Die liebe (Not mit der) Aussprache

„Wie heißt du denn?“ – „Sophie.“

Dieser Minidialog, den ich neulich mit einer etwa elfjährigen Hamburg-Touristin führen durfte, hat mich zum Nachdenken gebracht. Ihre Sophie klang nämlich nicht wie meine (auf der zweiten Silbe betont), sondern eher wie ein verniedlichtes Polstermöbel: SOfi.

Irgendwie hatte ich bislang gedacht, der Erfolg von Sophie rühre daher, dass die Aussprache dieses Namens so eindeutig ist und er sich just wegen seiner Betonung so gut als „middle name“ macht. Dass aus Sophie irgendwo angeblich Soffi wird (?!) und dass die Tante meines Mannes ihren Drittnamen Sofi-e spricht mit separatem e (wenn sie ihn denn überhaupt spricht), hatte ich als bloße Kuriositäten abgetan. Aber so einfach ist es wohl doch nicht.

Trotzdem stachelt es mich zum Widerspruch an, wenn ich von Eltern höre oder lese, die Namen mit schwieriger Aussprache favorisieren mit der Begründung, man könne sowieso bei keinem Namen sicher sein, dass der richtig gesprochen werde. Ah ja? Tim, Tom, Anna, Lena … mir scheint es viele narrensichere Namen zu geben. Und vor allem: nicht nur Schwarz und Weiß, sondern jede Menge Graustufen. Sprich: Namen, die hierzulande mit höherer Wahrscheinlichkeit falsch gesprochen werden als andere. Regionale Besonderheiten lasse ich dabei mal außen vor. Dass Eltern mit ihrem Lieblingsnamen kaum durch die Republik tingeln können, um abzuklären, ob dieser irgendwo komisch ausgesprochen werden könnte, ist klar. Sollte es Klein-Astrid doch mal ins Schwäbische verschlagen, ist das einfach Pech. Über offensichtlichere Fallstricke sollte man aber zumindest mal nachdenken.

„Ich kann mein Kind unbesorgt Miguel/Kjetil/Päivi nennen – unser Umfeld wird schnell wissen, wie wir das ausgesprochen haben wollen, und das ist doch die Hauptsache.“ – Wirklich? Ich frage mich immer, ob diese Leute daran denken, dass ihr Kind auch mit Menschen zu tun haben wird, die es noch nicht kennen. In Behörden, im Job, bei jedem Päckchen, das der DHL-Bote ihnen reicht: „Post für Migu-el Meier, sind Sie das?“ Ob man den Sprecher nun korrigiert oder nicht – so was nervt doch, oder?

Paketbote © detailblick-foto - fotolia.com

Paketbote. Foto © detailblick-foto – fotolia.com

Hinzu kommt, dass viele Menschen wenig Gespür für sprachliche Nuancen haben. Dass ihr neuer Großneffe, der kleine Liam, nicht Lai-äm, sondern Li-äm (oder doch deutsch Li-am?) gesprochen werden soll, bekommen sie nach erster Fehlinterpretation der Geburtsanzeige vielleicht noch hin. Aber Cousine Kathleen aus Leipzig sagt Onkel Gerhard nun schon seit über dreißig Jahren, dass sie ihren Namen auf der ersten Silbe betont (KATT-lehn statt Kat-LEHN) grauenvoll findet – keine Chance. Dabei möchte er sie gar nicht ärgern, wirklich nicht. Er hat nur einfach kein Ohr für den Unterschied.

Mehr Modenamen mit Aussprache-Hürden (meist: deutsch oder englisch?): Jonah, Damian, Milo, Lionel, Patrick und Annie, Josephine, Joleen, Jolina/Joelina.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

94 Kommentare zu "Die liebe (Not mit der) Aussprache"

  1. Knud sagt:

    Dass aus Sophie irgendwo angeblich Soffi wird

    Genau so wurden die ostfriesischen Sophies der Generation meiner Großeltern ausgesprochen!

    • Anja sagt:

      Im Münsterland auch!

      Mein Papa hatte auch seine liebe Not, plötzlich Sophie zu sagen, wo er seine Tante doch über 50 Jahre lang als Soffie kannte.

    • Violet sagt:

      Meine Oma spricht es auch Soffi 🙂

  2. Cis sagt:

    „Soffi“ lebt auch im Rheinland! 😉

  3. Ayame sagt:

    Ja, stimmt. Es gibt doch einige Namen, wo es – je nach Dialekt oder Region diverse Betonungen und Aussprachemöglichkeiten gibt. Sofi-e wird so in Dänemark ausgesprochen. Soffi habe ich auch schon im Rheinland gehört, auch wenn die meisten Sophies vermutlich die französisch angehauchte Aussprache bevorzugen dürften… 😉 Mir fällt hier noch spontan der Name „Esther“ ein. Entweder mit langem „E“ vorne „Eeeeester“ oder mit kurzem E vorne oder eben „Ästä“ in Frankfurt. 😉

    • Mark Büchsel sagt:

      Wohne neuerdings in Schwaben, und verstand erst gar nicht, was los war, als eine Schülerin sich als Eeeeschtr vorstellte: ich spreche den Namen nämlich Äs-ter aus.

  4. Chiocciola sagt:

    Nein, zu den Namen mit eindeutiger Aussprache gehört Sophie/Sofie eindeutig nicht.

    Auch in Bayern springen etliche „Soffi“s herum.
    Ich würde tendenziell Sophie auf der 2. Silbe und Sofie auf der 1. Silbe betonen.
    Ich kenne aber auch Sofies, die sich auf der 2. Silbe und Sophies, die sich auf der 1. Silbe betont sprechen.
    Dann ist mir mal eine englische Sophie („Soufi“, Betonung auf der 1. Silbe) begegnet.
    Die Aussprache mit getrenntem i-e und die Aussprache mit betontem, geschlossenem O (wie Sofa) ist mir noch nicht begegnet.

    „Jonah, Damian, Milo, Lionel, Patrick und Annie, Josephine, Joleen, Jolina/Joelina.“

    Jonah, Lionel, Annie, Joleen, Jolina und Joelina kenne ich in Deutschland keine persönlich.

    Damian habe ich von einem gehört, der englisch ausgesprochen wurde. Ob Damian oder Damien geschrieben, weiß ich nicht.
    Ich würde den Namen, wenn er mir geschrieben begegnet, deutsch aussprechen.

    Milo ist mir einer (ca. 2008 geboren) begegnet, er wurde gesprochen wie geschrieben. Gibt es den auch auf Englisch?

    Patrick kenne ich als „Patrik“ und als „Pätrik“ gesprochen

    Anni kenne ich eine (ca. 2010 geboren) – von mehreren Anfang des 20. geborenen Annis aus meiner Umgebung mal abgesehen, die „Anni“ gesprochen und ich glaube aber auch so geschrieben wird.
    Annie würde ich vom Kontext abhängig „Anni“ oder „Änni“ lesen.

    • Annemarie sagt:

      Ja, es gibt auch Milos, die „Mailo“ gesprochen werden. Einen kenne ich sogar (der Papa ist Brite). Umgekehrt kann hinter einem gehörten „Mailo“ ein Milo, Mailo oder Milow stecken – und vermutlich auch ein Mylo 😉

    • Knud sagt:

      Da bahnt sich für meine Statistik ein neues Emily/Emilie-Dilemma an.

    • Annemarie sagt:

      Stimmt 😉

  5. cassis sagt:

    Eine Zeitlang kannte ich eine Norwegerin namens Marie (ist inzwischen wieder in der Heimat). Irgendwann erzählte sie uns, sie spreche sich eigentlich „Marje“, habe sich aber an die in Deutschland vorherrschende Aussprache gewöhnt.

  6. Jan sagt:

    Wenn es in Ostfriesland so war und im Müsterland auch, im Rheinlande gar, wird es kaum überraschen, daß es sich im daziwschenliegenden Zentralniedersachsen auch so verhalten hat. Als Sophie noch ein Oma-Name war, wurde er einfach „SOffi“ ausgesprochen – und eine Marie eben auch „MaRIje“.

  7. cassis sagt:

    Ach, ich wollte noch eine zweite Story erzählen. Bei einem befreundeten in Franken lebenden Paar ist im vergangenen Jahr Nachwuchs angekommen, es wurde ein Junge, aber sie haben auch für ein Mädchen überlegt. Martha war kurz im Gespräch, kam aber nicht in die Tüte, weil die Leute da unten das nicht ordentlich aussprechen können (die sagen „Madda“ oder so etwas).

    • neuhier sagt:

      … und dann klingt Martha und Marder irgendwann gleich.

    • lenchen sagt:

      Im Griechischen wird die zweite Silbe von Eleni betont. Schriftbild ist auch Eléni.
      Helena gibt es in Griechenland auch als eigenständigen Namen (siehe Eurovision-Gewinnerin Helena Paparizou – die heißt auf griechisch Original auch so und nicht eigentlich Eleni).

      Soweit ich das im Kopf habe, kommt Eleni von Helene oder umgekehrt.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ich dafür umso mehr.
      Sehr unterhaltsam wird es dann wenn man feststellt, dass viele Ausländer die Hälfte der deutschen Vokale nicht aussprechen können. Auch wenn es eigentlich gar nicht so lustig ist.

    • Jan sagt:

      Ich dafür umso mehr.

      Du meintest das mit den geschlossenen Vokalen, oder? #threaverwirrung

      Ich hab ein langes, betontes ä im Nachnamen (wie in Jäger) – und das wird zumindest hier permanent zu einem geschlossenen EEH, also wie „Jeeehger“. Finde ich scheußlich, aber wenn ich mich immer drüber aufregen wollte, wäre ich schon auf der Geschlossenen gelandet. 😉

    • Rebecca Sophie sagt:

      Meinte ich.
      Ä wie ein langes, offenes E auszusprechen á la Keese finde ich aber auch schrecklich, wozu gibt es denn das ä?

  8. Annika sagt:

    Ich kenne auch große Ausspracheprobleme bei dem Namen Elena. Elenna vs. E-Lena

    • Annemarie sagt:

      … oder Ellena? Bei Eleni dasselbe: E-Leni vs. Ellenie …

    • Jan sagt:

      Soweit ich weiß, ist Eleni die neugriechische Form von Helena. (Wobei ich in Ermangelung von Griechisch-Kenntnissen nicht weiß, was denn eigentlich die altgriechische Form von Helena sei…) Ich kannte jedenfalls mal eine griechisch-grundierte Eleni, und die sprach sich /ELLeni/ aus.

    • Kathrin sagt:

      So kenne ich das auch, Eleni als neugriechische Form von „Helena“. Wobei Helena angeblich die wiederum lateinisierte Form sei (ähnlich wir Katharina). Im Altgriechischen gleicht der Name vom Schriftbild doch eher der Eleni als der Helena, finde ich.

    • Mareike sagt:

      Ich kenne das auch. Meine Tochter heißt Helena, wir sprechen sie HElena aus, mit Betonung auf der ersten Silbe. Es gibt aber auch Leute, die sagen HeLENA (Betonung auf der zweiten Silbe).
      Die meisten sprechen Helena so aus wie wir, ich verbessere aber niemanden, der es anders betont. Meine Tochter hat sich auch noch nie beklagt, ich nenne sie manchmal auch Lena.

    • Jan sagt:

      Die meisten sprechen Helena so aus wie wir, ich verbessere aber niemanden, der es anders betont.

      Jäp, meines Erachtens völlig richtige Einstellung! 🙂 (Ich würde Helena auch auf der ersten Silbe betonen, mit zwei kurzen Es. Helene hingegen auf der zweiten mit langem, geschlossenen E.) Die erwähnte griechischstämmige Eleni wäre sich auch nicht in Ohnmacht gefallen, wenn man sie /ElEHni/ ausgesprochen hätte.

      Und der nette Paketbote auf dem Bild dieses Artikel würde mit einiger Sicherheit auch „miGEL“ sagen. 😉

    • lenchen sagt:

      Im Griechischen wird die zweite Silbe von Eleni betont. Schriftbild ist auch Eléni.
      Helena gibt es in Griechenland auch als eigenständigen Namen (siehe Eurovision-Gewinnerin Helena Paparizou – die heißt auf griechisch Original auch so und nicht eigentlich Eleni).

      Soweit ich das im Kopf habe, kommt Eleni von Helene oder umgekehrt.

      EDIT: so, jetzt ist der Kommentar an der richtigen Stelle o_o“

    • Jan sagt:

      Im Griechischen wird die zweite Silbe von Eleni betont.

      Jäp, gut möglich! Ich kann kein Griechisch, und es ist mehr zwanzig Jahre her, daß ich diese deutsch-griechische Eleni kannte. Die hat sich aber, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, wirklich /ELlenni/ ausgesprochen. Vielleicht auch, weil ein betontes e im Deutschen fast zwangsläufig geschlossen ausgesprochen wird – als /elLEHnie/ statt /elLÄni/. Und das muß für Leute mit anderem Sprachhintergrund noch krauser klingen als eine Betonung auf einer anderen/falschen Silbe.

      (Diese Neigung zu geschlossenen, langen e’s und o’s ist eine phonetische Eigenheit meiner lieben deutschen Muttersprache, die ich wirklich nicht mag.)

    • Chiocciola sagt:

      „Soweit ich weiß, ist Eleni die neugriechische Form von Helena. (Wobei ich in Ermangelung von Griechisch-Kenntnissen nicht weiß, was denn eigentlich die altgriechische Form von Helena sei…) Ich kannte jedenfalls mal eine griechisch-grundierte Eleni, und die sprach sich /ELLeni/ aus.“

      Altgriechisches Schriftbild: Ἑλένη (Vor dem E ein Spiritus, den sieht man hier nicht gut, sieht aus wie ein hochgestelltes minikleines c und steht für den gehauchten Anlaut)
      Aussprache: Helénē

      Neugriechisches Schriftbild: Ελένη
      Aussprache: Eléni

      Im Neugriechischen gibt es den h-Laut nicht. Das η-eta (langes offenes e) wird im Neugriechischen als langes i geprochen.

      Helena ist die latinisierte Form.

      Ich kenne Helena auf der 1. Silbe betont gesprochen, habe aber früher als Kind den Namen auf der 2. Silbe betont gelesen, weil ich aus der Schule eine Helene kannte und dachte, Helena wird auch so ausgesprochen, nur a statt e.

      Helene kenne ich nur auf der 2. Silbe betont ausgesprochen.

      Das Thema Elena hatten wir ja kürzlich in einem anderen Thread.
      Den Namen gibt es in unterschiedlichen Sprachräumen. Nach meinem Wissen wird die italienische und spanische Elena auf der 1. Silbe betont, die bulgarische und rumänische Elena auf der 2. Silbe.

      Eleni wird nach meinem Wissen auf der 2. Silbe betont.

  9. Jan sagt:

    „Ich kann mein Kind unbesorgt Miguel/Kjetil/Päivi nennen – unser Umfeld wird schnell wissen, wie wir das ausgesprochen haben wollen, und das ist doch die Hauptsache.“

    Mal abgesehen von dem armen DHL-Boten: Diese Lehrer-Attitüde, seinem „Umfeld“ was beibringen zu wollen – also beispielsweise die Aussprache eines Namens oder sich die Schuhe auszuziehen, wenn sich zu Besuch sind, – ist natürlich herzallerliebst.

    Und natürlich: Da spricht Muddern. Vaddern sitzt treudoof daneben und nickt.

  10. Mareike sagt:

    Bei Sophie kommt es auf das Alter an. Ist sie jünger als 20, dann SophIE (Betonung auf der 2. Silbe). Eine Sophie, die älter ist als 70 wird in der Regel „Soffi“ ausgesprochen. In den Jahren dazwischen gibt es keine Sophies, aber dafür die russische Koseform Sonja. In meinem Alter (70er Jahre) und auch in den Jahrgängen davor und danach gibt es viele Sonjas.

    Jonah würde ich immer deutsch aussprechen. Ich kenne keinen Jonah, der englisch ausgesprochen wird, obwohl Jonah eigentlich die englischen Schreibweise ist.

    Damian und Milo würde ich deutsch aussprechen. Ich kenne aber niemanden, der so heißt.

    Patrick würde ich auch deutsch aussprechen. Patrick heißen in der Regel junge Erwachsene. Bei den Teenies gibt es hin und wieder einen Patrick, aber bei den kleinen Kindern ist Patrick völlig out.

    Wieso sollte ich Anni/Annie englisch aussprechen? Mir ist Anni als richtiger Name noch nie begegnet. Eine ältere Dame, die Anni genannt wird, heißt in der Regel Anna oder Anneliese, aber nicht einfach nur Anni. Ich kenne eine Annika (etwa 15), die von ihrer Familie auch Anni genannt wird.

    Josephine ist ein Sonderfall, alles ist möglich. Ich würde nachfragen, welche Aussprache gewünscht wird. Die französische Aussprache (mit einem weichen J) gibt es ja auch noch. Die gefällt mir persönlich auch besser als die englische Aussprache.

    Die Namen Lionel, Joleen, Jolina und Joelina würde ich erstmal englisch aussprechen. Wenn es falsch war, werden sie es mir schon sagn.

    • Jan sagt:

      Ich würde nachfragen, welche Aussprache gewünscht wird.

      […]

      Wenn es falsch war, werden sie es mir schon sagn.

      Die meisten hier werden mir wohl nicht zustimmen, aber ich finde es einfach falsch, den Leuten die Macht einzuräumen, selbst zu bestimmen, wie sie selbst oder ihre Blagen ausgesprochen werden wollen/sollen. Jedenfalls nicht grundsätzlich und prinzipiell. Manieren sind eben nicht individuell und sind nicht grundsätzlich irgendwelchen privaten Launen unterworfen. Gut, in der Praxis wird da jeder Kompromisse eingehen müssen und auch gerne eingehen, das ist klar. Aber ich lasse mir auch nicht von irgendwelchen Ikea-Typen erzählen, daß Kjell „Kschell“, am besten noch mit gezischeltem sch, auszusprechen sei. Zumindest theoretisch gibt es eben eine Norm: der berühmte Geschmack, über den sich nicht streiten läßt, weil halt nur einer der richtige ist. (Kein Sprichwort wird so oft falsch verstanden wie das mit dem Geschmack, über den sich nein streiten läßt.) Langen und empörten Geschwätzes kurzer Sinn: Niemand kann darauf pochen, daß sein Name auf eine bestimmte Weise ausgesprochen wird.

      Die Tochter der Schwester meiner Großmutter (müßte so um 1930 geboren sein), hieß tatsächlich Anni mit Vollnamen.

    • Annemarie sagt:

      Bei Patrick habe ich wirklich etwas gegraben, er steht aktuell auf Platz 206.

      Anni/Annie/Anny stehen zusammen auf der 44, da sind bestimmt „Ännies“ dabei. Unsere alte Nachbarin hieß wirklich Anni, und von einer kleinen deutschen, englisch gesprochenen Annie weiß ich auch (Schwester: Elaine).

    • Rebecca Sophie sagt:

      Na ja, Jan, das sehe ich etwas anders. Solange es such um rin Baby handelt werde ich die Eltern durchaus mit falscher Aussprache ärgern, aber das Kind ist ja sowieso schon ein bisschen gestraft und würde einfach gerne mit seinem Namen angesprochen werden, den Gefallen würde uch ich ihm dann auch tun, die Eltern dann aber eben doch mal ärgern.

    • Jan sagt:

      @ R.S.

      Ganz wichtig: es ging mir gerade nicht um Rechthaberei, sondern um Bekämpfung der Rechthaberei. Wenn mich ein lieber Klassengenosse aus der Unterschicht bittet, seinen Namen so oder so auszusprechen, dann mache ich das natürlich! Auch wenn ich es im Einzelfall für zweifelhaft halten mag. Man wird das mal bei Gelegenheit bei einem Kaffee oder einem Bier erläutern können. (Das hatte ich ja auch angedeutet.) Nur diesen Lehrertypen aus der Mittelschicht, die einem da Stöckchen zum Drüberspringen hinhalten wollen („Ey, Kjörben wird aber ‚Kschörben‘ ausgesprochen!“), ist kaum scharf genug zu begegnen – einfach durchbrechen wie ’ne Wildsau.

    • Mark Büchsel sagt:

      @Jan:

      Prinzipiell bin ich mit Dir gleicher Meinung. Dem Individualismus sollten Grenzen gesetzt werden. Auch Einwanderer sollten hinnehmen, wenn Deutsche ihre Namen eben lautlich Deutsch produzieren. Meine Mutter, Mary, verlangt auch nicht, dass man ihren Namen mit einem authentischen Chicago-Äääää ausspricht, oder mit englischem R–sie heißt in Deutschland einfach Märrie.

      Für mich wäre eine interessante Frage, ob man in Deutschland auf traditionell deutsche Aussprachen pochen darf, die heute nicht mehr gängig sind. Habe ja vor einigen Jahren hier schon mal eine leichte Kontroverse angefacht, als ich mitteilte, dass ich den Namen Natalie in der traditionellen deutschen Aussprache Natal-je am besten finde. Ist es da eben auch individualistisch-nervig-anmaßend, Leute auf die eigentliche deutsche Aussprache hin zu korrigieren, wenn das eigene Kind so hieße?

      Dass heutzutage Josephine oft französisch ausgesprochen wird, finde ich nervig. Es gibt doch die eindeutschende Aussprache schon seit so langer Zeit, und sie bis vor kurzem die einzig geläufige.

      Bald fangen wir noch damit an, Robert als Ro-bär auszusprechen–usw. Sprachlich-kulturelle Entgrenzung, Kulturchaos–nee, so was gefällt mir gar nicht….

    • Jan sagt:

      @ Mark

      Du lebst um ein Vielfaches mehr in unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen als ich. (Wie Du ja gerade als Anglokatholik merkst, der mit den schwäbisch-pietischtischen Eeehschters konfrontiert ist, die eben auch noch die Töchter Deiner lieben Glaubensbrüder sind. ;-)) Du bist da also der bessere Experte als ich.

      Nur ein paar Splitter: Ich habe als Kind auch die Aussprachen Mari-je, Soffi und Natall-je kennengelernt. Aber das klingt daher in meinen Ohren eben immer noch nach Oma, wärend MarI, NatalI und SophI eben nach einer hübschen jungen Dame klingen, vielleicht gar nach französischen Chansons. Was hat da nun den höheren Stellenwert? Ich weiß es nicht.

      Josephine ist in meinen Ohren ein Sonderfall, weil der Name von Josephine Beauharnais besetzt ist. Ich würde das immer französisch aussprechen. (Ich kenne aber auch keine deutsche Josephine.)

      Es ist eben nie ganz einfach, eine rechte Melange von Traditionsbewußtsein, (Sprach)patriotismus und Lebensart zu finden – ohne seinerseits selbst wieder als nervtötender Rechthaber dazustehen. Das wichtigste ist sicher: nicht darauf lauern, andere Leute korrigieren zu können – nicht darauf lauern, beleidigt sein zu können. Sage ich mal so als Nini (niedersächsischer Nicht-Intensivtäter).

      Wenn Du mal Zeit hast: Magst Du mal erklären, was das Charakteristische am Große-Seen-Dialekt des amerikanischen Englisch ist? Du hattest das hier schonmal erwähnt, würde mich mal interessieren.

    • Mareike sagt:

      @Mark

      Natalie
      Vermutlich liegt es an den regionalen Unterschieden, aber von einer Natalie in der älteren Generation habe ich in unserer Gegend (Westfalen) noch nie etwas gehört. Auch die Aussprache Natalije habe ich noch nie gehört. Natalie ist auch erst später zusammen mit Stefanie und Melanie modisch geworden, die natürlich am Ende mit i ausgesprochen werden.
      Die beiden Namen, die auf ie enden und bei denen das e mitgesprochen wird, sind Emilie (Emilije) und Antonie (Antonije).
      Das bezieht sich jetzt auf meine Region, in Ostfriesland, Schwaben oder Bayern kann das ganz anders aussehen. Ich wußte ja auch nicht, dass es Anni als richtigen Namen wirklich gibt.

      Josephine
      Wenn die deutsche Aussprache gewünscht wird, würde ich die Schreibweise Josefine nehmen. Josefine würde ich spontan deutsch aussprechen.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Josephine würde ich immer deutsch sprechen, ich kenne den Namen ahch nur so, dafür gleich mehrfach.
      Antonie wäre für mich mit i, aber trotzdem nicht wirklich französisch (ANtoni). Dafür würde ich Julie immer deutsch wie den Monat sprechen.

    • Kathrin sagt:

      Natalie kenne ich nur in der i-Aussprache (wie Stefanie), anders Josephine. Hier ist mir persönlich nur die ine-Aussprache begegnet. Wenn aber ein Elternteil auf seine, wie auch immer Aussprache (die nun mal die derzeit nicht geläufige ist) bestünde, näme ich es einfach hin. Meistens kenne ich es aber doch so: Ein franz. Paar hier in D mit Tochter Mathilde sprechen sie natürlich französisch aus. Alle anderen sagen genauso natürlich deutsch Mathilde und auch die Eltern finden das richtig so.

      Auch wenn es mir nicht immer in jedem Fall passen mag, Sprache und Namen sind nun mal „lebendig“ und Entwicklungen und Änderungen unterworfen. War immer so und wird sicher immer so sein. Eigentlich auch schön so.

    • Jan sagt:

      Nochmal @ Mark

      Bald fangen wir noch damit an, Robert als Ro-bär auszusprechen–usw. Sprachlich-kulturelle Entgrenzung, Kulturchaos–nee, so was gefällt mir gar nicht….

      Mir auch nicht – was Dich vielleicht bei einem Linken überraschen wird oder vielleicht auch nicht mehr, wir haben ja nun schon einiges von einander gelesen. Nur sehe ich Frankreich und das Französische in diesem Zusammenhang als keine nennenswerte Gefahr für das Deutsche. (Das war es vielleicht mal im 18. Jahrhundert.) Diese Gefahr geht heute meines Erachtens vom Englischen aus. Auch gar nicht so sehr vom Englischen selbst, sondern von der zu eilfertigen und zu beflissenen, oft gar von kulturellem Selbsthaß motivierter Übernahme von Anglizismen.

      Um es nochmals klarzustellen, ich bin ganz bestimmt kein dummlinker USA-Hasser (die gibt es auch), der den Amis „Kulturlosigkeit“ oder so einen Quatsch unterstellen würde. Es ist mir bewußt, welche kulturelle (gerade literarische) Blüte Anfang des 19. Jahrhunderts von Neuengland ausgegangen ist. Mein langlähriger Lieblingsmaler ist ein Ami: John Singer Sargent. Nur scheint mir sprachlich-kulturelle Selbstachtung eine Vorbedingung für die Achtung des Anderen.

      Und natürlich lasse ich mir nicht von irgendeinem Gurkenvolks-Nationalisten von irgendwoher vorschreiben, wie ich hier in Deutschland in meiner deutschen Sprache seinen Vornamen auszusprechen hätte. Die großen europäischen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch) haben da halt einen anderen – nämlich höheren – Stellenwert als andere Sprachen, ob einem das nun paßt oder nicht.

    • Nina sagt:

      Ich finde auch man darf Eltern ruhig darauf aufmerksam machen wenn sie für ihre Kinder eine „ungewöhnliche“ Aussprache gewählt haben. Ich gehe davon aus, dass die Mutter der armen Zoe einfach echt nicht wusste, dass Saui seltsam klingt.

    • Jan sagt:

      @ Kathrin

      Auch wenn es mir nicht immer in jedem Fall passen mag, Sprache und Namen sind nun mal „lebendig“ und Entwicklungen und Änderungen unterworfen. War immer so und wird sicher immer so sein. Eigentlich auch schön so.

      Das geht mir in dieser Form einfach zu weit, und zwar, weil es erfahrungsgemäß das Kernargument der Leute ist, die sich der Normierung und Reglementierung von Sprache widersetzen. Ich möchte Dir hier wirklich nichts unterstellen und vielleicht interpretiere ich hier etwas hinein, was gar nicht gemeint war. Aber dieses „Sprache ist eben etwas Lebendiges und verändert sich“ ist nun einmal (auf unterschiedlichen Ebenen – leider auch auf der wissenschaftlichen) der Standard-Einwurf gegen den Kampf für die Erhaltung und Bewahrung der deutschen Sprache und der deutschen Schriftkultur. Natürlich verändert sich die Sprache, es kommt aber darauf an, dafür zu sorgen, daß sie es langsam und in geregelten Bahnen tut.

      Das sage ich als deutscher Patriot, vor allem aber als Sozialist: Wenn in den Grundschulen nicht streng auf korrektes Deutsch (Rechtschreibung, Grammatik, Vokabular) geachtet wird, benachteiligt das die Unterschichten. Die Bourgeoisie bringt ihren Gören schon zur Not selbst halbwegs korrektes Deutsch bei. Die Eltern aus der (einheimischen oder ausländischen) Unterschicht können das nicht, ihre Kinder bleiben doof, d.h. in diesem Fall, sie bleiben strukturelle Analphabeten. Und genau das liegt im Klasseninteresse der herrschenden Klassen.

      Man sieht das doch an den kevinistischen Vornamen. Wer vergib sie? Die Unterschicht. Und wer lacht darüber? Die mittlere grüne Bourgeoisie. Und wer hat panische Angst, sie aus Versehen zu vergeben? Die abstiegsbedrohten unteren Mittelschichten. Warum als nicht einfach diese Vornamen, also insbesondere englische und rein künstliche Vornamen in Deutschland, verbieten?

      Henri Lacordaire sagt: „Zwischen dem Starken und dem Schwachen, zwischen dem Reichen und dem Armen, zwischen dem Herrn und dem Diener ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“

      Nochmals: kann sein, daß ich hier wieder weit über das Ziel hinausgeschossen habe und vor allem Katrins Absatz überinterpretiert habe, aber bei dem Satz „Sprache ist etwas Lebendiges und verändert sich.“ schrillen bei mir einfach die Alarmglocken.

    • mgl sagt:

      bei Belles Lettres: der Mann ist irgendwie so sehr von sich überzeugt, dass er meint alle müssen seiner Meinung folgen.
      Aber: sogar er kommt manchmal nicht darum herum zuzugeben, dass die Sprache das ist, was heute gesprochen wird.
      Sobald die Mehrheit irgendeine Fomulierung verwendet gehört sie halt in den allgemeinen SprachSCHATZ.

      aber klar, verstehe was dich ärgert. Wenn die Formulierung so klingt als hätte es eine Waldorfschulen-Mutter gesagt. nur mit Agavensirup wird gesüßt und der Sohn lernt 95 Fremdsprachen im Grundschulalter.
      DABEI(im Agavensirup) ist der Zeitrahmen in dem sich die Sprache angeblich verändert kürzer(3 Wochen vielleicht). Bei dem in Belleslettes Genannten geht es ja um halbe Jahrhunderte, in denen sich etwas ändert.

      Aussprache:
      im Kindergarten hieß ein Mädchen Sally. Die Erzieherinnen sprachen es Selli aus. ich habe also gelernt, das sei ein englischer Name und werde darum Sally geschrieben, Selli gesprochen. soweit noch ok.
      aber dann: habe ich die amerikanische(?) Mutter rufen gehört: „Saahli!“
      unlösbar für mich as Kind, warum gerade die Mutter nicht weiß wie der Name gesprochen wird.
      (nicht gewusst, dass es anders klingt wenn ein Deutscher Englisch spricht.)

    • Kathrin sagt:

      Vielleicht habe ich mich auch ungenau ausgedrückt, denn ich meinte auf keinen Fall, dass Sprache nicht Regeln und Gesetzmäßigkeiten unterworfenen sein sollte. Ist sie ja auch und das ist auch richtig so. Und das Änderungen in geregelten Bahnen verlaufen sollten, finde ich auch wichtig. In diesem Fall ging es mir vor allem um die Aussprache von Namen und dass es hier eben wie in der gesprochenen Sprache insgesamt Wandel, regionale Eigenheiten usw. gibt. Um beim Beispiel Natalie zu bleiben, war es wohl einmal die normale Aussprache Natalje zu sagen, heute ist es doch eher ungewöhnlich. Und das wiederum finde ich nicht schlimm. Was ist nun richtiger? Ehrlich in solchen Fällen muss ich sagen, keine Ahnung. Ich bin da einfach nicht konsequent, mal stört es mich, ein andermal nicht… Manchmal ist es schwer zu sagen, was man meint.

    • Jan sagt:

      Kathrin, genau, es ist verschiedener Hinsicht nicht ganz einfach. 🙂 Du bist Dir unsicher, Mark ist es auch und ich auch. Und viele andere Verständige hier auch.

      Man möchte nicht als Schulmeister und Rechthaber dastehen – ist es aber eben ab und zu doch und sogar auch mal ganz gerne. 😀

      Du hast da halt einfach (und das hatte ich ja auch schon heute morgen vermutet) und sicher unabsichtlich einen Pawlowschen Reflex bei mir ausgelöst, nämlich den, bei dem Sätzchen „Sprache verändert sich halt“ (der ja objektiv betrachtet stimmt) gleich wieder die Kohorten von permissiven Sprachpanschern vor mir zu sehen (die es leider auch gibt). Hinzu kommt bei mir der politische Konnex, der erfahrungsgemäß eine ziemlich deutliche Minderheiten-Position ist.

      Kein guter Realsozialist wird bestreiten, daß es gestrenge Lehrer (und ebensolche Polizisten und Soldaten etc. pp.) unbedingt geben muß. 😉 Ordnung muß sein.

      Wir sind uns also immerhin allerseits einig, nicht genau zu wissen, ob wir uns einig sind. Und daß es halt alles kompliziert ist. 😉

      Also: Ich würde auch /NAtali/ oder /NataLI/ sagen und der /NaTALLje/ oder /NattaLIe/ kaum je eine Träne hinterherweinen.

  11. Mirjam sagt:

    Soffi ist mir noch nie eine Untergekommen!
    ich kenne den Namen aber auch hauptsächlich aus dem Fernsehen. Bei mir hießen alle Omas und Tanten Anna, Maria oder Annemarie 😉

    ich würd wohl auch in die Kategorie „ich hör den Unterschied nicht“ fallen 🙁 es fällt mir auch jetzt schwer, die Namen mit verschiedenen Betonungen aussprechen zu wollen (KATTlehn) wobei ich den Namen tatsächlich eher englisch gesprochen hätte.

    Pätrick find ich grausam, ich hab einen Cousin Patrick, der deutsch ausgesprochen wird und hör den Namen demnach seit 20 Jahren so und alles andere klingt falsch in meinen Ohren!

    Ich find generell Damien/Damian schwer auszusprechen, mein Favo ist aber, indirekt wegen Herman Hesse, „Demian“ – Ausprachprobleme vorbrogrammiert. Würds hinten betonen und halt (meines Glaubens??) deutsch aussprechen.

    Oh und bezüglich Helena beton ichs auch an erster stelle, klingt dann mehr nach Hellenna 😉 Helene würd ich dann wieder HeLEhne sprechen. Liegt vermutlich einfach an den zwei Namensträgern die ich kenne und die halt so gesprochen wurden.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Helena/e würde ich auch so sprechen wie du.
      Ich kenne auch einen deutsch gesprochenen Demian, den ich früh genug kennen gelernt habe, um den Namen als normal – und jeden Damian als seltsam – zu empfinden. Besagter Demian wird aber vorne betont, also DEHmian gesprochen.

  12. Lilien sagt:

    Ja Tim und Tom sind in der Aussprache recht eindeutig. Aber schon bei Anna und Lena zieh ich nicht merh mit, denn da könnte man auch Änna (gerade durch die Eiskönigin) oder Lina sprechen. Eindeutig in der Aussprache sind wirklich nur sehr wenige Namen.

    • Annemarie sagt:

      Ich habe gerade von einer englisch gesprochenen Eva gelesen („Iwa“). So etwas, auch eine englische Anna, ist in D aber schwer durchzusetzen, jedenfalls sofern nicht ein eindeutig englischer Nachname vorhanden ist, da würde ich deshalb immer abraten. Es sei denn, man stört sich nicht daran, dass viele den Namen deutsch sprechen.

      Ansonsten klingen ja die allermeisten Namen aus englischem Mund anders – und von Sprechern anderer Weltsprachen auch -, das wäre für mich im deutschen Sprachraum nun aber kein Kriterium.

    • lenchen sagt:

      Bei einer englisch ausgesprochenen Eva muss ich an den Film Wall-E denken *hihi*

    • Moni sagt:

      Nur zur Info: Anna (aus „Die Eiskönigin“) wird auch in der englischen Version „deutsch“ ausgesprochen. Also ohne Ä vorne. 🙂

  13. elbowin sagt:

    Wenn man in den Krümeln sucht und insbesondere alle möglichen deutschen Dialekte einbezieht, werden kaum Namen mit echt eindeutiger Aussprache übrig bleiben. In meinem Umfeld aufgefallen:

    Jan: langes oder kurzes A (Jahn oder Jann)
    Jane: Einglisch oder Deutsch (ich kenne für beides Namensträgerinnen)
    Caius: K am Anfang oder G (klassische Lateiner machen das!)

    Wenn ich länder überlege, werden mir sicher noch mehr Beispiele einfallen.

    • Kathrin sagt:

      Mein Name zum Beispiel:

      Kathrin mit etwa gleich langen Vokalen, oder Kathrrinn mit kurzem i (wie ihn die meiste Bayern, wo ich inzwischen lebe, sprechen). Ersteres gefällt mir besser, zweiteres stört mich trotzdem nicht. Ist hier eben so und fertig.

    • Jan sagt:

      Ich meine aber schon, daß diese durch die Eigenheiten der verschiedenen deutschen Akzente und Dialekte bedingten Mikro- oder Krümel-Unterschiede schon eine andere Qualität haben als die bewußte Aussprache von deutschen Namen à l’anglaise… Ob man „Madda“ für Martha nun für besonders charmant hält oder nicht 😉 – das ist einfach etwas anderes als nun auch noch „Lina“ für Lena oder gar „Iwa“ für Eva. (Bei „Iwa“ kommt strafverschärfend hinzu, daß es bekanntlich noch eine richtige englische Form des Names Eva gibt.) Um es mal ganz vorsichtig zu formulieren: gequält-englische Aussprachen haben eine soziale Konnotation. In bestimmten Milieus gelten sie als besonders schick, in anderen macht man sich damit unmöglich.

    • Mirjam sagt:

      Wie spricht man Jane deutsch aus? Ich hab da nur Dschäin im Kopf

    • Annemarie sagt:

      Ich kenne eine Jane, die eigentlich Christiane heißt und deshalb auch wie der hintere Teil dieses Namens gesprochen wird.

    • Chiocciola sagt:

      „Ich kenne eine Jane, die eigentlich Christiane heißt und deshalb auch wie der hintere Teil dieses Namens gesprochen wird.“

      Da kenne ich auch eine.

      Wenn jemand mit vollem Namen Jane heißt, wird es wohl eher die englische Aussprache sein.

      Ich kenne allerdings eine deutsch gesprochene Jenni (die wirklich mit vollem Namen so heißt).

  14. Annemarie sagt:

    Okay okay, ich glaub’s ja: Es gibt irre viele Aussprachevarianten für (fast?) alle Namen 🙂

    Trotzdem wäre mein Rat, eine zu wählen – oder überhaupt einen Namen -, die oder der es dem Umfeld, in dem das Kind aufwachsen wird, aussprachemäßig vergleichsweise leicht macht. Wenn zwei Varianten ungefähr gleich häufig vorkommen, ist das natürlich nicht so leicht zu entscheiden.

    Dasselbe gilt bei Schreibweisen oder der Zuordnung von Unisexnamen zu Geschlechtern: Ich muss Mika nicht Mikah schreiben, „weil das schicker/besonderer ist“, wenn alle Welt den erst mal ohne schreiben wird, und ich muss auch meine Tochter eher nicht so nennen, wenn 97% der kleinen Mikas bei uns männlich sind. Oder aber ich und v.a. das Kind leben mit den oftmals nervigen Konsequenzen.

  15. Anne-Sophie sagt:

    Ich bin in Zentralthüringen groß geworden, nach Anne-Sophie Mutter benannt worden und war eine von zwei Anne-Sophies (zwei Sophies, zwei An(n)ikas, zwei…es war witzig!) in der Klasse. Beide wurden wir richtig von allen Anne-Sophie genannt. Betonung auf dem A, mit E, langes I bei Sophie. Nach meinem Umzug in westlichere Gefilde des Landes, fiel es plötzlich jedem schwer, meinen Namen richtig auszusprechen. Anna-Sophia, Anna-Sophie, Ann-Sophie ist der Favorit aller. Das kann ich nachvollziehen. Die nähere Nähe zu Frankreich verleitet dazu. Ich find’s grausam! Mein Vati war doch immer so stolz auf seine Wahl. Anne wollte ich nie genannt werden, doch kurioserweise waren Leute fähig, mich Anne zu nennen, die Anne-Sophie nicht rauskriegten. Sophie kommt im Hessischen auch niemandem „korrekt“ über die Lippen. Da bin ich halt Sofie.
    Meine Uroma im Sächsischen hieß Marie. Nein, nicht MaRIE… MArie. Also Mári. Geschrieben . Die andere Uroma, gleiche Region, hieß MaRIE… weiß der Geier! 😀 Beide Versionen halte ich für tragbar. Alle Versionen! Ich werde von Spaniern Ana-Sofía, von Italienern Soffi, von Polen Zosia, von US-Amerikanern Anne-Sofi genannt… Mittlerweile komme ich klar. Soviele Namen gibt es in zahlreichen Kulturen und werden durch die Globalisierung und Popkultur in unsere kommen und das war schon immer so und das ist ok. Ich werde Lehrerin. Lieber habe ich eine schöne Namensvielfalt mit einigen Herausforderungen vor mir, als zig Emils, Lottas und Lenas. Ich bin gespannt auf die kommenden Jahrgänge.

    • Jan sagt:

      Pö. Ich hätte gerade den Namen dieser Geigerin zur Rechtfertigung der Aussprache „Ann-SoFI“ verwendet…

      Jorge Luis Borges sagt (im „Deutsches Requiem)“: „Andere Nationen leben in Unschuld dahin, in sich befangen oder für sich, wie die Minerale oder die Meteore. Deutschland ist der universale Spiegel, der sie alle in sich auffängt: das Weltbewußtsein. […]“

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ohne das irgendwie genauer zu wissen hätte ich die Geigerin als ANne-soFI gesprochen.

  16. Christian sagt:

    Früher gab es doch mal die Erscheinung, dass sich viele mit dem Namen David, Patrick, etc. englisch aussprechen ließen.
    Das waren aber, meiner Erfahrung nach, die Kinder(„Kinder“) selbst, die sich diese Aussprache gewünscht haben. Manche schon im Grundschulalter.
    Heute sind es die Eltern. Wie interpretiert man das?

  17. Hanna sagt:

    Mich würde es persönlich mit sicherheit nerven, wenn man meinen Namen falsch aussprechen önnte(dafür werd ich immer falsch geschrieben…), aber ich hab eigentlich selten jemanden getroffen, bei dem ich vorher den Namen wusste, aber die Aussprache nicht. und selbst wenn, dann sagt mans einmal und fertig, oder nicht?

  18. Jan sagt:

    Kennte eigentlich jemand das allumfassende, furchtbar präzise und dennoch einfach zu handhabende System zur textlichen Darstellung von Aussprache mit Text? (Am besten inklusive Betonung und Vokallängen.)

    Das IPA-Alphabet, klar, siehe deutsche Wiki. Aber das kann kaum jemand lesen und gar keiner mehr schreiben. Ich jedenfalls nicht.

    Nebenbei: dieses die Aussprache ab und zu in // schreiben ist bei mir keine Schicki-Attitüde. Ich kenn das, seit ich im Netz bin (ca. 2000), von den Angelsachsen, im englischen Usenet war das damals so Usus. Man sieht das heute noch ab und zu in der englischen Wiki.

  19. Chiocciola sagt:

    Wenn man in den Krümeln sucht und insbesondere alle möglichen deutschen Dialekte einbezieht, werden kaum Namen mit echt eindeutiger Aussprache übrig bleiben. In meinem Umfeld aufgefallen:

    Jan: langes oder kurzes A (Jahn oder Jann)
    Jane: Einglisch oder Deutsch (ich kenne für beides Namensträgerinnen)
    Caius: K am Anfang oder G (klassische Lateiner machen das!)

    Da muss ich nicht in Krümeln suchen, ich finde das ein ziemlich häufiges Phänomen.
    Mir fällt dazu spontan ein:

    Ruth – Rutt oder Ruut
    Rita – Ritta oder Rieta
    Nicole – 1. oder 2. Silbe betont
    Nadine – dito
    Deniz – dito
    Marita – Maritta oder Marieta

    Als Dialektvarianten finden sich z.B. in Franken:

    Dommas, Maddin, Beder, Bedra, Madda sowie Dina mit haddem d

    in Schwaben:

    Krischtian, Krischtine, Sebaschtian, Eschter (von Astrid wollen wir mal gar nicht reden)

    • Jan sagt:

      Dommas, Maddin, Beder, Bedra, Madda sowie Dina mit haddem d

      Weia, die armen Frangen. Sie sind nun schon von den bayerischen Imperialisten geschluckt worden. 🙁 Und ihr Akzent wir dennoch von uns Nordlichtern notorisch als „sone prollige Version von Bairisch“ eingeordnet. 😀

      Maddin und Dommas und Beder sind wirklich entsetzlich! 😀

    • Rebecca Sophie sagt:

      Wenn man wirklich fränkisch spricht klingt es gar nicht unbedingt schlecht. Wenn ein Nichtfranke liest aber schon. Unf ist natürlich alles Ansichtssache.

    • Jan sagt:

      Das Prestige der einzelnen deutschen Dialekte – das ist eine extrem schwierige Frage, aber sie ist nun einmal legitim. 🙂

      Splitter:

      Wenn ich im norddeutschen Akzent rede, werde ich in Süddeutschland eben auch für einen verblödeten Deich-Hocker oder Fischbrötchen-Händler gehalten.

      Sächsisch hat einen schlechten Ruf, und die Sachsen (wohl der lebhafteste und charmanteste deutsche Stamm) pendeln zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Größenwahn hin und her.

      Dieser Rhein-Main-Dialekt scheint auch bei seinen Native-Speakers einen extrem schlechten Ruf zu haben. Ich finde ihn hübsch.

      Bairisch mögen alle gerne. Pfff…

      Wenn man Schwäbisch nur von Typen wie Oettinger hört, hast man es eben irgendwann.

      Ich mag besonders diesen kodderig-lakonisch-kaltschnäuzigen Brandenburger Akzent! (Das ist vielleicht die Haßliebe der Welfen zu den Hohenzollern. 😉 )

      Also: Akzente in Deutschen haben einfach eine gewisse Konnotation, ds ist nun einmal so.

    • Annemarie sagt:

      Für mich besteht aber schon ein Unterschied, ob

      a.) ein Name in Schwaben, Franken, Sachsen …, wo das betreffende Kind gar nicht aufwächst, anders gesprochen wird, oder ob ich

      b.) einen Namen aus einem anderen Sprachraum wähle, bei dem bei uns nicht wenige Schwierigkeiten mit der Aussprache hätten (Miguel, Eugene …), oder ob

      c.) man versucht, für einen geläufigen Namen eine unübliche Aussprache durchzusetzen (siehe die englische Eva).

    • Rebecca Sophie sagt:

      Oder ob
      d) ich eine eigentlich übliche Aussprache habe, im Moment aber in einer Region lebe, in der der Name anders gesprochen wird.

      Ansonsten stimme ich dir da vollkommen zu.

  20. lenchen sagt:

    Um noch einen Diskussionspunkt in die Runde zu werfen.

    Bei mir hängt die Aussprache des Vornamens auch oft davon ab, welchen Nachnamen man dahinter/davor stehen hat.

    Peter Schmidt klingt bei mir anders als Paul Smith.
    Da kommt bei mir Peter und nicht Piter und Pol und nicht Paul raus einfach.

    Natürlich hat man nicht immer den Nachnamen bei allen neuen Kontakten bereit.

    • Jan sagt:

      Natürlich hat man nicht immer den Nachnamen bei allen neuen Kontakten bereit.

      Na, bin schon froh, wenn ich mir halbwegs die Vornamen merken kann. Habe ein notorisch schlechtes Namens-Gedächtnis. Hab in meiner Jugend mal eine Freundin mit dem falschen Namen angesprochen, gab eine verdiente Ohrfeige. :-/ Ist mir ein Rätsel, wie Lehrer das machen: Also sich die Namen von 30 Scheiß-Gören gleichzeitig merken zu können, und das alle halb Jahr.

  21. Jan sagt:

    @ mgl

    Aussprache:
    im Kindergarten hieß ein Mädchen Sally. Die Erzieherinnen sprachen es Selli aus. ich habe also gelernt, das sei ein englischer Name und werde darum Sally geschrieben, Selli gesprochen. soweit noch ok.
    aber dann: habe ich die amerikanische(?) Mutter rufen gehört: „Saahli!“
    unlösbar für mich as Kind, warum gerade die Mutter nicht weiß wie der Name gesprochen wird.
    (nicht gewusst, dass es anders klingt wenn ein Deutscher Englisch spricht.)

    Zur „richtigen“ Aussprache des Englischen folgendes: Ich habe das im Usenet schon um das Jahr 2000 herum erlebt, daß sich BE-Muttersprachler über die deutsche Aussprache des englischen „butter“ als /BAtte/ und von „hand“ als /HÄND/ mokiert haben. Die meinten, es müsse /BUTter/ und /hand/ heißen. Der Langenscheidt von 1967, mit dem ich arbeite, macht aber ausdrücklich die südenglische Aussprache zur Norm. Auf sci.lang.translation stand damals diese Erklärung im Raum: Seit den 70ern haben sich nordenglische Aussprachen (also eben /BUTter/ und /HAND/ wie im Deutschen) auch im Südenglischen verbreitet. Ich weiß nicht, ob das stimmt, es scheint mir aber plausibel. Eben auch durch diesen Essex-Komplex (Proleten werden zu Thatcher-Wählern umerzogen) und das Ausstrahlen der Londoner Cockney-Akzents in den Großraum London.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Interessant, klingt aber sinnvoll. Ich kannte BATer und Händ aber auch als BE.
      Eine Anekdote die mir dazu einfällt ist eine Elterngemeinschaft, die gegen den britischen Englischlehrer protestierte, weil er eben can als kan und have als Haw aussprach – was für mich dann auch irgendwie mehr nach BE, bzw. einfach normaler klingt.

    • lenchen sagt:

      Da kann ich auch eine Anekdote beisteuern.
      Wir waren in unserer Oberstufe zu viele Leute, also wurden wir in den Fremdsprachen geteilt.
      Die eine Gruppe sprach feinstes Oxford-English, da die Professorin aus London kam und (e klar) meine Gruppe hatte eine Professorin die 5 Jahre in Amerika (glaub Kentucky) studiert und gelebt hat – ergo sprachen und schrieben wir amerikanisch.
      Und wenn es mal vorkam, dass man gemeinsamen Unterricht hatte (Supplierung zB) konnte man das Englisch der anderen Professorin nicht mitanhören.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Und was macht man als Schüler wenn man das andere lieber mag? In der Oberstufe ist das meines Wissens doch freigestellt. Und was macht ein Amerikaner in der Unterstufe wenn BE unterrichtet werden soll (bei uns bis zur 7. Klasse) bzw. ein Brite bei AE (8. Klasse)?

    • Jan sagt:

      Also, eigentlich sollte ein ausgebildeter Lehrer derlei aber abfedern können… Ein Deutschlehrer muß sich ja auch darüber im Klaren sein, ob er den Schülern Schwäbisch, Plattdeutsch, Hessisch oder eben Hochdeutsch beibringt. (Klar, kleinere dialektale Färbungen wird es immer geben, kein Problem.)

      Ich habe an der Uni mal kurz (und erfolglos wie immer) Spanisch gelernt. Die Lehrerin war eine Chilenin. Die erzählt uns einmal wutschnaubend folgendes: Zwei Schülerinnen hätten ihr gesagt: „Ach, Sie sind aus Chile? Dann lieber doch nicht, wir wollen ja akzentfreies Spanisch lernen…“ Die Lehrerin: „Lächerlich! Als ob ich nicht studiert hätte! Ich lehre ein Standard-Spanisch!“ Sie hatte natürlich vollkommen recht.

      Nichts ätzender übrigens aber als diese Englisch-Mutterprachler aus Newcastle upon Tyne, Liverpool oder Essex, die einem Deutschen dann erklären wollen, wie dies oder das „richtig“ ausgesprochen wird.

      (Wobei der beste Engländer, den ich hier je gekannt habe, aus dem Proletariat von Newcastle war und als „Boy Soldier“ mit 16 mit der englischen Armee nach Deutschland gekommen und nach seiner Dienstzeit hier hängengeblieben ist. Dem war das auch vollkommen klar, daß sein Akzent nicht verbindlich für uns ist, wenn wir uns dieses „internationale Englisch“ abquälen.)

    • Rebecca Sophie sagt:

      Da hast du natürlich auch wieder recht – und – jeder Akzent ist besser als ein deutscher, wenn dann in die Aussprache ein falscher Akzent rutscht ist sehe ich da kein Problem solange die Grammatik stimmt. Meine Frage bezog sich auch eigentlich auf Monis Kurse.
      Übrigens finde ich es interessant, dass die meisten Leute europäisches Spanisch lernen aber brasilianisches Portugiesisch lernen wollen.

    • Jan sagt:

      @ R.S.:

      Ich habe hier eine Gott-sein-Dank-nur-um-die-Ecke-Bekannte, die behauptet ernsthaft, sie lerne „Brasilianisch“. Es ist zum Heulen.

      Auf den Titelblätter auch aus (einst) renommierten Verlagen hat man schon vor zehn Jahren den Klopfer „Aus den Amerikanischen von XY“ lesen können.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ja bei diesem „Aus dem Amerikanischen“ fehlt mir auch immer noch ein „Englisch“. Meinetwegen so spezifisch, wenn es denn sein muss, aber „Amerikanisch“ gibt es nicht.
      Und „Brasilianisch“ eben auch nicht. Die beiden Sprachvarianten sind zwar tatsächlich recht verschieden, so dass Verständnisschwierigkeiten auftreten können (die Portugiesen lesen weder Bücher aus Brasilien noch schauen sie die dort synchronisierten Filme und nehmen stattdessen mit Untertiteln vorlieb), aber es ist dennoch dieselbe Sprache, es würde ja auch keiner den Latinos (aus Nichtbrasilien) ihr Spanisch absprechen.

    • Jan sagt:

      (die Portugiesen lesen weder Bücher aus Brasilien noch schauen sie die dort synchronisierten Filme

      Das könnte aber vielleicht auch an der Qualität der in Brasilien geschriebenen Bücher und dort synchronisierten Filme liegen! 😀

      @ Rebecca Sophie

      Ich habe mal gehört, die Brasilianer würfen den Portugiesen vor, sie „nuschelten“ – also genau das, was auch hier am Portugiesischen (inkl. des brasilianischen Portugiesischen) parodierbar ist und gelegentlich auch parodiert wird („Domm Ingnascho Ottelu Scharaiva de karvlscho de konselheiro…“) Weißt Du, ob das stimmt? Nuscheln die Portugiesen noch mehr als die Brasilianer?

      Der allseits bekannte phonetische Hauptunterschied zwischen dem spanischen/kastilischen und dem lateinamerikanischen Spanisch ist halt des „Seseo“ („Lispeln“) der Amerikaner: Das eisenharte z der Spanier (noch schärfer als englisches th!) wird in Amerika zu einem schlichten scharfen s.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Eigentlich nuscheln sie alle beide.
      Man muss allerdings sagen, dass die Brasilianer weniger sch einbauen. Dafür sprechen sie ihr l aber wie u aus, was auch wieder verwirren kann. Sie nuscheln aber tatsächlich allgemein etwas weniger als die Portugiesen.
      Ich habe schon mehrfach von in Portugal lebenden Brasilianern gehört die Portugiesen erst nach etwa einer Woche verstanden zu haben.

    • Jan sagt:

      Danke für die Erklärungen, Rebecca Sophie! 🙂

    • Jan sagt:

      Also, noch mal zu der Sache mit dem englischen Akzent. 2010, als diese kuriose Vera Meyer-Landrut in aller Munde war, haben wir uns – ob nun zu Recht oder zu Unrecht – herzlich über den „enteuerli brrrrrittisch Akzent“ lustig gemacht, den sie von ihrem Macher Stephan Raap (oder so ähnlich) verordnet bekommen hatte. Ameising.

  22. Chiocciola sagt:

    Noch drei Erlebnisse zum Thema „die liebe Not mit der Aussprache“:

    1. Ich war mal bei einer Taufe. Einer der Täuflinge hieß Jerome und der Pfarrer sprach den Namen konsequent deutsch aus. Also mit deutschem J und ausgesprochenem Schluss-e, Betonung auf der 1. Silbe.

    2. Ich unterhielt mich mit einer Bekannten über Vornamen, die uns gefallen. Sie erklärte, wenn sie mal eine Tochter bekäme, würde sie sie „Asina“ nennen. Ich stutzte: Asina heißt auf lateinisch „Eselin“. Ich überlegte gerade, wie man wohl darauf kommt, seine Tochter „Eselin“ nennen zu wollen, da sprach sie weiter und es wurde klar, sie meinte den griechischen Namen „Athina“ (der mit griechischem th gesprochen wird).

    3. Ein Freund von uns heißt Ahmet und kommt aus Syrien. Er lässt sich aber lieber mit seinem Familiennamen ansprechen, weil er es so grauslig findet, wie wir Deutschen seinen Namen aussprechen. Wir versuchten, uns von ihm die korrekte Aussprache beibringen zu lassen, scheiterten aber kläglich. Wir sprachen – unserer Meinung nach – genau das nach, was er uns vorsprach, aber für seine Ohren hörte es sich weiterhin falsch und grauslig an.

    • Jan sagt:

      3. Ein Freund von uns heißt Ahmet und kommt aus Syrien. Er lässt sich aber lieber mit seinem Familiennamen ansprechen, weil er es so grauslig findet, wie wir Deutschen seinen Namen aussprechen. Wir versuchten, uns von ihm die korrekte Aussprache beibringen zu lassen, scheiterten aber kläglich. Wir sprachen – unserer Meinung nach – genau das nach, was er uns vorsprach, aber für seine Ohren hörte es sich weiterhin falsch und grauslig an.

      @ Chiocciola

      Ohne mich schon wieder mit Dir angelegen zu wollen: Aber nach meiner persönlichen Erfahrung ist das schon ganz tyyypisch für Araber in Deutschland. Also unebdingt jedem erzählen zu wollen, wie phantastisch kompliziert, schwierig und furchtbar nuancenreich doch ihre Sprache sei. Ist natürlich Quatsch, semitische Sprachen sind einfach simpel. Die Phonetik hat man nach zwei Tagen drin. Von Persern, Indern, Japanern oder Chinesen (die erheblich mehr Grund dazu hätten, weil sie eben nicht nur eine eindimensionale Beduinen-Sprache sprechen), hört derlei auch komischerweise nie. (Auch das Türkische mit seinen verschiedenen Sprachschichten ist sicher subtiler als das Arabische.)

    • Rebecca Sophie sagt:

      Naja, ich habe auch schon Ausländer bei deutschen Worten verzweifeln hören – oder eben mich, weil z.B. langes e und i nicht unterschieden werden konnte oder kurzes u wie ü (und ü wie kurzes u) klang.
      Lustigerweise scheinen die Transkriptionen auch nicht inmer ganz stimmig zu sein, einige Namen werden eigentlich ganz anders gesprochen.

  23. Chiocciola sagt:

    „Für mich besteht aber schon ein Unterschied, ob

    a.) ein Name in Schwaben, Franken, Sachsen …, wo das betreffende Kind gar nicht aufwächst, anders gesprochen wird, oder ob ich

    b.) einen Namen aus einem anderen Sprachraum wähle, bei dem bei uns nicht wenige Schwierigkeiten mit der Aussprache hätten (Miguel, Eugene …), oder ob

    c.) man versucht, für einen geläufigen Namen eine unübliche Aussprache durchzusetzen (siehe die englische Eva).“

    Stimme grundsätzlich zu, habe aber noch ein paar Anmerkungen.

    Zu a) Wenn ich z.B. in Schwaben lebe oder z.B. schwäbische Verwandte habe, schadet es nicht, bei der Namenswahl mit zu bedenken, wie der betreffende Name von Schwaben ausgesprochen wird (gilt natürlich für jeden anderen Dialekt auch). Man muss deswegen ja nicht seinen Lieblingsnamen verwerfen, aber könnte dann z.B. von zwei in Frage kommenden Namen den „unproblematischeren“ wählen.

    zu b) Ganz problematisch wird es meiner Meinung nach bei Lauten, die es in der Landessprache des Wohnorts nicht gibt, z.B. englisches oder griechisches th, französische Nasallaute, arabische Hauchlaute …
    In einem Namensforum wurde mal der hebräische Name Chava diskutiert, den jemand ganz toll fand, aber begründete Bedenken hatte, dass den in Deutschland keiner richtig aussprechen kann.
    Auch den englischen oder französischen j-Laut, bekommen bei uns viele nicht korrekt hin.

    Andersherum finde ich es nicht ratsam, wenn man z.B. in Italien lebt (oder das Kind z.B. italienische Großeltern hat), einen Namen, der mit H anfängt, einen Umlaut enthält oder eine Konsonantenhäufung aufweist, zu wählen.

    zu c) Da würde ich differenzieren. Wer den Namen Jason (den aus der griechischen Mythologie) toll findet, muss meiner Meinung nach nicht „Dschejsn“ sagen, nur weil das derzeit die geläufigere Aussprache ist. Ähnliches gilt für Justin, Josephine (da scheint für manche ja auch „Dschosefin“ die übliche Aussprache zu sein).
    In deutscher Umgebung (und ohne entsprechenden Hintergrund) Eva, Anna oder Michael englisch auszusprechen, wirkt leicht affig.
    Mir ist allerdings z.B. mal ein Thomas begegnet, der französisch ausgesprochen wurde, der hatte, wenn ich mich recht erinnere, aber auch einen entsprechenden Hintergrund.

    Übrigens erlebe ich auch, dass viele es völlig in Ordnung finden, wenn ihr Name in einem anderen Land (oder von Personen mit anderer Muttersprache) nach den entsprechenden Ausspracheregeln ausgesprochen oder abgewandelt wird: Ich kenne eine Angelika, die sich häufig in Italien aufhält und sich dort als „Andschelika“ vorstellt, eine Julia wird sich vielleicht in einem englischsprachigen Land „Dschulia“ nennen usw.

    Dann gibt es aber auch noch Aussprachen, die wirklich einfach falsch sind, z.B. wenn man eine Chiara „Tschiara“ nennt oder wenn man ein Kind „Giulia“ nennen möchte, aber „Guilia“ schreibt (Was nach italienischer Ausspracheregelung dann auch Guilia ausgesprochen werden würde…)

    • Annemarie sagt:

      Klar können Eltern ihren Jason sprechen wie den aus der griechischen Mythologie. Das wäre aber sicher ein täglicher Kampf gegen Windmühlen, weil „Dschejsn“ so häufig ist (und obendrein leicht in eine bestimmte Schublade einsortiert wird – das kann schon durch das bloße Lesen des Namens geschehen). In so einem Fall würde ich dazu raten, lieber einen anderen Namen zu wählen.

    • Chiocciola sagt:

      Zumindest sollten die Eltern das vor der Namenswahl mit bedenken und sich darüber im klaren sein, dass dieser Name derzeit vielen englisch ausgesprochen geläufiger ist.
      Nicht, dass sie hinterher aus allen Wolken fallen und in Wehklagen ausbrechen, wie schrecklich der schöne Name immer verhunzt wird …
      Ob man deshalb einen Namen verwirft oder ihn trotzdem seinem Kind gibt, ist die Entscheidung der Eltern.

      Ich denke, da ist es auch unterschiedlich, wie wichtig einem die korrekte Aussprache des Namens ist.
      Wer Schnappatmung bekommt, wenn der Name seines Kindes auf deutsch statt englisch oder umgekehrt ausgesprochen oder auf der „falschen“ Silbe betont wird, sollte vielleicht darauf achten, einen Namen mit eindeutiger und allgemein akzeptierter und geläufiger Aussprache zu wählen.

      Wer gut damit leben kann, dass Jason ab und zu auch mal „Dschejsn“ genannt oder Sophie auch mal auf der 1. Silbe betont wird, muss sich seine Lieblingsnamen nicht deswegen madig machen lassen, weil manche sie anders aussprechen.

      Und ab einem gewissen Alter werden die Kinder sowieso selber entscheiden, wie sie sich nennen lassen.

  24. Julia sagt:

    Nicht nur angeblich. In Bayern sagt man wirklich Soffi.

    Außerdem sagt man in Franken Marri statt Marie. Oder Dafit statt David.

  25. Chiocciola sagt:

    Noch ein Erlebnis zum Thema:

    Eine Schulfreundin meiner Tochter heißt Juanita – deutsch gesprochen.
    Nun habe ich Juanita als spanischen Namen und mit spanischer Aussprache „abgespeichert“ und ich spreche ihn deshalb oft automatisch als „Chuanita“ aus. Um „Iuanita“ zu sagen, muss ich bewusst dran denken und eigentlich empfinde ich diese Aussprache als falsch.
    Meine Tochter wiederum empfindet nachvollziehbarerweise die Aussprache „Iuanita“ als richtig und schimpft mich, wenn ich ihn „falsch“ ausspreche. Sie kennt den Namen ja nicht anders und außerdem kennt sie bisher nur die deutsche Rechtschreibung und Aussprache und von daher ist es ihr völlig uneinsichtig, warum ich Juanita als „Chuanita“ spreche.

    • Jan sagt:

      Also, grundsätzliche Zustimmung natürlich zu Euren Überlegungen: Wer in bildungsbürgerlicher Rechthaberei einen Namen vergibt, der absehbar von breiteren Schichten des Volkes englisch ausgesprochen werden wird (/dschäizn/ oder /SCHAIsn/ statt des erwünschten /YAHzon/), muß eben damit rechnen, daß sich die Windmühlchen ewig weiter drehen werden. Das ist sozusagen das spiegelbildliche Schicksal eines Spießers, der unbedingt die englische Aussprache eines Namens durchsetzen möchte und damit immer wieder scheitern wird, sei es, weil die Leute wirklich nicht wissen, was gewünscht wird, sei es, weil sie renitent sind und sich nur ungern von irgendwelchen Trotteln zu Privatfernsehen-Sprache nötigen lassen.

      Bei der deutschen Aussprache von Juanita übrigens bin ich sofort bei „Johanniter“… Etymologisch, also im österreichischen Sinne, ist das ja sogar richtig. 😉

  26. Ayame sagt:

    Wegen Iason vs Dschäisen: Ich habe in einem anderen Namensforum mal eine Diskussion verfolgt, in der eine Dame überlegte, ihren Sohn Justin zu nennen – jedoch mit deutscher Aussprache. Sie wolle keinen „Dschastinn“, sondern einen Iustin. Schließlich hieße es ja auch Justus und nicht „Dschastäs“, oder bei dem Mädchennamen Justina käme ja auch nIemand auf die Idee, diese „Schastinä“ zu nennen. Nun ja, die anderen Foristen konnten ihr den „Iustiiin“ ausreden, es wäre einfach zu sehr ein Kampf gegen Windmühlen, hierzulande hat sich eben der angelsächsische (und unterschichtige) „Tschastinn“ etabliert.

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