Die alten Niedersachsen (und -sächsinnen) wieder!

Die alten Niedersachsen

Ich habe mir wieder ein paar vergnügte Stunden mit meiner Ahnenforschungs-Software gemacht. Diesmal waren die Vorfahren meiner in Niedersachsen verwurzelten Schwiegermutter dran. Und obwohl diese nicht etwa in Ostfriesland gelebt haben – das ja für seine eigenwilligen Namen bekannt ist –, sondern im Landkreis Cuxhaven, habe ich so manche onomastische Entdeckung gemacht. In meinem eigenen Stammbaum mütterlicherseits, den ich ähnlich weit verfolgen konnte – vereinzelt bis ins 16. Jahrhundert –, hat es diese Namen jedenfalls nicht gegeben. Da waren Engelke und Evert schon die größten Ausreißer. Aber von Lübeck oder Eutin bis nach Cuxhaven, das war ja auch mal eine ziemlich weite Reise.

In etlichen Fällen hätte ich beim Geschlecht meiner Fundstücke spontan danebengetippt, manchmal waren zumindest „eindeutigere“ Zweitnamen dabei oder der kuriose Niedersachsenname stand sowieso nur an zweiter Stelle. Hier nun also meine Ausbeute bei den Männern:

Berend * Burchard * Eiler * Eilhard * Eggert * Garbert * Garbord * Gercke * Harm * Heine * Helmerich * Jobst * Lüdeke * Lüder * Rathje * Renning * Rippe * Symer * Tönjes * Wiechmann * Wigger * Windelke

Siebenmal-Uropa Rippe, Jahrgang 1665, hieß übrigens mit Nachnamen Kracke. Rippe Kracke, sowohl lautmalerisch als auch assoziationstechnisch eine echte Perle, finde ich.

Und bei den Frauen:

Adelgunde * Ahlcke/Alke * Alheid/Alheit * Becke * Beke * Dobberken/Döbberken * Gese * Geseke * Geske * Lücke * Metta * Othold * Wöbke * Wübbeken

Auch hier gab es eine Gesamtkombination, die ich so spektakulär finde, dass sie im Ganzen genannt werden soll: Dobberken (oder Döbberken) zum Vogelsang, geboren 1591. Wow, oder? Und was ich mich ja immer frage: Wie wäre es wohl, wenn heutige Eltern sich aus diesem regional-traditionellen Namensvorrat bedienen würden? „Die kleine Wübbeken möchte aus dem Småland abgeholt werden“ zum Beispiel. Oder auch: „Wir sind total froh, unser Windelke ist jetzt auch nachts trocken.“ Aber andererseits – warum eigentlich nicht?


20 Gedanken zu „Die alten Niedersachsen (und -sächsinnen) wieder!“

  1. Wow, die Hälfte der Namen habe ich ja noch nie gehört! Viele hätte ich gar nicht als Name erkannt und dann finde ich es total spannend, wie weit du in die Vergangenheit „zurückreisen“ konntest 🙂

    Rippe ist wirklich außergewöhnlich, ich denke an die Knochen ähnlich wie bei Becke (wobei hier auch eine Ähnlichkeit zu Rebecca sehe).

    Harm habe ich durch den Blog kennengelernt.

    Harm und Eggert erinnert mich etwas an „Ham und Egg“.

    Berend hat etwas, erinnert an Ben, Bennet und Co.

    Gercke kenne ich nur als Nachname.

    Symer, Renning und Wigger klingen wie Elektrogerätenamen.

    Metta erinnert an Mett.

    Alheid gefällt mir ganz gut. Adelgunde ist zwar alt, aber bekannt und Gese erinnert an Gesa, was mir besser gefällt.

    Othold hätte ich wegen Gotthold männlich eingeordnet.

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  2. Danke, finde Ahnen immer interessant, und gerade diese norddeutschen Namen sind mir sowas von fremd–finde ich faszinierend.

    Besonders mag ich:
    Berend, Burchard, Helmerich, Eilhard, Harm, Jobst, Tönnjes und Wiechmann.

    Adelgunde, Alke, Alheid, Döbberken, Wöbke und Wübbeken.

    Döbberken hört sich schon drollig an, aber ich kann es mir trotzdem auch bei einer erwachsenen Frau vorstellen und finde es total charmant. Wovon ist Döbberken die Verkleinerungsform–weiß das jemand?

    Wöbke und Wübbeken bedeuten ja sicher, wie Wiebke, „Weibchen.“ Insofern ähneln die Namen dem heute noch anzutreffenden Namen Frauke. Finde ich im niederdeutschen Kontext auch charmant.

    Berend würde als eher weicher Name mit Regionalflair glatt in die heutige Mode passen; Burchard hört sich für mich gerade auch durch das CH in der Mitte und das dunkle U und A sehr sonor und klanghaft an. Mag ja auch den Namen Burkhard–Burchard finde ich sogar noch schöner.

    Jobst, diesen Namen gab es ja in großen Teilen Deutschlands–den mag ich sehr, würde ich selbst sogar vergeben (wenn meine Familie nicht so international wäre).

    Döbberken zum Vogelsang und Rippe Kracke sind echt umwerfend. Da kann ich nicht mithalten. Die interessantesten Namen, denen ich bei meinen Ahnen begegent bin, sind Heinrich Ottomar Florentin Grempel und der Erstname meiner Großmutter mütterlicherseits, Vanetta.

    Kurze Frage, da ich mich auch sehr für Ahnenforschung interessiere–nutzt Du vor allem ancestry.com oder wie gehst Du vor? Und wie wirst Du mit der Sütterlinschrift fertig? Die macht mir echt zu schaffen.

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    • ancestry.de vor allem 🙂 Sütterlin lesen klappt mal besser, mal schlechter, zum Teil ist die Schrift ja so winzig. Hier im Ort ist eine Sütterlin-Lesegruppe, die haben mir beim Entziffern alter Briefe schon super geholfen. Bei der Ahnenforschung habe ich das noch nicht genutzt, ich glaube, man kann die Dokumente aus der Datenbank auch gar nicht so einfach ausdrucken.

  3. Sehr interessant!

    Einige dieser Namen sind mir sehr vertraut, allerdings nicht als Vornamen, sondern als eher als Nachnamen. (Bezogen auf die Region Ostwestfalen-Lippe)

    Berend – ich kenne den Nachnamen Berendes

    Burchard – ich kenne Burkhard als Vornamen. Burchard ist eher ein Nachname.

    Eiler – Eilers oder Eilermann sind mir als Nachname bekannt

    Eggert * Gercke * Heine – sind mir als Nachnamen bekannt, teilweise etwas abgewandelt in Gercken oder Heinemann.

    Tönjes – der Nachname Tönnies ist sehr verbreitet, hat sich aus dem Vornamen Antonius entwickelt.

    Wiechmann – auch ein geläufiger Nachname

    Adelgunde – ich hatte in meiner Kindheit eine Adelgunde in der Nachbarschaft, geb. Mitte der 50er Jahre. Sie fand ihren Namen altmodisch – gleichaltrige hießen Helga oder Marita …

    Beke – Name für einen kleinen Fluss oder Bach

    Geseke – eine Stadt im Kreis Soest (Westfalen)

    Wübbeken – der Nachname Wibbeke ist hier verbreitet

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  4. @Annemarie
    Bei ancestry.de kann man alle Dokumente herunterladen und ausdrucken oder zur Not auch den Screenshot ausdrucken.
    @Mark
    Die Sütterlinschrift wurde um die Jahrhundertwende (19./20. Jh) aus der Kanzleischrift entwickelt. Die war damals nicht so standardisiert, so dass die einzelnen Handschriften viel unterschiedlicher ausfielen als heutzutage. Die Rechtschreibung (vor allem der Familiennamen) wurde ja auch erst relativ spät standardisiert, was das Lesen nochmal verkompliziert. Es gibt im Netz aber gute Sammlungen mit vielen Handschrift-Beispielen, die das „Einfuchsen“ erleichtern.

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    • Ancestery hat auch Schriftproben, die sehr hilfreich sein. Die Sütterlinschrift hatte ja auch nicht so lange Bestand, die Vorgängerschrift liest sich zumindest in meiner Region leichter (Schriften variieren wahnsinnig von Ort zu Ort).
      Es ist auch so wie Eosin (oder wie die Autokorrektur es wünscht Rosie) sagt, die Lesbarkeit wird vor allem durch die einzelnen Notare bedingt. Die groben Daten bietet ancestery auch als digitale Version an (da gibt es hin und wieder Fehler, aber die kann man leicht erkennen. Man hat dann ja eine maschinelle Version, die man mit der Handschrift abgleichen kann 🙂
      Es hilft sich, sich Sütterlin beizubringen, ist aber etwas zeitaufwendig.

    • Also, Sütterlin ist mir bei alten, handschriftlichen Dokumenten noch nie begegnet, sondern immer nur die Kurrentschrift. Ich erlebe immer wieder, dass die Leute „Sütterlin“ sagen und die Kurrentschrift meinen. Sütterlin als Ausgangsschrift hatte ja nicht einmal 30 Jahre Bestand. Nur in alten Bilderbüchern (für die 2 – 6-jährigen) sowie Fibeln habe ich die Sütterlinschrift schon oft gesehen.
      Je nach Schreiber kann ich die Kurrentschrift mal mehr oder weniger gut lesen. Wobei Namen schon eine Herausforderung sind. Im Fließtext kann ein unsauber geschriebenes Wort aus dem Kontext heraus noch erraten werden… Aber Namen haben es schon in sich. Vor allem, wenn es sich um keinen „Allerweltsnamen“ handelt.

    • Danke an Annemarie, Eosin, Vivi, Barbara und alle, die Ratschläge zur Ahnenrecherche gegeben haben.

      Um ehrlich zu sein, ich dachte, das ganze 19. Jahrhundert sei so ziemlich durch Sütterlin abgedeckt, tatsächlich halte ich dann wohl oft die Kurrentschrift für Sütterlinschrift.

      Auf jeden Fall, danke für das Feedback. Ich glaube, ich werde ancestry.de abonnieren, irgendwann in den nächsten Monaten, und werde versuchen, die Ahnenrecherche etwas voranzutreiben.
      Es scheint ja wirklich eine hilfreiche Webseite zu sein.

    • Ich denke, Kurrentschrift trifft es auch noch nicht ganz. Der Begriff bedeutet doch eigentlich nur Schreibschrift.
      Gemeint ist sicher die deutsche Kurrentschrift, von denen Sütterlin nur eine ist. Offenbacher gibt es glaube ich noch und eine Weiterentwicklung dazu, die alle für den Schulgebrauch entwickelt wurden.
      Aber das geht dann schon in die Haarspalterei.
      Gemeint ist sicher alles, was nicht zur lateinischen (Ausgangs)schrift gehört. Rechtschreibreformen (vieviele?) und Unvermögen (wer hatte damals schon Zeit und Geld für eine umfassende Bildung?) machen es insbesondere in privater Korrespondenz aber oft zu einem fröhlichen Namensraten. Orthographiefehler und eine eingeschriebene (also nicht mehr nach Vorlage) Handschrift haben mich bei der Familienforschung auch schon oft verzweifeln lassen. Sehr gegenwärtig ist mir eine Fotounterschrift „B.Lsp.“, die nach Tagen zu einem Heureka-Erlebnis führte: BAD LIPPSPRINGE!!!

      Eine andere Frage: Mir ist mehrfach aufgefallen, dass französische, englische und amerikanische Handschriften viel mehr den gelehrten Vorlagen entsprechen als etwa deutsche. Zumindest als noch Schreibschriften gelehrt wurden (viele Kinder lernen heute glaube ich nur noch Druckbuchstaben), entwickelten sich die meiner Mitschülerinnen spätestens nach Verlassen der Grundschule SEHR unterschiedlich. Ein Blick genügte, um festzustellen, von dem der Spickzettel kam. Bei den frz./engl. Handschriften ist mir das nie gelungen.

      Aber vielleicht ist diese Frage ohnehin obsolet – kann in ein paar Jahren überhaupt noch jemand mit einem Stift umgehen?

    • Barbara,

      Es ist tatsächlich so, dass meine in den USA aufgewachsenen, englischsprachigen Vorfahren, auch schon im 19. Jahrhundert, eine sehr standardisierte, leicht lesbare Handschrift verwenden, während es bei meinen deutschsprachigen Vorfahren wahnsinnig schwer ist, das Geschriebene zu entziffern. Habe in Deutschland bei meiner Generation auch den Eindruck, dass das Handschriftliche mehr Spielraum für individuelle Variation hat als das in den USA der Fall ist.

  5. Berend * Burchard * Eiler * Eilhard * Eggert * Garbert * Garbord * Gercke * Harm * Heine * Helmerich * Jobst * Lüdeke * Lüder * Rathje * Renning * Rippe * Symer * Tönjes * Wiechmann * Wigger * Windelke
    Adelgunde * Ahlcke/Alke * Alheid/Alheit * Becke * Beke * Dobberken/Döbberken * Gese * Geseke * Geske * Lücke * Metta * Othold * Wöbke * Wübbeken

    Zum kleinen Teil sind mir schon lebendene Namensschwestern und -brüder begegnet:
    Burkhard (ca. 60 J.) und Jobst (ca. 70 J.) sowie
    Becca (ca. 40 J., Holländerin), Gesche „Geske“ (ca. 40 J.), Mette (ca. 40 J., Norwegerin) und Wiebke (ca. 50 J.).

    Als Familiennamen sind mir auch schon begegnet:
    Behrend, Borchardt, Eilers, Eggert, Gehrke, Harms, Heine, Jobst, Ripke, Tönnies, Wichmann und Lück.

    Zu Dobberken fallen mir keine ähnlichen Vornamen ein, höchstens der Familienname Dobrindt und der Ortsname Dobbertin.

    Symer hätte ich spontan als arabischen oder persischen Vornamen gedeutet.

    Rippe Kracke klingt heutzutage schon sehr speziell, ich fände einen Orthopäden Dr. Rippe Kracke besonders interessant. Dabei hat der Name ja anscheinend (mindestens) sieben Müttern so gut gefallen, dass sie ihre Söhne so genannt haben. So verschieden sind die Geschmäcker halt…

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    • Symer (geb. 1707) hieß Menke mit Nachnamen. Ich hatte bei dem Vornamen an eine Form von Simon gedacht, aber wer weiß …

      Inzwischen habe ich auch noch – vermutlich nicht mit uns verwandt – Maass (m) und Metje (f) entdeckt. Addick (m) scheint sogar mehrfach vorzukommen, für meine Schwiegermutter ein ganz normaler Name. Vielleicht gibt’s eine Verbindung zu Adolf? Oder zu Adam?

    • Metje sieht aus wie die Verniedlichung von Mette/ Metta und klingt dabei aber fast wie „Mädchen“.

  6. Danke für die Tipps zum Ausdrucken! Nach meiner Erfahrung lohnt es sich oft, in das handschriftliche Original zu gucken, um Fehler aufzudecken oder zusätzliche Infos zu erhalten.

    @Eosin: Wie meinst du das mit den sieben Müttern? Ich meinte mit 7-mal Uropa jedenfalls nur eine Person, eben den Urururururururopa meines Mannes 🙂

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    • Ach so, das habe ich total falsch verstanden! Ich dachte, dass der Name über sieben Generationen hinweg kontinuierlich vergeben wurde (z. B. an jeden Erstgeborenen) 😉

      Ich könnte mir vorstellen, dass Rippe eine Variante von Ruppert bzw. Robert sein könnte?

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