Anna, die dumme Königin von Arendelle

Staudamm
Staudamm. Bild von Thomas Ehrhardt auf Pixabay

Annemarie hatte es ja schon im letzten Jahresrückblick gespoilert: Die Mutter von Anna und Elsa heißt Iduna. Jetzt habe auch ich endlich den Film Die Eiskönigin II gesehen, aber leider keine neuen vielversprechenden Vornamen gefunden. Was den Einfluss der Namen der neuen und altbekannten Frozen-Protagonist:innen auf unsere Vornamenstatistik angeht, kann ich berichten, das es den nicht gibt: Weder Elsa, Anna, Sven, Olaf, Kristoff noch Iduna wurden seit dem Filmstart signifikant häufiger vergeben.

[Es folgt ein weiterer Spoiler!] Das ist nicht weiter schlimm, aber eine andere Sache bedrückt mich sehr: Anna löste am Ende des Films ihre Schwester Elsa als Königin von Arendelle ab. Ich hoffe, dass sie gut beraten wird, denn sie hat bewiesen, dass sie nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Wenn sie so regiert, wie sie in Die Eiskönigin II gehandelt hat, sehe ich eine düstere Zukunft für Arendelle. Dann wird Die Eiskönigin III eine Tragödie!

Welche Dummheit hat Anna begangen? Damit alles gut wird, musste ein riesiger Staudamm zerstört werden. Anna veranlasste das im Bewusstsein, dass die resultierende Flutwelle ihre Heimatstadt Arendelle dem Erdboden gleichmachen würde. Dass es anders kam konnte sie wirklich nicht ahnen. Dabei wäre dieses Risiko leicht vermeidbar gewesen: Ein kluger Kopf hätte den Stausee zunächst kontrolliert entleert und so die Flutwelle bei der Zerstörung des Staudamms verhindert. Das hätte zwar ein paar Tage gedauert, aber es wäre kein Problem gewesen, denn es gab keinen Termindruck.

Im Interesse der Bürger:innen von Arendelle: Setzt Königin Anna ab!

Peter, Stevie & Lindsey – die Vornamen von Fleetwood Mac

Peter, Stevie und Lindsey – die Vornamen von Fleetwood Mac

Peter Green, einer der Gründer der megaerfolgreichen Rockband Fleetwood Mac, ist gestorben. Zur megaerfolgreichen Rockband wurde die Band allerdings erst nach dem Ausscheiden von Peter Green und dem Einstieg von Stevie Nicks und Lindsey Buckingham – zu Peter Greens Zeiten war Fleetwood Mac „nur“ eine erfolgreiche Bluesband. Diese Veränderung ist nicht nur für Musikfans bedeutend, sondern noch viel mehr für Vornamenfans, denn was soll man noch über den Allerweltsnamen Peter schreiben? Stevie und Lindsey dagegen …

Beide Namen kommen in Deutschland nur selten vor und gehörten auch in den USA noch nicht zur Spitzengruppe. Allenfalls Lindsey (ursprünglich ein Familienname nach einer englischen Region) war in den 1980er und 1990er Jahren in den amerikanischen Top 100 der häufigsten Mädchennamen vertreten. Kurioserweise ist das berühmte Namensvorbild Lindsey Buckingham (Geburtsjahrgang 1949) ein Mann! Auch Stevie (eine Koseform von diversen Vornamen, zum Beispiel Steven) ist ein Unisex-Name, der aber überwiegend als männlicher Vorname gebräuchlich ist. Kurioserweise ist das berühmte Namensvorbild Stevie Nicks (Geburtsjahrgang 1948) eine Frau! Wobei anzumerken ist, dass die Fleetwood Mac-Sängerin mit bürgerlichem Namen Stephanie Lynn Nicks heißt und Stevie nur ihr Künstlername ist. Auch Stevie Wonder, das berühmteste männliche Namensvorbild, heißt eigentlich anders: Stevland Hardaway Judkins Morris (Geburtsjahrgang 1950). Um Missverständnisse zu vermeiden: Der gehört nicht zu Fleetwood Mac.

Hier die Vornamen aller Bandmitglieder aus der wechselhaften Geschichte von Fleetwood Mac seit der Bandgründung im Jahr 1967 bis heute:

Christine Anne * Daniel David * David * David Thomas * Dorsey William * Jeremy Spencer * John Graham * Lindsey Adams * Michael John * Michael Wayne * Neil Mullane * Peter Allen * Rebekka Ruth Lazone * Richard Francis * Robert * Robert Joseph * Robert Lawrence * Stephanie Lynn

Babynamen der Woche 30/2020

Laura * Ronida Lisa * Valerio * Alberta * Jannik * Henri Julius * Kaja * Jarno Maxim * Marius * Elin Olive * Xiomara Norma * Mine Helin * Julian Frederik Konstantin * Carl Leander * Allegra * Frieda Paulina * Arva (f) * Flora Momo * Noah Emil * Youna Louanne * Niklas Liam * Charlotte Florentine * Jonathan Friedrich * Celine Mathilde * Erwin * Lorik * Fritz Emil * Karl Johann * Mika Peter * Kiki Rose

Ratespiel: Woher kommen diese Babynamen?

Babynamen der Woche 29/2020

Melina Philina Finja * Calvin * Mohamad Tim * Ayoub * Tayo * Lina Irmgard * Lenjan Levi * Maximilian Loris Ludwig * Ilina * Alessia Eliana * Jack Magnus * Conan Albert Wolfgang * Lissiana * Edina * Lara-Sharon * Kisha Alia * Lion Gregor * Mia Marili * Pascal Piero * Sophia Magdalena * Amir Antoine * Milosz * Holly * Keno * Yaiza Gabriela * Dayna * May Linn * Enes * Eva Marija * Lean Luca

Zehn Namen – ein Buch 3

Heute mal wieder ein Ratespiel: Die folgenden Namen kommen alle in dem Buch vor, das ich zuletzt gelesen habe. Wer erkennt es? Und welche dieser Namen gefallen Ihnen?

1. Marie: Platz 8 bei den beliebtesten Mädchennamen, Platz 2 bei den Zweitnamen – der Name Marie ist heute wirklich in fast jeder Krabbel- oder Kitagruppe vertreten, nur eben oft als stumme Beigabe. Auf Preise für Originalität sind Marie-Eltern sicher nicht aus, stattdessen erfreuen sie sich am weiblichen, doch nicht weichlichen Klang dieses Klassikers und darüber, dass ihn jeder gleich richtig schreibt und spricht. Ach ja: Umgangssprachlich kann mit „Marie“ auch Geld gemeint sein.

2. Marius: Lange habe ich bei Marius gleich zu „Müller-Westernhagen“ durchgeschaltet, doch das hat sich in letzter Zeit gegeben. Wenn man sich die Statistik anschaut, scheint Marius ein Kind der späten 80er und der 90er zu sein, im Jahr 1994 kam er sogar in die deutschen Top-50 (Platz 47). Was im Umkehrschluss heißt: So richtig beliebt war dieser bekannte, einfach zu schreibende Name nie – ein Geheimtipp?! Interessant finde ich, wie anders der eher in den frühen 70ern populäre Mario wirkt. Mir fällt da unweigerlich ein kleiner, etwas beleibter Italo-Klempner mit Schnauzbart ein. Na super!

3. Joseph: Josef mit f ist vor allen in Bayern verbreitet und auch sonst häufiger als die vielleicht etwas „internationaler“ scheinende Variante mit ph. Rund 3.400 zwischen 2006 und 2018 in Deutschland geborene Jungen schreiben sich Josef, etwa 900 dagegen Joseph – aber dazusagen müssen sie ihre Schreibweise wohl so oder so. In Nord- und Ostdeutschland ist der Name generell selten. Assoziationen gefällig? Maria & Josef, der Bernhardiner von „Heidi“, außerdem Beuys, Goebbels, Stalin, von Eichendorff.

4. Josefina: Auch hier gewinnt das f. Josefina wurde in Deutschland von 2006 bis 2018 ungefähr 890-mal als erster Vorname vergeben, Josephina circa 570-mal. Wer Spitznamen mag, dürfte mit Josie und Fina auf seine Kosten kommen. Es handelt sich bei dem Namen um eine Erweiterung von Josefa, dem Josef-Pendant; alle drei teilen sich die Bedeutung „Gott möge vermehren“. 2019 landete Josefina/Josephina auf Platz 350 der beliebtesten Vornamen – ein ganzes Stück hinter Josefine/Josephine (Platz 66), bei der man sich allerdings (im Fall von ph) bei der Aussprache nicht so sicher sein kann.

5. Oscar: Wiederum ist es die seltenere Schreibweise, die in meinem Buchrätsel eine Rolle spielt. Ganze 82 Prozent der zwischen 2008 und 2018 hierzulande geborenen Träger dieses neuen alten Modenamens (zuletzt Platz 17) schreiben sich Oskar. Der Name wurde Ende des 18. Jahrhunderts über die Ossian-Dichtung des James Macpherson bei uns bekannt (der seine Zeitgenossen gehörig an der Nase herumführte, weil er sein Werk als Aufzeichnung einer gälischen mündlichen Überlieferung ausgab). Ich denke eher an den Filmpreis, den grünen Griesgram aus der „Sesamstraße“, den Jungen, der nicht wachsen will („Die Blechtrommel“), Oscar Wilde, den kleinen Prinzen von Schweden – ja, und daran, dass Jungs namens Oskar/Oscar besonders oft in Ostdeutschland leben.

6. Oscara: Diese Mädchenvariante von Oscar ist mir noch nie irgendwo begegnet, nur in dem besagten Buch. Bei näherem Hinsehen gar nicht mal so übel, oder? Immerhin steht der Name Cara auf Platz 303, vermutlich befeuert durch Model und Schauspielerin Cara Delevingne. Dazu ist der Anfangsbuchstabe O für ein Mädchen fast ein Alleinstellungsmerkmal: Außer Olivia gibt es da nicht viel. Den originellen Kommentar „Ach, wolltet ihr eigentlich einen Oscar …?“ müssten Eltern allerdings aushalten können.

7. Eugenie: Leitet sich aus dem Griechischen ab und steht für „edel, wohlgeboren“. Mir fallen dazu ein: ein Urgroßonkel mit dem hoffnungslos (?!) altmodischen Namen Eugen, Eugenia Herdmann, Eugenie von York, leider auch die Eugenik sowie last but not least der richtige Name der männlichen Hauptfigur in „Rapunzel – Neu verfönt“, den ich in einem Namensforum schon mal in der … na sagen wir, kreativen Schreibweise „Jogien“ entdeckt habe.

8. Etienne: Anders als Eugenie erfreut sich der Name Etienne bei uns doch immerhin so großer Beliebtheit, dass er zuletzt auf Platz 397 landen konnte. Ich kann mir das nicht so recht erklären. Am End-Achtziger-Jahre Hit „Étienne“ samt frivolem Skandal-Video wird es ja wohl nicht mehr liegen – oder? Seltsam fand ich es auch schon immer, dass es sich hier um eine französische Form von Stefan handeln soll.

9. Zenaide: Jetzt wird es aber mal so richtig ausgefallen! Dieser Name soll „Leben aus Zeus“ bedeuten und mit Zenobia (kennen Sie eine?) verwandt sein. Mich erinnert Zenaide an „Tausendundeine Nacht“, wohl wegen Scheherazade, und an meine Interviewpartnerin von vor drei Jahren, die als Zuleyka geboren wurde. Tipp zur Aussprache: Zena-ide ist richtig, was auch mit dem Trema, dem liegenden Doppelpunkt, auf dem i verdeutlicht werden kann. Allerdings dürfte sich dieses Sonderzeichen in Deutschland eher als lästig erweisen, wie auch in „Noel mit Pünktchen auf dem e“ erläutert wird.

10. Desideria: „Die Ersehnte, die Erwünschte“ – die Bedeutung von Desideria dürfte vielen Eltern gefallen. Dennoch und obwohl er ziemlich einfach zu sprechen und zu schreiben ist, handelt es sich bei diesem Namen um einen absoluten Exoten. Fünf Silben in einem Namen sind eben schon eine Hausnummer. Zwar werden süße Kurzformen – Desi und Ria – gleich mitgeliefert, der Gesamteindruck ist aber trotzdem eher formell. Brüder könnten zum Beispiel Apollonius oder Valerianus heißen.

Na, erkannt – ohne groß im Netz herumzusuchen? Was hat Sie auf die Spur gesetzt? Psst: Einige markante Namen aus meinem Rätselbuch habe ich weggelassen und dazu noch ein bisschen getrickst …

Teil eins und Teil zwei der Reihe Zehn Namen – ein Buch