Zweimal Platz eins – wie die Mama von Matteo und Emilia das findet

Schon als Mia und Ben ab 2011 wiederholt die beliebtesten Babynamen Deutschlands waren, habe ich mir gedacht, dass es sicher etliche Geschwisterpaare mit diesen Namen gibt. Eben nach dem Motto „Unsere Eltern mögen es kurz und nicht weiter abkürzbar“. Bei den kürzlich veröffentlichten Spitzenreitern von 2021 ist es wieder so: Matteo und Emilia klingen als Geschwisternamen sehr stimmig, finde ich. Schon weil beide gleich drei Buchstaben gemeinsam haben und beide einen sogenannten Hiat enthalten, das sind aufeinanderstoßende Vokale, die verschiedenen Silben angehören. Vor allem aber haben beide eine italienische Note. Matteo sowieso aufgrund seiner Herkunft. Die Erfolgsgeschichte von Emilia in der jüngeren Vergangenheit dürfte zwar auf den 1998-Hit „Big Big World“ von Emilia Rydberg zurückgehen – einer Schwedin –, doch auch von Lessings „Emilia Galotti“ haben viele schon mal gehört.

Trendsetter wider Willen

Wie ist das, wenn die Namen der eigenen Kinder plötzlich auf Platz eins stehen – ärgerlich oder doch eine schöne Bestätigung? Dazu durfte ich jetzt die Mama von Matteo (noch 4) und Emilia (1) befragen, die 37-jährige Lena, die mit ihrer Familie in Baden-Württemberg lebt. Natürlich wollte ich bei der Gelegenheit auch gern von Lena wissen, wie sie und ihr Mann auf die beiden Namen gekommen sind und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Tatsächlich wurden die jungen Eltern im Zuge der Presseveröffentlichungen um die Hitliste von 2021 bereits auf ihre doppelte Spitzenplatzierung angesprochen: „Meine Mutter hat es kurz kommentiert“, berichtet Lena. „Sie findet es nicht schlimm. Und ein guter Freund von uns, gleichzeitig der Papa der einzigen anderen Emilia, die wir kennen, hat eine eher lustige Nachricht geschrieben und uns als ‚Trendsetter‘ bezeichnet.“ Darüber, dass ansonsten bislang keine Kommentare kamen, ist Lena froh, wie sie ehrlich zugibt. Denn etwas ärgerlich finden sie und ihr Mann die Sache schon.

Die Rolle der Top Ten

Wenn Eltern Namen aussuchen, die sich als sehr beliebt erweisen, liegt manchmal das Vorurteil in der Luft, dass sich hier jemand nur wenig Gedanken gemacht oder gar die Top Ten als Auswahlliste betrachtet hat. Dass das überhaupt nicht stimmt, belegen Lenas Schilderungen: „Bei der Namenssuche für Matteo haben wir sehr darauf geachtet, dass es kein Top-Ten-Name wird. Sonst hätte uns zum Beispiel auch Ben gut gefallen. Da Matteo 2016 auf Platz 28 war, haben wir überhaupt nicht damit gerechnet, dass er so kurze Zeit später in die Top Ten und dann auch noch auf Platz eins kommt. Bereits in der Krabbelgruppe waren zwei andere Mateos – ja, anders geschrieben –, was uns sehr gewundert und besonders mich sehr gestört hat.“ Genau diese Erfahrung war es dann, die das Paar dazu brachte, sich bei der Namenssuche für Matteos Schwester von Ranglistenplätzen nicht beirren zu lassen: „Zur Wahl standen schließlich Sophia, Anna und Emilia.“

Viele Suchkriterien

Von der Rolle der Top Ten abgesehen, hatten Lena und ihr Mann beide Male dieselben Suchkriterien, etwa: passend zum Nachnamen, nicht abkürzbar, eindeutige Schreibweise. „Da waren wir etwas blauäugig“, so Lena. „Uns war zwar klar, dass man in Spanien zum Beispiel Mateo mit einem t schreibt, aber wir waren fest davon überzeugt, dass das die Ausnahme sei und im Normalfall keiner fragen würde. Tja, die erste Frage nach der Schreibweise kam schon im Kreißsaal und wenig später wurde unser Sohn auch mit Matheo und Mattheo angeschrieben, darauf wären wir nie gekommen. Für mich wird der italienische Name damit wirklich verschandelt und einfach eingedeutscht.“ Weitere Ausschlusskriterien waren der erste Buchstabe ihres Nachnamens, der weder Anfangsbuchstabe des Vornamens sein noch gut hörbar in dessen Mitte vorkommen sollte, sowie negative oder komische Assoziationen. „Das war aufgrund unserer Berufe – wir arbeiten beide mit Kindern und Jugendlichen – gar nicht so einfach.“

Zweimal Namenssuche

Bei seiner ersten Namenssuche wurde das Paar sehr frühzeitig fündig, suchte aber trotzdem noch weiter: „Wir hatten das Gefühl, dass es doch nicht so schnell erledigt sein könnte. Dann war auch der Name Loris im Rennen, aber unsere Herzen gehörten immer Matteo.“ Als in der zweiten Schwangerschaft das Geschlecht feststand, machte gerade das die Suche langwierig: „Es gibt einfach zu viele schöne Mädchennamen.“ Und Häufigkeit hin oder her: Lena liebt die Namen ihrer Kinder heiß und innig und würde sie immer wieder wählen: „Es sind einfach IHRE Namen, auch wenn noch viele andere ihrer Jahrgänge so heißen. Außerdem sind beide klangvoll und einfach schön.“

Bloß kein Spitzname?

In der Familie und im weiteren Umfeld ist die Resonanz sehr positiv. Probleme mit „Namenszwillingen“ gibt es praktisch nicht: „Die Tochter eines Freundes heißt zwar Emilia, ist aber schon zwölf und es gibt daher keine Berührungspunkte der Kinder. Einer der Mateos aus der Krabbelgruppe wohnt noch in unserem Ort, aber die zwei besuchen unterschiedliche Kindergärten und sehen sich nur selten.“ Womit das Paar abgesehen von Problemen mit der Schreibweise („Wir werden eigentlich jedes Mal gefragt“) allerdings nicht gerechnet hätte: „dass jemand auf die Idee kommen würde, Matteo abzukürzen. Als Einzelne mit ‚Theo‘ anfingen, haben wir sofort interveniert. Seitdem hat das auch niemand mehr probiert. Bei Emilia ertappen wir uns manchmal selbst dabei, dass wir sie Mili, Emili oder Emilchen nennen …“

Jan und Julia, Hans und Helga …

Und jetzt Sie: Haben Sie die Namen Ihrer Kinder auch schon unverhofft auf Platz eins entdeckt oder tragen Sie vielleicht selbst den Topnamen Ihres Jahrgangs? Wie sind Ihre Erfahrungen damit?


12 Gedanken zu „Zweimal Platz eins – wie die Mama von Matteo und Emilia das findet“

  1. Ich finde die Namen sehr hübsch, gerade für Geschwister.
    Aber der Punkt „nicht abkürzbar“ trifft auf beide Namen nicht zu. Neben den oben genannten Abkürzungen für Emilia fallen mir noch Mila, Milia, Mia, Lia und Emmi (so würde ich den Namen abkürzen) ein. Auch aus Matteo kann man neben Theo, Matti, Mattis etc. machen.
    Was ich nicht schlimm finde. Später entscheiden die Kinder selbst, wie sie gerufen werden wollen. Ich bevorzuge die Kurzform meines Namens.
    Abgesehen davon kann man selbst aus Ben und Mia Spitznamen basteln: Beni und Mimi, Mi, Miachen etc.

    Mein Bruder trägt einen Top 10 Namen (Lukas) und kommt damit gut durchs Leben, er mag ihn sehr, nur die von manchen Leuten gesprochene Variante „Luggas“ findet er furchtbar.

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    • Ich kenne tatsächlich eine Emilia, die Mila genannt wird. Mila war der Wunschname des Vaters, wohingegen die Mutter längere Namen bevorzugte. So haben sie mit der Namenswahl noch einen ganz guten Kompromiss gefunden.

  2. Der Erfolg von Emilia hängt für mich mit dem Erfolg von Emily und Amelie und später Emma zusammen. Da war Emilia vielleicht so ein „Ausweichname“.

    Mateo ist eine moderner klingelnde Form von dem in den 80ern und Anfang der 90er beliebten Mathias. Da gab es auch schon südländische Namen wie Marco und Mario. Und Theo ist momentan auch beliebt.
    Mateo kann auch in den nächsten Jahren noch beliebt bleiben. Redwall wird neu aufgelegt mit dem mutigen Mäusekrieger Mathias und Digimon als Realserie verfilmt. Da heißt eines der Kinder Matt. Ich weiß gar nicht mehr, wie der echte japanische Name war.

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  3. Als meine Tochter geboren wurde, war mir bewusst, dass der Name, den wir ausgesucht hatten, in ähnlicher Schreibweise in den Top Ten war. Ich fand ihn aber zu schön, um ihn deswegen nicht zu nehmen, und lustigerweise hatte sie bisher nie eine Namensvetterin in einer Klasse, auch im Kindergarten war keine, als sie dort angefangen hat, später schon.
    Dagegen gab es den Namen meines Sohnes im Kindergarten doppelt, obwohl der noch nicht mal in den ersten hundert Namen der Liste war! Das fand ich dann eher witzig. Ich hoffe, die andere Mutter auch.

    Ich denke, Eltern haben mit häufigen Namen meistens mehr Probleme als die Kinder selbst.

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    • Das denke ich auch. Vielleicht war es in der Jugend der heutigen Elterngeneration auch noch deutlich nerviger, eine von x Nicoles oder der soundsovielte Stefan zu sein als heute bei Kindern mit ähnlich beliebten Namen, weil diese ja bei aller Beliebtheit trotzdem viel seltener sind als damals. Wir Eltern urteilen quasi nach veralteten Maßstäben.

      In den 2 Jahrgängen, die mit meiner Tochter in einer Klasse sind, waren Hanna und Mia auf Platz 1. Sie war noch nie irgendwo mit einer Mia zusammen, und Hanna gibt es lediglich einmal als stummen Beinamen. Dafür hat sie je eine Frieda und eine Frida in der Klasse. Dieser Name war damals auf Platz 84 bzw. 78, also in einer absolut „ungefährlichen“ Region – sollte man meinen.

  4. Matteo und Emilia–das ist schon eine ungemein stimmige Geschwisterkombi. Mich würde die Popularität nicht stören.

    In den USA gab es in meiner Generation (1970er Jahre) unheimlich viele Jennifers. Im Studium kannte ich, glaube ich, nicht gefühlt, sondern wortwörtlich, so um die 100 Jennifers. Ich saß mal mit zwei Jennifers in der Mensa und wir unterhielten uns über Namen (ich glaube, ich machte eine Bemerkung darüber, dass ich an diesem Tag immer nur mit Jennifers gegessen hatte). Die eine Jennifer bemerkte: „Meine Eltern haben damals einfach nicht kapiert, dass alle anderen Eltern ihre Töchter auch Jennifer genannt haben.“ Sie fand es lustig. Wir waren uns alle einig, dass Jennifer ein wunderschöner Name ist–wenn schon einer wahnsinnig häufig sein soll, dann ist Jennifer ein schöner Kandidat dafür.

    Mein Name, Mark, war in den 1950ern und ’60ern besonders häufig. Ich, als Kind der 1970er, entstamme dem Ausklang der Mark-Mode in den USA, aber in meinem Geburtsjahr war der Name immerhin noch in den Top 30. Auf meinem Flur im Wohnheim gab es zwei andere Marks; im Chor, in dem ich sang, ebenfalls. Auch in der christlichen Gemeinde, die ich besuchte, gab es etliche Marks. Freute mich immer darüber.

    Finde, dass Gemeinschaftsgefühl aufkommt, wenn es typische, häufige Namen gibt. Freue mich, wenn jemand mal Wilhelmine oder Balthasar heißt; aber irgendwie finde ich es auch traulich, wenn einem immer wieder dieselben Namen begegnen. Da gibt es eigentlich nur zwei Namen, die ich eigentlich schön finde, die mir aber wegen ihrer Häufigkeit in meinem Umfeld auf den Keks gehen: Jonathan und Leonie. Weiß auch nicht, warum ich auf diese Namen so reagiere, während ich normalerweise keine solche Abwehrreaktion wegen Häufigkeit habe.

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  5. Mir gefallen Matteo und Emilia ebenfalls sehr gut für Geschwister. Beide klingen so schön italienisch. Matteo würde ich selbst auch nur in der italienischen Form schreiben.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Menschen gibt, die können sich einfach keine Namen merken. Manchmal ist es nur die Schreibweise und manchmal verwechseln sie ähnlich klingende Namen.

    Mein eigener Name wurde manchmal mit Maike verwechselt. Maike war in meinem Alter (70er Jahre) häufiger vertreten als Mareike. Eine Lehrerin konnte sich Namen (nicht nur meinen) besonders schlecht merken und hat mich oft Maike genannt.

    Spitznamen finde ich übrigens überhaupt nicht schlimm. Ich weiß von einer Emilia (12), die von ihren Freundinnen Mili genannt wird … das klingt doch süß. Irgendwann haben Eltern keinen Einfluss mehr darauf, ob ihr Kind in der Schule oder im Freundeskreis einen Spitznamen bekommt.

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    • Ich kann ein Lied davon singen, wie oft mein Name verwechselt wurde (Valerie, Vera, Viktoria, Verena und natürlich Vivien).

      Ich kann mir Namen sehr gut merken, bis auf wenige Ausnahmen. Einen Arthur nannte ich häufiger Anton und heute haben ich einen Thorben im Teeniealter (fand ich ungewöhnlich) Thorsten genannt.

      Ich finde Spitzname schön, es zeigt eine persönliche Verbindung. Natürlich muss die betreffend Person das wollen. Ich habe eine Freundin, die stets bei ihrem vollen Namen gerufen werde möchte, was natürlich alle akzeptieren.

  6. Ich finde die Namen Emilia und Matteo wunderschön und auch als Geschwisternamen passen sie wunderbar zusammen. Wären das meine Kinder die so heißen, würde es mich auch gar nicht stören, dass die jetzt beide auf Platz 1 sind^^

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  7. Ich finde beide Namen auch schön, Emilia stand auch auf unserer Liste und war dann raus, weil wir auch keinen Namen aus den Top 10 wollten.
    Schließlich haben wir uns für Paula entschieden und müssen jetzt feststellen, dass es uns wohl doch so geht wie Lena mit Matteo. Hier in unserem Kreis ist Paula nämlich dieses Jahr auf Platz 10, zusammen mit 6 weiteren Namen. Bundesweit ist sie auf Platz 37, ich hoffe dass das erst mal so bleibt….

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  8. „wenig später wurde unser Sohn auch mit Matheo und Mattheo angeschrieben, darauf wären wir nie gekommen. Für mich wird der italienische Name damit wirklich verschandelt und einfach eingedeutscht.“

    Das Argument finde ich nun ein bisschen seltsam, denn ich gehe davon aus, dass sie selbst den Namen deutsch und nicht italienisch ausspricht. Damit ist der Name ja auch schon eingedeutscht.
    Auf Deutsch wird Matteo mit geschlossenem e und hartem t ausgesprochen. Italienisch ausgesprochen hört es sich an wie „Matäo“ und das italienische t ist weicher als das deutsche.
    Schreibweise würde ich trotzdem die übliche italienische bevorzugen. Aber wenn man etwas gegen das Eindeutschen anderssprachiger Namen hat, sollte man es meiner Meinung nach lassen, einem in Deutschland aufwachsendem Kind einen fremdsprachigen Namen zu geben. Fremdsprachige Namen, die sich in Deutschland etablieren, werden nun mal eingedeutscht, in Aussprache und manchmal auch Schreibweise (Beispiele: Marion, Annette/Anett, Charlotte, Leon, Bianka, Isabell, Maik …).

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  9. Das ist in der Familie meines Partners andersrum. Er hat einen eher seltenen Namen (knapp in den Top 300 der Jungs momentan und zu seiner Geburt mit Sicherheit noch seltener, da der Name ebenfalls italienisch ist). Der Name seiner Schwester hingegen war im Jahr ihrer Geburt in den Top 10. Aber in den 90ern war das auch noch etwas schwieriger, herauszufinden, was so die Trends sind.

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