Vornamen-Interview mit Juma Kliebenstein

Juma Kliebenstein
Juma Kliebenstein

Sie heißen Martin, Karli, Luna, Stella … die Helden und Heldinnen der von meiner Tochter sehr geliebten Bücher von Juma Kliebenstein. Als ich mich mit der Autorin zum Vornamen-Interview verabrede, gibt‘s erst mal eine Überraschung: Die gebürtige Saarländerin verrät, dass sie einen Künstlernamen trägt. Wie es dazu kam, was in ihrem Ausweis steht und wie sie Namen für ihre Figuren findet, hat sie mir erzählt.

Wie lautet Ihr vollständiger Vorname?

Mein Künstlername ist Juma, geboren bin ich als Juliane Gisela.

Wie werden Sie genannt?

Die meisten Leute, die mich schon lange kennen, sagen Juliane, aber manchmal kommt auch da ein „Juma“ durch. Andere wiederum nennen mich fast durchgängig Juma. Für mich ist beides okay. Ich bin es gewohnt, mit unterschiedlichen Namen gerufen zu werden: In der Schule haben mich manche Lehrer immer wieder versehentlich Susanne genannt. Vermutlich war das vom Klangbild und ihrem Erfahrungsspektrum her meinem Namen am ähnlichsten. Freundinnen meiner Großmutter nannten mich Julia. In der Grundschule haben Freunde mich Julchen nennen wollen, das habe ich aber sofort unterbunden. Hin und wieder nannte mich ein Lehrer auch Christiane, weil so meine beste Freundin und Sitznachbarin hieß.

Mögen Sie Ihren Geburts-Vornamen?

Juliane mag ich sehr.

Gibt es auch etwas, das Sie an Ihrem Vornamen stört?

Nein, da passt alles. Höchstens mein zweiter Vorname Gisela, den fand ich lange Zeit altmodisch, aber mittlerweile habe ich mich auch damit angefreundet. Da ich mehrere Vornamen ohnehin schön finde, bin ich damit zufrieden. In meiner Grundschulzeit war der Name Juliane allerdings – zumindest hier im Saarland – sehr ungewöhnlich. Ich bin oft mit der Sängerin Juliane Werding assoziiert worden. „Wie heißt du?“ – „Juliane.“ – „Oh, wie Juliane Werding, haha.“ Ich konnte es nicht mehr hören. Zumal die gute Frau eher deprimierende Musik gemacht und nun auch nicht gerade den Eindruck sprühenden, fröhlichen Lebens verbreitet hat. Na, irgendwann war ihre Glanzzeit vorüber und damit auch die ständigen Vergleiche.

Wissen Sie, warum Ihre Eltern Sie so genannt haben?

Was meinen ersten Namen betrifft, weiß ich das tatsächlich nicht, werde gleich mal meine Mutter fragen. Mein zweiter Vorname geht auf die Frau meines Patenonkels zurück. Es war klar: Werde ich ein Mädchen, wird er mein Patenonkel, werde ich ein Junge, wird sie meine Patentante. Sie war so enttäuscht, nicht Patentante zu werden, dass meine Mutter ihr mit meinem zweiten Vornamen eine kleine Widmung gegeben hat. Das ist allerdings nur eine Variante der Geschichte. Gleichwertig daneben steht, dass meine Mutter mich nach einer in den USA lebenden Freundin benannt hat. Diese heißt ebenfalls Gisela, im Amerikanischen wird daraus aber Jill. Ich habe schon mal überlegt, ob ich nicht Juliane Gisela zu Juliane Jill umschreiben lassen soll, aber da ich mittlerweile mehr als genug Rufnamen habe, will ich für einen zweiten Vornamen kein Fass aufmachen.

Würden Sie lieber auch „richtig“ Juma heißen? Gibt oder gab es einen anderen Wunschnamen?

Weder noch.

Wie sind Sie auf Ihren Künstler-Vornamen gekommen?

Den habe ich mir ausgedacht, als ich bereits 34 Jahre alt war. Juma besteht aus den jeweils ersten beiden Buchstaben von Juliane und Marc – so heißt mein Mann. Der Name ist mein Dankeschön an ihn, weil er mich sehr in meinem Wunsch unterstützt hat, Autorin zu werden. Gefällt mir viel besser, als jedes Mal die gleiche Widmung im Buch stehen zu haben. Für meinen Traumberuf habe ich meine sichere Stelle als Lehrerin aufgegeben, die uns beide finanziell getragen hätte. Mein Mann hat damals noch studiert. Wir haben beide über mehrere Jahre Nachtschicht in einer Fabrik gemacht, bis ich mit meinen Büchern genug verdient habe, um davon leben zu können. Schön ist der Name außerdem. Nicht auszudenken, wenn mein Mann Klaus hieße: Jukl Kliebenstein wäre nicht ganz so charmant … Erst als ich Juma auf dem Amt in meinen Personalausweis eintragen lassen wollte, habe ich erfahren, dass es den Namen sogar schon gibt, vornehmlich im afrikanischen und arabischen Sprachraum als Jungennamen.

Wie sind die Reaktionen auf Juma – denken die Leute dabei an einen Mann? Oder vielleicht an Schauspielerin Uma Thurman?

Es wird neugierig nachgefragt, woher dieser hübsche Name stammt. Die Leute gehen häufig davon aus, dass ich bereits auf diesen Namen getauft wurde. Verwechslungen oder Assoziationen mit anderen Menschen gab es bisher noch nicht. Das finde ich sehr angenehm.

Wurde der Name von der Behörde gleich akzeptiert?

Anfangs haben sich die Behörden ziemlich sperrig angestellt. Das lag aber nicht am Namen selbst, sondern eher daran, dass es damals die Kategorie „Künstlername“ im Ausweis nicht mehr gab – die wurde erst ein paar Jahre später wieder eingeführt – und ich ihn als zweiten oder in meinem Fall dritten Namen hätte eintragen lassen müssen. Das scheint schwieriger zu sein. Als es die Rubrik dann wieder gab, musste ich nix erklären, sondern nur nachweisen, dass ich unter diesem Namen in der Öffentlichkeit bekannt bin.

Wann nutzen Sie Ihren Künstlernamen?

Immer dann, wenn es ums Berufliche geht, also zum Beispiel auch, wenn ich auf Lesereisen in Hotels einchecke oder Verträge unterzeichne. Dass ich eine klare Trennung zum Privaten habe, hilft auch bei der Steuererklärung. Im Privaten nenne ich mich größtenteils Juliane, auch weil Juma für mich durch den Job immer was Kindliches hat. Natürlich verschwimmen die Grenzen bei Menschen, die ich durch die Arbeit kennengelernt habe und mit denen im Lauf der Zeit eine private Beziehung entstanden ist. Mir ist nur wichtig, dass mein Taufname Juliane nicht verschwindet. Aber das wird er auch nicht.

Wie kommen Ihre Figuren zu ihren Namen?

Manchmal taucht die Figur in meinen Gedanken schon mit ihrem Namen im Gepäck auf. Bei „Tausche Schwester gegen Zimmer“ hat sich lustigerweise im Nachhinein erwiesen, dass mein Unterbewusstsein wohl schon gearbeitet haben muss, denn dass Luna, Mond, dann ausgerechnet Stella, Stern, zur Stiefschwester bekommt, war nicht absichtlich so gewählt. Und bei „Der Tag, an dem ich cool wurde“ habe ich irgendwann gedacht, mhmm, die Kombination Martin und Karli, Martins bester Freund, kommt mir iiirgendwie bekannt vor. Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes der Reihe bin ich darauf gekommen, dass mein Unterbewusstsein mich da wohl an ein Buch erinnert hat, das ich als Kind sehr geliebt habe: „Ein Autobus, groß wie die Welt“ von Johannes Mario Simmel. Da heißt die Hauptfigur Martin, ein etwas dicklicher, bebrillter Außenseiter, der sich um den dünnen, schwachen Karli kümmert.

Und wie läuft es, wenn Sie bewusst nach einem Namen suchen?

Ich habe immer viel Spaß daran, zu überlegen, welcher Name die Eigenschaften der Figur am besten repräsentiert. Bei Anton und Antonia aus den gleichnamigen Bänden zum Beispiel habe ich nach Namen gesucht, die für Mädchen und Junge gleich sind, und dann aus der Liste, die mir einfiel – MichaelA, ManuelA, AntonIA, Alexander/Alexandra … –, die ausgesucht, die für mich am lustigsten klangen, weil die beiden so viel Unfug machen.

Buchcover Endlich richtig cool
Juma Kliebenstein – Endlich richtig cool!

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1 Gedanke zu „Vornamen-Interview mit Juma Kliebenstein“

  1. Juliane Gisela klingt sehr edel–so könnte auch eine Gräfin heißen. Den Namen Gisela finde ich ganz besonders klangvoll und sympathisch. Juliane fand ich schon immer interessanter und stattlicher als Julia.

    Juma klingt einzigartig und mysteriös. Eignet sich als Künstlername. Wäre mir als realer Name zu gebastelt und exotisch. Kliebenstein ist ein schöner Nachname, der auch etwas gräflich klingt. Also, Juliane Gisela Kliebenstein ist ja echt aristokratisch klingend.

    Wäre ich ein Autor, würde ich mich auf jeden Fall hinter einem Pseudonym verstecken, denn ich würde wohl Bücher schreiben, die vom echten Leben inspiriert wären, und somit Menschen in meinem Umfeld und mich selbst zu sehr bloßstellen könnten, wenn ich den realen Namen bekannt gäbe.

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