Gute Frage 19: Klingt Frido nach „Schade, kein Mädchen …“?

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Den Namen Frido mag ich irgendwie. Ich weiß aber auch, dass er – mal abgesehen von an den Haaren herbeigezogenen Hundeassoziationen (oder kennen Sie noch Bellos namens Fido?) – zu jenen gehört, die eine bestimmte Mutmaßung auslösen: „Haben sich die Eltern eigentlich ein Mädchen gewünscht?“ Eben wegen Frida. Ähnlich ist es mit Emilian: Dieser aufstrebende Jungenname (zuletzt Platz 112) wirkt gerade auf Menschen, die ihm zum ersten Mal begegnen, leicht wie eine Emilia mit angehängtem n. Wenn man nicht genau spricht bzw. hinhört, kann es sogar zu üblen Missverständnissen kommen.

Das diametral entgegengesetzte „Problem“ haben die seltenen Mädchenname Maximilia, Maximiliane und Floriane. Dabei kennen wir das Phänomen der Namen, die es mit minimaler Anpassung für beide Geschlechter gibt, doch quasi schon immer, von A wie Andreas und Andrea bis Z wie … egal, Wilhelm und Wilhelmine oder so. Besonders kniffelig scheint es mir immer dann zu werden, wenn ein Name für ein Geschlecht sehr verbreitet ist, die Variante für das andere aber gar nicht. Emilia, Frida, Maximilian – alle superbeliebt bei Babyeltern von heute und deshalb in den Top-20 zu finden, Florian ist ein Klassiker. Ein besonderes Kapitel sind für mich noch jene Jungennamen, die erst in jüngerer Vergangenheit von Mädchennamen abgeleitet wurden oder zumindest so wirken. Finjas zum Beispiel. Auch bei Leonas muss ich daran denken, obwohl es sich um einen Namen aus Litauen handeln soll.

Haben Sie sich schon mal bei bestimmten Namen bei dem Gedanken ertappt, dass da eigentlich ein Kind des anderen Geschlechts erwartet wurde? Oder kennen Sie Fälle, wo das tatsächlich so war? Und die wichtigste Frage: Würden Sie von einem Lieblingsnamen Abstand nehmen, weil die Variante für das andere Geschlecht wesentlich bekannter ist?

Über all das nur müde lächeln können jedenfalls Eltern, die ihren Sohn gern Livio nennen würden. Statt „Sollte es eine Livia werden?“ steht da „War beim Kochen das Öl ausgegangen?“ im Raum …

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60 Gedanken zu „Gute Frage 19: Klingt Frido nach „Schade, kein Mädchen …“?“

  1. Der Schutzpatron unserer Stadt ist der hl. Fridolin, an den musste ich bei Frido zuerst denken.
    Ich kannte mal eine Familie, die sich auf einen Jungen eingestellt hatten und planten, das Kind Robin zu nennen und dann wurde es ein Mädchen und sie haben es… Robin genannt, geht ja für beide, ich finde für Mädels sogar besser, welcher Junge möchte denn Rotkehlchen heißen?
    Allerdings kenne ich in D mehr männliche als weibliche Robins.

    Ich würde offensichtlich abgeleitete Namen eher nicht vergeben, Emilian, Floriane, Adolphe genausowenig wie Martina, Michaela, Gabriela, Petra, Andrea.

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    • „Ich würde offensichtlich abgeleitete Namen eher nicht vergeben“
      Da hake ich doch neugierig mal nach: was wären Deine Gründe dafür?
      – solche Namen gefallen Dir nicht
      – mögliche Verwechslungen/Missverständnisse
      – mögliche Hänseleien???

      Und würdest Du also einen Jungen eher Maximilian oder Andreas nennen, ein Mädchen eher Emilia, als die „abgeleiteten Formen“ ans andere Geschlecht zu vergeben? Oder wären die Namen auch in ihrer „Grundform“ (die oft häufiger ist, aber nicht immer, siehe Andreas/Andrea) nichts für Dich?

    • Annemarie,
      Ich glaube, hauptsächlich mag ich die weiblichen Formen von bekannten männlichen Namen nicht, siehe Adolphe. Das ist für mich zu sehr „aus der Rippe“ – als ob es nicht genug eindeutig weibliche Ursprungsnamen gäbe.
      Das, und oft gefallen sie mit einfach nicht.

  2. Ist Emilia selbst nicht eine Ableitung von Emil?
    Ich habe eine Karline kennengelernt, bei der ich auch dachte, ob wohl ein Karl erwartet wurde. Das weiß ich allerdings nicht.
    Der Lieblingsname meiner Freundin für einen Jungen ist Alessio. Sie hat dann ihre Tochter Alessia genannt. Wenn sie doch noch einen Jungen bekommt, ärgert sie sich bestimmt ein wenig, aber ihr ging der Name während der Schwangerschaft nicht aus dem Kopf und so wurde es die weibliche Form.

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    • Ein Alessio wäre ja trotzdem noch möglich – theoretisch. Dazu fällt mir ein: Ich wüsste wirklich gern, wie zufrieden man im Hause Schwesig letztlich mit der Entscheidung für die Geschwisternamen Julian und Julia ist …

    • @Annemarie

      Über die Schwesigkinder habe ich auch schon nachgedacht.
      In der Zeitung habe ich in einer Schulstart-Anzeige habe ich die Geschwister Johannes und Johanna entdeckt, fand ich auch verwirrend und wenn ich ehrlich bin, etwas einfallslos. Die beiden hatten noch zwei weitere Geschwister: Jakob und Jona.

  3. Floriane, Maximiliane, Emilian, Amalio, Mian, Lian und Lias erwecken bei mir immer den Eindruck, das andere Geschlecht sei erwartet gewesen, ebenso bei Friedo. Bei Lian und Lias liegt es vermutlich an meiner kleinen Schwester Lia.

    Livio und Livia hingegen sind mir natürlich beide vertraut. Ich hätte bei Livio nur einzuwenden, dass es ein „Nachname“ ist und im Dativ und Ablativ steht und man dadurch „dem Livius “ u.a ruft. Auf das Olivenöl wäre ich gar nicht gekommen.

    Aber auch die von Ruth genannten Namen Michaela, Martina, Petra und Gabriela/ e fallen für mich nicht in die „anders Geschlecht war erwartet“-Kategorie, da ich viele Frauen mit diesen Namen kennen, ebenso Männer mit der entsprechend Form.

    Es ist wie Annemarie geschrieben hat, je seltener der Name für das andere Geschlecht ist, desto schneller denke ich daran, dass eine Mia oder ein Maximilian erwartet war.

    Gleichzeitig mag ich Josepha sehr gerne und Joseph gar nicht, obwohl der häufiger vergeben wird. Da könnte man auch auf den Gedanken kommen, dass mir Joseph gefallen würde.

    Zu Wilhelmine und Wilhelm, da habe ich diesen Eindruck nie gehabt, weil ich schon häufig über Wilhelmines gelesen habe.

    Zu Z: vielleicht Zarin und Zarina? Zarina habe ich schon öfter gelesen, Zarin weniger.

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    • Zu Zarin und Zarina
      Die Namen klingen für mich beide sehr feminin, denn die Zarin ist doch des Zaren Ehefrau, oder nicht?

  4. Zora und Zoran

    Ich kenne eine Andrea (geb. in den 80er Jahren), die wohl eigentlich ein Andreas hätte werden sollen. Die Mutter hatte für ein Mädchen eigentlich Katharina ausgesucht, aber der Vater war schneller bei der standesamtlichen Eintragung…

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  5. Für mich ist der Unterschied zwischen eine O-Endung und einer A-Endung sehr prägnant. Frido und Frida würde ich akustisch nicht so schnell miteinander verwechseln, und da denke ich dann auch nicht an „Ableitung.“

    Besonders störend finde ich es, wenn eine weibliche Namensform auf A sehr bekannt ist, und dann die männliche Form mit einem leicht überhörbaren zusätzlichen N daherkommt, wie bei Julia und Julian, oder auch bei Emilia und Emilian. Im Rumänischen gibt es das Problem übrigens nicht–da werden die Endsilben von Iulian und Emilian ganz emphatisch ausgesprochen, so dass man das N viel klarer hört als im Deutschen.

    Die Schwa-Endung bei Maximiliane finde ich hörbarer als das N bei Emilian. Trotzdem würde ich Maximiliane als sehr stark von Maximilian abgeleitet empfinden. Das liegt vielleicht daran, dass hier ein bekannter männlicher Name sozusagen ein kleines Anhängsel bekommt.

    Michaela und Daniela haben beide ein angehängtes A, wie das bei weiblichen lateinischen Namen üblich ist, aber es sind hebräische Namen, so dass die Anhängsel auf mich doch recht deplaziert wirken. Dadurch, dass ich mit vielen Michaelas und Danielas aufgewachsen bin, wirken diese Namen vertraut, und rein klanglich betrachtet sind sie auch hübsch–allerdings hat mich hier der Anhängsel-Effekt doch schon immer ein wenig gestört.

    Paula ist ja lateinisch, und man hört das A ohne Weiteres. Hier empfinde ich den Namen als recht eigenständig; ähnliches gilt auch für Pauline.

    Im Fall von Wilhelm und Wilhelmine empfinde ich den Namen Wilhelmine als sehr derivativ wenn die Rufform Willie oder so lautet; wenn die Rufform aber Minna lautet, dann empfinde ich Wilhelmine viel stärker als eigenständigen Namen.

    Insgesamt bevorzuge ich Namensformen, die nicht abgeleitet wirken: Julius statt Julian, Emil statt Emilian, und den männlichen Namen Andreas statt die im Deutschen weibliche Form Andreas.

    Aber ganz abgeneigt bin ich allen Ableitungen auch nicht. Wilhelmine mag ich, nur bitte nicht Willie rufen; Davina kann ich was abgewinnen, Davida allerdings nicht; eine „Sina“ gerufene Thomasina, das hätte was, aber wenn sie Tommie gerufen würde, fände ich das wiederum nicht so toll; Frido geht sowieso, Friederike finde ich auch gut, auch Franziska mag ich, und Heike und Henriette auch; Georgine wiederum nicht.

    Interessantes Thema!

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    • Den Aspekt, dass Daniela und Michaela durch ihre Herkunft in eine andere Kategorie von Ableitungen fallen als etwa Paula oder Claudia, finde ich sehr interessant, war mir so noch nie aufgefallen. Gibt es im Hebräischen also nur Michael und Daniel, aber keine weiblichen Pendants wie bei uns?

      Ansonsten finde auch ich Ableitungen, die sich fast wie die viel bekanntere andersgeschlechtliche Form anhören, am schwierigsten. Das wären etwa Maximilia, Finjas oder auch Alvar. Ivar hingegen wieder eher nicht, weil das Regal ja sehr bekannt und Iva auch sehr selten ist. Julian und auch Emilian kommen inzwischen doch so oft vor, dass sie mir nicht mehr problematisch scheinen – hier könnte es mittlerweile ebenso gut passieren, dass eine Julia fälschlich als Julian, eine Emilia als Emilian verstanden wird, wie umgekehrt.

      Ach, und eine Wilhelmine hätte ich nie Willi genannt, in meiner Familie gab es dafür die Koseformen Mine und Helmi 🙂

    • Die einzige Wilhelmine, die ich kenne, hat ihren Namen gehasst und wurde Wilma gerufen.
      Wie von Fred Feuerstein/Flintstone.

    • @Annemarie:
      Die hebräischen Namen der Bibel haben im herkömmlichen Sinn keine Pendants im anderen Geschlecht. Miriam steht genauso für sich als rein weiblicher Name wie Gabriel als rein männlicher. In heutigen Hebräisch gibt es ja viele Unisex-Namen, da herrschen ganz andere Namensstrukturen als in der historischen hebräischen Namensgebung.

      Was Du zu Julian/Julia und EmilianEmilia sagst kann ich gut nachvollziehen–da kann die weibliche oder die männliche Version prägend sein. In meinem Kopf sind wir in der Beziehung noch in den 1980ern–das ist so das Schema, das bei mir festsitzt.

      Mine und Helmi gefallen mir viel besser als Willi….

      @Barbara:

      Den Namen Wilma finde ich im Englischen wunderschön, im Deutschen okay, da schwingt für mich immer „will mal“ mit. Eine jetzt geborene Wilhelmine hätte es, glaube ich leichter mit ihrem Namen, als eine jetzt erwachsene Wilhelmine. Der Name passt schon einigermaßen gut in die Retrowelle; in einer Klasse mit Mathilda, Emma und Frieda ist Wilhelmine nicht mehr so auffällig.

  6. @Mark

    Ich habe tatsächlich eine Freundin namens Marsha. :-))
    Sie wird auch so geschrieben und ist in den 70ern geboren.
    Ein extrem seltener Name hierzulande.

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  7. Tatsächlich hatte ich den Gedanken noch nie. Gerade wenn ich einem Menschen sozusagen „in echt“ begegne, nehme ich seinen Namen auch als „eigenständig“ wahr. Höchstens denke ich, dass mir der Name gefällt oder eben nicht gefällt.

    Und auch bei einer abstrakteren Beschäftigung mit Namen, wie hier im Forum etwa, denke ich bei Namen wie Lias und Andrea nicht, dass die Eltern auf eine Lia oder einen Andreas gehofft haben, sondern eher, dass ich Lias als zu weich und Andrea als zu altmodisch empfinde.

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  8. Ich finde, so Namne gaben Charme – sie wirken eben vertraut, aber nicht ausgelutscht. Ein Frido ist einzigartiger als Frida, ebenso wie die oben benannte Karline vs. Karl.
    Die sehr weichen Namen gefallen mir weder bei Mädchen noch bei Jungen, egal ob umgewandelt weibliche oder männliche Form oder einfach so Lalelu. Ich warte noch auf einen Linneo.

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  9. Mir kommt dieser Gedanke eher selten und vor allem, wenn eine Form in der Generation der Kinder noch nicht so bekannt war.

    Ein Julian im Schulalter scheint mir „geplanter“ als ein Julian ü40. Als mir vor einigen Jahren die erste kleine Philippa persönlich begegnet ist, fand ich ihren Namen ein bisschen befremdlich und mir kam der Gedanke, ob ein kleiner Philipp erwartet wurde. Inzwischen sind mir weitere kleine Philippas begegnet und ich empfinde den Namen nun als typisch weiblich und mag ihn sogar.

    Ich würde übrigens niemals die Eltern direkt fragen, ob sie eigentlich das andere Geschlecht erwartet hatten 😉

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  10. „Frido“ habe ich in den Tagebüchern von Thomas Mann estmals gelesen, sein Enkel wurde so genannt. Ich hätte auf einen „richtigen“ Namen wie Gottfried getippt, er heisst aber wohl Fridolin.
    Angesichts verbreiteter Formen wie Hanno, Heino, Bodo oder Heiko wäre mir der Gedanke an eine misslungene Frieda nie gekommen. Vielleicht auch wegen des „e“, das für mich zu Frieda gehört. Frida ist für Abba-Fans.

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  11. Bei Frido würde ich an einen friesischen Namen denken (ähnlich wie Friso), oder an eine Kurzform von Fridolin. Jedenfalls würde ich nicht denken, es sollte eine Frida werden. Bei Emilian denke ich aber, die männliche Form von Emilia/Emilie ist schlicht und einfach Emil. Warum muss man den Namen verlängern?

    Der erste Julian, den ich kennengelernt habe, wurde Mitte der 80er Jahre in meiner Nachbarschaft geboren und löste ein paar Irritationen im Dorf aus. Der Name Julia war ja auch mehrfach vertreten. Und es stimmt, das angehängte n kann leicht überhört werden. Der Ort in dem ich aufgewachsen bin war bzgl. der Vornamen aber auch leicht hinterwäldlerisch. Ein gleichaltriger Junge wurde in den 80er Jahren noch Franz genannt. Dagegen war Julian schon sehr futuristisch.

    Maximiliane und Floriane gefallen mir nicht so, weil die männlichen Formen sehr viel häufiger vorkommen und weil es schönere Alternativen gibt.
    Maxima anstatt Maximiliane. Flora oder Florentine finde ich eigenständiger und weiblicher als Florian+e.

    Anders ist es mit Michael/Michaela, Daniel/Daniela, Andreas/Andrea, Stefan/Stefanie … bei diesen Namen waren die männlichen und weiblichen Varianten etwa gleich häufig. Bin ebenfalls mit vielen Michaelas und Stefanies … aufgewachsen. Finde die Namen völlig in Ordnung.

    Wilhelmine war ein häufiger Name im Hochadel, Königinnen und Prinzessinnen hießen so. Schon deshalb empfinde ich Wilhelmine als selbstständige weibliche Form von Wilhelm. Aber gerade in Adelsfamilien wurde eine Tochter Wilhelmine genannt, wenn ein Sohn erhofft wurde, der dann Wilhelm hätte heißen sollen.
    Übrigens ist Wilma in meinem Umfeld ein gängiger Rufname für eine Wilhelmine. Eine Minna kannte ich nicht, war schon damals ein Dienstmädchen-Name.

    Bernhardine ist noch so ein Beispiel, wenn früher ein Sohn (Bernhard) erwartet wurde.

    Franziska sehe ich als eigenständigen Namen. Immerhin gibt es eine heilige Franziska und einen Namenstag. Das weiß ich, weil ich zwei Großtanten namens Franziska hatte.

    Zu Geschwistern, die nahezu den gleichen Namen bekommen haben. Da weiß ich zwei Beispiele (kenne sie aber nicht näher):
    – Mark und Markus – geb. in den 1970er Jahren
    – Julius und Julian – geb. in den 2000er Jahren
    und natürlich Julian und Julia (Manuela Scheswig)
    Da frage ich mich, es gibt tausende von Namen. Warum fallen den Eltern nicht zwei verschiedene Namen ein? Wo bleibt da die Individualität des einzelnen Kindes?

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    • Ich denke, es ist nicht immer ein „erhoffter“ Sohn gewesen.
      Zumindest in katholischen Kreisen wat es üblich, nach den Taufpaten zu benennen, und wenn Onkel Wilhelm am Becken stand, hiess das Mädchen eben Wilhelmine. (Ich studiere z.Zt. diverse Taufregister, und da kommt das immer wieder vor.)

  12. Frido klingt für mich auch nicht maskulin angeglichen. Viel eher würde mir hierbei Frieder in den Sinn kommen, weil ich glaube, dass er nur übers Schriftbild wirklich von Frieda zu unterscheiden ist und die Aussprache praktisch dieselbe ist. Ein bisschen unterschiedlich im Klang erscheint es mir schon, wobei ich mir das vermutlich nur einbilde.

    Heute kamen mir gerade die zwei Namen Hermanna und Ottora unter, während ich Adelsstammbäume durchforstet habe. Sie waren Töchter von einem Hermann und einem Otto. Hier wird gleichsam die patriarchale Machtposition über den Namen gewissermassen an die Töchter übertragen und das empfinde ich ein Stück weit als recht emanzipiert.

    Ansonsten kann ich aber verstehen, dass feminisierte Männernamen lediglich für einen Abklatsch dieser gehalten werden, was somit als eine Art Downgrade gewertet werden kann. Das ist natürlich wie immer Ansichtssache. In dieser Argumentationskette hätte man aus emanzipierter Sicht die Feminisierung eines männlichen Namens genauso gut auch als Upgrade empfinden können oder als mindestens gleichwertig.

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    • In Süddeutschland klingen Frieder und Frieda recht unterschiedlich; im Norden wird ja ER generell schon ähnlich wie A gesprochen. Fällt mir auch immer bei einer Kollegin auf, die aus Nordrhein-Westfalen stammt.

    • Mark, würdest du sagen, dass die Endung -er in deiner Region vielleicht eher wie im Artikel „der“ gesprochen wird??

      Ich glaub, ich lass mir Frieder&Frieda jetzt mal von sämtlichen Leuten einmal (oder besser noch mehrfach im Wechsel und auf Band) vorsprechen, von Süddeutschen, Norddeutschen wie Schweizern.

      Mir fehlt hier auf der Plattform einfach die Option, die Namen einmal gesprochen zu hören bzw. selber eine kurze Audiodatei (1-2 sec.) aufnehmen zu können, wie ich persönlich einen Namen sprechen würde.

    • Ja, so eine Audio-Option wäre toll. Ich habe bisher leider keine Lösung gefunden, wie ich das mit wenig Aufwand und kleinem Budget umsetzen könnte.

    • @Knud

      Wie wäre es mit einem monatlichen Zoom-Talk oder so? Wer will, kann die Kamera einschalten, wer nicht, lässt sie ausgeschalten… Dann könnten sich Interessierte austauschen und über Aussprache, Betonung etc in verschiedenen Regionen diskutieren…

      War jetzt nur einmal so eine spontane Idee…

  13. Ich kenne tatsächlich eine Familie, in der nach zwei Mädchen ein Junge erwartet wurde, der Elias Johannes hätte heißen sollen. Bei der Geburt stellte sich das Kind als Mädchen heraus und wurde Elisa Johanna genannt. Das vierte und letzte Kind war dann tatsächlich ein Junge, der den Zweitnamen Johannes bekam (der Erstname war ganz anders als Elias).
    Der berühmte Enkel von Thomas Mann heißt soweit ich weiß tatsächlich Frido und sein Bruder Toni.

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    • Eine Freundin meiner Schwester würde auch als Junge erwartet, der ebenfalls Elyas hätte heißen sollen. Mit Zweitnamen wurde sie dann Elyse (mit stummen e, y ist durch die arabische Wurzeln der Familie bedingt) genannt.

  14. Gibt es denn überhaupt Männernamen, die wirklich als Abwandlung eines ursprünglich rein weiblichen Namen entstanden sind? Außer Maria als Zweitname fällt mir da gerade nix ein…

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    • Finjas vielleicht? Oder Milas? Liano? Oder Leonas, der hat zwar auch eine „richtige“ Herleitung, aber ob es die ist, die die Eltern begeistert …? Der von dem Mädchennamen irgendwie vertraute Klang spielt sicher oft eine Rolle.

    • Ja, da gibt es schon ein paar. Als ziemlich klaren Fall in dieser Hinsicht stufe ich Selmar als Ableitung von Selma ein. Dann ist mir mal der Name Annikar über den Weg gelaufen, der wohl als Movierung von Annika zu deuten ist.

      In Ostfriesland gibt es das dann häufiger, das Buch von Tammena ist da eine wahre Fundgrube: Sinus und Minus von Sina und Mina, Ankeus von Anke, und viele andere mehr.

    • Das wäre mal eine coole Liste – Name ins andere Geschlecht umgewandelt. Von männlich zu weiblich gibt es viele. Andersrum weniger…

      Markusine
      Karline
      Ernestine
      Michaela
      Daniela
      Emilia…

  15. Mir sind noch einige Namen eingefallen. In unserer Firma hat ein Tanjo angefangen. Den Namen hatte ich vorher noch nie gehört.
    In meiner Schulklasse gab es mal einen Michelle.
    Im Kindergarten meiner Jungs ist eine kleine Ivar.
    Mein Vater hat geschäftlich einen Heike kennengelernt, der ziemlich genervt war, dass mein Vater den Namen spannend fand und erwähnt hat, dass meine Mutter auch so heißt.

    Meine Großtante hat erst bei der Geburt erfahren, dass sie Zwillinge erwartet. Die Kinder heißen Dietmar und Dietlinde.
    Ich weiß von einer Familie, deren Kinder Jan, Jana und Jule heißen (keine Zwillinge darunter).

    Frieda und Frieder würde hier im Norden nahezu gleich ausgesprochen…

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  16. Huhu, ich habe meine Tochter Maximilia genannt. Und ja ich bekomme häufig die Frage, ob sie nicht eigentlich ein Junge werden sollte (nee ich bin völlig happy mit dem Geschlecht, als Junge wäre sie ein Stellan geworden). Ich bin Erzieherin und wollte unbedingt einen Namen, welchen man nicht ständig hört.
    Tatsächlich bin ich etwas genervt von dem Ganzen „sollte wohl ein Junge werden“. Mittlerweile antworte ich immer…“Na Petra, sie sollten wohl eigentlich ein Peter werden, oder Julia ein Julian, Manuela ein Manuel usw“ Bisher hats immer geklappt, da ja nun wirklich viele Namen auch anders geschlechtliche Versionen haben.
    Aber im Grunde finden Menschen immer einen unangebrachten Kommentar, egal bei welchem Name. Mir ist es letztens auch beinahe passiert, als ich einer Frieda Friedrich begegnet bin:D.

    Mein Fazit: Wenn euch Frido gefällt, dann nennt euren Sohn so:D

    LG Karina

    Antworten
    • Und bei einem Jungen namens Stellan wären dann die Kommentare „Es sollte eigentlich eine Stella werden“ sicher nicht ausgeblieben. Astrid Lindgren hin Astrid Lindgren her.

  17. Hatten wir schon Sophian in der Sammlung? Ich hatte zunächst gedacht, es sei eine reine Vermännlichung von Sophia, ist es aber wohl nicht.

    Im Bekanntenkreis haben wir eine Jannika, da lag der Verdacht auch nahe, es sollte ein Jannik werden. Aber ich habe nie gefragt, es geht mich ja nix an. 🙂

    Antworten
    • Ja, bei Sophian liegt der Teufel im Detail, mit f in der Mitte geschrieben ist es wohl arabisch. Mit ph fände ich es seltsam.

    • @Annemarie

      Lucian ist für mich sehr männlich und besetzt durch den Maler Lucian Freud (wenn ich mich richtig erinnere ein Nachfahre von Sigmund Freud).

  18. Als ich den Namen Anian zum ersten Mal hörte, hörte es sich für mich an wie eine männliche Form von Anja.
    Hat aber einen ganz anderen Namensursprung (Vom Heiligennamen Anianus). Mittlerweile ist mir auch die weibliche Form dazu begegnet: Aniana.

    Ich gehe übrigens davon aus, dass die Eltern genau den ausgewählten Namen für ihr Kind ausgesucht haben.
    Das Phänomen, dass aus dem geplanten/gewünschten Michael einfach eine Michaela gemacht wurde o.ä. mag es vor allem früher ab und zu gegeben haben.
    Heutzutage höchstens sehr selten. Erstens weiß man das Geschlecht in der Regel viel früher und hat entsprechend mehr Zeit, sich einen Namen für das tatsächliche Geschlecht zu überlegen.
    Zweitens machen nach meinem Eindruck sich viele Leute viel mehr Gedanken über Namen als es früher üblich war.

    Ich nehme Namen für sich genommen wahr: Klang, Bedeutung, Assoziationen …; manchmal mag es mit eine Rolle spielen, ob es eine männliche bzw. weibliche Version gibt bzw. der Name eine abgeleitete Form eines anderen Namens ist.
    Es ist auch individuell und orts-/zeitbezogen, wie Namen auf einen wirken:
    Beispiel: in meiner Schulzeit waren die weiblichen Vornamen Daniela und Gabriele viel mehr verbreitet als die männlichen Vornamen, von denen sie abgeleitet worden sind.
    Gabriel war für mich der Engel aus dem Weihnachgsevangelium, aber so hieß kein Mensch.
    Und der erste Daniel, der mir begegnete, war ein Turm. Also war Daniel für mich – als Kind – ein Turmname und kein Kindername. Als mir dann die ersten menschlichen Daniels begegneten, dauerte es eine Zeitlang, bis ich das nicht mehr komisch fand.

    Maximiliane ist für mich kein Name für ein Mädchen, das eigentlich ein Maximilian hätte werden sollen, sondern für mich verbunden mit der Figur der Maximiliane Quint aus der Poenichen-Trilogie von Christine Brückner. Ein Name, den ich eher nicht selbst vergeben würde, aber den ich mag – und ganz anders assoziiert als Maximilian.

    Viele Grüße

    Antworten
  19. Mir ist in einem Buch der Name Ireneus/äus begegnet, im Gegensatz zu Irene (in Oberschlesien und Polen ein recht häufiger Vorname) ist mir dieser Name noch nie in Echt begegnet.

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  20. Interessantes Thema.

    In meiner Schulzeit gab es auch mehrere Gabrieles, aber keinen einzigen Gabriel. Gabriel kam erst viel später in Mode, Gabriel gehört eher zur Generation meiner Kinder (2000er Jahre).

    Da gibt es noch mehr Beispiele:
    Manuela / Manuel – Manuela war während meiner Schulzeit auch häufig. Aber ein Manuel ist gefühlt 10 Jahre jünger als ich.

    Das gleiche gilt für Simone / Simon. Ich hatte zwei Simones in meiner Klasse. Dagegen ist Simon ein häufiger Name in der Generation meiner Kinder. Simon hat es auch schon in den 80ern gegeben, aber ich kenne keinen.

    Daniel und Daniela hat es zumindest in meinem Umfeld schon nebeneinander gegeben. Daniel fühlt sich für mich nicht jünger an als Daniela.
    Daniela taucht bei den Kindernamen überhaupt nicht mehr auf, aber Daniel gibt es ab und zu mal.

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    • ich kenne einen Simon, Anfang 40, der mit einer Simone, ebenfalls Anfang 40, verheiratet ist – die Tochter heißt (allerdings mit dem Zweitnamen) Simonetta – wie findet ihr das?

    • @MariaTh
      Da Simonetta nur der Zweitname ist, kann man das machen. (Wobei ich dann Simone im Original oder meinetwegen auch Simona besser gefunden hätte.) Als Rufnamen hätte ich Simonetta ziemlich merkwürdig gefunden, wenn die Eltern Simon und Simone heißen.

    • Dass Simon und Simone sich finden, halte ich für unwahrscheinlicher als Michael und Michaela oder Peter und Petra (zumindest in ihren Modezeiten).
      Die Tochter Simonetta zu nennen finde ich daher einen gelungenen Einfall – deutlich eine Generation später, aber eigenständig genug, um nicht als Abklatsch zu gelten.
      Und das Problem, dass sich bei Familienfeiern gleich drei Generationen von Franz oder Maria angesprochen fühlen, entfällt auch.

  21. Zu den Namen und ihrer Generationenverteilung.

    Gabriele ist ja so ein typischer Nachkriegsname, eine Nachbarin heißt so und meine Mutter, die noch keine fünfzig ist (sie ist aber die einzige in ihrem Alter, die ich kenne). Eine Gabriella hingen ist immer jünger als ich (wobei meine Mutter in Polen auch Gabriella hieß, als sie mit meinen Großeltern aussiedelte wurde hier Gabriele draus) der Name ist unter Familien mit polnischen und russischen Wurzeln hier bei uns sehr beliebt. Die meisten Gabrieles/Gabriellas werden Gabi gerufen.
    Gabriel hingehen heißen Jungen, im Alter meiner Schwester (12) oder noch jünger.

    Daniel/ Daniel. Ich kenne einige Daniel in meinem Alter (Mitte zwanzig) und eine Daniela, die sind in der Regel aber alle älter, wobei ich in meinem ersten Praktikum einer damals neunjährigen Daniela begegnet bin und sehr erstaunt war, zumal ihr jüngerer Bruder mit Lukas einen ganz typischen Namen für die Zeit hatte.

    Manuel/Manuela Manuels sind in meinem Alter und jünger. Meistens werden sie mit Manu abgekürzt. Manuelas sind hingegen zehn bis zwanzig Jahre älter, wobei ich -Ausnahmen bestätigen die Regel- mit einer Manuela zur Grundschule ging (und einem Heiko, das war schon ungewöhnlich für die Zeit).

    Luis/ Luisa sowie Louis/Louisa
    Luisas kenne ich viele in meinem Alter, aber keinen einzigen Luis, die sind alle mindestens zehn, eher fünfzehn Jahre jünger als ich.

    Patrick/Patricia
    Patrick war recht beliebt in meiner Generation, ich bin mit mehreren zur Schule gegangen, den Namen Patricia hingegen kenne ich nur aus Jugenderzählungen meiner Eltern.

    Genauso
    Philipp/Philippa
    Philipp war der Name meiner Generation (so hätte ich gehießen, wenn ich ein Jungen geworden wäre). Ja, ab und zu lese ich hier oder in der Zeitung immer noch über kleine Philipps, aber nicht mehr so gehäuft.Philippa hingegen lese ich erst seit ein paar Jahren. Eine Philippine/Philippina hingegen wurde hingeben im 19. Jahrhundert geboren.

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  22. @Miez
    Dann ist deine Mutter etwa so alt wie ich und deine Schwester ist so alt wie meine Tochter. 😉

    Zu Gabriele: Ja, Gabriele gab es ab der Nachkriegszeit, lange vor den 70er Jahren. Aber in meinem Umfeld gab es noch Gabis, die ungefähr in meinem Alter waren. Heute werden ja auch Namen an Babys vergeben, die schon vor 20 oder 30 Jahren ‚in’ waren.

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