der Namenstag nach wie vor wichtig. In ihrer Kindheit wurde nie der Geburtstag, sondern nur der Namenstag gefeiert! Natürlich feiern wir heute den Geburtstag, aber am Namenstag werde ich zumindest beglückwünscht *g* (Julia = 22. Mai), als Kind gabs sogar immer ein kleines Geschenk. 🙂

  4. Wenke sagt:

    Ich habe zwei Jahre in Oberösterreich gelebt und dort feiert mittlerweile niemand mehr seinen Namenstag (O-Ton).
    Als Nordlicht kenne ich den Weihnachtsmann, vermutete hinter dem Christkind zuerst Jesus, um dann zu erfahren, dass damit nie Jesus gemeint war (von Luther ausgehend), sondern eine Mädchengestalt.
    Luther wollte sich damit vom Katholizismus abgrenzen, der die Kinder am 06. Dezember bescherte und erschuf das Christkind, dass an Heiligabend erscheint.
    Merkwürdigerweise wird gerade bei Katholiken das Christkind als Gabenbringer herangezogen, während sich die Protestanten an den Weihnachtsmann halten (der ja aus dem Nikolaus hervorging).
    „Christkind“ ist als Name schon sehr irreführend …
    Namenstag-Feiern sind im Norden gänzlich unbekannt, aber meine Freund und ich haben das als eigene Tradition eingeführt und wollen das auch bei späteren Kindern tun; Mit ,meinem Namen „Wenke“ hielt ich mich an den norwegischen Heiligenkalender und siehe da: ich habe auch einen Namenstag.

    Wenke

  5. annemarie sagt:

    Alles sehr spannend! Weiß denn evtl. jemand, wann mein Namenstag wäre – bei Anne/Anna oder Marie/Maria? Bzw. kann man das bei Mehrfachnamen nach Belieben entscheiden?

    • Anonymous sagt:

      Traditionell benennen einen die Eltern ja nach einem ganz bestimmten Heiligen und an dessen Tag wird dann Namenstag gefeiert.
      Zu Anna und Maria gibt es jeweils mehrere Namenstage, weil VIELE Heilige so hießen… Aber für mein Empfinden wäre dein Namenstag der 9. Juni, eine heilige Anna Maria gab es nämlich auch 🙂

  6. annemarie sagt:

    Ah! Vielen Dank! Mal sehen, ob ich das als Geschenkanlass durchkriege 😉

  7. neuhier sagt:

    Hmmm, bezüglich unseres Sohnes könnten wir ja beruhigt nach Bayern ziehen – der hat zufällig an seinem Geburtstag auch noch Namenstag. Aber wegen unserer Tochter sollten wir dann doch in NRW bleiben. Selbst wenn wir den Erst- oder Zweitnamen mit dem Namenstag hätten zusammenfallen lassen wollen – mit den zur Verfügung stehenden Namen hätte ich mich partout nicht anfreunden können. Aber für unser Drittes fände ich es schon eine interessante Idee, verkompliziert die Sache allerdings ungemein…

  8. Ayame sagt:

    Hier ist eine Liste der Namenstage:

    http://www.schulferien.org/namenstage/

  9. Mark sagt:

    Also, ich habe mir mal die folgenden Kombis aus diesem Heiligenkalender zusammengebastelt:

    männlich:

    1. Ägidius Gerfried Emmeram
    2. Pantaleon Heribert Giselher

    weiblich:

    1. Hildegund Afra Aloisia
    2. Blanka Bibiana Wiltrud

    Wie findet ihr die…?

    • neuhier sagt:

      wie kommst Du denn auf die?! Aloisia finde ich ja ganz nett, passt auch irgendwie noch in die aktuelle Namensgebung. Blanka geht auch, Ägidius als Zweitname vielleicht. Allen anderen kann ich nicht viel abgewinnen, sorry…

    • Schtroumpfette sagt:

      Gib’s zu, Mark, du willst uns doch veräppeln, oder? 😉

    • Mark sagt:

      Ich hab versucht, Kombis zu erstellen, die so abgefahren wie möglich sind… Wollte nur mal sehen wie die Leute reagieren.

      Dabei muß ich gestehen, dass ich einzelne dieser Namen irgendwie auch wieder gut finde. Neuhier, Aloisia gehört wirklich zu den exzentrischen Namen hier, die ich ganz interessant und möglicherweise passabel finde. Die alten germanischen Namen finde ich an und für sich gut, würde sie aber nie vergeben, da sie absolut fremd auf unsere Zeitgenossen wirken…. In der Kombi mit den hochgestochenen, exzentrischen griechischen Namen, wirken diese Altgermanen eher lächerlich. Okay, Schtroumpfette, ich geb’s zu–das ganze ist ein Scherz…

      Danke für die Reaktionen.

    • Mark sagt:

      Pantaleon finde ich besonders lustig–erinnert mich an italienisch „pantalone“ (Hosen) und auch an englisch „pants.“

      Meine Entschuldigung an alle Pantaleons out there…

    • Schtroumpfette sagt:

      Haha, wusste ich’s doch… 🙂

      Bei Pantaleon hatte ich die gleiche Assoziation. Ich musste in Italienisch früher mal ein Büchlein mit dem Titel „Volevo i pantaloni“ lesen… Und dem französischen Wort für Hose kommt dieser Vorname ja ebenso nahe.
      Nach dem zweiten Hingucken habe ich da auch noch ’nen Panther und ’nen Löwen drin gefunden… Aber das sind ja nur Assoziationen… Von mir auch ein „Sorry“ an alle Pantaleons!
      Aloisia, Blanka und Ägidius fände ich als stumme Zweitnamen noch ok, obwohl ich sie nicht vergeben würde.

  10. Nina sagt:

    Bei uns in Ö wird er auch gefeiert wenn auch von Familie zu Familie unterschiedlich intensiv hab ich das Gefühl. Als wir unseren Babynamen so irgendwann im 7. Monat verkündet haben, hat mein Schwiegervater das Heiligenlexikon rausgeholt und sofort den Namenstag recherchiert. Und wir sind keine katholischen Fundis 😀 Aber ja ist wichtig und war für mich auch Auswahlkriterium, da mein Namenstag eher an den Haaren herbeigezogen war, dass mein Kind einen „richtigen“ Namenstag hat.

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