Gute Frage 5: Geht Juliane nur im Juli?

Ich war ja bass erstaunt, als ich neulich in einem Online-Disput las, den schönen Namen Juliane könnten eigentlich nur im Juli geborene Mädchen tragen. Ach was?! Mit Platz 301 ist Juliane derzeit nicht eben häufig, Juliana trotz der modischen a-Endung noch etwas seltener (Platz 327). Dafür geht aber der Klassiker Julia (Platz 36) schon seit über vierzig Jahren so richtig ab. Immerhin auf Platz 145: Julie, den ich immer Juli-e sprechen will, obwohl die meisten Eltern wohl „Schüli“ sagen. Aus Schweden hat sich Julina still und leise in die Charts gemogelt (Platz 346), gefällt mir persönlich besser als die modische Jo(e)lina (Platz 109).

Bei den Jungen gibt es Julian, Julianes männliches Pendant, auf Platz 20 sowie Julius auf Platz 57. Auch Julien (Platz 169) muss hier erwähnt werden; bei ihm bin ich mir ja nicht sicher, ob er häufiger französisch oder doch als englischer „Dschulien“ gemeint ist. Der langen Rede kurzer Sinn: Bei dieser Vielzahl von Kindern dürfte es sich kaum um lauter Juli-Geborene handeln. Tatsächlich ist es historisch gesehen sogar genau andersherum: Der Monat Juli wurde nach Gaius Julius Cäsar benannt und nicht etwa Cäsar nach dem Monat. Julius ist ein altrömischer Geschlechtername – eine etwas schnöde Namensbedeutung. Trotzdem mag es eine Häufung von Juli-Namen im gleichnamigen Monat geben, manchen Eltern könnte der Gleichklang gefallen. Meine Freundin Julia hat allerdings im Februar Geburtstag. Wie sieht es in Ihrem Bekanntenkreis aus?

Und dann gibt es noch die Tochter meines ehemaligen Kommilitonen E., die den niedlichen Zweitnamen Juli trägt. Sie kam im April zur Welt, wurde aber – und das ist hier tatsächlich des Rätsels Lösung – im Juli gezeugt.

Und außerdem …

41 Gedanken zu “Gute Frage 5: Geht Juliane nur im Juli?”

  1. Meine Stiefschwester Juliane ist im Juli geboren,wobei ich nie näher über die Parallele von Vorname und Geburtsmonat nachgedacht habe.Bis jetzt.Das werde ich umgehend eruieren

  2. Ich war ja bass erstaunt, als ich neulich in einem Online-Disput las, den schönen Namen Juliane könnten eigentlich nur im Juli geborene Mädchen tragen.

    Meines Erachtens ist das sogar gleich doppelt falsch: Der Monat Juli hat (siehe oben) seinen Namen von einem Julius, eben von Cäsar, nicht umgekehrt. Ferner ist Juliana doch wohl die weibliche Form von Julian(us), nicht von Julius – ähnliche lateinische Namen, aber eben nicht die gleichen.

    Julius ist ja auch ursprünglich ein frührömischer Gentilname, kein Personenname wie Julianus… Daher fand ich es neulich auch kurios, hier zu lesen, daß irgendein Promi seine Kinder Julia und Julian genannt habe. Das paßt irgendwie nicht zusammen… Wobei Geschwisternamen ja keineswegs zusammenpassen müssen, nur falsch und pseudomäßig zusammenpassen sollten sie wohl erst recht nicht. Wenn ich mich nicht irre, sind die Namenspärchen eben Julius und Julia einerseits und Julian und Juliana andererseits.

    Übrigens kenne ich hier eine Julianna. Die stammt aus der ungarischen Minderheit in der Republik Serbien und hat mir erzählt, daß schon ihre Großmutter so geheißen habe, und zwar in der Schreibung.

    Und nein, ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, daß eine Julia im Juli, eine Marta im März, eine Maja im Mai, eine Auguste (oder auch eine Oktavia) im August geboren sein müßte. Immer wieder erstaunlich, was den Leuten so einfällt…

    • Langen Geschwätzes kurzer Sinn: Ich würde sagen, daß Juliana nicht das mindeste mit dem Monat Juli zu tun hat. 🙂

    • Wenn, dann müsste eine Oktavia im Oktober geboren sein. Denn namenstechnisch ist nicht der August, sondern der Oktober der 8. Monat (die Monate 7 – 10 waren bei der Namensgebung September, Oktober, November und Dezember). Mit dem August hätte Oktavia folglich nichts zu tun.

      Grundsätzlich stimme ich dir aber zu, dass die Idee etwas seltsam anmutet.

  3. Unser Sohn heißt Julius und der Name stand schon vor meiner Schwangerschaft fest, dass er im Juli geboren wurde ist ein Zufall. Ich hätte es persönlich nicht schlecht gefunden, wenn er noch im Juni zur Welt gekommen wäre, aber er hat sich für den Juli entschieden. 🙂

    • Eben, die Kinder kommen ja nicht unbedingt immer zum errechneten Zeitpunkt – wenn man nun DEN Namen für sein Kind (vielleicht nach langer Suche und Überlegung) gefunden hat und das Kind kommt dann im “falschen” Monat, zu früh oder zu spät, zur Welt, dann kann man doch deswegen nicht den Namen “wegschmeißen”. Ich finde es daher Blödsinn, dass ein solcher “Monatsname” nur im entsprechenden Monat vergebbar sein sollte.

  4. In der englischsprachigen Welt gibt es die Namen April und June. Da handelt es sich ziemlich direkt um tatsächliche Monatsnamen, also, das Kind ist wirklich nach dem Monat benannt, und somit ist es häufig, aber nicht immer, der Fall, dass Aprils und Junes tatsächlich in diesen jeweiligen Monaten Geburtstag haben. Wobei das bei dieses Muster bei dem Namen April noch ausgeprägter ist als bei dem Namen June. (June kommt auch nur noch selten vor, ist ein altmodischer Name.)

    Bei dem Namen May/Mae ist das ganz anders–irgendwie wird der nicht so stark als expliziter Monatsname empfunden, bzw. er wird einfach freier gehandhabt.

    Bei Julia, etc., sind die Kinder ja wirklich nicht eigentlich nach dem Monat benannt (wie hier schon ausgeführt wurde).

    • Und wie ist es mit den Namen Summer oder Autumn, kann man da in den englischsprachigen Ländern eine zeitliche Übereinstimmung finden oder wird das auch völlig frei gehandhabt?

    • Aus der englischen Vornamenstatistik des Jahres 2009:

      Holly war im Dezember 2009 der häufigste Mädchenname und im Januar immerhin noch auf Platz 11. In den Monaten Juni und Juli reichte es nicht einmal für eine Top 40-Platzierung. Genau entgegengesetzt verhält es sich mit Summer: Dieser Name war in den Sommermonaten Juni und Juli einer der 10 beliebtesten weiblichen Vornamen, während Summer im Januar und Dezember nicht zu den Top 50 gehörte. Im Jahresschnitt finden wir Holly auf Rang 19 und Summer auf Rang 24.

      http://blog.beliebte-vornamen.de/2010/10/england-wales-2009/

    • Eine Julie, die Juli-e ausgesprochen wird, ist mir persönlich noch nie untergekommen, nur Juli(e) mit stummem e bzw. “Schüli”.
      Juli-e hört sich für mich sehr ungewohnt und gespreizt an.

    • (Es entschuldigt sich Jan präemptiv für’s Viel-Labern.)

      Schön das noch jemand Juli-e sagen will. Ich finde den Namen so auch viel schöner.

      Ich glaube, daß ist ein norddeutscher Refex. Bei Julie würde ich wohl auch eher /ZhülI/ sagen, aber bei Marie auf Verdacht immer /MarIye/. (So hat meine ehrwürdige Großmutter geheißen.)

    • Marie würde ich genauso ohne e aussprechen, entweder betont auf der 2. Silbe, analog zum Französischen oder Márie, das ist die bayerische Version, so werden aber höchstens noch alte Frauen in eher ländlicher Umgebung (“Tante Márie”) angesprochen.

    • Die Juli-e hab ich noch aus dem Deutschunterricht, es gab da mal eine verkitschte Dichterin namens Julie Schrader 🙂

      Möglich ist natürlich auch, dass manche Julie genau wie der Monat gesprochen wird – ???

    • Ich freue mich auch, dass jemand Juli-e sagen möchte, ist auch immer mein erster Impuls.

      Ich kenne ja sogar Frauen namens Stephani-e und Nathali-e.

      Wenke

  5. kann man diese Theorie denn auch weiterführen? Nur schöne Mädchen dürfen Helena heißen oder nur wahnsinnige Johanna? Oder nur große Buben Karl?

    Würde dann zumindest die Bildung fördern in Sachen Geschichte *hihi*

    • Das wäre ein super Vorschlag, wenn man’s nur immer vorher wüsste, ob die kleine Helena dann mal schön wird oder nicht und ob Johanna normal bleibt oder wahnsinnig wird 😀

    • Halt! 🙂 Johanna, das ist m.E. zunächst einmal Jeanne d’Arc, die ehrwürdige Jungfrau von Orleans, Tochter des Jacques und der Anne d’Arc – ganz lothringisch-bäurisch und gar nicht heilig. Und eben nicht die arme Johanna die Wahnsinnige! 😉

    • Das fescheste Herrscher-Attribut überhaupt, nach meiner Kenntnis: Robert der Teufel, unseligen Angedenkens Herzog der Normandie. :mgreen: 😉

    • Dietrich der Bedrängte, Heinrich der Erlauchte, Albrecht der Entartete (!), Friedrich der Gebissene 😀 /der Ernsthafte/der strenge/der Streitbare/der Sanftmütige, zum Aussuchen, haha, auch nicht schlecht, oder?
      (Dresdner Fürstenzug)

    • Albrecht der Entartete (wenn es ihn denn gegeben hat) gefällt mir am besten! 😀 Wo kämen wir da hin, wenn Monarchen nicht ab und an entarten würden? Hättenwa keinen Luitpolt als Regenten mehr gehabt. 😉

      Nochmals in die alt-normannische Geschichte zurück: Es gab da mal einen Chef namens Gangerolf. Also „Gehe-Rolf“. Der wurde so genannt, weil er so groß war, daß er auf kein Pferd gepaßt hat, und immer zu Fuß gehen mußte.

    • Albrecht der Entartete, 1288 – 1307;
      Friedrich der Gebissene ist mein Favorit, der kam gleich hinterher 😉

      https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCrstenzug

      Der Luitpold, genau, denn der König war schwermütig (Euphemismus aus dem “Königl. Bayerischen Amtsgericht”) 😀

      Den Gangerolf finde ich aber auch oberlustig, ein schweres Schicksal, immer zu Fuß…

    • @Jan: ich finde Johanne, die Wahnsinnige hat eine mindestens ebenso interessante Lebensgeschichte, die – wie bei Jeanne – sich gegen ein männlich dominiertes Weltbild damals stellt. Den Namen Jeanne d’Arc assoziiere (stimmt das so?) eher mit Johanna von Orleans. Und wenn wir uns schon mit den Adjektiven nicht einigen können, dann sollten wir uns über Ortsbezeichnungen erst recht nicht “drübertrauen”. Sonst können wir gleich anfangen mit Maximilian, dem letzten Ritter.

    • @ lenchen Beide Johannas sind ausgesprochen interessante Gestalten – aber eben auch komplett unterschiedlich. Das war mein Gedanke im Hinterkopf: ein klassischer Vorname kann nicht mit einer einzigen historischen Gestalt verbunden werden.

      Man denke eben auch an Karl Martell, Karl den Großen, Karl den Kühnen und Karl V. Und an Charles de Gaulle. Usw. usf.

      Die unglückliche Johanna die Wahnsinnige taugt heute vielleicht besser als Heldin als Jeanne d’Arc, weil Jeanne einfach zu militaristisch ist: „Es werden keine Engländer hier im Land bleibe – außer denen, die wir hier ins Grab legen werden.“ 😉

      Eine ganz merkwürdige Gestalt, dieses Bauernmädchen aus Lothringen, daß da ihren König zur Krönung führt und dann mit 21 Jahren von den Engländern als Hexe verbrannt wird (nachdem die Burgunder sie an diese ausgeliefert hatten).

      Zum Namen: „d’Arc“ ist einfach der Nachname. Jeanne wurde auf Mittelfranzösisch noch Jehanne geschrieben, wie eben auch Jean als Jehan geschrieben wurde. Jeanne selbst hat erst nach ihrem öffentlichen Auftreten ein bißchen Lesen und Schreiben gelernt. Es gibt Unterschriften von ihr, aber kein zeitgenössisches Portrait.

      Von der RKK heiliggesprochen wurde Jeanne übrigens erst 1920 – teils als „Belohnung“ für Frankreich nach dem gewonnenen Ersten Weltkrieg, teils als Friedensangebot an die Dritte Republik nach den großen Kämpfen zwischen Kirche und Staat in den Nullerjahren des 20. Jahrhunderts. Jeanne als Proto-Nationalistin war eben sowohl für die laizistischen Freimaurer als auch für die Katholiken als Heldin akzeptabel.

    • Und jetzt auch mit Augenzwinkern:

      Da ich hier neulich mal geschimpft gekriegt habe, weil ich irgendwelche heutigen Gören leichthin als „Bastarde“ bezeichnet habe: Einer der ersten und treuesten Mitstreiter Jeannes und ihr „Mitentdecker“ war Jean, Graf von Dunois, der Bastard von Orleans.

      Im frankophonen Spätmittelalter war „Bastard von …“ ein Ehrentitel. Also der nicht-erbberechtigte Sohn eines Fürsten von einer Maitresse, der das mit Stolz auch in seinem Wappen gezeigt hat. Man denke auch an den sehr klugen und kultivierten Anton, Großbastard von Burgund. Das war wirklich nur einen Schritt von Polygamie entfernt…

      😉

    • Mit sehr viel Augenzwinkern:

      Das nenn ich doch mal einen erstrebenswerten Titel: GROSSBASTARD
      Mit Kleinigkeiten fangen wir doch erst gar nicht an.
      Wenn schon, denn schon! 😀

    • Das nenn ich doch mal einen erstrebenswerten Titel: GROSSBASTARD
      Mit Kleinigkeiten fangen wir doch erst gar nicht an.

      Nein, nicht im damals neureichen (aber heute so ehrwürdigen) Herzogtum Burgund.

      🙂

    • Maria Theresia, wir Nordlichter haben oft Schwierigkeiten, diese bajuwarische Mischung aus reaktionär-obrigkeitlich und knurrig-rebellisch, konservativ und freisinnig, großmäulig-krachledern und gelegentlich empathisch, Bierdimpfligkeit und Feschheit (etc.) zu verstehen. 😉 Es gibt ja das hübsche Wort von der „Liberalitas Bavariae“, was eigentlich mal auf die Freigebigkeit und materielle Großzügigkeit gemünzt war, aber wohl auch einige Paradoxe andeutet.

      Mir fällt bei diesem Themenkomplex oft die Präambel der Weimarer Verfassung ein: „Das Deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben.“

      😉

    • Ja mei, Jan, es is halt a Kreiz (wie schon Herr Permaneder zur Konsulin Buddenbrook sagte!) mit unserem bayerischen Selbstverständnis 🙂

  6. und wann wurden dann die Beinamen zu richtigen Namen?
    also muss ja irgendwann passiert sein, wenn den Leuten die Vornamen ausgingen.

  7. Bei uns ist es tatsächlich Absicht unserer Eltern gewesen: Meine Schwester heißt Julia Sophie, geb. 01. Juli 1992, ich heiße Maia Emily, geboren 01. Mai 1994.

    Bei unserer kleinen Schwester, geboren am 01. April 2000 (ja, alle am 01.), haben unsere Eltern eine Ausnahme gemacht: Sie heißt Louisa April. April wird Englisch gesprochen.

    Wir finden es witzig, unsere Eltern auch nach wie vor.

    Allerdings finde ich auch eine Julia/Maia/April mit anderem Geburtsmonat okay.

    Julia, Maia und Louisa

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