Käfer und Glöckchen heißen so

Eine Freundin von mir heißt May mit Nachnamen. Ein schöner Familienname, das habe ich schon immer gefunden: Birkengrün, Maiglöckchen, Hoch-Zeit für Hochzeiten – die Assoziationen könnten kaum positiver sein. Neulich ist mir allerdings aufgefallen, dass man nur zwei Buchstaben anhängen müsste, um einen schnöden Massennachnamen zu erhalten. Ich entschuldige mich hiermit bei allen Mayers, Maiers, Meyers und Meiers (ich selbst hieß früher ganz ähnlich) – aber bei ihnen habe ich noch nie an den Wonnemonat gedacht.

Maiglöckchen

Meine Freundin hat zwei Töchter mit englisch angehauchten Zweit- und Drittnamen. Nicht selten wird da der Nachname als weiterer Vorname fehlinterpretiert: „Und wie heißt du nun mit Nachnamen?“ Tatsächlich wäre May ein hübscher Vorname, nur dass die Aussprache etwas unklar ist. Und es könnte Leute geben, die an ein Getränk aus Rum und Sirup denken; eine Kombination mit Zweitnamen wie Tiger oder Thyra (beide englisch) scheint eher unglücklich. Der Name Mai gilt übrigens als friesische Kurzform von Maria, May und auch Maj sind zulässige Varianten. Und wo Mia geht wie geschnitten Brot, müsste doch eigentlich auch Mai Hit-Potenzial haben?

Hübsch finde ich den Namen von Frau Kelly, Maite. Wer den 70er-Retro-Charme mag, kann auch Maike/Meike vergeben, damit wäre man nicht allein (2013: Platz 227). Oder Maiken bzw. Meiken? Auch eine kleine Maire habe ich schon getroffen, dieser aus dem Irischen stammende Name gefällt mir ebenfalls, könnte allerdings für eine Marie mit Buchstabendreher gehalten werden. Dafür kam die „falsche Maria“, also Maira, 2013 auf Platz 195 der deutschen Namenshitliste. Maybrit wie die Illner (leider anfällig für Schreibfehler), Maika (klingt vielleicht etwas nach Wurst), Mailin (klingt etwas nach China-Buffet, Platz 235) – die Liste der möglichen Mädchennamen, alle frühlingsfrisch wie Maibowle, ist lang. Maileen schaffte es 2013 auf Platz 374, der unklaren Aussprache (-leen oder -lin) zum Trotz. Maila, in Skandinavien zu Hause, vollführte zuletzt einen rasanten Sprung: von Platz 140 auf Platz 88. Trotzdem denke ich hier leider an Atommeiler und die E-Mail. Zum Schluss noch Majlinda: stammt aus Albanien, ist für mein Empfinden aber sehr deutschlandtauglich.

Bleiben nur zweieinhalb Fragen: Ist es schön, wenn ein im Mai geborenes Mädchen einen Mai-Namen trägt – oder eher platt? Kann auch ein Novemberkind Mai heißen? Und woran liegt es bloß, dass sich mir bei dem Jungennamen Maik alle Haare sträuben?

Und außerdem …

18 Gedanken zu “Käfer und Glöckchen heißen so”

  1. Maite finde ich auch schön! Ist noch sehr selten, doch mit der Ähnlichkeit zu Meike/Maike gut deutschlandtauglich. Kommt ja aus dem baskischen und bedeutet -soweit ich weiß- u.a. “gewünschtes Kind”.

  2. Mir fällt zum Thema noch der irische (?) Name Maisie ein. Find ich recht niedlich. Und einem Maikind den passenden Namen geben, warum nicht (obwohl ich bei meinem Sohn nie auf die Idee gekommen wäre, in deshalb Maik zu nennen. Für Jungs gibt’s da offenbar nicht so viel monatlich passende Auswahl.

  3. Ich vermisse hier den Namen Maia bzw. Maja – nach der gleichnamigen Göttin ist schließlich der Monat Mai benannt worden.

    Ich finde auch, dass man Kinder gern zum Monat oder zur Jahreszeit passend benennen darf. Dafür muss ich mich immer wundern, wenn Winterkinder Summer, June oder Pascal heißen und Sommerkinder Noël oder so… Wenn man schon einen mit einer bestimmten Jahreszeit konnotierten Namen wählt, dann möge man doch bitte den Geburtsmonat beachten.

    • Oh, dass Mai von Maja kommt, ist mir durch die Lappen gegangen. Guter Hinweis! Ich hatte zwar an den Namen gedacht, ihn aber nicht aufgenommen, weil man den Mai hier nicht so hört.

    • Vielleicht ist der Sommername eines im Winter geborenen Kindes ja eine Hommage an den Zeugungszeitpunkt 😉

    • Höhö… Ja, vielleicht.

      Die Namensgeber der anderen Monate sind übrigens:

      Janus – nicht wirklich vergebbar, finde ich, weil Janus eine im wahrsten Sinne des Wortes zwiespältige und eher negative Gestalt der Mythologie ist. Er ist der doppelgesichtige Wächter aller Türen und Tore, Gott des Anfangs und des Endes.

      (Februar ist vermutlich nach dem römischen Frühjahrsputz benannt 🙂 )

      Mars – der grausame Gott des Krieges, also auch nicht besonders vorteilhaft.

      (April ist unklar, vielleicht hat der Name mit apricus (sonnig) zu tun)

      Juno – die Muttergöttin, Beschützerin aller Mütter, Schwangeren und Gebärenden und der Haushalte. Allerdings eine ziemlich eifersüchtige und rachsüchtige Gestalt, wenn es um die sexuellen Abenteuer ihres Gatten geht.

      Gaius Julius Caesar – General und Politiker, von dem man halten kann, was man will. Sicher ein hervorragender Stratege, aber sehr von sich eingenommen. Von den Juliern leiten sich ja viele nach wie vor aktuelle Namen ab.

      Augustus – vormals Octavianus, Caesar’s post mortem Adoptivkind und erster Kaiser des Römischen Reiches. Er galt als fleißig und gerecht, also ein positives Namensvorbild. In Deutschland sind die August-Namen aber alle nicht mehr in Mode.

      Die Monate September, Oktober, November & Dezember sind lediglich nach ihrer Position im julianischen Kalender benannt: der siebte, achte, neunte und zehnte Monat. Eher unkreativ. Sein Kind nach einem dieser Monate zu benennen, dürfte sich schwierig gestalten.

    • August, Auguste, Augusta und Augustin sind meines Erachtens wieder etabliert. Vor allem August, der ist jetzt nicht mehr sooo selten in jungen Familien.
      Einen Teenager-Augustin, einen Neugeborenen-August (mit Bruder Wilhelm) und einige Carl Augusts (alles Kinder) kenne ich persönlich.

      Dann kenne ich noch eine Maischa (um bei den Mainamen zu bleiben). MAISCHA Maria heißt sie (G: Johann ARON und Merle).

      Eine Frau und ein Mädchen namens Mai/Maj weilen auch in meinem Bekanntenkreis.

      Eine Majken kenne ich auch, gefällt mir auch. Und die zweite Tochter einer guten Bekannten heißt Maite, auch sehr schön (wenn auch schon sehr an die Kelly-Dame erinnernd).
      Maika gefällt mir auch sehr gut. Maike ist nett.

      Wenke

    • Sein Kind nach einem dieser Monate zu benennen, dürfte sich schwierig gestalten.

      Aber Septimus und Oktavius/an gibt es ja, wobei Oktavian ja wiederum auch August sein könnte, nach dem Kaiser, dass ist dann aber schon weiter hergeholt.
      Im Englischen ist April ja gar nicht so selten, November habe ich auch schon gelesen, Mark(us) und Martin können meines Wissens von Mars abgeleitet werden (zumindest letzterer) und theoretisch könnte Jana eine weiblich Form von Janus sein (auch wenn es von Johanna kommt).

  4. Maik finde ich ja auch eher 80er 🙂
    Aber nein, wir werden auch keine Mai bekommen. Wobei ich sowohl Juli(e) als auch June sehr hübsch finde, selbst Augusta ist toll. June wäre allerdings ein herber Stilbruch…

  5. Im Amerikanischen ist eine Monats-Benennung häufiger. In einer Folge von “Eine schrecklich nette Familie” bekommt der Sohn eine (Valentinstags-?)Karte von einer “April Mai June” und denkt zuerst, er würde hereingelegt.

  6. Ich finde es schade, dass der Name Maika eigentlich fast immer mit “Wurst” assoziiert wird. Als Kind musste ich mir diesen unmöglichen Werbespruch andauernd anhören. Dabei hat er doch einen schönen Klang und als Variante von Maria einen tollen Hintergrund.
    Ich bin als Maika auch ein Mai-Kind – oder Maikäfer 😉 und finde das klasse. Empfinde das nicht als platt, sondern eher als niedliche Anekdote.

  7. Wir haben unserer Tochter Mai als Zweitnamen gegeben, als Hommage an die friesische Herkunft des Vaters. Und als solche an meine Mutter, deren Spitzname Mai’li ist. Die anderen beiden Vornamen sind deutsch. Die Resonanz auf den Namen war verhalten, aber ich bereue es nicht. Der Name weckt in mir so viele schöne Assoziationen und er passt zu unserem blonden Mädchen, das im September geboren ist.

  8. Ich ergänze: Mailina – gestern in der Zeitung gelesen. Wirkt schon wieder ganz anders als Mailin oder Majlinda … eher skandinavisch (ich denke bei Lina ja immer an die Magd aus Lönneberga ;-)).

  9. “Die Monate September, Oktober, November & Dezember sind lediglich nach ihrer Position im julianischen Kalender benannt: der siebte, achte, neunte und zehnte Monat. Eher unkreativ. Sein Kind nach einem dieser Monate zu benennen, dürfte sich schwierig gestalten”

    Das ist so nicht ganz richtig.
    Zu September würde Septimus (der siebte, da in der Antike der September der siebte Monat war) passen (ich würde meinen Sohn jetzt so nicht nennen, aber es wäre möglich ^^)
    Zu Oktober (von lat. octo = acht) passen Octavius (der berühmteste Octavius dürfte wohl Kaiser August sein) und Octavia (seine Schwester).
    Der November (novem = neun) und der Dezember (decem = zehn) sind nach den Parzen Nona (finde ich eigentlich ganz hübsch) und Decima benannt (Sie sind ursprünglich die Geburtsgöttinen und stehen für den neunten und zehnten Schwangerschaftsmonat) Sie sind zusammen mit ihrer Schwester Parca/Morta die Schicksalschwestern. Man glaubte, dass das Schicksal von ihnen gewebet wird. Nona spinnt den Faden, Decima vermisst ihn und Morta (Tod) zerscheidet ihn.
    Das war mein kurzer Ausflug in die römische Geschichte und Mythologie.

    Liebe Grüße
    Miez

  10. Ich hab noch einen: den Mädchennamen Majvi [Mai-wie] – auch Maivi zu schreiben. Mit j schwedisch und dänisch, mit i schwedisch und norwegisch.

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