Als drittes nun ein Junge, aber wie soll er heißen?

Liebe Namensfetischisten, -experten und -liebhaber!

Ich lese diese Seite seit Jahren, sie gehört zu meinen liebsten im Netz! Was wäre ein Freitag ohne „Vornamen der Woche“! Heute wende ich mich zum ersten Mal an die debattierfreudige Gemeinschaft – es geht um die Suche nach einem Jungennamen.

Fragende Mutter © Miyuki Omori - fotolia.com
Illustration © Miyuki Omori – fotolia.com

Wir erwarten unser drittes Kind, nach zwei Mädchen wird es diesmal ein Bub. Die Namensgebung fällt uns hier noch schwerer als als die letzten beiden Male. Unser Nachname ist einsilbig, vom o in diesem dominiert und wenig klangvoll. Für die Mädchen haben wir uns deswegen für nicht zu schlichte Namen entschieden:
Frederica Apollonia und Carlotta Elisabeth. (Friederike hat eine lange Tradition in meiner Familie, schien mir aber in seiner klassischen Form zu streng. Deswegen Frederica. Carlotta hat sich am dritten Tag nach der Geburt als Rufname gegen Antonia und Elisabeth durchgesetzt. Elisabeth wird in beiden Familien seit Generationen vergeben.)

Für einen Sohn wünschen wir uns einen weniger langen Namen. Klar und klangvoll sollte er sein, aber nicht majestätisch. Deswegen scheiden – obwohl mein Mann Bayer ist – Leopold, Luitpold, Maximilian, Quirin oder Korbinian etc. aus. Wir wohnen auch nicht in Bayern, sondern im Rhein-Main-Gebiet.
Wichtig bei der Auswahl wäre, dass der Rufname zum Zweitname Richard und zum eventuellen Drittnamen Liborius passt. (Beides Familiennamen, aber vor allem Richard als Zweitname ist ziemlich sicher gesetzt.)

Gestern gefiel uns beiden folgender Namen erstaunlich gut:

  • Lorenz

Und die folgenden wurden bislang von keinem von uns augenrollend abgelehnt:

  • Lutz
  • Arthur
  • Georg

Mein Mann mag auch Wenzel, aufgrund seiner böhmischen Wurzeln. Ich hätte nichts gegen einen Titus. Aber vielleicht bringt Ihr uns noch auf ganz andere Ideen?

Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf rege Kommentare.
Herzlichen Dank, Katharina

Und außerdem …

175 Gedanken zu “Als drittes nun ein Junge, aber wie soll er heißen?”

  1. Ihr seid kultivierte Leute, das merkt man nach zwei Sätzen. 🙂

    Den Konnex zwischen Wenzel und Böhmen schnallt in Deutschland heute leider kaum ein Mensch mehr. Aber was schnallen die Neudeutschen schon überhaupt noch?

    Lorenz finde ich sehr gut und tradionell – im Gegensatz zum allgegenwärtigen Laurenz, Laurens, Laurits, Lakritz etc.

    Arthur klingt in meiner Generation immer noch ein bißchen nach Rußlandddeutscher. Man denke auch an den armenisch-stämmigen Profi-Boxer Arthur Abraham. (Werde nie vergessen, wie ich bei der „Blutschlacht von Wetzlar“ 2006 atemlos vor der Glotze gehockt habe!)

    Georg Richard finde ich ganz toll!! Das wäre im Zweifelsfall meine Wahl.

    Das ist glaube ich das erste Mal, daß ich hier den Namen Liborius höre. Das ist ein Stadtheiliger in Paderborn im südlichen Ostwestfalen. Berühmt ist er bis heute u.a., weil Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel („Der tolle Christian“, „der Wilde Herzog“, ein fanatischer, welfischer Protestant) im Dreißigjährigen Krieg nach der Plünderung der Stadt 1622 den silbernen Libori-Schrein hat einschmelzen lassen, um Christians-Taler daraus schlagen zu lassen. Inschrift: „Gottes Freund, der Pfaffen Feind“.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pfaffenfeindtaler

    Also: Liborius ist ein sehr katholischer Name.

    Christian Liborius wäre amüsant, aber den Witz schnallt auch mal wieder kaum ein Mensch.

    Der römische Kaiser Titus war ein guter Kerl. Man könnte auch an den Titus Andronicus von Shakespeare denken…

    Tut mir leid, wenn das jetzt nicht sehr konstruktiv war. Mit all Euren Ideen macht ihr m.E. nichts falsch. Nur Lutz klingt vielleicht ein bißchen zu sehr nach 1960er-Gewächs?

  2. Hallo Katharina,
    Lorenz gefällt mir auch ausgesprochen gut!
    Von den anderen dreien finde ich Georg am besten. Er ist ebenso klassisch wie Lorenz, wirkt aber etwas einfacher und volkstümlicher.
    Arthur wirkt auf mich doch etwas majestätisch, eben nach dem englischen Königshaus. Die Assoziation mit Russlanddeutschen habe ich auch in meiner Generation noch (Mitte 1990er). Jetzt spielt das sicher keine Rolle mehr.

    Lutz finde ich am auffälligsten in der jetzigen Generation, der ist schon ziemlich lange aus der Mode gekommen und noch nicht groß wiederentdeckt worden. Euren Nachnamen kenne ich ja nicht, aber nach dem, was du geschrieben hast (einsilbig, eher klanglos mit o) würde ich die Kombination als eher suboptimal einschätzen.

    Weitere Vorschläge:
    Viktor – wie bei Arthur muss ich bei älteren Namensträgern an Russlanddeutsche denken, ist aber für mein Gefühl noch nicht so modisch wie Arthur
    Kilian – in vielen Teilen Deutschlands recht neu, im Würzburger Raum sehr traditionell
    Johann – der Namensklassiker schlechthin
    Franz, Moritz – noch mehr mit der z-Endung
    Gregor
    Anton
    Josef
    Peter
    Philipp
    Jakob
    Markus
    Clemens
    Kaspar
    Armin

    • Ich stimme Leonie vollkommen zu, was Lutz und Arthur angeht:

      Arthur und Arnold haben mittlerweile wohl ihren rußlanddeutschen Sound verloren – auch durch die perfekte Integration unserer rußlanddeutschen Landsleute. Lutz ist aber eben ein bißchen altmodisch…

      Clemens und Gregor sind ebenfalls „katholische Namen“, eben auch Papstnamen. Josef klingt auch katholisch. Kilian sowieso. Wenn Katharina Katholikin ist, ginge das aber sofort durch. (Ein alter Bekannter von mir – Fallschirmjäger-Offizier – hieß Clemens. Aber das ist nur eine persönliche Erinnerung.)

      Nochmals zu Lutz. Kann sich noch jemand an den Leichtathleten Luz Long erinnern? Der hieß eigentlich Carl Ludwig, wurde aber immer Luz genannt. Er hat bei den Olympischen Spielen 1936 Hitler zur Weißglut gebracht, weil er öffentlich mit dem Schwarzen Jesse Owens fraternisiert hat. Luz Long ist dann im Krieg gefallen – ein deutscher Held. Ich hatte vor einigen Jahren die große Ehre, mit Luz Longs Tochter, einer sehr würdigen alten Dame aus Hamburg, E-Mails zu wechseln.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Luz_Long

      Aus spanisch ist „Luz“ übrigens „Licht“. Vielleicht hätten Lutz oder Luz wirklich ein Revival verdient…

  3. Ich schreibe mal meine spontanen Gedanken zu Euren Favoriten:

    Warum Richard nicht als Vorname und Liborius als Zweitname?

    Lorenz finde ich gut zu den beiden Mädchennamen, wobei Laurenz vom Stil her noch besser passt. Lorenz Richard bzw. Laurenz Richard kann man machen, auch wenn das R doch etwas zu schnell wiederkommt und mir die Kombi zu bunt in den Vokalen ist.

    Lutz finde ich sowohl zu den beiden Mädchennamen als auch im Hinblick auf den einsilbigen, dunklen Nachnamen nicht so passend.

    Frederica, Carlotta und Arthur / Georg /Wenzel sind auch schon sehr viel Kontrast im Stil, auch wenn es schöne Namen sind. Mir wollen da doch eher Namen dazu passen, die eine moderne Abwandlung eines herkömmlichen Namens sind.

    Frederica, Carlotta und Nicolas würde z.B. richtig gut passen (in allen drei Namen ein Silbenanfang mit C an jeweils anderer Stelle). Nicolas Richard bzw. Nicolas Richard Liborius gehen auch gut, Nicolas mit einsilbigem o-Nachnamen auch (z.B. Nicolas Wolf).

    Ich würde zum Nachnamen mit O auch nicht unbedingt einen Namen mit U dazu nehmen, vor allem nicht in der Endsilbe. Bei Liborius ist der Effekt durch die I-Dominanz und die Aufnahme des Os wie im Nachnamen ausreichend abgeschwächt, aber Lutz Wolf oder Titus Wolf wollen mir nicht so recht gefallen.

  4. Schöne Namen haben eure Mädchen!

    Ich habe auch teils böhmische Wurzeln. Wenzel finde ich toll. Neben den Namen der Schwestern wirkt er vielleicht etwas kurz, weil man evtl. die Langform Wenzeslaus im Hinterkopf hat. Aber ihr sucht ja gerade einen kürzeren Namen, und wenn euer Sohn drei Namen bekommt, passt es auch wieder besser zu den Schwestern.

    Lorenz gefällt mir gut, obwohl das O nicht so mein Vokal ist. Lutz würde ich höchstens als Nachbenennung vergeben. Georg und Titus finde ich nicht schlecht. Arthur ist einer meiner Lieblingsnamen. Er wirkt sehr stark und robust und hat klanglich etwas Dunkles.

    Vorschläge:

    Anton
    Armin
    Bruno
    Clemens
    Felix
    Fritz
    Kurt
    Marius
    Mark(us)
    Martin
    Moritz
    Nikolas
    Quintus
    Tristan
    Viktor
    Vinzenz
    Vitus (Veit)

    Warum nicht einfach nur Richard Liborius?

  5. Wie wäre es mit…
    – Vitus (ebenfalls ein Schutzpatron von Böhmen)
    – Benedikt/ Benedict (passt meiner Meinung nach gut zu den Namen der Schwestern)

    Von Euren Favoriten gefallen mir Lorenz und Arthur am besten.

    • Ach, es ist so schade, daß die deutsche Form von Vitus – nämlich Veit – immer sofort an das englische Wort „fight“ anklingt. Es ist ja nichts gegen die Bedeutung von „fight“ einzuwenden – Jungen und Mädchen sollen ja Krieger und Kriegerinnen werden. Aber es klingt halt nach Anglizismus, obwohl es keiner ist.

      Man denke an den spätmittelalterlichen Künstler Veit Stoß – was für ein großartiger Name! Und welch ein großartiger Künstler! Seine Werke atmen fast burgundischen Geist. Und Veit Stoß könnte sich heute auch ein Porno-Darsteller benennen. 😀 (Was ich natürlich als Lob für den Namen meine.)

      Nur: Vitus klingt mir hier und heute irgendwie zu mittelschichti und schwul. :-/

      Andererseits aber: Vitus Bering, der „russische Kolumbus“. Dänischstämmiger Entdecker der Bering-Straße im Dienste des Zaren. Seine Gebeine wurden irgendwann in den 90ern exhumiert, forensisch untersucht und dann unter militärischen Ehren wieder auf der Bering-Insel bestattet.

      Ein schwieriger Name.

  6. Vielen Dank für Euer nettes und aufschlussreiches Feedback. Ich wusste, dass dieses einfach ein spannender Ort für tolle Anregungen ist.

    Nicht überraschend sind viele Vorschläge auch auf unserer längeren Liste.

    Manche findet einer von uns beiden toll, der andere weniger. (Ich schwärme für Tassilo, was mein Mann ablehnt. Er mag Victor, was mir irgendwie zu selbstgerecht und groß erscheint.)

    Auf der Liste der Möglichkeiten stand bei uns auch:

    – Bruno (aber unsere beiden Töchter sind eher blond, obwohl mein Mann das so gar nicht ist. Für Bruno würde ich mir einem vom Typ dunklen Burschen vorstellen.)

    – Jakob (zu häufig im Freundeskreis vergeben)

    – Anton (siehe Jakob)

    – Johann (auch zu oft)

    – Franz (war der Tip für eine meiner besten Freundinnen, und so heißt ihr kleiner Sohn nun – es wäre seltsam unseren Sohn nun auch so zu nennen…)

    – Gregor (wir finden Georg schöner und Gregor etwas „älter“)

    – Kurt (Ein Familienname, klingt in der Kombi mit unserem Nachnamen aber leider zu scherzhaft.)

    – Fritz (wegen Frederica ausgeschlossen, so wie Friederich leider auch.)

    – Richard ist als ganzer Name sehr schön, aber ich fürchte die Abkürzungen: Richie, Ric, Rico… Deswegen kommt er als Rufname nicht in Frage

    – Wenzeslaus in der langen Form wäre mal eine Überlegung wert.

    – Und Vitus ist eine Idee, die uns noch gar nicht kam! Danke.

    Und zu der lustigen Anekdote mit Christian – so heißt mein Mann. 😉

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Katharina

    PS: Unser Nachname beginmt mit K. Viele Vornamen, die auf -b oder -g enden, klingen nicht in Kombination.

    • Gregor vs. Georg. Das klingt ähnlich, ist aber wirklich was anderes. Gregor ist ein katholischer Papstname. Georg hingegen ist zwar auch ein Heiliger – der Schutzpatron der Ritterschaft! – ist aber „konfessionsneutral“.

      Im Kaukasus ist es üblich, den zweiten Trinkspruch auf den hl. Georg auszubringen. (Der erste Trinkspruch gebührt ihm, der Einer ist.) „Za swjatoj Georgij!“ In Ossetien verschmilzt St. Georg oft mit der altiranischen Reitergottheit Uaschterdzhi.* Danach sollte man dann auf die Frauen trinken. 🙂

      Auch das heutige russische Staatswappen zeigt den hl. Georg.

      Ich finde Georg besser als Gregor.

      *) Frauen dürfen in Ossetien seinen Namen nicht aussprechen.

    • Wow, bei Euch haben drei einen K-Laut am Namensanfang und eine Tochter als Silbenanfang. Ich glaube, dieses Muster würde ich nur verlassen, wenn mir kein anderer Name mehr mit Silbenanfangs-K gefällt.

      Von daher gefällt mir von Eurer Liste Jakob am besten. Wie wäre es sonst z.B. mit Konrad, Marko, Mirko, Lukas, Oskar, Constantin, …?

  7. K-Laute als Anfang wollen wir keinesfalls als Muster manifestieren. Deswegen: kein Kilian, Konrad, Kurt, Kasimir, Caspar, Konstantin…

    Katholischer Ursprung ist hingegen kein Problem. Die Geschichte zu Georg aber durchaus interessant. (Und weil wir es hier häufiger von Russland hatten. Wer daran interessiert ist, dem empfehle ich den Terra X-Dreiteiler „Russland von oben“, dessen dritter Teil heute im ZDF lief.)

    • (Nur ganz nebenbei: Ich kann mich dem Urteil über diesen Film nur herzlich anschließen! Auch meine Mutter, die nie in Rußland war, war begeistert davon. Das mit dem dritten Teil heute habe ich nicht mitbekommen, weil ich keinen Fernseher habe und bei mir das Programm MediathekView gerade nicht funktioniert. Herzlichen und verbindlichen Dank für den Hinweis! 🙂 )

      Gut, also kein K-.

      Bei Annemaries Vorschlag Laszlo wäre ich eher skeptisch: Es wird immer Konfusion hinsichtlich der Aussprache und Schreibung geben. Das sz wird im Ungarischen als scharfes s ausgesprochen, wird aber hier (und übrigens auch im Polnischen) oft als /sch/ interpretiert. Ein Herr Halász (bedeutet Fischer) wird hier auch permanent als /hallASCH/ ausgesprochen, obwohl es eben /HALLaass/ heißen müßte. Umgekehrt wird Sándor (=Alexander) hier meistens zu /ZANNdor/, also mit weichem s am Anfang, während es eigentlich /SCHAHNdor/ ist…

      Die ungarische Sprache ist von kristalliner Klarheit und Härte, und die Ungarinnen sind von großer Schönheit und haben einen wunderbaren Charme. Ich habe noch nie eine häßliche oder plumpe Ungarin kennengelernt. Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg-Lothringen hat natürlich fließend ungarisch gesprochen. Und die ungarische Geschichte ist ungemein interessant! Das einzige asiatische Reitervolk, das unter Wahrung seiner Identität in Europa hängengeblieben ist. Später dann eine ausgesprochene Adelskultur, nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegern schauderhaft zusammengestutzt – und seit 2015 Wächter des Abendlandes. Ich träume davon, diese Sprache zu erlernen. Nur wie gesagt: Ungarische Namen scheinen mir im Deutschen wenig alltagstauglich.

      Wie wäre es eigentlich mit Otto? Das ist majestätisch (man denke an die Ottonen im Hochmittelalter), klingt aber nicht so.

      Otto Richard finde ich gut: Otto der Große und Richard Löwenherz.

    • Einen K-Laut zu Beginn würde ich auch nicht machen. Aber der von neuhier vorgeschlagene Nicolas passt wirklich perfekt. Passt aauch stilmäßig gut. Lorenz, Georg und co finde ich zwar schön, allerdings passen sie meiner Meinung nach nicht zu den Mädchen. Ich würde schon in der moderneren italienischen Schiene bleiben…

  8. Georg Richard gefällt mir sehr! Ein “Ritschi” würde mich auch stören.

    Vielleicht noch …

    Hector
    Laszlo
    Ladislas
    Arno
    Kuno
    Ferdinand
    Hans
    Wendelin
    Wieland
    Nicolai
    Severin
    Silvan

    • Fedor… Der einzige bekanntere deutsche Fedor (also jetzt nicht das russische Fjodr) ist aber meines Wissens Fedor von Bock… Immerhin Träger des Ordens Pour le Mérite und später Generalfeldmarschall. Aber auch keine sooo sympathische Figur…

  9. Georg Richard – das würde ich gut finden.

    zu Liborius
    Es ist das ersten Mal, dass ich diesen Namen hier im Blog lese.
    @Katharina, stammt ein Teil deiner Familie aus Paderborn oder Umgebung? Liborius ist der Bistumspatron, ein regionaler Heiliger mit viel Brauchtum. Während meiner Kindheit hießen vereinzelt alte Männer Liborius. Heute heißt niemand mehr so. Außerhalb des Erzbistums Paderborn ist Liborius ziemlich unbekannt.

    zu Richard
    Ich kenne einen 19jährigen Richard, der immer nur Richard genannt wird. Es muß nicht zwangsläufig ein “Ritschi” werden.

    Die Namen eurer Töchter Frederica und Carlotta klingen ja italienisch. Dazu fällt mir spontan Marco ein, das wäre gut machbar. Oder Timo würde mir gefallen, also Timo Richard Liborius. Einen zweisilbigen Namen würde ich zu den Schwestern aber schon nehmen.

    • Ha, Mareike!

      Ich wußte, daß Du den Namen Liborius zuordnen können würdest! 🙂 Neu war mir, daß er noch in neuerer Zeit (also an alte Leute in Deiner Kindheit) vergeben wurde. Schön! Er paßt aber m.E. eigentlich nur in Paderborn und Umgebung in die Landschaft.

      Ricarda Huch dichtet historisierend über Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, also den Plünderer des Paderborner Domschatzes (aus dem Gedächtnis):

      „Lerne beten Kind und falten fromm die Händ’,
      Damit Gott den tollen Christian von uns wend!“

      („Toll“ natürlich nicht im Sinne des heutigen „wunderbar“, sondern i.S.v. „verrückt“. Vgl. Tollkirsche oder tollkühn. Der Nachname des allseits beliebten Schriftstellers J.R.R. Tolkien soll sich vom deutschen „tollkühn“ ableiten.)

      Herzog Christians Devise war: Pour Dieu et pour elle – „Für Gott und für sie!“. „Sie“ ist seine Angebetete – übrigens seine Cousine und verheiratete Herzogin von der Pfalz. Das gefällt mir natürlich gut! 😀 Soll doch ein Mann Gott und die Frauen verehren.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Stuart

      Ein alter Freund von mir heißt Christian – wir haben gelegentlich auf das Angedenken Elisabeths und Christians getrunken, obwohl mein Freund katholisch, österreichisch und auch noch schwul war.

      Ein anderer österreichischer ehemaliger Freund von mir (bis heute einer der Vordenker der Neuen Rechten) hat mir mal gesagt: „Tja, Harki, Du bist halt immer für eine Überraschung gut!“ Selten ein schöneres Kompliment bekommen, leider kam es nicht von einer Frau. Dieser ehemalige Freund (wir haben uns leider vor zehn Jahren verzankt) heißt Martin mit Vornamen.

      Wie wäre es eigentlich mit Martin Richard? Ein weiterer Schutzheiliger der Ritterschaft und Vorbild an ritterlicher Milde und Freigebigkeit… Der Name klingt leider heute etwas onkelhaft…

    • Jan,
      In Paderborn findet jedes Jahr Ende Juli (nach dem 23.7.) das Libori-Fest statt. Eine Woche lang wird gefeiert, mit einer Mischung aus Kirche, Kirmes und Kultur. Es ist quasi die 5. Jahreszeit.

      Der tolle Christian ist hier auch (fast) jedem ein Begriff. Die Rückführung der Liborius-Reliquien werden Ende Oktober nochmal im kleineren Rahmen gefeiert. (Trotzdem ist Christian unter Erwachsenen ein häufiger Name.)

      Der heilige Liborius stammt ursprünglich aus Le Mans/Frankreich. Zwischen Paderborn und Le Mans gibt es eine der ältesten Städtepartnerschaften.

    • Ah, Mareike, das war mir alles neu und ist sehr interessant! Danke für die Infos! Freut mich sehr, daß weder Liborius noch der Tolle Christian bei Euch vergessen sind! Meine neulich schon artikulierte These: Irgendwann werden alle Schrecknisse Teil der Lokalfolklore.

      Auch das mit der Städtepartnerschaft ist hübsch und war mir neu.

      Ein sehr altes Duo in der BRD-Städtepartnerschaftskultur sind übrigens auch Aachen und Reims – also die Stadt Karls der Großen und die traditionelle Krönungs- bzw. Salbungsstadt der Könige von Frankreich. Scholl-Latour macht sich in seinen Buch „Leben mit Frankreich“ ein bißchen darüber lustig. So in dem Sinne: ’Ne Nummer kleiner ging’s wohl nicht. Zumal die Rheinländer in Deutschland als etwas albern gelten und die Leute in der Champagne in Frankreich als besonders fleißig, arg spießig – und langweilig.

      Andererseits macht sich Heine im „Wintermärchen“ über die Aachener lustig (aus dem Gedächtnis):

      „Zu Aachen langweilen sich auf der Straße
      Die Hunde. Sie flehn untertänig:
      ‚Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
      Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.‘“

      Aber ich schweife ab.

  10. Richard, Felix, Lorenz und v.a. Nicolas und Benedict gefallen mir in eurer Reihe.
    Ich würde auch irgendwo den K-Laut wiederholen, aber genau wie du sagst, nicht als Anfangsbuchstaben.
    Ebenso würde ich wieder einen nicht all zu gängigen Namen wählen (Marie, Max oder Ben) und mehr als eine Silbe zu dem Nachnamen wählen. Auf ein U würde ich aufgrund des Os im Nachnamen auch eher verzichten, das wird schnell zum Zungenbrecher-OU-Gemisch.

  11. Ich würde übrigens nicht zuviel Wert auf die Harmonie der Vornamen von Geschwistern legen… Andere hier werden anderer Meinung sein – und das ist ja auch in Ordnung.

    Aber wenn alles gutgeht, werden Geschwister die längste Zeit ihres Lebens getrennt voneinander leben. (Das ist im übertragenen Sinne auch der Hauptgrund, weshalb ich gegen infantile, süßliche Vornamen bin. Die Kinder werden mit Gottes Schutz die meiste Zeit ihres Lebens Erwachsene sein.) Wenn es schlecht läuft, werden sich die Geschwister sogar bitter verzanken – und sei es um das Erbe ihrer Eltern. 😀 Besonders unter Schwestern soll das vorkommen.

    (Der Hauptgrund, weshalb Frauen nicht vollends die Welt beherrschen, ist, daß sie sich untereinander viel schlechter versöhnen können als Männer.)

    Es verbleibt (wie üblich unter üppiger Klammersetzung und mit zahlreichen Off-topic-Nebenbemerkungen), aber doch herzlich

    Jan

  12. Das waren viele guten Vorschläge, und Lorenz Richard ist schon sehr stimmig, Georg Richard meiner Meinung nach sogar noch besser. Ich finde diese Kombination schön auszusprechen: Lutz Richard, Otto Richard, Timo Richard. Aber stimmt schon dass die Mädchen längere Namen haben.
    Hector ist interessant, und die italienische Variante sehr klangvoll: Ettore.
    Felix, Nicolas und Gabriel sind in vielen Ländern bekannt und leicht auszusprechen. Severin mag ich auch sehr gerne, in Italien ist auch Severino verbreitet. Silvan ist ein interessanter Vorschlag, mal was anderes.

  13. Richard ist ein Name der Raum fordert, da passt vieles nicht dazu wie Valentin oder Gabriel….auch Nicolas, (was zu einem kurzen Namen wie Kolb, Wolf passen würde) diese Namen würden untergehen. Dagegen Georg, Otto, Karl, Tilmann halten dagegen.

  14. Liebe Katharina,

    ich fasse mich kurz, da ich sonst zu viel der anderen Kommentatoren wiederholen würde.

    Mein erster Gedanke zu deinem Eingangstext war: Anton. Da der Name wegfällt, wie wäre es mit der katalanischen Form Antoni oder der ital./span. Form Antonio?

    Lorenz gefällt mir aus deiner aktuellen Liste am besten. Mich stört nur, dass bei Lorenz Richard zwei aufeinanderfolgende Silben mit r beginnen.

    Wimu hatte noch Karl vorgeschlagen. Den finde ich top in Kombination mit Richard. Oder vielleicht die italienische Form Carlo?

    Theo fände ich klanglich auch passend. Theodor geht auch, aber der ist dir bestimmt zu lang, oder?

    Pierre fällt mir gerade ein – das r stellt einen Bezug zu den schönen Namen deiner Töchter dar, passt vor Richard, ist kurz; er klingt nicht italienisch wie die Namen deiner Töchter, sondern ist eben französischer Herkunft….

    Silas fällt mir noch ein – der ist klar und klangvoll.

    • Silas finde ich toll. Carlo auch … aber Carlo und Carlotta?! Von Pierre Richard würde ich auch Abstand nehmen, außer man ist Fan von Pierre Richard (“Der große Blonde …”) 🙂

  15. Ach ja, da hast du recht, Annemarie: Carlotta! Carlo würde ich in diesem Fall doch nicht wählen. An Pierre Richard hatte ich nicht gedacht; ich finde die Assoziation aber nicht gravierend bzw. auffällig. Mir gefällt´s. 😉

  16. So, das wird jetzt mal wieder typisches und vermutlich schwer erträgliches Jan-Gequatsche und ist ausdrücklich kein Ratschlag für Katharina.

    Grandios für ein westlich-levantinisches Mischgezücht fände ich ich die Kombinationen Saladin Richard oder Saladin Friedrich. Oder jeweils umgekehrt, je nach Lebensmittelpunkt. Also nach dem großen Sultan Saladin und seinen ritterlichen Feinden Richard Löwenherz und Friedrich Barbarossa. Aber da bin wohl erstmal ich in der Pflicht… Hab das Mädchen immer noch nicht am Haken. 🙁 Aber wäre ja gelacht. Männer sollen ja um Frauen kämpfen und ihnen den Hof machen. Hab mich nie mit Dosen eingelassen, die ansonsten nicht über den Tresen gegangen sind.

    Als König Richard Löwenherz im Heiligen Land am Fieber erkrankt ist, hat ihm Sultan Salah ad-Din sofort seinen Leibarzt (einen Juden) geschickt. Herren unter sich. Man bringt sich gegenseitig um, aber man achtet sich.

    Ritterschaft!

    Jan

  17. Ihr wart weiter fleißig! Und ich kann mich nur wundern, wie viele der Vorschläge mit unserer Sammlung übereinstimmen.

    @Annemarie:
    Hector mag ich sehr!
    Auch Wendelin stand mal auf meiner Liste, hat aber zu starke Konkurrenz. ;€

    @Mareike:
    Liborius ist ein Urgroßonkel meines Mannes, ein illusterer Kerl soll er gewesen sein – aus dem bayerischen Raum. Mit Paderborn verbindet uns nichts. Aber ich kenne diese Namenshäufungen an bestimmsten Orten. Mein Bruder heißt Gereon (in Köln – weil dort Heiliger – sehr gut vertreten; in der Gegend, in der wir groß wurden, musste er sich zeitlebens erklären.)

    @Marthe:
    Nicolas heißen bei uns zu viele, allein in der Kita-Gruppe unserer jüngeren Tochter gibt es zwei. Bei der älteren auch einen. Gleichwohl teile ich eigentlich die Ansicht, dass der Name italienisch anmuten könnte. Das führt dann eher wieder zu Tassilo oder Bruno.

    @Walcott:
    Die i-Idee ist insofern schön, als dass diese Namen manchmal heller klingen. Auch Philipp wäre eine Überlegung. Obwohl ich kein Freund der echten „Klassiker“ bin, zu denen ich – bitte fragt nicht nach Gründen – auch Martin, Peter, Michael, Daniel etc. zähle.

    Es bleibt spannend. Georg und Lorenz führen unsere Liste weiter an. Aber wir haben auch noch ein bisschen Zeit (bis zum Frühjahr). Es macht nur solchen Spaß – und mit Namen kann man sich nicht genug beschäftigen. 😉

    Einen schönen Abend allen!

  18. @Wimu:
    Stimmt, Richard braucht Platz. Jetzt verstehe ich auch warum
    einige unserer Ideen weniger gut funktionieren als andere.
    Ich erweitere die Favoriten spontan um Hector:

    Hector Richard
    Georg Richard
    Lorenz Richard

    @Schtroumpfette:
    Antoni klingt klasse! Ist hier aber doch eher erklärungsbedürftig, würde ich vermuten.

    Frederica ist schon so ein komplizierter Fall. Nicht wenige schauen unverhohlen irritiert, wenn wir den Namen unserer Tochter zum ersten Mal nennen… Zu seltene Namen scheiden deswegen (inzwischen) leider aus. Auch die schönen, wie Fedor!
    Gleichwohl, Antoni mag ich!

    Theodor auch. Vor allem fände ich Teddi als Abkürzung nett.
    Wie bei Hector aber auch, reibt sich nur das -r am Ende etwas mit dem R- am Anfang von Richard.

    Pierre und die französische Herkunft ist eher nichts für mich, dann lieber Italien oder Spanien.

    Liebe Grüße, Katharina

    • Katharina, Männernamen sollen sich ja auch gerne ein bißchen reiben. 🙂 (Obwohl hier andere für Phonetik zuständig sind.)

      Mit Euren jetzigen Favoriten macht Ihr echt nichts falsch.

      Auch Theodor ist ein Klassiker des Abendlandes. Den Spitznamen Teddi finde ich auch immer süß, besser als das heute allgegenwärtige und oft als Vollname vergebene Theo. Andererseits läßt es sofort an den amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt denken. Das war aber zwar ein schauderhafter Macker und Imperialist erster Güte, aber auf seine Art auch ein achtbarer und sehr männlicher Mann. Mein Lieblingsmaler John Singer Sargent hat ihn portraitiert. Die Bezeichnung Teddybär geht letztlich auf Roosevelt zurück:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Roosevelt#Der_Teddyb%C3%A4r

      🙂

      Und „Geschenk Gottes“ ist doch eine wunderbare Bedeutung!

      Klammer auf: Es entspricht bedeutungsmäßig dem slawischen Bogdan. Ein lieber polnischer Kommilitone von mir hieß Bogdan. Er hatte einen herrlichen polnischen Humor – und wir haben es immer wieder geschafft, bei den Linksliberalen unangenehm aufzufallen.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Bogdan_Musia%C5%82

      Aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache. Klammer zu.

      Hektor ist wegen Homers Ilias ein sehr hoher Anspruch an einen Jungen. Aber besser zu hohe als zu niedrige Ansprüche, lieber zu großspurig als zu süßlich – lieber großkariert als kleinkariert. Im Deutschen würde ich das aber mir k schreiben.

      Schade, daß es im Deutschen keine etablierte Variante des listenreichen Odysseus oder des pfeilschnellen Achilles gibt. 🙁

      Bei Georg bin ich sozusagen positiv voreingenommen, weil der Namen im Welfenhaus eine so lange Tradition hat. Und weil es halt der Schutzpatron der Ritterschaft ist.

    • Ah, das mit Gereon hatte ich überlesen! Klar, der Gereonswall im Heil’gen Kölle!

      https://www.openstreetmap.org/?mlat=50.94812&mlon=6.95273#map=17/50.94812/6.95272

      Gereon ist mit Köln verbunden, Liborius mit Paderborn. Ich kenne aber nun auch nicht das „onomastische Mikroklima“ aller katholischen Ecken in Deutschland, zumal ich selbst aus einer evangelischen Gegend komme.

      „ein illusterer Kerl soll er gewesen sein“

      Das läßt auf gute Gene schließen! Männer sollen ja auch illuster und flamboyant sein, tapfer und charmant. Jedenfalls keine Anpasser, Feiglinge oder gar Langweiler. (Das schlimmste Verdikt über einen Mann oder eine Frau ist, daß sie langweilig seien.) Und illuster ist ein wunderbares Wort und eine wunderbare Eigenschaft. Gerade für einen Mann. Frauen dürfen etwas solider sein, wo kämen wir sonst hin?

      Über Arthur hatte ich oben schon geschrieben. Als Arthur Abraham dann vier Jahre nach Wetzlar gegen Carl Froch gekämpft hat und dabei sehr, nun ja, passiv agiert ist, hat ihn der große deutsche Boxtrainer Ulli Wegner in einer Pause angeschnauzt: „Arthur, Du bist feige!“ Vor der Presse hat Wegner hinterher immer noch mit rotem Kopf getobt: „Nach dieser schändlichen Niederlage…“ So etwas kriegt man heute echt nur noch von Boxern zu hören. 😀

      Ulrich hätte übrigens auch mal eine Renaissance verdient. Man denke an Ulrich Wegener, den 2017 gestorbenen Gründer und ersten Kommandeur der ersten richtigen bundesdeutschen Elitetruppe, der GSG 9. Aber zu Richard als Zweitname paßt das wohl wirklich nur suboptimal…

      Das wichtigste aber nochmal: Alle Namen auf Deinen „Shortlist“ sind okay und anständig.

      Und im Frühling dann eine gute Geburt und Gottes Schutz für Euch und den Kleinen

      Jan

  19. Falko ist auch so ein schillernder Name. Er ist in meiner Generation untrennbar mit dem Pseudonym des (viel zu früh gestorbenen) österreichischen Pop-Künstlers Falco verknüpft.

    Falk hingegen klingt nach einem DDRler meiner Generation. Und nach Stadtplan.

    Ich weiß aber nicht, wie präsent diese Assoziationen heute noch unter den jungen Leuten sind.

    Simon klingt mir für einen Ethnodeutschen zu jüdisch. Also so wie die notorischen Davids und Sarahs der 1980er Jahre. Oder später und bis heute dann die schauderhaften Namen Samuel, Josua, Noah u.ä. Fehlte gerade noch Abraham als Modename! Ich würde jedenfalls für Jungs immer die islamische/arabische Form von alttestamentarischen Namen vorziehen, so denn eine solche vorhanden. Das wiederum hat leider den Nachteil, daß diese Namen im heutigen Deutschland mit sozialer Stigmatisierung verbunden sein können.

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