Mein seltener Name und ich: Yola

Man musste kein Hellseher sein, um etwa 2007 zu erahnen, dass der Name Kevin möglicherweise eine nicht ganz so glückliche Wahl sein könnte – oder 2017, dass es sich bei einer Mia Rose keinesfalls um ein Unikat handeln kann. Dass der Name ihrer Tochter einmal haarscharf an einem Schlagwort der Jugendkultur vorbeischrammen würde, konnten die Eltern meiner Interviewpartnerin im Jahr 2000 aber wirklich nicht ahnen: Yola. Eine der kleinen Überraschungen, die im Zusammenhang mit Namen immer wieder auftreten. Wikipedia zufolge lässt sich YOLO („you only live once“) zuerst 2004 nachweisen; seit etwa sechs Jahren gehört das Akronym nahezu weltweit fest zur Jugendsprache. Yola muss sich schon einige Zeit Anspielungen darauf anhören, findet das aber nicht weiter schlimm: „Ist doch eigentlich ein schönes Lebensmotto.“

Die Hamburgerin hat einen Bruder, der Yann heißt – nach dem Lieblingsbuchstaben der Eltern braucht man da nicht zu fragen. Auch die Vorliebe für Seltenes mit Buchstabierpotenzial verbindet die Geschwisternamen. Yola mag ihren Namen ganz gern, „da er nicht gewöhnlich ist. Ich bin immer die Einzige, die so heißt.“ Geläufige Namen in ihrem Jahrgang seien beispielsweise Katharina, Felix und Julius. Doch sie kennt natürlich auch die Kehrseite, „spätestens wenn jemand Fremdes meinen Namen zu Papier bringen will. Man kann auch nicht damit rechnen, dass er auf Anhieb verstanden wird.“ Am ehesten gibt es Verwechslungen mit Jona, Viola, Fiona, Lola und Jula.

Mein seltener Name und ich

Bis kurz vor der Geburt sollte sie Maari heißen – mit zwei a, um sich stärker von Marie abzusetzen. „Aber dann hat meine Mutter im Abspann eines Films Yola entdeckt und war sofort verliebt. Wenn meine Eltern mir heute erzählen, dass sie dachten, dass es auch ein Vorteil ist, dass ich statt Maari Yola heiße, da ich mich so nicht durch die Welt buchstabieren muss, kann ich eigentlich nur lachen.“ Um welchen Film es sich handelte, weiß Yola nicht. Es soll der Name einer Schauspielerin gewesen sein. Bei meiner Recherche entdecke ich ein paar Yolas, allerdings keine in Deutschland: eine russische und eine französische Schauspielerin (Yola d’Avril, Jahrgang 1907), mehrere Sängerinnen mit afrikanischem Einschlag, wovon eine eigentlich Yolanda heißt und eine andere im bürgerlichen Leben schlicht Beate. Ja, und ein spanisches Busenwunder heißt auch noch so. Der Name kommt tatsächlich von Yolanda/Jolanda, was auf das altgriechische Wort für Veilchenblüte zurückgehen soll.

Auf die blumige Bedeutung kommt – wenig überraschend – im Alltag jedoch niemand. Dafür berichtet Yola von diversen Wortspielen. „Am besten gefällt mir ja ‚Yola macht Yoga mit Meister Yoda und trinkt dabei ’ne Cola.’“ Freunde und Familie nennen sie Yoli, Yoyo, Yola-Cola oder Yolanda. „Kleine Kinder sagen meist Lola, ist wohl einfacher.“ Im Ausland hört sie oft „Dschola“ oder der Name wird „mit Schwung ausgesprochen, als würde man zuerst ‚Yo!‘ rufen.“ Ihren ursprünglichen Favoriten Mari – jetzt mit einem a – machten ihre Eltern zum Zweitnamen. Yola hätte nichts dagegen gehabt, Ma(a)ri als Rufnamen zu haben. Das betonte a mag sie sogar lieber als das o in Yola. Zufrieden mit der Wahl ihrer Eltern ist sie aber auf jeden Fall: „Bei mir gibt es immer Stoff für Smalltalk, weil jeder sagt: ‚Oh, interessanter Name, wo kommt der her?’“

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

7 Kommentare zu "Mein seltener Name und ich: Yola"

  1. Jan sagt:

    Der erste Kalauer, der mir zu Yola einfiele, wäre „Yalla, ya-Yola!“

    Also das arabische Yalla („Los!“, „Auf geht’s!“), das heute in die deutsche „Kanacksprak“ (und ebenso übrigens in das umgangssprachliche israelische Hebräisch) Eingang gefunden hat.

    Yolande ist wirklich ein hochehrwürdiger französischer Aristokratenname. Man denke an Yolande, die Tochter Karls VII. von Frankreich (das war der, der von Jeanne d’Arc zur Krönung geführt wurde), Schwägerin Herzog Karls des Kühnen von Burgund.

  2. Chiocciola sagt:

    Ich erinnere mich an eine Jola (ich glaube, mit J geschrieben, aus meiner Schulzeit). Geb. Anfang 70er Jahre. Geschwister Jutta und Jan.
    Mir gefällt der Name. Keiner, den ich selbst wählen würde ( Kurzformen sind nicht so meins), aber ich mag den Klang und mag auch Namen, die keine Allerweltsnamen sind.
    Viele Grüße

    • Jan sagt:

      Ich finde es immer wieder amüsant und auch anregend, daß sich in diesem Blog verschiedene Geschmäcker auf hohem Niveau zu artikulieren wissen – man sieht das sehr schön jeden Freitag.

      Das reicht von der Bionade/Stahlhelm-Fraktion, der es gar nicht kulturkonservativ und deutsch genug zugehen kann (zu der ich gehöre) über Christen bis hin zu Leuten, die moderat-moderne, auch gerne mal etwas eigenwillige Name mögen. (Wie etwa die Verfasserin des hier kommentierten Blog-Artikels.)

      🙂

      Bei Yola liegt mir aber doch das Verb „johlen“ zu nahe im Hintergrund…

    • Annemarie sagt:

      Da ist schon was dran, Jan 🙂

      Ich würde in dieser Reihe aber auch über Namen schreiben, die mir persönlich gar nicht gefallen, und dann versuchen, mit meiner Meinung hinter dem Berg zu halten – das gebietet schon der Respekt vor meinen Interviewpartnern. Grundsätzlich freue ich mich über jeden seltenen Schmetterling, den ich hier für meine Sammlung aufpieksen darf.

  3. mgl sagt:

    da gibts doch ein Lied: donde estas, Yolanda?(Wo bist du, Yolanda?)
    das fällt mir zuerst ein und danach fällt auf dass bei Yola alleine das o länger gesprochen wird als bei Yolanda. darum dann doch lieber die längere Form. aber dann auch lieber nur bei spanischem Hintergrund.

  4. Chiocciola sagt:

    Ich kenne aber auch eine „Jolla“, die mit kurzem offenen o gesprochen und, ich glaube, mit 2 L geschrieben wird – polnischer Hintergrund, soviel ich weiß.
    Die Form Yola/Jola mit langem geschlossenen o gefällt mir aber besser, trotz „johlen“.

    Die Namensdiskussionen und – vorlieben hier finde ich auch sehr interessant. Auch die Kriterien, die für eine „gelungene Namenswahl“ angelegt werden. Den einen heht es vor allem um Klang ( und Klang – Assoziationen), anderen ist die Bedeutung wichtig. Manchen ist es wichtig, dass der Name zum „Hintergrund“ passt, man he sortieren in „Schubladen“, manchen ist es wichtig, dass der Name „modern ist, andere stehen auf“ alte “ Name. Und bei manchen erkenne ich überhaupt kein System, wenn sie Namen aufzählen, die ihnen gefallen, oder ihrer Meinung nach „zusammenpassen“.
    Jan, in welche „Fraktion“ ordnest du mich denn ein?

    • Jan sagt:

      Chiocciola,

      ach, ich könnte hier die wenigsten wirklich in Fraktionen einordnen – das war mehr so dahingesagt. Dich zum Beispiel nicht. Für die meisten spielen doch alle von Dir erwähnten Kritierien in irgendeiner Form eine Rolle. Freilich oft mit erkennbaren Gewichtungen.

      So versteht sich neuhier meisterlich auf die subtile phonetische Einschätzung des Zusammenklangs von Kombi-Namen. Ich bewundere das, aber mir ist es schon deshalb weniger wichtig, weil ich meine, daß bei einer Kombi der zweite Teil optimalerweise eine Nachbenennung sein sollte, und sich bei einer solchen optimale phonetische Stimmigkeit kaum je erzielen lassen wird.

      Viele Leute hier haben einen moderat konservativen Namensgeschmack – jedoch fällt mir beim freitäglichen Wahlpflichtspiel immer wieder auf, daß viele Leute (unter anderem eben Annemarie) auch modernere Namen mögen als etwa ich.

      Bei mir ist die Referenzepoche für klassische, traditionelle Namen so ganz grob das 17. bis 19. Jahrhundert. Von der Wiederbelebung mittelalterlicher, altdeutscher Namen (die es aber ja schon im 19. Jahrhundert gegeben hat) halte ich hingegen, anders als etwa Mark, wenig.

      Was mich hingegen eindeutig stört sind: 1. Anglizismen. 2. Weichliche Lall-Namen für Jungen. 3. Namen, die mir aus historisch-kulturellen Gründen unpassend erscheinen. 4. Alttestamentarisch Namen ohne Verwurzelung in Deutschland (hängt mit Punkt 1 zusammen). Und ich urteile eben berufsbedingt oft als Historiker, weniger als Ästhet. Auch die philologischen Bedeutung von Namen ist mir in der Regal völlig egal, weil in meinen Ohren fast immer von der historisch-kulturellen Aufladung überlagert wird.

      Andererseits habe ich zum Beispiel Mia jahrelang sehr gerne gemocht, obwohl der Name in Deutschland keinerlei Tradition hat. (Mittlerweile habe ich mich denn doch noch mal ein bißchen daran überhört.) Für Mädchen gelten für mich etwas laxere, blumigere Maßstäbe.

      Du bist um Verzeihung gebeten, daß ich auf Deine Bitte hin, Dich einzusortieren, vor allem mich selbst einsortiert habe. 😉

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