Verdorbene Vornamen

Es gibt Namen, die mal ganz normal und unverfänglich waren und dann aufgrund gesellschaftlicher Ereignisse in Verruf geraten sind und so für die Eltern verdorben wurden. Alexa ist so ein Name, der erst vor wenigen Jahren in unseren Modenamenkreislauf eingestiegen ist und immer häufiger vergeben wurde. Seitdem Amazon einen digitalen Sprachassistenten so nannte, klagen Alexas über Hänseleien und folglich wird der ehemals beliebte Vorname kaum noch vergeben. In meiner Stichprobe von diesem Jahr ist Alexa erst zwei Mal aufgetaucht und kurz davor, ganz auszusterben.

Greta hat es erwischt

Corona wäre eigentlich auch so ein verdorbener Vorname, doch in Deutschland kam dieser Name schon vor der Pandemie nur sehr selten vor. Erwischt hat es jetzt aber Greta. Ende letzten Jahres war noch keine Auffälligkeit zu verzeichnen, der Name stagnierte auf Platz 30 der Mädchennamenrangliste. In meiner aktuellen Hochrechnung der 2020er Vornamenhitliste ist er auf Rang 100 abgestürzt. Es ist sehr ungewöhnlich, dass sich ein Name innerhalb eines Jahres so stark verändert und zeigt, dass Greta inzwischen besetzt ist und als Babyname für viele Eltern nicht mehr in Frage kommt.

Einen deutlich unauffälligeren, aber dennoch signifikanten Abwärtstrend habe ich auch für den Jungennamen Vincent erkannt. Ob Sarah Connors gleichnamiger Hit aus dem Vorjahr da eine Rolle spielt? Der Song wurde kontrovers diskutiert, so dass womöglich Befürchtungen entstanden sind, der titelgebende Vorname könne zum Klischeenamen werden. Apropos Klischeename, wo bleibt Kevin? Das ist in meinen Augen der Prototyp der verdorbenen Vornamen, so dass ich mich sehr wundere, dass es immer noch Eltern gibt, die ihren Sohn so nennen.

Urvater der verdorbenen Vornamen

Der Urvater der verdorbenen Vornamen dürfte Adolf sein – einer der beliebtesten Vornamen am Ende des 19. Jahrhunderts, dessen Abschwung 1933 durch ein gesellschaftliches Ereignis jäh gebremst wurde. Das Comeback war aber nur von kurzer Dauer und ab 1942 fand der Name Adolf (und wohl auch das prominente Namensvorbild) immer weniger Anhänger. Für einige Namensträger war der Name schon 1933 verdorben. So wird im Dokumentarfilm Generation Adolf von einer Frau namens Adolfine erzählt, die nach der Machtergreifung „den Adolf geköpft hat“ und sich fortan Ine nannte.

78 Gedanken zu „Verdorbene Vornamen“

  1. Also ich finde, dass Seraphine nach meinen Erfahrungen auch schlecht wegkommt. Besonders, wenn man die Schreibweise in Betracht sieht. Ich habe auch mitbekommen, dass diese Sonderstellung dieses Namens einen eher auf den Sonderposten stellt. Fragen Sie mal eine Franziska oder eine Seraphine. Der Name Franziska wird meist mit Kampf gegen Rassismus in Verbindung gebracht. Aber Seraphine eher mit Mädchen sein und Umstandsmode. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Das kann ganz schön belastend sein.

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  2. In der Schule (Ende 60er Jahre) hatte ich eine Klassenkameradin, die tatsächlich Adolfine hieß. Ich weiß nicht, was sich die Eltern dabei gedacht haben, ein Kind Anfang der 60er Jahre noch so zu taufen. Die geschichtliche Aufarbeitung der Nazi-Zeit war damals noch nicht so weit aber ich hätte meine Eltern doch irgendwann verklagt. Hoffentlich ist bei ihr kein Trauma entstanden.

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