Emilie – es ist kompliziert

Ein niedliches Mädchen, die kleine Emily. Sie wohnt mit ihren Freunden im Erdbeerland. Ob es wohl zu ihrem Geburtstag auch Erdbeertorte gibt? Na, Spaß beiseite – die Freunde grübeln schon, womit sie die nette Kleine überraschen können, und fallen alle prompt auf den Betrüger Spekulantius rein …

So konnte man es 1983 in der „Hörzu“ lesen. Zur Figur Emily Erdbeer (im Original „Strawberry Shortcake“) gab es damals eine Zeichentrickserie im ZDF, außerdem nach Erdbeeren duftende Püppchen und jede Menge Schnickschnack. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dieses Franchise-Wunder der Glückwunschkartenfirma American Greetings mitverantwortlich dafür, dass in den 90ern der Aufstieg des Namens Emily begann.

Zeitgleich nahm ein namenstechnisches Dilemma seinen Anfang: In vielen Familien gab es Omas, Tanten, Uromas … namens Emilie. Die Endung dieses bis etwa 1930 in Deutschland sehr populären Namens sprach man in vielen Gegenden wie bei „Familie“ – Emili-je oder Emil-je. Wie es genau zuging, ist nicht nachvollziehbar, doch Fakt ist, dass Emilie aus der Versenkung auftauchte, häufig aber gesprochen wurde wie die englische Variante. Auch die französische Form, Émilie, könnte eine Rolle gespielt haben, da auch sie mit einem i-Laut endet. Wer heute „Emilie“ in einer Geburtsanzeige liest, kann nur raten, wie die Eltern es gern hätten: neudeutsch oder wie zu Omas Zeiten? Mit etwas Glück gibt es Geschwisternamen, Jamie und Lynn beispielsweise oder Friedrich und Luise, die etwas Licht ins Dunkel bringen.

Noch nicht kompliziert genug? Kein Problem: Neben Emily und Emilie (zusammen auf Platz 16 der beliebtesten Namen Deutschlands) existieren Emely und Emelie (teilen sich Platz 63), wobei man sich darüber streiten kann, ob Emily und Emely nun beide „Emmeli“ ausgesprochen gehören oder nicht. Sehr ähnlich klingen sie allemal – weitaus ähnlicher als Emily und die alte Emilie. Unter ferner liefen rangieren Emmely, Emmelie, Emili, Emeli, Emmeli, Emilee, Amylie … alle schön selten und deshalb mit Dauerabo auf Schreibfehler.

Obwohl beliebte-Vornamen.de Emily und Emilie zusammenfasst, hier mal ein anderer Ansatz: Die derzeit häufigsten Namen, die mit ziemlicher Sicherheit „Emmeli“, „Emmili“ oder wie irgendwas dazwischen gesprochen werden, sind Emily, Emely und Emelie. Insgesamt tragen in unserer Datenbank 12.000 Mädchen der Jahrgänge 2006 bis 2017 einen dieser drei Namen an erster Stelle. Dabei entfallen auf Emily 73 Prozent – fast 9.000 Kinder –, auf Emely 17,5 Prozent und auf Emelie 9,9 Prozent. Daneben gibt es 1.000 Mädchen mit dem Namen Emilie, die sicher öfter mal falsch gesprochen werden (falsch geschrieben werden außer Emily vermutlich alle Varianten recht häufig). Ich finde ja, dass Emilie der alten Aussprache vorbehalten bleiben sollte. Ansonsten würde ich Eltern gerne Emily, Emely oder – bei akuter Abneigung gegen das y – Emelie ans Herz legen. Was meinen Sie?

Namensvariantentorte Emely

Wo ich gerade dabei bin: Wäre es nicht auch viel klarer und einfacher, nicht nur in der Vornamensstatistik, wenn Jungs namens Milo hierzulande „Mielo“ gesprochen oder gleich Mailo geschrieben werden würden? Wenn Mädchen nur dann Josephine oder Caroline heißen würden, wenn man das e am Ende auch hören soll (und sonst Josefin oder Carolin)? Doch da bewege ich mich auf dünnem Eis – nur wenig mehr als einen Finger breit von Daymien und Konsorten entfernt …

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

29 Kommentare zu "Emilie – es ist kompliziert"

  1. Annemarie sagt:

    Als Nachtrag ein paar Begründungen für die Wahl der Schreibweisen, auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin:

    Emily:
    * „richtig“
    * „bekannt“
    * „international“
    * „logisch, weil von Emil abgeleitet – es heißt ja nicht Emel“

    -lie als Endung:
    * „deutsch“
    * „französisch“
    * „sieht schöner aus“

    Emely/Emelie:
    * „soll unbedingt mit e drin gesprochen werden“
    * „soll kein Emil + i sein“
    * „sieht schöner aus“

    Emmelie:
    * „näher an der Aussprache“
    * „skandinavisch/dänisch“
    * „sieht schöner aus“ 🙂

    Der Name Emilie soll auch in Dänemark und Schweden in den Hitlisten vorkommen. Weiß jemand, wie er dort gesprochen wird? Anders als die wohl auch dänische Emmelie?

    • Annemarie sagt:

      Ach ja, für viele, die weder Emily noch Emilie, sondern eine der x anderen Formen wählen, gilt auch:
      * „Wir wollen was Besonderes“

    • Ayame sagt:

      Huhu, ich habe mal in DK gewohnt und bin dort einigen Emilies begegnet. Diese wurden allesamt im Prinzip ähnlich wie die deutsche Aussprache (die ich auch am schönsten finde) „ÄMMIEHLJE“ ausgesprochen. Kurze erste Silbe, dann der dänische „Stoßlaut“ „I“ mit „JE“. Ich hoffe, das ist verständlich, ist etwas schwer zu erklären, man müsste es hören…. 😉

    • Jan sagt:

      Also, ich würde auch sagen:

      Emily = englische Aussprache, die ja im deutschen nicht fremdartig oder „prolli-englisch“ wirkt. /ÄMMelie/

      Emilie = altertümliche deutsche Aussprache. /eMIHlie/

      Komischerweise finde ich hier mal die englische Variante etwas hübscher, aber das wird eine Privatmacke sein. Allemal zwei sehr hübsche Namen. 🙂 Wenn man die denn als zwei Namen rechnen will. Emily klingt in meine Ohren femininer, mädchenhafter; Emilie etwas strenger, matronen- oder damenhafter. Beides hat seine Berechtigung.

      Vielleicht ist Emilia auch deshalb ein Modename (aktuelle Top 10) geworden, weil es da keine Zweifel hinsichtlich der Aussprache gibt? Auch das ist ein hübscher Name, finde ich.

      Die anderen Varianten sehen in meinen Augen falsch aus…

    • Maria Th. sagt:

      Das sehe ich ganz genauso. Emily, Emilie und Emilia wären auch für mich die einzig möglichen Formen. Alles andere sieht falsch aus!
      Ich erfinde mal noch zum Spaß eine neue ultrafalsche Variante:
      Ehmillyah!

    • Rebecca Sophie sagt:

      Wie wäre es mir Aemilia / Ämilia, wahlweise auch mit anderer Endung.
      Emalia/e ginge sonst auch noch. 🙂

    • Jan sagt:

      @ Rebecca Sophie

      Wie wäre es mir Aemilia / Ämilia, wahlweise auch mit anderer Endung.

      Nee, des derfscht net, weil ansonsten wieder mal das Amelie-Thema im Raum steht. 😀

      Amal. Auf arabisch „Hoffnung“. So hieß in den 80ern die wichtigste Miliz der Schiiten im Libanon, heute de facto in der Hisbollah aufgegangen.

    • Annemarie sagt:

      Grundlage aller Emil-Namen ist der altrömische Geschlechtername Aemilius, von daher ist Aemilia gar nicht soo weit hergeholt. Da fällt mir noch die Mutter ein, die ihre „Ella“ zu rufende Tochter unbedingt Ælla schreiben wollte …

      Bei Amal denke ich ja an Frau Clooney 🙂

    • Rebecca Sophie sagt:

      Analog zu Amelia könnte man Aemile dann ja sogar Aemelia schreiben, und noch ein bisschen individueller werden. Als Aemely, Aemelie oder auch Aemeli sieht natürlich auch.

    • Jan sagt:

      Grundlage aller Emil-Namen ist der altrömische Geschlechtername Aemilius

      Haha, ja, das stimmt vermutlich!

      So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen und den „Internationalen Verein aller Emil-Namen-TrägerInnen e.V.“ gründen!

      Als Vereinssitze kämen infrage:
      – Amelinghausen, Niedersachsen
      – Emeliesburgh, Pennsylvania
      – Jemilograd, russischer Nordkaukasus
      – Schloß Amalienburg
      – San Emilio, Bolivien
      – Ama LeUbuntu, Botswana
      – Ömölü-Yurt, Usbekistan

  2. Lilien sagt:

    Ja ich bin auch absolut dafür, dass Emilie Ausnahmslos den Eltern vorbehalten sein sollte, die ihr Kind in der alten deutsche Aussprache rufen möchten. Dann könnten diese sich auch endlcih mal wieder trauen den Namen zu vergeben und müssten nicht ständig Angst haben eine Emily zu bekommen.

  3. elbowin sagt:

    Für mich ist Emily die Kühlerfigur aufm Rolls-Royce … ob das bei der Namensvergabe hierzulande auch mitspielt?

    • Annemarie sagt:

      Bei dem Mädchen, das wegen seines Bindestrichzweitnamens Extra durch die Medien ging, soll das der Fall gewesen sein (trotz anderer Schreibweise).

  4. Annemarie sagt:

    Noch ein Gedanke: Theoretisch kann eine Emilie sich von Freunden „Emily“ rufen lassen, im Job aber „Emil-je“ heißen – oder umgekehrt. Oder sie wechselt ihre Wunschaussprache irgendwann im Lauf ihres Lebens. Eine Emily kann das nicht.

  5. Rebecca Sophie sagt:

    Ich habe neulich von einer Emilie gelesen, die Mila abgekürzt wurde, bin mir aber nicht sicher in qie weit das der Realität entspricht.

    • korax sagt:

      Ja, gibt es in meiner Verwandschaft so. Emilie (Emil(i)je gesprochen) ist schon ein älterer Teenager, Rufname in der Familie und wohl auch im Freundeskreis ist Mila.

  6. Mareike sagt:

    In meiner weitläufigen Verwandtschaft gibt es auch eine Emilie (ca. 85 Jahre alt). Ich kenne sie nur als Tante Emmi bzw. ihre Enkel sagen natürlich Oma Emmi. Sie hat ein Urenkelkind (3 Jahre), das nach ihr benannt wurde, aber nicht Emilie, sondern Emilia. Ich vermute mal, hier wurde Emilia genommen, um die Aussprache „Emmeli“ zu vermeiden. Aber der familieninterne Rufname ist auch wieder Emmi, das finde ich süß und das passt auch.

    Emely
    Ich kenne auch eine Emely (8), sie ist eine Freundin meiner Tochter. Ein nettes Mädchen, die Familie ist völlig in Ordnung. Ihre Eltern stammen aus Osteuropa und ich denke sie wußten die Schreibweise des Namens einfach nicht besser.
    In diesem Fall würde ich mir wünschen, dass der Standesbeamte einen Hinweis gibt oder nochmal nachfragt. Aber mittlerweile ist es denen wohl egal, wie die Leute die Namen ihrer Kinder schreiben (z. B. Kalotta). Alles darf „eingedeutscht“ werden. Man darf alles so schreiben, wie man es hört. So lernen die Kinder in der Grundschule heute die Rechtschreibung.

    Ich würde es ja auch gut finden, wenn man Emilie wieder „Emilije“ aussprechen würde. Aber ich befürchte, dass wird nichts, denn je häufiger Emilie (= Emmeli) vorkommt, desto mehr Leute glauben, dass das richtig ist.

  7. Jan sagt:

    Wenn Mädchen nur dann Josephine oder Caroline heißen würden, wenn man das e am Ende auch hören soll (und sonst Josefin oder Carolin)?

    Ich weiß nicht, wie man das sprachwissenschaftlich nennt, aber das Schwa am Ende geht doch in Französischen auch mal als Silbe durch und mal nicht. „monde“, „table ronde“, „grande“. Sind das jeweils ein oder zwei Silben? Was ist mit Marine le Pen? (Eigentlich Marion Anne le Pen wie ich gestern in der HAZ gelesen habe. Verdammte Bretonen.)

    Emily. In den Überlegungen fehlt noch der Simon & Garfunkel-Song aus den 60ern: „For Emily, Whenever I May Find Her“. In dem Lied wird der Name aber nicht erwähnt/artikuliert.

    Auch von Paul Simon („The Dangling Conversation“):

    And you read your Emily Dickinson
    And I my Robert Frost

    Emily würde ich daher immer englisch aussprechen. Schöner Name.

  8. Mareike sagt:

    Ich kenne keine alte Karoline (oder Karolina). Aber der Name taucht in Geburtstagsanzeigen (80. oder 90. Geb.) oder aber in Todesanzeigen auf. Karoline würde ich immer mit e sprechen.

    Eine Caroline oder Carolin ist Anfang 30 oder jünger. Die schreiben sich fast alle mit C und das e von Caroline ist stumm. Vielleicht war Caroline von Monaco hier das Namensvorbild. Gefühlt würde ich aber sagen, dass Carolin häufiger vorkommt als Caroline. Die Variante Carolin wirkt auf mich sympathisch, weil ich ein nettes, junges Mädchen mit diesem Namen kenne. Eine junge Karoline ist mir aber noch nicht begegnet.

    • Julia sagt:

      „Eine Caroline oder Carolin ist Anfang 30 oder jünger“ – stimmt, in meiner Schule war das damals ein echter Modename in den Jahrgängen von etwa 1976 bis 1983. Allerdings wurde das e am Ende immer mitgesprochen.

      In der Uni gab es tatsächlich eine Karoline in meinem Alter (Jahrgang 1979). Sie hat jedes Mal gesagt: Karoline bitte mit K, und trotzdem wurde sie immer mit C geschrieben, weil es einfach so gebräuchlich war.

      Ich kenne eine alte Karoline, sie müsste jetzt ca. 80 sein. Ihre Schwester heisst Steffi! (nein, nicht etwa Stefanie!)

    • Annemarie sagt:

      Ich habe ja mal von einem Jungen namens Carolin gelesen, dessen Eltern sauer waren, dass man immer von einem Mädchen ausging … 😉

    • Maria Th. sagt:

      An die Eltern :
      Selber schuld!

    • Jan sagt:

      Dann warten wir mal auf die erstem Konradines, deren Eltern sauer sind, weil sie immer für einen (geköpften) Jungen gehalten wird. 😀

      Karoline bleibt für mich auf ewig mit der dänischen Käsekuh verbunden. Und eben nicht primär mit Caroline von Monako. Für die Jüngeren: Karoline war in den späten 70ern / frühen 80ern so eine rot-weiße Comic-Kuh, die sich die dänische Milchwirtschaft in Konkurrenz zur holländischen „Frau Antje“ einfallen lassen hatte.

    • Chiocciola sagt:

      Die beiden Carolinen, die ich persönlich kenne, werden beide Ka-ro-li-ne gesprochen. (Geboren in den 70erJahren und in den 00er Jahren.

      Ich würde Emilie auch deutsch aussprechen oder französisch – auf der letzten Silbe betont, aber niemals wie Emily.
      Kenne auch keine Emilie, die so ausgesprochen wird.
      In der Serie „Unser Lehrer Dr. Specht“ (90er Jahre) kam ein Mädchen namens Emilie vor, die wurde deutsch ausgesprochen.

  9. Annemarie sagt:

    Die Schreibweise Emelie könnte auch im Windschatten des Namens Amelie aufgekommen sein. Von da bis zur „Emily“ gesprochenen Emilie wäre wieder nur ein geänderter Buchstabe erforderlich.

  10. Naja sagt:

    Emely sieht aber doch aus wie ein Schreibfehler – ich finde es gruselig. Und bei Emilie bin ich auch für die deutsche Aussprache.

  11. Dore sagt:

    Ich war zugegebenermaßen sehr irritiert, als Anfang des Jahres in meinem Bekanntenkreis eine „Emmilie“ geboren wurde. Die Schreibweise sieht für mich – ich sage es ungern – ungebildet aus, weil vermutlich à la „Tschakkeline“ versucht wurde, durch das Schriftbild die Aussprache zu verdeutlichen. (Mal sehen, vielleicht frage ich bei Gelegenheit doch noch mal nach, warum diese Schreibweise gewählt wurde…)

    • Maria Th. sagt:

      Und wie ist die Aussprache? EMMili oder eMILje?
      Die Begründung lässt du uns bitte zukommen, wenn du eine erhältst?

  12. Diana sagt:

    Unsere Familienhündin hört auf den Namen Amy. Als sie noch ein kleiner Welpe war, sah sie mit ihrem überwiegend weißen Fell wie ein plüschiger kleiner Eisbär aus, sodass sie von mir aufgrund des Niedlichkeitsfaktors, der mich damals komplett überwältigte, den Kosenamen „Emmelein“ bekam. Irgendwann stellte ich dann fest, dass es diesen Namen sowohl in Deutschland als auch in England und in Frankreich tatsächlich gibt, allerdings natürlich in unterschiedlicher Aussprache. In Deutschland schreibt man Emmeline und spricht den Nacht Em-me-li-ne, in Frankreich schreibt man den Namen ebenso, spricht ihn aber Em-me-lien, und in England schreibt man ihn auch Emmeline, spricht ihn jedoch Em-me-lein.

    Als Kosenamen für unsere Hündin, obwohl sie inzwischen schon lange kein Welpe mehr ist, sage ich „Emmelein“ übrigens auch heute immer noch bei Kuschelstunden; als Name bei einem Kind würde er allerdings sicher ein ebensolches Chaos bei der Aussprache auslösen wie Emily, Emely, Emilie, Emmely, Emmelie, Emili, Emeli, Emmeli, Emilee und Amylie.

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