Minerva oder: Wie nervig sind Assoziationen?

Einerseits gefällt mir der Name Minerva. Schöne Bedeutung („Die Kluge“), klare Schreibweise, drei Vokale. Ich mag seltene Dreisilber und außerdem Minerva McGonagall bei „Harry Potter“. Andererseits denke ich bei Minerva aber automatisch „Meine Nerven!“. Ich finde auch Lavinia schön, habe aber mal vom irgendwem gelesen, der damit „Lawine“ verband. So eine Fremd-Assoziation klebt wie alter Kaugummi. Ich zumindest kriege sie nicht aus dem Kopf. Und der romantische Doktor-Schiwago-Name Tonya, für mich viel spannender als Lara? Klingt leider ein wenig nach Tonne.

Assoziationen können einem die schönsten Namen vermiesen. Die Frage ist nur: Wollen wir das zulassen? Irgendwelche Anklänge an Worte oder Personen bringen viele Namen mit sich. Wobei zu unterscheiden wäre zwischen negativen, positiven und neutralen Assoziationen sowie jenen, die nur wenige Eingeweihte oder Um-die-Ecke-Denker haben, und anderen, die sich jeder Nicole Müller/jedem Stefan Meier unweigerlich aufdrängen. Zu Rhea fällt sicher vielen die Reha ein. Doch nur wenige wissen, dass Amelie nicht nur ein Name, sondern auch eine Krankheit – das angeborene Fehlen von Gliedmaßen – ist.

Thomas Anders mit Nora-KettchenMuss der Name Morten immer den „a-ha-Effekt“ auslösen? Denkt bei Nora noch jeder an Herrn Anders und sein Kettchen? Meiner Meinung nach lässt sich das vernachlässigen. Obwohl es keinesfalls schadet, bei der Namenswahl über Assoziationen nachzudenken. Die Stars der 80er jedenfalls sind so weit in den Hintergrund gerückt, dass wirklich junge Menschen sie nicht mehr kennen und noch vorhandene Erinnerungsreste bei älteren „überschreibbar“ sein dürften. Wenn ein seltener Vorname plötzlich im eigenen Umfeld (der neue Kollege, der Schulfreund des Sohnes) auftaucht, empfindet man den nach einer Weile ja auch als viel normaler und eben zu diesem bestimmten Menschen gehörig als am Anfang.

Neulich las ich von einem Jungen namens Artus, dachte prompt „Tafelrunde“, „Heiliger Gral“ und „Ritter der Kokosnuss“. Etwas schade für diesen interessanten, in die Riege von Linus und Justus passenden Namen. Ebenso könnte ich bei Julius an Cäsar denken. Tue ich aber nicht. Julius ist viel eher ein unbeschriebenes Blatt, weil der Name unter Kindern relativ verbreitet ist. Vielleicht ist es auch das: Je ungebräuchlicher ein Name, desto stärker arbeitet unsere Assoziations-Maschinerie. Es gilt, das Unbekannte einzuordnen. Mancher Name scheint zudem durch den Gebrauch in ganz anderen Bereichen besetzt zu sein. Gabor (Schuhe) und Severin (Elektrogeräte) zum Beispiel. Auch hier würde ich aber sagen: Wer den Namen mag, bei wem er etwas zum Klingen bringt, der möge ihn sich trotzdem schnappen! Lasst Euch nicht irremachen – bitte auch nicht von meinen Assoziationen.

Thema: Namensgebung

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

5 Kommentare zu "Minerva oder: Wie nervig sind Assoziationen?"

  1. Blume sagt:

    Morten? In wie fern? Motten und Tod (frz. mort) fällt mir dazu ein, aber ich vermute, ich liege falsch?!

  2. Marcus sagt:

    Lucius ist auch so ein Name. Hier würde jeder nicht klassisch gebildete Hörer an z.B. Luzifer oder diese Gestalt aus Harry Potter denken.

  3. Ayame sagt:

    Minerva hieß das Festkommittee an meiner Schule. 🙂

  4. Schtroumpfette sagt:

    „Vielleicht ist es auch das: Je ungebräuchlicher ein Name, desto stärker arbeitet unsere Assoziations-Maschinerie. Es gilt, das Unbekannte einzuordnen.“

    Genau so sehe ich das. Häufige Namen wie „Lea“ oder „Leon“ rufen bei uns vermutlich sofort Assoziationen mit Leuten, die wir mehr oder weniger kennen, hervor. Bei selteneren Namen wird erstmal die „Suchmaschine“ angeschmissen, um irgendeinen Bezug zum bereits Bekannten herzustellen.

    Mir ging es vor langer Zeit bei dem Namen Chloé so. Und nun habe ich immer eine eher unschöne Assoziation mit diesem Namen im Kopf… Aber ich glaube, wenn ich den Namen klanglich sehr schön fände, würde mich das vielleicht nicht so sehr stören.

    Ich kann mir vorstellen, dass viele, die den Namen Amelie vergeben, die Namensbedeutung doch kennen, aber darüber hinwegsehen, weil sie den Namen klanglich vielleicht einfach mögen und die Bedeutung durch die Häufigkeit des Namens etwas in Vergessenheit gerät.

    Ariel finde ich z.B. klanglich gar nicht schlecht, aber vergeben würde ich den Namen nicht, da die Assoziation, die dieser Name durch seine Seltenheit in Deutschland vermutlich bei allen auslösen wird, für das Kind sicherlich ein Nachteil (Kindergarten, Schule,…) ist.

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